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		<title>DadAWeb - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Reich,_Wilhelm&amp;diff=10665</id>
		<title>Reich, Wilhelm</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Literatur */ aktualisiert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wilhelm Reich''', geb. 24. März 1897, Dobrzanica/Galizien (Österreich); gest. 3. November 1957, Lewisburg/Pennsylvania (USA).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Biographischer Abriss ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich stammte aus der Bukowina, dem östlichsten Teil des ehemaligen österr.-ungarischen Reiches. Seine Eltern, Gutsbesitzer, hatten sich aus der jüdischen Tradition ihrer Vorfahren gelöst und der deutschen Kultur assimiliert, ohne jedoch einer christlichen Kirche beigetreten zu sein. Reich wurde zunächst durch Privatlehrer unterrichtet und besuchte später das Gymnasium der Provinzhauptstadt Czernowitz. Seine Jugend war von tragischen Ereignissen überschattet. Im Alter von zwölf Jahren wurde er durch den Selbstmord seiner Mutter, in dessen Vorgeschichte er sich verstrickt sah, seelisch stark traumatisiert. Fünf Jahre später, 1914, starb Reichs Vater an Tuberkulose, die er sich absichtlich zugezogen hatte. Reich hatte nun die Leitung des Gutes zu übernehmen, schloss daneben seine Schulausbildung mit dem Abitur ab, um anschliessend -- für dreieinhalb Jahre Soldat zu werden. Nach dem Krieg ging Reich, nunmehr mittellos, nach Wien und studierte Medizin (Dr. med. 1922).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich trat schon während des Studiums in Kontakt zu Sigmund Freud und wurde 1920 Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Seine Karriere als Psychoanalytiker, die eine Zeitlang glänzend schien, endete 1934 mit dem Ausschluss aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV). Die Vorgeschichte und der Hintergrund dieser unüblichen Massnahme sind zwar sehr interessant, aber zu komplex, um sie hier zusammenzufassen. Jedenfalls ist die verbreitete Auffassung, Reich sei wegen politischer Aktivitäten, die er einige Jahre lang im Rahmen sozialdemokratischer und kommunistischer Organisationen betrieb, von Freud und den Psychoanalytikern geächtet worden, oberflächlich. Der wahre Grund liegt in dem fundamentalen Gegensatz der &amp;quot;anarchistischen&amp;quot; anthropologischen Position Reichs zu der Freuds (s.u.).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reichs Engagement in der Arbeiterbewegung hatte 1927 begonnen und endete 1933 (ebenfalls mit einem Ausschluss: aus der KPD -- Reich war 1930 nach Berlin übersiedelt). In dieser Zeit veröffentlichte Reich jene Schriften, die später den Anlass für seine Wiederentdeckung durch die Studentenbewegung von 1968ff gaben und ihn weithin als &amp;quot;Freudo-Marxisten&amp;quot; etablierten. Doch Reichs Position ist, wie sowohl die Abstossungsreaktionen von KPD und IPV als auch die zurückhaltende Rezeption Reichs durch die Theoretiker der Studentenbewegung zeigen, weder für Freudianer noch für Marxisten noch für Freudo-Marxisten akzeptabel.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Ausschluss aus den Organisationen, auf deren theoretische bzw. ideologische Ausrichtung er mit seinen Ideen Einfluss nehmen zu können geglaubt hatte, versuchte Reich, unter Verzicht auf jegliche institutionelle Stützung die Eigenständigkeit seiner Position herauszuarbeiten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Erschwernissen des Exils -- ab 1934 in Norwegen, ab 1939 in den USA -- begann Reich ausserdem, seine psychologischen und soziologischen Erkenntnisse durch eigene physiologische, biologische und später auch physikalische Forschungen zu untermauern. Er entwickelte einerseits seine psychotherapeutische Technik (die aus der Psychoanalyse hervorgegangene &amp;quot;Charakteranalyse&amp;quot;) durch Einbeziehung des gesamten Organismus, insbesondere seiner vegetativen Funktionen, zur &amp;quot;Vegetotherapie&amp;quot; weiter (weshalb er heute oft auch als &amp;quot;Vater der Körperpsychotherapien&amp;quot; bezeichnet wird); und er drang andererseits durch gezielte experimentelle Forschung in immer elementarere Bereiche vor, bis er mit dem von ihm so genannten &amp;quot;Orgon&amp;quot; die &amp;quot;primordiale&amp;quot; kosmische Energie entdeckt zu haben behauptete.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reichs wissenschaftlicher Werdegang, sein &amp;quot;Werk&amp;quot;, das hier im Einzelnen weder vorgestellt noch beurteilt zu werden braucht, hat eine strengere innere Konsequenz, als dies in dieser knappen Skizze deutlich werden konnte. Wenn Reich mit seinen Theorien meist Ablehnung, ja Feindschaft provozierte, so scheint die wesentliche Ursache dafür gar nicht in seinen eigentlich wissenschaftlichen Aussagen zu liegen (oder in der Art, wie er sie präsentierte), sondern vielmehr in der ihnen zugrundeliegenden anthropologischen Grundauffassung, auf die allein hier, wo es um Reichs Bedeutung für den [[Anarchismus]] geht, näher einzugehen sein wird.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon im Verlauf seines Konflikts mit Freud und den Funktionären der psychoanalytischen Organisationen, der von diesen keineswegs argumentativ, vielmehr mit den Mitteln der politischen Intrige geführt wurde, wurde Reich als &amp;quot;Sexualanarchist&amp;quot; und &amp;quot;ethischer Anarchist&amp;quot; bezeichnet. Und die spätere, nicht weniger intrigante Kampagne, die in den USA schliesslich zu Reichs Inhaftierung und seinem Tod im Bundesgefängnis von Lewisburg führte, begann 1947 mit einem Magazinartikel folgenden Titels: ''The New Cult of Sex and Anarchy''.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bezeichnungen Reichs als Anarchisten waren vage genug, um die übliche polemische Funktion zu erfüllen; gleichwohl deuten sie durchaus in die ideologische Richtung, der man Reich am ehesten zuordnen könnte. Zwischen Anarchisten und Reich gab es indes nur sehr geringe Kontakte. Eine Rezeption seines Werks durch Anarchisten ist nur in schwachen Spuren erkennbar. Der Nachruf auf Reich, der am 16. November 1957 in der Londoner ''Freedom''  erschien, referiert zwar sein Lebenswerk mit Sympathie, lässt aber nicht erkennen, welchen Wert man diesem für die Theorie des Anarchismus beimass.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich hat sich selbst nie als Anarchist bezeichnet. Er war der Meinung, dass die Anarchisten, gleich welcher Richtung, die ungeheure Problematik der Freiheitsunfähigkeit der gegenwärtigen Menschen stark unterschätzten bzw. ignorierten: &amp;quot;Sie vernachlässigen die hilflose, führungsbedürftige, ja oft autoritätssüchtige Struktur der Masse. Sie sehen nur deren Freiheitssehnsucht; doch diese Sehnsucht darf mit der Fähigkeit, frei zu sein ... nicht verwechselt werden.&amp;quot; (zit. n. Laska, S.71f) Schliesslich hat Reich alle politischen Aktivisten (nicht speziell die Anarchisten), die mit der Parole der Freiheit operierten, verächtlich &amp;quot;Freiheitskrämer&amp;quot; genannt, Leute, die um eines zweifelhaften Profits willen etwas anpreisen, von dem sie selbst nicht wirklich wissen, was es ist.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anthropologische Grundposition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich ist als Erforscher der Freiheitsproblematik in eine Reihe zu stellen mit (nur) zwei anderen aufklärerischen Denkern, die zu ihrer Zeit aufgrund einer ähnlichen Position von fast allen Aufklärern (von den Gegenaufklärern ohnehin) ebenso bekämpft oder geächtet wurden wie er, mit [[Julien Offray de La Mettrie|La Mettrie]] (1709-51) und [[Max Stirner|Stirner]] (1806-56); als Vorläufer dieser dünnen Traditionslinie könnte [[Etienne de La Boëtie]] (1530-63) mit seiner Abhandlung über die &amp;quot;freiwillige Knechtschaft&amp;quot; gelten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich kannte La Mettrie und Stirner; er erwähnt sie aber in seinen Schriften so selten, dass diese ideengeschichtliche Verortung Reichs angesichts der bei ihm im Vordergrund stehenden diversen Bezüge etwa auf Marx und Freud, angesichts seines oft betonten Selbstverständnisses als Naturforscher und angesichts anderer hervorstechender Aspekte seines Lebens und Werks einer ausführlichen Begründung bedürfte. Diese kann hier, schon aufgrund der Fülle des Materials, nicht gegeben werden. Hier kann nur, vergleicht man Reichs Werk mit einem Palimpsest, dessen unterste Schicht, die Reich selbst mehrmals überschrieb und deren Text nur an wenigen Stellen durchscheint, freizulegen versucht werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der Zeit, als Reich sich der psychoanalytischen Bewegung Sigmund Freuds anschloss, hatte diese den inneren Konflikt, der aufgrund der &amp;quot;anarchistischen&amp;quot; -- vermeintlich nihilistischen -- Konsequenz jedes aufklärerischen Denkwegs in den meisten aufklärerischen Gruppierungen nachzuweisen ist, bereits hinter sich: rekonstruierbar anhand einiger, scheinbar marginaler, Ereignisse auf dem psychoanalytischen Kongress 1908. (Anm. 5.11.2002: vgl. hierzu: [http://www.lsr-projekt.de/gross.html Bernd A. Laska: Otto Gross zwischen Max Stirner und Wilhelm Reich], insbesondere das Kapitel 4.1.1)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Psychiater und Nervenarzt Freud hatte damals bereits eine Reihe von Schriften veröffentlicht, in denen er seine Auffassung von der Ätiologie (Verursachung) der Neurosen darlegt. Freud lehrte, es gäbe bereits beim kleinen Kinde berechtigterweise sexuell zu nennende Triebregungen, deren notwendige &amp;quot;Verdrängung&amp;quot; in den psychischen Bereich des &amp;quot;Unbewussten&amp;quot;, wenn sie &amp;quot;missglücke&amp;quot;, zur Entstehung von Neurosen führe; für deren Heilung, d.h. zur Beseitigung der neurotischen Symptome, sei die Aufhebung dieser Verdrängung im psychoanalytischen Verfahren, gefolgt von einer bewussten Verurteilung der freigelegten Triebregung, Voraussetzung. Freud war sich der weit über den medizinischen Bereich hinausreichenden Bedeutung seiner Entdeckungen bewusst und sah sich in der Tradition von Aufklärern wie Feuerbach und Nietzsche.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den wenigen, meist jüngeren Kollegen, die der bereits in seinem sechsten Lebensjahrzehnt stehende Freud (1856-1939) in jenen Anfangsjahren der Psychoanalyse für diese gewinnen konnte, waren zwei, die, unabhängig voneinander, die aufklärerische Potenz der Erschliessung des Unbewussten durch Freud weit höher veranschlagten als dieser selbst: Sándor Ferenczi (1873-1933) und [[Otto Gross]] (1877-1920).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferenczi trug auf jenem Kongress 1908 seine Gedanken über die allgemeineren Konsequenzen der Freud'schen Entdeckungen vor. Er vertrat, bestimmter als Freud, die Auffassung, dass von jener &amp;quot;missglückten&amp;quot; Verdrängung im Grunde jeder, also auch der symptomfreie &amp;quot;Normale&amp;quot; betroffen sei. Die bei jedem Menschen vorhandenen, verdrängten und durch die Verdrängung im Unbewussten &amp;quot;zu einem gefährlichen Komplex antisozialer und selbstgefährlicher Instinkte&amp;quot; gewordenen &amp;quot;Gedanken und Strebungen&amp;quot; könnten nur mit einem hohem Aufwand, &amp;quot;durch das automatische Wirken gewaltiger Schutzvorrichtungen unterdrückt...werden, [d.h.] mit moralischen, religiösen und sozialen Dogmen.&amp;quot; Diese irrationale Funktionsweise der Verhaltenssteuerung durch &amp;quot;unappellierbare Prinzipien&amp;quot;, argumentierte Ferenczi, sei nicht nur mit sehr viel überflüssiger Seelenqual und geminderter Genussfähigkeit verbunden, sondern obendrein offenkundig unzweckmässig. Die gesellschaftlich zu beobachtenden &amp;quot;Äusserungen der illogischen Arbeitsweise des Verdrängten&amp;quot; gäben Anlass, die bestehende, auf jenen Dogmen basierende Ordnung, die sich mittels derart zugerichteter Individuen &amp;quot;seit undenklichen Zeiten&amp;quot; immer wieder reproduziert, grundsätzlich in Frage zu stellen. Die durch Freuds Erkenntnisse ermöglichte &amp;quot;innere Revolution&amp;quot;, so Ferenczi, könnte &amp;quot;die erste Revolution [sein], die der Menschheit eine wirkliche Erleichterung schüfe...&amp;quot; (zit. n. Sándor Ferenczi: Zur Erkenntnis des Unbewussten. Frankfurt/M 1989. S.63ff, 178ff)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Otto Gross, den Freud zeitweilig für einen der fähigsten Köpfe unter seinen Schülern hielt, vertrat auf dem gleichen Kongress ähnliche Auffassungen. Die beiden jungen Psychoanalytiker hatten die Vision eines Neuen Menschen: das wirklich freie, autonome, selbstbestimmte, d.h. das psychisch &amp;quot;gesunde&amp;quot; Individuum, sei, so Ferenczi, zwar nicht durch Massentherapie, aber durch Massenprophylaxe, also durch einen &amp;quot;radikalen Umsturz in der Pädagogik&amp;quot; auf der Grundlage der Freud'schen Entdeckungen in den Bereich des Möglichen gerückt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freud indes hielt wenig von diesen Konsequenzen seiner Lehre. Er brüskierte Gross nach seinem Vortrag 1908 mit der Ermahnung: &amp;quot;Wir sind Ärzte und wollen Ärzte bleiben.&amp;quot; (Ein schieres Machtwort -- denn Freud selbst war stets nur notgedrungen Arzt.) Und er verweigerte Ferenczi die dringend erbetene Stellungnahme. Stattdessen veröffentlichte er noch im gleichen Jahre seine Schrift ''Die 'kulturelle' Sexualmoral und die moderne Nervosität'', in der er, wie in einigen nachfolgenden, die kulturkonservative Generallinie der Psychoanalyse festlegte. Weder Ferenczi noch Gross gelang es, in der von Freud unangefochten dominierten psychoanalytischen Bewegung Interesse für ihre anarchistische Perspektive zu wecken. Gross wurde bald zum &amp;quot;Fall&amp;quot; und starb, von Freud ignoriert, im Jahre 1920. Ferenczi unterband seine radikalen Ambitionen und wurde für lange Zeit Freuds engster Mitarbeiter.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich scheint, als er sich 1920 der psychoanalytischen Bewegung anschloss, von dem mehr als ein Jahrzehnt zurückliegenden, von Freud im Keim erstickten &amp;quot;anarchistischen&amp;quot; Vorstoss nicht erfahren zu haben. Seine Beiträge zur psychoanalytischen Diskussion, die Anfang der 20er Jahre einsetzten, waren zunächst vorwiegend technischer Natur und liessen seine weltanschauliche Position kaum erkennen. Postum wurden aber Tagebucheinträge des jungen Reich bekannt, von denen der prägnanteste ein Schlaglicht auf seine von Beginn an bestehende, zunächst verborgene &amp;quot;anarchistische&amp;quot; Opposition wirft: &amp;quot;Max Stirner, der Gott, der 1844 sah, was wir 1921 nicht sehen!&amp;quot; (Zit. n. Laska, S.16) Wir -- damit sind natürlich sie, die psychoanalytischen Kollegen, gemeint.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Öffentlich erwähnte Reich den verpönten Stirner, dem er hier einen sonst von ihm nie verliehenen superlativischen Titel gab, nirgends; die Nennung von dessen ''Einzigem'' in der Bibliographie seines letzten grösseren Werkes, ''Christusmord'' (1953, dt. 1978), verrät allerdings dessen dauerhaften latenten Einfluss. Reich vermied zunächst, innerhalb der psychoanalytischen Bewegung mit Argumenten zu operieren, die als ideologisch motiviert erscheinen könnten. Seine Strategie bestand vielmehr darin, durch Publikation der Ergebnisse seiner oft als herausragend anerkannten, rein klinischen Arbeit scheinbar beiläufig die ideologische Begrenztheit der von Freud geprägten Psychoanalyse aufzuzeigen, in erster Linie deren Unvermögen, zu einem anderen Heilungs- bzw. Gesundheitskriterium zu kommen als dem der Realitätstüchtigkeit und Angepasstheit in der jeweils vorgefundenen Gesellschaftsordnung.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich entwickelte, auf der Basis der Freud'schen Lehre von der sexuellen Ätiologie der Neurosen, ein solches Kriterium, das nicht solchermassen beliebig, sondern an der psycho-physischen Organisation des Menschen orientiert war: die volle sexuelle Befriedigbarkeit bzw. orgastische Potenz. In Reichs Typologie der Charaktere, die aus der psychoanalytischen hervorging, hiess der nach diesem Kriterium Gesunde: genitaler Charakter; dieser war zugleich (was hier nicht begründet werden kann) auch der wahrhaft freie, autonome, sich selbst steuernde Mensch -- der allerdings mit der derzeit bestehenden, von der massenhaften Neurose geprägten Gesellschaftsordnung eher in Konflikt als in Frieden lebt.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freud -- ebenso der Tross der Psychoanalytiker -- wollte diesen zweiten &amp;quot;anarchistischen&amp;quot; Vorstoss innerhalb der Psychoanalyse wiederum erst gar nicht diskutieren, sondern ebenso ersticken wie den ersten: er schwieg nachhaltig. Doch Reich blieb standhaft widersetzlich und festigte seine Position mit weiteren soliden klinischen Arbeiten, so dass Freud schliesslich nur noch den Ausweg sah, Reich mit administrativen Mitteln kaltzustellen -- was bald geschah. Dieser Coup, sein Gelingen in einer Gruppe, die sich dezidiert als aufklärerisch, freigeistig, liberal etc. verstand, sowie der nachfolgende Umgang mit ihm ist in seinen verschiedenen Aspekten eines der erhellendsten, gleichwohl ein noch ungeschriebenes Kapitel zur Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die praktische Bedeutung des Kriteriums der &amp;quot;orgastischen Potenz&amp;quot; schätzte Reich dabei nicht einmal hoch ein. Denn es war offenkundig, dass nach Lage der Dinge, bei konstatierter Massenhaftigkeit der Neurose, mit therapeutischen Anstrengungen kaum ein nennenswerter Erfolg zu erreichen war -- oft nicht einmal beim Individuum, das aus verschiedensten Gründen gar nicht nach diesem Kriterium zu heilen war. Sollte jene grosse, qualitativ neue &amp;quot;innere Revolution&amp;quot; (s.o.) stattfinden, sollten neue, aufgeklärte, erstmals freiheitsfähige Menschen entstehen, so konnte dies nur durch Neurosenprophylaxe im Massenmassstab, durch Umwälzung der Erziehungspraxis, bewirkt werden -- was einer &amp;quot;äusseren Revolution&amp;quot; gleichkäme.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine radikale Reform der Erziehung hatte schon Ferenczi 1908 gefordert, zu Freuds Verdruss mit vage anarchistischem Anklang. Doch Ferenczi hatte auch später noch, als er zu Freuds engstem Kreis gehörte, prophezeit, eine solche psychoanalytisch aufgeklärte Reform führe zu einer gesellschaftlichen &amp;quot;Neuordnung ... die nicht nur auf die Interessen einzelner Mächtiger Rücksicht nimmt.&amp;quot; Jede Einschränkung der Individualität, der &amp;quot;Staat&amp;quot;, dürfe allenfalls &amp;quot;eines der Mittel zum Wohle des Individuums sein.&amp;quot; (Ferenczi, a.a.O., S. 215f)  Warum tolerierte Freud jetzt (und später) derartige Ansichten bei seinen Schülern, während er Reichs Position nicht ertrug?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grund scheint im Kern darin zu liegen, wie Reich die Neurosenprophylaxe durch Erziehungsreform, die Hervorbringung des neuen, freiheitsfähigen Menschen, konzipierte. Ferenczi hatte geschrieben, die &amp;quot;durch die Psychoanalyse belehrte Pädagogik&amp;quot; der Zukunft werde mit den verschiedensten Methoden operieren, jedenfalls &amp;quot;mit kluger Diplomatie ... die Charakterbildung in zweckmässige Bahnen lenken.&amp;quot; Dieses Projekt, die Aufstellung besserer, humanerer, effektiverer, jedenfalls positiver Erziehungsregeln und -ziele, die auf ein gesellschaftliches Ideal ausgerichtet sind, entsprach den Vorstellungen auch vieler anderer Psychoanalytiker. In Freuds neuer, 1923 eingeführter Terminologie liesse es sich so formulieren: die (dank psychoanalytischer Erkenntnisse) auf schonende Weise erfolgende Introjektion eines ideal konzipierten Über-Ich. Dieses Über-Ich, das im Individuum als Sitz von Wertempfinden, Moral, Gewissen etc. fungiert, sollte nicht zu schwach sein -- damit es das erwünschte Verhalten durchsetzen kann -- und nicht zu stark -- damit es nicht zu Leistungsminderung, Krankheit oder sozialen Auffälligkeiten kommt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich wandte sich in einer Arbeit [http://www.lsr-projekt.de/wrzwang.html ''Der Erziehungszwang und seine Ursachen''] (1926, s. Laska, S. 142) gegen dieses Konzept. Er hob dort die Wirksamkeit unbewusster Motive der (neurotischen) Erzieher hervor, sprach von &amp;quot;Erziehung als Neuroseäquivalent der Erwachsenen&amp;quot; und führte eine Reihe psychoanalytischer Argumente auf, warum aktive Erziehung, auch bei besten Absichten, zur Neurotisierung der Heranwachsenden führt. Reich gab deshalb &amp;quot;nur eine negative Regel: Enthaltsamkeit in der Erziehung bis zum äussersten, Einschränkung der Erziehungsmassnahmen auf die allernotwendigsten Versagungen.&amp;quot;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders formuliert, ging es für Reich darum, dass zu verhindern wäre, dass im Individuum ein Über-Ich im Freud'schen Sinne entsteht. Denn diese psychische Instanz als solche ist -- und beinhalte sie die &amp;quot;richtigsten&amp;quot;, ja anti-autoritäre, Normen -- der Inbegriff von Heteronomie. Entscheidend jedoch ist die durch mehrtausendjährige Menschheitspraxis belegte und durch konsequente psychoanalytische Forschung aufgeklärte Kontraeffektivität der Verhaltenssteuerung durch ein Über-Ich: &amp;quot;'Moral' schafft erst dasjenige Triebleben, zu dessen sittlicher Beherrschung sie sich berufen ausgibt; und der Wegfall dieser Moral ist die Vorbedingung des Wegfalls der Unmoral, die zu beseitigen sie sich vergeblich bemüht.&amp;quot; (zit. n. Laska, S.78) Reichs Programm zur Verwirklichung des neuen, freiheitsfähigen, sich selbst steuernden, wahrhaft autonomen Menschen lautet, in Freud'scher Terminologie: Abbau und schliessliche Eliminierung des Über-Ich.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich selbst beschrieb sein Programm nicht in diesen Begriffen. Dafür gab es mehrere Gründe: persönliche (die in seinem Verhältnis zur Person Freud liegen), taktische (die mit seiner Stellung in der Gruppe der Psychoanalytiker zu tun haben), vor allem aber sachliche: Indem Reich sich mit der Entwicklung der Psychoanalyse zur Charakteranalyse und zur (den Gesamtorganismus einbeziehenden) Vegetotherapie von der psychoanalytischen Orthodoxie entfernte, entwickelte er auch eigene Modellvorstellungen und Termini, die von denen der Freud'schen Metapsychologie (Es, Ich, Über-Ich) abweichen. Er sprach nun z.B. von der &amp;quot;physiologischen Freiheitsunfähigkeit&amp;quot; des jetzigen Menschen, die zu erkennen und zu bewältigen sei, damit der Kampf um Freiheit nicht mehr, wie bisher stets, in eine neue Art von Unfreiheit münde. (vgl. dazu: Massenpsychologie..., S.308-348)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vorliegender Darstellung wurde, zugunsten der Allgemeinverständlichkeit, so weit wie möglich auf (Reich'sche wie Freud'sche) Fachausdrücke verzichtet. Einige waren freilich unvermeidbar, und da schien es am zweckmässigsten, jene zu verwenden, die, wie etwa &amp;quot;Über-Ich&amp;quot;, bereits weitgehend in die Normalsprache eingegangen sind. Massgeblich war ihre Verwendbarkeit für den Zweck dieses Artikels: Reichs Bezug zur Theorie der Anarchie freizulegen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reichs potentielle Bedeutung für den Anarchismus ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der neuzeitlichen Aufklärung haben einige der berühmtesten ihrer Vertreter gerade diejenigen Denker, die die anarchistischen Konsequenzen eines genuin aufklärenden Denkens hervorhoben und auszuarbeiten versuchten, erbittert bekämpft, und zwar bezeichnenderweise nicht nach den von ihnen selbst propagierten Regeln rationaler, fairer Argumentation, sondern -- wie Reich verächtlich sagen würde -- auf &amp;quot;politikante&amp;quot; Weise: durch Intrige, Verleumdung, Totschweigen etc. Ihren bis heute anhaltenden Publikumserfolg verdankten sie dann nicht zuletzt ihrem kastrierenden Plagiieren, virtuosen Zerreden und gelehrsamen Verschütten der von ihnen im Denken jener Verfemten aufgespürten radikalen Inhalte. So lässt sich, aus heuristischen Gründen zugespitzt, das Verhältnis der französischen Aufklärer des 18. Jahrhunderts zu La Mettrie, das von Marx und Nietzsche zu Stirner und das Freuds und der Psychoanalytiker zu Reich auf den Punkt bringen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle der &amp;quot;klassischen&amp;quot; anarchistischen Theoretiker in diesem Prozess liesse sich am besten an ihrem Verhältnis zu Stirner aufzeigen (vgl. a. [[Individualistischer Anarchismus]]). Reich, der ab Mitte der 20er Jahre wirkte, wurde von späteren anarchistischen resp. libertären Autoren nur sehr selten und jedenfalls nicht in seiner radikalen Spezifität wahrgenommen. Man kann deshalb nur von seiner potentiellen Bedeutung für die anarchistische Theorie/Praxis sprechen. Um sie zu bestimmen, scheint -- aus den angedeuteten Gründen -- eine Revision des gesamten Prozesses der &amp;quot;sozialistisch&amp;quot; und/oder &amp;quot;liberalistisch&amp;quot; abgebogenen Aufklärung erforderlich; oder, richtig herum gesagt: um zu einem Verständnis der Degeneration der neuzeitlichen Aufklärung und des Schicksals ihrer anarchistischen Komponenten zu kommen (und daraus Schlüsse für die gegenwärtige Situation zu ziehen), erscheint das klärende Eruieren der Rolle Reichs (sowie Stirners und La Mettries) in diesem Prozess (das &amp;quot;LSR-Projekt&amp;quot;) als erfolgversprechender Ansatz.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Von Reich (Auswahl)'''  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Sexuelle Revolution, Frankfurt/M 1966 (1936)&lt;br /&gt;
* Die Funktion des Orgasmus, Köln 1969 (engl. Übers.1942)&lt;br /&gt;
* Massenpsychologie des Faschismus, Köln 1971 (engl. Übers.1946, Urfassung 1933)&lt;br /&gt;
* Charakteranalyse, Köln 1970, neue Teilübers. 1989 (engl. Übers.1949, Urfassung 1933)&lt;br /&gt;
* Christusmord, Olten u. Freiburg 1978 (engl. Orig.1953)&lt;br /&gt;
* Menschen im Staat, Frankfurt/M 1982, neu ed. 1995 (engl. Übers.1953)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Über Reich (Auswahl)''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bernd A. Laska, Wilhelm Reich, Reinbek (1981), 6., aktualisierte Auflage 2008 (enth. Bibliographie)&lt;br /&gt;
* Myron Sharaf, Wilhelm Reich, Berlin 1994 (engl.1983)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
---------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
 &lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Individualistischer_Anarchismus&amp;diff=9497</id>
		<title>Individualistischer Anarchismus</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Geschichte */ s. Diskussionsseite&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Sachthemen|Lexikon der Anarchie: Sachthemen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
==Begriff==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ausdruck '''individualistischer Anarchismus''' (synonym auch ''individueller Anarchismus'', ''Individualanarchismus'' oder ''anarchistischer Individualismus''), bezeichnet ein im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entstandenes Konzept einer zukünftigen [[Gesellschaft]], in der die [[Freiheit]] jedes [[Individuum]]s (von äusserem [[Zwang]]) den höchsten Wert darstellt und so weit wie möglich gewährleistet sein soll, d.h. nur in dem Masse eingeschränkt ist, das sich daraus ergibt, dass alle Individuen diese Freiheit gleichermassen haben sollen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' sehen das Haupthindernis, das einer solchen [[Gesellschaftsordnung|gesellschaftlichen Ordnung]] entgegensteht, in der Institution des [[Staat|Staates]] (auch eines ideal demokratischen), und zwar deshalb, weil der Staat die Freiheit der meisten Individuen mehr als im genannten Sinne erforderlich einschränkt, um einige institutionell verankerte Privilegien, die staatlichen Monopole, die die Freiheit des Wettbewerbs der Individuen behindern bzw. ausschalten, aufrechtzuerhalten. Es handele sich dabei um vier hauptsächliche Monopole: das Geld-, das Boden-, das Zoll- und das Patentmonopol, wobei das erste das weitaus gravierendste sei. Die Existenz dieser (und weiterer) Monopole verhindere permanent, dass das Individuum für seine produktive Arbeit den &amp;quot;natürlichen Lohn&amp;quot;, den &amp;quot;vollen Ertrag&amp;quot; erhalte. Diese Monopole bzw. den Staat, der sie mit Gewalt(-androhung) aufrechterhält, gilt es daher zu beseitigen, wenn ein Optimum an Freiheit und (Tausch-)Gerechtigkeit erreicht werden soll. Alle erwünschten gesellschaftlichen Aufgaben, die bisher der Staat auch übernommen habe, wie das Polizei-, das Rechts-, das Schul-, das Fürsorgewesen etc., würden, wie insbesondere auch das Geldwesen, ohne Monopole und bei freier Konkurrenz besser und effektiver erfüllt werden; vor allem wäre die Beteiligung jedes Individuums daran freiwillig und nicht, z.B. durch Steuerzahlung, erzwungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herbeiführung einer solchen freien Gesellschaft könne naturgemäss nicht durch Zwang und Gewalt, sondern nur durch Aufklärung und Überzeugung, also nicht auf revolutionärem, sondern nur auf evolutionärem Wege erfolgen. Das Kampfmittel der Wahl sei der -- hierbei durchaus kollektive -- passive Widerstand, die Verweigerung (insbesondere von Steuerzahlungen) gegenüber dem Staat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' ist eine weitgehend aus der angelsächsischen, insbesondere nordamerikanischen Tradition politischen Denkens hervorgegangene Doktrin: eine Extremform des [[Liberalismus]]. Programmatisch für die nach Unabhängigkeit strebenden britischen Kolonien Nordamerikas war das Motto: &amp;quot;Die beste Regierung ist die, die am wenigsten regiert.&amp;quot; Es findet sich zustimmend zitiert in den Schriften von [[Henry David Thoreau]], wird aber oft auch (ohne Beleg) dem Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeits- und Menschenrechtserklärung von 1776, [[Thomas Jefferson]] (1743-1826), zugeschrieben. Und der amerikanische Publizist [[Benjamin R. Tucker]] (1854-1939), der repräsentativste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''', sagte von sich und den Anhängern des '''individualistischen Anarchismus''' gelegentlich, sie seien eigentlich nur Jefferson'sche Demokraten mit Konsequenz: denn sie hätten den Mut, den folgerichtigen Schluss zu ziehen und auszusprechen, dass eigentlich doch keine Regierung die beste Lösung sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tucker nennt als die wichtigsten Einflüsse, die ihn zur Formulierung des '''individualistischen Anarchismus''' oder auch &amp;quot;philosophischen Anarchismus&amp;quot; geführt haben, an erster Stelle die Lehren des Amerikaners [[Josiah Warren]], dann auch die des Franzosen [[Pierre-Joseph Proudhon]] (dessen ''Qu'est-ce que la propriété'' er 1876 ins Englische übersetzte). Weitere Einflüsse kamen von amerikanischen Freiheitsdenkern und -dichtern wie [[Stephen Pearl Andrews]] und [[Lysander Spooner]] sowie [[Ralph Waldo Emerson]] und [[Henry David Thoreau]], von den englischen Philosophen [[John Stuart Mill]] (1859: ''On Liberty'') und [[Herbert Spencer]] (1884: ''The Man versus the State''), aber auch von dem russischen [[kollektivistischer Anarchismus|kollektivistischen Anarchisten]] [[Michail Bakunin]] (dessen ''Dieu et l'Etat'' Tucker 1883 ins Englische übersetzte). Tucker gründete 1881 die Zeitschrift ''Liberty'' als Forum für ein breites Spektrum von Stimmen, die zu Problemen des '''individualistischen Anarchismus''' Stellung nahmen, und gab sie bis 1908 zunächst in Boston, dann in New York heraus.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung der Ideen von [[Max Stirner]] (1806-1856) auf Tucker und den '''individualistischen Anarchismus''' verdient besonderes Interesse, und zwar deshalb, weil Stirner, seit er in den 1890er Jahren eine &amp;quot;Renaissance&amp;quot; erfahren hatte, immer wieder als der eigentliche Stammvater des '''individualistischen Anarchismus''' bezeichnet wurde und wird. Stirner wurde durch [[James L. Walker]] (1845-1904), einen sprachkundigen und umfassend gebildeten ''selfmademan'',  der, vielleicht Schmidt-Stirner folgend, unter dem Pseudonym Tak Kak schrieb, Ende der 80er Jahre in ''Liberty'' (1881-1908) zur Diskussion gestellt, zu einem Zeitpunkt, als Tucker die Grundauffassungen des '''individualistischen Anarchismus''' bereits formuliert hatte. Dies entzündete sogleich eine Kontroverse, bei der es um die grundsätzliche philosophische Frage ging, ob der '''individualistische Anarchismus''' nun überhaupt noch, wie bisher, auf einer [[Naturrecht|naturrechtlichen Basis]] stehen könne (Martin 1970, 249-254; Coughlin et al., 1986, 131-135). Walker verneinte dies; Tucker und einige weitere Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' folgten Walkers Argumenten und revidierten ihre Positionen. Die Folge war eine Spaltung der Bewegung des '''individualistischen Anarchismus''', und Tucker verlor einige der besten Mitarbeiter von ''Liberty''. Die Kontroverse um die Bedeutung Stirners für den '''individualistischen Anarchismus''' wurde mit einer überraschenden Heftigkeit und Erbitterung geführt, verlief sich aber bald im Unentschiedenen. Stirner war daraufhin in ''Liberty'' kein (umstrittenes) Thema mehr, und Walker blieb als Tak Kak zwar weiterhin ''Liberty''-Autor, veröffentlichte aber seine von Stirner inspirierten Beiträge zur &amp;quot;Philosophie des Egoismus&amp;quot; jetzt woanders: in einem entlegenen Periodikum namens ''Egoism''.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stirner-Kontroverse von 1887 war indes nicht wirklich erledigt. Sie schwelte untergründig weiter, in der Gruppe und in den einzelnen Individuen. Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' scheinen der von Stirner aufgeworfenen Problematik letztlich ebenso ausgewichen zu sein wie zuvor die Zeitgenossen Stirners (am folgenreichsten [[Karl Marx|Marx]]), später eine stattliche Reihe prominenter Denker (am folgenreichsten [[Friedrich Nietzsche|Nietzsche]]) und im übrigen auch die meisten Anarchisten (vgl. Laska 1993, 1996). Diesem prekären und naturgemäss weitgehend in der Obskurität verbliebenen Prozess ist es wohl zu danken, dass eine englische Übersetzung von Stirners ''[[Der Einzige und sein Eigentum|Einzigem]]'' erst mit zwanzigjähriger (!) Verspätung erschien, zu einer Zeit, als die Bewegung des amerikanischen '''individualistischen Anarchismus''' und ''Liberty'' bereits ihrem Ende nahe waren. Tucker selbst gab sie (''The Ego and His Own'') 1907 noch im eigenen Verlag heraus -- offenbar in einem letzten, eigene und fremde Widerstände überwindenden Kraftakt, denn er kommentierte seine Tat in einer der letzten Ausgaben von ''Liberty'' im Ton eines Vermächtnisses: &amp;quot;Ich habe mich über mehr als dreissig Jahre hinweg für die Verbreitung der Ideen des Anarchismus eingesetzt und dabei einiges erreicht, auf das ich stolz bin; aber ich glaube, dass ich nichts für die Sache getan habe, dessen Bedeutung an die Herausgabe dieses Buches heranreicht.&amp;quot; -- Kurz darauf wurden Tuckers Geschäfts- und Lagerräume durch einen Brand völlig zerstört. Tucker war ruiniert, verliess die USA und ging nach Frankreich, wo er die restlichen drei Jahrzehnte seines Lebens in publizistischer Enthaltsamkeit verbrachte. Das Ende von ''Liberty'' im Jahre 1908 markiert auch das Ende der von Tucker geprägten Epoche des originären '''individualistischen Anarchismus'''.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der führende Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' in Deutschland war der Dichter und Schriftsteller [[John Henry Mackay]] (1864-1933), der zwar in Schottland geboren wurde, aber seit seinem zweiten Lebensjahr in Deutschland gelebt und nur in deutscher Sprache geschrieben hat. Mackay verkehrte in den 1880er Jahren zunächst im Milieu der jungen, rebellischen Dichter des aufkommenden [[Naturalismus]], ging aber, da ihn die &amp;quot;soziale Frage&amp;quot; ernsthafter berührte als seine Kollegen, bald eigene Wege. Aufgrund des sozialkritischen Pathos seines ersten dichterischen Erfolgs, des Gedichtbandes ''Sturm'' (1888), feierte man ihn als &amp;quot;Sänger der Anarchie&amp;quot;. Doch Mackay fühlte sich auch den Anarchisten, die vorwiegend kollektivistisch bzw. kommunistisch orientiert waren, keineswegs zugehörig. Erst die Bekanntschaft mit Tucker, sowohl durch dessen Zeitschrift ''Liberty'' (und deren zeitweilige deutsche Ausgabe ''Libertas'') als auch durch persönliche Begegnung, eröffnete ihm die ersehnte politische Heimat. Mackay wurde ab etwa 1890 der wichtigste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' in Deutschland. Er schrieb, neben seinem dichterischen Werk, zwei einschlägige ''Bücher der Freiheit'', die er seinem Freunde Tucker widmete: 1891 ''Die Anarchisten'' und 1920 ''Der Freiheitssucher''. Er gab ''Flugschriften des Individualistischen Anarchismus'' und seit 1895 eine Schriftenreihe ''Propaganda des Individualistischen Anarchismus'' in deutscher Sprache heraus, in der vorwiegend Übersetzungen von Broschüren des amerikanischen '''individualistischen Anarchismus''' erschienen, als wichtigste die Tucker'sche Programmschrift ''Staatssozialismus und Anarchismus''. Doch der stark angelsächsisch geprägte '''individualistische Anarchismus''' fand in Deutschland nur wenige Anhänger (prominentester war der junge [[Rudolf Steiner]] - bevor er &amp;quot;Anthroposoph&amp;quot; wurde), und die Bewegung des '''individualistischen Anarchismus''' kam auch hier noch vor dem ersten Weltkrieg zum Erliegen; Mackays Versuch, sie nach 1918 neu zu beleben, scheiterte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mackay hat den Eindruck erweckt, sein propagandistisches Wirken für den '''individualistischen Anarchismus''' stehe in engem, sachlichen Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Biograph und Herausgeber Stirners. Dadurch ist es üblich geworden, Mackay als authentischen Stirnerianer und Stirner als Patron des '''individualistischen Anarchismus''' anzusehen. Diese Zuordnungen können einer genaueren Prüfung freilich nicht standhalten. Es war zweifelsfrei Tucker, der den '''individualistischen Anarchismus''' konzipiert hat, und er hat dies bereits in den 1880er Jahren, ohne Kenntnis Stirners, getan. Der Stirner'sche Impuls hat dann zwar die Anhängerschaft des '''individualistischen Anarchismus''' stark irritiert, gleichwohl aber keinen Diskurs erzeugt, der den '''individualistischen Anarchismus''' grundlegend modifiziert oder gar die Ideen, die spezifisch Stirner'sche sind, wirklich integriert hätte. Mackay übernahm den '''individualistischen Anarchismus''' von Tucker in seinen wesentlichen Zügen und schrieb seine ''Bücher der Freiheit'' aus dem Geiste dieses '''individualistischen Anarchismus'''. Beide, Tucker und Mackay, bekannten sich zwar verbal, zuweilen sogar sehr emphatisch, zu dem auch unter Anarchisten unpopulären Stirner, wussten aber mit dessen spezifischen Begriffen, insbesondere mit dem der &amp;quot;Eigenheit&amp;quot;, im Grunde wenig anzufangen; sie wären von Stirner, dem die &amp;quot;gleiche Freiheit Aller&amp;quot;, die Grunddoktrin des '''individualistischen Anarchismus''', ja von Kant her geläufig war, als blosse Freiheitsschwärmer verspottet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' war freilich mit dem Ende von Tuckers und Mackays Aktivitäten nicht gänzlich tot. Es gab, auch als Reaktion auf das weltweite Erstarken des Kollektivismus nach dem 1. Weltkrieg, immer wieder Denker, die, wie einst Tucker, selbständig an die individualistischen und liberalistischen Denktraditionen anknüpften und sie bis zu (&amp;quot;tendenziell&amp;quot;) staatsverneinenden (und in diesem Sinne anarchistischen) Positionen zuspitzten. In Nordamerika wären hier [[Albert Jay Nock]] (1928: ''Our Enemy, the State'') und [[Henry Louis Mencken]] zu nennen, im deutschsprachigen Raum etwa [[Franz Oppenheimer]] (1926: ''Der Staat''), vielleicht auch die Ökonomen [[Ludwig von Mises]] und [[Friedrich August (von) Hayek]] (1944: ''The Road to Serfdom''), die aber wohl nicht zufällig ihre Hauptwirkung in den USA entfalteten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' lebte aber auch in einigen Personen weiter, die Tucker noch persönlich kannten und für die die geschwundene öffentliche Attraktivität der Idee kein Grund war, sie zu verwerfen: in den USA beispielsweise in [[Laurance Labadie]] (1898-1975), der, als Sohn eines alten Kampfgefährten Tuckers, die Stafette des '''individualistischen Anarchismus''' weitergab an Männer wie [[James J. Martin]] und [[Murray N. Rothbard]] (Coughlin et al. 1986, S.116-130), &amp;quot;libertarians&amp;quot;, die ihr in den 60er Jahren wieder zu publizistischer Präsenz verhalfen. Rothbard etwa unterzog (''The Spooner-Tucker Doctrine'', In: A Way Out, May/June 1965) den '''individualistischen Anarchismus''' einer gründlichen Revision, wobei er zwar, als Ökonom, dessen geldtheoretischen Vorstellungen als &amp;quot;Monetariomanie&amp;quot; verwarf, als Libertarier jedoch die politisch-anthropologischen Grundlagen des '''individualistischen Anarchismus''' voll und ganz akzeptierte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesen neueren Diskussionen erwies die Chiffre &amp;quot;Stirner&amp;quot;, die hier wiederum nur kurz auftauchte, ihre Kraft, eine Gruppierung in wenige (vielleicht nur vermeintliche) Anhänger und viele entschiedene Gegner Stirners zu spalten (vgl. A Way Out, Oct.1967, p.12-17); und auch diesmal vermied man es, die Grundfrage nach der Natur der &amp;quot;Freiheit&amp;quot;, dieses geheiligten Schibboleths des '''individualistischen Anarchismus''' und des [[Libertarismus|Libertariertums]], mit Hilfe Stirners zu problematisieren und genauer zu untersuchen. Dabei kann es bei den Libertariern bzw. [[Anarcho-Kapitalismus|Anarcho-Kapitalisten]], wie sich viele Vertreter eines modernen, modifizierten '''individualistischen Anarchismus''' auch nennen, keineswegs das Schreckwort &amp;quot;Egoismus&amp;quot; sein, welches sie Stirner ablehnen und ignorieren lässt (eines ihrer programmatischen Bücher, von [[Ayn Rand]] in den 60er Jahren verfasst, heisst sogar ''The Virtue of Selfishness''); nein, es muss wiederum das sichere Gespür für eine bestimmte, in Stirners ''Einzigem'' latente Idee sein, das auch viele andere, die sich mit ihr konfrontiert sahen (von Marx über Nietzsche und Carl Schmitt bis zu Habermas), einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner aus dem Wege gehen liess (vgl. Laska 1993, 1996).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland (Bundesrepublik) lebte der '''individualistische Anarchismus''' wieder auf, als [[Kurt Helmut Zube]] (1905-1991), der Mackay noch persönlich kannte, 1974 die [[Mackay-Gesellschaft]] gründete. Die Selbstcharakteristik, die in den meisten ihrer Publikationen wie ein Impressum abgedruckt ist, spricht für sich: &amp;quot;Die Mackay-Gesellschaft, undogmatisch, anti-ideologisch, möchte Basis einer Diskussion über alle Probleme der Gesellschaftsordnung sein. Sie ist bemüht, ihre Argumentation nur auf beweisbare Tatsachen zu stützen. An solchen wird sie einige, nebst allen Konsequenzen daraus, vorstellen, die zu einer ganz neuen Denkungsart führen, wie bereits Albert Einstein sie als unumgänglich notwendig erklärt hatte.&amp;quot; Die Mackay-Gesellschaft war publizistisch sehr aktiv und brachte neben Neudrucken von Schriften der Urheber des '''individualistischen Anarchismus''', Tucker und Mackay, auch Erstübersetzungen anderer Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' sowie aktuelle Diskussionsbeiträge wie das ''Manifest der Freiheit und des Friedens'' von K.H.Z. Solneman [d.i. Zube] heraus. Sie trug dadurch gewiss zur Ausgestaltung des überkommenen Bestandes des '''individualistischen Anarchismus''' bei, verliess sich aber stets darauf, dass dessen theoretische Basis solide und vollendet ist und sprach deshalb bisweilen vom '''individualistischen Anarchismus''' als dem &amp;quot;wissenschaftlich-kritischen&amp;quot; Anarchismus. Zube sah in Mackay, dessen Abhängigkeit von Tucker er herunterspielte, den Vollender und damit auch Überwinder Stirners. Auch für Stefan Blankertz (1956-), der 1981 mit Zube einen ambitionierten Disput über die philosophischen Grundlagen des '''individualistischen Anarchismus''' führte, war Stirner kein Thema mehr; Blankertz fand stattdessen über einige Nebenwege zu einem '''individualistischen Anarchismus''' Rothbard'scher Prägung und entdeckte schliesslich, nach gründlichem Studium des &amp;quot;subversiven&amp;quot; Thomas von Aquin, wie Rothbard, &amp;quot;dass es eine verborgene, fast heimliche Gedankenwelt des [[Katholischer Anarchismus|katholischen Anarchismus]] gibt&amp;quot; (''Vernunft ist Widerstand'', Köln 1993, S.8).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in anderen Ländern Europas entfalteten nach dem 2. Weltkrieg Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' publizistische Aktivität. - In Frankreich gründete [[Emile Armand]] [d.i. Ernest-Lucien Juin] (1872-1962), der bereits von 1922-1939 die '''individual-anarchistische'''-Zeitschrift ''L'en dehors'' herausgegeben hatte, schon 1945 die Zeitschrift ''L'Unique'', die bis zu seinem Tode erschien. Armand, der sich in der Tradition Spooner-Tucker-Mackay sah und sich auch zu Stirner bekannte, legte besonderes Gewicht auf das Problem der sexuellen Befreiung. - In Italien wirkte im Sinne des '''individualistischen Anarchismus''' vor allem [[Enzo Martucci]] (1904-1975), der ein ''Manifesto dei Fuorigregge'' und eine Reihe von Broschüren zum '''individualistischen Anarchismus''' verfasste. - In England gab [[Sidney E. Parker]] (1929-) seit 1963 eine Zeitschrift des '''individualistischen Anarchismus''' heraus (bis 1980 ''Minus One'', bis 1994 ''Ego''), in der einige interessante Debatten stattfanden. Parker, der von Anfang an weniger auf Tucker, stattdessen dezidiert auf Stirner Bezug nahm, sah sich seit ca. 1980 nicht mehr als Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' (vgl. ''Ego'' Nr.15, 1993, p.7), sondern als &amp;quot;bewusster Egoist&amp;quot;, worunter er eine Position versteht, die der des [[Anarch|Anarchen]] von Ernst Jünger (vgl. dessen ''Eumeswil'', 1977; Laska, 1997) nahekommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zusammenfassung==&lt;br /&gt;
Die Lehre des '''individualistischen Anarchismus''' entstammt in ihren wichtigsten Teilen der Tradition des angelsächsischen politischen Denkens. Sie ist die Extremform des Liberalismus: &amp;quot;Die beste Regierung ist (nicht eine minimale, sondern) keine Regierung&amp;quot;. Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' wollen ihr Ziel, eine Gesellschaft der &amp;quot;gleichen Freiheit Aller&amp;quot;, d.h. die Beseitigung des Staates als Träger und (gewalttätigem) Beschützer von Monopolen und damit Garant der Ungleichheit, in erster Linie mit den Mitteln der Aufklärung und der Verweigerung (Steuerstreik) erreichen; Gewalt betrachten sie als untaugliches Mittel.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begründer und repräsentativste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' ist der amerikanische Publizist Benjamin R. Tucker (1854-1939). Der bekannteste deutsche Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' ist John Henry Mackay (1864-1933). Einige der seit den 60er Jahren in den USA wirkenden &amp;quot;Anarcho-Kapitalisten&amp;quot;, namentlich Murray Rothbard (1926-1995), können, auch wenn sie sich nicht explizit auf Tucker oder den '''individualistischen Anarchismus''' berufen, wegen ihrer Grundauffassungen als Vertreter eines modernisierten '''individualistischen Anarchismus''' betrachtet werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verbreitete Auffassung, der Urvater des '''individualistischen Anarchismus''' sei Max Stirner (1806-1856), ist in historischer und in sachlicher Hinsicht falsch. Tucker formulierte das Konzept des '''individualistischen Anarchismus''', bevor er auf Stirner stiess. Er und Mackay bekannten sich dann zwar (auch) zu Stirner; sie rezipierten ihn jedoch nicht vollständig und erkannten nicht, dass Stirner gerade eine Lehre wie den '''individualistischen Anarchismus''' als Freiheitsschwärmerei verspottete: für Stirner war (äussere) &amp;quot;Freiheit&amp;quot;, wie sie der '''individualistische Anarchismus''' (für innerlich nach wie vor &amp;quot;unfreie&amp;quot; Menschen) forderte, eine blosse Chimäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
'''Primär:'''&lt;br /&gt;
* [Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum (1845). Stuttgart 1972] [http://www.lsr-projekt.de/msee.html Volltext online]&lt;br /&gt;
* Benjamin R. Tucker: Instead of a book. New York 1893 (div. Reprints)&lt;br /&gt;
* ders. (dt.v. George Schumm): Staatssozialismus und Anarchismus. Berlin 1895 (div. Neudrucke)&lt;br /&gt;
* ders. (ed.): Liberty, 1881-1908 (Microfiche ed. 1978)&lt;br /&gt;
* James L. Walker: The Philosophy of Egoism. Denver 1905 (postum); dt.v. Jörg Asseyer: Die Philosophie des Egoismus. Freiburg 1979&lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Die Anarchisten. Zürich 1891 (div. Neudrucke und Reprints)&lt;br /&gt;
* ders.: Der Freiheitssucher. Berlin-Charlottenburg 1920 (div. Reprints)&lt;br /&gt;
* Sidney E. Parker (ed.): Minus One, 1963-1980; cont'd as Ego, 1982-1994&lt;br /&gt;
* Murray N. Rothbard: The Ethics of Liberty. Atlantic Highlands NJ(USA) 1982&lt;br /&gt;
* Individualistischer Anarchismus. Eine Autorenauswahl. West-Berlin 1977 (Anarchistische Texte Nr.6/7, Libertad-Verlag)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sekundär:'''&lt;br /&gt;
* James J. Martin: Men against the State. DeKalb IL(USA) 1953 (hier benutzt: 3rd ed. 1970); dt.v. K.H.Z. Solneman [d.i. Kurt Helmut Zube] und Jürgen Waibel: Männer gegen den Staat. 2 Bände. Freiburg 1980&lt;br /&gt;
* Robert Nozick: Anarchy, State, and Utopia. New York 1974; dt.v. Hermann Vetter: Anarchie, Staat, Utopia. München 1976&lt;br /&gt;
* Murray N. Rothbard (ed.): Journal of Libertarian Studies. 1977ff&lt;br /&gt;
* Henri Arvon: Les libertariens américains. De l'anarchisme individualiste à l'anarcho-capitalisme. Paris 1983&lt;br /&gt;
* Michael E. Coughlin et al. (ed.): Benjamin R. Tucker and the Champions of Liberty. A Centenary Anthology. St.Paul and New York 1986&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msswi.html Bernd A. Laska: Der schwierige Stirner]. In: Wolfram Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker. Berlin 1993. S.9-25&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ders.: Ein dauerhafter Dissident]. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg 1996 (''Stirner-Studien'' Nr. 2)&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;]. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Stirners »Einzigen«. Nürnberg 1997 (''Stirner-Studien'' Nr. 3)&lt;br /&gt;
* ders.: [[Dora Marsden]] - &amp;quot;Stirner des Feminismus&amp;quot; ?&lt;br /&gt;
* Wendy McElroy: The Debates of Liberty. An Overview of Individualist Anarchism. Lanham MD: Lexington Books 2002&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------------&lt;br /&gt;
'''[[Portal Sachthemen|Lexikon der Anarchie: Sachthemen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<title>Diskussion:Individualistischer Anarchismus</title>
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				<updated>2009-07-01T15:20:51Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Es wird geschrieben, Thomas Jefferson habe gesagt: &amp;quot;Die beste Regierung ist die, die am wenigsten regiert.&amp;quot; Auf Wikipedia wird der Satz Henry David Thoreau zugesprochen - vielleicht müsste man das ändern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
The Jefferson Encyclopedia &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
http://wiki.monticello.org/mediawiki/index.php/That_government_is_best_which_governs_least &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
sagt in der Tat, dass das Zitat bei Jefferson nicht zu finden ist, obwohl es ihm oft zugeschrieben wird.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber auch Thoreau stimme der Aussage nur zu; diese sei sehr wahrscheinlich das Motto der Zeitschrift &amp;lt;i&amp;gt;The United States Magazine and Democratic Review&amp;lt;/i&amp;gt; gewesen. &lt;br /&gt;
Danke für den Hinweis; ich werde den Text ändern. --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 15:20, 1. Jul. 2009 (UTC)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Lexikon der Anarchie (Archiv-Version)</title>
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				<updated>2009-04-11T13:19:30Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Inhalt des Lexikons der Anarchie */ +link Otto Gross&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{| style=&amp;quot;background-color:transparent;&amp;quot;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&amp;lt;!-- Ende H E A D E R --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!-- ####################### LINKE SPALTE ########################### --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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E I N L E I T U N G&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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===Lexikon der Anarchie: Weiter gehts . . . ===&lt;br /&gt;
[[bild:Lexikon_der_Anarchie_Degen.jpg|thumb|left|Das von Hans Jürgen Degen herausgegebene &amp;quot;Lexikon der Anarchie&amp;quot;.]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-size:120%;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der '''[[Anarchismus]]''' ist eine konkrete soziale und politische Philosophie mit einer mehr als 160jährigen Geschichte. Er hat eine Vielzahl anderer politisch-sozialer Theorien und Theoretiker beeinflusst und ist sowohl in der Kunst, der Literatur als auch in der Wissenschaft vertreten. Mit allen Lebensbereichen der Gesellschaft hat er sich auseinandergesetzt, vieles beeinflusst und manches in Ansätzen verwirklicht. Eine Vielzahl klassischer und aktueller Literatur von Anarchisten, über Anarchismus, für und wider den Anarchismus wurde in den letzten Jahrzehnten veröffentlicht. In der Regel behandelt diese Literatur nur Teilaspekte der Theorie und Praxis des Anarchismus.&amp;lt;/span&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-size:120%;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das '''[[Lexikon der Anarchie - Projektbeschreibung|Lexikon der Anarchie]]''' (Projektkurzname: '''ALex''') will versuchen, für den deutschsprachigen Raum eine umfassende Darstellung aller Personen, aller Sachgebiete und aller Organisationen zu bieten, die in direktem oder indirektem Bezug zum Anarchismus standen oder stehen. &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;'''[[Lexikon der Anarchie - Projektbeschreibung|. . . mehr]]'''&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt; &amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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I N H A L T  P R I N T A U S G A B E &lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin:0; margin-top:5px; margin-right:5px; border:1px solid #68A; padding:0 1em 1em 1em; background-color:white; font-size:85%&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Inhalt des Lexikons der Anarchie===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-size:120%;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Druckversion vergriffen - nun aber bald komplett und überarbeitet im Internet wieder zugänglich: &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Personen]]'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Siegbert Wolf:&lt;br /&gt;
'''[[Améry, Jean]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Wolfgang Eckhardt: &lt;br /&gt;
'''[[Michail Aleksandrovič Bakunin |Michail Aleksandrovič Bakunin]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Jörg Auberg: &lt;br /&gt;
'''[[Berkman, Alexander]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Ulrich Klemm: &lt;br /&gt;
'''[[Boétie, Etienne de La]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Manfred Burazerovic: &lt;br /&gt;
'''[[Brupbacher, Fritz]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Siegbert Wolf: &lt;br /&gt;
'''[[Buber, Martin]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Michael Bovenschen: &lt;br /&gt;
'''[[Cafiero, Carlo]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Normann Stock/Wolfram Beyer: &lt;br /&gt;
'''[[Camus, Albert]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Stefan Blankertz: &lt;br /&gt;
'''[[Cleyre, Voltairine de]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Maurice Schuhmann:&lt;br /&gt;
'''[[Donatien Alphonse François de Sade|de Sade (Marquis de Sade), Donatien-Aldonze-François]]&lt;br /&gt;
•&lt;br /&gt;
Marianne Kröger:&lt;br /&gt;
'''[[Einstein, Carl]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Hans Ulrich Grunder: &lt;br /&gt;
'''[[Faure, Sébastian]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Hans Ulrich Grunder: &lt;br /&gt;
'''[[Ferrer, Francisco]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Ulrich Klemm: &lt;br /&gt;
'''[[Friedrich, Ernst]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Markus Henning: &lt;br /&gt;
'''[[Godwin, William]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Hans Ulrich Grunder: &lt;br /&gt;
'''[[Goldman, Emma]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Stefan Blankertz: &lt;br /&gt;
'''[[Goodman, Paul]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Gerhard Bauer: &lt;br /&gt;
'''[[Graf, Oskar Maria]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Hubert van den Berg: &lt;br /&gt;
'''[[Otto Gross|Gross, Otto]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Hans Ulrich Grunder: &lt;br /&gt;
'''[[Guillaume, James]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Walter Fähnders: &lt;br /&gt;
'''[[Holzmann, Johannes]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Walter Fähnders:&lt;br /&gt;
'''[[Jung, Franz|Jung, Franz]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Richard Cleminson: &lt;br /&gt;
'''[[Ibánez, Félix Martí]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Werner Portmann: &lt;br /&gt;
'''[[Koechlin, Heinrich Eduard]]'''&lt;br /&gt;
•&lt;br /&gt;
Heinz Hug: &lt;br /&gt;
'''[[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Siegbert Wolf: &lt;br /&gt;
'''[[Landauer, Gustav]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Chaim Seeligmann: &lt;br /&gt;
'''[[Lazare, Bernard]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Stefan Preuß: &lt;br /&gt;
Lecoin, Louis&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Johannes Hilmer: &lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Jörg Auberg:&lt;br /&gt;
'''[[Dwight Macdonald |Macdonald, Dwight]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Uwe Timm: &lt;br /&gt;
'''[[John Henry Mackay |Mackay, John Henry]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Michael Bovenschen: &lt;br /&gt;
'''[[Malatesta, Errico]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Bernd A. Laska: &lt;br /&gt;
'''[[Dora Marsden|Marsden, Dora]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Michael Bovenschen: &lt;br /&gt;
'''[[Meijer-Wichmann, Clara]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Hans Ulrich Grunder: &lt;br /&gt;
'''[[Michel, Louise]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Hans Jürgen Degen: &lt;br /&gt;
'''[[Michels, Robert]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Walther L. Bernecker: &lt;br /&gt;
'''[[Montseny, Federica]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Ulrich Klemm: &lt;br /&gt;
'''[[Morris, William]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Heinz Hug: &lt;br /&gt;
'''[[Mühsam, Erich]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Manfred Burazerovic: &lt;br /&gt;
'''[[Nettlau, Max]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Václav Tomek: &lt;br /&gt;
'''[[Neumann, Stanislav Kostka]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Gerhard Senft: &lt;br /&gt;
'''[[Oppenheimer, Franz]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Lutz Roemheld: &lt;br /&gt;
'''[[Proudhon, Pierre-Joeseph]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Adi Rasworschegg: &lt;br /&gt;
'''[[Ramus, Pierre]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Bernd A. Laska: &lt;br /&gt;
'''[[Wilhelm Reich|Reich, Wilhelm]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Manfred Burazerovic: &lt;br /&gt;
'''[[Reimers, Otto]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Hans Ulrich Grunder: &lt;br /&gt;
'''[[Robin, Paul]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Hartmut Rübner: &lt;br /&gt;
'''[[Rocker, Rudolf]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Stefan Blankertz: &lt;br /&gt;
'''[[Rothbard, Murray]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
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'''[[Scholem, Gershom]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Bernd A. Laska: &lt;br /&gt;
'''[[Max Stirner|Stirner, Max]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Henning Zimpel und Walter Fähnders: &lt;br /&gt;
'''[[Artur Streiter|Streiter, Artur]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
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'''[[Tolstoi, Leo N.]]'''&lt;br /&gt;
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'''[[Traven, B.|Traven, B. (Ret Marut)]]'''&lt;br /&gt;
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'''[[Portal_Organisationen|Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
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'''[[Spanischer Bürgerkrieg]]'''&lt;br /&gt;
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'''[[Tschechischer Anarchismus]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
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'''Legende''': Die '''fett''' hervorgehobenen und als '''&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#27408B&amp;quot;&amp;gt;blauer Link&amp;lt;/span&amp;gt;''' erkennbaren Titel können bereits '''jetzt''' genutzt werden, während die '''&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#CD2626&amp;quot;&amp;gt; rot&amp;lt;/span&amp;gt;''' gekennzeichneten Beiträge gerade bearbeitet und demnächst veröffentlicht werden.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
===[[Portal:Lexikon_der_Anarchie/Fehlende_Artikel|Geplante Neubeiträge für das Lexikon der Anarchie]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-size:120%;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wolfram Beyer: &lt;br /&gt;
'''[[Agnoli, Johannes|Agnoli, Johannes]]'''&lt;br /&gt;
• &lt;br /&gt;
Gottfried Heuer: &lt;br /&gt;
'''[[Anarchismus und Psychoanalyse|Anarchismus und Psychoanalyse]]'''&lt;br /&gt;
•  &lt;br /&gt;
Bernd A. Laska: &lt;br /&gt;
'''[[Der Einzige und sein Eigentum|Der Einzige und sein Eigentum]]'''&lt;br /&gt;
•&lt;br /&gt;
Walter Bittner:&lt;br /&gt;
'''[[Federación Obrera Regional Argentina (FORA)]]'''&lt;br /&gt;
•&lt;br /&gt;
Dieter Nelles:&lt;br /&gt;
'''[[Das Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten (1933-1945)]]'''&lt;br /&gt;
•  &lt;br /&gt;
Gottfried Heuer: &lt;br /&gt;
'''[[Gross, Otto|Gross, Otto]]'''&lt;br /&gt;
•  &lt;br /&gt;
Walter Fähnders: &lt;br /&gt;
'''[[Senna Hoy|Senna Hoy]]'''&lt;br /&gt;
•  &lt;br /&gt;
Jochen Schmück: &lt;br /&gt;
'''[[Marr, Wilhelm|Marr, Wilhelm]]'''&lt;br /&gt;
•  &lt;br /&gt;
Bernd A. Laska: &lt;br /&gt;
'''[[Julien Offray de La Mettrie|La Mettrie, Julien Offray de]]'''&lt;br /&gt;
•  &lt;br /&gt;
Rolf Raasch/Jochen Schmück: &lt;br /&gt;
'''[[Magón, Ricardo Flores|Magón, Ricardo Flores]]'''&lt;br /&gt;
•&lt;br /&gt;
Gottfried Heuer: &lt;br /&gt;
'''[[Nohl, Johannes |Nohl, Johannes]]'''&lt;br /&gt;
•&lt;br /&gt;
Gottfried Heuer: &lt;br /&gt;
'''[[Sexuelle Revolution|Sexuelle Revolution]]'''&lt;br /&gt;
•  &lt;br /&gt;
Jörg Auberg: &lt;br /&gt;
'''[[Tresca, Carlo|Tresca, Carlo]]'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Ende G E P L A N T E  B E I T R Ä G E  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
PROJEKTWERKSTATT&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin:0; margin-top:5px; margin-right:5px; border:1px solid #68A; padding:0 1em 1em 1em; background-color: #ECFFF6; font-size:85%&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Projektwerkstatt===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-size:120%;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Lexikon_der_Anarchie_-_Projektbeschreibung|Lexikon der Anarchie: Projektbeschreibung]]&lt;br /&gt;
•  &lt;br /&gt;
[[Lexikon_der_Anarchie_-_Konzept#Wie_kann_ich_das_Lexikon_der_Anarchie_unterst.C3.BCtzen.3F|Wie kann ich das Lexikon der Anarchie unterstützen? ]]'''&lt;br /&gt;
•  &lt;br /&gt;
[[Lexikon_der_Anarchie_-_Konzept|Das Konzept]]&lt;br /&gt;
•  &lt;br /&gt;
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•  &lt;br /&gt;
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• &lt;br /&gt;
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•  &lt;br /&gt;
[[Lexikon_der_Anarchie_-_Projektbeschreibung#Lexikon_der_Anarchie_.28Internetversion.29_-_Vorschl.C3.A4ge_f.C3.BCr_neue_Beitr.C3.A4ge|Geplante neue Beiträge]]&lt;br /&gt;
•  &lt;br /&gt;
[[DadAWeb:Hilfe|DadAWeb-Hilfe: Deine Ersten Schritte im DadAWeb]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Ende Eintrag PROJEKTWERKSTATT--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
ALEX JOBBÖRSE&lt;br /&gt;
&amp;gt;&amp;gt;&amp;gt;Hier die Jobs im DadA/ALex-Projekt auflisten&amp;lt;&amp;lt;&amp;lt;&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin:0; margin-top:5px; margin-right:5px; border:1px solid #68A; padding:0 1em 1em 1em; background-color:white; font-size:85%&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die ALex-Jobbörse===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-size:120%;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Neben neuen AutorInnen brauchen wir für den Aufbau des '''Lexikons der Anarchie''' auch in anderen Bereichen des Projektes '''dringend Unterstützung'''. Dies gilt insbesondere für die folgenden Bereiche: Projektmanagement • Systemadministration • Webdevelopment • Grafik- und Webdesign • Contentmanagement • Lektorat • Redaktion • Öffentlichkeitsarbeit/Promotion • Produktentwicklung. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Ende ALEX JOBBÖRSE --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Dokumentation: Forschungs- und Publikationsprojekte&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin:0; margin-top:5px; margin-right:5px; border:1px solid #68A; padding:0 1em 1em 1em; background-color: #FFFFEC; font-size:85%&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Portal Forschungsprojekte|Forschungs- und Publikationsvorhaben]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-size:120%;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die '''Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus (DadA)''' und das '''Lexikon der Anarchie''' sind bestrebt, alle Forschungs- und Publikationsvorhaben im Bereich der Anarchismusforschung und angrenzender Gebiete für den deutschen Sprachraum zu dokumentieren. Hierfür haben wir auf dem DadAWeb-Portal die Dokumentation &amp;quot;[[Portal Forschungsprojekte|Forschungs- und Publikationsvorhaben]]&amp;quot; eingerichtet, in der entsprechende Vorhaben der Fachöffentlichkeit sowie allen am Thema Interessierten vorgestellt werden können. &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;'''[[Portal Forschungsprojekte|. . . mehr]]'''&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt; &lt;br /&gt;
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===Anarchisten kaufen den Reichstag ! ===&lt;br /&gt;
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N E U E   A R T I K E L&lt;br /&gt;
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=== Neue Artikel im Lexikon der Anarchie ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- bitte immer die letzten 10 neu auf dem Portal eingestellten Artikel eintragen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''[[Donatien Alphonse François de Sade|de Sade, D.-A.-François]]''' von Maurice Schuhmann&lt;br /&gt;
* '''[[Diggers]]''' von Gernot Lennert&lt;br /&gt;
* '''[[Dwight Macdonald]]''' von Jörg Auberg &lt;br /&gt;
* '''[[Simone Weil]]''' von Hans Jürgen Degen&lt;br /&gt;
* '''[[Artur Streiter|Streiter, Artur]]''' von Henning Zimpel und Walter Fähnders&lt;br /&gt;
* '''[[Franz Oppenheimer]]''' von Gerhard Senft&lt;br /&gt;
* '''[[Confederación National del Trabajo (CNT)]]''' von Walther L. Bernecker&lt;br /&gt;
* '''[[Ramus, Pierre]]''' von Adi Rasworschegg&lt;br /&gt;
* '''[[Brupbacher, Fritz]]''' von Manfred Burazerovic&lt;br /&gt;
* '''[[Einstein, Carl|Carl Einstein]]''' von Marianne Kröger  &lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Ende N E U E   A R T I K E L --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
DADA BUCHEMPFEHLUNG&lt;br /&gt;
&amp;gt;&amp;gt;&amp;gt;Hier die jeweils jüngste DadA-Buchempfehlung einstellen&amp;lt;&amp;lt;&amp;lt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
===Die DadA-Buchempfehlung===&lt;br /&gt;
[[Bild:978-3-922226-07-9.jpg|right|100px]]&lt;br /&gt;
'''[[Sam Dolgoff: Leuchtfeuer in der Karibik]].&amp;lt;br&amp;gt;Eine libertäre Betrachtung der kubanischen Revolution'''. Libertad Verlag (Berlin). 320 Seiten. ISBN-13 978-3-922226-07-9, 10,00 EUR. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bis zur Veröffentlichung dieses Buches wurde die Interpretation der kubanischen Revolution und ihrer Bedeutung von konservativen und marxistischen Theoretikern und Beobachtern beherrscht. Ihre Analysen und Kommentare haben sich leider in hohem Maße als oberflächlich oder unkritisch erwiesen. In nahezu allen Fällen ignorierten sie wichtige Abschnitte der kubanischen Geschichte, in der über lange Zeit hinweg Anarchisten und Syndikalisten eine bedeutende Rolle spielten. Dolgoff gibt aus libertärer Sicht eine kritische Interpretation der kubanischen Revolution und hilft dadurch, die Geschichte des modernen Kuba besser zu verstehen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;'''[[Sam Dolgoff: Leuchtfeuer in der Karibik|. . . mehr]]'''&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;  &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
TOP TEN&lt;br /&gt;
&amp;gt;&amp;gt;&amp;gt;Die zehn populärsten Artikel&amp;lt;&amp;lt;&amp;lt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
===Die ALex-Top-Ten===&lt;br /&gt;
Die zur Zeit zehn populärsten Lexikon-Artikel sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#[[Neoanarchismus]] (21.103 Abfragen) &lt;br /&gt;
#[[Föderation Gewaltfreier Aktionsgruppen/Graswurzelrevolution (FöGA)]] (18.350 Abfragen) &lt;br /&gt;
#[[Améry, Jean]] (17.246 Abfragen) &lt;br /&gt;
#[[Martin Buber]] (14.458 Abfragen) &lt;br /&gt;
#[[Gustav Landauer]] (14.348 Abfragen)&lt;br /&gt;
#[[John Henry Mackay]] (12.161 Abfragen) &lt;br /&gt;
#[[Anarchie - Zur Geschichte eines Reiz- und Schlagwortes]] ‎(9.624 Abfragen)&lt;br /&gt;
#[[Mühsam, Erich]] ‎(9.006 Abfragen)&lt;br /&gt;
#[[Pjotr Alexejewitsch Kropotkin]] (8.340 Abfragen)&lt;br /&gt;
#[[Provos]] (7.667 Abfragen) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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DadA-Podcast&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
===[[Portal DadA-Podcast|DadA-Podcast]] gestartet:&amp;lt;br&amp;gt;Jetzt gibt's was für die Ohren !===&lt;br /&gt;
[[Bild:DadaPodcast.jpg|right|180px]]&lt;br /&gt;
Der '''[[Portal DadA-Podcast|DadA-Podcast]]''' ist eine Art Internetradio, das wir in Kooperation mit '''Radio Chiflado''' u.a. Projekten betreiben. Im '''[[Portal DadA-Podcast|DadA-Podcast]]''' wird es Sendungen zu den unterschiedlichsten Themen aus dem Bereich der Kultur und Geschichte der libertären Bewegungen geben. &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;'''[[Portal DadA-Podcast|. . . mehr]]'''&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;  &lt;br /&gt;
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 UNSERE AUTORINNEN&lt;br /&gt;
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===Unsere AutorInnen u.a. MitarbeiterInnen===&lt;br /&gt;
Jörg Auberg • Walther L. Bernecker • Wolfram Beyer •  Walter Bittner • Stefan Blankertz •  Michael Bovenschen • Uwe Brodrecht •  Manfred Burazerovic •  Hans Jürgen Degen • Wolfgang Eckhardt •  Walter Fähnders •  Will Firth • Enno Gesierich • Hans Ulrich Grunder • Markus Henning •  Gottfried Heuer •  Ulrich Klemm •  Jochen Knoblauch •  Bernd A. Laska •  Gernot Lennert •  Rolf Raasch •  Lutz Roemheld •  Hartmut Rübner •  Jochen Schmück •  Maurice Schuhmann • Gerhard Senft •  Václav Tomek •  Uwe Timm • Siegbert Wolf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du das '''Lexikon der Anarchie''' als Autorin oder Autor unterstützen willst, dann findest Du hier nähere '''[[Lexikon_der_Anarchie_-_Konzept#Wie_kann_ich_das_Lexikon_der_Anarchie_unterst.C3.BCtzen.3F|Informationen für neue AutorInnen]]'''.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&amp;lt;!-- Ende  UNSERE AUTORINNEN --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
BESPRECHUNGEN&lt;br /&gt;
&amp;gt;&amp;gt;&amp;gt;Hier Rezensionen und Presseberichte über das ALex-Projekt veröffentlichen&amp;lt;&amp;lt;&amp;lt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
===[[Besprechungen des Lexikons der Anarchie]]===&lt;br /&gt;
&amp;quot;Das Lexikon [der Anarchie] ist eine ausgezeichnete Informationsquelle, deren Herausgabe hoffentlich fortgesetzt wird, so dass man ein besseres Verständnis über die Mannigfaltigkeit des Anarchismus bekommen kann.&amp;quot; (''Arbejterhistorie''. Tidsskrift for Historie, Kultur og Politik, Kopenhagen). &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;'''[[Besprechungen des Lexikons der Anarchie|. . . mehr]]'''&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
PROBLEMBÖRSE&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
=== Hurra, ein Problem! ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- bitte die brennensten ALex-Probleme eintragen. Sinnvollerweise kleine konkrete Probleme, für die sich am ehesten jemand findet, der die Zeit und Lust hat, sie zu lösen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Probleme sind Herausforderungen und davon haben wir jede Menge. Zum Beipiel die folgenden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[DadAWeb:Spenden|Finanzierung der Internetpräsenz]]&lt;br /&gt;
* [[Gestaltung eines Logos für das Lexikon der Anarchie]]&lt;br /&gt;
* [[Scannen der Beiträge der Printversion]]&lt;br /&gt;
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* [[Korrektur der digitalisierten Beiträge]]&lt;br /&gt;
* [[Vertretung für den Systemadministrator]]&lt;br /&gt;
* [[Programmierung einer Datenbank-Schnittstelle]]&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
I N H A L T E  W E I T E R E N T W I C K E L N&lt;br /&gt;
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===Inhalte weiterentwickeln===&lt;br /&gt;
Nutze die Möglichkeit zum Dialog mit den AutorInnen des '''Lexikons der Anarchie''', indem Du Deine Meinung und Deine Verbesserungsvorschläge auf der '''Diskussions-Seite''' veröffentlichst, die es zu jedem Artikel gibt. Mitreden und mitmachen kann jede/r, die/der sich auf dem DadAWeb-Portal '''[[Projektteilnahme|als aktive BenutzerIn registriert]]''' hat.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Dwight_Macdonald&amp;diff=9394</id>
		<title>Dwight Macdonald</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Dwight_Macdonald&amp;diff=9394"/>
				<updated>2009-04-11T13:12:00Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: format.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot; &amp;lt;ref name=&amp;quot;Memoirs&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan ''New International'' 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen. &amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt;Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot; &amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt;nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der ''Partisan Review'' ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die ''Partisan Review'' zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die ''Partisan Review'', um seine eigene Zeitschrift ''Politics'' herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich ''Politics'' noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk ''Von Caligari zu Hitler'' die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war ''Politics'' von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl ''Politics'' später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot; &amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge, MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt;(wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele ''Politics''-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der ''Politics''-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den ''Politics''-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinwendung zum Anarchismus===&lt;br /&gt;
Obwohl ''Politics'' ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, ''Politics'' einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk ''Congress for Cultural Freedom'', das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie ''Politics'' (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von ''Politics'', der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass ''Politics'' ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ende von ''Politics'' bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim ''New Yorker'', den er in seinem ersten Beitrag für die ''Partisan Review'' 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die ''Politics''-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die späten Jahre===&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin ''Esquire'' und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen ''Politics''-Zeiten gehabt hätte. In seinen letzten Lebensjahren litt er unter einer Schreibblockade und unterrichtete vorwiegend an Colleges und Universitäten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner ''Politics''-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift ''Retort'', meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*''Against the American Grain'', New York 1962.&lt;br /&gt;
*''A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*''Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974'', New York 1974&lt;br /&gt;
*''Interviews with Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*''Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism'', New York 1957 (nachgedruckt als ''Politics Past'', New York 1970)&lt;br /&gt;
*''On Movies'', Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*''The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism'', London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: ''Mass Culture: The Popular Arts in America'', hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, ''Politics'', 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, ''The Miscellany'', Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, ''New International'', 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, ''Partisan Review'', 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und ''Partisan Review'', 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, ''Politics'', 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, ''Politics'', 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, ''Politics'', 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, ''Politics'', 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, ''Politics'', 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, ''Politics'', 3:4 (April 1946), S. 97-115, und ''Politics'', 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, ''Partisan Review'', 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und ''Partisan Review'', 5:3 (August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, ''Politics'', 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, ''Partisan Review'', 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, ''Politics'', 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, ''New International'', 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why ''Politics''?&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, ''Schwarzer Faden'', Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, ''Wespennest'', Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: ''Politics''&amp;quot;, ''Retort'', 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, ''The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945'', Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, ''Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America'', Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, ''A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography'', New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in an Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America'', Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''The New York Intellectuals Reader'', New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, ''Journal of American Culture'', 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around ''Partisan Review'' in the Thirties and the Forties&amp;quot;, ''American Jewish History'', 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;''Partisan Review'' and the Second World War&amp;quot;, ''Salmagundi'', Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 83:4 (Winter 1976), S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, ''Intellectual Memoirs: New York 1936-1938'', New York 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, ''The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941'', Westport 1977&lt;br /&gt;
*Andrew Ross, ''No Respect: Intellectuals and Popular Culture'', New York 1989&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, ''Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War'', London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, ''Dwight Macdonald and the ''Politics'' Circle'', Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, ''Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals'', New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, ''Œuvres'', Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, ''New International'', 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, ''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The ''Politics'' Circle and the Good War&amp;quot;, ''Radical History Review'', Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: ''America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual'', Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, ''A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald'', Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, ''The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution'', Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, ''Journal of American Studies'', 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, ''A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald'', New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Otto_Gross&amp;diff=7050</id>
		<title>Otto Gross</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Otto_Gross&amp;diff=7050"/>
				<updated>2007-10-15T09:45:53Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Politischer Werdegang */ linkfix&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Otto Hans Adolf Gross, geb. 17. März 1877, Gniebing (Steiermark); gest. 13. Februar 1920, Pankow (Berlin).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biographischer Abriss==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gross war der Sohn des prominenten österreichischen Strafrechtsgelehrten und Begründers der wissenschaftlichen Kriminalistik Hans Gross. Nach dem Studium der Medizin wird Gross 1900 Schiffsarzt auf grossen Fahrten nach Südamerika. Während dieser Schiffsreisen beginnt Gross mit dem Drogenkonsum - Morphium, Kokain und Opium -, wofür er 1902 zum ersten Mal in der Zürcher Heilanstalt Burghölzli behandelt wird. Nach 1900 arbeitet Gross als Assistent in Münchner und Grazer psychiatrischen Kliniken, er liefert Beiträge über psychiatrische Fragen für die Zeitschrift seines Vaters ''Archiv für Kriminalanthropologie und Kriminalistik'', und er veröffentlicht eine erste grössere psychiatrische Studie, ''Die celebrale Sekundärfunktion'' (1902). Im Rahmen seiner Arbeit interessiert er sich zunehmend für die Psychoanalyse, die Sigmund Freud zu dieser Zeit entwickelte, und er entwickelt sich mehr und mehr zu einem Propagandisten der jungen Psychoanalyse. 1905 besucht Gross zum ersten Mal die Bohèmekolonie in Ascona am Lago Maggiore. 1906 zieht Gross mit Frieda Schloffer, seit 1903 mit ihr verheiratet, nach München, wo er zur Vorbereitung seiner Habilitation als Privatdozent der Psychopathologie (1908) in der von Emil Kraepelin geleiteten psychiatrischen Klinik der Münchner Universität arbeitet. Es erscheinen Gross' psychoanalytische Hauptarbeiten, ''Das Freud'sche Ideogenitätsmoment und seine Bedeutung im manisch-depressiven Irresein Kraepelins'' (1907) und ''Über psychopathische Minderwertigkeiten'' (1909). In dieser Zeit verkehrt Gross vielfach in Kreisen der Künstlerbohème in München (Schwabing) - in Kaffeehäusern, wie dem Café Stephanie, analysiert er die Anwesenden - sowie in Ascona ([[Monte Verità]]). Daneben hat Gross über seine Frau gute Beziehungen zum Heidelberger Kreis des Soziologen Max Weber und des Wirtschaftsgelehrten Edgar Jaffé.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen seine Drogenabhängigkeit macht Gross 1907 eine kurzfristig erfolgreiche Entziehungskur, wird aber bald wieder rückfällig und unterzieht sich 1908 auf Anraten Freuds einer psychoanalytischen Behandlung durch Carl Gustav Jung im Burghölzli, flüchtet jedoch bald aus der Klinik. Gross und seine Frau trennen sich, und er beginnt zu reisen - in Deutschland, den Niederlanden, England, Österreich, Italien und der Schweiz. Dabei hält er sich über längere Zeit in Bohèmehochburgen, wie München und Ascona, umwittert von Skandalen, auf. Gross ist zur Auffassung gekommen, Verdrängung von Sexualität sei die wichtigste Ursache psychischer und sozialer Missstände, deshalb plädiert er für&lt;br /&gt;
[[&amp;quot;freie Liebe&amp;quot;]] und führt in diesem Sinne auch selber ein reges Sexualleben - etwa gleichzeitig werden ihm zwei Söhne von F. Schloffer und der Ehefrau E. Jaffés geboren, wenig später noch eine Tochter durch dieSchriftstellerin Regina Ullmann. In diesem Zusammenhang inszeniert er auch Sexualorgien als therapeutische Methode, u. a. in Ascona. Nachdem sich dort eine Freundin Gross', die Malerin Sophie Benz, in psychotischem Zustand mit einer von ihm verabreichten Überdosis Kokain 1911 das Leben nimmt, wird Gross, der schon 1906 ebenfalls in Ascona einer anderen Frau, Lotte Hattemer, Gift zur (erfolgreichen) Selbsttötung verabreicht hatte, wegen dieser Todesfälle von der schweizerischen Polizei zur Fahndung ausgeschrieben. Unter Verwendung eines Gutachtens von C. G. Jung, der bei Gross ''dementia praecox'' diagnostiziert hatte, leitet sein Vater unterdessen Gross' gerichtliche Entmündigung ein. 1913 verhaftet die Berliner Polizei, aufgrund des Schweizer Haftbefehls und eines Ersuchens seines Vaters, Gross in der Wohnung des expressionistischen Schriftstellers Franz Jung. Gross wird anschliessend als &amp;quot;geisteskranker Anarchist&amp;quot; aus Preussen nach Österreich abgeschoben und dort in eine psychiatrische Anstalt in Tulln eingewiesen. Da man ihn in Tulln zu gefährlich findet und eine Befreiungsaktion befürchtet, wird er bald darauf in der Landesirrenanstalt im schlesischen Troppau interniert. Gross' Verhaftung führt zu einer von F. Jung angeregten Kampagne für seine Freilassung, die breite Unterstützung vor allem in expressionistischen Teilen der Bohème erhält: Es erscheinen Aufrufe in Zeitschriften und Sondernummern von Zeitschriften wie ''Die Aktion'', ''Kain'', ''Revolution'', ''Wiecker Bote'' und ''Die Zukunft'', in denen u. a. [[Franz Pfemfert]], [[Erich Mühsam]], Maximilian Harden, Blaise Cendrars, Ludwig Rubiner, Johannes R. Becher Gross' Freilassung fordern. Die Kampagne bleibt indes erfolglos, erst im Juli 1914 wird Gross wieder als gesund erklärt. Gross' Entmündigung - seit Januar 1914 steht er unter Kuratel seines Vaters - bleibt aber rechtskräftig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Freilassung ist Gross wieder als praktizierender Psychiater tätig, arbeitet als Seuchenarzt in ungarischen und österreichischen Krankenhäusern, wird wieder drogenabhängig und muss sich in der Folgezeit erneut Entziehungskuren unterwerfen. 1915 stirbt sein Vater, der ihn bis zu seinem Tod finanziell unterstützte und als Gross' Kurator in seinem Testament jedoch festlegte, Gross müsse nach seinem Tod in einer Anstalt zwangsverpflegt werden - was allerdings nicht geschieht. Dagegen wird die finanzielle Unterstützung eingestellt, so dass Gross, der auch nach weiteren Entziehungskuren nicht zu einer regulären Lebensführung zurückfindet, auf finanzielle Hilfe von Freunden und Bekannten zur Deckung seines Lebens- wie Drogenbedarfs angewiesen ist. Umherziehend, drogensüchtig, ohne regelmässige Ernährung und ohne Bleibe, ist Gross in der Folgezeit in Wien, Prag, München, Budapest und, ab Oktober 1919, in Berlin; er lebt in Kneipen, bei Bekannten, in zufälligen Unterkünften, auf der Strasse und schlägt sich mit Betteln und Gelegenheitsarbeiten durch. Im Februar 1920 bricht er in einem Hauseingang in Berlin mit einer Lungenentzündung und Entzugserscheinungen halbverhungert zusammen. Kurz danach stirbt er in einem Sanatorium in Berlin-Pankow.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politischer Werdegang==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gross wurde wahrscheinlich durch Erich Mühsam zum Anarchisten, mit dem er vermutlich bereits seit seinem ersten Aufenthalt in Ascona 1905, jedenfalls seit seinem Umzug nach München 1906 eng befreundet war; 1907 war Mühsam überdies in psychoanalytischer Behandlung bei Gross. Obwohl Gross sich keiner anarchistischen Organisation anschloss und sich praktisch-politisch als Anarchist wohl nicht betätigte - man kann ihn höchstens zum näheren Umfeld der von Mühsam geleiteten Gruppe &amp;quot;Tat&amp;quot;, der Münchner Gruppe des [[Sozialistischer Bund|Sozialistischen Bundes (SB)]], zählen -, verstand Gross sich ausdrücklich als Anarchist. Zunächst mit Mühsam, später mit Franz Jung, den er 1911 kennenlernt, plant er wiederholt die Herausgabe von Zeitschriften, in denen Anarchismus und Psychoanalyse zusammengebracht werden sollten. Als partielle Realisierung dieser unverwirklichten Vorhaben lässt sich die von Franz Jung herausgegebene Zeitschrift ''Die Freie Strasse'' (1915-18) verstehen, an der Gross mitwirkte. Die Grosszahl der engeren, freundschaftlichen Kontakte von Gross und seiner Frau zu anarchistischen Intellektuellen - u. a. Erich Mühsam, [[Johannes Nohl]], [[Fritz Brupbacher]] - und Schweizer Anarchisten aus dem Umkreis der Zeitschriften ''Weckruf'' und ''Réveil'' indizieren, dass Gross jedenfalls bis zu seiner Internierung 1913 durchaus dem unorganisierten Bohème-Anarchismus zuzurechnen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blieben Gross' Zeitschriftsvorhaben lediglich Projekte, so werden von ihm 1913-14 mehrere politisch orientierte, in erster Linie psychoanalytische Aufsätze in ''Die Aktion'', später, in den Jahren 1919-20, in weiteren expressionistischen Zeitschriften, ''Die Erde'' und ''Das Forum'', sowie in den kommunistischen Organen ''Sowjet'' und ''Räte-Zeitung'' publiziert. In diesen späten Publikationen, die von Franz Jung ermöglicht wurden, verbindet Gross seine psychoanalytischen Theoreme nicht mehr mit Anarchismus. Unter dem Einfluss der revolutionären Vorgänge in Russland und Österreich-Ungarn (in Wien beteiligte Gross sich an den politischen Ereignissen) und des Spartakus-Aufstands in Berlin (sowie vermutlich Franz Jungs Hinwendung zum [[Rätekommunismus]]) wird Kommunismus Gross' erklärtes Ziel und Grundlage seiner psychoanalytischen Überlegungen, obwohl er sich noch ausdrücklich auf [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkin]] bezieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eigene Theorieausbildung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gross' Schriften sind hauptsächlich Beiträge zur Psychoanalyse und klinischen Neuropathologie. Schon früh entwickelt sich bei Gross ein eigenes Verständnis der Psychoanalyse, die er - anders als Freud - nicht nur als analytisches Verfahren zur Behebung von psychischen und neurotischen Problemen durch eine klinische Befragungspraxis verstand, sondern als &amp;quot;Philosophie der Revolution, ( ... ) als Ferment der Revoltierung innerhalb der Psyche, als die Befreiung der vom eigenen Unbewussten gebundenen Individualität&amp;quot; (1980, S. 13). Diese Ausweitung der Psychoanalyse zu einer psychosozialen Theorie, die - in Verbindung mit Gross' skandalöser psychiatrischer Praxis und Lebensführung - zu seiner Ausgrenzung aus der Freudschen psychoanalytischen Tradition führte, hängt damit zusammen, dass, Gross zufolge, individuelle psychische Probleme - Neurosen, Hysterie, Morbidität usw. - nicht auf Störungen in der individuellen sexuellen Entwicklung, die jeder Mensch grundsätzlich von Geburt an durchmacht, zurückzuführen seien. Vielmehr versteht er diese Probleme als Folgen gesellschaftlicherZwänge, denen das Individuum im Zuge seiner Sozialisation ausgesetzt ist, insbesondere - und insofern folgt er Freud - im Bereich der Sexualität: &amp;quot;Forderungen der Gesamtheit erfüllen sich auf Kosten der individuellen Regulation. Die sozialen Beschränkungen gestatten dem Individuum unter bestimmten Bedingungen nicht seine eigenen biologischen Regulationen, d. h. Affekte zu leben&amp;quot; (1907, S. 15). Anknüpfend an Alfred Adler und Friedrich Nietzsche ergebe sich hieraus in den Worten Nietzsches ein &amp;quot;Konflikt zwischen Eigenem und Fremdem&amp;quot; (1980, S. 27) im Unbewussten jedes Einzelnen. Dieser Konflikt zwischen individuell-eigenen, natürlichen Sexualbedürfnissen, die, Gross zufolge, einerseits polygamisch/polyandrisch bisexuell, und andererseits gesellschaftliche Fremdbestimmungen sind, führe vielfach zu psychischen Problemen, wenn gesellschaftliche Normierung im Bereich der Sexualität nicht mit den natürlichen Bedürfnissen im Einklang sei. Dies sei der Fall, so Gross, in der existierenden patriarchalen, zur heterosexuellen Monogamie verpflichtenden Familienordnung, nicht zuletzt, weil dieses Patriarchat &amp;quot;als Raubehe ihren Ursprung genommen&amp;quot; habe, als &amp;quot;Gebrauch von kriegsgefangenen Sklavinnen&amp;quot; (1980, S. 30), und daher &amp;quot;Vergewaltigung in ursprünglichster Form&amp;quot;, von Anfang an ein Gewaltsverhältnis darstelle (1980, S. 16). Dabei bezieht sich Gross auf die These des Rechtsgelehrten Johannes Jakob Bachofen in seinem Buch ''Das Mutterrecht'' (1861), dem kontemporären Patriarchat, dem &amp;quot;Vaterrecht&amp;quot;, sei eine ursprüngliche, natürliche, matriarchale Sexualordnung vorausgegangen (auch Freud bezog sich auf Bachofens Annahme und betrachtete das Patriarchat dagegen als intellektuelle Überwindung des irrationalen Matriarchats).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gross zog als Konsequenz aus dieser Verknüpfung von Psychoanalyse und Matriarchatstheorie, dass der &amp;quot;Revolutionär von heute, der mit Hilfe der Psychologie des Unbewussten die Beziehungen der Geschlechter in einer freien und glückverheissenden Zukunft sieht, ( ... ) gegen den Vater und gegen das Vaterrecht&amp;quot; kämpfen, die &amp;quot;kommende Revolution ( ... ) die Revolution fürs Mutterrecht&amp;quot; sein sollte (ebd.), wie Gross 1910 in einem zur Veröffentlichung in ''Der Sozialist'' gedachten, von [[Gustav Landauer]] jedoch verweigerten Antwortschreiben auf seine Attacken in ''Der Sozialist'' gegen die Psychoanalyse schreibt. Lehnte Landauer die Psychoanalyse ab, weil ihre Hervorhebung der Sexualität das von ihm fast religiös gefasste &amp;quot;Geistige&amp;quot; herabwürdigte, Sexualität ausserdem eine Privatangelegenheit sei, in die sich der Anarchismus nicht einzumischen habe, und die Psychoanalyse schliesslich zu Exzessen führe (unter Bezugnahme auf Gross' skandalumwitterte psychoanalytische Praxis), so versteht Gross die Berücksichtigung psychoanalytischer Einsichten geradezu als Voraussetzung für das Gelingen einer [[Revolution]] in anarchistischem Sinne. Frühere Revolutionen wären deshalb gescheitert, weil sie den &amp;quot;Konflikt der Individualität mit der ins eigene Innere eingedrungenen Autorität&amp;quot; (1980, S. 14) und diese durch das Patriarchat bewirkte autoritäre Disposition, die [[Herrschaft]] des &amp;quot;Fremden&amp;quot; über das &amp;quot;Eigene&amp;quot; im Individuum, unberührt liessen. Folglich sei die Wiederherstellung des Matriarchats nicht nur entscheidend dafür, ob die &amp;quot;kommende Revolution&amp;quot; erfolgreich sein würde. Ebenfalls galt es, als revolutionäre &amp;quot;Vorarbeit&amp;quot;, so Gross, aufgrund psychologischer Einsichten eine &amp;quot;neue Ethik&amp;quot; zu propagieren und - vorzuleben, wie Gross es in seiner eigenen Lebensführung, nicht zuletzt auch durch Sexualorgien, versuchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebte Gross in dieser Hinsicht und mit einer Auffassung von &amp;quot;freier Liebe&amp;quot; in ungehemmter Promiskuität, die im selben Zeitraum von einer radikalen Strömung in der anarchistischen Diskussion über &amp;quot;freie Liebe&amp;quot; u. a. von [[Emma Goldman]], [[Emile Armand]] und Erich Mühsam vertreten wurde, so dürfen zwei wesentliche Besonderheiten von Gross' Überlegungen nicht übersehen werden: Erstens ist Gross' Perspektive eine andere: sein Ausgangspunkt ist die Psychoanalyse, die Erkenntnis psychischer Probleme, die er als Folgen unnatürlicher Einschränkungen des menschlichen Trieblebens versteht, während die Vertreter einer radikalen Auffassung von &amp;quot;freier Liebe&amp;quot; aus einer politischen Perspektive argumentieren, die vom Paradigma einer grösstmöglichen Freiheit des Individuums als einzig wahrer Gerechtigkeit ausgeht. Gross' Verknüpfung von Psychoanalyse, Matriarchatstheorie und Anarchismus unterscheidet sich von der politisch-anarchistischen Konzeption &amp;quot;freier Liebe&amp;quot; zweitens darin, dass von politisch-anarchistischer Seite &amp;quot;freie Liebe&amp;quot; als Prinzip einer allgemeinen neuen Sexualmoral und neuer Formen des Zusammenlebens grundsätzlich erst nach einer sozialpolitischen Revolution, insofern diese angestrebt wird, denkbar sei. Gross geht dagegen von einer umgekehrten Reihenfolge aus: Die Realisierung einer &amp;quot;neuen Ethik&amp;quot;, d. i. das alte &amp;quot;Mutterrecht&amp;quot;, und somit die Eliminierung des inneren &amp;quot;Konflikts zwischen Eigenem und Fremden&amp;quot; und patriarchal-autoritärer Denkformen gelten ihm als Voraussetzung einer sozial-politischen Revolution, die dadurch zugleich unwiederbringlich eine libertäre sein sollte, indem die autoritäre Disposition, die er in erster Linie als Resultat patriarchaler Familienstrukturen und Sexualverhältnisse betrachtete, überwunden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Gross' innerhalb des libertären Spektrums==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon zu Gross' Lebzeiten wurde u. a. von Emma Goldman die psychoanalytische Lehre Freuds als Erweiterung des Anarchismus verstanden, - wie auch bei Gross, jedoch ohne ihn zu kennen - als Bestätigung der Notwendigkeit einer freieren Sexualmoral; ähnlich wurde von Peter Heintz in ''Gegenwart und Anarchismus'' (1951, 1985) in Verbindung mit dem Surrealismus die libertäre Dimension der Psychoanalyse betont. In diesem Zusammenhang kann Gross' Bedeutung darin gesehen werden, dass seine Überlegungen wohl den ersten elaborierten Ansatz bilden, psychoanalytische Erkenntnisse mit dem sozialpolitischen Anarchismus zu verbinden, als einzigartigen Versuch, Psychologie und Psychiatrie nicht gegen die anarchistische Bewegung einzusetzen (wie es seit der Psychologisierung und Psychiatrisierung des Anarchisten-&amp;quot;Typus&amp;quot; durch den italienischen &amp;quot;Kriminalpsychologen&amp;quot; Cesare Lombroso bis auf dem heutigen Tag nicht ungebräuchlich ist), sondern sie zu einer ihrer Waffen umzugestalten. Dabei antizipiert Gross in vielen Hinsichten die Theoreme des marxistischen Psychotherapeuten [[WiIhelm Reich]]. Während Gross' theoretische Leistung in dieser Hinsicht nicht zu unterschätzen ist, darf gleichzeitig die Wirkungslosigkeit seiner Ideen in der anarchistischen Bewegung und Theoriebildung nicht übersehen werden. Wurde Gross' Leben und Werk von vielen deutschen expressionistischen Schriftstellern als Gegenstand und Leitfaden von Romanen und Erzählungen aufgegriffen, so wurde Gross' Gedankengut von zeitgenössischen Anarchisten kaum wahrgenommen. Ausnahmen bildeten Landauer und Mühsam, wobei ersterer, u. a. in ''Der Sozialist'', die Psychoanalyse und nicht zuletzt Gross' sozialpolitische Dimensionierung scharf kritisierte; Mühsam hingegen Gross' Ideen, u. a. in ''Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat'' (1933, 1988), in seine Anarchismus-Konzeption integrierte, namentlich die These, dass die - für das Fortwähren hierarchischer Gesellschaftsgebilde mitverantwortliche - autoritäre Disposition vieler Menschen Resultat der patriarchalen Familie sei und der Anarchismus folglich nicht zuletzt die Revolte gegen die &amp;quot;Vaterschaftsfamilie&amp;quot; impliziere, eine Revolte gegen den Vater, die in Mühsams eigener Entwicklung zum Anarchisten ein wichtiges Moment darstellte, wie auch Gross' Kritik väterlicher Autorität ohne sein schwieriges (Abhängigkeits-)Verhältnis zu seinem autoritären Vater wahrscheinlich nie zustande gekommen wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur und Quellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wichtigste Werke===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die celebrale Sekundärfunktion, Leipzig 1902 &lt;br /&gt;
* Das Freud'sche Ideogenitätsmoment und seine Bedeutung im manisch-depressiven Irresein Kraepelins, Leipzig 1907&lt;br /&gt;
* Über psychopathische Minderwertigkeiten, Wien/Leipzig 1909&lt;br /&gt;
* Drei Aufsätze über den inneren Konflilkt, Bonn 1920&lt;br /&gt;
* Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe, hg. v. K. Kreiler, Frankfurt/M. 1980. Diese von Franz Jung 1923 geplante Anthologie enthält Gross' verstreute Beiträge der Jahre 1908-20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* A. Backes-Haase: ''&amp;quot;Der neue Mensch&amp;quot; - ein Erziehungsentwurf der Moderne: Der Fall Gross.'' In: Hofmannsthal-Jahrbuch zur europäischen Moderne, 21, 1994, S. 333 - 358&lt;br /&gt;
* M. Green: ''The von Richthofen Sisters. The Triumphant and the Tragic Modes of Love. Else and Frieda Richthofen, Otto Gross, Max Weber and D. H. Lawrence, in the Years 1870 - 1970'', New York 1974&lt;br /&gt;
* E. Hurwitz: ''Otto Gross. Von der Psychoanalyse zum Paradies.'' In: Monte Verità. Berg der Wahrheit. Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Mailand 1978, S. 106 - 116&lt;br /&gt;
* E. Hurwitz: ''Otto Gross. Paradies-Sucher zwischen Freud und Jung,'' Zürich-Frankfurt/M. 1980&lt;br /&gt;
* F. Jung: ''Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe.'' In: Gross 1980, S. 125 - 148&lt;br /&gt;
* J. E. Michaels: ''Anarchy and Eros. Otto Gross' Impact on German Expressionist Writers,'' New York-Bern-Frankfurt/M. 1983&lt;br /&gt;
* A. Mitzman: ''Anarchism, Expressionism and Psychoanalysis.'' In: New German Critique, 10, 1977, S. 77 - 104&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Quelle:''' Dieser Artikel erschien erstmals in: Lexikon der Anarchie. Hrsg. von Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''© Alle Rechte an diesem Text liegen beim Autor'''. Es kann gerne auf diese Seite ein Link gesetzt werden. Aber vom Autor nicht autorisierte Separat- oder Teil-Veröffentlichungen sind nicht gestattet, das gilt auch für die Verlinkung und Einbindung dieser Seite im Frame.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Stirner,_Max&amp;diff=7049</id>
		<title>Stirner, Max</title>
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				<updated>2007-10-15T09:36:21Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Die Anarchisten und Stirner */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Max Stirner''', geb. 25. Oktober 1806 in Bayreuth, gest. 25. Juni 1856 in Berlin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max Stirner ist das Pseudonym für Johann Caspar Schmidt. Schmidt wurde am 25. Oktober 1806 in Bayreuth als erstes Kind protestantischer Eltern geboren. Sein Vater, ein Handwerker, der Flöten und andere Musikinstrumente herstellte, starb, als Johann Caspar ein halbes Jahr alt war. Die Mutter heiratete zwei Jahre später einen Apotheker und übersiedelte mit ihm ins westpreussische Kulm. Johann Caspar wurde bald nachgeholt, jedoch 1818, im Alter von 12 Jahren, nach Bayreuth zurückgeschickt, wo er in die Familie seines Paten aufgenommen wurde und das renommierte, von Georg Andreas Gabler geleitete Gymnasium besuchte (Gabler wurde nach Hegels Tod 1831 dessen Nachfolger an der Universität Berlin).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmidt immatrikulierte sich 1826 an der Berliner Universität, wo er u.a. bei Hegel und Schleiermacher hörte. Er brach jedoch sein mit grossem Eifer begonnenes Studium nach vier Semestern ab und ging -- nach einem nicht beendeten Semester in Erlangen -- &amp;quot;auf eine längere Reise durch Deutschland&amp;quot;. 1833 kehrte er nach Berlin zurück, wo er zwei weitere Semester studierte und nach weiteren Unterbrechungen die sonstigen formellen Bedingungen erfüllte, um schliesslich 1839, im Alter von 33 Jahren, seine erste feste Stellung anzutreten: als Lehrer an einer Berliner Mädchenschule.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab Mitte 1841 war Schmidt häufiger Gast bei den [[Die Freien|&amp;quot;Freien&amp;quot;]], einer lockeren Gruppierung von jungen, oppositionellen &amp;quot;Intellektuellen&amp;quot; um den Ex-Hegelianer und Ex-Theologen Bruno Bauer, dem neben Ludwig Feuerbach führenden Kopf der sog. [[Junghegelianer]]. Zu dieser Zeit begann er, mit kleineren Beiträgen als Journalist und Schriftsteller an die Öffentlichkeit zu treten: teils anonym, teils bereits pseudonym als &amp;quot;Max Stirner&amp;quot;. In den Jahren 1842-47 entstanden Stirners wichtigste Schriften, insbesondere sein Werk ''[[Der Einzige und sein Eigentum]]'', das, vordatiert auf 1845, Ende Oktober 1844 erschien.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ''Einzige'' erregte für kurze Zeit ein skandalöses, von Verboten (&amp;quot;zu radikal&amp;quot;) und Verbotsaufhebungen (&amp;quot;so radikal, dass er sich selbst widerlegt&amp;quot;) begleitetes Aufsehen. Einige Autoren reagierten mit kleineren Gegenschriften, auf die Stirner mit dem Artikel ''Recensenten Stirners'' antwortete. Die wichtigste Gegenschrift indes verfasste anschliessend Karl Marx: den furiosen ''Sankt Max''. Marx veröffentlichte seinen Anti-Stirner nach einigem Zögern jedoch nicht, vermutlich aus zwei Gründen: erstens, weil er (insgeheim) die Stichhaltigkeit seiner polemischen Kritik bezweifelte und eine Duplik Stirners fürchtete; zweitens, weil Stirner inzwischen -- schon ein Jahr vor den Ereignissen des März 1848 und ihren politischen Folgen, die den radikalen philosophischen Diskussionen ohnehin ein Ende setzten -- bereits zur Unperson geworden war, öffentliche Kritik an ihm somit fehl am Platze und taktisch unklug gewesen wäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner, der zweimal kinderlos verheiratet war (1838 und 1843-46), hatte kurz vor Erscheinen seines ''Einzigen'' seine Lehrerstelle aufgegeben und verdiente danach seinen Lebensunterhalt mit selbständiger Erwerbstätigkeit. Er verbrachte die restliche Zeit seines Lebens, literarisch kaum noch tätig, in zunehmender materieller Armut. An den politischen Ereignissen der Jahre 1848/49 scheint er sich, im Gegensatz zu den meisten Junghegelianern, nicht beteiligt zu haben. Stirner starb, von den Zeitgenossen vergessen, am 25.Juni 1856 in Berlin und wurde auf dem Sophienfriedhof beigesetzt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Der Einzige und sein Eigentum'' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner ist ein ''&amp;quot;vir unius libri&amp;quot;''; sein Werk kann ohne substantiellen Verlust auf jenes eine Buch, ''Der Einzige und sein Eigentum'', reduziert werden. Dieser ''Einzige'' hatte ein aussergewöhnlich interessantes Bücherschicksal. Er war zunächst, wie alle Beiträge der junghegelianischen Diskussion der 1840er Jahre, schnell vergessen, wurde jedoch, als einziger daraus, nach längerer Zeit wiederentdeckt und -- nach erneutem Vergessen abermals wiederentdeckt. Diese beiden sog. Stirner-Renaissancen (1893ff und 1968ff) hatten zudem jeweils einen sehr ungewöhnlichen Anlass: sie waren wesentlich Ergebnis der energischen Initiative jeweils eines einzelnen Mannes, und zwar eines dezidierten Stirner-Gegners: 1893 des Nietzscheaners Paul Lauterbach und 1968 des Marxisten Hans G. Helms. Beide exponierten Stirners Buch aus erklärtermassen hochpolitischem Grund: um die Grösse und aktuelle Bedeutung der geistigen Tat Nietzsches bzw. Marx' -- als &amp;quot;Überwinder&amp;quot; Stirners als des literarischen Inbegriffs des &amp;quot;absolut Bösen&amp;quot; -- um so klarer hervortreten zu lassen. Obwohl der ''Einzige'' ein Verkaufserfolg wurde -- bisher mehr als 100'000 Exemplare -- blieb Stirner eine Randfigur der Ideengeschichte. Die Absicht der beiden Initiatoren, Stirner als den Antipoden zu Nietzsche bzw. zu Marx zu etablieren -- was ''nolens volens''  eine gewaltige Aufwertung Stirners bedeutet hätte -- gelang bisher nicht (vgl. Laska 1994).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Anarchisten und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner bezeichnete sich selbst nirgendwo als [[Anarchie - Zur Geschichte eines Reiz- und Schlagwortes|Anarchisten]]; er kritisierte vielmehr in seinem ''Einzigen''  (1844) den Mann, der sich 1840 als erster selbst einen Anarchisten genannt hatte: [[Pierre-Joseph Proudhon|Proudhon]] -- allerdings nicht deswegen, sondern wegen seiner moralisierenden Betrachtungsweise der gesellschaftlichen Probleme. Proudhon, der sonst sehr an der Entwicklung der (jung-)hegelianischen Philosophie in Deutschland interessiert war, überging Stirners ''Einzigen'' mit Schweigen. Auch [[Michail Aleksandrovič Bakunin|Bakunin]], der andere massgebliche Anarchist des 19. Jahrhunderts, vermied es, sich zum ''Einzigen'' zu äussern. Diese offenkundige Berührungsangst der Anarchisten vor Stirner machten sich in den 1880er Jahren -- nach dem Tode von Marx, der einst ebenfalls einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen war -- die Marxisten für ihre politische Polemik zunutze: Stirner sei &amp;quot;der Prophet des heutigen Anarchismus&amp;quot;; Bakunin sei nichts als Proudhon plus Stirner, so lautete die von Friedrich Engels 1886 ausgegebene Parole.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Historiker des Anarchismus, selbst keine Anarchisten, rechneten Stirner, der inzwischen im Kielwasser des Nietzscheanismus zu einer bekannten Figur geworden war, ebenfalls dem Anarchismus zu (Zenker 1895, Eltzbacher 1900, Zoccoli 1907). Die Anarchisten selbst hielten indes nach wie vor Distanz zu Stirner. Nur eine kleine Gruppe, die sich als [[Individualistischer Anarchismus|&amp;quot;individualistische Anarchisten&amp;quot;]] von der eigentlichen anarchistischen Bewegung abgrenzte, bekannte sich demonstrativ zu Stirner (mit zweifelhafter Berechtigung).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die distanzierte Haltung der Anarchisten gegenüber Stirner änderte sich auch im 20. Jahrhundert nicht wesentlich. [[Gustav Landauer|Landauer]] stand Stirner über längere Zeit sehr ambivalent, schliesslich aber eindeutig ablehnend gegenüber. [[Erich Mühsam|Mühsam]] erwähnt Stirner nur einmal: in einer autobiographischen Skizze, in der er Landauer dafür dankt, dass er ihn als jungen Mann dem verführerischen Einfluss Stirners entrissen habe. [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Kropotkin]], der über Jahrzehnte zu Stirner geschwiegen hatte, denunzierte ihn schliesslich, zu einer Stellungnahme gedrängt, als &amp;quot;Manchestermann&amp;quot; und damit Pseudo-Anarchisten (der sonst so milde Mann konnte, wie Nettlau überlieferte, sehr wütend werden, wenn im Gespräch auch nur der Name Stirner fiel). [[Max Nettlau|Nettlau]], selbst Anarchist und wohl bester Kenner der anarchistischen Bewegung in ihrer Glanzzeit, stand eher ratlos vor dem Phänomen, dass die meisten Anarchisten Stirner ablehnten, und meinte, Stirner sei eben meist missverstanden worden. Dieses Urteil von 1927, aus der Endphase einer Epoche, in der sowohl das Interesse an Stirner als auch der Einfluss des politischen Anarchismus relativ gross gewesen waren, kann heute, nachdem beide in den 60er Jahren noch einmal auflebten, erneuert werden. Nur sollte ein so hartnäckiges &amp;quot;Missverstehen&amp;quot; -- zumal es auch in der Stirner-Rezeption ausserhalb des Anarchismus vorherrscht -- Grund zu intensiven Nachforschungen geben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Übereinstimmung mit der vorherrschenden, meist ohne nähere Begründung und indirekt ausgedrückten Ablehnung Stirners durch die grosse Mehrzahl der Anarchisten -- der allenfalls die oberflächliche, unspezifische Zustimmung durch wenige Einzelne gegenübersteht -- stellen in zunehmendem Masse auch die Autoren neuerer Untersuchungen zum Anarchismus oder zu Stirner die überkommene Einordnung Stirners als Anarchisten in Frage bzw. in Abrede (Heintz 1951, Lösche 1977, Ritter 1980).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Philosophen und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anarchisten, insbesondere deren theoretische Köpfe, waren nicht die einzigen, die einen öffentlichen argumentativen Diskurs mit Stirner bzw. über dessen ''Einzigen'', so nahe er thematisch auch lag, vermieden haben. Sie befinden sich mit dieser ausweichenden Haltung durchaus in angesehener Gesellschaft. Marx, der seinen Anti-Stirner wohlweislich nicht veröffentlichte, wurde bereits genannt. Nietzsche ist, seiner Bedeutung wegen, hier als nächster zu nennen: eine genaue Untersuchung seiner intellektuellen Biographie ergibt starke Indizien für die Annahme, dass direkte Spuren seiner Konfrontation mit Stirners ''Einzigem'' deshalb fehlen, weil er selbst sie sorgfältigst verwischte. Die Stirner-Renaissance der Jahrhundertwende wurde dann wesentlich dadurch möglich, dass die Lehren, die diese beiden Denker -- grossteils in Abwehr der Stirner'schen -- entwickelt hatten, zu Massenerfolgen geworden waren. Stirner konnte nun, wenn nicht als exaltierter Anarchist, dann als banausischer und damit abgetaner Vorläufer Nietzsches eingeordnet werden -- oder als Scheinradikaler, der bereits vom jungen Marx als &amp;quot;wildgewordener Kleinbürger&amp;quot; entlarvt worden sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Liste der Denker, in deren intellektueller Vita gleichfalls eine existenzielle Erschütterung durch Stirners ''Einzigen''  nachweisbar ist, auf die sie, statt mit einer argumentativen und nachvollziehbaren Auseinandersetzung, mit einer veritablen Verdrängung reagierten, enthält durchaus weitere klangvolle Namen: von Carl Schmitt (der als Student Stirner anfangs als &amp;quot;wahre Erquickung&amp;quot;, bald jedoch als Plage, empfand, ihn dann vergessen zu haben scheint und erst vierzig Jahre später, in der Not der Einzelhaft, wieder mit ihm zu ringen hatte) bis zu Jürgen Habermas (der als junger Mann gegen die vermeintliche &amp;quot;Absurdität der Stirnerschen Raserei&amp;quot; mit eigener Raserei sich zu wehren versuchte, Stirner dann aber so gründlich verdrängte, dass er ihn in den nächsten vierzig Jahren -- selbst in seinen einschlägigen Spezialarbeiten: z.B. über die Junghegelianer, über die Entstehung des historischen Materialismus -- nicht einmal mehr nannte).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stirners potentielle Aktualität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bevorzugte Methode, den Gehalt des ''Einzigen'', Stirners &amp;quot;Philosophie&amp;quot; -- gelegentlich in eingestandener Ratlosigkeit auch &amp;quot;Unphilosophie&amp;quot; genannt -- darzustellen, war stets die epitomatische: kurze, prägnante Abschnitte aus dem Text wurden aneinandergereiht und sollten für sich sprechen. Einprägsame Sentenzen wie &amp;quot;Ich hab' mein' Sach' auf Nichts gestellt&amp;quot; und &amp;quot;Mir geht nichts über Mich&amp;quot; wurden weithin bekannt, stehen für einen rohen Nihilismus bzw. Egoismus und werden oft für die -- so gesehen: dürftige -- Quintessenz des ''Einzigen'' genommen. Selbstverständlich gab es auch genauere, solidere, gründlichere Darstellungen und Untersuchungen zu diesem oft mit Superlativen -- &amp;quot;extremsten&amp;quot;, &amp;quot;kühnsten&amp;quot;, &amp;quot;fluchwürdigsten&amp;quot; etc. -- bedachten Buch; doch kamen auch sie letztlich zu keinem grundsätzlich anderen Ergebnis.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konventionellen Methoden, philosophische Texte zu interpretieren, haben im Falle des ''Einzigen'' versagt. Keinem Autor gelang es bisher, die oft gespürte, gelegentlich auch ausdrücklich festgestellte Sonderstellung Stirners in der Philosophie des 19. Jahrhunderts, der Neuzeit, gar der gesamten Geschichte wirklich präzise zu bestimmen. Stirners ''Einziger'' blieb, was geflissentlich übersehen wird, ein ''hapax legomenon'' im Text der abendländischen Philosophie.    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Richtigkeit dieser Behauptung lässt sich vorläufig am einleuchtendsten durch die doch äusserst erstaunliche Tatsache stützen, dass einige der grössten der heute allgemein anerkannten Denker (und die bedeutendsten anarchistischen Theoretiker!) einer sachlich gebotenen, argumentativen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen sind. Die blosse Erkenntnis, das dauerhafte Fürwahrhalten und vor allem das philosophiehistorische Gewichten dieser Tatsache ist offenbar stets durch vielerlei Hindernisse äusserst erschwert gewesen (dies lässt sich anhand des massenhaften sekundären Ausweichens, des bequemen blinden Nachvollzugs jenes primären der Grosstheoretiker, demonstrieren, besonders eindrucksvoll am Beispiel der Marx-Forschung). Ein Abbau dieser gewaltigen Hindernisse scheint jedoch mit dem seit einiger Zeit voranschreitenden Geltungsverlust aller etablierten Doktrinen einherzugehen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner hat sein Buch ausdrücklich als &amp;quot;einen Anfang&amp;quot; bezeichnet, als den Anfang einer Entwicklung, die er nach dem proklamierten &amp;quot;Ende der Philosophie&amp;quot; für möglich hielt. Der junge Karl Marx hielt den ''Einzigen'' für hochaktuell: er schrieb sich nach der Lektüre jenen später berühmt gewordenen Satz auf, wonach es darauf ankäme, die Welt zu verändern, und konzipierte in den folgenden Monaten den historischen Materialismus. Die Fortsetzung von Stirners &amp;quot;Anfang&amp;quot; war dies allerdings nicht; vielmehr eine offenbar sehr wirksame Verschüttung der von Stirner aufgeworfenen Problematik. So wie Marx -- nicht im Detail, aber im Prinzip -- reagierten bis in unsere Zeit eine Reihe hervorragender Denker auf die Konfrontation mit dem ''Einzigen''. Daraus, nicht aus den überall nachzulesenden Urteilen über Stirner, ergibt sich seine nach wie vor potentielle Aktualität.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Von Stirner:''' &lt;br /&gt;
* Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum. Stuttgart: Reclam 1972ff&lt;br /&gt;
* Max Stirner: Parerga, Kritiken, Repliken, hg. v. Bernd A. Laska. Nürnberg:  LSR-Verlag 1986  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Über Stirner:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biographie:  &lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Max Stirner -- Sein Leben und sein Werk. Nachdruck der 3. Auflage 1914. Freiburg: Mackay-Gesellschaft 1977  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Frage: Ist Stirner Anarchist?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ernst Zenker: Der Anarchismus. 1895. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1979&lt;br /&gt;
* Paul Eltzbacher: Der Anarchismus.1900. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1977&lt;br /&gt;
* Hector Zoccoli: Die Anarchie. 1907, dt.1909. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1976&lt;br /&gt;
* Max Nettlau: Der Vorfrühling der Anarchie. 1927. Nachdruck Bremen: Impuls o.J.&lt;br /&gt;
* Peter Heintz: Anarchismus und Gegenwart. 1951. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1973, 1985&lt;br /&gt;
* Peter Lösche: Anarchismus. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1977; sowie ders.: Anarchismus. Art. in Pipers Handbuch der politischen Ideen. Band 4. München: Piper 1986. S. 415-447&lt;br /&gt;
* Alan Ritter: Anarchism. A Theoretical Analysis. Cambridge (GB): CUP 1980  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur hier vorgeschlagenen Stirner-Interpretation:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bernd A. Laska: Ein heimlicher Hit. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Editionsgeschichte. Nürnberg: LSR 1994 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss1 ''Stirner-Studien Nr.1''])&lt;br /&gt;
* ders.: Ein dauerhafter Dissident. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg: LSR-Verlag 1996 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ''Stirner-Studien Nr.2''])&lt;br /&gt;
* ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Max Stirner. Nürnberg: LSR-Verlag 1997 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ''Stirner-Studien Nr.3''])&lt;br /&gt;
* ders.: [[Individualistischer Anarchismus]]. Artikel in: Lexikon der Anarchie, hg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msee.html Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum] (Volltext, HTML)&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msrec.html Max Stirner: Recensenten Stirners] (Stirners Replik auf Kritiken von Feuerbach, Hess, Szeliga)&lt;br /&gt;
*|&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/ms.html Max Stirner im LSR-Projekt] (Bernd A. Laska)&lt;br /&gt;
* [http://www.max-stirner-archiv-leipzig.de Max-Stirner-Archiv Leipzig] (Kurt W. Fleming)&lt;br /&gt;
* [http://www.projektmaxstirner.de Projekt Max Stirner] (Ibrahim Türkdogan)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Stirner,_Max&amp;diff=7048</id>
		<title>Stirner, Max</title>
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				<updated>2007-10-15T09:33:43Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Die Anarchisten und Stirner */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Max Stirner''', geb. 25. Oktober 1806 in Bayreuth, gest. 25. Juni 1856 in Berlin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max Stirner ist das Pseudonym für Johann Caspar Schmidt. Schmidt wurde am 25. Oktober 1806 in Bayreuth als erstes Kind protestantischer Eltern geboren. Sein Vater, ein Handwerker, der Flöten und andere Musikinstrumente herstellte, starb, als Johann Caspar ein halbes Jahr alt war. Die Mutter heiratete zwei Jahre später einen Apotheker und übersiedelte mit ihm ins westpreussische Kulm. Johann Caspar wurde bald nachgeholt, jedoch 1818, im Alter von 12 Jahren, nach Bayreuth zurückgeschickt, wo er in die Familie seines Paten aufgenommen wurde und das renommierte, von Georg Andreas Gabler geleitete Gymnasium besuchte (Gabler wurde nach Hegels Tod 1831 dessen Nachfolger an der Universität Berlin).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmidt immatrikulierte sich 1826 an der Berliner Universität, wo er u.a. bei Hegel und Schleiermacher hörte. Er brach jedoch sein mit grossem Eifer begonnenes Studium nach vier Semestern ab und ging -- nach einem nicht beendeten Semester in Erlangen -- &amp;quot;auf eine längere Reise durch Deutschland&amp;quot;. 1833 kehrte er nach Berlin zurück, wo er zwei weitere Semester studierte und nach weiteren Unterbrechungen die sonstigen formellen Bedingungen erfüllte, um schliesslich 1839, im Alter von 33 Jahren, seine erste feste Stellung anzutreten: als Lehrer an einer Berliner Mädchenschule.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab Mitte 1841 war Schmidt häufiger Gast bei den [[Die Freien|&amp;quot;Freien&amp;quot;]], einer lockeren Gruppierung von jungen, oppositionellen &amp;quot;Intellektuellen&amp;quot; um den Ex-Hegelianer und Ex-Theologen Bruno Bauer, dem neben Ludwig Feuerbach führenden Kopf der sog. [[Junghegelianer]]. Zu dieser Zeit begann er, mit kleineren Beiträgen als Journalist und Schriftsteller an die Öffentlichkeit zu treten: teils anonym, teils bereits pseudonym als &amp;quot;Max Stirner&amp;quot;. In den Jahren 1842-47 entstanden Stirners wichtigste Schriften, insbesondere sein Werk ''[[Der Einzige und sein Eigentum]]'', das, vordatiert auf 1845, Ende Oktober 1844 erschien.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ''Einzige'' erregte für kurze Zeit ein skandalöses, von Verboten (&amp;quot;zu radikal&amp;quot;) und Verbotsaufhebungen (&amp;quot;so radikal, dass er sich selbst widerlegt&amp;quot;) begleitetes Aufsehen. Einige Autoren reagierten mit kleineren Gegenschriften, auf die Stirner mit dem Artikel ''Recensenten Stirners'' antwortete. Die wichtigste Gegenschrift indes verfasste anschliessend Karl Marx: den furiosen ''Sankt Max''. Marx veröffentlichte seinen Anti-Stirner nach einigem Zögern jedoch nicht, vermutlich aus zwei Gründen: erstens, weil er (insgeheim) die Stichhaltigkeit seiner polemischen Kritik bezweifelte und eine Duplik Stirners fürchtete; zweitens, weil Stirner inzwischen -- schon ein Jahr vor den Ereignissen des März 1848 und ihren politischen Folgen, die den radikalen philosophischen Diskussionen ohnehin ein Ende setzten -- bereits zur Unperson geworden war, öffentliche Kritik an ihm somit fehl am Platze und taktisch unklug gewesen wäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner, der zweimal kinderlos verheiratet war (1838 und 1843-46), hatte kurz vor Erscheinen seines ''Einzigen'' seine Lehrerstelle aufgegeben und verdiente danach seinen Lebensunterhalt mit selbständiger Erwerbstätigkeit. Er verbrachte die restliche Zeit seines Lebens, literarisch kaum noch tätig, in zunehmender materieller Armut. An den politischen Ereignissen der Jahre 1848/49 scheint er sich, im Gegensatz zu den meisten Junghegelianern, nicht beteiligt zu haben. Stirner starb, von den Zeitgenossen vergessen, am 25.Juni 1856 in Berlin und wurde auf dem Sophienfriedhof beigesetzt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Der Einzige und sein Eigentum'' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner ist ein ''&amp;quot;vir unius libri&amp;quot;''; sein Werk kann ohne substantiellen Verlust auf jenes eine Buch, ''Der Einzige und sein Eigentum'', reduziert werden. Dieser ''Einzige'' hatte ein aussergewöhnlich interessantes Bücherschicksal. Er war zunächst, wie alle Beiträge der junghegelianischen Diskussion der 1840er Jahre, schnell vergessen, wurde jedoch, als einziger daraus, nach längerer Zeit wiederentdeckt und -- nach erneutem Vergessen abermals wiederentdeckt. Diese beiden sog. Stirner-Renaissancen (1893ff und 1968ff) hatten zudem jeweils einen sehr ungewöhnlichen Anlass: sie waren wesentlich Ergebnis der energischen Initiative jeweils eines einzelnen Mannes, und zwar eines dezidierten Stirner-Gegners: 1893 des Nietzscheaners Paul Lauterbach und 1968 des Marxisten Hans G. Helms. Beide exponierten Stirners Buch aus erklärtermassen hochpolitischem Grund: um die Grösse und aktuelle Bedeutung der geistigen Tat Nietzsches bzw. Marx' -- als &amp;quot;Überwinder&amp;quot; Stirners als des literarischen Inbegriffs des &amp;quot;absolut Bösen&amp;quot; -- um so klarer hervortreten zu lassen. Obwohl der ''Einzige'' ein Verkaufserfolg wurde -- bisher mehr als 100'000 Exemplare -- blieb Stirner eine Randfigur der Ideengeschichte. Die Absicht der beiden Initiatoren, Stirner als den Antipoden zu Nietzsche bzw. zu Marx zu etablieren -- was ''nolens volens''  eine gewaltige Aufwertung Stirners bedeutet hätte -- gelang bisher nicht (vgl. Laska 1994).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Anarchisten und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner bezeichnete sich selbst nirgendwo als [[Anarchie - Zur Geschichte eines Reiz- und Schlagwortes|Anarchisten]]; er kritisierte vielmehr in seinem ''Einzigen''  (1844) den Mann, der sich 1840 als erster selbst einen Anarchisten genannt hatte: [[Pierre-Joseph Proudhon|Proudhon]] -- allerdings nicht deswegen, sondern wegen seiner moralisierenden Betrachtungsweise der gesellschaftlichen Probleme. Proudhon, der sonst sehr an der Entwicklung der (jung-)hegelianischen Philosophie in Deutschland interessiert war, überging Stirners ''Einzigen'' mit Schweigen. Auch [[Michail Aleksandrovič Bakunin|Bakunin]], der andere massgebliche Anarchist des 19. Jahrhunderts, vermied es, sich zum ''Einzigen'' zu äussern. Diese offenkundige Berührungsangst der Anarchisten vor Stirner machten sich in den 1880er Jahren -- nach dem Tode von Marx, der einst ebenfalls einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen war -- die Marxisten für ihre politische Polemik zunutze: Stirner sei &amp;quot;der Prophet des heutigen Anarchismus&amp;quot;; Bakunin sei nichts als Proudhon plus Stirner, so lautete die von Friedrich Engels 1886 ausgegebene Parole.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Historiker des Anarchismus, selbst keine Anarchisten, rechneten Stirner, der inzwischen im Kielwasser des Nietzscheanismus zu einer bekannten Figur geworden war, ebenfalls dem Anarchismus zu (Zenker 1895, Eltzbacher 1900, Zoccoli 1907). Die Anarchisten selbst hielten indes nach wie vor Distanz zu Stirner. Nur eine kleine Gruppe, die sich als [[Individualistischer Anarchismus|&amp;quot;individualistische Anarchisten&amp;quot;]] von der eigentlichen anarchistischen Bewegung abgrenzte, bekannte sich demonstrativ zu Stirner (mit zweifelhafter Berechtigung).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die distanzierte Haltung der Anarchisten gegenüber Stirner änderte sich auch im 20. Jahrhundert nicht wesentlich. [[Gustav Landauer|Landauer]] stand Stirner über längere Zeit sehr ambivalent, schliesslich aber eindeutig ablehnend gegenüber. [[Erich Mühsam|Mühsam]] erwähnt Stirner nur einmal: in einer autobiographischen Skizze, in der er Landauer dafür dankt, dass er ihn als jungen Mann dem verführerischen Einfluss Stirners entrissen habe. [[Pjotr Kropotkin|Kropotkin]], der über Jahrzehnte zu Stirner geschwiegen hatte, denunzierte ihn schliesslich, zu einer Stellungnahme gedrängt, als &amp;quot;Manchestermann&amp;quot; und damit Pseudo-Anarchisten (der sonst so milde Mann konnte, wie Nettlau überlieferte, sehr wütend werden, wenn im Gespräch auch nur der Name Stirner fiel). [[Max Nettlau|Nettlau]], selbst Anarchist und wohl bester Kenner der anarchistischen Bewegung in ihrer Glanzzeit, stand eher ratlos vor dem Phänomen, dass die meisten Anarchisten Stirner ablehnten, und meinte, Stirner sei eben meist missverstanden worden. Dieses Urteil von 1927, aus der Endphase einer Epoche, in der sowohl das Interesse an Stirner als auch der Einfluss des politischen Anarchismus relativ gross gewesen waren, kann heute, nachdem beide in den 60er Jahren noch einmal auflebten, erneuert werden. Nur sollte ein so hartnäckiges &amp;quot;Missverstehen&amp;quot; -- zumal es auch in der Stirner-Rezeption ausserhalb des Anarchismus vorherrscht -- Grund zu intensiven Nachforschungen geben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Übereinstimmung mit der vorherrschenden, meist ohne nähere Begründung und indirekt ausgedrückten Ablehnung Stirners durch die grosse Mehrzahl der Anarchisten -- der allenfalls die oberflächliche, unspezifische Zustimmung durch wenige Einzelne gegenübersteht -- stellen in zunehmendem Masse auch die Autoren neuerer Untersuchungen zum Anarchismus oder zu Stirner die überkommene Einordnung Stirners als Anarchisten in Frage bzw. in Abrede (Heintz 1951, Lösche 1977, Ritter 1980).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Philosophen und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anarchisten, insbesondere deren theoretische Köpfe, waren nicht die einzigen, die einen öffentlichen argumentativen Diskurs mit Stirner bzw. über dessen ''Einzigen'', so nahe er thematisch auch lag, vermieden haben. Sie befinden sich mit dieser ausweichenden Haltung durchaus in angesehener Gesellschaft. Marx, der seinen Anti-Stirner wohlweislich nicht veröffentlichte, wurde bereits genannt. Nietzsche ist, seiner Bedeutung wegen, hier als nächster zu nennen: eine genaue Untersuchung seiner intellektuellen Biographie ergibt starke Indizien für die Annahme, dass direkte Spuren seiner Konfrontation mit Stirners ''Einzigem'' deshalb fehlen, weil er selbst sie sorgfältigst verwischte. Die Stirner-Renaissance der Jahrhundertwende wurde dann wesentlich dadurch möglich, dass die Lehren, die diese beiden Denker -- grossteils in Abwehr der Stirner'schen -- entwickelt hatten, zu Massenerfolgen geworden waren. Stirner konnte nun, wenn nicht als exaltierter Anarchist, dann als banausischer und damit abgetaner Vorläufer Nietzsches eingeordnet werden -- oder als Scheinradikaler, der bereits vom jungen Marx als &amp;quot;wildgewordener Kleinbürger&amp;quot; entlarvt worden sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Liste der Denker, in deren intellektueller Vita gleichfalls eine existenzielle Erschütterung durch Stirners ''Einzigen''  nachweisbar ist, auf die sie, statt mit einer argumentativen und nachvollziehbaren Auseinandersetzung, mit einer veritablen Verdrängung reagierten, enthält durchaus weitere klangvolle Namen: von Carl Schmitt (der als Student Stirner anfangs als &amp;quot;wahre Erquickung&amp;quot;, bald jedoch als Plage, empfand, ihn dann vergessen zu haben scheint und erst vierzig Jahre später, in der Not der Einzelhaft, wieder mit ihm zu ringen hatte) bis zu Jürgen Habermas (der als junger Mann gegen die vermeintliche &amp;quot;Absurdität der Stirnerschen Raserei&amp;quot; mit eigener Raserei sich zu wehren versuchte, Stirner dann aber so gründlich verdrängte, dass er ihn in den nächsten vierzig Jahren -- selbst in seinen einschlägigen Spezialarbeiten: z.B. über die Junghegelianer, über die Entstehung des historischen Materialismus -- nicht einmal mehr nannte).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stirners potentielle Aktualität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bevorzugte Methode, den Gehalt des ''Einzigen'', Stirners &amp;quot;Philosophie&amp;quot; -- gelegentlich in eingestandener Ratlosigkeit auch &amp;quot;Unphilosophie&amp;quot; genannt -- darzustellen, war stets die epitomatische: kurze, prägnante Abschnitte aus dem Text wurden aneinandergereiht und sollten für sich sprechen. Einprägsame Sentenzen wie &amp;quot;Ich hab' mein' Sach' auf Nichts gestellt&amp;quot; und &amp;quot;Mir geht nichts über Mich&amp;quot; wurden weithin bekannt, stehen für einen rohen Nihilismus bzw. Egoismus und werden oft für die -- so gesehen: dürftige -- Quintessenz des ''Einzigen'' genommen. Selbstverständlich gab es auch genauere, solidere, gründlichere Darstellungen und Untersuchungen zu diesem oft mit Superlativen -- &amp;quot;extremsten&amp;quot;, &amp;quot;kühnsten&amp;quot;, &amp;quot;fluchwürdigsten&amp;quot; etc. -- bedachten Buch; doch kamen auch sie letztlich zu keinem grundsätzlich anderen Ergebnis.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konventionellen Methoden, philosophische Texte zu interpretieren, haben im Falle des ''Einzigen'' versagt. Keinem Autor gelang es bisher, die oft gespürte, gelegentlich auch ausdrücklich festgestellte Sonderstellung Stirners in der Philosophie des 19. Jahrhunderts, der Neuzeit, gar der gesamten Geschichte wirklich präzise zu bestimmen. Stirners ''Einziger'' blieb, was geflissentlich übersehen wird, ein ''hapax legomenon'' im Text der abendländischen Philosophie.    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Richtigkeit dieser Behauptung lässt sich vorläufig am einleuchtendsten durch die doch äusserst erstaunliche Tatsache stützen, dass einige der grössten der heute allgemein anerkannten Denker (und die bedeutendsten anarchistischen Theoretiker!) einer sachlich gebotenen, argumentativen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen sind. Die blosse Erkenntnis, das dauerhafte Fürwahrhalten und vor allem das philosophiehistorische Gewichten dieser Tatsache ist offenbar stets durch vielerlei Hindernisse äusserst erschwert gewesen (dies lässt sich anhand des massenhaften sekundären Ausweichens, des bequemen blinden Nachvollzugs jenes primären der Grosstheoretiker, demonstrieren, besonders eindrucksvoll am Beispiel der Marx-Forschung). Ein Abbau dieser gewaltigen Hindernisse scheint jedoch mit dem seit einiger Zeit voranschreitenden Geltungsverlust aller etablierten Doktrinen einherzugehen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner hat sein Buch ausdrücklich als &amp;quot;einen Anfang&amp;quot; bezeichnet, als den Anfang einer Entwicklung, die er nach dem proklamierten &amp;quot;Ende der Philosophie&amp;quot; für möglich hielt. Der junge Karl Marx hielt den ''Einzigen'' für hochaktuell: er schrieb sich nach der Lektüre jenen später berühmt gewordenen Satz auf, wonach es darauf ankäme, die Welt zu verändern, und konzipierte in den folgenden Monaten den historischen Materialismus. Die Fortsetzung von Stirners &amp;quot;Anfang&amp;quot; war dies allerdings nicht; vielmehr eine offenbar sehr wirksame Verschüttung der von Stirner aufgeworfenen Problematik. So wie Marx -- nicht im Detail, aber im Prinzip -- reagierten bis in unsere Zeit eine Reihe hervorragender Denker auf die Konfrontation mit dem ''Einzigen''. Daraus, nicht aus den überall nachzulesenden Urteilen über Stirner, ergibt sich seine nach wie vor potentielle Aktualität.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Von Stirner:''' &lt;br /&gt;
* Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum. Stuttgart: Reclam 1972ff&lt;br /&gt;
* Max Stirner: Parerga, Kritiken, Repliken, hg. v. Bernd A. Laska. Nürnberg:  LSR-Verlag 1986  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Über Stirner:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biographie:  &lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Max Stirner -- Sein Leben und sein Werk. Nachdruck der 3. Auflage 1914. Freiburg: Mackay-Gesellschaft 1977  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Frage: Ist Stirner Anarchist?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ernst Zenker: Der Anarchismus. 1895. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1979&lt;br /&gt;
* Paul Eltzbacher: Der Anarchismus.1900. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1977&lt;br /&gt;
* Hector Zoccoli: Die Anarchie. 1907, dt.1909. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1976&lt;br /&gt;
* Max Nettlau: Der Vorfrühling der Anarchie. 1927. Nachdruck Bremen: Impuls o.J.&lt;br /&gt;
* Peter Heintz: Anarchismus und Gegenwart. 1951. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1973, 1985&lt;br /&gt;
* Peter Lösche: Anarchismus. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1977; sowie ders.: Anarchismus. Art. in Pipers Handbuch der politischen Ideen. Band 4. München: Piper 1986. S. 415-447&lt;br /&gt;
* Alan Ritter: Anarchism. A Theoretical Analysis. Cambridge (GB): CUP 1980  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur hier vorgeschlagenen Stirner-Interpretation:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bernd A. Laska: Ein heimlicher Hit. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Editionsgeschichte. Nürnberg: LSR 1994 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss1 ''Stirner-Studien Nr.1''])&lt;br /&gt;
* ders.: Ein dauerhafter Dissident. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg: LSR-Verlag 1996 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ''Stirner-Studien Nr.2''])&lt;br /&gt;
* ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Max Stirner. Nürnberg: LSR-Verlag 1997 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ''Stirner-Studien Nr.3''])&lt;br /&gt;
* ders.: [[Individualistischer Anarchismus]]. Artikel in: Lexikon der Anarchie, hg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msee.html Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum] (Volltext, HTML)&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msrec.html Max Stirner: Recensenten Stirners] (Stirners Replik auf Kritiken von Feuerbach, Hess, Szeliga)&lt;br /&gt;
*|&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/ms.html Max Stirner im LSR-Projekt] (Bernd A. Laska)&lt;br /&gt;
* [http://www.max-stirner-archiv-leipzig.de Max-Stirner-Archiv Leipzig] (Kurt W. Fleming)&lt;br /&gt;
* [http://www.projektmaxstirner.de Projekt Max Stirner] (Ibrahim Türkdogan)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Individualistischer_Anarchismus&amp;diff=4828</id>
		<title>Individualistischer Anarchismus</title>
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				<updated>2007-01-15T15:31:09Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Literatur */ erg. Volltext EE online&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Philosophie und Theorie|Lexikon der Anarchie: Philosophie und Theorie]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
==Begriff==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ausdruck '''individualistischer Anarchismus''' (synonym auch ''individueller Anarchismus'', ''Individualanarchismus'' oder ''anarchistischer Individualismus''), bezeichnet ein im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entstandenes Konzept einer zukünftigen [[Gesellschaft]], in der die [[Freiheit]] jedes [[Individuum]]s (von äusserem [[Zwang]]) den höchsten Wert darstellt und so weit wie möglich gewährleistet sein soll, d.h. nur in dem Masse eingeschränkt ist, das sich daraus ergibt, dass alle Individuen diese Freiheit gleichermassen haben sollen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' sehen das Haupthindernis, das einer solchen [[Gesellschaftsordnung|gesellschaftlichen Ordnung]] entgegensteht, in der Institution des [[Staat|Staates]] (auch eines ideal demokratischen), und zwar deshalb, weil der Staat die Freiheit der meisten Individuen mehr als im genannten Sinne erforderlich einschränkt, um einige institutionell verankerte Privilegien, die staatlichen Monopole, die die Freiheit des Wettbewerbs der Individuen behindern bzw. ausschalten, aufrechtzuerhalten. Es handele sich dabei um vier hauptsächliche Monopole: das Geld-, das Boden-, das Zoll- und das Patentmonopol, wobei das erste das weitaus gravierendste sei. Die Existenz dieser (und weiterer) Monopole verhindere permanent, dass das Individuum für seine produktive Arbeit den &amp;quot;natürlichen Lohn&amp;quot;, den &amp;quot;vollen Ertrag&amp;quot; erhalte. Diese Monopole bzw. den Staat, der sie mit Gewalt(-androhung) aufrechterhält, gilt es daher zu beseitigen, wenn ein Optimum an Freiheit und (Tausch-)Gerechtigkeit erreicht werden soll. Alle erwünschten gesellschaftlichen Aufgaben, die bisher der Staat auch übernommen habe, wie das Polizei-, das Rechts-, das Schul-, das Fürsorgewesen etc., würden, wie insbesondere auch das Geldwesen, ohne Monopole und bei freier Konkurrenz besser und effektiver erfüllt werden; vor allem wäre die Beteiligung jedes Individuums daran freiwillig und nicht, z.B. durch Steuerzahlung, erzwungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herbeiführung einer solchen freien Gesellschaft könne naturgemäss nicht durch Zwang und Gewalt, sondern nur durch Aufklärung und Überzeugung, also nicht auf revolutionärem, sondern nur auf evolutionärem Wege erfolgen. Das Kampfmittel der Wahl sei der -- hierbei durchaus kollektive -- passive Widerstand, die Verweigerung (insbesondere von Steuerzahlungen) gegenüber dem Staat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' ist eine weitgehend aus der angelsächsischen, insbesondere nordamerikanischen Tradition politischen Denkens hervorgegangene Doktrin: eine Extremform des [[Liberalismus]]. [[Thomas Jefferson]] (1743-1826), der Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeits- und Menschenrechtserklärung von 1776, hatte seine staatspolitische Überzeugung einmal in das ''bonmot''  gefasst: &amp;quot;Die beste Regierung ist die, die am wenigsten regiert.&amp;quot; Und der amerikanische Publizist [[Benjamin R. Tucker]] (1854-1939), der repräsentativste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''', sagte von sich und den Anhängern des '''individualistischen Anarchismus''' gelegentlich, sie seien eigentlich nur Jefferson'sche Demokraten mit Konsequenz: denn sie hätten den Mut, den folgerichtigen Schluss zu ziehen und auszusprechen, dass eigentlich doch keine Regierung die beste Lösung sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tucker nennt als die wichtigsten Einflüsse, die ihn zur Formulierung des '''individualistischen Anarchismus''' oder auch &amp;quot;philosophischen Anarchismus&amp;quot; geführt haben, an erster Stelle die Lehren des Amerikaners [[Josiah Warren]], dann auch die des Franzosen [[Pierre-Joseph Proudhon]] (dessen ''Qu'est-ce que la propriété'' er 1876 ins Englische übersetzte). Weitere Einflüsse kamen von amerikanischen Freiheitsdenkern und -dichtern wie [[Stephen Pearl Andrews]] und [[Lysander Spooner]] sowie [[Ralph Waldo Emerson]] und [[Henry David Thoreau]], von den englischen Philosophen [[John Stuart Mill]] (1859: ''On Liberty'') und [[Herbert Spencer]] (1884: ''The Man versus the State''), aber auch von dem russischen [[kollektivistischer Anarchismus|kollektivistischen Anarchisten]] [[Michail Bakunin]] (dessen ''Dieu et l'Etat'' Tucker 1883 ins Englische übersetzte). Tucker gründete 1881 die Zeitschrift ''Liberty'' als Forum für ein breites Spektrum von Stimmen, die zu Problemen des '''individualistischen Anarchismus''' Stellung nahmen, und gab sie bis 1908 zunächst in Boston, dann in New York heraus.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung der Ideen von [[Max Stirner]] (1806-1856) auf Tucker und den '''individualistischen Anarchismus''' verdient besonderes Interesse, und zwar deshalb, weil Stirner, seit er in den 1890er Jahren eine &amp;quot;Renaissance&amp;quot; erfahren hatte, immer wieder als der eigentliche Stammvater des '''individualistischen Anarchismus''' bezeichnet wurde und wird. Stirner wurde durch [[James L. Walker]] (1845-1904), einen sprachkundigen und umfassend gebildeten ''selfmademan'',  der, vielleicht Schmidt-Stirner folgend, unter dem Pseudonym Tak Kak schrieb, Ende der 80er Jahre in ''Liberty'' (1881-1908) zur Diskussion gestellt, zu einem Zeitpunkt, als Tucker die Grundauffassungen des '''individualistischen Anarchismus''' bereits formuliert hatte. Dies entzündete sogleich eine Kontroverse, bei der es um die grundsätzliche philosophische Frage ging, ob der '''individualistische Anarchismus''' nun überhaupt noch, wie bisher, auf einer [[Naturrecht|naturrechtlichen Basis]] stehen könne (Martin 1970, 249-254; Coughlin et al., 1986, 131-135). Walker verneinte dies; Tucker und einige weitere Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' folgten Walkers Argumenten und revidierten ihre Positionen. Die Folge war eine Spaltung der Bewegung des '''individualistischen Anarchismus''', und Tucker verlor einige der besten Mitarbeiter von ''Liberty''. Die Kontroverse um die Bedeutung Stirners für den '''individualistischen Anarchismus''' wurde mit einer überraschenden Heftigkeit und Erbitterung geführt, verlief sich aber bald im Unentschiedenen. Stirner war daraufhin in ''Liberty'' kein (umstrittenes) Thema mehr, und Walker blieb als Tak Kak zwar weiterhin ''Liberty''-Autor, veröffentlichte aber seine von Stirner inspirierten Beiträge zur &amp;quot;Philosophie des Egoismus&amp;quot; jetzt woanders: in einem entlegenen Periodikum namens ''Egoism''.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stirner-Kontroverse von 1887 war indes nicht wirklich erledigt. Sie schwelte untergründig weiter, in der Gruppe und in den einzelnen Individuen. Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' scheinen der von Stirner aufgeworfenen Problematik letztlich ebenso ausgewichen zu sein wie zuvor die Zeitgenossen Stirners (am folgenreichsten [[Karl Marx|Marx]]), später eine stattliche Reihe prominenter Denker (am folgenreichsten [[Friedrich Nietzsche|Nietzsche]]) und im übrigen auch die meisten Anarchisten (vgl. Laska 1993, 1996). Diesem prekären und naturgemäss weitgehend in der Obskurität verbliebenen Prozess ist es wohl zu danken, dass eine englische Übersetzung von Stirners ''[[Der Einzige und sein Eigentum|Einzigem]]'' erst mit zwanzigjähriger (!) Verspätung erschien, zu einer Zeit, als die Bewegung des amerikanischen '''individualistischen Anarchismus''' und ''Liberty'' bereits ihrem Ende nahe waren. Tucker selbst gab sie (''The Ego and His Own'') 1907 noch im eigenen Verlag heraus -- offenbar in einem letzten, eigene und fremde Widerstände überwindenden Kraftakt, denn er kommentierte seine Tat in einer der letzten Ausgaben von ''Liberty'' im Ton eines Vermächtnisses: &amp;quot;Ich habe mich über mehr als dreissig Jahre hinweg für die Verbreitung der Ideen des Anarchismus eingesetzt und dabei einiges erreicht, auf das ich stolz bin; aber ich glaube, dass ich nichts für die Sache getan habe, dessen Bedeutung an die Herausgabe dieses Buches heranreicht.&amp;quot; -- Kurz darauf wurden Tuckers Geschäfts- und Lagerräume durch einen Brand völlig zerstört. Tucker war ruiniert, verliess die USA und ging nach Frankreich, wo er die restlichen drei Jahrzehnte seines Lebens in publizistischer Enthaltsamkeit verbrachte. Das Ende von ''Liberty'' im Jahre 1908 markiert auch das Ende der von Tucker geprägten Epoche des originären '''individualistischen Anarchismus'''.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der führende Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' in Deutschland war der Dichter und Schriftsteller [[John Henry Mackay]] (1864-1933), der zwar in Schottland geboren wurde, aber seit seinem zweiten Lebensjahr in Deutschland gelebt und nur in deutscher Sprache geschrieben hat. Mackay verkehrte in den 1880er Jahren zunächst im Milieu der jungen, rebellischen Dichter des aufkommenden [[Naturalismus]], ging aber, da ihn die &amp;quot;soziale Frage&amp;quot; ernsthafter berührte als seine Kollegen, bald eigene Wege. Aufgrund des sozialkritischen Pathos seines ersten dichterischen Erfolgs, des Gedichtbandes ''Sturm'' (1888), feierte man ihn als &amp;quot;Sänger der Anarchie&amp;quot;. Doch Mackay fühlte sich auch den Anarchisten, die vorwiegend kollektivistisch bzw. kommunistisch orientiert waren, keineswegs zugehörig. Erst die Bekanntschaft mit Tucker, sowohl durch dessen Zeitschrift ''Liberty'' (und deren zeitweilige deutsche Ausgabe ''Libertas'') als auch durch persönliche Begegnung, eröffnete ihm die ersehnte politische Heimat. Mackay wurde ab etwa 1890 der wichtigste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' in Deutschland. Er schrieb, neben seinem dichterischen Werk, zwei einschlägige ''Bücher der Freiheit'', die er seinem Freunde Tucker widmete: 1891 ''Die Anarchisten'' und 1920 ''Der Freiheitssucher''. Er gab ''Flugschriften des Individualistischen Anarchismus'' und seit 1895 eine Schriftenreihe ''Propaganda des Individualistischen Anarchismus'' in deutscher Sprache heraus, in der vorwiegend Übersetzungen von Broschüren des amerikanischen '''individualistischen Anarchismus''' erschienen, als wichtigste die Tucker'sche Programmschrift ''Staatssozialismus und Anarchismus''. Doch der stark angelsächsisch geprägte '''individualistische Anarchismus''' fand in Deutschland nur wenige Anhänger (prominentester war der junge [[Rudolf Steiner]] - bevor er &amp;quot;Anthroposoph&amp;quot; wurde), und die Bewegung des '''individualistischen Anarchismus''' kam auch hier noch vor dem ersten Weltkrieg zum Erliegen; Mackays Versuch, sie nach 1918 neu zu beleben, scheiterte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mackay hat den Eindruck erweckt, sein propagandistisches Wirken für den '''individualistischen Anarchismus''' stehe in engem, sachlichen Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Biograph und Herausgeber Stirners. Dadurch ist es üblich geworden, Mackay als authentischen Stirnerianer und Stirner als Patron des '''individualistischen Anarchismus''' anzusehen. Diese Zuordnungen können einer genaueren Prüfung freilich nicht standhalten. Es war zweifelsfrei Tucker, der den '''individualistischen Anarchismus''' konzipiert hat, und er hat dies bereits in den 1880er Jahren, ohne Kenntnis Stirners, getan. Der Stirner'sche Impuls hat dann zwar die Anhängerschaft des '''individualistischen Anarchismus''' stark irritiert, gleichwohl aber keinen Diskurs erzeugt, der den '''individualistischen Anarchismus''' grundlegend modifiziert oder gar die Ideen, die spezifisch Stirner'sche sind, wirklich integriert hätte. Mackay übernahm den '''individualistischen Anarchismus''' von Tucker in seinen wesentlichen Zügen und schrieb seine ''Bücher der Freiheit'' aus dem Geiste dieses '''individualistischen Anarchismus'''. Beide, Tucker und Mackay, bekannten sich zwar verbal, zuweilen sogar sehr emphatisch, zu dem auch unter Anarchisten unpopulären Stirner, wussten aber mit dessen spezifischen Begriffen, insbesondere mit dem der &amp;quot;Eigenheit&amp;quot;, im Grunde wenig anzufangen; sie wären von Stirner, dem die &amp;quot;gleiche Freiheit Aller&amp;quot;, die Grunddoktrin des '''individualistischen Anarchismus''', ja von Kant her geläufig war, als blosse Freiheitsschwärmer verspottet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' war freilich mit dem Ende von Tuckers und Mackays Aktivitäten nicht gänzlich tot. Es gab, auch als Reaktion auf das weltweite Erstarken des Kollektivismus nach dem 1. Weltkrieg, immer wieder Denker, die, wie einst Tucker, selbständig an die individualistischen und liberalistischen Denktraditionen anknüpften und sie bis zu (&amp;quot;tendenziell&amp;quot;) staatsverneinenden (und in diesem Sinne anarchistischen) Positionen zuspitzten. In Nordamerika wären hier [[Albert Jay Nock]] (1928: ''Our Enemy, the State'') und [[Henry Louis Mencken]] zu nennen, im deutschsprachigen Raum etwa [[Franz Oppenheimer]] (1926: ''Der Staat''), vielleicht auch die Ökonomen [[Ludwig von Mises]] und [[Friedrich August (von) Hayek]] (1944: ''The Road to Serfdom''), die aber wohl nicht zufällig ihre Hauptwirkung in den USA entfalteten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' lebte aber auch in einigen Personen weiter, die Tucker noch persönlich kannten und für die die geschwundene öffentliche Attraktivität der Idee kein Grund war, sie zu verwerfen: in den USA beispielsweise in [[Laurance Labadie]] (1898-1975), der, als Sohn eines alten Kampfgefährten Tuckers, die Stafette des '''individualistischen Anarchismus''' weitergab an Männer wie [[James J. Martin]] und [[Murray N. Rothbard]] (Coughlin et al. 1986, S.116-130), &amp;quot;libertarians&amp;quot;, die ihr in den 60er Jahren wieder zu publizistischer Präsenz verhalfen. Rothbard etwa unterzog (''The Spooner-Tucker Doctrine'', In: A Way Out, May/June 1965) den '''individualistischen Anarchismus''' einer gründlichen Revision, wobei er zwar, als Ökonom, dessen geldtheoretischen Vorstellungen als &amp;quot;Monetariomanie&amp;quot; verwarf, als Libertarier jedoch die politisch-anthropologischen Grundlagen des '''individualistischen Anarchismus''' voll und ganz akzeptierte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesen neueren Diskussionen erwies die Chiffre &amp;quot;Stirner&amp;quot;, die hier wiederum nur kurz auftauchte, ihre Kraft, eine Gruppierung in wenige (vielleicht nur vermeintliche) Anhänger und viele entschiedene Gegner Stirners zu spalten (vgl. A Way Out, Oct.1967, p.12-17); und auch diesmal vermied man es, die Grundfrage nach der Natur der &amp;quot;Freiheit&amp;quot;, dieses geheiligten Schibboleths des '''individualistischen Anarchismus''' und des [[Libertarismus|Libertariertums]], mit Hilfe Stirners zu problematisieren und genauer zu untersuchen. Dabei kann es bei den Libertariern bzw. [[Anarcho-Kapitalismus|Anarcho-Kapitalisten]], wie sich viele Vertreter eines modernen, modifizierten '''individualistischen Anarchismus''' auch nennen, keineswegs das Schreckwort &amp;quot;Egoismus&amp;quot; sein, welches sie Stirner ablehnen und ignorieren lässt (eines ihrer programmatischen Bücher, von [[Ayn Rand]] in den 60er Jahren verfasst, heisst sogar ''The Virtue of Selfishness''); nein, es muss wiederum das sichere Gespür für eine bestimmte, in Stirners ''Einzigem'' latente Idee sein, das auch viele andere, die sich mit ihr konfrontiert sahen (von Marx über Nietzsche und Carl Schmitt bis zu Habermas), einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner aus dem Wege gehen liess (vgl. Laska 1993, 1996).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland (Bundesrepublik) lebte der '''individualistische Anarchismus''' wieder auf, als [[Kurt Helmut Zube]] (1905-1991), der Mackay noch persönlich kannte, 1974 die [[Mackay-Gesellschaft]] gründete. Die Selbstcharakteristik, die in den meisten ihrer Publikationen wie ein Impressum abgedruckt ist, spricht für sich: &amp;quot;Die Mackay-Gesellschaft, undogmatisch, anti-ideologisch, möchte Basis einer Diskussion über alle Probleme der Gesellschaftsordnung sein. Sie ist bemüht, ihre Argumentation nur auf beweisbare Tatsachen zu stützen. An solchen wird sie einige, nebst allen Konsequenzen daraus, vorstellen, die zu einer ganz neuen Denkungsart führen, wie bereits Albert Einstein sie als unumgänglich notwendig erklärt hatte.&amp;quot; Die Mackay-Gesellschaft war publizistisch sehr aktiv und brachte neben Neudrucken von Schriften der Urheber des '''individualistischen Anarchismus''', Tucker und Mackay, auch Erstübersetzungen anderer Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' sowie aktuelle Diskussionsbeiträge wie das ''Manifest der Freiheit und des Friedens'' von K.H.Z. Solneman [d.i. Zube] heraus. Sie trug dadurch gewiss zur Ausgestaltung des überkommenen Bestandes des '''individualistischen Anarchismus''' bei, verliess sich aber stets darauf, dass dessen theoretische Basis solide und vollendet ist und sprach deshalb bisweilen vom '''individualistischen Anarchismus''' als dem &amp;quot;wissenschaftlich-kritischen&amp;quot; Anarchismus. Zube sah in Mackay, dessen Abhängigkeit von Tucker er herunterspielte, den Vollender und damit auch Überwinder Stirners. Auch für Stefan Blankertz (1956-), der 1981 mit Zube einen ambitionierten Disput über die philosophischen Grundlagen des '''individualistischen Anarchismus''' führte, war Stirner kein Thema mehr; Blankertz fand stattdessen über einige Nebenwege zu einem '''individualistischen Anarchismus''' Rothbard'scher Prägung und entdeckte schliesslich, nach gründlichem Studium des &amp;quot;subversiven&amp;quot; Thomas von Aquin, wie Rothbard, &amp;quot;dass es eine verborgene, fast heimliche Gedankenwelt des [[Katholischer Anarchismus|katholischen Anarchismus]] gibt&amp;quot; (''Vernunft ist Widerstand'', Köln 1993, S.8).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in anderen Ländern Europas entfalteten nach dem 2. Weltkrieg Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' publizistische Aktivität. - In Frankreich gründete [[Emile Armand]] [d.i. Ernest-Lucien Juin] (1872-1962), der bereits von 1922-1939 die '''individual-anarchistische'''-Zeitschrift ''L'en dehors'' herausgegeben hatte, schon 1945 die Zeitschrift ''L'Unique'', die bis zu seinem Tode erschien. Armand, der sich in der Tradition Spooner-Tucker-Mackay sah und sich auch zu Stirner bekannte, legte besonderes Gewicht auf das Problem der sexuellen Befreiung. - In Italien wirkte im Sinne des '''individualistischen Anarchismus''' vor allem [[Enzo Martucci]] (1904-1975), der ein ''Manifesto dei Fuorigregge'' und eine Reihe von Broschüren zum '''individualistischen Anarchismus''' verfasste. - In England gab [[Sidney E. Parker]] (1929-) seit 1963 eine Zeitschrift des '''individualistischen Anarchismus''' heraus (bis 1980 ''Minus One'', bis 1994 ''Ego''), in der einige interessante Debatten stattfanden. Parker, der von Anfang an weniger auf Tucker, stattdessen dezidiert auf Stirner Bezug nahm, sah sich seit ca. 1980 nicht mehr als Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' (vgl. ''Ego'' Nr.15, 1993, p.7), sondern als &amp;quot;bewusster Egoist&amp;quot;, worunter er eine Position versteht, die der des [[Anarch|Anarchen]] von Ernst Jünger (vgl. dessen ''Eumeswil'', 1977; Laska, 1997) nahekommt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zusammenfassung==&lt;br /&gt;
Die Lehre des '''individualistischen Anarchismus''' entstammt in ihren wichtigsten Teilen der Tradition des angelsächsischen politischen Denkens. Sie ist die Extremform des Liberalismus: &amp;quot;Die beste Regierung ist (nicht eine minimale, sondern) keine Regierung&amp;quot;. Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' wollen ihr Ziel, eine Gesellschaft der &amp;quot;gleichen Freiheit Aller&amp;quot;, d.h. die Beseitigung des Staates als Träger und (gewalttätigem) Beschützer von Monopolen und damit Garant der Ungleichheit, in erster Linie mit den Mitteln der Aufklärung und der Verweigerung (Steuerstreik) erreichen; Gewalt betrachten sie als untaugliches Mittel.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begründer und repräsentativste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' ist der amerikanische Publizist Benjamin R. Tucker (1854-1939). Der bekannteste deutsche Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' ist John Henry Mackay (1864-1933). Einige der seit den 60er Jahren in den USA wirkenden &amp;quot;Anarcho-Kapitalisten&amp;quot;, namentlich Murray Rothbard (1926-1995), können, auch wenn sie sich nicht explizit auf Tucker oder den '''individualistischen Anarchismus''' berufen, wegen ihrer Grundauffassungen als Vertreter eines modernisierten '''individualistischen Anarchismus''' betrachtet werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verbreitete Auffassung, der Urvater des '''individualistischen Anarchismus''' sei Max Stirner (1806-1856), ist in historischer und in sachlicher Hinsicht falsch. Tucker formulierte das Konzept des '''individualistischen Anarchismus''', bevor er auf Stirner stiess. Er und Mackay bekannten sich dann zwar (auch) zu Stirner; sie rezipierten ihn jedoch nicht vollständig und erkannten nicht, dass Stirner gerade eine Lehre wie den '''individualistischen Anarchismus''' als Freiheitsschwärmerei verspottete: für Stirner war (äussere) &amp;quot;Freiheit&amp;quot;, wie sie der '''individualistische Anarchismus''' (für innerlich nach wie vor &amp;quot;unfreie&amp;quot; Menschen) forderte, eine blosse Chimäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
'''Primär:'''&lt;br /&gt;
* [Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum (1845). Stuttgart 1972] [http://www.lsr-projekt.de/msee.html Volltext online]&lt;br /&gt;
* Benjamin R. Tucker: Instead of a book. New York 1893 (div. Reprints)&lt;br /&gt;
* ders. (dt.v. George Schumm): Staatssozialismus und Anarchismus. Berlin 1895 (div. Neudrucke)&lt;br /&gt;
* ders. (ed.): Liberty, 1881-1908 (Microfiche ed. 1978)&lt;br /&gt;
* James L. Walker: The Philosophy of Egoism. Denver 1905 (postum); dt.v. Jörg Asseyer: Die Philosophie des Egoismus. Freiburg 1979&lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Die Anarchisten. Zürich 1891 (div. Neudrucke und Reprints)&lt;br /&gt;
* ders.: Der Freiheitssucher. Berlin-Charlottenburg 1920 (div. Reprints)&lt;br /&gt;
* Sidney E. Parker (ed.): Minus One, 1963-1980; cont'd as Ego, 1982-1994&lt;br /&gt;
* Murray N. Rothbard: The Ethics of Liberty. Atlantic Highlands NJ(USA) 1982&lt;br /&gt;
* Individualistischer Anarchismus. Eine Autorenauswahl. West-Berlin 1977 (Anarchistische Texte Nr.6/7, Libertad-Verlag)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sekundär:'''&lt;br /&gt;
* James J. Martin: Men against the State. DeKalb IL(USA) 1953 (hier benutzt: 3rd ed. 1970); dt.v. K.H.Z. Solneman [d.i. Kurt Helmut Zube] und Jürgen Waibel: Männer gegen den Staat. 2 Bände. Freiburg 1980&lt;br /&gt;
* Robert Nozick: Anarchy, State, and Utopia. New York 1974; dt.v. Hermann Vetter: Anarchie, Staat, Utopia. München 1976&lt;br /&gt;
* Murray N. Rothbard (ed.): Journal of Libertarian Studies. 1977ff&lt;br /&gt;
* Henri Arvon: Les libertariens américains. De l'anarchisme individualiste à l'anarcho-capitalisme. Paris 1983&lt;br /&gt;
* Michael E. Coughlin et al. (ed.): Benjamin R. Tucker and the Champions of Liberty. A Centenary Anthology. St.Paul and New York 1986&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msswi.html Bernd A. Laska: Der schwierige Stirner]. In: Wolfram Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker. Berlin 1993. S.9-25&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ders.: Ein dauerhafter Dissident]. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg 1996 (''Stirner-Studien'' Nr. 2)&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;]. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Stirners »Einzigen«. Nürnberg 1997 (''Stirner-Studien'' Nr. 3)&lt;br /&gt;
* ders.: [[Dora Marsden]] - &amp;quot;Stirner des Feminismus&amp;quot; ?&lt;br /&gt;
* Wendy McElroy: The Debates of Liberty. An Overview of Individualist Anarchism. Lanham MD: Lexington Books 2002&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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'''[[Portal Philosophie und Theorie|Lexikon der Anarchie: Philosophie und Theorie]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Individualistischer_Anarchismus&amp;diff=4827</id>
		<title>Individualistischer Anarchismus</title>
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				<updated>2007-01-15T14:22:44Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Literatur */ +Titel Sek.Lit.&lt;/p&gt;
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&lt;div&gt;'''[[Portal Philosophie und Theorie|Lexikon der Anarchie: Philosophie und Theorie]]'''&lt;br /&gt;
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==Begriff==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ausdruck '''individualistischer Anarchismus''' (synonym auch ''individueller Anarchismus'', ''Individualanarchismus'' oder ''anarchistischer Individualismus''), bezeichnet ein im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entstandenes Konzept einer zukünftigen [[Gesellschaft]], in der die [[Freiheit]] jedes [[Individuum]]s (von äusserem [[Zwang]]) den höchsten Wert darstellt und so weit wie möglich gewährleistet sein soll, d.h. nur in dem Masse eingeschränkt ist, das sich daraus ergibt, dass alle Individuen diese Freiheit gleichermassen haben sollen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' sehen das Haupthindernis, das einer solchen [[Gesellschaftsordnung|gesellschaftlichen Ordnung]] entgegensteht, in der Institution des [[Staat|Staates]] (auch eines ideal demokratischen), und zwar deshalb, weil der Staat die Freiheit der meisten Individuen mehr als im genannten Sinne erforderlich einschränkt, um einige institutionell verankerte Privilegien, die staatlichen Monopole, die die Freiheit des Wettbewerbs der Individuen behindern bzw. ausschalten, aufrechtzuerhalten. Es handele sich dabei um vier hauptsächliche Monopole: das Geld-, das Boden-, das Zoll- und das Patentmonopol, wobei das erste das weitaus gravierendste sei. Die Existenz dieser (und weiterer) Monopole verhindere permanent, dass das Individuum für seine produktive Arbeit den &amp;quot;natürlichen Lohn&amp;quot;, den &amp;quot;vollen Ertrag&amp;quot; erhalte. Diese Monopole bzw. den Staat, der sie mit Gewalt(-androhung) aufrechterhält, gilt es daher zu beseitigen, wenn ein Optimum an Freiheit und (Tausch-)Gerechtigkeit erreicht werden soll. Alle erwünschten gesellschaftlichen Aufgaben, die bisher der Staat auch übernommen habe, wie das Polizei-, das Rechts-, das Schul-, das Fürsorgewesen etc., würden, wie insbesondere auch das Geldwesen, ohne Monopole und bei freier Konkurrenz besser und effektiver erfüllt werden; vor allem wäre die Beteiligung jedes Individuums daran freiwillig und nicht, z.B. durch Steuerzahlung, erzwungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herbeiführung einer solchen freien Gesellschaft könne naturgemäss nicht durch Zwang und Gewalt, sondern nur durch Aufklärung und Überzeugung, also nicht auf revolutionärem, sondern nur auf evolutionärem Wege erfolgen. Das Kampfmittel der Wahl sei der -- hierbei durchaus kollektive -- passive Widerstand, die Verweigerung (insbesondere von Steuerzahlungen) gegenüber dem Staat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' ist eine weitgehend aus der angelsächsischen, insbesondere nordamerikanischen Tradition politischen Denkens hervorgegangene Doktrin: eine Extremform des [[Liberalismus]]. [[Thomas Jefferson]] (1743-1826), der Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeits- und Menschenrechtserklärung von 1776, hatte seine staatspolitische Überzeugung einmal in das ''bonmot''  gefasst: &amp;quot;Die beste Regierung ist die, die am wenigsten regiert.&amp;quot; Und der amerikanische Publizist [[Benjamin R. Tucker]] (1854-1939), der repräsentativste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''', sagte von sich und den Anhängern des '''individualistischen Anarchismus''' gelegentlich, sie seien eigentlich nur Jefferson'sche Demokraten mit Konsequenz: denn sie hätten den Mut, den folgerichtigen Schluss zu ziehen und auszusprechen, dass eigentlich doch keine Regierung die beste Lösung sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tucker nennt als die wichtigsten Einflüsse, die ihn zur Formulierung des '''individualistischen Anarchismus''' oder auch &amp;quot;philosophischen Anarchismus&amp;quot; geführt haben, an erster Stelle die Lehren des Amerikaners [[Josiah Warren]], dann auch die des Franzosen [[Pierre-Joseph Proudhon]] (dessen ''Qu'est-ce que la propriété'' er 1876 ins Englische übersetzte). Weitere Einflüsse kamen von amerikanischen Freiheitsdenkern und -dichtern wie [[Stephen Pearl Andrews]] und [[Lysander Spooner]] sowie [[Ralph Waldo Emerson]] und [[Henry David Thoreau]], von den englischen Philosophen [[John Stuart Mill]] (1859: ''On Liberty'') und [[Herbert Spencer]] (1884: ''The Man versus the State''), aber auch von dem russischen [[kollektivistischer Anarchismus|kollektivistischen Anarchisten]] [[Michail Bakunin]] (dessen ''Dieu et l'Etat'' Tucker 1883 ins Englische übersetzte). Tucker gründete 1881 die Zeitschrift ''Liberty'' als Forum für ein breites Spektrum von Stimmen, die zu Problemen des '''individualistischen Anarchismus''' Stellung nahmen, und gab sie bis 1908 zunächst in Boston, dann in New York heraus.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung der Ideen von [[Max Stirner]] (1806-1856) auf Tucker und den '''individualistischen Anarchismus''' verdient besonderes Interesse, und zwar deshalb, weil Stirner, seit er in den 1890er Jahren eine &amp;quot;Renaissance&amp;quot; erfahren hatte, immer wieder als der eigentliche Stammvater des '''individualistischen Anarchismus''' bezeichnet wurde und wird. Stirner wurde durch [[James L. Walker]] (1845-1904), einen sprachkundigen und umfassend gebildeten ''selfmademan'',  der, vielleicht Schmidt-Stirner folgend, unter dem Pseudonym Tak Kak schrieb, Ende der 80er Jahre in ''Liberty'' (1881-1908) zur Diskussion gestellt, zu einem Zeitpunkt, als Tucker die Grundauffassungen des '''individualistischen Anarchismus''' bereits formuliert hatte. Dies entzündete sogleich eine Kontroverse, bei der es um die grundsätzliche philosophische Frage ging, ob der '''individualistische Anarchismus''' nun überhaupt noch, wie bisher, auf einer [[Naturrecht|naturrechtlichen Basis]] stehen könne (Martin 1970, 249-254; Coughlin et al., 1986, 131-135). Walker verneinte dies; Tucker und einige weitere Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' folgten Walkers Argumenten und revidierten ihre Positionen. Die Folge war eine Spaltung der Bewegung des '''individualistischen Anarchismus''', und Tucker verlor einige der besten Mitarbeiter von ''Liberty''. Die Kontroverse um die Bedeutung Stirners für den '''individualistischen Anarchismus''' wurde mit einer überraschenden Heftigkeit und Erbitterung geführt, verlief sich aber bald im Unentschiedenen. Stirner war daraufhin in ''Liberty'' kein (umstrittenes) Thema mehr, und Walker blieb als Tak Kak zwar weiterhin ''Liberty''-Autor, veröffentlichte aber seine von Stirner inspirierten Beiträge zur &amp;quot;Philosophie des Egoismus&amp;quot; jetzt woanders: in einem entlegenen Periodikum namens ''Egoism''.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stirner-Kontroverse von 1887 war indes nicht wirklich erledigt. Sie schwelte untergründig weiter, in der Gruppe und in den einzelnen Individuen. Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' scheinen der von Stirner aufgeworfenen Problematik letztlich ebenso ausgewichen zu sein wie zuvor die Zeitgenossen Stirners (am folgenreichsten [[Karl Marx|Marx]]), später eine stattliche Reihe prominenter Denker (am folgenreichsten [[Friedrich Nietzsche|Nietzsche]]) und im übrigen auch die meisten Anarchisten (vgl. Laska 1993, 1996). Diesem prekären und naturgemäss weitgehend in der Obskurität verbliebenen Prozess ist es wohl zu danken, dass eine englische Übersetzung von Stirners ''[[Der Einzige und sein Eigentum|Einzigem]]'' erst mit zwanzigjähriger (!) Verspätung erschien, zu einer Zeit, als die Bewegung des amerikanischen '''individualistischen Anarchismus''' und ''Liberty'' bereits ihrem Ende nahe waren. Tucker selbst gab sie (''The Ego and His Own'') 1907 noch im eigenen Verlag heraus -- offenbar in einem letzten, eigene und fremde Widerstände überwindenden Kraftakt, denn er kommentierte seine Tat in einer der letzten Ausgaben von ''Liberty'' im Ton eines Vermächtnisses: &amp;quot;Ich habe mich über mehr als dreissig Jahre hinweg für die Verbreitung der Ideen des Anarchismus eingesetzt und dabei einiges erreicht, auf das ich stolz bin; aber ich glaube, dass ich nichts für die Sache getan habe, dessen Bedeutung an die Herausgabe dieses Buches heranreicht.&amp;quot; -- Kurz darauf wurden Tuckers Geschäfts- und Lagerräume durch einen Brand völlig zerstört. Tucker war ruiniert, verliess die USA und ging nach Frankreich, wo er die restlichen drei Jahrzehnte seines Lebens in publizistischer Enthaltsamkeit verbrachte. Das Ende von ''Liberty'' im Jahre 1908 markiert auch das Ende der von Tucker geprägten Epoche des originären '''individualistischen Anarchismus'''.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der führende Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' in Deutschland war der Dichter und Schriftsteller [[John Henry Mackay]] (1864-1933), der zwar in Schottland geboren wurde, aber seit seinem zweiten Lebensjahr in Deutschland gelebt und nur in deutscher Sprache geschrieben hat. Mackay verkehrte in den 1880er Jahren zunächst im Milieu der jungen, rebellischen Dichter des aufkommenden [[Naturalismus]], ging aber, da ihn die &amp;quot;soziale Frage&amp;quot; ernsthafter berührte als seine Kollegen, bald eigene Wege. Aufgrund des sozialkritischen Pathos seines ersten dichterischen Erfolgs, des Gedichtbandes ''Sturm'' (1888), feierte man ihn als &amp;quot;Sänger der Anarchie&amp;quot;. Doch Mackay fühlte sich auch den Anarchisten, die vorwiegend kollektivistisch bzw. kommunistisch orientiert waren, keineswegs zugehörig. Erst die Bekanntschaft mit Tucker, sowohl durch dessen Zeitschrift ''Liberty'' (und deren zeitweilige deutsche Ausgabe ''Libertas'') als auch durch persönliche Begegnung, eröffnete ihm die ersehnte politische Heimat. Mackay wurde ab etwa 1890 der wichtigste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' in Deutschland. Er schrieb, neben seinem dichterischen Werk, zwei einschlägige ''Bücher der Freiheit'', die er seinem Freunde Tucker widmete: 1891 ''Die Anarchisten'' und 1920 ''Der Freiheitssucher''. Er gab ''Flugschriften des Individualistischen Anarchismus'' und seit 1895 eine Schriftenreihe ''Propaganda des Individualistischen Anarchismus'' in deutscher Sprache heraus, in der vorwiegend Übersetzungen von Broschüren des amerikanischen '''individualistischen Anarchismus''' erschienen, als wichtigste die Tucker'sche Programmschrift ''Staatssozialismus und Anarchismus''. Doch der stark angelsächsisch geprägte '''individualistische Anarchismus''' fand in Deutschland nur wenige Anhänger (prominentester war der junge [[Rudolf Steiner]] - bevor er &amp;quot;Anthroposoph&amp;quot; wurde), und die Bewegung des '''individualistischen Anarchismus''' kam auch hier noch vor dem ersten Weltkrieg zum Erliegen; Mackays Versuch, sie nach 1918 neu zu beleben, scheiterte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mackay hat den Eindruck erweckt, sein propagandistisches Wirken für den '''individualistischen Anarchismus''' stehe in engem, sachlichen Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Biograph und Herausgeber Stirners. Dadurch ist es üblich geworden, Mackay als authentischen Stirnerianer und Stirner als Patron des '''individualistischen Anarchismus''' anzusehen. Diese Zuordnungen können einer genaueren Prüfung freilich nicht standhalten. Es war zweifelsfrei Tucker, der den '''individualistischen Anarchismus''' konzipiert hat, und er hat dies bereits in den 1880er Jahren, ohne Kenntnis Stirners, getan. Der Stirner'sche Impuls hat dann zwar die Anhängerschaft des '''individualistischen Anarchismus''' stark irritiert, gleichwohl aber keinen Diskurs erzeugt, der den '''individualistischen Anarchismus''' grundlegend modifiziert oder gar die Ideen, die spezifisch Stirner'sche sind, wirklich integriert hätte. Mackay übernahm den '''individualistischen Anarchismus''' von Tucker in seinen wesentlichen Zügen und schrieb seine ''Bücher der Freiheit'' aus dem Geiste dieses '''individualistischen Anarchismus'''. Beide, Tucker und Mackay, bekannten sich zwar verbal, zuweilen sogar sehr emphatisch, zu dem auch unter Anarchisten unpopulären Stirner, wussten aber mit dessen spezifischen Begriffen, insbesondere mit dem der &amp;quot;Eigenheit&amp;quot;, im Grunde wenig anzufangen; sie wären von Stirner, dem die &amp;quot;gleiche Freiheit Aller&amp;quot;, die Grunddoktrin des '''individualistischen Anarchismus''', ja von Kant her geläufig war, als blosse Freiheitsschwärmer verspottet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' war freilich mit dem Ende von Tuckers und Mackays Aktivitäten nicht gänzlich tot. Es gab, auch als Reaktion auf das weltweite Erstarken des Kollektivismus nach dem 1. Weltkrieg, immer wieder Denker, die, wie einst Tucker, selbständig an die individualistischen und liberalistischen Denktraditionen anknüpften und sie bis zu (&amp;quot;tendenziell&amp;quot;) staatsverneinenden (und in diesem Sinne anarchistischen) Positionen zuspitzten. In Nordamerika wären hier [[Albert Jay Nock]] (1928: ''Our Enemy, the State'') und [[Henry Louis Mencken]] zu nennen, im deutschsprachigen Raum etwa [[Franz Oppenheimer]] (1926: ''Der Staat''), vielleicht auch die Ökonomen [[Ludwig von Mises]] und [[Friedrich August (von) Hayek]] (1944: ''The Road to Serfdom''), die aber wohl nicht zufällig ihre Hauptwirkung in den USA entfalteten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' lebte aber auch in einigen Personen weiter, die Tucker noch persönlich kannten und für die die geschwundene öffentliche Attraktivität der Idee kein Grund war, sie zu verwerfen: in den USA beispielsweise in [[Laurance Labadie]] (1898-1975), der, als Sohn eines alten Kampfgefährten Tuckers, die Stafette des '''individualistischen Anarchismus''' weitergab an Männer wie [[James J. Martin]] und [[Murray N. Rothbard]] (Coughlin et al. 1986, S.116-130), &amp;quot;libertarians&amp;quot;, die ihr in den 60er Jahren wieder zu publizistischer Präsenz verhalfen. Rothbard etwa unterzog (''The Spooner-Tucker Doctrine'', In: A Way Out, May/June 1965) den '''individualistischen Anarchismus''' einer gründlichen Revision, wobei er zwar, als Ökonom, dessen geldtheoretischen Vorstellungen als &amp;quot;Monetariomanie&amp;quot; verwarf, als Libertarier jedoch die politisch-anthropologischen Grundlagen des '''individualistischen Anarchismus''' voll und ganz akzeptierte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesen neueren Diskussionen erwies die Chiffre &amp;quot;Stirner&amp;quot;, die hier wiederum nur kurz auftauchte, ihre Kraft, eine Gruppierung in wenige (vielleicht nur vermeintliche) Anhänger und viele entschiedene Gegner Stirners zu spalten (vgl. A Way Out, Oct.1967, p.12-17); und auch diesmal vermied man es, die Grundfrage nach der Natur der &amp;quot;Freiheit&amp;quot;, dieses geheiligten Schibboleths des '''individualistischen Anarchismus''' und des [[Libertarismus|Libertariertums]], mit Hilfe Stirners zu problematisieren und genauer zu untersuchen. Dabei kann es bei den Libertariern bzw. [[Anarcho-Kapitalismus|Anarcho-Kapitalisten]], wie sich viele Vertreter eines modernen, modifizierten '''individualistischen Anarchismus''' auch nennen, keineswegs das Schreckwort &amp;quot;Egoismus&amp;quot; sein, welches sie Stirner ablehnen und ignorieren lässt (eines ihrer programmatischen Bücher, von [[Ayn Rand]] in den 60er Jahren verfasst, heisst sogar ''The Virtue of Selfishness''); nein, es muss wiederum das sichere Gespür für eine bestimmte, in Stirners ''Einzigem'' latente Idee sein, das auch viele andere, die sich mit ihr konfrontiert sahen (von Marx über Nietzsche und Carl Schmitt bis zu Habermas), einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner aus dem Wege gehen liess (vgl. Laska 1993, 1996).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland (Bundesrepublik) lebte der '''individualistische Anarchismus''' wieder auf, als [[Kurt Helmut Zube]] (1905-1991), der Mackay noch persönlich kannte, 1974 die [[Mackay-Gesellschaft]] gründete. Die Selbstcharakteristik, die in den meisten ihrer Publikationen wie ein Impressum abgedruckt ist, spricht für sich: &amp;quot;Die Mackay-Gesellschaft, undogmatisch, anti-ideologisch, möchte Basis einer Diskussion über alle Probleme der Gesellschaftsordnung sein. Sie ist bemüht, ihre Argumentation nur auf beweisbare Tatsachen zu stützen. An solchen wird sie einige, nebst allen Konsequenzen daraus, vorstellen, die zu einer ganz neuen Denkungsart führen, wie bereits Albert Einstein sie als unumgänglich notwendig erklärt hatte.&amp;quot; Die Mackay-Gesellschaft war publizistisch sehr aktiv und brachte neben Neudrucken von Schriften der Urheber des '''individualistischen Anarchismus''', Tucker und Mackay, auch Erstübersetzungen anderer Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' sowie aktuelle Diskussionsbeiträge wie das ''Manifest der Freiheit und des Friedens'' von K.H.Z. Solneman [d.i. Zube] heraus. Sie trug dadurch gewiss zur Ausgestaltung des überkommenen Bestandes des '''individualistischen Anarchismus''' bei, verliess sich aber stets darauf, dass dessen theoretische Basis solide und vollendet ist und sprach deshalb bisweilen vom '''individualistischen Anarchismus''' als dem &amp;quot;wissenschaftlich-kritischen&amp;quot; Anarchismus. Zube sah in Mackay, dessen Abhängigkeit von Tucker er herunterspielte, den Vollender und damit auch Überwinder Stirners. Auch für Stefan Blankertz (1956-), der 1981 mit Zube einen ambitionierten Disput über die philosophischen Grundlagen des '''individualistischen Anarchismus''' führte, war Stirner kein Thema mehr; Blankertz fand stattdessen über einige Nebenwege zu einem '''individualistischen Anarchismus''' Rothbard'scher Prägung und entdeckte schliesslich, nach gründlichem Studium des &amp;quot;subversiven&amp;quot; Thomas von Aquin, wie Rothbard, &amp;quot;dass es eine verborgene, fast heimliche Gedankenwelt des [[Katholischer Anarchismus|katholischen Anarchismus]] gibt&amp;quot; (''Vernunft ist Widerstand'', Köln 1993, S.8).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in anderen Ländern Europas entfalteten nach dem 2. Weltkrieg Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' publizistische Aktivität. - In Frankreich gründete [[Emile Armand]] [d.i. Ernest-Lucien Juin] (1872-1962), der bereits von 1922-1939 die '''individual-anarchistische'''-Zeitschrift ''L'en dehors'' herausgegeben hatte, schon 1945 die Zeitschrift ''L'Unique'', die bis zu seinem Tode erschien. Armand, der sich in der Tradition Spooner-Tucker-Mackay sah und sich auch zu Stirner bekannte, legte besonderes Gewicht auf das Problem der sexuellen Befreiung. - In Italien wirkte im Sinne des '''individualistischen Anarchismus''' vor allem [[Enzo Martucci]] (1904-1975), der ein ''Manifesto dei Fuorigregge'' und eine Reihe von Broschüren zum '''individualistischen Anarchismus''' verfasste. - In England gab [[Sidney E. Parker]] (1929-) seit 1963 eine Zeitschrift des '''individualistischen Anarchismus''' heraus (bis 1980 ''Minus One'', bis 1994 ''Ego''), in der einige interessante Debatten stattfanden. Parker, der von Anfang an weniger auf Tucker, stattdessen dezidiert auf Stirner Bezug nahm, sah sich seit ca. 1980 nicht mehr als Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' (vgl. ''Ego'' Nr.15, 1993, p.7), sondern als &amp;quot;bewusster Egoist&amp;quot;, worunter er eine Position versteht, die der des [[Anarch|Anarchen]] von Ernst Jünger (vgl. dessen ''Eumeswil'', 1977; Laska, 1997) nahekommt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zusammenfassung==&lt;br /&gt;
Die Lehre des '''individualistischen Anarchismus''' entstammt in ihren wichtigsten Teilen der Tradition des angelsächsischen politischen Denkens. Sie ist die Extremform des Liberalismus: &amp;quot;Die beste Regierung ist (nicht eine minimale, sondern) keine Regierung&amp;quot;. Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' wollen ihr Ziel, eine Gesellschaft der &amp;quot;gleichen Freiheit Aller&amp;quot;, d.h. die Beseitigung des Staates als Träger und (gewalttätigem) Beschützer von Monopolen und damit Garant der Ungleichheit, in erster Linie mit den Mitteln der Aufklärung und der Verweigerung (Steuerstreik) erreichen; Gewalt betrachten sie als untaugliches Mittel.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begründer und repräsentativste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' ist der amerikanische Publizist Benjamin R. Tucker (1854-1939). Der bekannteste deutsche Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' ist John Henry Mackay (1864-1933). Einige der seit den 60er Jahren in den USA wirkenden &amp;quot;Anarcho-Kapitalisten&amp;quot;, namentlich Murray Rothbard (1926-1995), können, auch wenn sie sich nicht explizit auf Tucker oder den '''individualistischen Anarchismus''' berufen, wegen ihrer Grundauffassungen als Vertreter eines modernisierten '''individualistischen Anarchismus''' betrachtet werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verbreitete Auffassung, der Urvater des '''individualistischen Anarchismus''' sei Max Stirner (1806-1856), ist in historischer und in sachlicher Hinsicht falsch. Tucker formulierte das Konzept des '''individualistischen Anarchismus''', bevor er auf Stirner stiess. Er und Mackay bekannten sich dann zwar (auch) zu Stirner; sie rezipierten ihn jedoch nicht vollständig und erkannten nicht, dass Stirner gerade eine Lehre wie den '''individualistischen Anarchismus''' als Freiheitsschwärmerei verspottete: für Stirner war (äussere) &amp;quot;Freiheit&amp;quot;, wie sie der '''individualistische Anarchismus''' (für innerlich nach wie vor &amp;quot;unfreie&amp;quot; Menschen) forderte, eine blosse Chimäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
'''Primär:'''&lt;br /&gt;
* [Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum (1845). Stuttgart 1972]&lt;br /&gt;
* Benjamin R. Tucker: Instead of a book. New York 1893 (div. Reprints)&lt;br /&gt;
* ders. (dt.v. George Schumm): Staatssozialismus und Anarchismus. Berlin 1895 (div. Neudrucke)&lt;br /&gt;
* ders. (ed.): Liberty, 1881-1908 (Microfiche ed. 1978)&lt;br /&gt;
* James L. Walker: The Philosophy of Egoism. Denver 1905 (postum); dt.v. Jörg Asseyer: Die Philosophie des Egoismus. Freiburg 1979&lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Die Anarchisten. Zürich 1891 (div. Neudrucke und Reprints)&lt;br /&gt;
* ders.: Der Freiheitssucher. Berlin-Charlottenburg 1920 (div. Reprints)&lt;br /&gt;
* Sidney E. Parker (ed.): Minus One, 1963-1980; cont'd as Ego, 1982-1994&lt;br /&gt;
* Murray N. Rothbard: The Ethics of Liberty. Atlantic Highlands NJ(USA) 1982&lt;br /&gt;
* Individualistischer Anarchismus. Eine Autorenauswahl. West-Berlin 1977 (Anarchistische Texte Nr.6/7, Libertad-Verlag)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sekundär:'''&lt;br /&gt;
* James J. Martin: Men against the State. DeKalb IL(USA) 1953 (hier benutzt: 3rd ed. 1970); dt.v. K.H.Z. Solneman [d.i. Kurt Helmut Zube] und Jürgen Waibel: Männer gegen den Staat. 2 Bände. Freiburg 1980&lt;br /&gt;
* Robert Nozick: Anarchy, State, and Utopia. New York 1974; dt.v. Hermann Vetter: Anarchie, Staat, Utopia. München 1976&lt;br /&gt;
* Murray N. Rothbard (ed.): Journal of Libertarian Studies. 1977ff&lt;br /&gt;
* Henri Arvon: Les libertariens américains. De l'anarchisme individualiste à l'anarcho-capitalisme. Paris 1983&lt;br /&gt;
* Michael E. Coughlin et al. (ed.): Benjamin R. Tucker and the Champions of Liberty. A Centenary Anthology. St.Paul and New York 1986&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msswi.html Bernd A. Laska: Der schwierige Stirner]. In: Wolfram Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker. Berlin 1993. S.9-25&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ders.: Ein dauerhafter Dissident]. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg 1996 (''Stirner-Studien'' Nr. 2)&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;]. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Stirners »Einzigen«. Nürnberg 1997 (''Stirner-Studien'' Nr. 3)&lt;br /&gt;
* ders.: [[Dora Marsden]] - &amp;quot;Stirner des Feminismus&amp;quot; ?&lt;br /&gt;
* Wendy McElroy: The Debates of Liberty. An Overview of Individualist Anarchism. Lanham MD: Lexington Books 2002&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------------&lt;br /&gt;
'''[[Portal Philosophie und Theorie|Lexikon der Anarchie: Philosophie und Theorie]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Stirner,_Max&amp;diff=4288</id>
		<title>Stirner, Max</title>
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				<updated>2006-11-11T12:52:42Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Weblinks */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Max Stirner''', geb. 25. Oktober 1806 in Bayreuth, gest. 25. Juni 1856 in Berlin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max Stirner ist das Pseudonym für Johann Caspar Schmidt. Schmidt wurde am 25. Oktober 1806 in Bayreuth als erstes Kind protestantischer Eltern geboren. Sein Vater, ein Handwerker, der Flöten und andere Musikinstrumente herstellte, starb, als Johann Caspar ein halbes Jahr alt war. Die Mutter heiratete zwei Jahre später einen Apotheker und übersiedelte mit ihm ins westpreussische Kulm. Johann Caspar wurde bald nachgeholt, jedoch 1818, im Alter von 12 Jahren, nach Bayreuth zurückgeschickt, wo er in die Familie seines Paten aufgenommen wurde und das renommierte, von Georg Andreas Gabler geleitete Gymnasium besuchte (Gabler wurde nach Hegels Tod 1831 dessen Nachfolger an der Universität Berlin).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmidt immatrikulierte sich 1826 an der Berliner Universität, wo er u.a. bei Hegel und Schleiermacher hörte. Er brach jedoch sein mit grossem Eifer begonnenes Studium nach vier Semestern ab und ging -- nach einem nicht beendeten Semester in Erlangen -- &amp;quot;auf eine längere Reise durch Deutschland&amp;quot;. 1833 kehrte er nach Berlin zurück, wo er zwei weitere Semester studierte und nach weiteren Unterbrechungen die sonstigen formellen Bedingungen erfüllte, um schliesslich 1839, im Alter von 33 Jahren, seine erste feste Stellung anzutreten: als Lehrer an einer Berliner Mädchenschule.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab Mitte 1841 war Schmidt häufiger Gast bei den [[Die Freien|&amp;quot;Freien&amp;quot;]], einer lockeren Gruppierung von jungen, oppositionellen &amp;quot;Intellektuellen&amp;quot; um den Ex-Hegelianer und Ex-Theologen Bruno Bauer, dem neben Ludwig Feuerbach führenden Kopf der sog. [[Junghegelianer]]. Zu dieser Zeit begann er, mit kleineren Beiträgen als Journalist und Schriftsteller an die Öffentlichkeit zu treten: teils anonym, teils bereits pseudonym als &amp;quot;Max Stirner&amp;quot;. In den Jahren 1842-47 entstanden Stirners wichtigste Schriften, insbesondere sein Werk ''[[Der Einzige und sein Eigentum]]'', das, vordatiert auf 1845, Ende Oktober 1844 erschien.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ''Einzige'' erregte für kurze Zeit ein skandalöses, von Verboten (&amp;quot;zu radikal&amp;quot;) und Verbotsaufhebungen (&amp;quot;so radikal, dass er sich selbst widerlegt&amp;quot;) begleitetes Aufsehen. Einige Autoren reagierten mit kleineren Gegenschriften, auf die Stirner mit dem Artikel ''Recensenten Stirners'' antwortete. Die wichtigste Gegenschrift indes verfasste anschliessend Karl Marx: den furiosen ''Sankt Max''. Marx veröffentlichte seinen Anti-Stirner nach einigem Zögern jedoch nicht, vermutlich aus zwei Gründen: erstens, weil er (insgeheim) die Stichhaltigkeit seiner polemischen Kritik bezweifelte und eine Duplik Stirners fürchtete; zweitens, weil Stirner inzwischen -- schon ein Jahr vor den Ereignissen des März 1848 und ihren politischen Folgen, die den radikalen philosophischen Diskussionen ohnehin ein Ende setzten -- bereits zur Unperson geworden war, öffentliche Kritik an ihm somit fehl am Platze und taktisch unklug gewesen wäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner, der zweimal kinderlos verheiratet war (1838 und 1843-46), hatte kurz vor Erscheinen seines ''Einzigen'' seine Lehrerstelle aufgegeben und verdiente danach seinen Lebensunterhalt mit selbständiger Erwerbstätigkeit. Er verbrachte die restliche Zeit seines Lebens, literarisch kaum noch tätig, in zunehmender materieller Armut. An den politischen Ereignissen der Jahre 1848/49 scheint er sich, im Gegensatz zu den meisten Junghegelianern, nicht beteiligt zu haben. Stirner starb, von den Zeitgenossen vergessen, am 25.Juni 1856 in Berlin und wurde auf dem Sophienfriedhof beigesetzt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Der Einzige und sein Eigentum'' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner ist ein ''&amp;quot;vir unius libri&amp;quot;''; sein Werk kann ohne substantiellen Verlust auf jenes eine Buch, ''Der Einzige und sein Eigentum'', reduziert werden. Dieser ''Einzige'' hatte ein aussergewöhnlich interessantes Bücherschicksal. Er war zunächst, wie alle Beiträge der junghegelianischen Diskussion der 1840er Jahre, schnell vergessen, wurde jedoch, als einziger daraus, nach längerer Zeit wiederentdeckt und -- nach erneutem Vergessen abermals wiederentdeckt. Diese beiden sog. Stirner-Renaissancen (1893ff und 1968ff) hatten zudem jeweils einen sehr ungewöhnlichen Anlass: sie waren wesentlich Ergebnis der energischen Initiative jeweils eines einzelnen Mannes, und zwar eines dezidierten Stirner-Gegners: 1893 des Nietzscheaners Paul Lauterbach und 1968 des Marxisten Hans G. Helms. Beide exponierten Stirners Buch aus erklärtermassen hochpolitischem Grund: um die Grösse und aktuelle Bedeutung der geistigen Tat Nietzsches bzw. Marx' -- als &amp;quot;Überwinder&amp;quot; Stirners als des literarischen Inbegriffs des &amp;quot;absolut Bösen&amp;quot; -- um so klarer hervortreten zu lassen. Obwohl der ''Einzige'' ein Verkaufserfolg wurde -- bisher mehr als 100'000 Exemplare -- blieb Stirner eine Randfigur der Ideengeschichte. Die Absicht der beiden Initiatoren, Stirner als den Antipoden zu Nietzsche bzw. zu Marx zu etablieren -- was ''nolens volens''  eine gewaltige Aufwertung Stirners bedeutet hätte -- gelang bisher nicht (vgl. Laska 1994).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Anarchisten und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner bezeichnete sich selbst nirgendwo als [[Anarchie - Zur Geschichte eines Reiz- und Schlagwortes|Anarchisten]]; er kritisierte vielmehr in seinem ''Einzigen''  (1844) den Mann, der sich 1840 als erster selbst einen Anarchisten genannt hatte: [[Pierre-Joseph Proudhon|Proudhon]] -- allerdings nicht deswegen, sondern wegen seiner moralisierenden Betrachtungsweise der gesellschaftlichen Probleme. Proudhon, der sonst sehr an der Entwicklung der (jung-)hegelianischen Philosophie in Deutschland interessiert war, überging Stirners ''Einzigen'' mit Schweigen. Auch [[Michail Bakunin|Bakunin]], der andere massgebliche Anarchist des 19. Jahrhunderts, vermied es, sich zum ''Einzigen'' zu äussern. Diese offenkundige Berührungsangst der Anarchisten vor Stirner machten sich in den 1880er Jahren -- nach dem Tode von Marx, der einst ebenfalls einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen war -- die Marxisten für ihre politische Polemik zunutze: Stirner sei &amp;quot;der Prophet des heutigen Anarchismus&amp;quot;; Bakunin sei nichts als Proudhon plus Stirner, so lautete die von Friedrich Engels 1886 ausgegebene Parole.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Historiker des Anarchismus, selbst keine Anarchisten, rechneten Stirner, der inzwischen im Kielwasser des Nietzscheanismus zu einer bekannten Figur geworden war, ebenfalls dem Anarchismus zu (Zenker 1895, Eltzbacher 1900, Zoccoli 1907). Die Anarchisten selbst hielten indes nach wie vor Distanz zu Stirner. Nur eine kleine Gruppe, die sich als [[Individualistischer Anarchismus|&amp;quot;individualistische Anarchisten&amp;quot;]] von der eigentlichen anarchistischen Bewegung abgrenzte, bekannte sich demonstrativ zu Stirner (mit zweifelhafter Berechtigung).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die distanzierte Haltung der Anarchisten gegenüber Stirner änderte sich auch im 20. Jahrhundert nicht wesentlich. [[Gustav Landauer|Landauer]] stand Stirner über längere Zeit sehr ambivalent, schliesslich aber eindeutig ablehnend gegenüber. [[Erich Mühsam|Mühsam]] erwähnt Stirner nur einmal: in einer autobiographischen Skizze, in der er Landauer dafür dankt, dass er ihn als jungen Mann dem verführerischen Einfluss Stirners entrissen habe. [[Pjotr Kropotkin|Kropotkin]], der über Jahrzehnte zu Stirner geschwiegen hatte, denunzierte ihn schliesslich, zu einer Stellungnahme gedrängt, als &amp;quot;Manchestermann&amp;quot; und damit Pseudo-Anarchisten (der sonst so milde Mann konnte, wie Nettlau überlieferte, sehr wütend werden, wenn im Gespräch auch nur der Name Stirner fiel). [[Max Nettlau|Nettlau]], selbst Anarchist und wohl bester Kenner der anarchistischen Bewegung in ihrer Glanzzeit, stand eher ratlos vor dem Phänomen, dass die meisten Anarchisten Stirner ablehnten, und meinte, Stirner sei eben meist missverstanden worden. Dieses Urteil von 1927, aus der Endphase einer Epoche, in der sowohl das Interesse an Stirner als auch der Einfluss des politischen Anarchismus relativ gross gewesen waren, kann heute, nachdem beide in den 60er Jahren noch einmal auflebten, erneuert werden. Nur sollte ein so hartnäckiges &amp;quot;Missverstehen&amp;quot; -- zumal es auch in der Stirner-Rezeption ausserhalb des Anarchismus vorherrscht -- Grund zu intensiven Nachforschungen geben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Übereinstimmung mit der vorherrschenden, meist ohne nähere Begründung und indirekt ausgedrückten Ablehnung Stirners durch die grosse Mehrzahl der Anarchisten -- der allenfalls die oberflächliche, unspezifische Zustimmung durch wenige Einzelne gegenübersteht -- stellen in zunehmendem Masse auch die Autoren neuerer Untersuchungen zum Anarchismus oder zu Stirner die überkommene Einordnung Stirners als Anarchisten in Frage bzw. in Abrede (Heintz 1951, Lösche 1977, Ritter 1980).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Philosophen und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anarchisten, insbesondere deren theoretische Köpfe, waren nicht die einzigen, die einen öffentlichen argumentativen Diskurs mit Stirner bzw. über dessen ''Einzigen'', so nahe er thematisch auch lag, vermieden haben. Sie befinden sich mit dieser ausweichenden Haltung durchaus in angesehener Gesellschaft. Marx, der seinen Anti-Stirner wohlweislich nicht veröffentlichte, wurde bereits genannt. Nietzsche ist, seiner Bedeutung wegen, hier als nächster zu nennen: eine genaue Untersuchung seiner intellektuellen Biographie ergibt starke Indizien für die Annahme, dass direkte Spuren seiner Konfrontation mit Stirners ''Einzigem'' deshalb fehlen, weil er selbst sie sorgfältigst verwischte. Die Stirner-Renaissance der Jahrhundertwende wurde dann wesentlich dadurch möglich, dass die Lehren, die diese beiden Denker -- grossteils in Abwehr der Stirner'schen -- entwickelt hatten, zu Massenerfolgen geworden waren. Stirner konnte nun, wenn nicht als exaltierter Anarchist, dann als banausischer und damit abgetaner Vorläufer Nietzsches eingeordnet werden -- oder als Scheinradikaler, der bereits vom jungen Marx als &amp;quot;wildgewordener Kleinbürger&amp;quot; entlarvt worden sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Liste der Denker, in deren intellektueller Vita gleichfalls eine existenzielle Erschütterung durch Stirners ''Einzigen''  nachweisbar ist, auf die sie, statt mit einer argumentativen und nachvollziehbaren Auseinandersetzung, mit einer veritablen Verdrängung reagierten, enthält durchaus weitere klangvolle Namen: von Carl Schmitt (der als Student Stirner anfangs als &amp;quot;wahre Erquickung&amp;quot;, bald jedoch als Plage, empfand, ihn dann vergessen zu haben scheint und erst vierzig Jahre später, in der Not der Einzelhaft, wieder mit ihm zu ringen hatte) bis zu Jürgen Habermas (der als junger Mann gegen die vermeintliche &amp;quot;Absurdität der Stirnerschen Raserei&amp;quot; mit eigener Raserei sich zu wehren versuchte, Stirner dann aber so gründlich verdrängte, dass er ihn in den nächsten vierzig Jahren -- selbst in seinen einschlägigen Spezialarbeiten: z.B. über die Junghegelianer, über die Entstehung des historischen Materialismus -- nicht einmal mehr nannte).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stirners potentielle Aktualität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bevorzugte Methode, den Gehalt des ''Einzigen'', Stirners &amp;quot;Philosophie&amp;quot; -- gelegentlich in eingestandener Ratlosigkeit auch &amp;quot;Unphilosophie&amp;quot; genannt -- darzustellen, war stets die epitomatische: kurze, prägnante Abschnitte aus dem Text wurden aneinandergereiht und sollten für sich sprechen. Einprägsame Sentenzen wie &amp;quot;Ich hab' mein' Sach' auf Nichts gestellt&amp;quot; und &amp;quot;Mir geht nichts über Mich&amp;quot; wurden weithin bekannt, stehen für einen rohen Nihilismus bzw. Egoismus und werden oft für die -- so gesehen: dürftige -- Quintessenz des ''Einzigen'' genommen. Selbstverständlich gab es auch genauere, solidere, gründlichere Darstellungen und Untersuchungen zu diesem oft mit Superlativen -- &amp;quot;extremsten&amp;quot;, &amp;quot;kühnsten&amp;quot;, &amp;quot;fluchwürdigsten&amp;quot; etc. -- bedachten Buch; doch kamen auch sie letztlich zu keinem grundsätzlich anderen Ergebnis.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konventionellen Methoden, philosophische Texte zu interpretieren, haben im Falle des ''Einzigen'' versagt. Keinem Autor gelang es bisher, die oft gespürte, gelegentlich auch ausdrücklich festgestellte Sonderstellung Stirners in der Philosophie des 19. Jahrhunderts, der Neuzeit, gar der gesamten Geschichte wirklich präzise zu bestimmen. Stirners ''Einziger'' blieb, was geflissentlich übersehen wird, ein ''hapax legomenon'' im Text der abendländischen Philosophie.    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Richtigkeit dieser Behauptung lässt sich vorläufig am einleuchtendsten durch die doch äusserst erstaunliche Tatsache stützen, dass einige der grössten der heute allgemein anerkannten Denker (und die bedeutendsten anarchistischen Theoretiker!) einer sachlich gebotenen, argumentativen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen sind. Die blosse Erkenntnis, das dauerhafte Fürwahrhalten und vor allem das philosophiehistorische Gewichten dieser Tatsache ist offenbar stets durch vielerlei Hindernisse äusserst erschwert gewesen (dies lässt sich anhand des massenhaften sekundären Ausweichens, des bequemen blinden Nachvollzugs jenes primären der Grosstheoretiker, demonstrieren, besonders eindrucksvoll am Beispiel der Marx-Forschung). Ein Abbau dieser gewaltigen Hindernisse scheint jedoch mit dem seit einiger Zeit voranschreitenden Geltungsverlust aller etablierten Doktrinen einherzugehen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner hat sein Buch ausdrücklich als &amp;quot;einen Anfang&amp;quot; bezeichnet, als den Anfang einer Entwicklung, die er nach dem proklamierten &amp;quot;Ende der Philosophie&amp;quot; für möglich hielt. Der junge Karl Marx hielt den ''Einzigen'' für hochaktuell: er schrieb sich nach der Lektüre jenen später berühmt gewordenen Satz auf, wonach es darauf ankäme, die Welt zu verändern, und konzipierte in den folgenden Monaten den historischen Materialismus. Die Fortsetzung von Stirners &amp;quot;Anfang&amp;quot; war dies allerdings nicht; vielmehr eine offenbar sehr wirksame Verschüttung der von Stirner aufgeworfenen Problematik. So wie Marx -- nicht im Detail, aber im Prinzip -- reagierten bis in unsere Zeit eine Reihe hervorragender Denker auf die Konfrontation mit dem ''Einzigen''. Daraus, nicht aus den überall nachzulesenden Urteilen über Stirner, ergibt sich seine nach wie vor potentielle Aktualität.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Von Stirner:''' &lt;br /&gt;
* Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum. Stuttgart: Reclam 1972ff&lt;br /&gt;
* Max Stirner: Parerga, Kritiken, Repliken, hg. v. Bernd A. Laska. Nürnberg:  LSR-Verlag 1986  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Über Stirner:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biographie:  &lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Max Stirner -- Sein Leben und sein Werk. Nachdruck der 3. Auflage 1914. Freiburg: Mackay-Gesellschaft 1977  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Frage: Ist Stirner Anarchist?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ernst Zenker: Der Anarchismus. 1895. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1979&lt;br /&gt;
* Paul Eltzbacher: Der Anarchismus.1900. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1977&lt;br /&gt;
* Hector Zoccoli: Die Anarchie. 1907, dt.1909. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1976&lt;br /&gt;
* Max Nettlau: Der Vorfrühling der Anarchie. 1927. Nachdruck Bremen: Impuls o.J.&lt;br /&gt;
* Peter Heintz: Anarchismus und Gegenwart. 1951. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1973, 1985&lt;br /&gt;
* Peter Lösche: Anarchismus. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1977; sowie ders.: Anarchismus. Art. in Pipers Handbuch der politischen Ideen. Band 4. München: Piper 1986. S. 415-447&lt;br /&gt;
* Alan Ritter: Anarchism. A Theoretical Analysis. Cambridge (GB): CUP 1980  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur hier vorgeschlagenen Stirner-Interpretation:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bernd A. Laska: Ein heimlicher Hit. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Editionsgeschichte. Nürnberg: LSR 1994 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss1 ''Stirner-Studien Nr.1''])&lt;br /&gt;
* ders.: Ein dauerhafter Dissident. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg: LSR-Verlag 1996 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ''Stirner-Studien Nr.2''])&lt;br /&gt;
* ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Max Stirner. Nürnberg: LSR-Verlag 1997 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ''Stirner-Studien Nr.3''])&lt;br /&gt;
* ders.: [[Individualistischer Anarchismus]]. Artikel in: Lexikon der Anarchie, hg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msee.html Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum] (Volltext, HTML)&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msrec.html Max Stirner: Recensenten Stirners] (Stirners Replik auf Kritiken von Feuerbach, Hess, Szeliga)&lt;br /&gt;
*|&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/ms.html Max Stirner im LSR-Projekt] (Bernd A. Laska)&lt;br /&gt;
* [http://www.max-stirner-archiv-leipzig.de Max-Stirner-Archiv Leipzig] (Kurt W. Fleming)&lt;br /&gt;
* [http://www.projektmaxstirner.de Projekt Max Stirner] (Ibrahim Türkdogan)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Philosophie und Theorie|Lexikon der Anarchie: Philosophie und Theorie]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
==Begriff==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ausdruck '''individualistischer Anarchismus''' (synonym auch ''individueller Anarchismus'', ''Individualanarchismus'' oder ''anarchistischer Individualismus''), bezeichnet ein im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entstandenes Konzept einer zukünftigen [[Gesellschaft]], in der die [[Freiheit]] jedes [[Individuum]]s (von äusserem [[Zwang]]) den höchsten Wert darstellt und so weit wie möglich gewährleistet sein soll, d.h. nur in dem Masse eingeschränkt ist, das sich daraus ergibt, dass alle Individuen diese Freiheit gleichermassen haben sollen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' sehen das Haupthindernis, das einer solchen [[Gesellschaftsordnung|gesellschaftlichen Ordnung]] entgegensteht, in der Institution des [[Staat|Staates]] (auch eines ideal demokratischen), und zwar deshalb, weil der Staat die Freiheit der meisten Individuen mehr als im genannten Sinne erforderlich einschränkt, um einige institutionell verankerte Privilegien, die staatlichen Monopole, die die Freiheit des Wettbewerbs der Individuen behindern bzw. ausschalten, aufrechtzuerhalten. Es handele sich dabei um vier hauptsächliche Monopole: das Geld-, das Boden-, das Zoll- und das Patentmonopol, wobei das erste das weitaus gravierendste sei. Die Existenz dieser (und weiterer) Monopole verhindere permanent, dass das Individuum für seine produktive Arbeit den &amp;quot;natürlichen Lohn&amp;quot;, den &amp;quot;vollen Ertrag&amp;quot; erhalte. Diese Monopole bzw. den Staat, der sie mit Gewalt(-androhung) aufrechterhält, gilt es daher zu beseitigen, wenn ein Optimum an Freiheit und (Tausch-)Gerechtigkeit erreicht werden soll. Alle erwünschten gesellschaftlichen Aufgaben, die bisher der Staat auch übernommen habe, wie das Polizei-, das Rechts-, das Schul-, das Fürsorgewesen etc., würden, wie insbesondere auch das Geldwesen, ohne Monopole und bei freier Konkurrenz besser und effektiver erfüllt werden; vor allem wäre die Beteiligung jedes Individuums daran freiwillig und nicht, z.B. durch Steuerzahlung, erzwungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herbeiführung einer solchen freien Gesellschaft könne naturgemäss nicht durch Zwang und Gewalt, sondern nur durch Aufklärung und Überzeugung, also nicht auf revolutionärem, sondern nur auf evolutionärem Wege erfolgen. Das Kampfmittel der Wahl sei der -- hierbei durchaus kollektive -- passive Widerstand, die Verweigerung (insbesondere von Steuerzahlungen) gegenüber dem Staat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' ist eine weitgehend aus der angelsächsischen, insbesondere nordamerikanischen Tradition politischen Denkens hervorgegangene Doktrin: eine Extremform des [[Liberalismus]]. [[Thomas Jefferson]] (1743-1826), der Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeits- und Menschenrechtserklärung von 1776, hatte seine staatspolitische Überzeugung einmal in das ''bonmot''  gefasst: &amp;quot;Die beste Regierung ist die, die am wenigsten regiert.&amp;quot; Und der amerikanische Publizist [[Benjamin R. Tucker]] (1854-1939), der repräsentativste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''', sagte von sich und den Anhängern des '''individualistischen Anarchismus''' gelegentlich, sie seien eigentlich nur Jefferson'sche Demokraten mit Konsequenz: denn sie hätten den Mut, den folgerichtigen Schluss zu ziehen und auszusprechen, dass eigentlich doch keine Regierung die beste Lösung sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tucker nennt als die wichtigsten Einflüsse, die ihn zur Formulierung des '''individualistischen Anarchismus''' oder auch &amp;quot;philosophischen Anarchismus&amp;quot; geführt haben, an erster Stelle die Lehren des Amerikaners [[Josiah Warren]], dann auch die des Franzosen [[Pierre-Joseph Proudhon]] (dessen ''Qu'est-ce que la propriété'' er 1876 ins Englische übersetzte). Weitere Einflüsse kamen von amerikanischen Freiheitsdenkern und -dichtern wie [[Stephen Pearl Andrews]] und [[Lysander Spooner]] sowie [[Ralph Waldo Emerson]] und [[Henry David Thoreau]], von den englischen Philosophen [[John Stuart Mill]] (1859: ''On Liberty'') und [[Herbert Spencer]] (1884: ''The Man versus the State''), aber auch von dem russischen [[kollektivistischer Anarchismus|kollektivistischen Anarchisten]] [[Michail Bakunin]] (dessen ''Dieu et l'Etat'' Tucker 1883 ins Englische übersetzte). Tucker gründete 1881 die Zeitschrift ''Liberty'' als Forum für ein breites Spektrum von Stimmen, die zu Problemen des '''individualistischen Anarchismus''' Stellung nahmen, und gab sie bis 1908 zunächst in Boston, dann in New York heraus.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung der Ideen von [[Max Stirner]] (1806-1856) auf Tucker und den '''individualistischen Anarchismus''' verdient besonderes Interesse, und zwar deshalb, weil Stirner, seit er in den 1890er Jahren eine &amp;quot;Renaissance&amp;quot; erfahren hatte, immer wieder als der eigentliche Stammvater des '''individualistischen Anarchismus''' bezeichnet wurde und wird. Stirner wurde durch [[James L. Walker]] (1845-1904), einen sprachkundigen und umfassend gebildeten ''selfmademan'',  der, vielleicht Schmidt-Stirner folgend, unter dem Pseudonym Tak Kak schrieb, Ende der 80er Jahre in ''Liberty'' (1881-1908) zur Diskussion gestellt, zu einem Zeitpunkt, als Tucker die Grundauffassungen des '''individualistischen Anarchismus''' bereits formuliert hatte. Dies entzündete sogleich eine Kontroverse, bei der es um die grundsätzliche philosophische Frage ging, ob der '''individualistische Anarchismus''' nun überhaupt noch, wie bisher, auf einer [[Naturrecht|naturrechtlichen Basis]] stehen könne (Martin 1970, 249-254; Coughlin et al., 1986, 131-135). Walker verneinte dies; Tucker und einige weitere Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' folgten Walkers Argumenten und revidierten ihre Positionen. Die Folge war eine Spaltung der Bewegung des '''individualistischen Anarchismus''', und Tucker verlor einige der besten Mitarbeiter von ''Liberty''. Die Kontroverse um die Bedeutung Stirners für den '''individualistischen Anarchismus''' wurde mit einer überraschenden Heftigkeit und Erbitterung geführt, verlief sich aber bald im Unentschiedenen. Stirner war daraufhin in ''Liberty'' kein (umstrittenes) Thema mehr, und Walker blieb als Tak Kak zwar weiterhin ''Liberty''-Autor, veröffentlichte aber seine von Stirner inspirierten Beiträge zur &amp;quot;Philosophie des Egoismus&amp;quot; jetzt woanders: in einem entlegenen Periodikum namens ''Egoism''.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stirner-Kontroverse von 1887 war indes nicht wirklich erledigt. Sie schwelte untergründig weiter, in der Gruppe und in den einzelnen Individuen. Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' scheinen der von Stirner aufgeworfenen Problematik letztlich ebenso ausgewichen zu sein wie zuvor die Zeitgenossen Stirners (am folgenreichsten [[Karl Marx|Marx]]), später eine stattliche Reihe prominenter Denker (am folgenreichsten [[Friedrich Nietzsche|Nietzsche]]) und im übrigen auch die meisten Anarchisten (vgl. Laska 1993, 1996). Diesem prekären und naturgemäss weitgehend in der Obskurität verbliebenen Prozess ist es wohl zu danken, dass eine englische Übersetzung von Stirners ''[[Der Einzige und sein Eigentum|Einzigem]]'' erst mit zwanzigjähriger (!) Verspätung erschien, zu einer Zeit, als die Bewegung des amerikanischen '''individualistischen Anarchismus''' und ''Liberty'' bereits ihrem Ende nahe waren. Tucker selbst gab sie (''The Ego and His Own'') 1907 noch im eigenen Verlag heraus -- offenbar in einem letzten, eigene und fremde Widerstände überwindenden Kraftakt, denn er kommentierte seine Tat in einer der letzten Ausgaben von ''Liberty'' im Ton eines Vermächtnisses: &amp;quot;Ich habe mich über mehr als dreissig Jahre hinweg für die Verbreitung der Ideen des Anarchismus eingesetzt und dabei einiges erreicht, auf das ich stolz bin; aber ich glaube, dass ich nichts für die Sache getan habe, dessen Bedeutung an die Herausgabe dieses Buches heranreicht.&amp;quot; -- Kurz darauf wurden Tuckers Geschäfts- und Lagerräume durch einen Brand völlig zerstört. Tucker war ruiniert, verliess die USA und ging nach Frankreich, wo er die restlichen drei Jahrzehnte seines Lebens in publizistischer Enthaltsamkeit verbrachte. Das Ende von ''Liberty'' im Jahre 1908 markiert auch das Ende der von Tucker geprägten Epoche des originären '''individualistischen Anarchismus'''.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der führende Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' in Deutschland war der Dichter und Schriftsteller [[John Henry Mackay]] (1864-1933), der zwar in Schottland geboren wurde, aber seit seinem zweiten Lebensjahr in Deutschland gelebt und nur in deutscher Sprache geschrieben hat. Mackay verkehrte in den 1880er Jahren zunächst im Milieu der jungen, rebellischen Dichter des aufkommenden [[Naturalismus]], ging aber, da ihn die &amp;quot;soziale Frage&amp;quot; ernsthafter berührte als seine Kollegen, bald eigene Wege. Aufgrund des sozialkritischen Pathos seines ersten dichterischen Erfolgs, des Gedichtbandes ''Sturm'' (1888), feierte man ihn als &amp;quot;Sänger der Anarchie&amp;quot;. Doch Mackay fühlte sich auch den Anarchisten, die vorwiegend kollektivistisch bzw. kommunistisch orientiert waren, keineswegs zugehörig. Erst die Bekanntschaft mit Tucker, sowohl durch dessen Zeitschrift ''Liberty'' (und deren zeitweilige deutsche Ausgabe ''Libertas'') als auch durch persönliche Begegnung, eröffnete ihm die ersehnte politische Heimat. Mackay wurde ab etwa 1890 der wichtigste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' in Deutschland. Er schrieb, neben seinem dichterischen Werk, zwei einschlägige ''Bücher der Freiheit'', die er seinem Freunde Tucker widmete: 1891 ''Die Anarchisten'' und 1920 ''Der Freiheitssucher''. Er gab ''Flugschriften des Individualistischen Anarchismus'' und seit 1895 eine Schriftenreihe ''Propaganda des Individualistischen Anarchismus'' in deutscher Sprache heraus, in der vorwiegend Übersetzungen von Broschüren des amerikanischen '''individualistischen Anarchismus''' erschienen, als wichtigste die Tucker'sche Programmschrift ''Staatssozialismus und Anarchismus''. Doch der stark angelsächsisch geprägte '''individualistische Anarchismus''' fand in Deutschland nur wenige Anhänger (prominentester war der junge [[Rudolf Steiner]] - bevor er &amp;quot;Anthroposoph&amp;quot; wurde), und die Bewegung des '''individualistischen Anarchismus''' kam auch hier noch vor dem ersten Weltkrieg zum Erliegen; Mackays Versuch, sie nach 1918 neu zu beleben, scheiterte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mackay hat den Eindruck erweckt, sein propagandistisches Wirken für den '''individualistischen Anarchismus''' stehe in engem, sachlichen Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Biograph und Herausgeber Stirners. Dadurch ist es üblich geworden, Mackay als authentischen Stirnerianer und Stirner als Patron des '''individualistischen Anarchismus''' anzusehen. Diese Zuordnungen können einer genaueren Prüfung freilich nicht standhalten. Es war zweifelsfrei Tucker, der den '''individualistischen Anarchismus''' konzipiert hat, und er hat dies bereits in den 1880er Jahren, ohne Kenntnis Stirners, getan. Der Stirner'sche Impuls hat dann zwar die Anhängerschaft des '''individualistischen Anarchismus''' stark irritiert, gleichwohl aber keinen Diskurs erzeugt, der den '''individualistischen Anarchismus''' grundlegend modifiziert oder gar die Ideen, die spezifisch Stirner'sche sind, wirklich integriert hätte. Mackay übernahm den '''individualistischen Anarchismus''' von Tucker in seinen wesentlichen Zügen und schrieb seine ''Bücher der Freiheit'' aus dem Geiste dieses '''individualistischen Anarchismus'''. Beide, Tucker und Mackay, bekannten sich zwar verbal, zuweilen sogar sehr emphatisch, zu dem auch unter Anarchisten unpopulären Stirner, wussten aber mit dessen spezifischen Begriffen, insbesondere mit dem der &amp;quot;Eigenheit&amp;quot;, im Grunde wenig anzufangen; sie wären von Stirner, dem die &amp;quot;gleiche Freiheit Aller&amp;quot;, die Grunddoktrin des '''individualistischen Anarchismus''', ja von Kant her geläufig war, als blosse Freiheitsschwärmer verspottet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' war freilich mit dem Ende von Tuckers und Mackays Aktivitäten nicht gänzlich tot. Es gab, auch als Reaktion auf das weltweite Erstarken des Kollektivismus nach dem 1. Weltkrieg, immer wieder Denker, die, wie einst Tucker, selbständig an die individualistischen und liberalistischen Denktraditionen anknüpften und sie bis zu (&amp;quot;tendenziell&amp;quot;) staatsverneinenden (und in diesem Sinne anarchistischen) Positionen zuspitzten. In Nordamerika wären hier [[Albert Jay Nock]] (1928: ''Our Enemy, the State'') und [[Henry Louis Mencken]] zu nennen, im deutschsprachigen Raum etwa [[Franz Oppenheimer]] (1926: ''Der Staat''), vielleicht auch die Ökonomen [[Ludwig von Mises]] und [[Friedrich August (von) Hayek]] (1944: ''The Road to Serfdom''), die aber wohl nicht zufällig ihre Hauptwirkung in den USA entfalteten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' lebte aber auch in einigen Personen weiter, die Tucker noch persönlich kannten und für die die geschwundene öffentliche Attraktivität der Idee kein Grund war, sie zu verwerfen: in den USA beispielsweise in [[Laurance Labadie]] (1898-1975), der, als Sohn eines alten Kampfgefährten Tuckers, die Stafette des '''individualistischen Anarchismus''' weitergab an Männer wie [[James J. Martin]] und [[Murray N. Rothbard]] (Coughlin et al. 1986, S.116-130), &amp;quot;libertarians&amp;quot;, die ihr in den 60er Jahren wieder zu publizistischer Präsenz verhalfen. Rothbard etwa unterzog (''The Spooner-Tucker Doctrine'', In: A Way Out, May/June 1965) den '''individualistischen Anarchismus''' einer gründlichen Revision, wobei er zwar, als Ökonom, dessen geldtheoretischen Vorstellungen als &amp;quot;Monetariomanie&amp;quot; verwarf, als Libertarier jedoch die politisch-anthropologischen Grundlagen des '''individualistischen Anarchismus''' voll und ganz akzeptierte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesen neueren Diskussionen erwies die Chiffre &amp;quot;Stirner&amp;quot;, die hier wiederum nur kurz auftauchte, ihre Kraft, eine Gruppierung in wenige (vielleicht nur vermeintliche) Anhänger und viele entschiedene Gegner Stirners zu spalten (vgl. A Way Out, Oct.1967, p.12-17); und auch diesmal vermied man es, die Grundfrage nach der Natur der &amp;quot;Freiheit&amp;quot;, dieses geheiligten Schibboleths des '''individualistischen Anarchismus''' und des [[Libertarismus|Libertariertums]], mit Hilfe Stirners zu problematisieren und genauer zu untersuchen. Dabei kann es bei den Libertariern bzw. [[Anarcho-Kapitalismus|Anarcho-Kapitalisten]], wie sich viele Vertreter eines modernen, modifizierten '''individualistischen Anarchismus''' auch nennen, keineswegs das Schreckwort &amp;quot;Egoismus&amp;quot; sein, welches sie Stirner ablehnen und ignorieren lässt (eines ihrer programmatischen Bücher, von [[Ayn Rand]] in den 60er Jahren verfasst, heisst sogar ''The Virtue of Selfishness''); nein, es muss wiederum das sichere Gespür für eine bestimmte, in Stirners ''Einzigem'' latente Idee sein, das auch viele andere, die sich mit ihr konfrontiert sahen (von Marx über Nietzsche und Carl Schmitt bis zu Habermas), einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner aus dem Wege gehen liess (vgl. Laska 1993, 1996).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland (Bundesrepublik) lebte der '''individualistische Anarchismus''' wieder auf, als [[Kurt Helmut Zube]] (1905-1991), der Mackay noch persönlich kannte, 1974 die [[Mackay-Gesellschaft]] gründete. Die Selbstcharakteristik, die in den meisten ihrer Publikationen wie ein Impressum abgedruckt ist, spricht für sich: &amp;quot;Die Mackay-Gesellschaft, undogmatisch, anti-ideologisch, möchte Basis einer Diskussion über alle Probleme der Gesellschaftsordnung sein. Sie ist bemüht, ihre Argumentation nur auf beweisbare Tatsachen zu stützen. An solchen wird sie einige, nebst allen Konsequenzen daraus, vorstellen, die zu einer ganz neuen Denkungsart führen, wie bereits Albert Einstein sie als unumgänglich notwendig erklärt hatte.&amp;quot; Die Mackay-Gesellschaft war publizistisch sehr aktiv und brachte neben Neudrucken von Schriften der Urheber des '''individualistischen Anarchismus''', Tucker und Mackay, auch Erstübersetzungen anderer Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' sowie aktuelle Diskussionsbeiträge wie das ''Manifest der Freiheit und des Friedens'' von K.H.Z. Solneman [d.i. Zube] heraus. Sie trug dadurch gewiss zur Ausgestaltung des überkommenen Bestandes des '''individualistischen Anarchismus''' bei, verliess sich aber stets darauf, dass dessen theoretische Basis solide und vollendet ist und sprach deshalb bisweilen vom '''individualistischen Anarchismus''' als dem &amp;quot;wissenschaftlich-kritischen&amp;quot; Anarchismus. Zube sah in Mackay, dessen Abhängigkeit von Tucker er herunterspielte, den Vollender und damit auch Überwinder Stirners. Auch für Stefan Blankertz (1956-), der 1981 mit Zube einen ambitionierten Disput über die philosophischen Grundlagen des '''individualistischen Anarchismus''' führte, war Stirner kein Thema mehr; Blankertz fand stattdessen über einige Nebenwege zu einem '''individualistischen Anarchismus''' Rothbard'scher Prägung und entdeckte schliesslich, nach gründlichem Studium des &amp;quot;subversiven&amp;quot; Thomas von Aquin, wie Rothbard, &amp;quot;dass es eine verborgene, fast heimliche Gedankenwelt des [[Katholischer Anarchismus|katholischen Anarchismus]] gibt&amp;quot; (''Vernunft ist Widerstand'', Köln 1993, S.8).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in anderen Ländern Europas entfalteten nach dem 2. Weltkrieg Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' publizistische Aktivität. - In Frankreich gründete [[Emile Armand]] [d.i. Ernest-Lucien Juin] (1872-1962), der bereits von 1922-1939 die '''individual-anarchistische'''-Zeitschrift ''L'en dehors'' herausgegeben hatte, schon 1945 die Zeitschrift ''L'Unique'', die bis zu seinem Tode erschien. Armand, der sich in der Tradition Spooner-Tucker-Mackay sah und sich auch zu Stirner bekannte, legte besonderes Gewicht auf das Problem der sexuellen Befreiung. - In Italien wirkte im Sinne des '''individualistischen Anarchismus''' vor allem [[Enzo Martucci]] (1904-1975), der ein ''Manifesto dei Fuorigregge'' und eine Reihe von Broschüren zum '''individualistischen Anarchismus''' verfasste. - In England gab [[Sidney E. Parker]] (1929-) seit 1963 eine Zeitschrift des '''individualistischen Anarchismus''' heraus (bis 1980 ''Minus One'', bis 1994 ''Ego''), in der einige interessante Debatten stattfanden. Parker, der von Anfang an weniger auf Tucker, stattdessen dezidiert auf Stirner Bezug nahm, sah sich seit ca. 1980 nicht mehr als Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' (vgl. ''Ego'' Nr.15, 1993, p.7), sondern als &amp;quot;bewusster Egoist&amp;quot;, worunter er eine Position versteht, die der des [[Anarch|Anarchen]] von Ernst Jünger (vgl. dessen ''Eumeswil'', 1977; Laska, 1997) nahekommt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zusammenfassung==&lt;br /&gt;
Die Lehre des '''individualistischen Anarchismus''' entstammt in ihren wichtigsten Teilen der Tradition des angelsächsischen politischen Denkens. Sie ist die Extremform des Liberalismus: &amp;quot;Die beste Regierung ist (nicht eine minimale, sondern) keine Regierung&amp;quot;. Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' wollen ihr Ziel, eine Gesellschaft der &amp;quot;gleichen Freiheit Aller&amp;quot;, d.h. die Beseitigung des Staates als Träger und (gewalttätigem) Beschützer von Monopolen und damit Garant der Ungleichheit, in erster Linie mit den Mitteln der Aufklärung und der Verweigerung (Steuerstreik) erreichen; Gewalt betrachten sie als untaugliches Mittel.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begründer und repräsentativste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' ist der amerikanische Publizist Benjamin R. Tucker (1854-1939). Der bekannteste deutsche Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' ist John Henry Mackay (1864-1933). Einige der seit den 60er Jahren in den USA wirkenden &amp;quot;Anarcho-Kapitalisten&amp;quot;, namentlich Murray Rothbard (1926-1995), können, auch wenn sie sich nicht explizit auf Tucker oder den '''individualistischen Anarchismus''' berufen, wegen ihrer Grundauffassungen als Vertreter eines modernisierten '''individualistischen Anarchismus''' betrachtet werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verbreitete Auffassung, der Urvater des '''individualistischen Anarchismus''' sei Max Stirner (1806-1856), ist in historischer und in sachlicher Hinsicht falsch. Tucker formulierte das Konzept des '''individualistischen Anarchismus''', bevor er auf Stirner stiess. Er und Mackay bekannten sich dann zwar (auch) zu Stirner; sie rezipierten ihn jedoch nicht vollständig und erkannten nicht, dass Stirner gerade eine Lehre wie den '''individualistischen Anarchismus''' als Freiheitsschwärmerei verspottete: für Stirner war (äussere) &amp;quot;Freiheit&amp;quot;, wie sie der '''individualistische Anarchismus''' (für innerlich nach wie vor &amp;quot;unfreie&amp;quot; Menschen) forderte, eine blosse Chimäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
'''Primär:'''&lt;br /&gt;
* [Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum (1845). Stuttgart 1972]&lt;br /&gt;
* Benjamin R. Tucker: Instead of a book. New York 1893 (div. Reprints)&lt;br /&gt;
* ders. (dt.v. George Schumm): Staatssozialismus und Anarchismus. Berlin 1895 (div. Neudrucke)&lt;br /&gt;
* ders. (ed.): Liberty, 1881-1908 (Microfiche ed. 1978)&lt;br /&gt;
* James L. Walker: The Philosophy of Egoism. Denver 1905 (postum); dt.v. Jörg Asseyer: Die Philosophie des Egoismus. Freiburg 1979&lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Die Anarchisten. Zürich 1891 (div. Neudrucke und Reprints)&lt;br /&gt;
* ders.: Der Freiheitssucher. Berlin-Charlottenburg 1920 (div. Reprints)&lt;br /&gt;
* Sidney E. Parker (ed.): Minus One, 1963-1980; cont'd as Ego, 1982-1994&lt;br /&gt;
* Murray N. Rothbard: The Ethics of Liberty. Atlantic Highlands NJ(USA) 1982&lt;br /&gt;
* Individualistischer Anarchismus. Eine Autorenauswahl. West-Berlin 1977 (Anarchistische Texte Nr.6/7, Libertad-Verlag)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sekundär:'''&lt;br /&gt;
* James J. Martin: Men against the State. DeKalb IL(USA) 1953 (hier benutzt: 3rd ed. 1970); dt.v. K.H.Z. Solneman [d.i. Kurt Helmut Zube] und Jürgen Waibel: Männer gegen den Staat. 2 Bände. Freiburg 1980&lt;br /&gt;
* Robert Nozick: Anarchy, State, and Utopia. New York 1974; dt.v. Hermann Vetter: Anarchie, Staat, Utopia. München 1976&lt;br /&gt;
* Murray N. Rothbard (ed.): Journal of Libertarian Studies. 1977ff&lt;br /&gt;
* Henri Arvon: Les libertariens américains. De l'anarchisme individualiste à l'anarcho-capitalisme. Paris 1983&lt;br /&gt;
* Michael E. Coughlin et al. (ed.): Benjamin R. Tucker and the Champions of Liberty. A Centenary Anthology. St.Paul and New York 1986&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msswi.html Bernd A. Laska: Der schwierige Stirner]. In: Wolfram Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker. Berlin 1993. S.9-25&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ders.: Ein dauerhafter Dissident]. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg 1996 (''Stirner-Studien'' Nr. 2)&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;]. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Stirners »Einzigen«. Nürnberg 1997 (''Stirner-Studien'' Nr. 3)&lt;br /&gt;
* ders.: [[Dora Marsden]] - &amp;quot;Stirner des Feminismus&amp;quot; ?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------------&lt;br /&gt;
'''[[Portal Philosophie und Theorie|Lexikon der Anarchie: Philosophie und Theorie]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<title>Individualistischer Anarchismus</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Philosophie und Theorie|Lexikon der Anarchie: Philosophie und Theorie]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
==Begriff==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ausdruck '''individualistischer Anarchismus''' (synonym auch ''individueller Anarchismus'', ''Individualanarchismus'' oder ''anarchistischer Individualismus''), bezeichnet ein im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entstandenes Konzept einer zukünftigen [[Gesellschaft]], in der die [[Freiheit]] jedes [[Individuum]]s (von äusserem [[Zwang]]) den höchsten Wert darstellt und so weit wie möglich gewährleistet sein soll, d.h. nur in dem Masse eingeschränkt ist, das sich daraus ergibt, dass alle Individuen diese Freiheit gleichermassen haben sollen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' sehen das Haupthindernis, das einer solchen [[Gesellschaftsordnung|gesellschaftlichen Ordnung]] entgegensteht, in der Institution des [[Staat|Staates]] (auch eines ideal demokratischen), und zwar deshalb, weil der Staat die Freiheit der meisten Individuen mehr als im genannten Sinne erforderlich einschränkt, um einige institutionell verankerte Privilegien, die staatlichen Monopole, die die Freiheit des Wettbewerbs der Individuen behindern bzw. ausschalten, aufrechtzuerhalten. Es handele sich dabei um vier hauptsächliche Monopole: das Geld-, das Boden-, das Zoll- und das Patentmonopol, wobei das erste das weitaus gravierendste sei. Die Existenz dieser (und weiterer) Monopole verhindere permanent, dass das Individuum für seine produktive Arbeit den &amp;quot;natürlichen Lohn&amp;quot;, den &amp;quot;vollen Ertrag&amp;quot; erhalte. Diese Monopole bzw. den Staat, der sie mit Gewalt(-androhung) aufrechterhält, gilt es daher zu beseitigen, wenn ein Optimum an Freiheit und (Tausch-)Gerechtigkeit erreicht werden soll. Alle erwünschten gesellschaftlichen Aufgaben, die bisher der Staat auch übernommen habe, wie das Polizei-, das Rechts-, das Schul-, das Fürsorgewesen etc., würden, wie insbesondere auch das Geldwesen, ohne Monopole und bei freier Konkurrenz besser und effektiver erfüllt werden; vor allem wäre die Beteiligung jedes Individuums daran freiwillig und nicht, z.B. durch Steuerzahlung, erzwungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herbeiführung einer solchen freien Gesellschaft könne naturgemäss nicht durch Zwang und Gewalt, sondern nur durch Aufklärung und Überzeugung, also nicht auf revolutionärem, sondern nur auf evolutionärem Wege erfolgen. Das Kampfmittel der Wahl sei der -- hierbei durchaus kollektive -- passive Widerstand, die Verweigerung (insbesondere von Steuerzahlungen) gegenüber dem Staat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' ist eine weitgehend aus der angelsächsischen, insbesondere nordamerikanischen Tradition politischen Denkens hervorgegangene Doktrin: eine Extremform des [[Liberalismus]]. [[Thomas Jefferson]] (1743-1826), der Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeits- und Menschenrechtserklärung von 1776, hatte seine staatspolitische Überzeugung einmal in das ''bonmot''  gefasst: &amp;quot;Die beste Regierung ist die, die am wenigsten regiert.&amp;quot; Und der amerikanische Publizist [[Benjamin R. Tucker]] (1854-1939), der repräsentativste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''', sagte von sich und den Anhängern des '''individualistischen Anarchismus''' gelegentlich, sie seien eigentlich nur Jefferson'sche Demokraten mit Konsequenz: denn sie hätten den Mut, den folgerichtigen Schluss zu ziehen und auszusprechen, dass eigentlich doch keine Regierung die beste Lösung sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tucker nennt als die wichtigsten Einflüsse, die ihn zur Formulierung des '''individualistischen Anarchismus''' oder auch &amp;quot;philosophischen Anarchismus&amp;quot; geführt haben, an erster Stelle die Lehren des Amerikaners [[Josiah Warren]], dann auch die des Franzosen [[Pierre-Joseph Proudhon]] (dessen ''Qu'est-ce que la propriété'' er 1876 ins Englische übersetzte). Weitere Einflüsse kamen von amerikanischen Freiheitsdenkern und -dichtern wie [[Stephen Pearl Andrews]] und [[Lysander Spooner]] sowie [[Ralph Waldo Emerson]] und [[Henry David Thoreau]], von den englischen Philosophen [[John Stuart Mill]] (1859: ''On Liberty'') und [[Herbert Spencer]] (1884: ''The Man versus the State''), aber auch von dem russischen [[kollektivistischer Anarchismus|kollektivistischen Anarchisten]] [[Michail Bakunin]] (dessen ''Dieu et l'Etat'' Tucker 1883 ins Englische übersetzte). Tucker gründete 1881 die Zeitschrift ''Liberty'' als Forum für ein breites Spektrum von Stimmen, die zu Problemen des '''individualistischen Anarchismus''' Stellung nahmen, und gab sie bis 1908 zunächst in Boston, dann in New York heraus.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung der Ideen von [[Max Stirner]] (1806-1856) auf Tucker und den '''individualistischen Anarchismus''' verdient besonderes Interesse, und zwar deshalb, weil Stirner, seit er in den 1890er Jahren eine &amp;quot;Renaissance&amp;quot; erfahren hatte, immer wieder als der eigentliche Stammvater des '''individualistischen Anarchismus''' bezeichnet wurde und wird. Stirner wurde durch [[James L. Walker]] (1845-1904), einen sprachkundigen und umfassend gebildeten ''selfmademan'',  der, vielleicht Schmidt-Stirner folgend, unter dem Pseudonym Tak Kak schrieb, Ende der 80er Jahre in ''Liberty'' (1881-1908) zur Diskussion gestellt, zu einem Zeitpunkt, als Tucker die Grundauffassungen des '''individualistischen Anarchismus''' bereits formuliert hatte. Dies entzündete sogleich eine Kontroverse, bei der es um die grundsätzliche philosophische Frage ging, ob der '''individualistische Anarchismus''' nun überhaupt noch, wie bisher, auf einer [[Naturrecht|naturrechtlichen Basis]] stehen könne (Martin 1970, 249-254; Coughlin et al., 1986, 131-135). Walker verneinte dies; Tucker und einige weitere Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' folgten Walkers Argumenten und revidierten ihre Positionen. Die Folge war eine Spaltung der Bewegung des '''individualistischen Anarchismus''', und Tucker verlor einige der besten Mitarbeiter von ''Liberty''. Die Kontroverse um die Bedeutung Stirners für den '''individualistischen Anarchismus''' wurde mit einer überraschenden Heftigkeit und Erbitterung geführt, verlief sich aber bald im Unentschiedenen. Stirner war daraufhin in ''Liberty'' kein (umstrittenes) Thema mehr, und Walker blieb als Tak Kak zwar weiterhin ''Liberty''-Autor, veröffentlichte aber seine von Stirner inspirierten Beiträge zur &amp;quot;Philosophie des Egoismus&amp;quot; jetzt woanders: in einem entlegenen Periodikum namens ''Egoism''.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stirner-Kontroverse von 1887 war indes nicht wirklich erledigt. Sie schwelte untergründig weiter, in der Gruppe und in den einzelnen Individuen. Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' scheinen der von Stirner aufgeworfenen Problematik letztlich ebenso ausgewichen zu sein wie zuvor die Zeitgenossen Stirners (am folgenreichsten [[Karl Marx|Marx]]), später eine stattliche Reihe prominenter Denker (am folgenreichsten [[Friedrich Nietzsche|Nietzsche]]) und im übrigen auch die meisten Anarchisten (vgl. Laska 1993, 1996). Diesem prekären und naturgemäss weitgehend in der Obskurität verbliebenen Prozess ist es wohl zu danken, dass eine englische Übersetzung von Stirners ''[[Der Einzige und sein Eigentum|Einzigem]]'' erst mit zwanzigjähriger (!) Verspätung erschien, zu einer Zeit, als die Bewegung des amerikanischen '''individualistischen Anarchismus''' und ''Liberty'' bereits ihrem Ende nahe waren. Tucker selbst gab sie (''The Ego and His Own'') 1907 noch im eigenen Verlag heraus -- offenbar in einem letzten, eigene und fremde Widerstände überwindenden Kraftakt, denn er kommentierte seine Tat in einer der letzten Ausgaben von ''Liberty'' im Ton eines Vermächtnisses: &amp;quot;Ich habe mich über mehr als dreissig Jahre hinweg für die Verbreitung der Ideen des Anarchismus eingesetzt und dabei einiges erreicht, auf das ich stolz bin; aber ich glaube, dass ich nichts für die Sache getan habe, dessen Bedeutung an die Herausgabe dieses Buches heranreicht.&amp;quot; -- Kurz darauf wurden Tuckers Geschäfts- und Lagerräume durch einen Brand völlig zerstört. Tucker war ruiniert, verliess die USA und ging nach Frankreich, wo er die restlichen drei Jahrzehnte seines Lebens in publizistischer Enthaltsamkeit verbrachte. Das Ende von ''Liberty'' im Jahre 1908 markiert auch das Ende der von Tucker geprägten Epoche des originären '''individualistischen Anarchismus'''.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der führende Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' in Deutschland war der Dichter und Schriftsteller [[John Henry Mackay]] (1864-1933), der zwar in Schottland geboren wurde, aber seit seinem zweiten Lebensjahr in Deutschland gelebt und nur in deutscher Sprache geschrieben hat. Mackay verkehrte in den 1880er Jahren zunächst im Milieu der jungen, rebellischen Dichter des aufkommenden [[Naturalismus]], ging aber, da ihn die &amp;quot;soziale Frage&amp;quot; ernsthafter berührte als seine Kollegen, bald eigene Wege. Aufgrund des sozialkritischen Pathos seines ersten dichterischen Erfolgs, des Gedichtbandes ''Sturm'' (1888), feierte man ihn als &amp;quot;Sänger der Anarchie&amp;quot;. Doch Mackay fühlte sich auch den Anarchisten, die vorwiegend kollektivistisch bzw. kommunistisch orientiert waren, keineswegs zugehörig. Erst die Bekanntschaft mit Tucker, sowohl durch dessen Zeitschrift ''Liberty'' (und deren zeitweilige deutsche Ausgabe ''Libertas'') als auch durch persönliche Begegnung, eröffnete ihm die ersehnte politische Heimat. Mackay wurde ab etwa 1890 der wichtigste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' in Deutschland. Er schrieb, neben seinem dichterischen Werk, zwei einschlägige ''Bücher der Freiheit'', die er seinem Freunde Tucker widmete: 1891 ''Die Anarchisten'' und 1920 ''Der Freiheitssucher''. Er gab ''Flugschriften des Individualistischen Anarchismus'' und seit 1895 eine Schriftenreihe ''Propaganda des Individualistischen Anarchismus'' in deutscher Sprache heraus, in der vorwiegend Übersetzungen von Broschüren des amerikanischen '''individualistischen Anarchismus''' erschienen, als wichtigste die Tucker'sche Programmschrift ''Staatssozialismus und Anarchismus''. Doch der stark angelsächsisch geprägte '''individualistische Anarchismus''' fand in Deutschland nur wenige Anhänger (prominentester war der junge [[Rudolf Steiner]] - bevor er &amp;quot;Anthroposoph&amp;quot; wurde), und die Bewegung des '''individualistischen Anarchismus''' kam auch hier noch vor dem ersten Weltkrieg zum Erliegen; Mackays Versuch, sie nach 1918 neu zu beleben, scheiterte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mackay hat den Eindruck erweckt, sein propagandistisches Wirken für den '''individualistischen Anarchismus''' stehe in engem, sachlichen Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Biograph und Herausgeber Stirners. Dadurch ist es üblich geworden, Mackay als authentischen Stirnerianer und Stirner als Patron des '''individualistischen Anarchismus''' anzusehen. Diese Zuordnungen können einer genaueren Prüfung freilich nicht standhalten. Es war zweifelsfrei Tucker, der den '''individualistischen Anarchismus''' konzipiert hat, und er hat dies bereits in den 1880er Jahren, ohne Kenntnis Stirners, getan. Der Stirner'sche Impuls hat dann zwar die Anhängerschaft des '''individualistischen Anarchismus''' stark irritiert, gleichwohl aber keinen Diskurs erzeugt, der den '''individualistischen Anarchismus''' grundlegend modifiziert oder gar die Ideen, die spezifisch Stirner'sche sind, wirklich integriert hätte. Mackay übernahm den '''individualistischen Anarchismus''' von Tucker in seinen wesentlichen Zügen und schrieb seine ''Bücher der Freiheit'' aus dem Geiste dieses '''individualistischen Anarchismus'''. Beide, Tucker und Mackay, bekannten sich zwar verbal, zuweilen sogar sehr emphatisch, zu dem auch unter Anarchisten unpopulären Stirner, wussten aber mit dessen spezifischen Begriffen, insbesondere mit dem der &amp;quot;Eigenheit&amp;quot;, im Grunde wenig anzufangen; sie wären von Stirner, dem die &amp;quot;gleiche Freiheit Aller&amp;quot;, die Grunddoktrin des '''individualistischen Anarchismus''', ja von Kant her geläufig war, als blosse Freiheitsschwärmer verspottet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' war freilich mit dem Ende von Tuckers und Mackays Aktivitäten nicht gänzlich tot. Es gab, auch als Reaktion auf das weltweite Erstarken des Kollektivismus nach dem 1. Weltkrieg, immer wieder Denker, die, wie einst Tucker, selbständig an die individualistischen und liberalistischen Denktraditionen anknüpften und sie bis zu (&amp;quot;tendenziell&amp;quot;) staatsverneinenden (und in diesem Sinne anarchistischen) Positionen zuspitzten. In Nordamerika wären hier [[Albert Jay Nock]] (1928: ''Our Enemy, the State'') und [[Henry Louis Mencken]] zu nennen, im deutschsprachigen Raum etwa [[Franz Oppenheimer]] (1926: ''Der Staat''), vielleicht auch die Ökonomen [[Ludwig von Mises]] und [[Friedrich August (von) Hayek]] (1944: ''The Road to Serfdom''), die aber wohl nicht zufällig ihre Hauptwirkung in den USA entfalteten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' lebte aber auch in einigen Personen weiter, die Tucker noch persönlich kannten und für die die geschwundene öffentliche Attraktivität der Idee kein Grund war, sie zu verwerfen: in den USA beispielsweise in [[Laurance Labadie]] (1898-1975), der, als Sohn eines alten Kampfgefährten Tuckers, die Stafette des '''individualistischen Anarchismus''' weitergab an Männer wie [[James J. Martin]] und [[Murray N. Rothbard]] (Coughlin et al. 1986, S.116-130), &amp;quot;libertarians&amp;quot;, die ihr in den 60er Jahren wieder zu publizistischer Präsenz verhalfen. Rothbard etwa unterzog (''The Spooner-Tucker Doctrine'', In: A Way Out, May/June 1965) den '''individualistischen Anarchismus''' einer gründlichen Revision, wobei er zwar, als Ökonom, dessen geldtheoretischen Vorstellungen als &amp;quot;Monetariomanie&amp;quot; verwarf, als Libertarier jedoch die politisch-anthropologischen Grundlagen des '''individualistischen Anarchismus''' voll und ganz akzeptierte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesen neueren Diskussionen erwies die Chiffre &amp;quot;Stirner&amp;quot;, die hier wiederum nur kurz auftauchte, ihre Kraft, eine Gruppierung in wenige (vielleicht nur vermeintliche) Anhänger und viele entschiedene Gegner Stirners zu spalten (vgl. A Way Out, Oct.1967, p.12-17); und auch diesmal vermied man es, die Grundfrage nach der Natur der &amp;quot;Freiheit&amp;quot;, dieses geheiligten Schibboleths des '''individualistischen Anarchismus''' und des [[Libertarismus|Libertariertums]], mit Hilfe Stirners zu problematisieren und genauer zu untersuchen. Dabei kann es bei den Libertariern bzw. [[Anarcho-Kapitalismus|Anarcho-Kapitalisten]], wie sich viele Vertreter eines modernen, modifizierten '''individualistischen Anarchismus''' auch nennen, keineswegs das Schreckwort &amp;quot;Egoismus&amp;quot; sein, welches sie Stirner ablehnen und ignorieren lässt (eines ihrer programmatischen Bücher, von [[Ayn Rand]] in den 60er Jahren verfasst, heisst sogar ''The Virtue of Selfishness''); nein, es muss wiederum das sichere Gespür für eine bestimmte, in Stirners ''Einzigem'' latente Idee sein, das auch viele andere, die sich mit ihr konfrontiert sahen (von Marx über Nietzsche und Carl Schmitt bis zu Habermas), einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner aus dem Wege gehen liess (vgl. Laska 1993, 1996).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland (Bundesrepublik) lebte der '''individualistische Anarchismus''' wieder auf, als [[Kurt Helmut Zube]] (1905-1991), der Mackay noch persönlich kannte, 1974 die [[Mackay-Gesellschaft]] gründete. Die Selbstcharakteristik, die in den meisten ihrer Publikationen wie ein Impressum abgedruckt ist, spricht für sich: &amp;quot;Die Mackay-Gesellschaft, undogmatisch, anti-ideologisch, möchte Basis einer Diskussion über alle Probleme der Gesellschaftsordnung sein. Sie ist bemüht, ihre Argumentation nur auf beweisbare Tatsachen zu stützen. An solchen wird sie einige, nebst allen Konsequenzen daraus, vorstellen, die zu einer ganz neuen Denkungsart führen, wie bereits Albert Einstein sie als unumgänglich notwendig erklärt hatte.&amp;quot; Die Mackay-Gesellschaft war publizistisch sehr aktiv und brachte neben Neudrucken von Schriften der Urheber des '''individualistischen Anarchismus''', Tucker und Mackay, auch Erstübersetzungen anderer Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' sowie aktuelle Diskussionsbeiträge wie das ''Manifest der Freiheit und des Friedens'' von K.H.Z. Solneman [d.i. Zube] heraus. Sie trug dadurch gewiss zur Ausgestaltung des überkommenen Bestandes des '''individualistischen Anarchismus''' bei, verliess sich aber stets darauf, dass dessen theoretische Basis solide und vollendet ist und sprach deshalb bisweilen vom '''individualistischen Anarchismus''' als dem &amp;quot;wissenschaftlich-kritischen&amp;quot; Anarchismus. Zube sah in Mackay, dessen Abhängigkeit von Tucker er herunterspielte, den Vollender und damit auch Überwinder Stirners. Auch für Stefan Blankertz (1956-), der 1981 mit Zube einen ambitionierten Disput über die philosophischen Grundlagen des '''individualistischen Anarchismus''' führte, war Stirner kein Thema mehr; Blankertz fand stattdessen über einige Nebenwege zu einem '''individualistischen Anarchismus''' Rothbard'scher Prägung und entdeckte schliesslich, nach gründlichem Studium des &amp;quot;subversiven&amp;quot; Thomas von Aquin, wie Rothbard, &amp;quot;dass es eine verborgene, fast heimliche Gedankenwelt des [[Katholischer Anarchismus|katholischen Anarchismus]] gibt&amp;quot; (''Vernunft ist Widerstand'', Köln 1993, S.8).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in anderen Ländern Europas entfalteten nach dem 2. Weltkrieg Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' publizistische Aktivität. - In Frankreich gründete [[Emile Armand]] [d.i. Ernest-Lucien Juin] (1872-1962), der bereits von 1922-1939 die '''individual-anarchistische'''-Zeitschrift ''L'en dehors'' herausgegeben hatte, schon 1945 die Zeitschrift ''L'Unique'', die bis zu seinem Tode erschien. Armand, der sich in der Tradition Spooner-Tucker-Mackay sah und sich auch zu Stirner bekannte, legte besonderes Gewicht auf das Problem der sexuellen Befreiung. - In Italien wirkte im Sinne des '''individualistischen Anarchismus''' vor allem [[Enzo Martucci]] (1904-1975), der ein ''Manifesto dei Fuorigregge'' und eine Reihe von Broschüren zum '''individualistischen Anarchismus''' verfasste. - In England gab [[Sidney E. Parker]] (1929-) seit 1963 eine Zeitschrift des '''individualistischen Anarchismus''' heraus (bis 1980 ''Minus One'', bis 1994 ''Ego''), in der einige interessante Debatten stattfanden. Parker, der von Anfang an weniger auf Tucker, stattdessen dezidiert auf Stirner Bezug nahm, sah sich seit ca. 1980 nicht mehr als Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' (vgl. ''Ego'' Nr.15, 1993, p.7), sondern als &amp;quot;bewusster Egoist&amp;quot;, worunter er eine Position versteht, die der des [[Anarch|Anarchen]] von Ernst Jünger (vgl. dessen ''Eumeswil'', 1977; Laska, 1997) nahekommt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zusammenfassung==&lt;br /&gt;
Die Lehre des '''individualistischen Anarchismus''' entstammt in ihren wichtigsten Teilen der Tradition des angelsächsischen politischen Denkens. Sie ist die Extremform des Liberalismus: &amp;quot;Die beste Regierung ist (nicht eine minimale, sondern) keine Regierung&amp;quot;. Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' wollen ihr Ziel, eine Gesellschaft der &amp;quot;gleichen Freiheit Aller&amp;quot;, d.h. die Beseitigung des Staates als Träger und (gewalttätigem) Beschützer von Monopolen und damit Garant der Ungleichheit, in erster Linie mit den Mitteln der Aufklärung und der Verweigerung (Steuerstreik) erreichen; Gewalt betrachten sie als untaugliches Mittel.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begründer und repräsentativste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' ist der amerikanische Publizist Benjamin R. Tucker (1854-1939). Der bekannteste deutsche Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' ist John Henry Mackay (1864-1933). Einige der seit den 60er Jahren in den USA wirkenden &amp;quot;Anarcho-Kapitalisten&amp;quot;, namentlich Murray Rothbard (1926-1995), können, auch wenn sie sich nicht explizit auf Tucker oder den '''individualistischen Anarchismus''' berufen, wegen ihrer Grundauffassungen als Vertreter eines modernisierten '''individualistischen Anarchismus''' betrachtet werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verbreitete Auffassung, der Urvater des '''individualistischen Anarchismus''' sei Max Stirner (1806-1856), ist in historischer und in sachlicher Hinsicht falsch. Tucker formulierte das Konzept des '''individualistischen Anarchismus''', bevor er auf Stirner stiess. Er und Mackay bekannten sich dann zwar (auch) zu Stirner; sie rezipierten ihn jedoch nicht vollständig und erkannten nicht, dass Stirner gerade eine Lehre wie den '''individualistischen Anarchismus''' als Freiheitsschwärmerei verspottete: für Stirner war (äussere) &amp;quot;Freiheit&amp;quot;, wie sie der '''individualistische Anarchismus''' (für innerlich nach wie vor &amp;quot;unfreie&amp;quot; Menschen) forderte, eine blosse Chimäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
'''Primär:'''&lt;br /&gt;
* [Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum (1845). Stuttgart 1972]&lt;br /&gt;
* Benjamin R. Tucker: Instead of a book. New York 1893 (div. Reprints)&lt;br /&gt;
* ders. (dt.v. George Schumm): Staatssozialismus und Anarchismus. Berlin 1895 (div. Neudrucke)&lt;br /&gt;
* ders. (ed.): Liberty, 1881-1908 (Microfiche ed. 1978)&lt;br /&gt;
* James L. Walker: The Philosophy of Egoism. Denver 1905 (postum); dt.v. Jörg Asseyer: Die Philosophie des Egoismus. Freiburg 1979&lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Die Anarchisten. Zürich 1891 (div. Neudrucke und Reprints)&lt;br /&gt;
* ders.: Der Freiheitssucher. Berlin-Charlottenburg 1920 (div. Reprints)&lt;br /&gt;
* Sidney E. Parker (ed.): Minus One, 1963-1980; cont'd as Ego, 1982-1994&lt;br /&gt;
* Murray N. Rothbard: The Ethics of Liberty. Atlantic Highlands NJ(USA) 1982&lt;br /&gt;
* Individualistischer Anarchismus. Eine Autorenauswahl. West-Berlin 1977 (Anarchistische Texte Nr.6/7, Libertad-Verlag)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sekundär:'''&lt;br /&gt;
* James J. Martin: Men against the State. DeKalb IL(USA) 1953 (hier benutzt: 3rd ed. 1970); dt.v. K.H.Z. Solneman [d.i. Kurt Helmut Zube] und Jürgen Waibel: Männer gegen den Staat. 2 Bände. Freiburg 1980&lt;br /&gt;
* Robert Nozick: Anarchy, State, and Utopia. New York 1974; dt.v. Hermann Vetter: Anarchie, Staat, Utopia. München 1976&lt;br /&gt;
* Murray N. Rothbard (ed.): Journal of Libertarian Studies. 1977ff&lt;br /&gt;
* Henri Arvon: Les libertariens américains. De l'anarchisme individualiste à l'anarcho-capitalisme. Paris 1983&lt;br /&gt;
* Michael E. Coughlin et al. (ed.): Benjamin R. Tucker and the Champions of Liberty. A Centenary Anthology. St.Paul and New York 1986&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msswi.html Bernd A. Laska: Der schwierige Stirner]. In: Wolfram Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker. Berlin 1993. S.9-25&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ders.: Ein dauerhafter Dissident]. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg 1996 (''Stirner-Studien'' Nr. 2)&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;]. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Stirners »Einzigen«. Nürnberg 1997 (''Stirner-Studien'' Nr. 3)&lt;br /&gt;
* ders.: [[Dora Marsden]] - &amp;quot;Stirner des Feminismus&amp;quot; ?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''[[Portal Philosophie und Theorie|Lexikon der Anarchie: Philosophie und Theorie]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<title>Marsden, Dora</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dora Marsden''', geb.: 5. März 1882 in Marsden/Yorkshire/England; gest.: 13. Dezember 1960 in Dumfries/Schottland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lebensskizze ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marsden wurde am 5. März 1882 in Marsden, einem kleinen Ort in der Nähe der Industriestadt Huddersfield in der englischen Grafschaft Yorkshire als das vierte von fünf Geschwistern geboren. Ihr Vater war Besitzer einer kleinen Textilfabrik. Als er, hauptsächlich durch eigenes Verschulden, diese Existenzgrundlage verlor, verliess er 1890 seine Familie, so dass Marsden von da an in sehr kargen Verhältnissen aufwuchs. Marsden besuchte eine Schule -- übrigens eine der wenigen von kirchlichen Einflüssen  freien --, die ihr im Alter von dreizehn Jahren die Möglichkeit bot, die unteren Klassen zu unterrichten und so zum Unterhalt der Familie beizutragen. Obwohl sie aufgrund dieser Laufbahn bereits mit achtzehn Jahren die Qualifikation einer Lehrerin erworben hatte, wechselte sie nicht ins Berufs- bzw. Erwerbsleben, sondern bewarb sich -- erfolgreich -- um ein Stipendium für ein Universitätsstudium in Manchester. Auf drei Jahre vollbezahltes Studium folgten verpflichtungsgemäss fünf Jahre Tätigkeit als Lehrerin.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon während des Studiums hatte sich Marsden in der britischen Frauenrechtsbewegung (suffragettes) engagiert. Nach Ablauf ihrer Pflichtzeit als Lehrerin -- und nachdem sie 1909 wegen politischer Aktivitäten verhaftet worden war -- nahm sie eine hauptamtliche Stellung bei der WSPU (Women's Social and Political Union) an und wurde als Organisatorin und kämpferische Anführerin mehrerer spektakulärer Kampagnen landesweit bekannt. Trotz bzw. wegen ihres mutigen Einsatzes für die Sache der Frauen geriet Marsden in immer stärkeren Konflikt mit der autoritären Führung der WSPU, die eine moderatere Politik favorisierte, so dass sie Anfang 1911 mit dieser Organisation brach.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig entwickelte Marsden die während des Studiums begonnene philosophische Fundierung ihres politischen Engagements weiter. Dies ist im Detail zu verfolgen in ihren Beiträgen zu den Zeitschriften, die sie, mit finanzieller Unterstützung wohlhabender Gönnerinnen, vornehmlich der Schriftstellerin  Harriet Shaw Weaver (1876-1961), in den folgenden Jahren in London herausgab: ''The Freewoman'' (November 1911 bis Oktober 1912), ''The New Freewoman'' (Juni 1913 bis Dezember 1913) und ''The Egoist'' (Januar 1914 bis Dezember 1919). Wie die Abfolge der Titel, so signalisieren auch die wechselnden Untertitel Marsdens Entwicklung in der hier hauptsächlich interessierenden Phase von 1912 bis 1914: Aus ''A Weekly Feminist Review'', dem das Suffragettentum zu eng war, wurde schon im Mai 1912 ''A Weekly Humanist Review'' und im Juni 1913 ''An Individualist Review'' -- das wenig später den dauerhafteren Titel ''The Egoist'' bekam. In diese Zeit fällt auch Marsdens Entwicklung zum [[Anarchismus]] und ihre &amp;quot;Transzendenz&amp;quot; desselben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marsdens Zeitschriften hatten jedoch keine ausdrückliche politische Zielsetzung, sondern stellten in erster Linie Produkte der damaligen anglo-amerikanischen literarischen Avantgarde (futurism, modernism, egoism, imagism, vorticism etc.) vor. Einige später berühmt gewordene Schriftsteller waren mehr oder weniger eng mit ihnen verbunden. Ezra Pound, T.S. Eliot, D.H. Lawrence, Wyndham Lewis, Herbert Read und andere publizierten hier ihre frühen Versuche; James Joyce liess sein ''Portrait of the Artist as a Young Man'' erstmals in ''The Egoist'' in Fortsetzungen drucken.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Artikeln, die Marsden selbst im Anschluss an jene Phase von 1912 bis 1914 in ''The Egoist'' schrieb, tritt immer mehr ihr Bestreben hervor, ihre eigene, zunächst [[individualistischer Anarchismus|individualanarchistische]], dann prononciert &amp;quot;egoistische&amp;quot; Philosophie und ihre daraus abgeleiteten politischen Auffassungen mittels der neuesten Erkenntnisse der Naturwissenschaften auf eine neue, noch zu schaffende Anthropologie zu gründen und diese in eine ebenfalls neuartige Kosmologie einzubetten. Achtzehn Artikel unter dem Serientitel ''The Science of Signs'' (1916-1919) waren der Anfang dieser Bemühungen, die Marsden bis Ende der Zwanziger Jahre fortsetzte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um für diese philosophischen Ambitionen mehr Zeit zu haben, überliess Marsden bereits 1915 die Redaktionsarbeit weitgehend einigen engagierten Mitarbeitern (Weaver, Pound, Eliot). Und 1920, nach dem Ende von ''The Egoist'', zog sie sich an einen abgeschiedenen Ort im Lake District zurück, wo sie, allein mit ihrer Mutter, die nächsten eineinhalb Jahrzehnte verbrachte. In diesen Jahren der selbstgewählten Isolation arbeitete Marsden an ihrem &amp;quot;grossen Werk&amp;quot;, das sich immer mehr ausweitete und Mathematik, Physik, Biologie und -- Theologie einbezog. Von dem schliesslich auf sechs Bände angelegten Opus erschienen jedoch, wieder von ihrer treuen Freundin und Mäzenin Harriet Shaw Weaver in deren &amp;quot;Egoist Press&amp;quot; verlegt, nur zwei Titel: ''The Definition of the Godhead'' (1928) und ''Mysteries of Christianity'' (1930).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses in zehn mühevollen Jahren erarbeitete Werk, in dem Marsden ihre früheren feministischen, anarchistischen und egoistischen Auffassungen integrieren und, unabhängig von Mehrheitsmeinungen, als &amp;quot;wissenschaftlich wahr&amp;quot; erweisen wollte, stiess nicht nur beim breiten Publikum, sondern auch bei ihren früheren Mitstreiter/inne/n, auf völliges Desinteresse. Hauptsächlich deshalb erlitt Marsden 1930 einen &amp;quot;Zusammenbruch&amp;quot;, von dem sie sich nur noch für einige jeweils kurze Zeitspannen etwas erholen sollte. Als schliesslich 1935 ihre Mutter starb, versank Marsden in &amp;quot;tiefe Melancholie&amp;quot; und wurde von Verwandten in ein Heim für psychisch Kranke in Dumfries/Südschottland gebracht. Dort lebte sie noch fünfundzwanzig Jahre, ohne je wieder die Arbeit an ihrem schriftstellerischen Werk aufzunehmen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &amp;quot;Max Stirner des Feminismus&amp;quot;? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung von Marsdens Theoriebildung interessiert hier nur insofern näher, als sie direkt mit dem Thema [[Anarchismus]] zu tun hat, also in der relativ kurzen Zeitspanne von ca. 1912 bis 1914. Vor 1912 hatte sich Marsden von einem sozialistischen über einen feministischen und humanistischen zu einem individualistischen Standpunkt entwickelt, den sie zuletzt einen egoistischen nannte und in dem all die vorhergehenden &amp;quot;aufgehoben&amp;quot; sein sollten. Literarische &amp;quot;Egoismen&amp;quot; waren seit ca. 1890 verstärkt, meist vom Kontinent, in den angelsächsischen Bereich gedrungen (Nietzsche, Barrès u.a.), so dass in Marsdens ''Freewoman'' schon affirmativ von Egoismus die Rede war, bevor der Name [[Max Stirner|Stirner]] fiel. Der amerikanische Kulturkritiker Floyd Dell titulierte Marsden dennoch schon damals -- aufgrund ihres programmatischen Eröffnungsartikels (''Bondwomen'', 23.11.1911) -- bewundernd als &amp;quot;Max Stirner des Feminismus&amp;quot; (''Women as World Builders'', S. 103).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich schien Marsden Stirners ''[[Der Einzige und sein Eigentum|Einzigen]]'', nachdem er 1912 in London als ''The Ego and His Own'' erschienen war, ganz aussergewöhnlich zu schätzen. Sie sprach von dem Buch sogar einmal, entgegen ihren Gepflogenheiten, enthusiastisch mit einem rückhaltlosen Superlativ: es sei (nicht &amp;quot;one of the&amp;quot;, sondern) &amp;quot;the&amp;quot; &amp;quot;most powerful work&amp;quot;, das je erschienen sei (1.9.1913). -- Wer die merkwürdigen Wege der Stirner-Rezeption kennt, insbesondere die der zustimmenden (Mackay, Ruest, Jünger; vgl. Laska, 1996), wird jedoch auch hier genauer hinsehen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals war Marsden in ihrem Artikel ''The Growing Ego'' (8.8.1912) auf Stirner eingegangen. Ein namentlich nicht genannter Korrespondent habe sie gebeten, Stirners Lehre eingehend zu prüfen. Dies, sagt sie dort eingangs, werden &amp;quot;wir&amp;quot; (sie verwendet hier stets den Plural) gewiss in Kürze tun; zunächst jedoch ginge es darum, des überwältigenden Einflusses Herr zu werden, den Stirners Buch auf uns ausübe, und zwar, indem wir die tiefe Wahrheit, die es enthält, erst einmal zurückstellen und stattdessen die &amp;quot;abrupte und unmögliche Beendigung seines Gedankengangs&amp;quot; exponieren.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marsden verfährt dann wie folgt: Sie relativiert und depotenziert Stirner, indem sie, wie viele Autoren vor und nach ihr, seine Lehre als tautologische interpretiert. Stirner habe zwar Moral, Religion, Gott und den Menschen als externe Mächte, die auf das Ich wirken, vernichtet -- was übrigens nichts Grossartiges sei, da diese ohnehin irreal seien -- aber: &amp;quot;Wenn das Ich nun selbst Moral oder Religion oder Gott realisieren will, dann wird es, da es ja souverän ist, auch dies tun.&amp;quot; Das Problem läge also im jeweiligen Ich. Es gäbe glücklicherweise einige wenige &amp;quot;positive Personen, die wir Persönlichkeiten nennen&amp;quot;; und von ihnen, den &amp;quot;Dichtern und kreativen Denkern&amp;quot;, könnten wir (die wir, incl. Marsden?, das nicht sind) erfahren, was ein solches positives Ich &amp;quot;realisiert&amp;quot;. Dies sei vor allem die Gottesidee. Sie entspränge spontan aus dem Ich und habe nichts mit externer Autorität zu tun. Fazit: &amp;quot;Stimmen wir Stirner darin zu, dass Gott das Ich weder postuliere noch beherrsche. Aber das Ich postuliert sehr wohl Gott...&amp;quot;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marsdens Abwehr des &amp;quot;überwältigenden Einflusses&amp;quot; Stirners macht den Eindruck des Voreiligen. Wie sie mit Stirner fertig wurde, lässt sich allerdings nur erschliessen, denn die eingehende argumentative Auseinandersetzung mit ihm, die sie in Aussicht stellte, hat sie nie geschrieben. Stattdessen liest man ein Jahr später das zitierte überschwengliche -- aber zugleich merkwürdig beiläufig und isoliert dastehende, vor allem aber zuvor dementierte -- Urteil über den ''Einzigen''. Bald darauf, als Antwort auf Leserbriefe, die Marsden trotzdem vorwerfen, ihre Zeitschrift sei eine rein &amp;quot;stirnerianische&amp;quot;, schreibt sie (15.1.1914), dies sei, einen gewissen Einfluss Stirners durchaus zugestanden, bestimmt nicht das treffende Adjektiv für das inzwischen als ''The Egoist'' firmierende Periodikum.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Aussage traf zu. Marsden hatte Stirner ohne öffentliche Argumentation ''ad acta''  gelegt. In ''The Egoist'' wurde er kaum mehr erwähnt, allenfalls noch gelegentlich eine seiner kraftmeierischen Sentenzen paraphrasiert. In der eingangs erwähnten Artikelserie, mit der Marsden ihre &amp;quot;egoistische&amp;quot; Anthropologie und Kosmologie zu entwickeln begann, erscheint Stirner nicht mehr, nicht einmal in dem Kapitel, das ''The 'I' and the 'Ego'. A differentiation'' (Sept. 1916) überschrieben ist. Das Urteil Floyd Dells, Marsden sei das (weibliche, anglo-amerikanische) Pendant Stirners, das gelegentlich heute wieder zu lesen ist, steht also kaum auf solidem Grund.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Anarchismus zum Archismus ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenngleich Marsden einer Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen ist, so hat sie doch eklektisch einige markige -- jedoch keine der wesentlichen und spezifischen -- Thesen von ihm übernommen. Die Art ihrer selektiven Aneignung zeigte sich insbesondere in der Kontroverse, die sie mit [[Benjamin Tucker|Tucker]] in ihren Zeitschriften ausfocht (vgl. Parker 1986, beide Artikel).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Benjamin R. Tucker (1854-1939) war von 1881 bis 1907 Herausgeber der in New England (Boston, New York) erschienenen individual-anarchistischen Zeitschrift ''Liberty'' gewesen. Darin hatte Ende der 1880er Jahre der polyglotte Journalist James L. Walker den damals auch in Deutschland noch kaum bekannten Stirner zur Diskussion gestellt. Die Folge war eine unversöhnliche Polarisierung, sowohl bei der Leserschaft als auch innerhalb der Redaktion. Die moralisch entrüsteten Gegner Stirners kündigten Abonnement und Mitarbeit. Doch auch mit Tucker und den verbliebenen Mitarbeitern wurde ''Liberty'' keineswegs stirnerianisch. Das Thema Stirner wurde vielmehr in den Spalten der Zeitschrift nur kurz und verhalten diskutiert und bald &amp;quot;vergessen&amp;quot;. Mit zwanzigjähriger Verzögerung brachte Tucker schliesslich 1907 doch noch die erste englische Übersetzung des ''Einzigen'' heraus. Kurz darauf beendete er -- ein Brand hatte seinen Verlag zerstört -- seine publizistische Karriere und ging nach Frankreich, um dort den Rest seines Lebens in Zurückgezogenheit zu verbringen (vgl. [[individualistischer Anarchismus]]).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tucker unterbrach sein resigniertes Schweigen nach 1907 jedoch einmal, weil Marsdens Neugründung ''The Freewoman'' ihn wieder etwas optimistisch stimmte. Er schrieb ab Juni 1913 in ''The New Freewoman'': meist Korrespondenzen aus Paris, aber auch theoretische Artikel, in denen er, wie schon in ''Liberty'', für den [[Pierre-Joseph Proudhon|Proudhon]]'schen [[Mutualismus]] warb. Ein Sozialvertrag sei für das gesellschaftliche Leben praktisch unverzichtbar; und ein solcher, in dem der Bürger sich nicht gegenüber Gott und dem Fürsten, sondern nur gegenüber seinem eigenen Gewissen verpflichtet, &amp;quot;müsste doch auch für Max Stirner und seinen 'Verein von Egoisten' akzeptabel gewesen sein&amp;quot;. -- Marsden erwiderte, eine solche Gesellschaft wäre im Effekt repressiver als alle bisherigen, denn der ins Gewissen verlegte &amp;quot;Staat&amp;quot; wäre allgegenwärtig. Sie sah in Tuckers &amp;quot;individualistischem&amp;quot; Anarchismus keinen wesentlichen Unterschied zum kollektivistischen und bezeichnete (auch) ihn als &amp;quot;kleriko-libertäre&amp;quot; Lehre -- eine Kritik, bei der sie sich durchaus hätte auf Stirner berufen und ausrufen können: &amp;quot;Unsere Anarchisten sind fromme Leute!&amp;quot;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tucker war erbost und brach schliesslich die Kontroverse ab. Er sprach Marsden ab, Anarchistin zu sein, bezeichnete sie stattdessen als &amp;quot;Archistin und Egoistin&amp;quot; und zog sich, im März 1914, endgültig aus der öffentlichen Diskussion zurück. Marsden griff diese polemische Bezeichnung positiv auf und bekannte sich in einer direkten Replik (2.3.1914) und in einem späteren Artikel über ''Die Illusion des Anarchismus'' (15.9.1914) zum &amp;quot;Archismus&amp;quot;. Jedes Lebewesen, sagte sie, sei von Geburt archistisch: denn es suche mit allen Mitteln, seine Interessen gegen die der anderen durchzusetzen. Der Anarchismus hingegen predige -- &amp;quot;wie jede Kirche&amp;quot; -- der Mensch solle seinen angeborenen Archismus=Egoismus verleugnen; eine &amp;quot;innerliche geistige Polizei&amp;quot;, das Gewissen, solle ihm seinen natürlichen Drang zur Domination und zur unverkürzten Befriedigung seiner Wünsche verbieten. Manche Anarchisten seien zwar dafür, dass das Ich souverän &amp;quot;herrsche&amp;quot;, aber nur dann, wenn es sich zuvor in bestimmter Weise verändert habe. Marsden indes als Archistin meine die real existierenden, unveränderten Individuen, deren Iche, deren spontane Wünsche und Bedürfnisse sowie deren &amp;quot;vulgäre Befriedigung, ganz nach ihrem Gusto -- ein Fass für Diogenes, ein Kontinent für Napoléon, ein Konzern für Rockefeller.&amp;quot; (Und was für Dora Marsden?) Auf Tuckers Hinweis, dass genau so ja die bisherige Geschichte verlaufen sei, erwiderte Marsden, dies zeige eben -- im Einklang mit dem philosophischen Pragmatismus -- dass das Konzept richtig sei. Je eher also die Elenden zu Archisten würden, d.h. ihre eigenen Interessen verträten, desto besser (2.3.1914).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diskussion zwischen Marsden und Tucker berührte das sowohl theoretisch wie praktisch zentrale Problem jedes konsequenten und radikalen (nicht bloss &amp;quot;sozialistischen&amp;quot;) Anarchismus: das anthropologische Phänomen, das man als das der &amp;quot;freiwilligen Knechtschaft&amp;quot;/ des &amp;quot;Gewissens&amp;quot; als verinnerlichte Herrschaftsinstanz/ der &amp;quot;Enkulturation&amp;quot; jedes Neugeborenen in eine in Jahrtausenden gewachsene Gesellschaftsform/ des unbewusst und irrational dem Individuum implantierten &amp;quot;Über-Ich&amp;quot; o.ä.  (vgl. hierzu [http://www.lsr-projekt.de/msnega.html ''Die Negation des irrationalen Über-Ichs bei Max Stirner''])  benennen und zu umschreiben versuchen kann. Kennzeichnend für diese Diskussion zweier oft als Stirnerianer bezeichneter Protagonisten ist, dass sie, wie viele andere Denker auch (vgl. Laska, 1996), die Qualität der von Stirner gegebenen Fassung des Problems nicht einmal wahrnahmen und, vermeintlich oder vorgeblich Stirner weiterführend, vor ihm auswichen: Tucker in den individualistischen Anarchismus und Marsden zunächst in einen assertiven Trivial-Egoismus, genannt &amp;quot;Archismus&amp;quot;, später in einen mystizistisch-kosmologischen &amp;quot;All-Egoismus&amp;quot;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dora Marsdens Artikel und Kommentare in:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* The Freewoman, 1 vol., 23rd Nov 1911 to 10th Oct 1912;&lt;br /&gt;
* The New Freewoman, 1 vol., 15th Jun 1913 to Dec 1913 (Reprint 1967);&lt;br /&gt;
* The Egoist, 6 vols., Jan 1914 to Dec 1919 (Reprint 1967). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://www.nonserviam.com/egoistarchive/marsden/index.html Marsdens Artikel im Internet]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bibliographien in Garner und Clarke (s.u.)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sekundärliteratur:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
speziell:&lt;br /&gt;
* Sidney E. Parker: The New Freewoman. Dora Marsden &amp;amp; Benjamin R. Tucker. In: Benjamin R. Tucker and the Champions of Liberty, ed. by Michael E. Coughlin, Charles H. Hamilton, Mark A. Sullivan. New York 1986. pp.149-157;&lt;br /&gt;
* Sidney E. Parker: Archists, Anarchists and Egoists. In: The Egoist (London), Nr.8 (1986), pp.1-6. &lt;br /&gt;
* Les Garner: A Brave and Beautiful Spirit. Dora Marsden 1882-1960. Aldershot, Hants., GB 1990. 214pp.&lt;br /&gt;
* Bruce Clarke: Dora Marsden and Early Modernism. Gender, Individualism, Science. Ann Arbor, MI, USA 1996. 273pp.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
allgemein:&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 Bernd A. Laska: ''Ein dauerhafter Dissident''.] 150 Jahre Max Stirner. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Stirner-Studien Band 2.  Nürnberg 1996, 168 S.;&lt;br /&gt;
* ders.: Art. ''[[individualistischer Anarchismus]]'' und ''[[Max Stirner]]'' in: Lexikon der Anarchie. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten 1993ff (Loseblattsammlung).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<title>Stirner, Max</title>
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				<updated>2006-11-11T12:39:51Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Max Stirner''', geb. 25. Oktober 1806 in Bayreuth, gest. 25. Juni 1856 in Berlin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max Stirner ist das Pseudonym für Johann Caspar Schmidt. Schmidt wurde am 25. Oktober 1806 in Bayreuth als erstes Kind protestantischer Eltern geboren. Sein Vater, ein Handwerker, der Flöten und andere Musikinstrumente herstellte, starb, als Johann Caspar ein halbes Jahr alt war. Die Mutter heiratete zwei Jahre später einen Apotheker und übersiedelte mit ihm ins westpreussische Kulm. Johann Caspar wurde bald nachgeholt, jedoch 1818, im Alter von 12 Jahren, nach Bayreuth zurückgeschickt, wo er in die Familie seines Paten aufgenommen wurde und das renommierte, von Georg Andreas Gabler geleitete Gymnasium besuchte (Gabler wurde nach Hegels Tod 1831 dessen Nachfolger an der Universität Berlin).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmidt immatrikulierte sich 1826 an der Berliner Universität, wo er u.a. bei Hegel und Schleiermacher hörte. Er brach jedoch sein mit grossem Eifer begonnenes Studium nach vier Semestern ab und ging -- nach einem nicht beendeten Semester in Erlangen -- &amp;quot;auf eine längere Reise durch Deutschland&amp;quot;. 1833 kehrte er nach Berlin zurück, wo er zwei weitere Semester studierte und nach weiteren Unterbrechungen die sonstigen formellen Bedingungen erfüllte, um schliesslich 1839, im Alter von 33 Jahren, seine erste feste Stellung anzutreten: als Lehrer an einer Berliner Mädchenschule.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab Mitte 1841 war Schmidt häufiger Gast bei den [[Die Freien|&amp;quot;Freien&amp;quot;]], einer lockeren Gruppierung von jungen, oppositionellen &amp;quot;Intellektuellen&amp;quot; um den Ex-Hegelianer und Ex-Theologen Bruno Bauer, dem neben Ludwig Feuerbach führenden Kopf der sog. [[Junghegelianer]]. Zu dieser Zeit begann er, mit kleineren Beiträgen als Journalist und Schriftsteller an die Öffentlichkeit zu treten: teils anonym, teils bereits pseudonym als &amp;quot;Max Stirner&amp;quot;. In den Jahren 1842-47 entstanden Stirners wichtigste Schriften, insbesondere sein Werk ''[[Der Einzige und sein Eigentum]]'', das, vordatiert auf 1845, Ende Oktober 1844 erschien.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ''Einzige'' erregte für kurze Zeit ein skandalöses, von Verboten (&amp;quot;zu radikal&amp;quot;) und Verbotsaufhebungen (&amp;quot;so radikal, dass er sich selbst widerlegt&amp;quot;) begleitetes Aufsehen. Einige Autoren reagierten mit kleineren Gegenschriften, auf die Stirner mit dem Artikel ''Recensenten Stirners'' antwortete. Die wichtigste Gegenschrift indes verfasste anschliessend Karl Marx: den furiosen ''Sankt Max''. Marx veröffentlichte seinen Anti-Stirner nach einigem Zögern jedoch nicht, vermutlich aus zwei Gründen: erstens, weil er (insgeheim) die Stichhaltigkeit seiner polemischen Kritik bezweifelte und eine Duplik Stirners fürchtete; zweitens, weil Stirner inzwischen -- schon ein Jahr vor den Ereignissen des März 1848 und ihren politischen Folgen, die den radikalen philosophischen Diskussionen ohnehin ein Ende setzten -- bereits zur Unperson geworden war, öffentliche Kritik an ihm somit fehl am Platze und taktisch unklug gewesen wäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner, der zweimal kinderlos verheiratet war (1838 und 1843-46), hatte kurz vor Erscheinen seines ''Einzigen'' seine Lehrerstelle aufgegeben und verdiente danach seinen Lebensunterhalt mit selbständiger Erwerbstätigkeit. Er verbrachte die restliche Zeit seines Lebens, literarisch kaum noch tätig, in zunehmender materieller Armut. An den politischen Ereignissen der Jahre 1848/49 scheint er sich, im Gegensatz zu den meisten Junghegelianern, nicht beteiligt zu haben. Stirner starb, von den Zeitgenossen vergessen, am 25.Juni 1856 in Berlin und wurde auf dem Sophienfriedhof beigesetzt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Der Einzige und sein Eigentum'' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner ist ein ''&amp;quot;vir unius libri&amp;quot;''; sein Werk kann ohne substantiellen Verlust auf jenes eine Buch, ''Der Einzige und sein Eigentum'', reduziert werden. Dieser ''Einzige'' hatte ein aussergewöhnlich interessantes Bücherschicksal. Er war zunächst, wie alle Beiträge der junghegelianischen Diskussion der 1840er Jahre, schnell vergessen, wurde jedoch, als einziger daraus, nach längerer Zeit wiederentdeckt und -- nach erneutem Vergessen abermals wiederentdeckt. Diese beiden sog. Stirner-Renaissancen (1893ff und 1968ff) hatten zudem jeweils einen sehr ungewöhnlichen Anlass: sie waren wesentlich Ergebnis der energischen Initiative jeweils eines einzelnen Mannes, und zwar eines dezidierten Stirner-Gegners: 1893 des Nietzscheaners Paul Lauterbach und 1968 des Marxisten Hans G. Helms. Beide exponierten Stirners Buch aus erklärtermassen hochpolitischem Grund: um die Grösse und aktuelle Bedeutung der geistigen Tat Nietzsches bzw. Marx' -- als &amp;quot;Überwinder&amp;quot; Stirners als des literarischen Inbegriffs des &amp;quot;absolut Bösen&amp;quot; -- um so klarer hervortreten zu lassen. Obwohl der ''Einzige'' ein Verkaufserfolg wurde -- bisher mehr als 100'000 Exemplare -- blieb Stirner eine Randfigur der Ideengeschichte. Die Absicht der beiden Initiatoren, Stirner als den Antipoden zu Nietzsche bzw. zu Marx zu etablieren -- was ''nolens volens''  eine gewaltige Aufwertung Stirners bedeutet hätte -- gelang bisher nicht (vgl. Laska 1994).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Anarchisten und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner bezeichnete sich selbst nirgendwo als [[Anarchie - Zur Geschichte eines Reiz- und Schlagwortes|Anarchisten]]; er kritisierte vielmehr in seinem ''Einzigen''  (1844) den Mann, der sich 1840 als erster selbst einen Anarchisten genannt hatte: [[Pierre-Joseph Proudhon|Proudhon]] -- allerdings nicht deswegen, sondern wegen seiner moralisierenden Betrachtungsweise der gesellschaftlichen Probleme. Proudhon, der sonst sehr an der Entwicklung der (jung-)hegelianischen Philosophie in Deutschland interessiert war, überging Stirners ''Einzigen'' mit Schweigen. Auch [[Michail Bakunin|Bakunin]], der andere massgebliche Anarchist des 19. Jahrhunderts, vermied es, sich zum ''Einzigen'' zu äussern. Diese offenkundige Berührungsangst der Anarchisten vor Stirner machten sich in den 1880er Jahren -- nach dem Tode von Marx, der einst ebenfalls einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen war -- die Marxisten für ihre politische Polemik zunutze: Stirner sei &amp;quot;der Prophet des heutigen Anarchismus&amp;quot;; Bakunin sei nichts als Proudhon plus Stirner, so lautete die von Friedrich Engels 1886 ausgegebene Parole.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Historiker des Anarchismus, selbst keine Anarchisten, rechneten Stirner, der inzwischen im Kielwasser des Nietzscheanismus zu einer bekannten Figur geworden war, ebenfalls dem Anarchismus zu (Zenker 1895, Eltzbacher 1900, Zoccoli 1907). Die Anarchisten selbst hielten indes nach wie vor Distanz zu Stirner. Nur eine kleine Gruppe, die sich als [[Individualistischer Anarchismus|&amp;quot;individualistische Anarchisten&amp;quot;]] von der eigentlichen anarchistischen Bewegung abgrenzte, bekannte sich demonstrativ zu Stirner (mit zweifelhafter Berechtigung).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die distanzierte Haltung der Anarchisten gegenüber Stirner änderte sich auch im 20. Jahrhundert nicht wesentlich. [[Gustav Landauer|Landauer]] stand Stirner über längere Zeit sehr ambivalent, schliesslich aber eindeutig ablehnend gegenüber. [[Erich Mühsam|Mühsam]] erwähnt Stirner nur einmal: in einer autobiographischen Skizze, in der er Landauer dafür dankt, dass er ihn als jungen Mann dem verführerischen Einfluss Stirners entrissen habe. [[Pjotr Kropotkin|Kropotkin]], der über Jahrzehnte zu Stirner geschwiegen hatte, denunzierte ihn schliesslich, zu einer Stellungnahme gedrängt, als &amp;quot;Manchestermann&amp;quot; und damit Pseudo-Anarchisten (der sonst so milde Mann konnte, wie Nettlau überlieferte, sehr wütend werden, wenn im Gespräch auch nur der Name Stirner fiel). [[Max Nettlau|Nettlau]], selbst Anarchist und wohl bester Kenner der anarchistischen Bewegung in ihrer Glanzzeit, stand eher ratlos vor dem Phänomen, dass die meisten Anarchisten Stirner ablehnten, und meinte, Stirner sei eben meist missverstanden worden. Dieses Urteil von 1927, aus der Endphase einer Epoche, in der sowohl das Interesse an Stirner als auch der Einfluss des politischen Anarchismus relativ gross gewesen waren, kann heute, nachdem beide in den 60er Jahren noch einmal auflebten, erneuert werden. Nur sollte ein so hartnäckiges &amp;quot;Missverstehen&amp;quot; -- zumal es auch in der Stirner-Rezeption ausserhalb des Anarchismus vorherrscht -- Grund zu intensiven Nachforschungen geben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Übereinstimmung mit der vorherrschenden, meist ohne nähere Begründung und indirekt ausgedrückten Ablehnung Stirners durch die grosse Mehrzahl der Anarchisten -- der allenfalls die oberflächliche, unspezifische Zustimmung durch wenige Einzelne gegenübersteht -- stellen in zunehmendem Masse auch die Autoren neuerer Untersuchungen zum Anarchismus oder zu Stirner die überkommene Einordnung Stirners als Anarchisten in Frage bzw. in Abrede (Heintz 1951, Lösche 1977, Ritter 1980).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Philosophen und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anarchisten, insbesondere deren theoretische Köpfe, waren nicht die einzigen, die einen öffentlichen argumentativen Diskurs mit Stirner bzw. über dessen ''Einzigen'', so nahe er thematisch auch lag, vermieden haben. Sie befinden sich mit dieser ausweichenden Haltung durchaus in angesehener Gesellschaft. Marx, der seinen Anti-Stirner wohlweislich nicht veröffentlichte, wurde bereits genannt. Nietzsche ist, seiner Bedeutung wegen, hier als nächster zu nennen: eine genaue Untersuchung seiner intellektuellen Biographie ergibt starke Indizien für die Annahme, dass direkte Spuren seiner Konfrontation mit Stirners ''Einzigem'' deshalb fehlen, weil er selbst sie sorgfältigst verwischte. Die Stirner-Renaissance der Jahrhundertwende wurde dann wesentlich dadurch möglich, dass die Lehren, die diese beiden Denker -- grossteils in Abwehr der Stirner'schen -- entwickelt hatten, zu Massenerfolgen geworden waren. Stirner konnte nun, wenn nicht als exaltierter Anarchist, dann als banausischer und damit abgetaner Vorläufer Nietzsches eingeordnet werden -- oder als Scheinradikaler, der bereits vom jungen Marx als &amp;quot;wildgewordener Kleinbürger&amp;quot; entlarvt worden sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Liste der Denker, in deren intellektueller Vita gleichfalls eine existenzielle Erschütterung durch Stirners ''Einzigen''  nachweisbar ist, auf die sie, statt mit einer argumentativen und nachvollziehbaren Auseinandersetzung, mit einer veritablen Verdrängung reagierten, enthält durchaus weitere klangvolle Namen: von Carl Schmitt (der als Student Stirner anfangs als &amp;quot;wahre Erquickung&amp;quot;, bald jedoch als Plage, empfand, ihn dann vergessen zu haben scheint und erst vierzig Jahre später, in der Not der Einzelhaft, wieder mit ihm zu ringen hatte) bis zu Jürgen Habermas (der als junger Mann gegen die vermeintliche &amp;quot;Absurdität der Stirnerschen Raserei&amp;quot; mit eigener Raserei sich zu wehren versuchte, Stirner dann aber so gründlich verdrängte, dass er ihn in den nächsten vierzig Jahren -- selbst in seinen einschlägigen Spezialarbeiten: z.B. über die Junghegelianer, über die Entstehung des historischen Materialismus -- nicht einmal mehr nannte).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stirners potentielle Aktualität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bevorzugte Methode, den Gehalt des ''Einzigen'', Stirners &amp;quot;Philosophie&amp;quot; -- gelegentlich in eingestandener Ratlosigkeit auch &amp;quot;Unphilosophie&amp;quot; genannt -- darzustellen, war stets die epitomatische: kurze, prägnante Abschnitte aus dem Text wurden aneinandergereiht und sollten für sich sprechen. Einprägsame Sentenzen wie &amp;quot;Ich hab' mein' Sach' auf Nichts gestellt&amp;quot; und &amp;quot;Mir geht nichts über Mich&amp;quot; wurden weithin bekannt, stehen für einen rohen Nihilismus bzw. Egoismus und werden oft für die -- so gesehen: dürftige -- Quintessenz des ''Einzigen'' genommen. Selbstverständlich gab es auch genauere, solidere, gründlichere Darstellungen und Untersuchungen zu diesem oft mit Superlativen -- &amp;quot;extremsten&amp;quot;, &amp;quot;kühnsten&amp;quot;, &amp;quot;fluchwürdigsten&amp;quot; etc. -- bedachten Buch; doch kamen auch sie letztlich zu keinem grundsätzlich anderen Ergebnis.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konventionellen Methoden, philosophische Texte zu interpretieren, haben im Falle des ''Einzigen'' versagt. Keinem Autor gelang es bisher, die oft gespürte, gelegentlich auch ausdrücklich festgestellte Sonderstellung Stirners in der Philosophie des 19. Jahrhunderts, der Neuzeit, gar der gesamten Geschichte wirklich präzise zu bestimmen. Stirners ''Einziger'' blieb, was geflissentlich übersehen wird, ein ''hapax legomenon'' im Text der abendländischen Philosophie.    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Richtigkeit dieser Behauptung lässt sich vorläufig am einleuchtendsten durch die doch äusserst erstaunliche Tatsache stützen, dass einige der grössten der heute allgemein anerkannten Denker (und die bedeutendsten anarchistischen Theoretiker!) einer sachlich gebotenen, argumentativen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen sind. Die blosse Erkenntnis, das dauerhafte Fürwahrhalten und vor allem das philosophiehistorische Gewichten dieser Tatsache ist offenbar stets durch vielerlei Hindernisse äusserst erschwert gewesen (dies lässt sich anhand des massenhaften sekundären Ausweichens, des bequemen blinden Nachvollzugs jenes primären der Grosstheoretiker, demonstrieren, besonders eindrucksvoll am Beispiel der Marx-Forschung). Ein Abbau dieser gewaltigen Hindernisse scheint jedoch mit dem seit einiger Zeit voranschreitenden Geltungsverlust aller etablierten Doktrinen einherzugehen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner hat sein Buch ausdrücklich als &amp;quot;einen Anfang&amp;quot; bezeichnet, als den Anfang einer Entwicklung, die er nach dem proklamierten &amp;quot;Ende der Philosophie&amp;quot; für möglich hielt. Der junge Karl Marx hielt den ''Einzigen'' für hochaktuell: er schrieb sich nach der Lektüre jenen später berühmt gewordenen Satz auf, wonach es darauf ankäme, die Welt zu verändern, und konzipierte in den folgenden Monaten den historischen Materialismus. Die Fortsetzung von Stirners &amp;quot;Anfang&amp;quot; war dies allerdings nicht; vielmehr eine offenbar sehr wirksame Verschüttung der von Stirner aufgeworfenen Problematik. So wie Marx -- nicht im Detail, aber im Prinzip -- reagierten bis in unsere Zeit eine Reihe hervorragender Denker auf die Konfrontation mit dem ''Einzigen''. Daraus, nicht aus den überall nachzulesenden Urteilen über Stirner, ergibt sich seine nach wie vor potentielle Aktualität.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Von Stirner:''' &lt;br /&gt;
* Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum. Stuttgart: Reclam 1972ff&lt;br /&gt;
* Max Stirner: Parerga, Kritiken, Repliken, hg. v. Bernd A. Laska. Nürnberg:  LSR-Verlag 1986  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Über Stirner:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biographie:  &lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Max Stirner -- Sein Leben und sein Werk. Nachdruck der 3. Auflage 1914. Freiburg: Mackay-Gesellschaft 1977  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Frage: Ist Stirner Anarchist?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ernst Zenker: Der Anarchismus. 1895. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1979&lt;br /&gt;
* Paul Eltzbacher: Der Anarchismus.1900. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1977&lt;br /&gt;
* Hector Zoccoli: Die Anarchie. 1907, dt.1909. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1976&lt;br /&gt;
* Max Nettlau: Der Vorfrühling der Anarchie. 1927. Nachdruck Bremen: Impuls o.J.&lt;br /&gt;
* Peter Heintz: Anarchismus und Gegenwart. 1951. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1973, 1985&lt;br /&gt;
* Peter Lösche: Anarchismus. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1977; sowie ders.: Anarchismus. Art. in Pipers Handbuch der politischen Ideen. Band 4. München: Piper 1986. S. 415-447&lt;br /&gt;
* Alan Ritter: Anarchism. A Theoretical Analysis. Cambridge (GB): CUP 1980  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur hier vorgeschlagenen Stirner-Interpretation:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bernd A. Laska: Ein heimlicher Hit. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Editionsgeschichte. Nürnberg: LSR 1994 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss1 ''Stirner-Studien Nr.1''])&lt;br /&gt;
* ders.: Ein dauerhafter Dissident. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg: LSR-Verlag 1996 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ''Stirner-Studien Nr.2''])&lt;br /&gt;
* ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Max Stirner. Nürnberg: LSR-Verlag 1997 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ''Stirner-Studien Nr.3''])&lt;br /&gt;
* ders.: [[Individualistischer Anarchismus]]. Artikel in: Lexikon der Anarchie, hg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msee.html Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum] (Volltext, HTML)&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msrec.html Max Stirner: Recensenten Stirners] (Stirners Replik auf Feuerbach, Hess, Szeliga)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/ms.html Max Stirner im LSR-Projekt] (Bernd A. Laska)&lt;br /&gt;
* [http://www.max-stirner-archiv-leipzig.de Max-Stirner-Archiv Leipzig] (Kurt W. Fleming)&lt;br /&gt;
* [http://www.projektmaxstirner.de Projekt Max Stirner] (Ibrahim Türkdogan)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<title>Reich, Wilhelm</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wilhelm Reich''', geb. 24. März 1897, Dobrzanica/Galizien (Österreich); gest. 3. November 1957, Lewisburg/Pennsylvania (USA).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Biographischer Abriss ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich stammte aus der Bukowina, dem östlichsten Teil des ehemaligen österr.-ungarischen Reiches. Seine Eltern, Gutsbesitzer, hatten sich aus der jüdischen Tradition ihrer Vorfahren gelöst und der deutschen Kultur assimiliert, ohne jedoch einer christlichen Kirche beigetreten zu sein. Reich wurde zunächst durch Privatlehrer unterrichtet und besuchte später das Gymnasium der Provinzhauptstadt Czernowitz. Seine Jugend war von tragischen Ereignissen überschattet. Im Alter von zwölf Jahren wurde er durch den Selbstmord seiner Mutter, in dessen Vorgeschichte er sich verstrickt sah, seelisch stark traumatisiert. Fünf Jahre später, 1914, starb Reichs Vater an Tuberkulose, die er sich absichtlich zugezogen hatte. Reich hatte nun die Leitung des Gutes zu übernehmen, schloss daneben seine Schulausbildung mit dem Abitur ab, um anschliessend -- für dreieinhalb Jahre Soldat zu werden. Nach dem Krieg ging Reich, nunmehr mittellos, nach Wien und studierte Medizin (Dr. med. 1922).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich trat schon während des Studiums in Kontakt zu Sigmund Freud und wurde 1920 Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Seine Karriere als Psychoanalytiker, die eine Zeitlang glänzend schien, endete 1934 mit dem Ausschluss aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV). Die Vorgeschichte und der Hintergrund dieser unüblichen Massnahme sind zwar sehr interessant, aber zu komplex, um sie hier zusammenzufassen. Jedenfalls ist die verbreitete Auffassung, Reich sei wegen politischer Aktivitäten, die er einige Jahre lang im Rahmen sozialdemokratischer und kommunistischer Organisationen betrieb, von Freud und den Psychoanalytikern geächtet worden, oberflächlich. Der wahre Grund liegt in dem fundamentalen Gegensatz der &amp;quot;anarchistischen&amp;quot; anthropologischen Position Reichs zu der Freuds (s.u.).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reichs Engagement in der Arbeiterbewegung hatte 1927 begonnen und endete 1933 (ebenfalls mit einem Ausschluss: aus der KPD -- Reich war 1930 nach Berlin übersiedelt). In dieser Zeit veröffentlichte Reich jene Schriften, die später den Anlass für seine Wiederentdeckung durch die Studentenbewegung von 1968ff gaben und ihn weithin als &amp;quot;Freudo-Marxisten&amp;quot; etablierten. Doch Reichs Position ist, wie sowohl die Abstossungsreaktionen von KPD und IPV als auch die zurückhaltende Rezeption Reichs durch die Theoretiker der Studentenbewegung zeigen, weder für Freudianer noch für Marxisten noch für Freudo-Marxisten akzeptabel.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Ausschluss aus den Organisationen, auf deren theoretische bzw. ideologische Ausrichtung er mit seinen Ideen Einfluss nehmen zu können geglaubt hatte, versuchte Reich, unter Verzicht auf jegliche institutionelle Stützung die Eigenständigkeit seiner Position herauszuarbeiten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Erschwernissen des Exils -- ab 1934 in Norwegen, ab 1939 in den USA -- begann Reich ausserdem, seine psychologischen und soziologischen Erkenntnisse durch eigene physiologische, biologische und später auch physikalische Forschungen zu untermauern. Er entwickelte einerseits seine psychotherapeutische Technik (die aus der Psychoanalyse hervorgegangene &amp;quot;Charakteranalyse&amp;quot;) durch Einbeziehung des gesamten Organismus, insbesondere seiner vegetativen Funktionen, zur &amp;quot;Vegetotherapie&amp;quot; weiter (weshalb er heute oft auch als &amp;quot;Vater der Körperpsychotherapien&amp;quot; bezeichnet wird); und er drang andererseits durch gezielte experimentelle Forschung in immer elementarere Bereiche vor, bis er mit dem von ihm so genannten &amp;quot;Orgon&amp;quot; die &amp;quot;primordiale&amp;quot; kosmische Energie entdeckt zu haben behauptete.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reichs wissenschaftlicher Werdegang, sein &amp;quot;Werk&amp;quot;, das hier im Einzelnen weder vorgestellt noch beurteilt zu werden braucht, hat eine strengere innere Konsequenz, als dies in dieser knappen Skizze deutlich werden konnte. Wenn Reich mit seinen Theorien meist Ablehnung, ja Feindschaft provozierte, so scheint die wesentliche Ursache dafür gar nicht in seinen eigentlich wissenschaftlichen Aussagen zu liegen (oder in der Art, wie er sie präsentierte), sondern vielmehr in der ihnen zugrundeliegenden anthropologischen Grundauffassung, auf die allein hier, wo es um Reichs Bedeutung für den [[Anarchismus]] geht, näher einzugehen sein wird.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon im Verlauf seines Konflikts mit Freud und den Funktionären der psychoanalytischen Organisationen, der von diesen keineswegs argumentativ, vielmehr mit den Mitteln der politischen Intrige geführt wurde, wurde Reich als &amp;quot;Sexualanarchist&amp;quot; und &amp;quot;ethischer Anarchist&amp;quot; bezeichnet. Und die spätere, nicht weniger intrigante Kampagne, die in den USA schliesslich zu Reichs Inhaftierung und seinem Tod im Bundesgefängnis von Lewisburg führte, begann 1947 mit einem Magazinartikel folgenden Titels: ''The New Cult of Sex and Anarchy''.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bezeichnungen Reichs als Anarchisten waren vage genug, um die übliche polemische Funktion zu erfüllen; gleichwohl deuten sie durchaus in die ideologische Richtung, der man Reich am ehesten zuordnen könnte. Zwischen Anarchisten und Reich gab es indes nur sehr geringe Kontakte. Eine Rezeption seines Werks durch Anarchisten ist nur in schwachen Spuren erkennbar. Der Nachruf auf Reich, der am 16. November 1957 in der Londoner ''Freedom''  erschien, referiert zwar sein Lebenswerk mit Sympathie, lässt aber nicht erkennen, welchen Wert man diesem für die Theorie des Anarchismus beimass.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich hat sich selbst nie als Anarchist bezeichnet. Er war der Meinung, dass die Anarchisten, gleich welcher Richtung, die ungeheure Problematik der Freiheitsunfähigkeit der gegenwärtigen Menschen stark unterschätzten bzw. ignorierten: &amp;quot;Sie vernachlässigen die hilflose, führungsbedürftige, ja oft autoritätssüchtige Struktur der Masse. Sie sehen nur deren Freiheitssehnsucht; doch diese Sehnsucht darf mit der Fähigkeit, frei zu sein ... nicht verwechselt werden.&amp;quot; (zit. n. Laska, S.71f) Schliesslich hat Reich alle politischen Aktivisten (nicht speziell die Anarchisten), die mit der Parole der Freiheit operierten, verächtlich &amp;quot;Freiheitskrämer&amp;quot; genannt, Leute, die um eines zweifelhaften Profits willen etwas anpreisen, von dem sie selbst nicht wirklich wissen, was es ist.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anthropologische Grundposition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich ist als Erforscher der Freiheitsproblematik in eine Reihe zu stellen mit (nur) zwei anderen aufklärerischen Denkern, die zu ihrer Zeit aufgrund einer ähnlichen Position von fast allen Aufklärern (von den Gegenaufklärern ohnehin) ebenso bekämpft oder geächtet wurden wie er, mit [[Julien Offray de La Mettrie|La Mettrie]] (1709-51) und [[Max Stirner|Stirner]] (1806-56); als Vorläufer dieser dünnen Traditionslinie könnte [[Etienne de La Boëtie]] (1530-63) mit seiner Abhandlung über die &amp;quot;freiwillige Knechtschaft&amp;quot; gelten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich kannte La Mettrie und Stirner; er erwähnt sie aber in seinen Schriften so selten, dass diese ideengeschichtliche Verortung Reichs angesichts der bei ihm im Vordergrund stehenden diversen Bezüge etwa auf Marx und Freud, angesichts seines oft betonten Selbstverständnisses als Naturforscher und angesichts anderer hervorstechender Aspekte seines Lebens und Werks einer ausführlichen Begründung bedürfte. Diese kann hier, schon aufgrund der Fülle des Materials, nicht gegeben werden. Hier kann nur, vergleicht man Reichs Werk mit einem Palimpsest, dessen unterste Schicht, die Reich selbst mehrmals überschrieb und deren Text nur an wenigen Stellen durchscheint, freizulegen versucht werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der Zeit, als Reich sich der psychoanalytischen Bewegung Sigmund Freuds anschloss, hatte diese den inneren Konflikt, der aufgrund der &amp;quot;anarchistischen&amp;quot; -- vermeintlich nihilistischen -- Konsequenz jedes aufklärerischen Denkwegs in den meisten aufklärerischen Gruppierungen nachzuweisen ist, bereits hinter sich: rekonstruierbar anhand einiger, scheinbar marginaler, Ereignisse auf dem psychoanalytischen Kongress 1908. (Anm. 5.11.2002: vgl. hierzu: [http://www.lsr-projekt.de/gross.html Bernd A. Laska: Otto Gross zwischen Max Stirner und Wilhelm Reich], insbesondere das Kapitel 4.1.1)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Psychiater und Nervenarzt Freud hatte damals bereits eine Reihe von Schriften veröffentlicht, in denen er seine Auffassung von der Ätiologie (Verursachung) der Neurosen darlegt. Freud lehrte, es gäbe bereits beim kleinen Kinde berechtigterweise sexuell zu nennende Triebregungen, deren notwendige &amp;quot;Verdrängung&amp;quot; in den psychischen Bereich des &amp;quot;Unbewussten&amp;quot;, wenn sie &amp;quot;missglücke&amp;quot;, zur Entstehung von Neurosen führe; für deren Heilung, d.h. zur Beseitigung der neurotischen Symptome, sei die Aufhebung dieser Verdrängung im psychoanalytischen Verfahren, gefolgt von einer bewussten Verurteilung der freigelegten Triebregung, Voraussetzung. Freud war sich der weit über den medizinischen Bereich hinausreichenden Bedeutung seiner Entdeckungen bewusst und sah sich in der Tradition von Aufklärern wie Feuerbach und Nietzsche.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den wenigen, meist jüngeren Kollegen, die der bereits in seinem sechsten Lebensjahrzehnt stehende Freud (1856-1939) in jenen Anfangsjahren der Psychoanalyse für diese gewinnen konnte, waren zwei, die, unabhängig voneinander, die aufklärerische Potenz der Erschliessung des Unbewussten durch Freud weit höher veranschlagten als dieser selbst: Sándor Ferenczi (1873-1933) und [[Otto Gross]] (1877-1920).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferenczi trug auf jenem Kongress 1908 seine Gedanken über die allgemeineren Konsequenzen der Freud'schen Entdeckungen vor. Er vertrat, bestimmter als Freud, die Auffassung, dass von jener &amp;quot;missglückten&amp;quot; Verdrängung im Grunde jeder, also auch der symptomfreie &amp;quot;Normale&amp;quot; betroffen sei. Die bei jedem Menschen vorhandenen, verdrängten und durch die Verdrängung im Unbewussten &amp;quot;zu einem gefährlichen Komplex antisozialer und selbstgefährlicher Instinkte&amp;quot; gewordenen &amp;quot;Gedanken und Strebungen&amp;quot; könnten nur mit einem hohem Aufwand, &amp;quot;durch das automatische Wirken gewaltiger Schutzvorrichtungen unterdrückt...werden, [d.h.] mit moralischen, religiösen und sozialen Dogmen.&amp;quot; Diese irrationale Funktionsweise der Verhaltenssteuerung durch &amp;quot;unappellierbare Prinzipien&amp;quot;, argumentierte Ferenczi, sei nicht nur mit sehr viel überflüssiger Seelenqual und geminderter Genussfähigkeit verbunden, sondern obendrein offenkundig unzweckmässig. Die gesellschaftlich zu beobachtenden &amp;quot;Äusserungen der illogischen Arbeitsweise des Verdrängten&amp;quot; gäben Anlass, die bestehende, auf jenen Dogmen basierende Ordnung, die sich mittels derart zugerichteter Individuen &amp;quot;seit undenklichen Zeiten&amp;quot; immer wieder reproduziert, grundsätzlich in Frage zu stellen. Die durch Freuds Erkenntnisse ermöglichte &amp;quot;innere Revolution&amp;quot;, so Ferenczi, könnte &amp;quot;die erste Revolution [sein], die der Menschheit eine wirkliche Erleichterung schüfe...&amp;quot; (zit. n. Sándor Ferenczi: Zur Erkenntnis des Unbewussten. Frankfurt/M 1989. S.63ff, 178ff)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Otto Gross, den Freud zeitweilig für einen der fähigsten Köpfe unter seinen Schülern hielt, vertrat auf dem gleichen Kongress ähnliche Auffassungen. Die beiden jungen Psychoanalytiker hatten die Vision eines Neuen Menschen: das wirklich freie, autonome, selbstbestimmte, d.h. das psychisch &amp;quot;gesunde&amp;quot; Individuum, sei, so Ferenczi, zwar nicht durch Massentherapie, aber durch Massenprophylaxe, also durch einen &amp;quot;radikalen Umsturz in der Pädagogik&amp;quot; auf der Grundlage der Freud'schen Entdeckungen in den Bereich des Möglichen gerückt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freud indes hielt wenig von diesen Konsequenzen seiner Lehre. Er brüskierte Gross nach seinem Vortrag 1908 mit der Ermahnung: &amp;quot;Wir sind Ärzte und wollen Ärzte bleiben.&amp;quot; (Ein schieres Machtwort -- denn Freud selbst war stets nur notgedrungen Arzt.) Und er verweigerte Ferenczi die dringend erbetene Stellungnahme. Stattdessen veröffentlichte er noch im gleichen Jahre seine Schrift ''Die 'kulturelle' Sexualmoral und die moderne Nervosität'', in der er, wie in einigen nachfolgenden, die kulturkonservative Generallinie der Psychoanalyse festlegte. Weder Ferenczi noch Gross gelang es, in der von Freud unangefochten dominierten psychoanalytischen Bewegung Interesse für ihre anarchistische Perspektive zu wecken. Gross wurde bald zum &amp;quot;Fall&amp;quot; und starb, von Freud ignoriert, im Jahre 1920. Ferenczi unterband seine radikalen Ambitionen und wurde für lange Zeit Freuds engster Mitarbeiter.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich scheint, als er sich 1920 der psychoanalytischen Bewegung anschloss, von dem mehr als ein Jahrzehnt zurückliegenden, von Freud im Keim erstickten &amp;quot;anarchistischen&amp;quot; Vorstoss nicht erfahren zu haben. Seine Beiträge zur psychoanalytischen Diskussion, die Anfang der 20er Jahre einsetzten, waren zunächst vorwiegend technischer Natur und liessen seine weltanschauliche Position kaum erkennen. Postum wurden aber Tagebucheinträge des jungen Reich bekannt, von denen der prägnanteste ein Schlaglicht auf seine von Beginn an bestehende, zunächst verborgene &amp;quot;anarchistische&amp;quot; Opposition wirft: &amp;quot;Max Stirner, der Gott, der 1844 sah, was wir 1921 nicht sehen!&amp;quot; (Zit. n. Laska, S.16) Wir -- damit sind natürlich sie, die psychoanalytischen Kollegen, gemeint.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Öffentlich erwähnte Reich den verpönten Stirner, dem er hier einen sonst von ihm nie verliehenen superlativischen Titel gab, nirgends; die Nennung von dessen ''Einzigem'' in der Bibliographie seines letzten grösseren Werkes, ''Christusmord'' (1953, dt. 1978), verrät allerdings dessen dauerhaften latenten Einfluss. Reich vermied zunächst, innerhalb der psychoanalytischen Bewegung mit Argumenten zu operieren, die als ideologisch motiviert erscheinen könnten. Seine Strategie bestand vielmehr darin, durch Publikation der Ergebnisse seiner oft als herausragend anerkannten, rein klinischen Arbeit scheinbar beiläufig die ideologische Begrenztheit der von Freud geprägten Psychoanalyse aufzuzeigen, in erster Linie deren Unvermögen, zu einem anderen Heilungs- bzw. Gesundheitskriterium zu kommen als dem der Realitätstüchtigkeit und Angepasstheit in der jeweils vorgefundenen Gesellschaftsordnung.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich entwickelte, auf der Basis der Freud'schen Lehre von der sexuellen Ätiologie der Neurosen, ein solches Kriterium, das nicht solchermassen beliebig, sondern an der psycho-physischen Organisation des Menschen orientiert war: die volle sexuelle Befriedigbarkeit bzw. orgastische Potenz. In Reichs Typologie der Charaktere, die aus der psychoanalytischen hervorging, hiess der nach diesem Kriterium Gesunde: genitaler Charakter; dieser war zugleich (was hier nicht begründet werden kann) auch der wahrhaft freie, autonome, sich selbst steuernde Mensch -- der allerdings mit der derzeit bestehenden, von der massenhaften Neurose geprägten Gesellschaftsordnung eher in Konflikt als in Frieden lebt.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freud -- ebenso der Tross der Psychoanalytiker -- wollte diesen zweiten &amp;quot;anarchistischen&amp;quot; Vorstoss innerhalb der Psychoanalyse wiederum erst gar nicht diskutieren, sondern ebenso ersticken wie den ersten: er schwieg nachhaltig. Doch Reich blieb standhaft widersetzlich und festigte seine Position mit weiteren soliden klinischen Arbeiten, so dass Freud schliesslich nur noch den Ausweg sah, Reich mit administrativen Mitteln kaltzustellen -- was bald geschah. Dieser Coup, sein Gelingen in einer Gruppe, die sich dezidiert als aufklärerisch, freigeistig, liberal etc. verstand, sowie der nachfolgende Umgang mit ihm ist in seinen verschiedenen Aspekten eines der erhellendsten, gleichwohl ein noch ungeschriebenes Kapitel zur Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die praktische Bedeutung des Kriteriums der &amp;quot;orgastischen Potenz&amp;quot; schätzte Reich dabei nicht einmal hoch ein. Denn es war offenkundig, dass nach Lage der Dinge, bei konstatierter Massenhaftigkeit der Neurose, mit therapeutischen Anstrengungen kaum ein nennenswerter Erfolg zu erreichen war -- oft nicht einmal beim Individuum, das aus verschiedensten Gründen gar nicht nach diesem Kriterium zu heilen war. Sollte jene grosse, qualitativ neue &amp;quot;innere Revolution&amp;quot; (s.o.) stattfinden, sollten neue, aufgeklärte, erstmals freiheitsfähige Menschen entstehen, so konnte dies nur durch Neurosenprophylaxe im Massenmassstab, durch Umwälzung der Erziehungspraxis, bewirkt werden -- was einer &amp;quot;äusseren Revolution&amp;quot; gleichkäme.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine radikale Reform der Erziehung hatte schon Ferenczi 1908 gefordert, zu Freuds Verdruss mit vage anarchistischem Anklang. Doch Ferenczi hatte auch später noch, als er zu Freuds engstem Kreis gehörte, prophezeit, eine solche psychoanalytisch aufgeklärte Reform führe zu einer gesellschaftlichen &amp;quot;Neuordnung ... die nicht nur auf die Interessen einzelner Mächtiger Rücksicht nimmt.&amp;quot; Jede Einschränkung der Individualität, der &amp;quot;Staat&amp;quot;, dürfe allenfalls &amp;quot;eines der Mittel zum Wohle des Individuums sein.&amp;quot; (Ferenczi, a.a.O., S. 215f)  Warum tolerierte Freud jetzt (und später) derartige Ansichten bei seinen Schülern, während er Reichs Position nicht ertrug?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grund scheint im Kern darin zu liegen, wie Reich die Neurosenprophylaxe durch Erziehungsreform, die Hervorbringung des neuen, freiheitsfähigen Menschen, konzipierte. Ferenczi hatte geschrieben, die &amp;quot;durch die Psychoanalyse belehrte Pädagogik&amp;quot; der Zukunft werde mit den verschiedensten Methoden operieren, jedenfalls &amp;quot;mit kluger Diplomatie ... die Charakterbildung in zweckmässige Bahnen lenken.&amp;quot; Dieses Projekt, die Aufstellung besserer, humanerer, effektiverer, jedenfalls positiver Erziehungsregeln und -ziele, die auf ein gesellschaftliches Ideal ausgerichtet sind, entsprach den Vorstellungen auch vieler anderer Psychoanalytiker. In Freuds neuer, 1923 eingeführter Terminologie liesse es sich so formulieren: die (dank psychoanalytischer Erkenntnisse) auf schonende Weise erfolgende Introjektion eines ideal konzipierten Über-Ich. Dieses Über-Ich, das im Individuum als Sitz von Wertempfinden, Moral, Gewissen etc. fungiert, sollte nicht zu schwach sein -- damit es das erwünschte Verhalten durchsetzen kann -- und nicht zu stark -- damit es nicht zu Leistungsminderung, Krankheit oder sozialen Auffälligkeiten kommt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich wandte sich in einer Arbeit [http://www.lsr-projekt.de/wrzwang.html ''Der Erziehungszwang und seine Ursachen''] (1926, s. Laska, S. 142) gegen dieses Konzept. Er hob dort die Wirksamkeit unbewusster Motive der (neurotischen) Erzieher hervor, sprach von &amp;quot;Erziehung als Neuroseäquivalent der Erwachsenen&amp;quot; und führte eine Reihe psychoanalytischer Argumente auf, warum aktive Erziehung, auch bei besten Absichten, zur Neurotisierung der Heranwachsenden führt. Reich gab deshalb &amp;quot;nur eine negative Regel: Enthaltsamkeit in der Erziehung bis zum äussersten, Einschränkung der Erziehungsmassnahmen auf die allernotwendigsten Versagungen.&amp;quot;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders formuliert, ging es für Reich darum, dass zu verhindern wäre, dass im Individuum ein Über-Ich im Freud'schen Sinne entsteht. Denn diese psychische Instanz als solche ist -- und beinhalte sie die &amp;quot;richtigsten&amp;quot;, ja anti-autoritäre, Normen -- der Inbegriff von Heteronomie. Entscheidend jedoch ist die durch mehrtausendjährige Menschheitspraxis belegte und durch konsequente psychoanalytische Forschung aufgeklärte Kontraeffektivität der Verhaltenssteuerung durch ein Über-Ich: &amp;quot;'Moral' schafft erst dasjenige Triebleben, zu dessen sittlicher Beherrschung sie sich berufen ausgibt; und der Wegfall dieser Moral ist die Vorbedingung des Wegfalls der Unmoral, die zu beseitigen sie sich vergeblich bemüht.&amp;quot; (zit. n. Laska, S.78) Reichs Programm zur Verwirklichung des neuen, freiheitsfähigen, sich selbst steuernden, wahrhaft autonomen Menschen lautet, in Freud'scher Terminologie: Abbau und schliessliche Eliminierung des Über-Ich.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich selbst beschrieb sein Programm nicht in diesen Begriffen. Dafür gab es mehrere Gründe: persönliche (die in seinem Verhältnis zur Person Freud liegen), taktische (die mit seiner Stellung in der Gruppe der Psychoanalytiker zu tun haben), vor allem aber sachliche: Indem Reich sich mit der Entwicklung der Psychoanalyse zur Charakteranalyse und zur (den Gesamtorganismus einbeziehenden) Vegetotherapie von der psychoanalytischen Orthodoxie entfernte, entwickelte er auch eigene Modellvorstellungen und Termini, die von denen der Freud'schen Metapsychologie (Es, Ich, Über-Ich) abweichen. Er sprach nun z.B. von der &amp;quot;physiologischen Freiheitsunfähigkeit&amp;quot; des jetzigen Menschen, die zu erkennen und zu bewältigen sei, damit der Kampf um Freiheit nicht mehr, wie bisher stets, in eine neue Art von Unfreiheit münde. (vgl. dazu: Massenpsychologie..., S.308-348)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vorliegender Darstellung wurde, zugunsten der Allgemeinverständlichkeit, so weit wie möglich auf (Reich'sche wie Freud'sche) Fachausdrücke verzichtet. Einige waren freilich unvermeidbar, und da schien es am zweckmässigsten, jene zu verwenden, die, wie etwa &amp;quot;Über-Ich&amp;quot;, bereits weitgehend in die Normalsprache eingegangen sind. Massgeblich war ihre Verwendbarkeit für den Zweck dieses Artikels: Reichs Bezug zur Theorie der Anarchie freizulegen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reichs potentielle Bedeutung für den Anarchismus ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der neuzeitlichen Aufklärung haben einige der berühmtesten ihrer Vertreter gerade diejenigen Denker, die die anarchistischen Konsequenzen eines genuin aufklärenden Denkens hervorhoben und auszuarbeiten versuchten, erbittert bekämpft, und zwar bezeichnenderweise nicht nach den von ihnen selbst propagierten Regeln rationaler, fairer Argumentation, sondern -- wie Reich verächtlich sagen würde -- auf &amp;quot;politikante&amp;quot; Weise: durch Intrige, Verleumdung, Totschweigen etc. Ihren bis heute anhaltenden Publikumserfolg verdankten sie dann nicht zuletzt ihrem kastrierenden Plagiieren, virtuosen Zerreden und gelehrsamen Verschütten der von ihnen im Denken jener Verfemten aufgespürten radikalen Inhalte. So lässt sich, aus heuristischen Gründen zugespitzt, das Verhältnis der französischen Aufklärer des 18. Jahrhunderts zu La Mettrie, das von Marx und Nietzsche zu Stirner und das Freuds und der Psychoanalytiker zu Reich auf den Punkt bringen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle der &amp;quot;klassischen&amp;quot; anarchistischen Theoretiker in diesem Prozess liesse sich am besten an ihrem Verhältnis zu Stirner aufzeigen (vgl. a. [[Individualistischer Anarchismus]]). Reich, der ab Mitte der 20er Jahre wirkte, wurde von späteren anarchistischen resp. libertären Autoren nur sehr selten und jedenfalls nicht in seiner radikalen Spezifität wahrgenommen. Man kann deshalb nur von seiner potentiellen Bedeutung für die anarchistische Theorie/Praxis sprechen. Um sie zu bestimmen, scheint -- aus den angedeuteten Gründen -- eine Revision des gesamten Prozesses der &amp;quot;sozialistisch&amp;quot; und/oder &amp;quot;liberalistisch&amp;quot; abgebogenen Aufklärung erforderlich; oder, richtig herum gesagt: um zu einem Verständnis der Degeneration der neuzeitlichen Aufklärung und des Schicksals ihrer anarchistischen Komponenten zu kommen (und daraus Schlüsse für die gegenwärtige Situation zu ziehen), erscheint das klärende Eruieren der Rolle Reichs (sowie Stirners und La Mettries) in diesem Prozess (das &amp;quot;LSR-Projekt&amp;quot;) als erfolgversprechender Ansatz.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Von Reich (Auswahl)'''  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Sexuelle Revolution, Frankfurt/M 1966 (1936)&lt;br /&gt;
* Die Funktion des Orgasmus, Köln 1969 (engl. Übers.1942)&lt;br /&gt;
* Massenpsychologie des Faschismus, Köln 1971 (engl. Übers.1946, Urfassung 1933)&lt;br /&gt;
* Charakteranalyse, Köln 1970, neue Teilübers. 1989 (engl. Übers.1949, Urfassung 1933)&lt;br /&gt;
* Christusmord, Olten u. Freiburg 1978 (engl. Orig.1953)&lt;br /&gt;
* Menschen im Staat, Frankfurt/M 1982, neu ed. 1995 (engl. Übers.1953)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Über Reich (Auswahl)''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bernd A. Laska, Wilhelm Reich, Reinbek (1981), 5., aktualisierte Auflage 1999 (enth. Bibliographie)&lt;br /&gt;
* Myron Sharaf, Wilhelm Reich, Berlin 1994 (engl.1983)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
---------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
 &lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Marsden,_Dora&amp;diff=3683</id>
		<title>Marsden, Dora</title>
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				<updated>2006-10-24T15:15:45Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dora Marsden''', geb.: 5. März 1882 in Marsden/Yorkshire/England; gest.: 13. Dezember 1960 in Dumfries/Schottland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lebensskizze ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marsden wurde am 5. März 1882 in Marsden, einem kleinen Ort in der Nähe der Industriestadt Huddersfield in der englischen Grafschaft Yorkshire als das vierte von fünf Geschwistern geboren. Ihr Vater war Besitzer einer kleinen Textilfabrik. Als er, hauptsächlich durch eigenes Verschulden, diese Existenzgrundlage verlor, verliess er 1890 seine Familie, so dass Marsden von da an in sehr kargen Verhältnissen aufwuchs. Marsden besuchte eine Schule -- übrigens eine der wenigen von kirchlichen Einflüssen  freien --, die ihr im Alter von dreizehn Jahren die Möglichkeit bot, die unteren Klassen zu unterrichten und so zum Unterhalt der Familie beizutragen. Obwohl sie aufgrund dieser Laufbahn bereits mit achtzehn Jahren die Qualifikation einer Lehrerin erworben hatte, wechselte sie nicht ins Berufs- bzw. Erwerbsleben, sondern bewarb sich -- erfolgreich -- um ein Stipendium für ein Universitätsstudium in Manchester. Auf drei Jahre vollbezahltes Studium folgten verpflichtungsgemäss fünf Jahre Tätigkeit als Lehrerin.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon während des Studiums hatte sich Marsden in der britischen Frauenrechtsbewegung (suffragettes) engagiert. Nach Ablauf ihrer Pflichtzeit als Lehrerin -- und nachdem sie 1909 wegen politischer Aktivitäten verhaftet worden war -- nahm sie eine hauptamtliche Stellung bei der WSPU (Women's Social and Political Union) an und wurde als Organisatorin und kämpferische Anführerin mehrerer spektakulärer Kampagnen landesweit bekannt. Trotz bzw. wegen ihres mutigen Einsatzes für die Sache der Frauen geriet Marsden in immer stärkeren Konflikt mit der autoritären Führung der WSPU, die eine moderatere Politik favorisierte, so dass sie Anfang 1911 mit dieser Organisation brach.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig entwickelte Marsden die während des Studiums begonnene philosophische Fundierung ihres politischen Engagements weiter. Dies ist im Detail zu verfolgen in ihren Beiträgen zu den Zeitschriften, die sie, mit finanzieller Unterstützung wohlhabender Gönnerinnen, vornehmlich der Schriftstellerin  Harriet Shaw Weaver (1876-1961), in den folgenden Jahren in London herausgab: ''The Freewoman'' (November 1911 bis Oktober 1912), ''The New Freewoman'' (Juni 1913 bis Dezember 1913) und ''The Egoist'' (Januar 1914 bis Dezember 1919). Wie die Abfolge der Titel, so signalisieren auch die wechselnden Untertitel Marsdens Entwicklung in der hier hauptsächlich interessierenden Phase von 1912 bis 1914: Aus ''A Weekly Feminist Review'', dem das Suffragettentum zu eng war, wurde schon im Mai 1912 ''A Weekly Humanist Review'' und im Juni 1913 ''An Individualist Review'' -- das wenig später den dauerhafteren Titel ''The Egoist'' bekam. In diese Zeit fällt auch Marsdens Entwicklung zum [[Anarchismus]] und ihre &amp;quot;Transzendenz&amp;quot; desselben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marsdens Zeitschriften hatten jedoch keine ausdrückliche politische Zielsetzung, sondern stellten in erster Linie Produkte der damaligen anglo-amerikanischen literarischen Avantgarde (futurism, modernism, egoism, imagism, vorticism etc.) vor. Einige später berühmt gewordene Schriftsteller waren mehr oder weniger eng mit ihnen verbunden. Ezra Pound, T.S. Eliot, D.H. Lawrence, Wyndham Lewis, Herbert Read und andere publizierten hier ihre frühen Versuche; James Joyce liess sein ''Portrait of the Artist as a Young Man'' erstmals in ''The Egoist'' in Fortsetzungen drucken.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Artikeln, die Marsden selbst im Anschluss an jene Phase von 1912 bis 1914 in ''The Egoist'' schrieb, tritt immer mehr ihr Bestreben hervor, ihre eigene, zunächst [[individualistischer Anarchismus|individualanarchistische]], dann prononciert &amp;quot;egoistische&amp;quot; Philosophie und ihre daraus abgeleiteten politischen Auffassungen mittels der neuesten Erkenntnisse der Naturwissenschaften auf eine neue, noch zu schaffende Anthropologie zu gründen und diese in eine ebenfalls neuartige Kosmologie einzubetten. Achtzehn Artikel unter dem Serientitel ''The Science of Signs'' (1916-1919) waren der Anfang dieser Bemühungen, die Marsden bis Ende der Zwanziger Jahre fortsetzte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um für diese philosophischen Ambitionen mehr Zeit zu haben, überliess Marsden bereits 1915 die Redaktionsarbeit weitgehend einigen engagierten Mitarbeitern (Weaver, Pound, Eliot). Und 1920, nach dem Ende von ''The Egoist'', zog sie sich an einen abgeschiedenen Ort im Lake District zurück, wo sie, allein mit ihrer Mutter, die nächsten eineinhalb Jahrzehnte verbrachte. In diesen Jahren der selbstgewählten Isolation arbeitete Marsden an ihrem &amp;quot;grossen Werk&amp;quot;, das sich immer mehr ausweitete und Mathematik, Physik, Biologie und -- Theologie einbezog. Von dem schliesslich auf sechs Bände angelegten Opus erschienen jedoch, wieder von ihrer treuen Freundin und Mäzenin Harriet Shaw Weaver in deren &amp;quot;Egoist Press&amp;quot; verlegt, nur zwei Titel: ''The Definition of the Godhead'' (1928) und ''Mysteries of Christianity'' (1930).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses in zehn mühevollen Jahren erarbeitete Werk, in dem Marsden ihre früheren feministischen, anarchistischen und egoistischen Auffassungen integrieren und, unabhängig von Mehrheitsmeinungen, als &amp;quot;wissenschaftlich wahr&amp;quot; erweisen wollte, stiess nicht nur beim breiten Publikum, sondern auch bei ihren früheren Mitstreiter/inne/n, auf völliges Desinteresse. Hauptsächlich deshalb erlitt Marsden 1930 einen &amp;quot;Zusammenbruch&amp;quot;, von dem sie sich nur noch für einige jeweils kurze Zeitspannen etwas erholen sollte. Als schliesslich 1935 ihre Mutter starb, versank Marsden in &amp;quot;tiefe Melancholie&amp;quot; und wurde von Verwandten in ein Heim für psychisch Kranke in Dumfries/Südschottland gebracht. Dort lebte sie noch fünfundzwanzig Jahre, ohne je wieder die Arbeit an ihrem schriftstellerischen Werk aufzunehmen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &amp;quot;Max Stirner des Feminismus&amp;quot;? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung von Marsdens Theoriebildung interessiert hier nur insofern näher, als sie direkt mit dem Thema [[Anarchismus]] zu tun hat, also in der relativ kurzen Zeitspanne von ca. 1912 bis 1914. Vor 1912 hatte sich Marsden von einem sozialistischen über einen feministischen und humanistischen zu einem individualistischen Standpunkt entwickelt, den sie zuletzt einen egoistischen nannte und in dem all die vorhergehenden &amp;quot;aufgehoben&amp;quot; sein sollten. Literarische &amp;quot;Egoismen&amp;quot; waren seit ca. 1890 verstärkt, meist vom Kontinent, in den angelsächsischen Bereich gedrungen (Nietzsche, Barrès u.a.), so dass in Marsdens ''Freewoman'' schon affirmativ von Egoismus die Rede war, bevor der Name [[Max Stirner|Stirner]] fiel. Der amerikanische Kulturkritiker Floyd Dell titulierte Marsden dennoch schon damals -- aufgrund ihres programmatischen Eröffnungsartikels (''Bondwomen'', 23.11.1911) -- bewundernd als &amp;quot;Max Stirner des Feminismus&amp;quot; (''Women as World Builders'', S. 103).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich schien Marsden Stirners ''[[Der Einzige und sein Eigentum|Einzigen]]'', nachdem er 1912 in London als ''The Ego and His Own'' erschienen war, ganz aussergewöhnlich zu schätzen. Sie sprach von dem Buch sogar einmal, entgegen ihren Gepflogenheiten, enthusiastisch mit einem rückhaltlosen Superlativ: es sei (nicht &amp;quot;one of the&amp;quot;, sondern) &amp;quot;the&amp;quot; &amp;quot;most powerful work&amp;quot;, das je erschienen sei (1.9.1913). -- Wer die merkwürdigen Wege der Stirner-Rezeption kennt, insbesondere die der zustimmenden (Mackay, Ruest, Jünger; vgl. Laska, 1996), wird jedoch auch hier genauer hinsehen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals war Marsden in ihrem Artikel ''The Growing Ego'' (8.8.1912) auf Stirner eingegangen. Ein namentlich nicht genannter Korrespondent habe sie gebeten, Stirners Lehre eingehend zu prüfen. Dies, sagt sie dort eingangs, werden &amp;quot;wir&amp;quot; (sie verwendet hier stets den Plural) gewiss in Kürze tun; zunächst jedoch ginge es darum, des überwältigenden Einflusses Herr zu werden, den Stirners Buch auf uns ausübe, und zwar, indem wir die tiefe Wahrheit, die es enthält, erst einmal zurückstellen und stattdessen die &amp;quot;abrupte und unmögliche Beendigung seines Gedankengangs&amp;quot; exponieren.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marsden verfährt dann wie folgt: Sie relativiert und depotenziert Stirner, indem sie, wie viele Autoren vor und nach ihr, seine Lehre als tautologische interpretiert. Stirner habe zwar Moral, Religion, Gott und den Menschen als externe Mächte, die auf das Ich wirken, vernichtet -- was übrigens nichts Grossartiges sei, da diese ohnehin irreal seien -- aber: &amp;quot;Wenn das Ich nun selbst Moral oder Religion oder Gott realisieren will, dann wird es, da es ja souverän ist, auch dies tun.&amp;quot; Das Problem läge also im jeweiligen Ich. Es gäbe glücklicherweise einige wenige &amp;quot;positive Personen, die wir Persönlichkeiten nennen&amp;quot;; und von ihnen, den &amp;quot;Dichtern und kreativen Denkern&amp;quot;, könnten wir (die wir, incl. Marsden?, das nicht sind) erfahren, was ein solches positives Ich &amp;quot;realisiert&amp;quot;. Dies sei vor allem die Gottesidee. Sie entspränge spontan aus dem Ich und habe nichts mit externer Autorität zu tun. Fazit: &amp;quot;Stimmen wir Stirner darin zu, dass Gott das Ich weder postuliere noch beherrsche. Aber das Ich postuliert sehr wohl Gott...&amp;quot;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marsdens Abwehr des &amp;quot;überwältigenden Einflusses&amp;quot; Stirners macht den Eindruck des Voreiligen. Wie sie mit Stirner fertig wurde, lässt sich allerdings nur erschliessen, denn die eingehende argumentative Auseinandersetzung mit ihm, die sie in Aussicht stellte, hat sie nie geschrieben. Stattdessen liest man ein Jahr später das zitierte überschwengliche -- aber zugleich merkwürdig beiläufig und isoliert dastehende, vor allem aber zuvor dementierte -- Urteil über den ''Einzigen''. Bald darauf, als Antwort auf Leserbriefe, die Marsden trotzdem vorwerfen, ihre Zeitschrift sei eine rein &amp;quot;stirnerianische&amp;quot;, schreibt sie (15.1.1914), dies sei, einen gewissen Einfluss Stirners durchaus zugestanden, bestimmt nicht das treffende Adjektiv für das inzwischen als ''The Egoist'' firmierende Periodikum.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Aussage traf zu. Marsden hatte Stirner ohne öffentliche Argumentation ''ad acta''  gelegt. In ''The Egoist'' wurde er kaum mehr erwähnt, allenfalls noch gelegentlich eine seiner kraftmeierischen Sentenzen paraphrasiert. In der eingangs erwähnten Artikelserie, mit der Marsden ihre &amp;quot;egoistische&amp;quot; Anthropologie und Kosmologie zu entwickeln begann, erscheint Stirner nicht mehr, nicht einmal in dem Kapitel, das ''The 'I' and the 'Ego'. A differentiation'' (Sept. 1916) überschrieben ist. Das Urteil Floyd Dells, Marsden sei das (weibliche, anglo-amerikanische) Pendant Stirners, das gelegentlich heute wieder zu lesen ist, steht also kaum auf solidem Grund.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Anarchismus zum Archismus ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenngleich Marsden einer Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen ist, so hat sie doch eklektisch einige markige -- jedoch keine der wesentlichen und spezifischen -- Thesen von ihm übernommen. Die Art ihrer selektiven Aneignung zeigte sich insbesondere in der Kontroverse, die sie mit [[Benjamin Tucker|Tucker]] in ihren Zeitschriften ausfocht (vgl. Parker 1986, beide Artikel).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Benjamin R. Tucker (1854-1939) war von 1881 bis 1907 Herausgeber der in New England (Boston, New York) erschienenen individual-anarchistischen Zeitschrift ''Liberty'' gewesen. Darin hatte Ende der 1880er Jahre der polyglotte Journalist James L. Walker den damals auch in Deutschland noch kaum bekannten Stirner zur Diskussion gestellt. Die Folge war eine unversöhnliche Polarisierung, sowohl bei der Leserschaft als auch innerhalb der Redaktion. Die moralisch entrüsteten Gegner Stirners kündigten Abonnement und Mitarbeit. Doch auch mit Tucker und den verbliebenen Mitarbeitern wurde ''Liberty'' keineswegs stirnerianisch. Das Thema Stirner wurde vielmehr in den Spalten der Zeitschrift nur kurz und verhalten diskutiert und bald &amp;quot;vergessen&amp;quot;. Mit zwanzigjähriger Verzögerung brachte Tucker schliesslich 1907 doch noch die erste englische Übersetzung des ''Einzigen'' heraus. Kurz darauf beendete er -- ein Brand hatte seinen Verlag zerstört -- seine publizistische Karriere und ging nach Frankreich, um dort den Rest seines Lebens in Zurückgezogenheit zu verbringen (vgl. [[individualistischer Anarchismus]]).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tucker unterbrach sein resigniertes Schweigen nach 1907 jedoch einmal, weil Marsdens Neugründung ''The Freewoman'' ihn wieder etwas optimistisch stimmte. Er schrieb ab Juni 1913 in ''The New Freewoman'': meist Korrespondenzen aus Paris, aber auch theoretische Artikel, in denen er, wie schon in ''Liberty'', für den [[Pierre-Joseph Proudhon|Proudhon]]'schen [[Mutualismus]] warb. Ein Sozialvertrag sei für das gesellschaftliche Leben praktisch unverzichtbar; und ein solcher, in dem der Bürger sich nicht gegenüber Gott und dem Fürsten, sondern nur gegenüber seinem eigenen Gewissen verpflichtet, &amp;quot;müsste doch auch für Max Stirner und seinen 'Verein von Egoisten' akzeptabel gewesen sein&amp;quot;. -- Marsden erwiderte, eine solche Gesellschaft wäre im Effekt repressiver als alle bisherigen, denn der ins Gewissen verlegte &amp;quot;Staat&amp;quot; wäre allgegenwärtig. Sie sah in Tuckers &amp;quot;individualistischem&amp;quot; Anarchismus keinen wesentlichen Unterschied zum kollektivistischen und bezeichnete (auch) ihn als &amp;quot;kleriko-libertäre&amp;quot; Lehre -- eine Kritik, bei der sie sich durchaus hätte auf Stirner berufen und ausrufen können: &amp;quot;Unsere Anarchisten sind fromme Leute!&amp;quot;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tucker war erbost und brach schliesslich die Kontroverse ab. Er sprach Marsden ab, Anarchistin zu sein, bezeichnete sie stattdessen als &amp;quot;Archistin und Egoistin&amp;quot; und zog sich, im März 1914, endgültig aus der öffentlichen Diskussion zurück. Marsden griff diese polemische Bezeichnung positiv auf und bekannte sich in einer direkten Replik (2.3.1914) und in einem späteren Artikel über ''Die Illusion des Anarchismus'' (15.9.1914) zum &amp;quot;Archismus&amp;quot;. Jedes Lebewesen, sagte sie, sei von Geburt archistisch: denn es suche mit allen Mitteln, seine Interessen gegen die der anderen durchzusetzen. Der Anarchismus hingegen predige -- &amp;quot;wie jede Kirche&amp;quot; -- der Mensch solle seinen angeborenen Archismus=Egoismus verleugnen; eine &amp;quot;innerliche geistige Polizei&amp;quot;, das Gewissen, solle ihm seinen natürlichen Drang zur Domination und zur unverkürzten Befriedigung seiner Wünsche verbieten. Manche Anarchisten seien zwar dafür, dass das Ich souverän &amp;quot;herrsche&amp;quot;, aber nur dann, wenn es sich zuvor in bestimmter Weise verändert habe. Marsden indes als Archistin meine die real existierenden, unveränderten Individuen, deren Iche, deren spontane Wünsche und Bedürfnisse sowie deren &amp;quot;vulgäre Befriedigung, ganz nach ihrem Gusto -- ein Fass für Diogenes, ein Kontinent für Napoléon, ein Konzern für Rockefeller.&amp;quot; (Und was für Dora Marsden?) Auf Tuckers Hinweis, dass genau so ja die bisherige Geschichte verlaufen sei, erwiderte Marsden, dies zeige eben -- im Einklang mit dem philosophischen Pragmatismus -- dass das Konzept richtig sei. Je eher also die Elenden zu Archisten würden, d.h. ihre eigenen Interessen verträten, desto besser (2.3.1914).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diskussion zwischen Marsden und Tucker berührte das sowohl theoretisch wie praktisch zentrale Problem jedes konsequenten und radikalen (nicht bloss &amp;quot;sozialistischen&amp;quot;) Anarchismus: das anthropologische Phänomen, das man als das der &amp;quot;freiwilligen Knechtschaft&amp;quot;/ des &amp;quot;Gewissens&amp;quot; als verinnerlichte Herrschaftsinstanz/ der &amp;quot;Enkulturation&amp;quot; jedes Neugeborenen in eine in Jahrtausenden gewachsene Gesellschaftsform/ des unbewusst und irrational dem Individuum implantierten &amp;quot;Über-Ich&amp;quot; o.ä.  (vgl. hierzu [http://www.lsr-projekt.de/msnega.html ''Die Negation des irrationalen Über-Ichs bei Max Stirner''])  benennen und zu umschreiben versuchen kann. Kennzeichnend für diese Diskussion zweier oft als Stirnerianer bezeichneter Protagonisten ist, dass sie, wie viele andere Denker auch (vgl. Laska, 1996), die Qualität der von Stirner gegebenen Fassung des Problems nicht einmal wahrnahmen und, vermeintlich oder vorgeblich Stirner weiterführend, vor ihm auswichen: Tucker in den individualistischen Anarchismus und Marsden zunächst in einen assertiven Trivial-Egoismus, genannt &amp;quot;Archismus&amp;quot;, später in einen mystizistisch-kosmologischen &amp;quot;All-Egoismus&amp;quot;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dora Marsdens Artikel und Kommentare in:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* The Freewoman, 1 vol., 23rd Nov 1911 to 10th Oct 1912;&lt;br /&gt;
* The New Freewoman, 1 vol., 15th Jun 1913 to Dec 1913 (Reprint 1967);&lt;br /&gt;
* The Egoist, 6 vols., Jan 1914 to Dec 1919 (Reprint 1967). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://www.nonserviam.com/egoistarchive/marsden/index.html Marsdens Artikel im Internet]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bibliographien in Garner und Clarke (s.u.)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sekundärliteratur:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
speziell:&lt;br /&gt;
* Sidney E. Parker: The New Freewoman. Dora Marsden &amp;amp; Benjamin R. Tucker. In: Benjamin R. Tucker and the Champions of Liberty, ed. by Michael E. Coughlin, Charles H. Hamilton, Mark A. Sullivan. New York 1986. pp.149-157;&lt;br /&gt;
* Sidney E. Parker: Archists, Anarchists and Egoists. In: The Egoist (London), Nr.8 (1986), pp.1-6. &lt;br /&gt;
* Les Garner: A Brave and Beautiful Spirit. Dora Marsden 1882-1960. Aldershot, Hants., GB 1990. 214pp.&lt;br /&gt;
* Bruce Clarke: Dora Marsden and Early Modernism. Gender, Individualism, Science. Ann Arbor, MI, USA 1996. 273pp.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
allgemein:&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 Bernd A. Laska: ''Ein dauerhafter Dissident''.] 150 Jahre Max Stirner. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Stirner-Studien Band 2.  Nürnberg 1996, 168 S.;&lt;br /&gt;
* ders.: Art. ''[[individualistischer Anarchismus]]'' und ''[[Max Stirner]]'' in: Lexikon der Anarchie. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten 1993ff (Loseblattsammlung).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedenes ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Autor ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;sub&amp;gt;[http://www.lsr-projekt.de/autor.html Bernd A. Laska]&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Quelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sub&amp;gt;Dieser Artikel erschien erstmals in: Lexikon der Anarchie, hg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff (Loseblattsammlung), 5. Lieferung Sept. 1998 (hier leicht überarbeitet)&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Copyright ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sub&amp;gt;'''© Alle Rechte an diesem Text liegen beim Autor'''. Es kann gerne auf diese Seite ein Link gesetzt werden. Aber vom Autor nicht autorisierte Separat- oder Teil-Veröffentlichungen sind nicht gestattet; das gilt auch für die Verlinkung und Einbindung dieser Seite in Frames.&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Philosophie und Theorie|Lexikon der Anarchie: Philosophie und Theorie]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
==Begriff==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ausdruck '''individualistischer Anarchismus''' (synonym auch ''individueller Anarchismus'', ''Individualanarchismus'' oder ''anarchistischer Individualismus''), bezeichnet ein im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entstandenes Konzept einer zukünftigen [[Gesellschaft]], in der die [[Freiheit]] jedes [[Individuum]]s (von äusserem [[Zwang]]) den höchsten Wert darstellt und so weit wie möglich gewährleistet sein soll, d.h. nur in dem Masse eingeschränkt ist, das sich daraus ergibt, dass alle Individuen diese Freiheit gleichermassen haben sollen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' sehen das Haupthindernis, das einer solchen [[Gesellschaftsordnung|gesellschaftlichen Ordnung]] entgegensteht, in der Institution des [[Staat|Staates]] (auch eines ideal demokratischen), und zwar deshalb, weil der Staat die Freiheit der meisten Individuen mehr als im genannten Sinne erforderlich einschränkt, um einige institutionell verankerte Privilegien, die staatlichen Monopole, die die Freiheit des Wettbewerbs der Individuen behindern bzw. ausschalten, aufrechtzuerhalten. Es handele sich dabei um vier hauptsächliche Monopole: das Geld-, das Boden-, das Zoll- und das Patentmonopol, wobei das erste das weitaus gravierendste sei. Die Existenz dieser (und weiterer) Monopole verhindere permanent, dass das Individuum für seine produktive Arbeit den &amp;quot;natürlichen Lohn&amp;quot;, den &amp;quot;vollen Ertrag&amp;quot; erhalte. Diese Monopole bzw. den Staat, der sie mit Gewalt(-androhung) aufrechterhält, gilt es daher zu beseitigen, wenn ein Optimum an Freiheit und (Tausch-)Gerechtigkeit erreicht werden soll. Alle erwünschten gesellschaftlichen Aufgaben, die bisher der Staat auch übernommen habe, wie das Polizei-, das Rechts-, das Schul-, das Fürsorgewesen etc., würden, wie insbesondere auch das Geldwesen, ohne Monopole und bei freier Konkurrenz besser und effektiver erfüllt werden; vor allem wäre die Beteiligung jedes Individuums daran freiwillig und nicht, z.B. durch Steuerzahlung, erzwungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herbeiführung einer solchen freien Gesellschaft könne naturgemäss nicht durch Zwang und Gewalt, sondern nur durch Aufklärung und Überzeugung, also nicht auf revolutionärem, sondern nur auf evolutionärem Wege erfolgen. Das Kampfmittel der Wahl sei der -- hierbei durchaus kollektive -- passive Widerstand, die Verweigerung (insbesondere von Steuerzahlungen) gegenüber dem Staat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' ist eine weitgehend aus der angelsächsischen, insbesondere nordamerikanischen Tradition politischen Denkens hervorgegangene Doktrin: eine Extremform des [[Liberalismus]]. [[Thomas Jefferson]] (1743-1826), der Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeits- und Menschenrechtserklärung von 1776, hatte seine staatspolitische Überzeugung einmal in das ''bonmot''  gefasst: &amp;quot;Die beste Regierung ist die, die am wenigsten regiert.&amp;quot; Und der amerikanische Publizist [[Benjamin R. Tucker]] (1854-1939), der repräsentativste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''', sagte von sich und den Anhängern des '''individualistischen Anarchismus''' gelegentlich, sie seien eigentlich nur Jefferson'sche Demokraten mit Konsequenz: denn sie hätten den Mut, den folgerichtigen Schluss zu ziehen und auszusprechen, dass eigentlich doch keine Regierung die beste Lösung sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tucker nennt als die wichtigsten Einflüsse, die ihn zur Formulierung des '''individualistischen Anarchismus''' oder auch &amp;quot;philosophischen Anarchismus&amp;quot; geführt haben, an erster Stelle die Lehren des Amerikaners [[Josiah Warren]], dann auch die des Franzosen [[Pierre-Joseph Proudhon]] (dessen ''Qu'est-ce que la propriété'' er 1876 ins Englische übersetzte). Weitere Einflüsse kamen von amerikanischen Freiheitsdenkern und -dichtern wie [[Stephen Pearl Andrews]] und [[Lysander Spooner]] sowie [[Ralph Waldo Emerson]] und [[Henry David Thoreau]], von den englischen Philosophen [[John Stuart Mill]] (1859: ''On Liberty'') und [[Herbert Spencer]] (1884: ''The Man versus the State''), aber auch von dem russischen [[kollektivistischer Anarchismus|kollektivistischen Anarchisten]] [[Michail Bakunin]] (dessen ''Dieu et l'Etat'' Tucker 1883 ins Englische übersetzte). Tucker gründete 1881 die Zeitschrift ''Liberty'' als Forum für ein breites Spektrum von Stimmen, die zu Problemen des '''individualistischen Anarchismus''' Stellung nahmen, und gab sie bis 1908 zunächst in Boston, dann in New York heraus.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung der Ideen von [[Max Stirner]] (1806-1856) auf Tucker und den '''individualistischen Anarchismus''' verdient besonderes Interesse, und zwar deshalb, weil Stirner, seit er in den 1890er Jahren eine &amp;quot;Renaissance&amp;quot; erfahren hatte, immer wieder als der eigentliche Stammvater des '''individualistischen Anarchismus''' bezeichnet wurde und wird. Stirner wurde durch [[James L. Walker]] (1845-1904), einen sprachkundigen und umfassend gebildeten ''selfmademan'',  der, vielleicht Schmidt-Stirner folgend, unter dem Pseudonym Tak Kak schrieb, Ende der 80er Jahre in ''Liberty'' (1881-1908) zur Diskussion gestellt, zu einem Zeitpunkt, als Tucker die Grundauffassungen des '''individualistischen Anarchismus''' bereits formuliert hatte. Dies entzündete sogleich eine Kontroverse, bei der es um die grundsätzliche philosophische Frage ging, ob der '''individualistische Anarchismus''' nun überhaupt noch, wie bisher, auf einer [[Naturrecht|naturrechtlichen Basis]] stehen könne (Martin 1970, 249-254; Coughlin et al., 1986, 131-135). Walker verneinte dies; Tucker und einige weitere Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' folgten Walkers Argumenten und revidierten ihre Positionen. Die Folge war eine Spaltung der Bewegung des '''individualistischen Anarchismus''', und Tucker verlor einige der besten Mitarbeiter von ''Liberty''. Die Kontroverse um die Bedeutung Stirners für den '''individualistischen Anarchismus''' wurde mit einer überraschenden Heftigkeit und Erbitterung geführt, verlief sich aber bald im Unentschiedenen. Stirner war daraufhin in ''Liberty'' kein (umstrittenes) Thema mehr, und Walker blieb als Tak Kak zwar weiterhin ''Liberty''-Autor, veröffentlichte aber seine von Stirner inspirierten Beiträge zur &amp;quot;Philosophie des Egoismus&amp;quot; jetzt woanders: in einem entlegenen Periodikum namens ''Egoism''.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stirner-Kontroverse von 1887 war indes nicht wirklich erledigt. Sie schwelte untergründig weiter, in der Gruppe und in den einzelnen Individuen. Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' scheinen der von Stirner aufgeworfenen Problematik letztlich ebenso ausgewichen zu sein wie zuvor die Zeitgenossen Stirners (am folgenreichsten [[Karl Marx|Marx]]), später eine stattliche Reihe prominenter Denker (am folgenreichsten [[Friedrich Nietzsche|Nietzsche]]) und im übrigen auch die meisten Anarchisten (vgl. Laska 1993, 1996). Diesem prekären und naturgemäss weitgehend in der Obskurität verbliebenen Prozess ist es wohl zu danken, dass eine englische Übersetzung von Stirners ''[[Der Einzige und sein Eigentum|Einzigem]]'' erst mit zwanzigjähriger (!) Verspätung erschien, zu einer Zeit, als die Bewegung des amerikanischen '''individualistischen Anarchismus''' und ''Liberty'' bereits ihrem Ende nahe waren. Tucker selbst gab sie (''The Ego and His Own'') 1907 noch im eigenen Verlag heraus -- offenbar in einem letzten, eigene und fremde Widerstände überwindenden Kraftakt, denn er kommentierte seine Tat in einer der letzten Ausgaben von ''Liberty'' im Ton eines Vermächtnisses: &amp;quot;Ich habe mich über mehr als dreissig Jahre hinweg für die Verbreitung der Ideen des Anarchismus eingesetzt und dabei einiges erreicht, auf das ich stolz bin; aber ich glaube, dass ich nichts für die Sache getan habe, dessen Bedeutung an die Herausgabe dieses Buches heranreicht.&amp;quot; -- Kurz darauf wurden Tuckers Geschäfts- und Lagerräume durch einen Brand völlig zerstört. Tucker war ruiniert, verliess die USA und ging nach Frankreich, wo er die restlichen drei Jahrzehnte seines Lebens in publizistischer Enthaltsamkeit verbrachte. Das Ende von ''Liberty'' im Jahre 1908 markiert auch das Ende der von Tucker geprägten Epoche des originären '''individualistischen Anarchismus'''.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der führende Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' in Deutschland war der Dichter und Schriftsteller [[John Henry Mackay]] (1864-1933), der zwar in Schottland geboren wurde, aber seit seinem zweiten Lebensjahr in Deutschland gelebt und nur in deutscher Sprache geschrieben hat. Mackay verkehrte in den 1880er Jahren zunächst im Milieu der jungen, rebellischen Dichter des aufkommenden [[Naturalismus]], ging aber, da ihn die &amp;quot;soziale Frage&amp;quot; ernsthafter berührte als seine Kollegen, bald eigene Wege. Aufgrund des sozialkritischen Pathos seines ersten dichterischen Erfolgs, des Gedichtbandes ''Sturm'' (1888), feierte man ihn als &amp;quot;Sänger der Anarchie&amp;quot;. Doch Mackay fühlte sich auch den Anarchisten, die vorwiegend kollektivistisch bzw. kommunistisch orientiert waren, keineswegs zugehörig. Erst die Bekanntschaft mit Tucker, sowohl durch dessen Zeitschrift ''Liberty'' (und deren zeitweilige deutsche Ausgabe ''Libertas'') als auch durch persönliche Begegnung, eröffnete ihm die ersehnte politische Heimat. Mackay wurde ab etwa 1890 der wichtigste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' in Deutschland. Er schrieb, neben seinem dichterischen Werk, zwei einschlägige ''Bücher der Freiheit'', die er seinem Freunde Tucker widmete: 1891 ''Die Anarchisten'' und 1920 ''Der Freiheitssucher''. Er gab ''Flugschriften des Individualistischen Anarchismus'' und seit 1895 eine Schriftenreihe ''Propaganda des Individualistischen Anarchismus'' in deutscher Sprache heraus, in der vorwiegend Übersetzungen von Broschüren des amerikanischen '''individualistischen Anarchismus''' erschienen, als wichtigste die Tucker'sche Programmschrift ''Staatssozialismus und Anarchismus''. Doch der stark angelsächsisch geprägte '''individualistische Anarchismus''' fand in Deutschland nur wenige Anhänger (prominentester war der junge [[Rudolf Steiner]] - bevor er &amp;quot;Anthroposoph&amp;quot; wurde), und die Bewegung des '''individualistischen Anarchismus''' kam auch hier noch vor dem ersten Weltkrieg zum Erliegen; Mackays Versuch, sie nach 1918 neu zu beleben, scheiterte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mackay hat den Eindruck erweckt, sein propagandistisches Wirken für den '''individualistischen Anarchismus''' stehe in engem, sachlichen Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Biograph und Herausgeber Stirners. Dadurch ist es üblich geworden, Mackay als authentischen Stirnerianer und Stirner als Patron des '''individualistischen Anarchismus''' anzusehen. Diese Zuordnungen können einer genaueren Prüfung freilich nicht standhalten. Es war zweifelsfrei Tucker, der den '''individualistischen Anarchismus''' konzipiert hat, und er hat dies bereits in den 1880er Jahren, ohne Kenntnis Stirners, getan. Der Stirner'sche Impuls hat dann zwar die Anhängerschaft des '''individualistischen Anarchismus''' stark irritiert, gleichwohl aber keinen Diskurs erzeugt, der den '''individualistischen Anarchismus''' grundlegend modifiziert oder gar die Ideen, die spezifisch Stirner'sche sind, wirklich integriert hätte. Mackay übernahm den '''individualistischen Anarchismus''' von Tucker in seinen wesentlichen Zügen und schrieb seine ''Bücher der Freiheit'' aus dem Geiste dieses '''individualistischen Anarchismus'''. Beide, Tucker und Mackay, bekannten sich zwar verbal, zuweilen sogar sehr emphatisch, zu dem auch unter Anarchisten unpopulären Stirner, wussten aber mit dessen spezifischen Begriffen, insbesondere mit dem der &amp;quot;Eigenheit&amp;quot;, im Grunde wenig anzufangen; sie wären von Stirner, dem die &amp;quot;gleiche Freiheit Aller&amp;quot;, die Grunddoktrin des '''individualistischen Anarchismus''', ja von Kant her geläufig war, als blosse Freiheitsschwärmer verspottet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' war freilich mit dem Ende von Tuckers und Mackays Aktivitäten nicht gänzlich tot. Es gab, auch als Reaktion auf das weltweite Erstarken des Kollektivismus nach dem 1. Weltkrieg, immer wieder Denker, die, wie einst Tucker, selbständig an die individualistischen und liberalistischen Denktraditionen anknüpften und sie bis zu (&amp;quot;tendenziell&amp;quot;) staatsverneinenden (und in diesem Sinne anarchistischen) Positionen zuspitzten. In Nordamerika wären hier [[Albert Jay Nock]] (1928: ''Our Enemy, the State'') und [[Henry Louis Mencken]] zu nennen, im deutschsprachigen Raum etwa [[Franz Oppenheimer]] (1926: ''Der Staat''), vielleicht auch die Ökonomen [[Ludwig von Mises]] und [[Friedrich August (von) Hayek]] (1944: ''The Road to Serfdom''), die aber wohl nicht zufällig ihre Hauptwirkung in den USA entfalteten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der '''individualistische Anarchismus''' lebte aber auch in einigen Personen weiter, die Tucker noch persönlich kannten und für die die geschwundene öffentliche Attraktivität der Idee kein Grund war, sie zu verwerfen: in den USA beispielsweise in [[Laurance Labadie]] (1898-1975), der, als Sohn eines alten Kampfgefährten Tuckers, die Stafette des '''individualistischen Anarchismus''' weitergab an Männer wie [[James J. Martin]] und [[Murray N. Rothbard]] (Coughlin et al. 1986, S.116-130), &amp;quot;libertarians&amp;quot;, die ihr in den 60er Jahren wieder zu publizistischer Präsenz verhalfen. Rothbard etwa unterzog (''The Spooner-Tucker Doctrine'', In: A Way Out, May/June 1965) den '''individualistischen Anarchismus''' einer gründlichen Revision, wobei er zwar, als Ökonom, dessen geldtheoretischen Vorstellungen als &amp;quot;Monetariomanie&amp;quot; verwarf, als Libertarier jedoch die politisch-anthropologischen Grundlagen des '''individualistischen Anarchismus''' voll und ganz akzeptierte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesen neueren Diskussionen erwies die Chiffre &amp;quot;Stirner&amp;quot;, die hier wiederum nur kurz auftauchte, ihre Kraft, eine Gruppierung in wenige (vielleicht nur vermeintliche) Anhänger und viele entschiedene Gegner Stirners zu spalten (vgl. A Way Out, Oct.1967, p.12-17); und auch diesmal vermied man es, die Grundfrage nach der Natur der &amp;quot;Freiheit&amp;quot;, dieses geheiligten Schibboleths des '''individualistischen Anarchismus''' und des [[Libertarismus|Libertariertums]], mit Hilfe Stirners zu problematisieren und genauer zu untersuchen. Dabei kann es bei den Libertariern bzw. [[Anarcho-Kapitalismus|Anarcho-Kapitalisten]], wie sich viele Vertreter eines modernen, modifizierten '''individualistischen Anarchismus''' auch nennen, keineswegs das Schreckwort &amp;quot;Egoismus&amp;quot; sein, welches sie Stirner ablehnen und ignorieren lässt (eines ihrer programmatischen Bücher, von [[Ayn Rand]] in den 60er Jahren verfasst, heisst sogar ''The Virtue of Selfishness''); nein, es muss wiederum das sichere Gespür für eine bestimmte, in Stirners ''Einzigem'' latente Idee sein, das auch viele andere, die sich mit ihr konfrontiert sahen (von Marx über Nietzsche und Carl Schmitt bis zu Habermas), einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner aus dem Wege gehen liess (vgl. Laska 1993, 1996).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland (Bundesrepublik) lebte der '''individualistische Anarchismus''' wieder auf, als [[Kurt Helmut Zube]] (1905-1991), der Mackay noch persönlich kannte, 1974 die [[Mackay-Gesellschaft]] gründete. Die Selbstcharakteristik, die in den meisten ihrer Publikationen wie ein Impressum abgedruckt ist, spricht für sich: &amp;quot;Die Mackay-Gesellschaft, undogmatisch, anti-ideologisch, möchte Basis einer Diskussion über alle Probleme der Gesellschaftsordnung sein. Sie ist bemüht, ihre Argumentation nur auf beweisbare Tatsachen zu stützen. An solchen wird sie einige, nebst allen Konsequenzen daraus, vorstellen, die zu einer ganz neuen Denkungsart führen, wie bereits Albert Einstein sie als unumgänglich notwendig erklärt hatte.&amp;quot; Die Mackay-Gesellschaft war publizistisch sehr aktiv und brachte neben Neudrucken von Schriften der Urheber des '''individualistischen Anarchismus''', Tucker und Mackay, auch Erstübersetzungen anderer Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' sowie aktuelle Diskussionsbeiträge wie das ''Manifest der Freiheit und des Friedens'' von K.H.Z. Solneman [d.i. Zube] heraus. Sie trug dadurch gewiss zur Ausgestaltung des überkommenen Bestandes des '''individualistischen Anarchismus''' bei, verliess sich aber stets darauf, dass dessen theoretische Basis solide und vollendet ist und sprach deshalb bisweilen vom '''individualistischen Anarchismus''' als dem &amp;quot;wissenschaftlich-kritischen&amp;quot; Anarchismus. Zube sah in Mackay, dessen Abhängigkeit von Tucker er herunterspielte, den Vollender und damit auch Überwinder Stirners. Auch für Stefan Blankertz (1956-), der 1981 mit Zube einen ambitionierten Disput über die philosophischen Grundlagen des '''individualistischen Anarchismus''' führte, war Stirner kein Thema mehr; Blankertz fand stattdessen über einige Nebenwege zu einem '''individualistischen Anarchismus''' Rothbard'scher Prägung und entdeckte schliesslich, nach gründlichem Studium des &amp;quot;subversiven&amp;quot; Thomas von Aquin, wie Rothbard, &amp;quot;dass es eine verborgene, fast heimliche Gedankenwelt des [[Katholischer Anarchismus|katholischen Anarchismus]] gibt&amp;quot; (''Vernunft ist Widerstand'', Köln 1993, S.8).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in anderen Ländern Europas entfalteten nach dem 2. Weltkrieg Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' publizistische Aktivität. - In Frankreich gründete [[Emile Armand]] [d.i. Ernest-Lucien Juin] (1872-1962), der bereits von 1922-1939 die '''individual-anarchistische'''-Zeitschrift ''L'en dehors'' herausgegeben hatte, schon 1945 die Zeitschrift ''L'Unique'', die bis zu seinem Tode erschien. Armand, der sich in der Tradition Spooner-Tucker-Mackay sah und sich auch zu Stirner bekannte, legte besonderes Gewicht auf das Problem der sexuellen Befreiung. - In Italien wirkte im Sinne des '''individualistischen Anarchismus''' vor allem [[Enzo Martucci]] (1904-1975), der ein ''Manifesto dei Fuorigregge'' und eine Reihe von Broschüren zum '''individualistischen Anarchismus''' verfasste. - In England gab [[Sidney E. Parker]] (1929-) seit 1963 eine Zeitschrift des '''individualistischen Anarchismus''' heraus (bis 1980 ''Minus One'', bis 1994 ''Ego''), in der einige interessante Debatten stattfanden. Parker, der von Anfang an weniger auf Tucker, stattdessen dezidiert auf Stirner Bezug nahm, sah sich seit ca. 1980 nicht mehr als Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' (vgl. ''Ego'' Nr.15, 1993, p.7), sondern als &amp;quot;bewusster Egoist&amp;quot;, worunter er eine Position versteht, die der des [[Anarch|Anarchen]] von Ernst Jünger (vgl. dessen ''Eumeswil'', 1977; Laska, 1997) nahekommt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zusammenfassung==&lt;br /&gt;
Die Lehre des '''individualistischen Anarchismus''' entstammt in ihren wichtigsten Teilen der Tradition des angelsächsischen politischen Denkens. Sie ist die Extremform des Liberalismus: &amp;quot;Die beste Regierung ist (nicht eine minimale, sondern) keine Regierung&amp;quot;. Die Anhänger des '''individualistischen Anarchismus''' wollen ihr Ziel, eine Gesellschaft der &amp;quot;gleichen Freiheit Aller&amp;quot;, d.h. die Beseitigung des Staates als Träger und (gewalttätigem) Beschützer von Monopolen und damit Garant der Ungleichheit, in erster Linie mit den Mitteln der Aufklärung und der Verweigerung (Steuerstreik) erreichen; Gewalt betrachten sie als untaugliches Mittel.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begründer und repräsentativste Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' ist der amerikanische Publizist Benjamin R. Tucker (1854-1939). Der bekannteste deutsche Vertreter des '''individualistischen Anarchismus''' ist John Henry Mackay (1864-1933). Einige der seit den 60er Jahren in den USA wirkenden &amp;quot;Anarcho-Kapitalisten&amp;quot;, namentlich Murray Rothbard (1926-1995), können, auch wenn sie sich nicht explizit auf Tucker oder den '''individualistischen Anarchismus''' berufen, wegen ihrer Grundauffassungen als Vertreter eines modernisierten '''individualistischen Anarchismus''' betrachtet werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verbreitete Auffassung, der Urvater des '''individualistischen Anarchismus''' sei Max Stirner (1806-1856), ist in historischer und in sachlicher Hinsicht falsch. Tucker formulierte das Konzept des '''individualistischen Anarchismus''', bevor er auf Stirner stiess. Er und Mackay bekannten sich dann zwar (auch) zu Stirner; sie rezipierten ihn jedoch nicht vollständig und erkannten nicht, dass Stirner gerade eine Lehre wie den '''individualistischen Anarchismus''' als Freiheitsschwärmerei verspottete: für Stirner war (äussere) &amp;quot;Freiheit&amp;quot;, wie sie der '''individualistische Anarchismus''' (für innerlich nach wie vor &amp;quot;unfreie&amp;quot; Menschen) forderte, eine blosse Chimäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
'''Primär:'''&lt;br /&gt;
* [Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum (1845). Stuttgart 1972]&lt;br /&gt;
* Benjamin R. Tucker: Instead of a book. New York 1893 (div. Reprints)&lt;br /&gt;
* ders. (dt.v. George Schumm): Staatssozialismus und Anarchismus. Berlin 1895 (div. Neudrucke)&lt;br /&gt;
* ders. (ed.): Liberty, 1881-1908 (Microfiche ed. 1978)&lt;br /&gt;
* James L. Walker: The Philosophy of Egoism. Denver 1905 (postum); dt.v. Jörg Asseyer: Die Philosophie des Egoismus. Freiburg 1979&lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Die Anarchisten. Zürich 1891 (div. Neudrucke und Reprints)&lt;br /&gt;
* ders.: Der Freiheitssucher. Berlin-Charlottenburg 1920 (div. Reprints)&lt;br /&gt;
* Sidney E. Parker (ed.): Minus One, 1963-1980; cont'd as Ego, 1982-1994&lt;br /&gt;
* Murray N. Rothbard: The Ethics of Liberty. Atlantic Highlands NJ(USA) 1982&lt;br /&gt;
* Individualistischer Anarchismus. Eine Autorenauswahl. West-Berlin 1977 (Anarchistische Texte Nr.6/7, Libertad-Verlag)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sekundär:'''&lt;br /&gt;
* James J. Martin: Men against the State. DeKalb IL(USA) 1953 (hier benutzt: 3rd ed. 1970); dt.v. K.H.Z. Solneman [d.i. Kurt Helmut Zube] und Jürgen Waibel: Männer gegen den Staat. 2 Bände. Freiburg 1980&lt;br /&gt;
* Robert Nozick: Anarchy, State, and Utopia. New York 1974; dt.v. Hermann Vetter: Anarchie, Staat, Utopia. München 1976&lt;br /&gt;
* Murray N. Rothbard (ed.): Journal of Libertarian Studies. 1977ff&lt;br /&gt;
* Henri Arvon: Les libertariens américains. De l'anarchisme individualiste à l'anarcho-capitalisme. Paris 1983&lt;br /&gt;
* Michael E. Coughlin et al. (ed.): Benjamin R. Tucker and the Champions of Liberty. A Centenary Anthology. St.Paul and New York 1986&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msswi.html Bernd A. Laska: Der schwierige Stirner]. In: Wolfram Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker. Berlin 1993. S.9-25&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ders.: Ein dauerhafter Dissident]. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg 1996 (''Stirner-Studien'' Nr. 2)&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;]. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Stirners »Einzigen«. Nürnberg 1997 (''Stirner-Studien'' Nr. 3)&lt;br /&gt;
* ders.: [[Dora Marsden]] - &amp;quot;Stirner des Feminismus&amp;quot; ?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------------&lt;br /&gt;
== Verschiedenes ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Autor ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;sub&amp;gt;[http://www.lsr-projekt.de/autor.html Bernd A. Laska]&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Quelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sub&amp;gt;Dieser Artikel erschien erstmals in: Lexikon der Anarchie. Hrsg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff (Loseblattsammlung), 2. Lieferung Nov. 1994 (leicht überarbeitet: April 1998)&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Copyright ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sub&amp;gt;'''© Alle Rechte an diesem Text liegen beim Autor'''. Es kann gerne auf diese Seite ein Link gesetzt werden. Aber vom Autor nicht autorisierte Separat- oder Teil-Veröffentlichungen sind nicht gestattet; das gilt auch für die Verlinkung und Einbindung dieser Seite in Frames.&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''[[Portal Philosophie und Theorie|Lexikon der Anarchie: Philosophie und Theorie]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Stirner,_Max&amp;diff=3681</id>
		<title>Stirner, Max</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Max Stirner''', geb. 25. Oktober 1806 in Bayreuth, gest. 25. Juni 1856 in Berlin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max Stirner ist das Pseudonym für Johann Caspar Schmidt. Schmidt wurde am 25. Oktober 1806 in Bayreuth als erstes Kind protestantischer Eltern geboren. Sein Vater, ein Handwerker, der Flöten und andere Musikinstrumente herstellte, starb, als Johann Caspar ein halbes Jahr alt war. Die Mutter heiratete zwei Jahre später einen Apotheker und übersiedelte mit ihm ins westpreussische Kulm. Johann Caspar wurde bald nachgeholt, jedoch 1818, im Alter von 12 Jahren, nach Bayreuth zurückgeschickt, wo er in die Familie seines Paten aufgenommen wurde und das renommierte, von Georg Andreas Gabler geleitete Gymnasium besuchte (Gabler wurde nach Hegels Tod 1831 dessen Nachfolger an der Universität Berlin).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmidt immatrikulierte sich 1826 an der Berliner Universität, wo er u.a. bei Hegel und Schleiermacher hörte. Er brach jedoch sein mit grossem Eifer begonnenes Studium nach vier Semestern ab und ging -- nach einem nicht beendeten Semester in Erlangen -- &amp;quot;auf eine längere Reise durch Deutschland&amp;quot;. 1833 kehrte er nach Berlin zurück, wo er zwei weitere Semester studierte und nach weiteren Unterbrechungen die sonstigen formellen Bedingungen erfüllte, um schliesslich 1839, im Alter von 33 Jahren, seine erste feste Stellung anzutreten: als Lehrer an einer Berliner Mädchenschule.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab Mitte 1841 war Schmidt häufiger Gast bei den [[Die Freien|&amp;quot;Freien&amp;quot;]], einer lockeren Gruppierung von jungen, oppositionellen &amp;quot;Intellektuellen&amp;quot; um den Ex-Hegelianer und Ex-Theologen Bruno Bauer, dem neben Ludwig Feuerbach führenden Kopf der sog. [[Junghegelianer]]. Zu dieser Zeit begann er, mit kleineren Beiträgen als Journalist und Schriftsteller an die Öffentlichkeit zu treten: teils anonym, teils bereits pseudonym als &amp;quot;Max Stirner&amp;quot;. In den Jahren 1842-47 entstanden Stirners wichtigste Schriften, insbesondere sein Werk ''[[Der Einzige und sein Eigentum]]'', das, vordatiert auf 1845, Ende Oktober 1844 erschien.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ''Einzige'' erregte für kurze Zeit ein skandalöses, von Verboten (&amp;quot;zu radikal&amp;quot;) und Verbotsaufhebungen (&amp;quot;so radikal, dass er sich selbst widerlegt&amp;quot;) begleitetes Aufsehen. Einige Autoren reagierten mit kleineren Gegenschriften, auf die Stirner mit dem Artikel ''Recensenten Stirners'' antwortete. Die wichtigste Gegenschrift indes verfasste anschliessend Karl Marx: den furiosen ''Sankt Max''. Marx veröffentlichte seinen Anti-Stirner nach einigem Zögern jedoch nicht, vermutlich aus zwei Gründen: erstens, weil er (insgeheim) die Stichhaltigkeit seiner polemischen Kritik bezweifelte und eine Duplik Stirners fürchtete; zweitens, weil Stirner inzwischen -- schon ein Jahr vor den Ereignissen des März 1848 und ihren politischen Folgen, die den radikalen philosophischen Diskussionen ohnehin ein Ende setzten -- bereits zur Unperson geworden war, öffentliche Kritik an ihm somit fehl am Platze und taktisch unklug gewesen wäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner, der zweimal kinderlos verheiratet war (1838 und 1843-46), hatte kurz vor Erscheinen seines ''Einzigen'' seine Lehrerstelle aufgegeben und verdiente danach seinen Lebensunterhalt mit selbständiger Erwerbstätigkeit. Er verbrachte die restliche Zeit seines Lebens, literarisch kaum noch tätig, in zunehmender materieller Armut. An den politischen Ereignissen der Jahre 1848/49 scheint er sich, im Gegensatz zu den meisten Junghegelianern, nicht beteiligt zu haben. Stirner starb, von den Zeitgenossen vergessen, am 25.Juni 1856 in Berlin und wurde auf dem Sophienfriedhof beigesetzt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Der Einzige und sein Eigentum'' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner ist ein ''&amp;quot;vir unius libri&amp;quot;''; sein Werk kann ohne substantiellen Verlust auf jenes eine Buch, ''Der Einzige und sein Eigentum'', reduziert werden. Dieser ''Einzige'' hatte ein aussergewöhnlich interessantes Bücherschicksal. Er war zunächst, wie alle Beiträge der junghegelianischen Diskussion der 1840er Jahre, schnell vergessen, wurde jedoch, als einziger daraus, nach längerer Zeit wiederentdeckt und -- nach erneutem Vergessen abermals wiederentdeckt. Diese beiden sog. Stirner-Renaissancen (1893ff und 1968ff) hatten zudem jeweils einen sehr ungewöhnlichen Anlass: sie waren wesentlich Ergebnis der energischen Initiative jeweils eines einzelnen Mannes, und zwar eines dezidierten Stirner-Gegners: 1893 des Nietzscheaners Paul Lauterbach und 1968 des Marxisten Hans G. Helms. Beide exponierten Stirners Buch aus erklärtermassen hochpolitischem Grund: um die Grösse und aktuelle Bedeutung der geistigen Tat Nietzsches bzw. Marx' -- als &amp;quot;Überwinder&amp;quot; Stirners als des literarischen Inbegriffs des &amp;quot;absolut Bösen&amp;quot; -- um so klarer hervortreten zu lassen. Obwohl der ''Einzige'' ein Verkaufserfolg wurde -- bisher mehr als 100'000 Exemplare -- blieb Stirner eine Randfigur der Ideengeschichte. Die Absicht der beiden Initiatoren, Stirner als den Antipoden zu Nietzsche bzw. zu Marx zu etablieren -- was ''nolens volens''  eine gewaltige Aufwertung Stirners bedeutet hätte -- gelang bisher nicht (vgl. Laska 1994).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Anarchisten und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner bezeichnete sich selbst nirgendwo als [[Anarchie - Zur Geschichte eines Reiz- und Schlagwortes|Anarchisten]]; er kritisierte vielmehr in seinem ''Einzigen''  (1844) den Mann, der sich 1840 als erster selbst einen Anarchisten genannt hatte: [[Pierre-Joseph Proudhon|Proudhon]] -- allerdings nicht deswegen, sondern wegen seiner moralisierenden Betrachtungsweise der gesellschaftlichen Probleme. Proudhon, der sonst sehr an der Entwicklung der (jung-)hegelianischen Philosophie in Deutschland interessiert war, überging Stirners ''Einzigen'' mit Schweigen. Auch [[Michail Bakunin|Bakunin]], der andere massgebliche Anarchist des 19. Jahrhunderts, vermied es, sich zum ''Einzigen'' zu äussern. Diese offenkundige Berührungsangst der Anarchisten vor Stirner machten sich in den 1880er Jahren -- nach dem Tode von Marx, der einst ebenfalls einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen war -- die Marxisten für ihre politische Polemik zunutze: Stirner sei &amp;quot;der Prophet des heutigen Anarchismus&amp;quot;; Bakunin sei nichts als Proudhon plus Stirner, so lautete die von Friedrich Engels 1886 ausgegebene Parole.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Historiker des Anarchismus, selbst keine Anarchisten, rechneten Stirner, der inzwischen im Kielwasser des Nietzscheanismus zu einer bekannten Figur geworden war, ebenfalls dem Anarchismus zu (Zenker 1895, Eltzbacher 1900, Zoccoli 1907). Die Anarchisten selbst hielten indes nach wie vor Distanz zu Stirner. Nur eine kleine Gruppe, die sich als [[Individualistischer Anarchismus|&amp;quot;individualistische Anarchisten&amp;quot;]] von der eigentlichen anarchistischen Bewegung abgrenzte, bekannte sich demonstrativ zu Stirner (mit zweifelhafter Berechtigung).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die distanzierte Haltung der Anarchisten gegenüber Stirner änderte sich auch im 20. Jahrhundert nicht wesentlich. [[Gustav Landauer|Landauer]] stand Stirner über längere Zeit sehr ambivalent, schliesslich aber eindeutig ablehnend gegenüber. [[Erich Mühsam|Mühsam]] erwähnt Stirner nur einmal: in einer autobiographischen Skizze, in der er Landauer dafür dankt, dass er ihn als jungen Mann dem verführerischen Einfluss Stirners entrissen habe. [[Pjotr Kropotkin|Kropotkin]], der über Jahrzehnte zu Stirner geschwiegen hatte, denunzierte ihn schliesslich, zu einer Stellungnahme gedrängt, als &amp;quot;Manchestermann&amp;quot; und damit Pseudo-Anarchisten (der sonst so milde Mann konnte, wie Nettlau überlieferte, sehr wütend werden, wenn im Gespräch auch nur der Name Stirner fiel). [[Max Nettlau|Nettlau]], selbst Anarchist und wohl bester Kenner der anarchistischen Bewegung in ihrer Glanzzeit, stand eher ratlos vor dem Phänomen, dass die meisten Anarchisten Stirner ablehnten, und meinte, Stirner sei eben meist missverstanden worden. Dieses Urteil von 1927, aus der Endphase einer Epoche, in der sowohl das Interesse an Stirner als auch der Einfluss des politischen Anarchismus relativ gross gewesen waren, kann heute, nachdem beide in den 60er Jahren noch einmal auflebten, erneuert werden. Nur sollte ein so hartnäckiges &amp;quot;Missverstehen&amp;quot; -- zumal es auch in der Stirner-Rezeption ausserhalb des Anarchismus vorherrscht -- Grund zu intensiven Nachforschungen geben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Übereinstimmung mit der vorherrschenden, meist ohne nähere Begründung und indirekt ausgedrückten Ablehnung Stirners durch die grosse Mehrzahl der Anarchisten -- der allenfalls die oberflächliche, unspezifische Zustimmung durch wenige Einzelne gegenübersteht -- stellen in zunehmendem Masse auch die Autoren neuerer Untersuchungen zum Anarchismus oder zu Stirner die überkommene Einordnung Stirners als Anarchisten in Frage bzw. in Abrede (Heintz 1951, Lösche 1977, Ritter 1980).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Philosophen und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anarchisten, insbesondere deren theoretische Köpfe, waren nicht die einzigen, die einen öffentlichen argumentativen Diskurs mit Stirner bzw. über dessen ''Einzigen'', so nahe er thematisch auch lag, vermieden haben. Sie befinden sich mit dieser ausweichenden Haltung durchaus in angesehener Gesellschaft. Marx, der seinen Anti-Stirner wohlweislich nicht veröffentlichte, wurde bereits genannt. Nietzsche ist, seiner Bedeutung wegen, hier als nächster zu nennen: eine genaue Untersuchung seiner intellektuellen Biographie ergibt starke Indizien für die Annahme, dass direkte Spuren seiner Konfrontation mit Stirners ''Einzigem'' deshalb fehlen, weil er selbst sie sorgfältigst verwischte. Die Stirner-Renaissance der Jahrhundertwende wurde dann wesentlich dadurch möglich, dass die Lehren, die diese beiden Denker -- grossteils in Abwehr der Stirner'schen -- entwickelt hatten, zu Massenerfolgen geworden waren. Stirner konnte nun, wenn nicht als exaltierter Anarchist, dann als banausischer und damit abgetaner Vorläufer Nietzsches eingeordnet werden -- oder als Scheinradikaler, der bereits vom jungen Marx als &amp;quot;wildgewordener Kleinbürger&amp;quot; entlarvt worden sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Liste der Denker, in deren intellektueller Vita gleichfalls eine existenzielle Erschütterung durch Stirners ''Einzigen''  nachweisbar ist, auf die sie, statt mit einer argumentativen und nachvollziehbaren Auseinandersetzung, mit einer veritablen Verdrängung reagierten, enthält durchaus weitere klangvolle Namen: von Carl Schmitt (der als Student Stirner anfangs als &amp;quot;wahre Erquickung&amp;quot;, bald jedoch als Plage, empfand, ihn dann vergessen zu haben scheint und erst vierzig Jahre später, in der Not der Einzelhaft, wieder mit ihm zu ringen hatte) bis zu Jürgen Habermas (der als junger Mann gegen die vermeintliche &amp;quot;Absurdität der Stirnerschen Raserei&amp;quot; mit eigener Raserei sich zu wehren versuchte, Stirner dann aber so gründlich verdrängte, dass er ihn in den nächsten vierzig Jahren -- selbst in seinen einschlägigen Spezialarbeiten: z.B. über die Junghegelianer, über die Entstehung des historischen Materialismus -- nicht einmal mehr nannte).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stirners potentielle Aktualität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bevorzugte Methode, den Gehalt des ''Einzigen'', Stirners &amp;quot;Philosophie&amp;quot; -- gelegentlich in eingestandener Ratlosigkeit auch &amp;quot;Unphilosophie&amp;quot; genannt -- darzustellen, war stets die epitomatische: kurze, prägnante Abschnitte aus dem Text wurden aneinandergereiht und sollten für sich sprechen. Einprägsame Sentenzen wie &amp;quot;Ich hab' mein' Sach' auf Nichts gestellt&amp;quot; und &amp;quot;Mir geht nichts über Mich&amp;quot; wurden weithin bekannt, stehen für einen rohen Nihilismus bzw. Egoismus und werden oft für die -- so gesehen: dürftige -- Quintessenz des ''Einzigen'' genommen. Selbstverständlich gab es auch genauere, solidere, gründlichere Darstellungen und Untersuchungen zu diesem oft mit Superlativen -- &amp;quot;extremsten&amp;quot;, &amp;quot;kühnsten&amp;quot;, &amp;quot;fluchwürdigsten&amp;quot; etc. -- bedachten Buch; doch kamen auch sie letztlich zu keinem grundsätzlich anderen Ergebnis.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konventionellen Methoden, philosophische Texte zu interpretieren, haben im Falle des ''Einzigen'' versagt. Keinem Autor gelang es bisher, die oft gespürte, gelegentlich auch ausdrücklich festgestellte Sonderstellung Stirners in der Philosophie des 19. Jahrhunderts, der Neuzeit, gar der gesamten Geschichte wirklich präzise zu bestimmen. Stirners ''Einziger'' blieb, was geflissentlich übersehen wird, ein ''hapax legomenon'' im Text der abendländischen Philosophie.    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Richtigkeit dieser Behauptung lässt sich vorläufig am einleuchtendsten durch die doch äusserst erstaunliche Tatsache stützen, dass einige der grössten der heute allgemein anerkannten Denker (und die bedeutendsten anarchistischen Theoretiker!) einer sachlich gebotenen, argumentativen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen sind. Die blosse Erkenntnis, das dauerhafte Fürwahrhalten und vor allem das philosophiehistorische Gewichten dieser Tatsache ist offenbar stets durch vielerlei Hindernisse äusserst erschwert gewesen (dies lässt sich anhand des massenhaften sekundären Ausweichens, des bequemen blinden Nachvollzugs jenes primären der Grosstheoretiker, demonstrieren, besonders eindrucksvoll am Beispiel der Marx-Forschung). Ein Abbau dieser gewaltigen Hindernisse scheint jedoch mit dem seit einiger Zeit voranschreitenden Geltungsverlust aller etablierten Doktrinen einherzugehen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner hat sein Buch ausdrücklich als &amp;quot;einen Anfang&amp;quot; bezeichnet, als den Anfang einer Entwicklung, die er nach dem proklamierten &amp;quot;Ende der Philosophie&amp;quot; für möglich hielt. Der junge Karl Marx hielt den ''Einzigen'' für hochaktuell: er schrieb sich nach der Lektüre jenen später berühmt gewordenen Satz auf, wonach es darauf ankäme, die Welt zu verändern, und konzipierte in den folgenden Monaten den historischen Materialismus. Die Fortsetzung von Stirners &amp;quot;Anfang&amp;quot; war dies allerdings nicht; vielmehr eine offenbar sehr wirksame Verschüttung der von Stirner aufgeworfenen Problematik. So wie Marx -- nicht im Detail, aber im Prinzip -- reagierten bis in unsere Zeit eine Reihe hervorragender Denker auf die Konfrontation mit dem ''Einzigen''. Daraus, nicht aus den überall nachzulesenden Urteilen über Stirner, ergibt sich seine nach wie vor potentielle Aktualität.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Von Stirner:''' &lt;br /&gt;
* Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum. Stuttgart: Reclam 1972ff&lt;br /&gt;
* Max Stirner: Parerga, Kritiken, Repliken, hg. v. Bernd A. Laska. Nürnberg:  LSR-Verlag 1986  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Über Stirner:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biographie:  &lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Max Stirner -- Sein Leben und sein Werk. Nachdruck der 3. Auflage 1914. Freiburg: Mackay-Gesellschaft 1977  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Frage: Ist Stirner Anarchist?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ernst Zenker: Der Anarchismus. 1895. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1979&lt;br /&gt;
* Paul Eltzbacher: Der Anarchismus.1900. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1977&lt;br /&gt;
* Hector Zoccoli: Die Anarchie. 1907, dt.1909. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1976&lt;br /&gt;
* Max Nettlau: Der Vorfrühling der Anarchie. 1927. Nachdruck Bremen: Impuls o.J.&lt;br /&gt;
* Peter Heintz: Anarchismus und Gegenwart. 1951. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1973, 1985&lt;br /&gt;
* Peter Lösche: Anarchismus. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1977; sowie ders.: Anarchismus. Art. in Pipers Handbuch der politischen Ideen. Band 4. München: Piper 1986. S. 415-447&lt;br /&gt;
* Alan Ritter: Anarchism. A Theoretical Analysis. Cambridge (GB): CUP 1980  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur hier vorgeschlagenen Stirner-Interpretation:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bernd A. Laska: Ein heimlicher Hit. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Editionsgeschichte. Nürnberg: LSR 1994 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss1 ''Stirner-Studien Nr.1''])&lt;br /&gt;
* ders.: Ein dauerhafter Dissident. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg: LSR-Verlag 1996 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ''Stirner-Studien Nr.2''])&lt;br /&gt;
* ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Max Stirner. Nürnberg: LSR-Verlag 1997 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ''Stirner-Studien Nr.3''])&lt;br /&gt;
* ders.: [[Individualistischer Anarchismus]]. Artikel in: Lexikon der Anarchie, hg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msee.html Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum] (Volltext, HTML)&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msrec.html Max Stirner: Recensenten Stirners] (Stirners Replik auf Feuerbach, Hess, Szeliga)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/ms.html Max Stirner im LSR-Projekt] (Bernd A. Laska)&lt;br /&gt;
* [http://www.max-stirner-archiv-leipzig.de Max-Stirner-Archiv Leipzig] (Kurt W. Fleming)&lt;br /&gt;
* [http://www.projektmaxstirner.de Projekt Max Stirner] (Ibrahim Türkdogan)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedenes ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Autor ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;sub&amp;gt;[http://www.lsr-projekt.de/autor.html Bernd A. Laska]&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Quelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sub&amp;gt;Dieser Artikel erschien erstmals in: Lexikon der Anarchie, hg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff (Loseblattsammlung), 3. Lieferung Sept. 1995 (leicht überarbeitet: April 1998)&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Copyright ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sub&amp;gt;'''© Alle Rechte an diesem Text liegen beim Autor'''. Es kann gerne auf diese Seite ein Link gesetzt werden. Aber vom Autor nicht autorisierte Separat- oder Teil-Veröffentlichungen sind nicht gestattet; das gilt auch für die Verlinkung und Einbindung dieser Seite in Frames.&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Reich,_Wilhelm&amp;diff=3679</id>
		<title>Reich, Wilhelm</title>
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				<updated>2006-10-24T15:02:44Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wilhelm Reich''', geb. 24. März 1897, Dobrzanica/Galizien (Österreich); gest. 3. November 1957, Lewisburg/Pennsylvania (USA).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Biographischer Abriss ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich stammte aus der Bukowina, dem östlichsten Teil des ehemaligen österr.-ungarischen Reiches. Seine Eltern, Gutsbesitzer, hatten sich aus der jüdischen Tradition ihrer Vorfahren gelöst und der deutschen Kultur assimiliert, ohne jedoch einer christlichen Kirche beigetreten zu sein. Reich wurde zunächst durch Privatlehrer unterrichtet und besuchte später das Gymnasium der Provinzhauptstadt Czernowitz. Seine Jugend war von tragischen Ereignissen überschattet. Im Alter von zwölf Jahren wurde er durch den Selbstmord seiner Mutter, in dessen Vorgeschichte er sich verstrickt sah, seelisch stark traumatisiert. Fünf Jahre später, 1914, starb Reichs Vater an Tuberkulose, die er sich absichtlich zugezogen hatte. Reich hatte nun die Leitung des Gutes zu übernehmen, schloss daneben seine Schulausbildung mit dem Abitur ab, um anschliessend -- für dreieinhalb Jahre Soldat zu werden. Nach dem Krieg ging Reich, nunmehr mittellos, nach Wien und studierte Medizin (Dr. med. 1922).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich trat schon während des Studiums in Kontakt zu Sigmund Freud und wurde 1920 Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Seine Karriere als Psychoanalytiker, die eine Zeitlang glänzend schien, endete 1934 mit dem Ausschluss aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV). Die Vorgeschichte und der Hintergrund dieser unüblichen Massnahme sind zwar sehr interessant, aber zu komplex, um sie hier zusammenzufassen. Jedenfalls ist die verbreitete Auffassung, Reich sei wegen politischer Aktivitäten, die er einige Jahre lang im Rahmen sozialdemokratischer und kommunistischer Organisationen betrieb, von Freud und den Psychoanalytikern geächtet worden, oberflächlich. Der wahre Grund liegt in dem fundamentalen Gegensatz der &amp;quot;anarchistischen&amp;quot; anthropologischen Position Reichs zu der Freuds (s.u.).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reichs Engagement in der Arbeiterbewegung hatte 1927 begonnen und endete 1933 (ebenfalls mit einem Ausschluss: aus der KPD -- Reich war 1930 nach Berlin übersiedelt). In dieser Zeit veröffentlichte Reich jene Schriften, die später den Anlass für seine Wiederentdeckung durch die Studentenbewegung von 1968ff gaben und ihn weithin als &amp;quot;Freudo-Marxisten&amp;quot; etablierten. Doch Reichs Position ist, wie sowohl die Abstossungsreaktionen von KPD und IPV als auch die zurückhaltende Rezeption Reichs durch die Theoretiker der Studentenbewegung zeigen, weder für Freudianer noch für Marxisten noch für Freudo-Marxisten akzeptabel.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Ausschluss aus den Organisationen, auf deren theoretische bzw. ideologische Ausrichtung er mit seinen Ideen Einfluss nehmen zu können geglaubt hatte, versuchte Reich, unter Verzicht auf jegliche institutionelle Stützung die Eigenständigkeit seiner Position herauszuarbeiten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Erschwernissen des Exils -- ab 1934 in Norwegen, ab 1939 in den USA -- begann Reich ausserdem, seine psychologischen und soziologischen Erkenntnisse durch eigene physiologische, biologische und später auch physikalische Forschungen zu untermauern. Er entwickelte einerseits seine psychotherapeutische Technik (die aus der Psychoanalyse hervorgegangene &amp;quot;Charakteranalyse&amp;quot;) durch Einbeziehung des gesamten Organismus, insbesondere seiner vegetativen Funktionen, zur &amp;quot;Vegetotherapie&amp;quot; weiter (weshalb er heute oft auch als &amp;quot;Vater der Körperpsychotherapien&amp;quot; bezeichnet wird); und er drang andererseits durch gezielte experimentelle Forschung in immer elementarere Bereiche vor, bis er mit dem von ihm so genannten &amp;quot;Orgon&amp;quot; die &amp;quot;primordiale&amp;quot; kosmische Energie entdeckt zu haben behauptete.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reichs wissenschaftlicher Werdegang, sein &amp;quot;Werk&amp;quot;, das hier im Einzelnen weder vorgestellt noch beurteilt zu werden braucht, hat eine strengere innere Konsequenz, als dies in dieser knappen Skizze deutlich werden konnte. Wenn Reich mit seinen Theorien meist Ablehnung, ja Feindschaft provozierte, so scheint die wesentliche Ursache dafür gar nicht in seinen eigentlich wissenschaftlichen Aussagen zu liegen (oder in der Art, wie er sie präsentierte), sondern vielmehr in der ihnen zugrundeliegenden anthropologischen Grundauffassung, auf die allein hier, wo es um Reichs Bedeutung für den [[Anarchismus]] geht, näher einzugehen sein wird.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon im Verlauf seines Konflikts mit Freud und den Funktionären der psychoanalytischen Organisationen, der von diesen keineswegs argumentativ, vielmehr mit den Mitteln der politischen Intrige geführt wurde, wurde Reich als &amp;quot;Sexualanarchist&amp;quot; und &amp;quot;ethischer Anarchist&amp;quot; bezeichnet. Und die spätere, nicht weniger intrigante Kampagne, die in den USA schliesslich zu Reichs Inhaftierung und seinem Tod im Bundesgefängnis von Lewisburg führte, begann 1947 mit einem Magazinartikel folgenden Titels: ''The New Cult of Sex and Anarchy''.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bezeichnungen Reichs als Anarchisten waren vage genug, um die übliche polemische Funktion zu erfüllen; gleichwohl deuten sie durchaus in die ideologische Richtung, der man Reich am ehesten zuordnen könnte. Zwischen Anarchisten und Reich gab es indes nur sehr geringe Kontakte. Eine Rezeption seines Werks durch Anarchisten ist nur in schwachen Spuren erkennbar. Der Nachruf auf Reich, der am 16. November 1957 in der Londoner ''Freedom''  erschien, referiert zwar sein Lebenswerk mit Sympathie, lässt aber nicht erkennen, welchen Wert man diesem für die Theorie des Anarchismus beimass.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich hat sich selbst nie als Anarchist bezeichnet. Er war der Meinung, dass die Anarchisten, gleich welcher Richtung, die ungeheure Problematik der Freiheitsunfähigkeit der gegenwärtigen Menschen stark unterschätzten bzw. ignorierten: &amp;quot;Sie vernachlässigen die hilflose, führungsbedürftige, ja oft autoritätssüchtige Struktur der Masse. Sie sehen nur deren Freiheitssehnsucht; doch diese Sehnsucht darf mit der Fähigkeit, frei zu sein ... nicht verwechselt werden.&amp;quot; (zit. n. Laska, S.71f) Schliesslich hat Reich alle politischen Aktivisten (nicht speziell die Anarchisten), die mit der Parole der Freiheit operierten, verächtlich &amp;quot;Freiheitskrämer&amp;quot; genannt, Leute, die um eines zweifelhaften Profits willen etwas anpreisen, von dem sie selbst nicht wirklich wissen, was es ist.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anthropologische Grundposition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich ist als Erforscher der Freiheitsproblematik in eine Reihe zu stellen mit (nur) zwei anderen aufklärerischen Denkern, die zu ihrer Zeit aufgrund einer ähnlichen Position von fast allen Aufklärern (von den Gegenaufklärern ohnehin) ebenso bekämpft oder geächtet wurden wie er, mit [[Julien Offray de La Mettrie|La Mettrie]] (1709-51) und [[Max Stirner|Stirner]] (1806-56); als Vorläufer dieser dünnen Traditionslinie könnte [[Etienne de La Boëtie]] (1530-63) mit seiner Abhandlung über die &amp;quot;freiwillige Knechtschaft&amp;quot; gelten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich kannte La Mettrie und Stirner; er erwähnt sie aber in seinen Schriften so selten, dass diese ideengeschichtliche Verortung Reichs angesichts der bei ihm im Vordergrund stehenden diversen Bezüge etwa auf Marx und Freud, angesichts seines oft betonten Selbstverständnisses als Naturforscher und angesichts anderer hervorstechender Aspekte seines Lebens und Werks einer ausführlichen Begründung bedürfte. Diese kann hier, schon aufgrund der Fülle des Materials, nicht gegeben werden. Hier kann nur, vergleicht man Reichs Werk mit einem Palimpsest, dessen unterste Schicht, die Reich selbst mehrmals überschrieb und deren Text nur an wenigen Stellen durchscheint, freizulegen versucht werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der Zeit, als Reich sich der psychoanalytischen Bewegung Sigmund Freuds anschloss, hatte diese den inneren Konflikt, der aufgrund der &amp;quot;anarchistischen&amp;quot; -- vermeintlich nihilistischen -- Konsequenz jedes aufklärerischen Denkwegs in den meisten aufklärerischen Gruppierungen nachzuweisen ist, bereits hinter sich: rekonstruierbar anhand einiger, scheinbar marginaler, Ereignisse auf dem psychoanalytischen Kongress 1908. (Anm. 5.11.2002: vgl. hierzu: [http://www.lsr-projekt.de/gross.html Bernd A. Laska: Otto Gross zwischen Max Stirner und Wilhelm Reich], insbesondere das Kapitel 4.1.1)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Psychiater und Nervenarzt Freud hatte damals bereits eine Reihe von Schriften veröffentlicht, in denen er seine Auffassung von der Ätiologie (Verursachung) der Neurosen darlegt. Freud lehrte, es gäbe bereits beim kleinen Kinde berechtigterweise sexuell zu nennende Triebregungen, deren notwendige &amp;quot;Verdrängung&amp;quot; in den psychischen Bereich des &amp;quot;Unbewussten&amp;quot;, wenn sie &amp;quot;missglücke&amp;quot;, zur Entstehung von Neurosen führe; für deren Heilung, d.h. zur Beseitigung der neurotischen Symptome, sei die Aufhebung dieser Verdrängung im psychoanalytischen Verfahren, gefolgt von einer bewussten Verurteilung der freigelegten Triebregung, Voraussetzung. Freud war sich der weit über den medizinischen Bereich hinausreichenden Bedeutung seiner Entdeckungen bewusst und sah sich in der Tradition von Aufklärern wie Feuerbach und Nietzsche.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den wenigen, meist jüngeren Kollegen, die der bereits in seinem sechsten Lebensjahrzehnt stehende Freud (1856-1939) in jenen Anfangsjahren der Psychoanalyse für diese gewinnen konnte, waren zwei, die, unabhängig voneinander, die aufklärerische Potenz der Erschliessung des Unbewussten durch Freud weit höher veranschlagten als dieser selbst: Sándor Ferenczi (1873-1933) und [[Otto Gross]] (1877-1920).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferenczi trug auf jenem Kongress 1908 seine Gedanken über die allgemeineren Konsequenzen der Freud'schen Entdeckungen vor. Er vertrat, bestimmter als Freud, die Auffassung, dass von jener &amp;quot;missglückten&amp;quot; Verdrängung im Grunde jeder, also auch der symptomfreie &amp;quot;Normale&amp;quot; betroffen sei. Die bei jedem Menschen vorhandenen, verdrängten und durch die Verdrängung im Unbewussten &amp;quot;zu einem gefährlichen Komplex antisozialer und selbstgefährlicher Instinkte&amp;quot; gewordenen &amp;quot;Gedanken und Strebungen&amp;quot; könnten nur mit einem hohem Aufwand, &amp;quot;durch das automatische Wirken gewaltiger Schutzvorrichtungen unterdrückt...werden, [d.h.] mit moralischen, religiösen und sozialen Dogmen.&amp;quot; Diese irrationale Funktionsweise der Verhaltenssteuerung durch &amp;quot;unappellierbare Prinzipien&amp;quot;, argumentierte Ferenczi, sei nicht nur mit sehr viel überflüssiger Seelenqual und geminderter Genussfähigkeit verbunden, sondern obendrein offenkundig unzweckmässig. Die gesellschaftlich zu beobachtenden &amp;quot;Äusserungen der illogischen Arbeitsweise des Verdrängten&amp;quot; gäben Anlass, die bestehende, auf jenen Dogmen basierende Ordnung, die sich mittels derart zugerichteter Individuen &amp;quot;seit undenklichen Zeiten&amp;quot; immer wieder reproduziert, grundsätzlich in Frage zu stellen. Die durch Freuds Erkenntnisse ermöglichte &amp;quot;innere Revolution&amp;quot;, so Ferenczi, könnte &amp;quot;die erste Revolution [sein], die der Menschheit eine wirkliche Erleichterung schüfe...&amp;quot; (zit. n. Sándor Ferenczi: Zur Erkenntnis des Unbewussten. Frankfurt/M 1989. S.63ff, 178ff)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Otto Gross, den Freud zeitweilig für einen der fähigsten Köpfe unter seinen Schülern hielt, vertrat auf dem gleichen Kongress ähnliche Auffassungen. Die beiden jungen Psychoanalytiker hatten die Vision eines Neuen Menschen: das wirklich freie, autonome, selbstbestimmte, d.h. das psychisch &amp;quot;gesunde&amp;quot; Individuum, sei, so Ferenczi, zwar nicht durch Massentherapie, aber durch Massenprophylaxe, also durch einen &amp;quot;radikalen Umsturz in der Pädagogik&amp;quot; auf der Grundlage der Freud'schen Entdeckungen in den Bereich des Möglichen gerückt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freud indes hielt wenig von diesen Konsequenzen seiner Lehre. Er brüskierte Gross nach seinem Vortrag 1908 mit der Ermahnung: &amp;quot;Wir sind Ärzte und wollen Ärzte bleiben.&amp;quot; (Ein schieres Machtwort -- denn Freud selbst war stets nur notgedrungen Arzt.) Und er verweigerte Ferenczi die dringend erbetene Stellungnahme. Stattdessen veröffentlichte er noch im gleichen Jahre seine Schrift ''Die 'kulturelle' Sexualmoral und die moderne Nervosität'', in der er, wie in einigen nachfolgenden, die kulturkonservative Generallinie der Psychoanalyse festlegte. Weder Ferenczi noch Gross gelang es, in der von Freud unangefochten dominierten psychoanalytischen Bewegung Interesse für ihre anarchistische Perspektive zu wecken. Gross wurde bald zum &amp;quot;Fall&amp;quot; und starb, von Freud ignoriert, im Jahre 1920. Ferenczi unterband seine radikalen Ambitionen und wurde für lange Zeit Freuds engster Mitarbeiter.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich scheint, als er sich 1920 der psychoanalytischen Bewegung anschloss, von dem mehr als ein Jahrzehnt zurückliegenden, von Freud im Keim erstickten &amp;quot;anarchistischen&amp;quot; Vorstoss nicht erfahren zu haben. Seine Beiträge zur psychoanalytischen Diskussion, die Anfang der 20er Jahre einsetzten, waren zunächst vorwiegend technischer Natur und liessen seine weltanschauliche Position kaum erkennen. Postum wurden aber Tagebucheinträge des jungen Reich bekannt, von denen der prägnanteste ein Schlaglicht auf seine von Beginn an bestehende, zunächst verborgene &amp;quot;anarchistische&amp;quot; Opposition wirft: &amp;quot;Max Stirner, der Gott, der 1844 sah, was wir 1921 nicht sehen!&amp;quot; (Zit. n. Laska, S.16) Wir -- damit sind natürlich sie, die psychoanalytischen Kollegen, gemeint.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Öffentlich erwähnte Reich den verpönten Stirner, dem er hier einen sonst von ihm nie verliehenen superlativischen Titel gab, nirgends; die Nennung von dessen ''Einzigem'' in der Bibliographie seines letzten grösseren Werkes, ''Christusmord'' (1953, dt. 1978), verrät allerdings dessen dauerhaften latenten Einfluss. Reich vermied zunächst, innerhalb der psychoanalytischen Bewegung mit Argumenten zu operieren, die als ideologisch motiviert erscheinen könnten. Seine Strategie bestand vielmehr darin, durch Publikation der Ergebnisse seiner oft als herausragend anerkannten, rein klinischen Arbeit scheinbar beiläufig die ideologische Begrenztheit der von Freud geprägten Psychoanalyse aufzuzeigen, in erster Linie deren Unvermögen, zu einem anderen Heilungs- bzw. Gesundheitskriterium zu kommen als dem der Realitätstüchtigkeit und Angepasstheit in der jeweils vorgefundenen Gesellschaftsordnung.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich entwickelte, auf der Basis der Freud'schen Lehre von der sexuellen Ätiologie der Neurosen, ein solches Kriterium, das nicht solchermassen beliebig, sondern an der psycho-physischen Organisation des Menschen orientiert war: die volle sexuelle Befriedigbarkeit bzw. orgastische Potenz. In Reichs Typologie der Charaktere, die aus der psychoanalytischen hervorging, hiess der nach diesem Kriterium Gesunde: genitaler Charakter; dieser war zugleich (was hier nicht begründet werden kann) auch der wahrhaft freie, autonome, sich selbst steuernde Mensch -- der allerdings mit der derzeit bestehenden, von der massenhaften Neurose geprägten Gesellschaftsordnung eher in Konflikt als in Frieden lebt.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freud -- ebenso der Tross der Psychoanalytiker -- wollte diesen zweiten &amp;quot;anarchistischen&amp;quot; Vorstoss innerhalb der Psychoanalyse wiederum erst gar nicht diskutieren, sondern ebenso ersticken wie den ersten: er schwieg nachhaltig. Doch Reich blieb standhaft widersetzlich und festigte seine Position mit weiteren soliden klinischen Arbeiten, so dass Freud schliesslich nur noch den Ausweg sah, Reich mit administrativen Mitteln kaltzustellen -- was bald geschah. Dieser Coup, sein Gelingen in einer Gruppe, die sich dezidiert als aufklärerisch, freigeistig, liberal etc. verstand, sowie der nachfolgende Umgang mit ihm ist in seinen verschiedenen Aspekten eines der erhellendsten, gleichwohl ein noch ungeschriebenes Kapitel zur Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die praktische Bedeutung des Kriteriums der &amp;quot;orgastischen Potenz&amp;quot; schätzte Reich dabei nicht einmal hoch ein. Denn es war offenkundig, dass nach Lage der Dinge, bei konstatierter Massenhaftigkeit der Neurose, mit therapeutischen Anstrengungen kaum ein nennenswerter Erfolg zu erreichen war -- oft nicht einmal beim Individuum, das aus verschiedensten Gründen gar nicht nach diesem Kriterium zu heilen war. Sollte jene grosse, qualitativ neue &amp;quot;innere Revolution&amp;quot; (s.o.) stattfinden, sollten neue, aufgeklärte, erstmals freiheitsfähige Menschen entstehen, so konnte dies nur durch Neurosenprophylaxe im Massenmassstab, durch Umwälzung der Erziehungspraxis, bewirkt werden -- was einer &amp;quot;äusseren Revolution&amp;quot; gleichkäme.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine radikale Reform der Erziehung hatte schon Ferenczi 1908 gefordert, zu Freuds Verdruss mit vage anarchistischem Anklang. Doch Ferenczi hatte auch später noch, als er zu Freuds engstem Kreis gehörte, prophezeit, eine solche psychoanalytisch aufgeklärte Reform führe zu einer gesellschaftlichen &amp;quot;Neuordnung ... die nicht nur auf die Interessen einzelner Mächtiger Rücksicht nimmt.&amp;quot; Jede Einschränkung der Individualität, der &amp;quot;Staat&amp;quot;, dürfe allenfalls &amp;quot;eines der Mittel zum Wohle des Individuums sein.&amp;quot; (Ferenczi, a.a.O., S. 215f)  Warum tolerierte Freud jetzt (und später) derartige Ansichten bei seinen Schülern, während er Reichs Position nicht ertrug?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grund scheint im Kern darin zu liegen, wie Reich die Neurosenprophylaxe durch Erziehungsreform, die Hervorbringung des neuen, freiheitsfähigen Menschen, konzipierte. Ferenczi hatte geschrieben, die &amp;quot;durch die Psychoanalyse belehrte Pädagogik&amp;quot; der Zukunft werde mit den verschiedensten Methoden operieren, jedenfalls &amp;quot;mit kluger Diplomatie ... die Charakterbildung in zweckmässige Bahnen lenken.&amp;quot; Dieses Projekt, die Aufstellung besserer, humanerer, effektiverer, jedenfalls positiver Erziehungsregeln und -ziele, die auf ein gesellschaftliches Ideal ausgerichtet sind, entsprach den Vorstellungen auch vieler anderer Psychoanalytiker. In Freuds neuer, 1923 eingeführter Terminologie liesse es sich so formulieren: die (dank psychoanalytischer Erkenntnisse) auf schonende Weise erfolgende Introjektion eines ideal konzipierten Über-Ich. Dieses Über-Ich, das im Individuum als Sitz von Wertempfinden, Moral, Gewissen etc. fungiert, sollte nicht zu schwach sein -- damit es das erwünschte Verhalten durchsetzen kann -- und nicht zu stark -- damit es nicht zu Leistungsminderung, Krankheit oder sozialen Auffälligkeiten kommt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich wandte sich in einer Arbeit [http://www.lsr-projekt.de/wrzwang.html ''Der Erziehungszwang und seine Ursachen''] (1926, s. Laska, S. 142) gegen dieses Konzept. Er hob dort die Wirksamkeit unbewusster Motive der (neurotischen) Erzieher hervor, sprach von &amp;quot;Erziehung als Neuroseäquivalent der Erwachsenen&amp;quot; und führte eine Reihe psychoanalytischer Argumente auf, warum aktive Erziehung, auch bei besten Absichten, zur Neurotisierung der Heranwachsenden führt. Reich gab deshalb &amp;quot;nur eine negative Regel: Enthaltsamkeit in der Erziehung bis zum äussersten, Einschränkung der Erziehungsmassnahmen auf die allernotwendigsten Versagungen.&amp;quot;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders formuliert, ging es für Reich darum, dass zu verhindern wäre, dass im Individuum ein Über-Ich im Freud'schen Sinne entsteht. Denn diese psychische Instanz als solche ist -- und beinhalte sie die &amp;quot;richtigsten&amp;quot;, ja anti-autoritäre, Normen -- der Inbegriff von Heteronomie. Entscheidend jedoch ist die durch mehrtausendjährige Menschheitspraxis belegte und durch konsequente psychoanalytische Forschung aufgeklärte Kontraeffektivität der Verhaltenssteuerung durch ein Über-Ich: &amp;quot;'Moral' schafft erst dasjenige Triebleben, zu dessen sittlicher Beherrschung sie sich berufen ausgibt; und der Wegfall dieser Moral ist die Vorbedingung des Wegfalls der Unmoral, die zu beseitigen sie sich vergeblich bemüht.&amp;quot; (zit. n. Laska, S.78) Reichs Programm zur Verwirklichung des neuen, freiheitsfähigen, sich selbst steuernden, wahrhaft autonomen Menschen lautet, in Freud'scher Terminologie: Abbau und schliessliche Eliminierung des Über-Ich.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reich selbst beschrieb sein Programm nicht in diesen Begriffen. Dafür gab es mehrere Gründe: persönliche (die in seinem Verhältnis zur Person Freud liegen), taktische (die mit seiner Stellung in der Gruppe der Psychoanalytiker zu tun haben), vor allem aber sachliche: Indem Reich sich mit der Entwicklung der Psychoanalyse zur Charakteranalyse und zur (den Gesamtorganismus einbeziehenden) Vegetotherapie von der psychoanalytischen Orthodoxie entfernte, entwickelte er auch eigene Modellvorstellungen und Termini, die von denen der Freud'schen Metapsychologie (Es, Ich, Über-Ich) abweichen. Er sprach nun z.B. von der &amp;quot;physiologischen Freiheitsunfähigkeit&amp;quot; des jetzigen Menschen, die zu erkennen und zu bewältigen sei, damit der Kampf um Freiheit nicht mehr, wie bisher stets, in eine neue Art von Unfreiheit münde. (vgl. dazu: Massenpsychologie..., S.308-348)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vorliegender Darstellung wurde, zugunsten der Allgemeinverständlichkeit, so weit wie möglich auf (Reich'sche wie Freud'sche) Fachausdrücke verzichtet. Einige waren freilich unvermeidbar, und da schien es am zweckmässigsten, jene zu verwenden, die, wie etwa &amp;quot;Über-Ich&amp;quot;, bereits weitgehend in die Normalsprache eingegangen sind. Massgeblich war ihre Verwendbarkeit für den Zweck dieses Artikels: Reichs Bezug zur Theorie der Anarchie freizulegen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reichs potentielle Bedeutung für den Anarchismus ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der neuzeitlichen Aufklärung haben einige der berühmtesten ihrer Vertreter gerade diejenigen Denker, die die anarchistischen Konsequenzen eines genuin aufklärenden Denkens hervorhoben und auszuarbeiten versuchten, erbittert bekämpft, und zwar bezeichnenderweise nicht nach den von ihnen selbst propagierten Regeln rationaler, fairer Argumentation, sondern -- wie Reich verächtlich sagen würde -- auf &amp;quot;politikante&amp;quot; Weise: durch Intrige, Verleumdung, Totschweigen etc. Ihren bis heute anhaltenden Publikumserfolg verdankten sie dann nicht zuletzt ihrem kastrierenden Plagiieren, virtuosen Zerreden und gelehrsamen Verschütten der von ihnen im Denken jener Verfemten aufgespürten radikalen Inhalte. So lässt sich, aus heuristischen Gründen zugespitzt, das Verhältnis der französischen Aufklärer des 18. Jahrhunderts zu La Mettrie, das von Marx und Nietzsche zu Stirner und das Freuds und der Psychoanalytiker zu Reich auf den Punkt bringen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle der &amp;quot;klassischen&amp;quot; anarchistischen Theoretiker in diesem Prozess liesse sich am besten an ihrem Verhältnis zu Stirner aufzeigen (vgl. a. [[Individualistischer Anarchismus]]). Reich, der ab Mitte der 20er Jahre wirkte, wurde von späteren anarchistischen resp. libertären Autoren nur sehr selten und jedenfalls nicht in seiner radikalen Spezifität wahrgenommen. Man kann deshalb nur von seiner potentiellen Bedeutung für die anarchistische Theorie/Praxis sprechen. Um sie zu bestimmen, scheint -- aus den angedeuteten Gründen -- eine Revision des gesamten Prozesses der &amp;quot;sozialistisch&amp;quot; und/oder &amp;quot;liberalistisch&amp;quot; abgebogenen Aufklärung erforderlich; oder, richtig herum gesagt: um zu einem Verständnis der Degeneration der neuzeitlichen Aufklärung und des Schicksals ihrer anarchistischen Komponenten zu kommen (und daraus Schlüsse für die gegenwärtige Situation zu ziehen), erscheint das klärende Eruieren der Rolle Reichs (sowie Stirners und La Mettries) in diesem Prozess (das &amp;quot;LSR-Projekt&amp;quot;) als erfolgversprechender Ansatz.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Von Reich (Auswahl)'''  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Sexuelle Revolution, Frankfurt/M 1966 (1936)&lt;br /&gt;
* Die Funktion des Orgasmus, Köln 1969 (engl. Übers.1942)&lt;br /&gt;
* Massenpsychologie des Faschismus, Köln 1971 (engl. Übers.1946, Urfassung 1933)&lt;br /&gt;
* Charakteranalyse, Köln 1970, neue Teilübers. 1989 (engl. Übers.1949, Urfassung 1933)&lt;br /&gt;
* Christusmord, Olten u. Freiburg 1978 (engl. Orig.1953)&lt;br /&gt;
* Menschen im Staat, Frankfurt/M 1982, neu ed. 1995 (engl. Übers.1953)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Über Reich (Auswahl)''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bernd A. Laska, Wilhelm Reich, Reinbek (1981), 5., aktualisierte Auflage 1999 (enth. Bibliographie)&lt;br /&gt;
* Myron Sharaf, Wilhelm Reich, Berlin 1994 (engl.1983)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
---------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedenes ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Autor ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;sub&amp;gt;[http://www.lsr-projekt.de/autor.html Bernd A. Laska]&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Quelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sub&amp;gt;Dieser Artikel erschien erstmals in: Lexikon der Anarchie, hg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff (Loseblattsammlung), 4. Lieferung Okt. 1996 (leicht überarbeitet: April 1998)&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Copyright ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sub&amp;gt;'''© Alle Rechte an diesem Text liegen beim Autor'''. Es kann gerne auf diese Seite ein Link gesetzt werden. Aber vom Autor nicht autorisierte Separat- oder Teil-Veröffentlichungen sind nicht gestattet; das gilt auch für die Verlinkung und Einbindung dieser Seite in Frames.&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;br /&gt;
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 &lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;* [[Améry, Jean]] von [[Benutzer:Siegbert_W|Siegbert Wolf]] {{fertig}}&lt;br /&gt;
* [[Buber, Martin]] von [[Benutzer:Siegbert_W|Siegbert Wolf]] {{fertig}} &lt;br /&gt;
* [[Otto Gross|Gross, Otto]] von Hubert van den Berg {{fertig}} und von [[Benutzer:Gottfried_H|Gottfried Heuer]] {{zugesagt}}&lt;br /&gt;
* [[Gustav Landauer|Landauer, Gustav]] von [[Benutzer:Siegbert_W|Siegbert Wolf]] {{fertig}} ('''Muster-Artikel''') &lt;br /&gt;
* [[John Henry Mackay|Mackay, John Henry]] von Uwe Timm  {{fertig}}&lt;br /&gt;
* [[Wilhelm Marr|Marr, Wilhelm]] von Jochen Schmück {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
* [[Dora Marsden|Marsden, Dora]] von [[Bernd A. Laska]] {{fertig}}&lt;br /&gt;
* [[Franz Oppenheimer|Oppenheimer, Franz]]  von Gerhard Senft {{zugesagt}}&lt;br /&gt;
* [[Wilhelm Reich|Reich, Wilhelm]] von [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]] {{fertig}}&lt;br /&gt;
* [[Rudolf Rocker|Rocker, Rudolf]] von [[Benutzer:Hartmut_R|Hartmut Rübner]] {{zugesagt}}&lt;br /&gt;
* [[Max Stirner|Stirner, Max]] von [[Benutzer:Bernd.A_L|Bernd A. Laska]] {{fertig}}&lt;br /&gt;
* [[Wolfgang Zucht|Zucht, Wolfgang]] {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
* [[Traven, B.]] von [[Benutzer:Rolf_R|Rolf R.]] {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[DadAWeb:Portal]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Hier die einzelnen Beiträge zum Thema auflisten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jochen Schmück: [[Anarchie - Zur Geschichte eines Reiz- und Schlagwortes]] ('''Muster-Artikel''')&lt;br /&gt;
* Rolf Raasch: [[Neoanarchismus]]&lt;br /&gt;
* Bernd A. Laska: [[Individualistischer Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* N.N.&lt;br /&gt;
* N.N.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;div&gt;Mein voller Name ist Bernd A. Laska. &lt;br /&gt;
Näheres auf http://www.lsr-projekt.de/autor.html&lt;br /&gt;
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				<updated>2006-08-05T20:30:58Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
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&lt;div&gt;Hier die einzelnen Beiträge zum Thema auflisten. Bald auch die Syntax der Personeneinträge klären. Sinnvoller wäre es m.E. in der Form: &amp;lt;Nachname&amp;gt;, &amp;lt;Vorname&amp;gt;. So wird es auch auf der Wikipedia bei Personenartikeln gehandhabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Otto Gross|Gross, Otto]] v. Hubert van den Berg *); v. Gottfried Heuer +)&lt;br /&gt;
* [[John Henry Mackay|Mackay, John Henry]] v. Uwe Timm ('''Muster-Artikel''') &lt;br /&gt;
* [[Wilhelm Marr|Marr, Wilhelm]] v. Jochen Schmück #)&lt;br /&gt;
* [[Dora Marsden|Marsden, Dora]] v. Bernd A. Laska *)&lt;br /&gt;
* [[Franz Oppenheimer|Oppenheimer, Franz]] v. Gerhard Senft +)&lt;br /&gt;
* [[Wilhelm Reich|Reich, Wilhelm]] v. Bernd A. Laska *)&lt;br /&gt;
* [[Rudolf Rocker|Rocker, Rudolf]] v. Hartmut Rübner +)&lt;br /&gt;
* [[Max Stirner|Stirner, Max]] v. Bernd A. Laska *)&lt;br /&gt;
* [[Wolfgang Zucht|Zucht, Wolfgang]]&lt;br /&gt;
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[[DadAWiki:Portal]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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				<updated>2006-08-03T08:17:59Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Hier die einzelnen Beiträge zum Thema auflisten. Bald auch die Syntax der Personeneinträge klären. Sinnvoller wäre es m.E. in der Form: &amp;lt;Nachname&amp;gt;, &amp;lt;Vorname&amp;gt;. So wird es auch auf der Wikipedia bei Personenartikeln gehandhabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Otto Gross|Gross, Otto]] v. Hubert van den Berg; (v. Gottfried Heuer)&lt;br /&gt;
* [[John Henry Mackay|Mackay, John Henry]] v. Uwe Timm ('''Muster-Artikel''') &lt;br /&gt;
* [[Wilhelm Marr|Marr, Wilhelm]] v. Jochen Schmück #)&lt;br /&gt;
* [[Dora Marsden|Marsden, Dora]] v. Bernd A. Laska *)&lt;br /&gt;
* [[Franz Oppenheimer|Oppenheimer, Franz]] v. Gerhard Senft +)&lt;br /&gt;
* [[Wilhelm Reich|Reich, Wilhelm]] v. Bernd A. Laska *)&lt;br /&gt;
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* [[Max Stirner|Stirner, Max]] v. Bernd A. Laska *)&lt;br /&gt;
* [[Wolfgang Zucht|Zucht, Wolfgang]]&lt;br /&gt;
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'''Legende:''' *) = vorliegend; +) zugesagt; #) in Arbeit&lt;br /&gt;
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[[DadAWiki:Portal]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Otto_Gross&amp;diff=2706</id>
		<title>Otto Gross</title>
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				<updated>2006-08-02T15:08:55Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Otto Hans Adolf Gross, geb. 17. März 1877, Gniebing (Steiermark); gest. 13. Februar 1920, Pankow (Berlin).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biographischer Abriss==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gross war der Sohn des prominenten österreichischen Strafrechtsgelehrten und Begründers der wissenschaftlichen Kriminalistik Hans Gross. Nach dem Studium der Medizin wird Gross 1900 Schiffsarzt auf grossen Fahrten nach Südamerika. Während dieser Schiffsreisen beginnt Gross mit dem Drogenkonsum - Morphium, Kokain und Opium -, wofür er 1902 zum ersten Mal in der Zürcher Heilanstalt Burghölzli behandelt wird. Nach 1900 arbeitet Gross als Assistent in Münchner und Grazer psychiatrischen Kliniken, er liefert Beiträge über psychiatrische Fragen für die Zeitschrift seines Vaters ''Archiv für Kriminalanthropologie und Kriminalistik'', und er veröffentlicht eine erste grössere psychiatrische Studie, ''Die celebrale Sekundärfunktion'' (1902). Im Rahmen seiner Arbeit interessiert er sich zunehmend für die Psychoanalyse, die Sigmund Freud zu dieser Zeit entwickelte, und er entwickelt sich mehr und mehr zu einem Propagandisten der jungen Psychoanalyse. 1905 besucht Gross zum ersten Mal die Bohèmekolonie in Ascona am Lago Maggiore. 1906 zieht Gross mit Frieda Schloffer, seit 1903 mit ihr verheiratet, nach München, wo er zur Vorbereitung seiner Habilitation als Privatdozent der Psychopathologie (1908) in der von Emil Kraepelin geleiteten psychiatrischen Klinik der Münchner Universität arbeitet. Es erscheinen Gross' psychoanalytische Hauptarbeiten, ''Das Freud'sche Ideogenitätsmoment und seine Bedeutung im manisch-depressiven Irresein Kraepelins'' (1907) und ''Über psychopathische Minderwertigkeiten'' (1909). In dieser Zeit verkehrt Gross vielfach in Kreisen der Künstlerbohème in München (Schwabing) - in Kaffeehäusern, wie dem Café Stephanie, analysiert er die Anwesenden - sowie in Ascona ([[Monte Verità]]). Daneben hat Gross über seine Frau gute Beziehungen zum Heidelberger Kreis des Soziologen Max Weber und des Wirtschaftsgelehrten Edgar Jaffé.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen seine Drogenabhängigkeit macht Gross 1907 eine kurzfristig erfolgreiche Entziehungskur, wird aber bald wieder rückfällig und unterzieht sich 1908 auf Anraten Freuds einer psychoanalytischen Behandlung durch Carl Gustav Jung im Burghölzli, flüchtet jedoch bald aus der Klinik. Gross und seine Frau trennen sich, und er beginnt zu reisen - in Deutschland, den Niederlanden, England, Österreich, Italien und der Schweiz. Dabei hält er sich über längere Zeit in Bohèmehochburgen, wie München und Ascona, umwittert von Skandalen, auf. Gross ist zur Auffassung gekommen, Verdrängung von Sexualität sei die wichtigste Ursache psychischer und sozialer Missstände, deshalb plädiert er für&lt;br /&gt;
[[&amp;quot;freie Liebe&amp;quot;]] und führt in diesem Sinne auch selber ein reges Sexualleben - etwa gleichzeitig werden ihm zwei Söhne von F. Schloffer und der Ehefrau E. Jaffés geboren, wenig später noch eine Tochter durch dieSchriftstellerin Regina Ullmann. In diesem Zusammenhang inszeniert er auch Sexualorgien als therapeutische Methode, u. a. in Ascona. Nachdem sich dort eine Freundin Gross', die Malerin Sophie Benz, in psychotischem Zustand mit einer von ihm verabreichten Überdosis Kokain 1911 das Leben nimmt, wird Gross, der schon 1906 ebenfalls in Ascona einer anderen Frau, Lotte Hattemer, Gift zur (erfolgreichen) Selbsttötung verabreicht hatte, wegen dieser Todesfälle von der schweizerischen Polizei zur Fahndung ausgeschrieben. Unter Verwendung eines Gutachtens von C. G. Jung, der bei Gross ''dementia praecox'' diagnostiziert hatte, leitet sein Vater unterdessen Gross' gerichtliche Entmündigung ein. 1913 verhaftet die Berliner Polizei, aufgrund des Schweizer Haftbefehls und eines Ersuchens seines Vaters, Gross in der Wohnung des expressionistischen Schriftstellers Franz Jung. Gross wird anschliessend als &amp;quot;geisteskranker Anarchist&amp;quot; aus Preussen nach Österreich abgeschoben und dort in eine psychiatrische Anstalt in Tulln eingewiesen. Da man ihn in Tulln zu gefährlich findet und eine Befreiungsaktion befürchtet, wird er bald darauf in der Landesirrenanstalt im schlesischen Troppau interniert. Gross' Verhaftung führt zu einer von F. Jung angeregten Kampagne für seine Freilassung, die breite Unterstützung vor allem in expressionistischen Teilen der Bohème erhält: Es erscheinen Aufrufe in Zeitschriften und Sondernummern von Zeitschriften wie ''Die Aktion'', ''Kain'', ''Revolution'', ''Wiecker Bote'' und ''Die Zukunft'', in denen u. a. [[Franz Pfemfert]], [[Erich Mühsam]], Maximilian Harden, Blaise Cendrars, Ludwig Rubiner, Johannes R. Becher Gross' Freilassung fordern. Die Kampagne bleibt indes erfolglos, erst im Juli 1914 wird Gross wieder als gesund erklärt. Gross' Entmündigung - seit Januar 1914 steht er unter Kuratel seines Vaters - bleibt aber rechtskräftig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Freilassung ist Gross wieder als praktizierender Psychiater tätig, arbeitet als Seuchenarzt in ungarischen und österreichischen Krankenhäusern, wird wieder drogenabhängig und muss sich in der Folgezeit erneut Entziehungskuren unterwerfen. 1915 stirbt sein Vater, der ihn bis zu seinem Tod finanziell unterstützte und als Gross' Kurator in seinem Testament jedoch festlegte, Gross müsse nach seinem Tod in einer Anstalt zwangsverpflegt werden - was allerdings nicht geschieht. Dagegen wird die finanzielle Unterstützung eingestellt, so dass Gross, der auch nach weiteren Entziehungskuren nicht zu einer regulären Lebensführung zurückfindet, auf finanzielle Hilfe von Freunden und Bekannten zur Deckung seines Lebens- wie Drogenbedarfs angewiesen ist. Umherziehend, drogensüchtig, ohne regelmässige Ernährung und ohne Bleibe, ist Gross in der Folgezeit in Wien, Prag, München, Budapest und, ab Oktober 1919, in Berlin; er lebt in Kneipen, bei Bekannten, in zufälligen Unterkünften, auf der Strasse und schlägt sich mit Betteln und Gelegenheitsarbeiten durch. Im Februar 1920 bricht er in einem Hauseingang in Berlin mit einer Lungenentzündung und Entzugserscheinungen halbverhungert zusammen. Kurz danach stirbt er in einem Sanatorium in Berlin-Pankow.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politischer Werdegang==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gross wurde wahrscheinlich durch Erich Mühsam zum Anarchisten, mit dem er vermutlich bereits seit seinem ersten Aufenthalt in Ascona 1905, jedenfalls seit seinem Umzug nach München 1906 eng befreundet war; 1907 war Mühsam überdies in psychoanalytischer Behandlung bei Gross. Obwohl Gross sich keiner anarchistischen Organisation anschloss und sich praktisch-politisch als Anarchist wohl nicht betätigte - man kann ihn höchstens zum näheren Umfeld der von Mühsam geleiteten Gruppe &amp;quot;Tat&amp;quot;, der Münchner Gruppe des [[Sozialistischer Bund|Sozialistischen Bundes (SB)]], zählen -, verstand Gross sich ausdrücklich als Anarchist. Zunächst mit Mühsam, später mit Franz Jung, den er 1911 kennenlernt, plant er wiederholt die Herausgabe von Zeitschriften, in denen Anarchismus und Psychoanalyse zusammengebracht werden sollten. Als partielle Realisierung dieser unverwirklichten Vorhaben lässt sich die von Franz Jung herausgegebene Zeitschrift ''Die Freie Strasse'' (1915-18) verstehen, an der Gross mitwirkte. Die Grosszahl der engeren, freundschaftlichen Kontakte von Gross und seiner Frau zu anarchistischen Intellektuellen - u. a. Erich Mühsam, [[Johannes Nohl]], [[Fritz Brupbacher]] - und Schweizer Anarchisten aus dem Umkreis der Zeitschriften ''Weckruf'' und ''Réveil'' indizieren, dass Gross jedenfalls bis zu seiner Internierung 1913 durchaus dem unorganisierten Bohème-Anarchismus zuzurechnen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blieben Gross' Zeitschriftsvorhaben lediglich Projekte, so werden von ihm 1913-14 mehrere politisch orientierte, in erster Linie psychoanalytische Aufsätze in ''Die Aktion'', später, in den Jahren 1919-20, in weiteren expressionistischen Zeitschriften, ''Die Erde'' und ''Das Forum'', sowie in den kommunistischen Organen ''Sowjet'' und ''Räte-Zeitung'' publiziert. In diesen späten Publikationen, die von Franz Jung ermöglicht wurden, verbindet Gross seine psychoanalytischen Theoreme nicht mehr mit Anarchismus. Unter dem Einfluss der revolutionären Vorgänge in Russland und Österreich-Ungarn (in Wien beteiligte Gross sich an den politischen Ereignissen) und des Spartakus-Aufstands in Berlin (sowie vermutlich Franz Jungs Hinwendung zum [[Rätekommunismus]]) wird Kommunismus Gross' erklärtes Ziel und Grundlage seiner psychoanalytischen Überlegungen, obwohl er sich noch ausdrücklich auf [[Peter Kropotkin]] bezieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eigene Theorieausbildung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gross' Schriften sind hauptsächlich Beiträge zur Psychoanalyse und klinischen Neuropathologie. Schon früh entwickelt sich bei Gross ein eigenes Verständnis der Psychoanalyse, die er - anders als Freud - nicht nur als analytisches Verfahren zur Behebung von psychischen und neurotischen Problemen durch eine klinische Befragungspraxis verstand, sondern als &amp;quot;Philosophie der Revolution, ( ... ) als Ferment der Revoltierung innerhalb der Psyche, als die Befreiung der vom eigenen Unbewussten gebundenen Individualität&amp;quot; (1980, S. 13). Diese Ausweitung der Psychoanalyse zu einer psychosozialen Theorie, die - in Verbindung mit Gross' skandalöser psychiatrischer Praxis und Lebensführung - zu seiner Ausgrenzung aus der Freudschen psychoanalytischen Tradition führte, hängt damit zusammen, dass, Gross zufolge, individuelle psychische Probleme - Neurosen, Hysterie, Morbidität usw. - nicht auf Störungen in der individuellen sexuellen Entwicklung, die jeder Mensch grundsätzlich von Geburt an durchmacht, zurückzuführen seien. Vielmehr versteht er diese Probleme als Folgen gesellschaftlicherZwänge, denen das Individuum im Zuge seiner Sozialisation ausgesetzt ist, insbesondere - und insofern folgt er Freud - im Bereich der Sexualität: &amp;quot;Forderungen der Gesamtheit erfüllen sich auf Kosten der individuellen Regulation. Die sozialen Beschränkungen gestatten dem Individuum unter bestimmten Bedingungen nicht seine eigenen biologischen Regulationen, d. h. Affekte zu leben&amp;quot; (1907, S. 15). Anknüpfend an Alfred Adler und Friedrich Nietzsche ergebe sich hieraus in den Worten Nietzsches ein &amp;quot;Konflikt zwischen Eigenem und Fremdem&amp;quot; (1980, S. 27) im Unbewussten jedes Einzelnen. Dieser Konflikt zwischen individuell-eigenen, natürlichen Sexualbedürfnissen, die, Gross zufolge, einerseits polygamisch/polyandrisch bisexuell, und andererseits gesellschaftliche Fremdbestimmungen sind, führe vielfach zu psychischen Problemen, wenn gesellschaftliche Normierung im Bereich der Sexualität nicht mit den natürlichen Bedürfnissen im Einklang sei. Dies sei der Fall, so Gross, in der existierenden patriarchalen, zur heterosexuellen Monogamie verpflichtenden Familienordnung, nicht zuletzt, weil dieses Patriarchat &amp;quot;als Raubehe ihren Ursprung genommen&amp;quot; habe, als &amp;quot;Gebrauch von kriegsgefangenen Sklavinnen&amp;quot; (1980, S. 30), und daher &amp;quot;Vergewaltigung in ursprünglichster Form&amp;quot;, von Anfang an ein Gewaltsverhältnis darstelle (1980, S. 16). Dabei bezieht sich Gross auf die These des Rechtsgelehrten Johannes Jakob Bachofen in seinem Buch ''Das Mutterrecht'' (1861), dem kontemporären Patriarchat, dem &amp;quot;Vaterrecht&amp;quot;, sei eine ursprüngliche, natürliche, matriarchale Sexualordnung vorausgegangen (auch Freud bezog sich auf Bachofens Annahme und betrachtete das Patriarchat dagegen als intellektuelle Überwindung des irrationalen Matriarchats).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gross zog als Konsequenz aus dieser Verknüpfung von Psychoanalyse und Matriarchatstheorie, dass der &amp;quot;Revolutionär von heute, der mit Hilfe der Psychologie des Unbewussten die Beziehungen der Geschlechter in einer freien und glückverheissenden Zukunft sieht, ( ... ) gegen den Vater und gegen das Vaterrecht&amp;quot; kämpfen, die &amp;quot;kommende Revolution ( ... ) die Revolution fürs Mutterrecht&amp;quot; sein sollte (ebd.), wie Gross 1910 in einem zur Veröffentlichung in ''Der Sozialist'' gedachten, von [[Gustav Landauer]] jedoch verweigerten Antwortschreiben auf seine Attacken in ''Der Sozialist'' gegen die Psychoanalyse schreibt. Lehnte Landauer die Psychoanalyse ab, weil ihre Hervorhebung der Sexualität das von ihm fast religiös gefasste &amp;quot;Geistige&amp;quot; herabwürdigte, Sexualität ausserdem eine Privatangelegenheit sei, in die sich der Anarchismus nicht einzumischen habe, und die Psychoanalyse schliesslich zu Exzessen führe (unter Bezugnahme auf Gross' skandalumwitterte psychoanalytische Praxis), so versteht Gross die Berücksichtigung psychoanalytischer Einsichten geradezu als Voraussetzung für das Gelingen einer [[Revolution]] in anarchistischem Sinne. Frühere Revolutionen wären deshalb gescheitert, weil sie den &amp;quot;Konflikt der Individualität mit der ins eigene Innere eingedrungenen Autorität&amp;quot; (1980, S. 14) und diese durch das Patriarchat bewirkte autoritäre Disposition, die [[Herrschaft]] des &amp;quot;Fremden&amp;quot; über das &amp;quot;Eigene&amp;quot; im Individuum, unberührt liessen. Folglich sei die Wiederherstellung des Matriarchats nicht nur entscheidend dafür, ob die &amp;quot;kommende Revolution&amp;quot; erfolgreich sein würde. Ebenfalls galt es, als revolutionäre &amp;quot;Vorarbeit&amp;quot;, so Gross, aufgrund psychologischer Einsichten eine &amp;quot;neue Ethik&amp;quot; zu propagieren und - vorzuleben, wie Gross es in seiner eigenen Lebensführung, nicht zuletzt auch durch Sexualorgien, versuchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebte Gross in dieser Hinsicht und mit einer Auffassung von &amp;quot;freier Liebe&amp;quot; in ungehemmter Promiskuität, die im selben Zeitraum von einer radikalen Strömung in der anarchistischen Diskussion über &amp;quot;freie Liebe&amp;quot; u. a. von [[Emma Goldman]], [[Emile Armand]] und Erich Mühsam vertreten wurde, so dürfen zwei wesentliche Besonderheiten von Gross' Überlegungen nicht übersehen werden: Erstens ist Gross' Perspektive eine andere: sein Ausgangspunkt ist die Psychoanalyse, die Erkenntnis psychischer Probleme, die er als Folgen unnatürlicher Einschränkungen des menschlichen Trieblebens versteht, während die Vertreter einer radikalen Auffassung von &amp;quot;freier Liebe&amp;quot; aus einer politischen Perspektive argumentieren, die vom Paradigma einer grösstmöglichen Freiheit des Individuums als einzig wahrer Gerechtigkeit ausgeht. Gross' Verknüpfung von Psychoanalyse, Matriarchatstheorie und Anarchismus unterscheidet sich von der politisch-anarchistischen Konzeption &amp;quot;freier Liebe&amp;quot; zweitens darin, dass von politisch-anarchistischer Seite &amp;quot;freie Liebe&amp;quot; als Prinzip einer allgemeinen neuen Sexualmoral und neuer Formen des Zusammenlebens grundsätzlich erst nach einer sozialpolitischen Revolution, insofern diese angestrebt wird, denkbar sei. Gross geht dagegen von einer umgekehrten Reihenfolge aus: Die Realisierung einer &amp;quot;neuen Ethik&amp;quot;, d. i. das alte &amp;quot;Mutterrecht&amp;quot;, und somit die Eliminierung des inneren &amp;quot;Konflikts zwischen Eigenem und Fremden&amp;quot; und patriarchal-autoritärer Denkformen gelten ihm als Voraussetzung einer sozial-politischen Revolution, die dadurch zugleich unwiederbringlich eine libertäre sein sollte, indem die autoritäre Disposition, die er in erster Linie als Resultat patriarchaler Familienstrukturen und Sexualverhältnisse betrachtete, überwunden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Gross' innerhalb des libertären Spektrums==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon zu Gross' Lebzeiten wurde u. a. von Emma Goldman die psychoanalytische Lehre Freuds als Erweiterung des Anarchismus verstanden, - wie auch bei Gross, jedoch ohne ihn zu kennen - als Bestätigung der Notwendigkeit einer freieren Sexualmoral; ähnlich wurde von Peter Heintz in ''Gegenwart und Anarchismus'' (1951, 1985) in Verbindung mit dem Surrealismus die libertäre Dimension der Psychoanalyse betont. In diesem Zusammenhang kann Gross' Bedeutung darin gesehen werden, dass seine Überlegungen wohl den ersten elaborierten Ansatz bilden, psychoanalytische Erkenntnisse mit dem sozialpolitischen Anarchismus zu verbinden, als einzigartigen Versuch, Psychologie und Psychiatrie nicht gegen die anarchistische Bewegung einzusetzen (wie es seit der Psychologisierung und Psychiatrisierung des Anarchisten-&amp;quot;Typus&amp;quot; durch den italienischen &amp;quot;Kriminalpsychologen&amp;quot; Cesare Lombroso bis auf dem heutigen Tag nicht ungebräuchlich ist), sondern sie zu einer ihrer Waffen umzugestalten. Dabei antizipiert Gross in vielen Hinsichten die Theoreme des marxistischen Psychotherapeuten [[WiIhelm Reich]]. Während Gross' theoretische Leistung in dieser Hinsicht nicht zu unterschätzen ist, darf gleichzeitig die Wirkungslosigkeit seiner Ideen in der anarchistischen Bewegung und Theoriebildung nicht übersehen werden. Wurde Gross' Leben und Werk von vielen deutschen expressionistischen Schriftstellern als Gegenstand und Leitfaden von Romanen und Erzählungen aufgegriffen, so wurde Gross' Gedankengut von zeitgenössischen Anarchisten kaum wahrgenommen. Ausnahmen bildeten Landauer und Mühsam, wobei ersterer, u. a. in ''Der Sozialist'', die Psychoanalyse und nicht zuletzt Gross' sozialpolitische Dimensionierung scharf kritisierte; Mühsam hingegen Gross' Ideen, u. a. in ''Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat'' (1933, 1988), in seine Anarchismus-Konzeption integrierte, namentlich die These, dass die - für das Fortwähren hierarchischer Gesellschaftsgebilde mitverantwortliche - autoritäre Disposition vieler Menschen Resultat der patriarchalen Familie sei und der Anarchismus folglich nicht zuletzt die Revolte gegen die &amp;quot;Vaterschaftsfamilie&amp;quot; impliziere, eine Revolte gegen den Vater, die in Mühsams eigener Entwicklung zum Anarchisten ein wichtiges Moment darstellte, wie auch Gross' Kritik väterlicher Autorität ohne sein schwieriges (Abhängigkeits-)Verhältnis zu seinem autoritären Vater wahrscheinlich nie zustande gekommen wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur und Quellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wichtigste Werke===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die celebrale Sekundärfunktion, Leipzig 1902 &lt;br /&gt;
* Das Freud'sche Ideogenitätsmoment und seine Bedeutung im manisch-depressiven Irresein Kraepelins, Leipzig 1907&lt;br /&gt;
* Über psychopathische Minderwertigkeiten, Wien/Leipzig 1909&lt;br /&gt;
* Drei Aufsätze über den inneren Konflilkt, Bonn 1920&lt;br /&gt;
* Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe, hg. v. K. Kreiler, Frankfurt/M. 1980. Diese von Franz Jung 1923 geplante Anthologie enthält Gross' verstreute Beiträge der Jahre 1908-20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* A. Backes-Haase: ''&amp;quot;Der neue Mensch&amp;quot; - ein Erziehungsentwurf der Moderne: Der Fall Gross.'' In: Hofmannsthal-Jahrbuch zur europäischen Moderne, 21, 1994, S. 333 - 358&lt;br /&gt;
* M. Green: ''The von Richthofen Sisters. The Triumphant and the Tragic Modes of Love. Else and Frieda Richthofen, Otto Gross, Max Weber and D. H. Lawrence, in the Years 1870 - 1970'', New York 1974&lt;br /&gt;
* E. Hurwitz: ''Otto Gross. Von der Psychoanalyse zum Paradies.'' In: Monte Verità. Berg der Wahrheit. Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Mailand 1978, S. 106 - 116&lt;br /&gt;
* E. Hurwitz: ''Otto Gross. Paradies-Sucher zwischen Freud und Jung,'' Zürich-Frankfurt/M. 1980&lt;br /&gt;
* F. Jung: ''Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe.'' In: Gross 1980, S. 125 - 148&lt;br /&gt;
* J. E. Michaels: ''Anarchy and Eros. Otto Gross' Impact on German Expressionist Writers,'' New York-Bern-Frankfurt/M. 1983&lt;br /&gt;
* A. Mitzman: ''Anarchism, Expressionism and Psychoanalysis.'' In: New German Critique, 10, 1977, S. 77 - 104&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Gross,_Otto_v._Gottfried_Heuer&amp;diff=2693</id>
		<title>Gross, Otto v. Gottfried Heuer</title>
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				<updated>2006-08-02T13:59:48Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Text folgt demnächst&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Otto_Gross&amp;diff=2689</id>
		<title>Otto Gross</title>
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				<updated>2006-08-02T13:54:50Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Text folgt in Kürze&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Portal_Buchverlage&amp;diff=2348</id>
		<title>Portal Buchverlage</title>
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				<updated>2006-07-24T11:31:03Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;In dieser Rubrik können sich deutschsprachige libertäre bzw. anarchistische Verlage vorstellen. Hierbei bitte am Mustereintrag (LSR-Verlag) orientieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Edition Anares Bern]] &lt;br /&gt;
* [[Karin Kramer Verlag]] (Berlin) &lt;br /&gt;
* [[Libertad Verlag]] (Potsdam) &lt;br /&gt;
* [[LSR-Verlag]] (Nürnberg) - '''Mustereintrag!'''&lt;br /&gt;
* [[OPPO-Verlag]] (Berlin) &lt;br /&gt;
* [[Trotzdem Verlag]]&lt;br /&gt;
* [[Verlag Max-Stirner-Archiv]] (Leipzig)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Stirner,_Max&amp;diff=2325</id>
		<title>Stirner, Max</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Stirner,_Max&amp;diff=2325"/>
				<updated>2006-07-23T14:50:18Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;sub&amp;gt;Dieser Artikel erschien erstmals in: Lexikon der Anarchie, hg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff (Loseblattsammlung), 3. Lieferung Sept. 1995 (leicht überarbeitet: April 1998)&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Max Stirner''', geb. 25. Oktober 1806 in Bayreuth, gest. 25. Juni 1856 in Berlin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max Stirner ist das Pseudonym für Johann Caspar Schmidt. Schmidt wurde am 25. Oktober 1806 in Bayreuth als erstes Kind protestantischer Eltern geboren. Sein Vater, ein Handwerker, der Flöten und andere Musikinstrumente herstellte, starb, als Johann Caspar ein halbes Jahr alt war. Die Mutter heiratete zwei Jahre später einen Apotheker und übersiedelte mit ihm ins westpreussische Kulm. Johann Caspar wurde bald nachgeholt, jedoch 1818, im Alter von 12 Jahren, nach Bayreuth zurückgeschickt, wo er in die Familie seines Paten aufgenommen wurde und das renommierte, von Georg Andreas Gabler geleitete Gymnasium besuchte (Gabler wurde nach Hegels Tod 1831 dessen Nachfolger an der Universität Berlin).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmidt immatrikulierte sich 1826 an der Berliner Universität, wo er u.a. bei Hegel und Schleiermacher hörte. Er brach jedoch sein mit grossem Eifer begonnenes Studium nach vier Semestern ab und ging -- nach einem nicht beendeten Semester in Erlangen -- &amp;quot;auf eine längere Reise durch Deutschland&amp;quot;. 1833 kehrte er nach Berlin zurück, wo er zwei weitere Semester studierte und nach weiteren Unterbrechungen die sonstigen formellen Bedingungen erfüllte, um schliesslich 1839, im Alter von 33 Jahren, seine erste feste Stellung anzutreten: als Lehrer an einer Berliner Mädchenschule.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab Mitte 1841 war Schmidt häufiger Gast bei den [[Die Freien|&amp;quot;Freien&amp;quot;]], einer lockeren Gruppierung von jungen, oppositionellen &amp;quot;Intellektuellen&amp;quot; um den Ex-Hegelianer und Ex-Theologen Bruno Bauer, dem neben Ludwig Feuerbach führenden Kopf der sog. [[Junghegelianer]]. Zu dieser Zeit begann er, mit kleineren Beiträgen als Journalist und Schriftsteller an die Öffentlichkeit zu treten: teils anonym, teils bereits pseudonym als &amp;quot;Max Stirner&amp;quot;. In den Jahren 1842-47 entstanden Stirners wichtigste Schriften, insbesondere sein Werk ''[[Der Einzige und sein Eigentum]]'', das, vordatiert auf 1845, Ende Oktober 1844 erschien.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ''Einzige'' erregte für kurze Zeit ein skandalöses, von Verboten (&amp;quot;zu radikal&amp;quot;) und Verbotsaufhebungen (&amp;quot;so radikal, dass er sich selbst widerlegt&amp;quot;) begleitetes Aufsehen. Einige Autoren reagierten mit kleineren Gegenschriften, auf die Stirner mit dem Artikel ''Recensenten Stirners'' antwortete. Die wichtigste Gegenschrift indes verfasste anschliessend Karl Marx: den furiosen ''Sankt Max''. Marx veröffentlichte seinen Anti-Stirner nach einigem Zögern jedoch nicht, vermutlich aus zwei Gründen: erstens, weil er (insgeheim) die Stichhaltigkeit seiner polemischen Kritik bezweifelte und eine Duplik Stirners fürchtete; zweitens, weil Stirner inzwischen -- schon ein Jahr vor den Ereignissen des März 1848 und ihren politischen Folgen, die den radikalen philosophischen Diskussionen ohnehin ein Ende setzten -- bereits zur Unperson geworden war, öffentliche Kritik an ihm somit fehl am Platze und taktisch unklug gewesen wäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner, der zweimal kinderlos verheiratet war (1838 und 1843-46), hatte kurz vor Erscheinen seines ''Einzigen'' seine Lehrerstelle aufgegeben und verdiente danach seinen Lebensunterhalt mit selbständiger Erwerbstätigkeit. Er verbrachte die restliche Zeit seines Lebens, literarisch kaum noch tätig, in zunehmender materieller Armut. An den politischen Ereignissen der Jahre 1848/49 scheint er sich, im Gegensatz zu den meisten Junghegelianern, nicht beteiligt zu haben. Stirner starb, von den Zeitgenossen vergessen, am 25.Juni 1856 in Berlin und wurde auf dem Sophienfriedhof beigesetzt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Der Einzige und sein Eigentum'' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner ist ein ''&amp;quot;vir unius libri&amp;quot;''; sein Werk kann ohne substantiellen Verlust auf jenes eine Buch, ''Der Einzige und sein Eigentum'', reduziert werden. Dieser ''Einzige'' hatte ein aussergewöhnlich interessantes Bücherschicksal. Er war zunächst, wie alle Beiträge der junghegelianischen Diskussion der 1840er Jahre, schnell vergessen, wurde jedoch, als einziger daraus, nach längerer Zeit wiederentdeckt und -- nach erneutem Vergessen abermals wiederentdeckt. Diese beiden sog. Stirner-Renaissancen (1893ff und 1968ff) hatten zudem jeweils einen sehr ungewöhnlichen Anlass: sie waren wesentlich Ergebnis der energischen Initiative jeweils eines einzelnen Mannes, und zwar eines dezidierten Stirner-Gegners: 1893 des Nietzscheaners Paul Lauterbach und 1968 des Marxisten Hans G. Helms. Beide exponierten Stirners Buch aus erklärtermassen hochpolitischem Grund: um die Grösse und aktuelle Bedeutung der geistigen Tat Nietzsches bzw. Marx' -- als &amp;quot;Überwinder&amp;quot; Stirners als des literarischen Inbegriffs des &amp;quot;absolut Bösen&amp;quot; -- um so klarer hervortreten zu lassen. Obwohl der ''Einzige'' ein Verkaufserfolg wurde -- bisher mehr als 100'000 Exemplare -- blieb Stirner eine Randfigur der Ideengeschichte. Die Absicht der beiden Initiatoren, Stirner als den Antipoden zu Nietzsche bzw. zu Marx zu etablieren -- was ''nolens volens''  eine gewaltige Aufwertung Stirners bedeutet hätte -- gelang bisher nicht (vgl. Laska 1994).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Anarchisten und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner bezeichnete sich selbst nirgendwo als [[Anarchie - Zur Geschichte eines Reiz- und Schlagwortes|Anarchisten]]; er kritisierte vielmehr in seinem ''Einzigen''  (1844) den Mann, der sich 1840 als erster selbst einen Anarchisten genannt hatte: [[Pierre-Joseph Proudhon|Proudhon]] -- allerdings nicht deswegen, sondern wegen seiner moralisierenden Betrachtungsweise der gesellschaftlichen Probleme. Proudhon, der sonst sehr an der Entwicklung der (jung-)hegelianischen Philosophie in Deutschland interessiert war, überging Stirners ''Einzigen'' mit Schweigen. Auch [[Michail Bakunin|Bakunin]], der andere massgebliche Anarchist des 19. Jahrhunderts, vermied es, sich zum ''Einzigen'' zu äussern. Diese offenkundige Berührungsangst der Anarchisten vor Stirner machten sich in den 1880er Jahren -- nach dem Tode von Marx, der einst ebenfalls einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen war -- die Marxisten für ihre politische Polemik zunutze: Stirner sei &amp;quot;der Prophet des heutigen Anarchismus&amp;quot;; Bakunin sei nichts als Proudhon plus Stirner, so lautete die von Friedrich Engels 1886 ausgegebene Parole.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Historiker des Anarchismus, selbst keine Anarchisten, rechneten Stirner, der inzwischen im Kielwasser des Nietzscheanismus zu einer bekannten Figur geworden war, ebenfalls dem Anarchismus zu (Zenker 1895, Eltzbacher 1900, Zoccoli 1907). Die Anarchisten selbst hielten indes nach wie vor Distanz zu Stirner. Nur eine kleine Gruppe, die sich als [[Individualistischer Anarchismus|&amp;quot;individualistische Anarchisten&amp;quot;]] von der eigentlichen anarchistischen Bewegung abgrenzte, bekannte sich demonstrativ zu Stirner (mit zweifelhafter Berechtigung).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die distanzierte Haltung der Anarchisten gegenüber Stirner änderte sich auch im 20. Jahrhundert nicht wesentlich. [[Gustav Landauer|Landauer]] stand Stirner über längere Zeit sehr ambivalent, schliesslich aber eindeutig ablehnend gegenüber. [[Erich Mühsam|Mühsam]] erwähnt Stirner nur einmal: in einer autobiographischen Skizze, in der er Landauer dafür dankt, dass er ihn als jungen Mann dem verführerischen Einfluss Stirners entrissen habe. [[Pjotr Kropotkin|Kropotkin]], der über Jahrzehnte zu Stirner geschwiegen hatte, denunzierte ihn schliesslich, zu einer Stellungnahme gedrängt, als &amp;quot;Manchestermann&amp;quot; und damit Pseudo-Anarchisten (der sonst so milde Mann konnte, wie Nettlau überlieferte, sehr wütend werden, wenn im Gespräch auch nur der Name Stirner fiel). [[Max Nettlau|Nettlau]], selbst Anarchist und wohl bester Kenner der anarchistischen Bewegung in ihrer Glanzzeit, stand eher ratlos vor dem Phänomen, dass die meisten Anarchisten Stirner ablehnten, und meinte, Stirner sei eben meist missverstanden worden. Dieses Urteil von 1927, aus der Endphase einer Epoche, in der sowohl das Interesse an Stirner als auch der Einfluss des politischen Anarchismus relativ gross gewesen waren, kann heute, nachdem beide in den 60er Jahren noch einmal auflebten, erneuert werden. Nur sollte ein so hartnäckiges &amp;quot;Missverstehen&amp;quot; -- zumal es auch in der Stirner-Rezeption ausserhalb des Anarchismus vorherrscht -- Grund zu intensiven Nachforschungen geben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Übereinstimmung mit der vorherrschenden, meist ohne nähere Begründung und indirekt ausgedrückten Ablehnung Stirners durch die grosse Mehrzahl der Anarchisten -- der allenfalls die oberflächliche, unspezifische Zustimmung durch wenige Einzelne gegenübersteht -- stellen in zunehmendem Masse auch die Autoren neuerer Untersuchungen zum Anarchismus oder zu Stirner die überkommene Einordnung Stirners als Anarchisten in Frage bzw. in Abrede (Heintz 1951, Lösche 1977, Ritter 1980).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Philosophen und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anarchisten, insbesondere deren theoretische Köpfe, waren nicht die einzigen, die einen öffentlichen argumentativen Diskurs mit Stirner bzw. über dessen ''Einzigen'', so nahe er thematisch auch lag, vermieden haben. Sie befinden sich mit dieser ausweichenden Haltung durchaus in angesehener Gesellschaft. Marx, der seinen Anti-Stirner wohlweislich nicht veröffentlichte, wurde bereits genannt. Nietzsche ist, seiner Bedeutung wegen, hier als nächster zu nennen: eine genaue Untersuchung seiner intellektuellen Biographie ergibt starke Indizien für die Annahme, dass direkte Spuren seiner Konfrontation mit Stirners ''Einzigem'' deshalb fehlen, weil er selbst sie sorgfältigst verwischte. Die Stirner-Renaissance der Jahrhundertwende wurde dann wesentlich dadurch möglich, dass die Lehren, die diese beiden Denker -- grossteils in Abwehr der Stirner'schen -- entwickelt hatten, zu Massenerfolgen geworden waren. Stirner konnte nun, wenn nicht als exaltierter Anarchist, dann als banausischer und damit abgetaner Vorläufer Nietzsches eingeordnet werden -- oder als Scheinradikaler, der bereits vom jungen Marx als &amp;quot;wildgewordener Kleinbürger&amp;quot; entlarvt worden sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Liste der Denker, in deren intellektueller Vita gleichfalls eine existenzielle Erschütterung durch Stirners ''Einzigen''  nachweisbar ist, auf die sie, statt mit einer argumentativen und nachvollziehbaren Auseinandersetzung, mit einer veritablen Verdrängung reagierten, enthält durchaus weitere klangvolle Namen: von Carl Schmitt (der als Student Stirner anfangs als &amp;quot;wahre Erquickung&amp;quot;, bald jedoch als Plage, empfand, ihn dann vergessen zu haben scheint und erst vierzig Jahre später, in der Not der Einzelhaft, wieder mit ihm zu ringen hatte) bis zu Jürgen Habermas (der als junger Mann gegen die vermeintliche &amp;quot;Absurdität der Stirnerschen Raserei&amp;quot; mit eigener Raserei sich zu wehren versuchte, Stirner dann aber so gründlich verdrängte, dass er ihn in den nächsten vierzig Jahren -- selbst in seinen einschlägigen Spezialarbeiten: z.B. über die Junghegelianer, über die Entstehung des historischen Materialismus -- nicht einmal mehr nannte).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stirners potentielle Aktualität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bevorzugte Methode, den Gehalt des ''Einzigen'', Stirners &amp;quot;Philosophie&amp;quot; -- gelegentlich in eingestandener Ratlosigkeit auch &amp;quot;Unphilosophie&amp;quot; genannt -- darzustellen, war stets die epitomatische: kurze, prägnante Abschnitte aus dem Text wurden aneinandergereiht und sollten für sich sprechen. Einprägsame Sentenzen wie &amp;quot;Ich hab' mein' Sach' auf Nichts gestellt&amp;quot; und &amp;quot;Mir geht nichts über Mich&amp;quot; wurden weithin bekannt, stehen für einen rohen Nihilismus bzw. Egoismus und werden oft für die -- so gesehen: dürftige -- Quintessenz des ''Einzigen'' genommen. Selbstverständlich gab es auch genauere, solidere, gründlichere Darstellungen und Untersuchungen zu diesem oft mit Superlativen -- &amp;quot;extremsten&amp;quot;, &amp;quot;kühnsten&amp;quot;, &amp;quot;fluchwürdigsten&amp;quot; etc. -- bedachten Buch; doch kamen auch sie letztlich zu keinem grundsätzlich anderen Ergebnis.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konventionellen Methoden, philosophische Texte zu interpretieren, haben im Falle des ''Einzigen'' versagt. Keinem Autor gelang es bisher, die oft gespürte, gelegentlich auch ausdrücklich festgestellte Sonderstellung Stirners in der Philosophie des 19. Jahrhunderts, der Neuzeit, gar der gesamten Geschichte wirklich präzise zu bestimmen. Stirners ''Einziger'' blieb, was geflissentlich übersehen wird, ein ''hapax legomenon'' im Text der abendländischen Philosophie.    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Richtigkeit dieser Behauptung lässt sich vorläufig am einleuchtendsten durch die doch äusserst erstaunliche Tatsache stützen, dass einige der grössten der heute allgemein anerkannten Denker (und die bedeutendsten anarchistischen Theoretiker!) einer sachlich gebotenen, argumentativen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen sind. Die blosse Erkenntnis, das dauerhafte Fürwahrhalten und vor allem das philosophiehistorische Gewichten dieser Tatsache ist offenbar stets durch vielerlei Hindernisse äusserst erschwert gewesen (dies lässt sich anhand des massenhaften sekundären Ausweichens, des bequemen blinden Nachvollzugs jenes primären der Grosstheoretiker, demonstrieren, besonders eindrucksvoll am Beispiel der Marx-Forschung). Ein Abbau dieser gewaltigen Hindernisse scheint jedoch mit dem seit einiger Zeit voranschreitenden Geltungsverlust aller etablierten Doktrinen einherzugehen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner hat sein Buch ausdrücklich als &amp;quot;einen Anfang&amp;quot; bezeichnet, als den Anfang einer Entwicklung, die er nach dem proklamierten &amp;quot;Ende der Philosophie&amp;quot; für möglich hielt. Der junge Karl Marx hielt den ''Einzigen'' für hochaktuell: er schrieb sich nach der Lektüre jenen später berühmt gewordenen Satz auf, wonach es darauf ankäme, die Welt zu verändern, und konzipierte in den folgenden Monaten den historischen Materialismus. Die Fortsetzung von Stirners &amp;quot;Anfang&amp;quot; war dies allerdings nicht; vielmehr eine offenbar sehr wirksame Verschüttung der von Stirner aufgeworfenen Problematik. So wie Marx -- nicht im Detail, aber im Prinzip -- reagierten bis in unsere Zeit eine Reihe hervorragender Denker auf die Konfrontation mit dem ''Einzigen''. Daraus, nicht aus den überall nachzulesenden Urteilen über Stirner, ergibt sich seine nach wie vor potentielle Aktualität.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Von Stirner:''' &lt;br /&gt;
* Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum. Stuttgart: Reclam 1972ff&lt;br /&gt;
* Max Stirner: Parerga, Kritiken, Repliken, hg. v. Bernd A. Laska. Nürnberg:  LSR-Verlag 1986  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Über Stirner:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biographie:  &lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Max Stirner -- Sein Leben und sein Werk. Nachdruck der 3. Auflage 1914. Freiburg: Mackay-Gesellschaft 1977  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Frage: Ist Stirner Anarchist?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ernst Zenker: Der Anarchismus. 1895. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1979&lt;br /&gt;
* Paul Eltzbacher: Der Anarchismus.1900. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1977&lt;br /&gt;
* Hector Zoccoli: Die Anarchie. 1907, dt.1909. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1976&lt;br /&gt;
* Max Nettlau: Der Vorfrühling der Anarchie. 1927. Nachdruck Bremen: Impuls o.J.&lt;br /&gt;
* Peter Heintz: Anarchismus und Gegenwart. 1951. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1973, 1985&lt;br /&gt;
* Peter Lösche: Anarchismus. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1977; sowie ders.: Anarchismus. Art. in Pipers Handbuch der politischen Ideen. Band 4. München: Piper 1986. S. 415-447&lt;br /&gt;
* Alan Ritter: Anarchism. A Theoretical Analysis. Cambridge (GB): CUP 1980  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur hier vorgeschlagenen Stirner-Interpretation:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bernd A. Laska: Ein heimlicher Hit. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Editionsgeschichte. Nürnberg: LSR 1994 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss1 ''Stirner-Studien Nr.1''])&lt;br /&gt;
* ders.: Ein dauerhafter Dissident. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg: LSR-Verlag 1996 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ''Stirner-Studien Nr.2''])&lt;br /&gt;
* ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Max Stirner. Nürnberg: LSR-Verlag 1997 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ''Stirner-Studien Nr.3''])&lt;br /&gt;
* ders.: [[Individualistischer Anarchismus]]. Artikel in: Lexikon der Anarchie, hg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msee.html Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum] (Volltext, HTML)&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/msrec.html Max Stirner: Recensenten Stirners] (Stirners Replik auf Feuerbach, Hess, Szeliga)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://www.lsr-projekt.de/ms.html Max Stirner im LSR-Projekt] (Bernd A. Laska)&lt;br /&gt;
* [http://www.max-stirner-archiv-leipzig.de Max-Stirner-Archiv Leipzig] (Kurt W. Fleming)&lt;br /&gt;
* [http://www.projektmaxstirner.de Projekt Max Stirner] (Ibrahim Türkdogan)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Autor: Bernd A. Laska&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Stirner,_Max&amp;diff=2324</id>
		<title>Stirner, Max</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Stirner,_Max&amp;diff=2324"/>
				<updated>2006-07-23T14:39:18Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Die Anarchisten und Stirner */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;sub&amp;gt;Dieser Artikel erschien erstmals in: Lexikon der Anarchie, hg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff (Loseblattsammlung), 3. Lieferung Sept. 1995 (leicht überarbeitet: April 1998)&amp;lt;/sub&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Max Stirner''', geb. 25. Oktober 1806 in Bayreuth, gest. 25. Juni 1856 in Berlin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max Stirner ist das Pseudonym für Johann Caspar Schmidt. Schmidt wurde am 25. Oktober 1806 in Bayreuth als erstes Kind protestantischer Eltern geboren. Sein Vater, ein Handwerker, der Flöten und andere Musikinstrumente herstellte, starb, als Johann Caspar ein halbes Jahr alt war. Die Mutter heiratete zwei Jahre später einen Apotheker und übersiedelte mit ihm ins westpreussische Kulm. Johann Caspar wurde bald nachgeholt, jedoch 1818, im Alter von 12 Jahren, nach Bayreuth zurückgeschickt, wo er in die Familie seines Paten aufgenommen wurde und das renommierte, von Georg Andreas Gabler geleitete Gymnasium besuchte (Gabler wurde nach Hegels Tod 1831 dessen Nachfolger an der Universität Berlin).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmidt immatrikulierte sich 1826 an der Berliner Universität, wo er u.a. bei Hegel und Schleiermacher hörte. Er brach jedoch sein mit grossem Eifer begonnenes Studium nach vier Semestern ab und ging -- nach einem nicht beendeten Semester in Erlangen -- &amp;quot;auf eine längere Reise durch Deutschland&amp;quot;. 1833 kehrte er nach Berlin zurück, wo er zwei weitere Semester studierte und nach weiteren Unterbrechungen die sonstigen formellen Bedingungen erfüllte, um schliesslich 1839, im Alter von 33 Jahren, seine erste feste Stellung anzutreten: als Lehrer an einer Berliner Mädchenschule.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab Mitte 1841 war Schmidt häufiger Gast bei den [[Die Freien|&amp;quot;Freien&amp;quot;]], einer lockeren Gruppierung von jungen, oppositionellen &amp;quot;Intellektuellen&amp;quot; um den Ex-Hegelianer und Ex-Theologen Bruno Bauer, dem neben Ludwig Feuerbach führenden Kopf der sog. [[Junghegelianer]]. Zu dieser Zeit begann er, mit kleineren Beiträgen als Journalist und Schriftsteller an die Öffentlichkeit zu treten: teils anonym, teils bereits pseudonym als &amp;quot;Max Stirner&amp;quot;. In den Jahren 1842-47 entstanden Stirners wichtigste Schriften, insbesondere sein Werk ''[[Der Einzige und sein Eigentum]]'', das, vordatiert auf 1845, Ende Oktober 1844 erschien.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ''Einzige'' erregte für kurze Zeit ein skandalöses, von Verboten (&amp;quot;zu radikal&amp;quot;) und Verbotsaufhebungen (&amp;quot;so radikal, dass er sich selbst widerlegt&amp;quot;) begleitetes Aufsehen. Einige Autoren reagierten mit kleineren Gegenschriften, auf die Stirner mit dem Artikel ''Recensenten Stirners'' antwortete. Die wichtigste Gegenschrift indes verfasste anschliessend Karl Marx: den furiosen ''Sankt Max''. Marx veröffentlichte seinen Anti-Stirner nach einigem Zögern jedoch nicht, vermutlich aus zwei Gründen: erstens, weil er (insgeheim) die Stichhaltigkeit seiner polemischen Kritik bezweifelte und eine Duplik Stirners fürchtete; zweitens, weil Stirner inzwischen -- schon ein Jahr vor den Ereignissen des März 1848 und ihren politischen Folgen, die den radikalen philosophischen Diskussionen ohnehin ein Ende setzten -- bereits zur Unperson geworden war, öffentliche Kritik an ihm somit fehl am Platze und taktisch unklug gewesen wäre.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner, der zweimal kinderlos verheiratet war (1838 und 1843-46), hatte kurz vor Erscheinen seines ''Einzigen'' seine Lehrerstelle aufgegeben und verdiente danach seinen Lebensunterhalt mit selbständiger Erwerbstätigkeit. Er verbrachte die restliche Zeit seines Lebens, literarisch kaum noch tätig, in zunehmender materieller Armut. An den politischen Ereignissen der Jahre 1848/49 scheint er sich, im Gegensatz zu den meisten Junghegelianern, nicht beteiligt zu haben. Stirner starb, von den Zeitgenossen vergessen, am 25.Juni 1856 in Berlin und wurde auf dem Sophienfriedhof beigesetzt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Der Einzige und sein Eigentum'' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner ist ein ''&amp;quot;vir unius libri&amp;quot;''; sein Werk kann ohne substantiellen Verlust auf jenes eine Buch, ''Der Einzige und sein Eigentum'', reduziert werden. Dieser ''Einzige'' hatte ein aussergewöhnlich interessantes Bücherschicksal. Er war zunächst, wie alle Beiträge der junghegelianischen Diskussion der 1840er Jahre, schnell vergessen, wurde jedoch, als einziger daraus, nach längerer Zeit wiederentdeckt und -- nach erneutem Vergessen abermals wiederentdeckt. Diese beiden sog. Stirner-Renaissancen (1893ff und 1968ff) hatten zudem jeweils einen sehr ungewöhnlichen Anlass: sie waren wesentlich Ergebnis der energischen Initiative jeweils eines einzelnen Mannes, und zwar eines dezidierten Stirner-Gegners: 1893 des Nietzscheaners Paul Lauterbach und 1968 des Marxisten Hans G. Helms. Beide exponierten Stirners Buch aus erklärtermassen hochpolitischem Grund: um die Grösse und aktuelle Bedeutung der geistigen Tat Nietzsches bzw. Marx' -- als &amp;quot;Überwinder&amp;quot; Stirners als des literarischen Inbegriffs des &amp;quot;absolut Bösen&amp;quot; -- um so klarer hervortreten zu lassen. Obwohl der ''Einzige'' ein Verkaufserfolg wurde -- bisher mehr als 100'000 Exemplare -- blieb Stirner eine Randfigur der Ideengeschichte. Die Absicht der beiden Initiatoren, Stirner als den Antipoden zu Nietzsche bzw. zu Marx zu etablieren -- was ''nolens volens''  eine gewaltige Aufwertung Stirners bedeutet hätte -- gelang bisher nicht (vgl. Laska 1994).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Anarchisten und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner bezeichnete sich selbst nirgendwo als [[Anarchie - Zur Geschichte eines Reiz- und Schlagwortes|Anarchisten]]; er kritisierte vielmehr in seinem ''Einzigen''  (1844) den Mann, der sich 1840 als erster selbst einen Anarchisten genannt hatte: [[Pierre-Joseph Proudhon|Proudhon]] -- allerdings nicht deswegen, sondern wegen seiner moralisierenden Betrachtungsweise der gesellschaftlichen Probleme. Proudhon, der sonst sehr an der Entwicklung der (jung-)hegelianischen Philosophie in Deutschland interessiert war, überging Stirners ''Einzigen'' mit Schweigen. Auch [[Michail Bakunin|Bakunin]], der andere massgebliche Anarchist des 19. Jahrhunderts, vermied es, sich zum ''Einzigen'' zu äussern. Diese offenkundige Berührungsangst der Anarchisten vor Stirner machten sich in den 1880er Jahren -- nach dem Tode von Marx, der einst ebenfalls einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen war -- die Marxisten für ihre politische Polemik zunutze: Stirner sei &amp;quot;der Prophet des heutigen Anarchismus&amp;quot;; Bakunin sei nichts als Proudhon plus Stirner, so lautete die von Friedrich Engels 1886 ausgegebene Parole.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Historiker des Anarchismus, selbst keine Anarchisten, rechneten Stirner, der inzwischen im Kielwasser des Nietzscheanismus zu einer bekannten Figur geworden war, ebenfalls dem Anarchismus zu (Zenker 1895, Eltzbacher 1900, Zoccoli 1907). Die Anarchisten selbst hielten indes nach wie vor Distanz zu Stirner. Nur eine kleine Gruppe, die sich als [[Individualistischer Anarchismus|&amp;quot;individualistische Anarchisten&amp;quot;]] von der eigentlichen anarchistischen Bewegung abgrenzte, bekannte sich demonstrativ zu Stirner (mit zweifelhafter Berechtigung).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die distanzierte Haltung der Anarchisten gegenüber Stirner änderte sich auch im 20. Jahrhundert nicht wesentlich. [[Gustav Landauer|Landauer]] stand Stirner über längere Zeit sehr ambivalent, schliesslich aber eindeutig ablehnend gegenüber. [[Erich Mühsam|Mühsam]] erwähnt Stirner nur einmal: in einer autobiographischen Skizze, in der er Landauer dafür dankt, dass er ihn als jungen Mann dem verführerischen Einfluss Stirners entrissen habe. [[Pjotr Kropotkin|Kropotkin]], der über Jahrzehnte zu Stirner geschwiegen hatte, denunzierte ihn schliesslich, zu einer Stellungnahme gedrängt, als &amp;quot;Manchestermann&amp;quot; und damit Pseudo-Anarchisten (der sonst so milde Mann konnte, wie Nettlau überlieferte, sehr wütend werden, wenn im Gespräch auch nur der Name Stirner fiel). [[Max Nettlau|Nettlau]], selbst Anarchist und wohl bester Kenner der anarchistischen Bewegung in ihrer Glanzzeit, stand eher ratlos vor dem Phänomen, dass die meisten Anarchisten Stirner ablehnten, und meinte, Stirner sei eben meist missverstanden worden. Dieses Urteil von 1927, aus der Endphase einer Epoche, in der sowohl das Interesse an Stirner als auch der Einfluss des politischen Anarchismus relativ gross gewesen waren, kann heute, nachdem beide in den 60er Jahren noch einmal auflebten, erneuert werden. Nur sollte ein so hartnäckiges &amp;quot;Missverstehen&amp;quot; -- zumal es auch in der Stirner-Rezeption ausserhalb des Anarchismus vorherrscht -- Grund zu intensiven Nachforschungen geben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Übereinstimmung mit der vorherrschenden, meist ohne nähere Begründung und indirekt ausgedrückten Ablehnung Stirners durch die grosse Mehrzahl der Anarchisten -- der allenfalls die oberflächliche, unspezifische Zustimmung durch wenige Einzelne gegenübersteht -- stellen in zunehmendem Masse auch die Autoren neuerer Untersuchungen zum Anarchismus oder zu Stirner die überkommene Einordnung Stirners als Anarchisten in Frage bzw. in Abrede (Heintz 1951, Lösche 1977, Ritter 1980).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Philosophen und Stirner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anarchisten, insbesondere deren theoretische Köpfe, waren nicht die einzigen, die einen öffentlichen argumentativen Diskurs mit Stirner bzw. über dessen ''Einzigen'', so nahe er thematisch auch lag, vermieden haben. Sie befinden sich mit dieser ausweichenden Haltung durchaus in angesehener Gesellschaft. Marx, der seinen Anti-Stirner wohlweislich nicht veröffentlichte, wurde bereits genannt. Nietzsche ist, seiner Bedeutung wegen, hier als nächster zu nennen: eine genaue Untersuchung seiner intellektuellen Biographie ergibt starke Indizien für die Annahme, dass direkte Spuren seiner Konfrontation mit Stirners ''Einzigem'' deshalb fehlen, weil er selbst sie sorgfältigst verwischte. Die Stirner-Renaissance der Jahrhundertwende wurde dann wesentlich dadurch möglich, dass die Lehren, die diese beiden Denker -- grossteils in Abwehr der Stirner'schen -- entwickelt hatten, zu Massenerfolgen geworden waren. Stirner konnte nun, wenn nicht als exaltierter Anarchist, dann als banausischer und damit abgetaner Vorläufer Nietzsches eingeordnet werden -- oder als Scheinradikaler, der bereits vom jungen Marx als &amp;quot;wildgewordener Kleinbürger&amp;quot; entlarvt worden sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Liste der Denker, in deren intellektueller Vita gleichfalls eine existenzielle Erschütterung durch Stirners ''Einzigen''  nachweisbar ist, auf die sie, statt mit einer argumentativen und nachvollziehbaren Auseinandersetzung, mit einer veritablen Verdrängung reagierten, enthält durchaus weitere klangvolle Namen: von Carl Schmitt (der als Student Stirner anfangs als &amp;quot;wahre Erquickung&amp;quot;, bald jedoch als Plage, empfand, ihn dann vergessen zu haben scheint und erst vierzig Jahre später, in der Not der Einzelhaft, wieder mit ihm zu ringen hatte) bis zu Jürgen Habermas (der als junger Mann gegen die vermeintliche &amp;quot;Absurdität der Stirnerschen Raserei&amp;quot; mit eigener Raserei sich zu wehren versuchte, Stirner dann aber so gründlich verdrängte, dass er ihn in den nächsten vierzig Jahren -- selbst in seinen einschlägigen Spezialarbeiten: z.B. über die Junghegelianer, über die Entstehung des historischen Materialismus -- nicht einmal mehr nannte).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stirners potentielle Aktualität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bevorzugte Methode, den Gehalt des ''Einzigen'', Stirners &amp;quot;Philosophie&amp;quot; -- gelegentlich in eingestandener Ratlosigkeit auch &amp;quot;Unphilosophie&amp;quot; genannt -- darzustellen, war stets die epitomatische: kurze, prägnante Abschnitte aus dem Text wurden aneinandergereiht und sollten für sich sprechen. Einprägsame Sentenzen wie &amp;quot;Ich hab' mein' Sach' auf Nichts gestellt&amp;quot; und &amp;quot;Mir geht nichts über Mich&amp;quot; wurden weithin bekannt, stehen für einen rohen Nihilismus bzw. Egoismus und werden oft für die -- so gesehen: dürftige -- Quintessenz des ''Einzigen'' genommen. Selbstverständlich gab es auch genauere, solidere, gründlichere Darstellungen und Untersuchungen zu diesem oft mit Superlativen -- &amp;quot;extremsten&amp;quot;, &amp;quot;kühnsten&amp;quot;, &amp;quot;fluchwürdigsten&amp;quot; etc. -- bedachten Buch; doch kamen auch sie letztlich zu keinem grundsätzlich anderen Ergebnis.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konventionellen Methoden, philosophische Texte zu interpretieren, haben im Falle des ''Einzigen'' versagt. Keinem Autor gelang es bisher, die oft gespürte, gelegentlich auch ausdrücklich festgestellte Sonderstellung Stirners in der Philosophie des 19. Jahrhunderts, der Neuzeit, gar der gesamten Geschichte wirklich präzise zu bestimmen. Stirners ''Einziger'' blieb, was geflissentlich übersehen wird, ein ''hapax legomenon'' im Text der abendländischen Philosophie.    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Richtigkeit dieser Behauptung lässt sich vorläufig am einleuchtendsten durch die doch äusserst erstaunliche Tatsache stützen, dass einige der grössten der heute allgemein anerkannten Denker (und die bedeutendsten anarchistischen Theoretiker!) einer sachlich gebotenen, argumentativen Auseinandersetzung mit Stirner ausgewichen sind. Die blosse Erkenntnis, das dauerhafte Fürwahrhalten und vor allem das philosophiehistorische Gewichten dieser Tatsache ist offenbar stets durch vielerlei Hindernisse äusserst erschwert gewesen (dies lässt sich anhand des massenhaften sekundären Ausweichens, des bequemen blinden Nachvollzugs jenes primären der Grosstheoretiker, demonstrieren, besonders eindrucksvoll am Beispiel der Marx-Forschung). Ein Abbau dieser gewaltigen Hindernisse scheint jedoch mit dem seit einiger Zeit voranschreitenden Geltungsverlust aller etablierten Doktrinen einherzugehen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirner hat sein Buch ausdrücklich als &amp;quot;einen Anfang&amp;quot; bezeichnet, als den Anfang einer Entwicklung, die er nach dem proklamierten &amp;quot;Ende der Philosophie&amp;quot; für möglich hielt. Der junge Karl Marx hielt den ''Einzigen'' für hochaktuell: er schrieb sich nach der Lektüre jenen später berühmt gewordenen Satz auf, wonach es darauf ankäme, die Welt zu verändern, und konzipierte in den folgenden Monaten den historischen Materialismus. Die Fortsetzung von Stirners &amp;quot;Anfang&amp;quot; war dies allerdings nicht; vielmehr eine offenbar sehr wirksame Verschüttung der von Stirner aufgeworfenen Problematik. So wie Marx -- nicht im Detail, aber im Prinzip -- reagierten bis in unsere Zeit eine Reihe hervorragender Denker auf die Konfrontation mit dem ''Einzigen''. Daraus, nicht aus den überall nachzulesenden Urteilen über Stirner, ergibt sich seine nach wie vor potentielle Aktualität.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Von Stirner:''' &lt;br /&gt;
* Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum. Stuttgart: Reclam 1972ff&lt;br /&gt;
* Max Stirner: Parerga, Kritiken, Repliken, hg. v. Bernd A. Laska. Nürnberg:  LSR-Verlag 1986  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Über Stirner:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biographie:  &lt;br /&gt;
* John Henry Mackay: Max Stirner -- Sein Leben und sein Werk. Nachdruck der 3. Auflage 1914. Freiburg: Mackay-Gesellschaft 1977  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Frage: Ist Stirner Anarchist?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ernst Zenker: Der Anarchismus. 1895. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1979&lt;br /&gt;
* Paul Eltzbacher: Der Anarchismus.1900. Nachdruck West-Berlin: Libertad 1977&lt;br /&gt;
* Hector Zoccoli: Die Anarchie. 1907, dt.1909. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1976&lt;br /&gt;
* Max Nettlau: Der Vorfrühling der Anarchie. 1927. Nachdruck Bremen: Impuls o.J.&lt;br /&gt;
* Peter Heintz: Anarchismus und Gegenwart. 1951. Nachdruck West-Berlin: Kramer 1973, 1985&lt;br /&gt;
* Peter Lösche: Anarchismus. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1977; sowie ders.: Anarchismus. Art. in Pipers Handbuch der politischen Ideen. Band 4. München: Piper 1986. S. 415-447&lt;br /&gt;
* Alan Ritter: Anarchism. A Theoretical Analysis. Cambridge (GB): CUP 1980  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur hier vorgeschlagenen Stirner-Interpretation:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bernd A. Laska: Ein heimlicher Hit. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Editionsgeschichte. Nürnberg: LSR 1994 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss1 ''Stirner-Studien Nr.1''])&lt;br /&gt;
* ders.: Ein dauerhafter Dissident. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg: LSR-Verlag 1996 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss2 ''Stirner-Studien Nr.2''])&lt;br /&gt;
* ders.: &amp;quot;Katechon&amp;quot; und &amp;quot;Anarch&amp;quot;. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Max Stirner. Nürnberg: LSR-Verlag 1997 ([http://www.lsr-projekt.de/msstudien.html#ss3 ''Stirner-Studien Nr.3''])&lt;br /&gt;
* ders.: [[Individualanarchismus|Anarchismus, individualistischer]]. Artikel in: Lexikon der Anarchie, hg. v. Hans Jürgen Degen. Bösdorf: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1993ff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Autor: Bernd A. Laska&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<title>Diskussion:Marr, Wilhelm</title>
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				<updated>2006-07-23T14:32:06Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Hier bitte Stellungnahme abgeben (bis 22.08.2006)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<title>Diskussion:Der Einzige und sein Eigentum</title>
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&lt;hr /&gt;
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&lt;div&gt;geplant von Bernd A. Laska&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Diskussion:Sexuelle Revolution</title>
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		<title>Sexuelle Revolution</title>
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&lt;div&gt;Geplant von Gottfried Heuer&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<title>Diskussion:Nohl, Johannes</title>
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&lt;div&gt;Hier bitte Stellungnahmen abgeben (bis 22.08.2006)&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Nohl, Johannes</title>
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&lt;div&gt;geplant von Gottfried Heuer&lt;/div&gt;</summary>
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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Diskussion:Anarchismus_und_Psychoanalyse&amp;diff=2314</id>
		<title>Diskussion:Anarchismus und Psychoanalyse</title>
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&lt;div&gt;Hier bitte Stellungnahmen abgeben (bis 22.08.2006):&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Anarchismus und Psychoanalyse</title>
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				<updated>2006-07-23T14:24:30Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;geplant von Gottfried Heuer&lt;/div&gt;</summary>
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	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Diskussion:Otto_Gross&amp;diff=2311</id>
		<title>Diskussion:Otto Gross</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auf dieser Seite bitte ich um Stellungnahmen zu dem Vorhaben von Gottfried Heuer, einen zweiten Artikel über Otto Gross zu schreiben. Ich werde Gottfried Heuer bitten, hier eine kurze Begründung voranzustellen. --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 19:15, 22. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
----------&lt;br /&gt;
Gottfried Heuer hatte Probleme, ins System zu kommen und schickte mir deshalb eine e-mail mit folgendem Text:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Vielleicht hatte ich in meinen Vorschlaegen auch mit &amp;quot;Sexuelle Revilution&amp;quot; den Mund zu voll genommen. Mir kommt es darauf an, zu sagen, dass - laut Franz Werfel - dieser Begriff von Otto Gross stammt. Was diesen nun betrifft, war mir in Hubert van den Bergs Buch, das ich, wie gesagt, sehr toll und bewundernswert finde, aufgefallen, dass er bei Otto Gross besonders in einem Punkt, der mir allerdings zentral erscheint, ein anderes Verstaendnis hat, als ich: ich meine Hubert so zu verstehen, dass Gross mit seiner Betonung auf der persoenlichen Veraenderung z.B. Franz Jung von der Politik abbringt. (Das ist natuerlich etwas krass ausgedrueckt von mir, nur, um verstaendlich zu machen, was ich meine.) Von mir aus gesehen ist Gross' Verstaendnis davon, dass, wie es spaeter z.B. im Feminismus ausgedrueckt wurde, den er in dieser Hinsicht vorwegnimmt, &amp;quot;das Persoenliche gerade das Politische IST&amp;quot; ein zentraler Aspekt seiner Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Formalen hatte ich mir ueberlegt vorzuschlagen, dass vielleicht &amp;quot;konstruktive Kommentare&amp;quot; eine Moeglichkeit sein koennten, eine Vielfalt von Meinungen &amp;quot;unter einen Hut zu bringen&amp;quot;. Ich denke dabei z.B. an analytische Zeitschriften, in denen manchmal AutorInnen - eine/r oder mehrere - dazu eingeladen werden, eine laengere Replik/Kommentar zum Text eines/r anderen Autors/in zu schreiben, der/die dann zusammen mit dem urspruenglichen Text veroeffentlicht werden. Waere so etwas vielleicht auch beim &amp;quot;Lexikon&amp;quot; denkbar? Also nicht ein destruktiver Kommentar wie (kurz gesagt) &amp;quot;Das find' ich alles doooof!&amp;quot;, aber moeglicherweise einen ergaenzenden Gedanken, der das Gesamtverstaendnis des Themas oder der behandelten Person bereichert, abrundet, oder halt einfach auch durch eine konstruktive  Gegenmeinung eine Art pluralistisches Verstaendnis selbst durch einander gegensaetzliche Meinungen/Interpretationen foerdert.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottfried Heuer (hier eingestellt von --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 15:50, 23. Jul 2006 (CEST))&lt;br /&gt;
----------&lt;br /&gt;
Die Idee von den &amp;quot;konstruktiven Kommentaren&amp;quot; finde ich ausgezeichnet. Sie nötigt nicht jeden, der eine andere Auffassung äussern will, dazu, einen kompletten neuen Artikel zu verfassen. Das kommt auch dem Nutzer/Leser zugute, der sich beim zweiten/dritten... Beitrag nicht mehr durch längere wiederholende Passagen quälen muss. Es gäbe also in der Regel '''einen''' Artikel zu einem Thema/Lemma (eben den zeitlich ersten, bei Gross den von HvdB, falls dieser dem zustimmt) und beliebig viele Kommentare in beliebiger Länge. Sowohl zum Artikel als auch zu den Kommentaren würde von einer Verteilerseite aus verlinkt. Als Sonderfall wäre natürlich auch ein komplett neuer Artikel nach wie vor möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 16:11, 23. Jul 2006 (CEST)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Diskussion:Otto Gross</title>
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				<updated>2006-07-23T13:50:42Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auf dieser Seite bitte ich um Stellungnahmen zu dem Vorhaben von Gottfried Heuer, einen zweiten Artikel über Otto Gross zu schreiben. Ich werde Gottfried Heuer bitten, hier eine kurze Begründung voranzustellen. --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 19:15, 22. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottfried Heuer hatte Probleme, ins System zu kommen und schickte mir deshalb eine e-mail mit folgendem Text:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht hatte ich in meinen Vorschlaegen auch mit &amp;quot;Sexuelle Revilution&amp;quot; den Mund zu vgoll genommen. Mir kommt es darauf an, zu sagen, dass - laut Franz Werfel - dieser Begriff von Otto Gross stammt. Was diesen nun betrifft, war mir in Hubert van den Bergs Buch, das ich, wie gesagt, sehr toll und bewundernswert finde, aufgefallen, dass er bei Otto Gross besonders in einem Punkt, der mir allerdings zentral erscheint, ein anderes Verstaendnis hat, als ich: ich meine Hubert so zu verstehen, dass Gross mit seiner Betonung auf der persoenlichen Veraenderung z.B. Franz Jung von der Politik abbringt. (Das ist natuerlich etwas krass ausgedrueckt von mir, nur, um verstaendlich zu machen, was ich meine.) Von mir aus gesehen ist Gross' Verstaendnis davon, dass, wie es spaeter z.B. im Feminismus ausgedrueckt wurde, den er in dieser Hinsicht vorwegnimmt, &amp;quot;das Persoenliche gerade das Politische IST&amp;quot; ein zentraler Aaspekt seiner Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Formalen hatte ich mir ueberlegt vorzuschlagen, dass vielleicht &amp;quot;konstruktive Kommentare&amp;quot; eiune Moeglichkeit sein koennten, eine Vielfalt von Meinungen &amp;quot;unter einen Hut zu bringen&amp;quot;. Ich denke dabei z.B. an analytische Zeitschriften, in denen manchmal AutorInnen - eine/r oder mehrere -dazu eingeladen werden, eine laengere Replik/Kommentar zum Text eines/r anderen Autors/in zu schreiben, der/die dann zusammen mit dem urspruenglichen Text veroeffentlicht werden. Waere soetwas vielleicht auch beim &amp;quot;Lexikon&amp;quot; denkbar? Also nicht ein destruktiver Kommentar wie (kurz gesagt) &amp;quot;Das find' ich alles doooof!&amp;quot;, aber moeglicherweise einen ergaenzenden Gedanken, der das Gesamtverstaendnis dees Themas oder der behandelten Person bereichert, abrundet, oder halt einfach auch durch eine konstruktiv Gegenmeinung eine Art pluralistisches Verstaendnis selbst durch einander gegensaetzliche Meinungen/Interpretationen foerdert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottfried Heuer (hier eingestellt von --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 15:50, 23. Jul 2006 (CEST))&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<title>Diskussion:Otto Gross</title>
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				<updated>2006-07-22T17:15:51Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auf dieser Seite bitte ich um Stellungnahmen zu dem Vorhaben von Gottfried Heuer, einen zweiten Artikel über Otto Gross zu schreiben. Ich werde Gottfried Heuer bitten, hier eine kurze Begründung voranzustellen. --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 19:15, 22. Jul 2006 (CEST)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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		<title>Diskussion:Otto Gross</title>
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				<updated>2006-07-22T15:53:45Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auf dieser Seite bitte ich um Stellungnahmen zu dem Vorhaben von Gottfried Heuer, einen zweiten Artikel über Otto Gross zu schreiben. Ich werde Gottfried Heuer bitten, hier eine kurze Begründung voranzustellen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Methoden_der_Entscheidungsfindung&amp;diff=2266</id>
		<title>Methoden der Entscheidungsfindung</title>
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				<updated>2006-07-21T20:38:26Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Muster-Abstimmungsmodul */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Zur Abstimmung und Festlegung von Regeln könnten wir z.B. nach folgendem Modus verfahren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Wer meint, dass eine Regel nötig ist, stellt sie auf dieser Seite zur Diskussion.'''&lt;br /&gt;
* '''Wer mit der Regel einverstanden ist, beteiligt sich nicht an der Diskussion über die Regel.'''&lt;br /&gt;
* '''Wer mit dem Regelvorschlag nicht einverstanden ist, macht einen Gegenvorschlag zur Lösung des Problems, das durch die Regel gelöst werden sollte.'''&lt;br /&gt;
* '''Die Regel tritt nach einem Monat in Kraft, wenn die Mehrheit der AutorInnen keinen Widerspruch mehr gegen sie erhebt.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
Man könnte als Mittel der Entscheidungsfindung ein '''Abstimmungsmodul''' in Form einer Tabelle integrieren, in dem jede/r der eingetragenen AutorInnen durch das Einfärben ihrer '''Stimmzelle''' und seinem Signatur- &amp;amp; Zeit-Stempel (--[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 22:14, 20. Jul 2006 (CEST)) seine/ihre Zustimmung oder Ablehnung der Regel gibt. Die Seite mit der Abstimmungsmodul wäre schreibgeschützt, so das '''nur''' die AutorInnen des Lexikons (auffgrund ihres Sysop-Status) abstimmen können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Muster-Abstimmungsmodul====&lt;br /&gt;
{| {{Prettytable}}&lt;br /&gt;
!Autor&lt;br /&gt;
!Signatur/Zeitstempel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Bernd A.L.&lt;br /&gt;
| {{BackRed}} |[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 21:36, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Jochen_K&lt;br /&gt;
| {{BackYellow}} |[[Benutzer:Jochen_k|Jochen K]] 22:02, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Jochen_S&lt;br /&gt;
| {{BackGreen}} |[[Benutzer:Jochen_S|Jochen S]] 22:20, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wolfram_B&lt;br /&gt;
| [Farbe &amp;amp; Signatur eingeben]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Legende der Symbolfarben:'''&lt;br /&gt;
* '''Grün''': Pro&lt;br /&gt;
* '''Gelb''': Unentschieden&lt;br /&gt;
* '''Rot''': Contra&lt;br /&gt;
* '''Nicht eingefärbt''': Wird als '''stille Zustimmung''' gewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regel tritt dann z.B. einen Monat nach Verkündung in Kraft, wenn entweder die Mehrheit der AutorInnen dafür ist oder (weil sie keine Lust hat abzustimmen und auch nichts gegen die Regel) die Mehrheit keinen Widerspruch erhebt. Das kann durchaus ein dynamisches Prinzip sein. So können Regeln durch neu hinzukommende AutorInnen auch wieder außer Kraft gesetzt werden, wenn nämlich die Mehrheit von ihnen Widerspruch gegen die Regel erhebt. Das Fälschen der Abstimmung durch Verändern der Abstimmungszellen anderer AutorInnen ist zwar möglich, aber die Fäschung &amp;quot;fliegt&amp;quot; sehr schnell auf, denn man kann ja in der Versionsgeschichte (s.o.) sehen, welcher User, welche Veränderung gemacht hat. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 18:03, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kommentar von Bernd''': Jochen_S hat den Vorschlag gemacht, eine ja/nein-Liste zur Verfügung zu stellen und dann nach Mehrheit auszuzählen. Da tauchte zum einen das Problem der mehrfachen Stimmabgabe auf, das aber vielleicht technisch zu beheben wäre. Zum anderen sähe ich ein grösseres Problem in der &amp;quot;unqualifizierten&amp;quot; Stimmabgabe. Deshalb fände ich es besser, wie in der Wiki zu verfahren: dass Stimmen bzw. argumentierende Meinungen zu der betreffenden Frage gesammelt werden und dann - im Ermessen eines Admins, aber öffentlich - auch eine qualifizierte Minderheitsmeinung bestimmend werden kann. --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 21:36, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''Kommentar von Jochen zum Kommentar von Bernd''': &lt;br /&gt;
:* Bernd, was genau meinst Du mit '''unqualifizierter Stimmabgabe'''? Gib mal ein Beispiel. &lt;br /&gt;
:* Und was verstehst Du unter '''Admin'''? Ich bin ja hier auf dem Portal der Admin, notgedrungen, weil sich noch niemand anderes gefunden hat, der sich darum kümmert. In dieser Funktion entwickle und warte ich das technische System und kümmere mich auch um den Aufbau der Contentstrukturen. Der Admin an den Du denkst, scheint mir so eine Art Ersatz-Herausgaber zu sein und die Funktion zu erfüllen, die seinerzeit Degen ausgeübt hat (mit der er sich nach eigenen Bekunden auch übernommen hat). Genau diese Funktion will und kann ich nicht ausüben und deshalb haben wir im Kerngründungsteam des Projektes (also Knobi, Rolf und ich) die Idee der Autorenedition &amp;quot;ausgebrütet&amp;quot;. Neben der technischen Entwicklung des Portals sehe ich meine Funktion im Projekt eher darin, das Projekt &amp;quot;anzuschieben&amp;quot; und in der Startphase moderierend tätig zu sein, auch Hilfestellung beim Einstieg in diese Art der Online-Publikation zu geben. Allein das ist unglaublich zeitaufwendig, wie wohl jeder nachvollziehen kann, der sich mal die Vielzahl der &amp;quot;Sysop&amp;quot;- und &amp;quot;Jochen_S&amp;quot;-Einträge in der History der &amp;quot;letzten Änderungen&amp;quot; anschaut. Hinzu kommt, dass ich gegen so eine Art von personalisierter Administration ziemlich allergisch geworden bin durch meine Erfahrungen auf der Anarchopedia, die von dem De-Facto-Admin &amp;quot;X&amp;quot; mit großer Willkür beherrscht wird. Da ist mir ein basisdemokratisches Modell mit Majoritätsentscheidungen dann schon lieber als die Alleinherrschaft eines Admins. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 22:04, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein junges Beispiel aus meiner Erfahrung mit der (englischen) Wiki war, dass jemand die Löschung eines noch rudimentären Artikels über den &amp;quot;postanarchistischen&amp;quot; Autor '''Saul Newman''' beantragt hat. Ein solcher Antrag wird innerhalb von 5-7 Tagen entschieden. Der Antragsteller hat nun einfach behauptet, Newman sei eine unwichtige Person. Er lieferte dann noch einige etwas fadenscheinige Argumente nach. Einige schlossen sich einfach seiner Meinung an, ohne zu begründen. Andere stimmten für den Verbleib des Artikels, zumal er gerade substantiell erweitert worden war. Das Ganze wurde dann nicht einfach durch Abzählen der Ja/Nein-Stimmen entschieden, sondern durch Abwägen der Argumente durch einen (nicht unbedingt fachlich kompetenten) Admin. Letztlich entschied der dann, dass der Artikel blieb, meiner Ansicht nach zu Recht. Alles geht freilich öffentlich vonstatten, und der Admin bleibt nicht anonym. Ich sehe natürlich die Probleme, wenn nur einer der Admin ist (analog zum Hg. des ALex). Man könnte solche Admin-Rechte ja an alle vergeben, die durch Autorentätigkeit Engagement und Sachkunde bewiesen haben. ''Wer'' dann in einem konkreten Fall tätig wird, könnte man auf Freiwilligenbasis regeln - oder nach Sachgebietszuteilungen. Wenn aber keiner tätig wird... Hm. Ich weiss nicht, wie das bei Wiki geregelt ist. Aber ''es ist'' sicher geregelt. -- Autorenedition mildert schon mal das Problem, aber eliminiert es nicht (wenn etwa immer mehr Autoren einen eigenen Artikel zu einem Thema einstellen wollen). --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 22:59, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''Kommentar von Jochen zum Kommentar von Bernd''': Da scheint ihr (und mit &amp;quot;ihr&amp;quot; meine ich die Community derjenigen, die in dem Fall verwickelt waren) mit dem Admin ausgesprochen Glück gehabt zu haben. Genausogut hätte der sich aber auch auf die Seite der &amp;quot;Ablehner&amp;quot; des Artikels  schlagen können. Ich habe jedenfalls schon viele Klagen über &amp;quot;unfaire&amp;quot; Admins in der deutschen Wikipedia gelesen und bin generell etwas skeptisch, solche grundlegenden Entscheidungen wie das Regelwerk einer Autorenedition von einer einzelnen Person vornehmen zu lassen. Die meisten Admins möchten doch wohl eher &amp;quot;Ruhe in ihrem Laden&amp;quot; haben und würden sich deshalb vermutlich nicht selten den Erwartungen der Mehrheit beugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber das, was Du vorschlägst, ist ein interessanter Ansatz, denn damit stellst Du wirklich das Individuum ins Zentrum der Entscheidungsfindung. Das finde ich erst einmal sehr sympathisch, denn das ist mir selbst ein Anliegen, aber eher im Sinne der Verteidigung der Individualität des Autors/der Autorin und weniger im Bereich der allgemeinen Entscheidungsfindung. Meine Hoffnung ist, dass wir als Community der Lexikon-AutorInnen Einrichtungen entwickeln (sei es als Fachredaktion oder Schlichtungsstelle), die durchaus auf basisdemokratische Weise sachkompetente Entscheidungen fällen und diese bitte schön auch immer in dem Bewußtsein der hohen Bedeutung der Individualität für unser Projekt. Vielleicht sollte man auch zwischen der Einführung von Regeln, die alle betreffen, und dem Schlichten von Streitigkeiten unterscheiden. Das Entwickeln von Grundregeln, die für alle verbindlich sein sollen, sollte sinnvollerweise auch von allen getragen werden, während Streitigkeiten durchaus von einem Schlichter (oder besser: einer [[Schlichtungskommission]]) gelöst werden könnten. Letztlich - und auch da stimme ich Dir zu - kann hier nur die Praxis zeigen, welche Lösung die beste ist. Warum sollte man nicht auch unterschiedliche Methoden der Entscheidungsfindung nutzen können, ebenfalls ganz im Sinne der anarchistischen Pluralität. Sollen doch diejenigen, die eine Entscheidung über etwas erzielen wollen, selbst bestimmen, nach welcher Methode dies geschieht. Hilfreich wäre es natürlich, wenn es Mustermodelle der Entscheidungsfindung gibt, unter denen man sich das Modell aussucht, das einem (individuell sozusagen) am besten zusagt. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 10:25, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bernd:''' Ich meine, wir müssen einfach eine Reihe von Fragen noch offen lassen, sonst diskutieren wir uns hier weitgehend abstrakt in immer weniger übersichtliche Verhältnisse. Das Dadaweb ist gerade erst im Entstehen, und soweit ich sehe, sind zZ nur &amp;quot;eine Handvoll&amp;quot; Leute aktiv (à propos: sollte es nicht auch eine Seite geben, wo die Beteiligten aufgelistet sind ?). Entscheidungen sind aber jetzt schon zu treffen. Eine wichtige war die zur &amp;quot;Autorenedition&amp;quot; (die sollte auch von einer evtl. späteren numerischen Mehrheit nicht mehr gekippt werden können). Da taucht schon '''das erste praktisch-konkrete Problem''' auf: Gottfried Heuer möchte für das ALex einen Artikel über Otto Gross schreiben, obwohl schon einer existiert. Die Entscheidung darüber, getroffen von noch wenigen Aktiven, wäre ein Präzedenzfall für Probleme, die gewiss erneut auftreten werden. Was tun ? Ein generelles Ja zu mehreren Artikeln zu einem Thema könnte zur Wehrlosigkeit gegenüber Textspam führen. Also müsste man (wer?) in jedem Einzelfall entscheiden. Wie ? Nach wiki-öffentlicher Diskussion. Ich bin aber nach wie vor skeptisch gegenüber rein numerischer Abstimmung. Ein Admin, der nicht nur Ja/Nein auszählt, sondern die Argumente gewichtet und seine Entscheidung öffentlich begründet, wäre mir lieber (Majorisierung durch mobilisierte &amp;quot;Massen&amp;quot; fürchte ich mehr). --  Mein Vorschlag: ziehen wir das doch am Beispiel des konkret vorliegenden Falles Heuer/Gross mal durch, aber wohl auf einer speziellen Seite, die der Admin einrichten müsste. Wie auch immer das Experiment ausgeht: es wird keine Katastrophe geben, und alle werden daraus lernen - für den nächsten Fall. Auf diese Weise, kann ich mir vorstellen, wird Stück um Stück ein praktizierbares Regelwerk entstehen (wobei wir aber natürlich, soweit es geht, von den Erfahrungen der Wikipedia profitieren sollten). --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 15:30, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''Jochen:''' OK, das kann man ja mal probieren. Würdest Du die Rolle des Admin im Fall der Gross-Seiten übernehmen? Seiten kann übrigens jeder einrichten, der schreibberechtigt ist und das ist jeder registrierte User. Sperren können sie nur die Sysops (und das sind alle eingetragenen Autoren). Hier die [[Spezial:Listusers|Liste aller registrierten User]]. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 16:45, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bernd:''' Admin-Rolle - Du meinst, die Entscheidung nach der Diskussion über die Frage, ob Heuer einen zweiten Artikel über Gross einstellen kann ? Ja, würde ich machen. Wie könnte das technisch ablaufen ?&lt;br /&gt;
*z.B. so: Die Tabelle mit den Vorschlägen für neue Artikel, die jetzt nur zwei Spalten für Titel und Autor enthält, müsste zwei weitere Spalten erhalten: eine mit Link zu einer speziell für die Diskussion angelegte Seite (müsstest Du machen, Jochen_S); eine weitere mit dem Datum, bis zu dem man seine Meinung dort einbringen kann (1 Monat dürfte reichen). --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 22:23, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
*Fällt mir noch ein: bei der Wiki soll ja nichts Historisches verloren gehen, und es soll ja auch möglichst übersichtlich sein. Da böte sich doch an, die Seite mit dem zweiten Artikel rudimentär (nur mit Titel) anzulegen, aber so lange zu sperren, bis die Entscheidung für ein Ja gefallen ist. Die Diskussion, ob ja oder nein, auf die von der Vorschlagstabelle zu verlinken wäre, könnte dann auf der zu dieser (noch leeren) Seite gehörenden Diskussionsseite geführt werden und bliebe in jedem Fall erhalten. (Voraussetzung ist, dass die Diskussionsseite einer gesperrten Seite nicht automatisch mit gesperrt ist (?)). Zuvor müsste natürlich auch die &amp;quot;Disambiguitäts&amp;quot;- oder Verteilerseite angelegt sein, hier mit zunächst 2 Links: einer zu ''Gross (van den Berg)'', ein weiterer zu ''Gross (Heuer)''. --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 22:38, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Alternativ- oder Optimierungsvorschläge zur Reglung des Projektmanagements sind erwünscht!''' ([[Benutzer:Jochen_S|Jochen S]] 10:26, 16. Jul 2006)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Lexikon_der_Anarchie_-_Konzept]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Methoden_der_Entscheidungsfindung&amp;diff=2265</id>
		<title>Methoden der Entscheidungsfindung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Methoden_der_Entscheidungsfindung&amp;diff=2265"/>
				<updated>2006-07-21T20:23:04Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Muster-Abstimmungsmodul */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Zur Abstimmung und Festlegung von Regeln könnten wir z.B. nach folgendem Modus verfahren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Wer meint, dass eine Regel nötig ist, stellt sie auf dieser Seite zur Diskussion.'''&lt;br /&gt;
* '''Wer mit der Regel einverstanden ist, beteiligt sich nicht an der Diskussion über die Regel.'''&lt;br /&gt;
* '''Wer mit dem Regelvorschlag nicht einverstanden ist, macht einen Gegenvorschlag zur Lösung des Problems, das durch die Regel gelöst werden sollte.'''&lt;br /&gt;
* '''Die Regel tritt nach einem Monat in Kraft, wenn die Mehrheit der AutorInnen keinen Widerspruch mehr gegen sie erhebt.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
Man könnte als Mittel der Entscheidungsfindung ein '''Abstimmungsmodul''' in Form einer Tabelle integrieren, in dem jede/r der eingetragenen AutorInnen durch das Einfärben ihrer '''Stimmzelle''' und seinem Signatur- &amp;amp; Zeit-Stempel (--[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 22:14, 20. Jul 2006 (CEST)) seine/ihre Zustimmung oder Ablehnung der Regel gibt. Die Seite mit der Abstimmungsmodul wäre schreibgeschützt, so das '''nur''' die AutorInnen des Lexikons (auffgrund ihres Sysop-Status) abstimmen können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Muster-Abstimmungsmodul====&lt;br /&gt;
{| {{Prettytable}}&lt;br /&gt;
!Autor&lt;br /&gt;
!Signatur/Zeitstempel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Bernd A.L.&lt;br /&gt;
| {{BackRed}} |[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 21:36, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Jochen_K&lt;br /&gt;
| {{BackYellow}} |[[Benutzer:Jochen_k|Jochen K]] 22:02, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Jochen_S&lt;br /&gt;
| {{BackGreen}} |[[Benutzer:Jochen_S|Jochen S]] 22:20, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wolfram_B&lt;br /&gt;
| [Farbe &amp;amp; Signatur eingeben]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Legende der Symbolfarben:'''&lt;br /&gt;
* '''Grün''': Pro&lt;br /&gt;
* '''Gelb''': Unentschieden&lt;br /&gt;
* '''Rot''': Contra&lt;br /&gt;
* '''Nicht eingefärbt''': Wird als '''stille Zustimmung''' gewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regel tritt dann z.B. einen Monat nach Verkündung in Kraft, wenn entweder die Mehrheit der AutorInnen dafür ist oder (weil sie keine Lust hat abzustimmen und auch nichts gegen die Regel) die Mehrheit keinen Widerspruch erhebt. Das kann durchaus ein dynamisches Prinzip sein. So können Regeln durch neu hinzukommende AutorInnen auch wieder außer Kraft gesetzt werden, wenn nämlich die Mehrheit von ihnen Widerspruch gegen die Regel erhebt. Das Fälschen der Abstimmung durch Verändern der Abstimmungszellen anderer AutorInnen ist zwar möglich, aber die Fäschung &amp;quot;fliegt&amp;quot; sehr schnell auf, denn man kann ja in der Versionsgeschichte (s.o.) sehen, welcher User, welche Veränderung gemacht hat. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 18:03, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kommentar von Bernd''': Jochen_S hat den Vorschlag gemacht, eine ja/nein-Liste zur Verfügung zu stellen und dann nach Mehrheit auszuzählen. Da tauchte zum einen das Problem der mehrfachen Stimmabgabe auf, das aber vielleicht technisch zu beheben wäre. Zum anderen sähe ich ein grösseres Problem in der &amp;quot;unqualifizierten&amp;quot; Stimmabgabe. Deshalb fände ich es besser, wie in der Wiki zu verfahren: dass Stimmen bzw. argumentierende Meinungen zu der betreffenden Frage gesammelt werden und dann - im Ermessen eines Admins, aber öffentlich - auch eine qualifizierte Minderheitsmeinung bestimmend werden kann. --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 21:36, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''Kommentar von Jochen zum Kommentar von Bernd''': &lt;br /&gt;
:* Bernd, was genau meinst Du mit '''unqualifizierter Stimmabgabe'''? Gib mal ein Beispiel. &lt;br /&gt;
:* Und was verstehst Du unter '''Admin'''? Ich bin ja hier auf dem Portal der Admin, notgedrungen, weil sich noch niemand anderes gefunden hat, der sich darum kümmert. In dieser Funktion entwickle und warte ich das technische System und kümmere mich auch um den Aufbau der Contentstrukturen. Der Admin an den Du denkst, scheint mir so eine Art Ersatz-Herausgaber zu sein und die Funktion zu erfüllen, die seinerzeit Degen ausgeübt hat (mit der er sich nach eigenen Bekunden auch übernommen hat). Genau diese Funktion will und kann ich nicht ausüben und deshalb haben wir im Kerngründungsteam des Projektes (also Knobi, Rolf und ich) die Idee der Autorenedition &amp;quot;ausgebrütet&amp;quot;. Neben der technischen Entwicklung des Portals sehe ich meine Funktion im Projekt eher darin, das Projekt &amp;quot;anzuschieben&amp;quot; und in der Startphase moderierend tätig zu sein, auch Hilfestellung beim Einstieg in diese Art der Online-Publikation zu geben. Allein das ist unglaublich zeitaufwendig, wie wohl jeder nachvollziehen kann, der sich mal die Vielzahl der &amp;quot;Sysop&amp;quot;- und &amp;quot;Jochen_S&amp;quot;-Einträge in der History der &amp;quot;letzten Änderungen&amp;quot; anschaut. Hinzu kommt, dass ich gegen so eine Art von personalisierter Administration ziemlich allergisch geworden bin durch meine Erfahrungen auf der Anarchopedia, die von dem De-Facto-Admin &amp;quot;X&amp;quot; mit großer Willkür beherrscht wird. Da ist mir ein basisdemokratisches Modell mit Majoritätsentscheidungen dann schon lieber als die Alleinherrschaft eines Admins. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 22:04, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein junges Beispiel aus meiner Erfahrung mit der (englischen) Wiki war, dass jemand die Löschung eines noch rudimentären Artikels über den &amp;quot;postanarchistischen&amp;quot; Autor '''Saul Newman''' beantragt hat. Ein solcher Antrag wird innerhalb von 5-7 Tagen entschieden. Der Antragsteller hat nun einfach behauptet, Newman sei eine unwichtige Person. Er lieferte dann noch einige etwas fadenscheinige Argumente nach. Einige schlossen sich einfach seiner Meinung an, ohne zu begründen. Andere stimmten für den Verbleib des Artikels, zumal er gerade substantiell erweitert worden war. Das Ganze wurde dann nicht einfach durch Abzählen der Ja/Nein-Stimmen entschieden, sondern durch Abwägen der Argumente durch einen (nicht unbedingt fachlich kompetenten) Admin. Letztlich entschied der dann, dass der Artikel blieb, meiner Ansicht nach zu Recht. Alles geht freilich öffentlich vonstatten, und der Admin bleibt nicht anonym. Ich sehe natürlich die Probleme, wenn nur einer der Admin ist (analog zum Hg. des ALex). Man könnte solche Admin-Rechte ja an alle vergeben, die durch Autorentätigkeit Engagement und Sachkunde bewiesen haben. ''Wer'' dann in einem konkreten Fall tätig wird, könnte man auf Freiwilligenbasis regeln - oder nach Sachgebietszuteilungen. Wenn aber keiner tätig wird... Hm. Ich weiss nicht, wie das bei Wiki geregelt ist. Aber ''es ist'' sicher geregelt. -- Autorenedition mildert schon mal das Problem, aber eliminiert es nicht (wenn etwa immer mehr Autoren einen eigenen Artikel zu einem Thema einstellen wollen). --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 22:59, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''Kommentar von Jochen zum Kommentar von Bernd''': Da scheint ihr (und mit &amp;quot;ihr&amp;quot; meine ich die Community derjenigen, die in dem Fall verwickelt waren) mit dem Admin ausgesprochen Glück gehabt zu haben. Genausogut hätte der sich aber auch auf die Seite der &amp;quot;Ablehner&amp;quot; des Artikels  schlagen können. Ich habe jedenfalls schon viele Klagen über &amp;quot;unfaire&amp;quot; Admins in der deutschen Wikipedia gelesen und bin generell etwas skeptisch, solche grundlegenden Entscheidungen wie das Regelwerk einer Autorenedition von einer einzelnen Person vornehmen zu lassen. Die meisten Admins möchten doch wohl eher &amp;quot;Ruhe in ihrem Laden&amp;quot; haben und würden sich deshalb vermutlich nicht selten den Erwartungen der Mehrheit beugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber das, was Du vorschlägst, ist ein interessanter Ansatz, denn damit stellst Du wirklich das Individuum ins Zentrum der Entscheidungsfindung. Das finde ich erst einmal sehr sympathisch, denn das ist mir selbst ein Anliegen, aber eher im Sinne der Verteidigung der Individualität des Autors/der Autorin und weniger im Bereich der allgemeinen Entscheidungsfindung. Meine Hoffnung ist, dass wir als Community der Lexikon-AutorInnen Einrichtungen entwickeln (sei es als Fachredaktion oder Schlichtungsstelle), die durchaus auf basisdemokratische Weise sachkompetente Entscheidungen fällen und diese bitte schön auch immer in dem Bewußtsein der hohen Bedeutung der Individualität für unser Projekt. Vielleicht sollte man auch zwischen der Einführung von Regeln, die alle betreffen, und dem Schlichten von Streitigkeiten unterscheiden. Das Entwickeln von Grundregeln, die für alle verbindlich sein sollen, sollte sinnvollerweise auch von allen getragen werden, während Streitigkeiten durchaus von einem Schlichter (oder besser: einer [[Schlichtungskommission]]) gelöst werden könnten. Letztlich - und auch da stimme ich Dir zu - kann hier nur die Praxis zeigen, welche Lösung die beste ist. Warum sollte man nicht auch unterschiedliche Methoden der Entscheidungsfindung nutzen können, ebenfalls ganz im Sinne der anarchistischen Pluralität. Sollen doch diejenigen, die eine Entscheidung über etwas erzielen wollen, selbst bestimmen, nach welcher Methode dies geschieht. Hilfreich wäre es natürlich, wenn es Mustermodelle der Entscheidungsfindung gibt, unter denen man sich das Modell aussucht, das einem (individuell sozusagen) am besten zusagt. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 10:25, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bernd:''' Ich meine, wir müssen einfach eine Reihe von Fragen noch offen lassen, sonst diskutieren wir uns hier weitgehend abstrakt in immer weniger übersichtliche Verhältnisse. Das Dadaweb ist gerade erst im Entstehen, und soweit ich sehe, sind zZ nur &amp;quot;eine Handvoll&amp;quot; Leute aktiv (à propos: sollte es nicht auch eine Seite geben, wo die Beteiligten aufgelistet sind ?). Entscheidungen sind aber jetzt schon zu treffen. Eine wichtige war die zur &amp;quot;Autorenedition&amp;quot; (die sollte auch von einer evtl. späteren numerischen Mehrheit nicht mehr gekippt werden können). Da taucht schon '''das erste praktisch-konkrete Problem''' auf: Gottfried Heuer möchte für das ALex einen Artikel über Otto Gross schreiben, obwohl schon einer existiert. Die Entscheidung darüber, getroffen von noch wenigen Aktiven, wäre ein Präzedenzfall für Probleme, die gewiss erneut auftreten werden. Was tun ? Ein generelles Ja zu mehreren Artikeln zu einem Thema könnte zur Wehrlosigkeit gegenüber Textspam führen. Also müsste man (wer?) in jedem Einzelfall entscheiden. Wie ? Nach wiki-öffentlicher Diskussion. Ich bin aber nach wie vor skeptisch gegenüber rein numerischer Abstimmung. Ein Admin, der nicht nur Ja/Nein auszählt, sondern die Argumente gewichtet und seine Entscheidung öffentlich begründet, wäre mir lieber (Majorisierung durch mobilisierte &amp;quot;Massen&amp;quot; fürchte ich mehr). --  Mein Vorschlag: ziehen wir das doch am Beispiel des konkret vorliegenden Falles Heuer/Gross mal durch, aber wohl auf einer speziellen Seite, die der Admin einrichten müsste. Wie auch immer das Experiment ausgeht: es wird keine Katastrophe geben, und alle werden daraus lernen - für den nächsten Fall. Auf diese Weise, kann ich mir vorstellen, wird Stück um Stück ein praktizierbares Regelwerk entstehen (wobei wir aber natürlich, soweit es geht, von den Erfahrungen der Wikipedia profitieren sollten). --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 15:30, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''Jochen:''' OK, das kann man ja mal probieren. Würdest Du die Rolle des Admin im Fall der Gross-Seiten übernehmen? Seiten kann übrigens jeder einrichten, der schreibberechtigt ist und das ist jeder registrierte User. Sperren können sie nur die Sysops (und das sind alle eingetragenen Autoren). Hier die [[Spezial:Listusers|Liste aller registrierten User]]. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 16:45, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bernd:''' Admin-Rolle - Du meinst, die Entscheidung nach der Diskussion über die Frage, ob Heuer einen zweiten Artikel über Gross einstellen kann ? Ja, würde ich machen. Wie könnte das technisch ablaufen ?&lt;br /&gt;
*z.B. so: Die Tabelle mit den Vorschlägen für neue Artikel, die jetzt nur zwei Spalten für Titel und Autor enthält, müsste zwei weitere Spalten erhalten: eine mit Link zu einer speziell für die Diskussion angelegte Seite (müsstest Du machen, Jochen_S); eine weitere mit dem Datum, bis zu dem man seine Meinung dort einbringen kann (1 Monat dürfte reichen). --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 22:23, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Alternativ- oder Optimierungsvorschläge zur Reglung des Projektmanagements sind erwünscht!''' ([[Benutzer:Jochen_S|Jochen S]] 10:26, 16. Jul 2006)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Lexikon_der_Anarchie_-_Konzept]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Methoden_der_Entscheidungsfindung&amp;diff=2257</id>
		<title>Methoden der Entscheidungsfindung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Methoden_der_Entscheidungsfindung&amp;diff=2257"/>
				<updated>2006-07-21T14:37:36Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Zur Abstimmung und Festlegung von Regeln könnten wir z.B. nach folgendem Modus verfahren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Wer meint, dass eine Regel nötig ist, stellt sie auf dieser Seite zur Diskussion.'''&lt;br /&gt;
* '''Wer mit der Regel einverstanden ist, beteiligt sich nicht an der Diskussion über die Regel.'''&lt;br /&gt;
* '''Wer mit dem Regelvorschlag nicht einverstanden ist, macht einen Gegenvorschlag zur Lösung des Problems, das durch die Regel gelöst werden sollte.'''&lt;br /&gt;
* '''Die Regel tritt nach einem Monat in Kraft, wenn die Mehrheit der AutorInnen keinen Widerspruch mehr gegen sie erhebt.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
Man könnte als Mittel der Entscheidungsfindung ein '''Abstimmungsmodul''' in Form einer Tabelle integrieren, in dem jede/r der eingetragenen AutorInnen durch das Einfärben ihrer '''Stimmzelle''' und seinem Signatur- &amp;amp; Zeit-Stempel (--[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 22:14, 20. Jul 2006 (CEST)) seine/ihre Zustimmung oder Ablehnung der Regel gibt. Die Seite mit der Abstimmungsmodul wäre schreibgeschützt, so das '''nur''' die AutorInnen des Lexikons (auffgrund ihres Sysop-Status) abstimmen können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Muster-Abstimmungsmodul====&lt;br /&gt;
{| {{Prettytable}}&lt;br /&gt;
!Autor&lt;br /&gt;
!Signatur/Zeitstempel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Bernd A.L.&lt;br /&gt;
| {{BackRed}} |[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 21:36, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Jochen_K&lt;br /&gt;
| {{BackYellow}} |[[Benutzer:Jochen_k|Jochen K]] 22:02, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Jochen_S&lt;br /&gt;
| {{BackGreen}} |[[Benutzer:Jochen_S|Jochen S]] 22:20, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wolfram_B&lt;br /&gt;
| [Farbe &amp;amp; Signatur eingeben]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Legende der Symbolfarben:'''&lt;br /&gt;
* '''Grün''': Pro&lt;br /&gt;
* '''Gelb''': Unentschieden&lt;br /&gt;
* '''Rot''': Contra&lt;br /&gt;
* '''Nicht eingefärbt''': Wird als '''stille Zustimmung''' gewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regel tritt dann z.B. einen Monat nach Verkündung in Kraft, wenn entweder die Mehrheit der AutorInnen dafür ist oder (weil sie keine Lust hat abzustimmen und auch nichts gegen die Regel) die Mehrheit keinen Widerspruch erhebt. Das kann durchaus ein dynamisches Prinzip sein. So können Regeln durch neu hinzukommende AutorInnen auch wieder außer Kraft gesetzt werden, wenn nämlich die Mehrheit von ihnen Widerspruch gegen die Regel erhebt. Das Fälschen der Abstimmung durch Verändern der Abstimmungszellen anderer AutorInnen ist zwar möglich, aber die Fäschung &amp;quot;fliegt&amp;quot; sehr schnell auf, denn man kann ja in der Versionsgeschichte (s.o.) sehen, welcher User, welche Veränderung gemacht hat. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 18:03, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kommentar von Bernd''': Jochen_S hat den Vorschlag gemacht, eine ja/nein-Liste zur Verfügung zu stellen und dann nach Mehrheit auszuzählen. Da tauchte zum einen das Problem der mehrfachen Stimmabgabe auf, das aber vielleicht technisch zu beheben wäre. Zum anderen sähe ich ein grösseres Problem in der &amp;quot;unqualifizierten&amp;quot; Stimmabgabe. Deshalb fände ich es besser, wie in der Wiki zu verfahren: dass Stimmen bzw. argumentierende Meinungen zu der betreffenden Frage gesammelt werden und dann - im Ermessen eines Admins, aber öffentlich - auch eine qualifizierte Minderheitsmeinung bestimmend werden kann. --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 21:36, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''Kommentar von Jochen zum Kommentar von Bernd''': &lt;br /&gt;
:* Bernd, was genau meinst Du mit '''unqualifizierter Stimmabgabe'''? Gib mal ein Beispiel. &lt;br /&gt;
:* Und was verstehst Du unter '''Admin'''? Ich bin ja hier auf dem Portal der Admin, notgedrungen, weil sich noch niemand anderes gefunden hat, der sich darum kümmert. In dieser Funktion entwickle und warte ich das technische System und kümmere mich auch um den Aufbau der Contentstrukturen. Der Admin an den Du denkst, scheint mir so eine Art Ersatz-Herausgaber zu sein und die Funktion zu erfüllen, die seinerzeit Degen ausgeübt hat (mit der er sich nach eigenen Bekunden auch übernommen hat). Genau diese Funktion will und kann ich nicht ausüben und deshalb haben wir im Kerngründungsteam des Projektes (also Knobi, Rolf und ich) die Idee der Autorenedition &amp;quot;ausgebrütet&amp;quot;. Neben der technischen Entwicklung des Portals sehe ich meine Funktion im Projekt eher darin, das Projekt &amp;quot;anzuschieben&amp;quot; und in der Startphase moderierend tätig zu sein, auch Hilfestellung beim Einstieg in diese Art der Online-Publikation zu geben. Allein das ist unglaublich zeitaufwendig, wie wohl jeder nachvollziehen kann, der sich mal die Vielzahl der &amp;quot;Sysop&amp;quot;- und &amp;quot;Jochen_S&amp;quot;-Einträge in der History der &amp;quot;letzten Änderungen&amp;quot; anschaut. Hinzu kommt, dass ich gegen so eine Art von personalisierter Administration ziemlich allergisch geworden bin durch meine Erfahrungen auf der Anarchopedia, die von dem De-Facto-Admin &amp;quot;X&amp;quot; mit großer Willkür beherrscht wird. Da ist mir ein basisdemokratisches Modell mit Majoritätsentscheidungen dann schon lieber als die Alleinherrschaft eines Admins. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 22:04, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein junges Beispiel aus meiner Erfahrung mit der (englischen) Wiki war, dass jemand die Löschung eines noch rudimentären Artikels über den &amp;quot;postanarchistischen&amp;quot; Autor '''Saul Newman''' beantragt hat. Ein solcher Antrag wird innerhalb von 5-7 Tagen entschieden. Der Antragsteller hat nun einfach behauptet, Newman sei eine unwichtige Person. Er lieferte dann noch einige etwas fadenscheinige Argumente nach. Einige schlossen sich einfach seiner Meinung an, ohne zu begründen. Andere stimmten für den Verbleib des Artikels, zumal er gerade substantiell erweitert worden war. Das Ganze wurde dann nicht einfach durch Abzählen der Ja/Nein-Stimmen entschieden, sondern durch Abwägen der Argumente durch einen (nicht unbedingt fachlich kompetenten) Admin. Letztlich entschied der dann, dass der Artikel blieb, meiner Ansicht nach zu Recht. Alles geht freilich öffentlich vonstatten, und der Admin bleibt nicht anonym. Ich sehe natürlich die Probleme, wenn nur einer der Admin ist (analog zum Hg. des ALex). Man könnte solche Admin-Rechte ja an alle vergeben, die durch Autorentätigkeit Engagement und Sachkunde bewiesen haben. ''Wer'' dann in einem konkreten Fall tätig wird, könnte man auf Freiwilligenbasis regeln - oder nach Sachgebietszuteilungen. Wenn aber keiner tätig wird... Hm. Ich weiss nicht, wie das bei Wiki geregelt ist. Aber ''es ist'' sicher geregelt. -- Autorenedition mildert schon mal das Problem, aber eliminiert es nicht (wenn etwa immer mehr Autoren einen eigenen Artikel zu einem Thema einstellen wollen). --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 22:59, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''Kommentar von Jochen zum Kommentar von Bernd''': Da scheint ihr (und mit &amp;quot;ihr&amp;quot; meine ich die Community derjenigen, die in dem Fall verwickelt waren) mit dem Admin ausgesprochen Glück gehabt zu haben. Genausogut hätte der sich aber auch auf die Seite der &amp;quot;Ablehner&amp;quot; des Artikels  schlagen können. Ich habe jedenfalls schon viele Klagen über &amp;quot;unfaire&amp;quot; Admins in der deutschen Wikipedia gelesen und bin generell etwas skeptisch, solche grundlegenden Entscheidungen wie das Regelwerk einer Autorenedition von einer einzelnen Person vornehmen zu lassen. Die meisten Admins möchten doch wohl eher &amp;quot;Ruhe in ihrem Laden&amp;quot; haben und würden sich deshalb vermutlich nicht selten den Erwartungen der Mehrheit beugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber das, was Du vorschlägst, ist ein interessanter Ansatz, denn damit stellst Du wirklich das Individuum ins Zentrum der Entscheidungsfindung. Das finde ich erst einmal sehr sympathisch, denn das ist mir selbst ein Anliegen, aber eher im Sinne der Verteidigung der Individualität des Autors/der Autorin und weniger im Bereich der allgemeinen Entscheidungsfindung. Meine Hoffnung ist, dass wir als Community der Lexikon-AutorInnen Einrichtungen entwickeln (sei es als Fachredaktion oder Schlichtungsstelle), die durchaus auf basisdemokratische Weise sachkompetente Entscheidungen fällen und diese bitte schön auch immer in dem Bewußtsein der hohen Bedeutung der Individualität für unser Projekt. Vielleicht sollte man auch zwischen der Einführung von Regeln, die alle betreffen, und dem Schlichten von Streitigkeiten unterscheiden. Das Entwickeln von Grundregeln, die für alle verbindlich sein sollen, sollte sinnvollerweise auch von allen getragen werden, während Streitigkeiten durchaus von einem Schlichter (oder besser: einer [[Schlichtungskommission]]) gelöst werden könnten. Letztlich - und auch da stimme ich Dir zu - kann hier nur die Praxis zeigen, welche Lösung die beste ist. Warum sollte man nicht auch unterschiedliche Methoden der Entscheidungsfindung nutzen können, ebenfalls ganz im Sinne der anarchistischen Pluralität. Sollen doch diejenigen, die eine Entscheidung über etwas erzielen wollen, selbst bestimmen, nach welcher Methode dies geschieht. Hilfreich wäre es natürlich, wenn es Mustermodelle der Entscheidungsfindung gibt, unter denen man sich das Modell aussucht, das einem (individuell sozusagen) am besten zusagt. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 10:25, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bernd:''' Ich meine, wir müssen einfach eine Reihe von Fragen noch offen lassen, sonst diskutieren wir uns hier weitgehend abstrakt in immer weniger übersichtliche Verhältnisse. Das Dadaweb ist gerade erst im Entstehen, und soweit ich sehe, sind zZ nur &amp;quot;eine Handvoll&amp;quot; Leute aktiv (à propos: sollte es nicht auch eine Seite geben, wo die Beteiligten aufgelistet sind ?). Entscheidungen sind aber jetzt schon zu treffen. Eine wichtige war die zur &amp;quot;Autorenedition&amp;quot; (die sollte auch von einer evtl. späteren numerischen Mehrheit nicht mehr gekippt werden können). Da taucht schon '''das erste praktisch-konkrete Problem''' auf: Gottfried Heuer möchte für das ALex einen Artikel über Otto Gross schreiben, obwohl schon einer existiert. Die Entscheidung darüber, getroffen von noch wenigen Aktiven, wäre ein Präzedenzfall für Probleme, die gewiss erneut auftreten werden. Was tun ? Ein generelles Ja zu mehreren Artikeln zu einem Thema könnte zur Wehrlosigkeit gegenüber Textspam führen. Also müsste man (wer?) in jedem Einzelfall entscheiden. Wie ? Nach wiki-öffentlicher Diskussion. Ich bin aber nach wie vor skeptisch gegenüber rein numerischer Abstimmung. Ein Admin, der nicht nur Ja/Nein auszählt, sondern die Argumente gewichtet und seine Entscheidung öffentlich begründet, wäre mir lieber (Majorisierung durch mobilisierte &amp;quot;Massen&amp;quot; fürchte ich mehr). --  Mein Vorschlag: ziehen wir das doch am Beispiel des konkret vorliegenden Falles Heuer/Gross mal durch, aber wohl auf einer speziellen Seite, die der Admin einrichten müsste. Wie auch immer das Experiment ausgeht: es wird keine Katastrophe geben, und alle werden daraus lernen - für den nächsten Fall. Auf diese Weise, kann ich mir vorstellen, wird Stück um Stück ein praktizierbares Regelwerk entstehen (wobei wir aber natürlich, soweit es geht, von den Erfahrungen der Wikipedia profitieren sollten). --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 15:30, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Alternativ- oder Optimierungsvorschläge zur Reglung des Projektmanagements sind erwünscht!''' ([[Benutzer:Jochen_S|Jochen S]] 10:26, 16. Jul 2006)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Lexikon_der_Anarchie_-_Konzept]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Methoden_der_Entscheidungsfindung&amp;diff=2247</id>
		<title>Methoden der Entscheidungsfindung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Methoden_der_Entscheidungsfindung&amp;diff=2247"/>
				<updated>2006-07-21T13:42:12Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: Wiederhergestellt zur letzten Änderung von WikiSysop&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Zur Abstimmung und Festlegung von Regeln könnten wir z.B. nach folgendem Modus verfahren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Wer meint, dass eine Regel nötig ist, stellt sie auf dieser Seite zur Diskussion.'''&lt;br /&gt;
* '''Wer mit der Regel einverstanden ist, beteiligt sich nicht an der Diskussion über die Regel.'''&lt;br /&gt;
* '''Wer mit dem Regelvorschlag nicht einverstanden ist, macht einen Gegenvorschlag zur Lösung des Problems, das durch die Regel gelöst werden sollte.'''&lt;br /&gt;
* '''Die Regel tritt nach einem Monat in Kraft, wenn die Mehrheit der AutorInnen keinen Widerspruch mehr gegen sie erhebt.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
Man könnte als Mittel der Entscheidungsfindung ein '''Abstimmungsmodul''' in Form einer Tabelle integrieren, in dem jede/r der eingetragenen AutorInnen durch das Einfärben ihrer '''Stimmzelle''' und seinem Signatur- &amp;amp; Zeit-Stempel (--[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 22:14, 20. Jul 2006 (CEST)) seine/ihre Zustimmung oder Ablehnung der Regel gibt. Die Seite mit der Abstimmungsmodul wäre schreibgeschützt, so das '''nur''' die AutorInnen des Lexikons (auffgrund ihres Sysop-Status) abstimmen können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Muster-Abstimmungsmodul====&lt;br /&gt;
{| {{Prettytable}}&lt;br /&gt;
!Autor&lt;br /&gt;
!Signatur/Zeitstempel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Bernd A.L.&lt;br /&gt;
| {{BackRed}} |[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 21:36, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Jochen_K&lt;br /&gt;
| {{BackYellow}} |[[Benutzer:Jochen_k|Jochen K]] 22:02, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Jochen_S&lt;br /&gt;
| {{BackGreen}} |[[Benutzer:Jochen_S|Jochen S]] 22:20, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wolfram_B&lt;br /&gt;
| [Farbe &amp;amp; Signatur eingeben]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Legende der Symbolfarben:'''&lt;br /&gt;
* '''Grün''': Pro&lt;br /&gt;
* '''Gelb''': Unentschieden&lt;br /&gt;
* '''Rot''': Contra&lt;br /&gt;
* '''Nicht eingefärbt''': Wird als '''stille Zustimmung''' gewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regel tritt dann z.B. einen Monat nach Verkündung in Kraft, wenn entweder die Mehrheit der AutorInnen dafür ist oder (weil sie keine Lust hat abzustimmen und auch nichts gegen die Regel) die Mehrheit keinen Widerspruch erhebt. Das kann durchaus ein dynamisches Prinzip sein. So können Regeln durch neu hinzukommende AutorInnen auch wieder außer Kraft gesetzt werden, wenn nämlich die Mehrheit von ihnen Widerspruch gegen die Regel erhebt. Das Fälschen der Abstimmung durch Verändern der Abstimmungszellen anderer AutorInnen ist zwar möglich, aber die Fäschung &amp;quot;fliegt&amp;quot; sehr schnell auf, denn man kann ja in der Versionsgeschichte (s.o.) sehen, welcher User, welche Veränderung gemacht hat. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 18:03, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kommentar von Bernd''': Jochen_S hat den Vorschlag gemacht, eine ja/nein-Liste zur Verfügung zu stellen und dann nach Mehrheit auszuzählen. Da tauchte zum einen das Problem der mehrfachen Stimmabgabe auf, das aber vielleicht technisch zu beheben wäre. Zum anderen sähe ich ein grösseres Problem in der &amp;quot;unqualifizierten&amp;quot; Stimmabgabe. Deshalb fände ich es besser, wie in der Wiki zu verfahren: dass Stimmen bzw. argumentierende Meinungen zu der betreffenden Frage gesammelt werden und dann - im Ermessen eines Admins, aber öffentlich - auch eine qualifizierte Minderheitsmeinung bestimmend werden kann. --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 21:36, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''Kommentar von Jochen zum Kommentar von Bernd''': &lt;br /&gt;
:* Bernd, was genau meinst Du mit '''unqualifizierter Stimmabgabe'''? Gib mal ein Beispiel. &lt;br /&gt;
:* Und was verstehst Du unter '''Admin'''? Ich bin ja hier auf dem Portal der Admin, notgedrungen, weil sich noch niemand anderes gefunden hat, der sich darum kümmert. In dieser Funktion entwickle und warte ich das technische System und kümmere mich auch um den Aufbau der Contentstrukturen. Der Admin an den Du denkst, scheint mir so eine Art Ersatz-Herausgaber zu sein und die Funktion zu erfüllen, die seinerzeit Degen ausgeübt hat (mit der er sich nach eigenen Bekunden auch übernommen hat). Genau diese Funktion will und kann ich nicht ausüben und deshalb haben wir im Kerngründungsteam des Projektes (also Knobi, Rolf und ich) die Idee der Autorenedition &amp;quot;ausgebrütet&amp;quot;. Neben der technischen Entwicklung des Portals sehe ich meine Funktion im Projekt eher darin, das Projekt &amp;quot;anzuschieben&amp;quot; und in der Startphase moderierend tätig zu sein, auch Hilfestellung beim Einstieg in diese Art der Online-Publikation zu geben. Allein das ist unglaublich zeitaufwendig, wie wohl jeder nachvollziehen kann, der sich mal die Vielzahl der &amp;quot;Sysop&amp;quot;- und &amp;quot;Jochen_S&amp;quot;-Einträge in der History der &amp;quot;letzten Änderungen&amp;quot; anschaut. Hinzu kommt, dass ich gegen so eine Art von personalisierter Administration ziemlich allergisch geworden bin durch meine Erfahrungen auf der Anarchopedia, die von dem De-Facto-Admin &amp;quot;X&amp;quot; mit großer Willkür beherrscht wird. Da ist mir ein basisdemokratisches Modell mit Majoritätsentscheidungen dann schon lieber als die Alleinherrschaft eines Admins. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 22:04, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein junges Beispiel aus meiner Erfahrung mit der (englischen) Wiki war, dass jemand die Löschung eines noch rudimentären Artikels über den &amp;quot;postanarchistischen&amp;quot; Autor '''Saul Newman''' beantragt hat. Ein solcher Antrag wird innerhalb von 5-7 Tagen entschieden. Der Antragsteller hat nun einfach behauptet, Newman sei eine unwichtige Person. Er lieferte dann noch einige etwas fadenscheinige Argumente nach. Einige schlossen sich einfach seiner Meinung an, ohne zu begründen. Andere stimmten für den Verbleib des Artikels, zumal er gerade substantiell erweitert worden war. Das Ganze wurde dann nicht einfach durch Abzählen der Ja/Nein-Stimmen entschieden, sondern durch Abwägen der Argumente durch einen (nicht unbedingt fachlich kompetenten) Admin. Letztlich entschied der dann, dass der Artikel blieb, meiner Ansicht nach zu Recht. Alles geht freilich öffentlich vonstatten, und der Admin bleibt nicht anonym. Ich sehe natürlich die Probleme, wenn nur einer der Admin ist (analog zum Hg. des ALex). Man könnte solche Admin-Rechte ja an alle vergeben, die durch Autorentätigkeit Engagement und Sachkunde bewiesen haben. ''Wer'' dann in einem konkreten Fall tätig wird, könnte man auf Freiwilligenbasis regeln - oder nach Sachgebietszuteilungen. Wenn aber keiner tätig wird... Hm. Ich weiss nicht, wie das bei Wiki geregelt ist. Aber ''es ist'' sicher geregelt. -- Autorenedition mildert schon mal das Problem, aber eliminiert es nicht (wenn etwa immer mehr Autoren einen eigenen Artikel zu einem Thema einstellen wollen). --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 22:59, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''Kommentar von Jochen zum Kommentar von Bernd''': Da scheint ihr (und mit &amp;quot;ihr&amp;quot; meine ich die Community derjenigen, die in dem Fall verwickelt waren) mit dem Admin ausgesprochen Glück gehabt zu haben. Genausogut hätte der sich aber auch auf die Seite der &amp;quot;Ablehner&amp;quot; des Artikels  schlagen können. Ich habe jedenfalls schon viele Klagen über &amp;quot;unfaire&amp;quot; Admins in der deutschen Wikipedia gelesen und bin generell etwas skeptisch, solche grundlegenden Entscheidungen wie das Regelwerk einer Autorenedition von einer einzelnen Person vornehmen zu lassen. Die meisten Admins möchten doch wohl eher &amp;quot;Ruhe in ihrem Laden&amp;quot; haben und würden sich deshalb vermutlich nicht selten den Erwartungen der Mehrheit beugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber das, was Du vorschlägst, ist ein interessanter Ansatz, denn damit stellst Du wirklich das Individuum ins Zentrum der Entscheidungsfindung. Das finde ich erst einmal sehr sympathisch, denn das ist mir selbst ein Anliegen, aber eher im Sinne der Verteidigung der Individualität des Autors/der Autorin und weniger im Bereich der allgemeinen Entscheidungsfindung. Meine Hoffnung ist, dass wir als Community der Lexikon-AutorInnen Einrichtungen entwickeln (sei es als Fachredaktion oder Schlichtungsstelle), die durchaus auf basisdemokratische Weise sachkompetente Entscheidungen fällen und diese bitte schön auch immer in dem Bewußtsein der hohen Bedeutung der Individualität für unser Projekt. Vielleicht sollte man auch zwischen der Einführung von Regeln, die alle betreffen, und dem Schlichten von Streitigkeiten unterscheiden. Das Entwickeln von Grundregeln, die für alle verbindlich sein sollen, sollte sinnvollerweise auch von allen getragen werden, während Streitigkeiten durchaus von einem Schlichter (oder besser: einer [[Schlichtungskommission]]) gelöst werden könnten. Letztlich - und auch da stimme ich Dir zu - kann hier nur die Praxis zeigen, welche Lösung die beste ist. Warum sollte man nicht auch unterschiedliche Methoden der Entscheidungsfindung nutzen können, ebenfalls ganz im Sinne der anarchistischen Pluralität. Sollen doch diejenigen, die eine Entscheidung über etwas erzielen wollen, selbst bestimmen, nach welcher Methode dies geschieht. Hilfreich wäre es natürlich, wenn es Mustermodelle der Entscheidungsfindung gibt, unter denen man sich das Modell aussucht, das einem (individuell sozusagen) am besten zusagt. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 10:25, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Alternativ- oder Optimierungsvorschläge zur Reglung des Projektmanagements sind erwünscht!''' ([[Benutzer:Jochen_S|Jochen S]] 10:26, 16. Jul 2006)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Lexikon_der_Anarchie_-_Konzept]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Methoden_der_Entscheidungsfindung&amp;diff=2246</id>
		<title>Methoden der Entscheidungsfindung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Methoden_der_Entscheidungsfindung&amp;diff=2246"/>
				<updated>2006-07-21T13:30:40Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Bernd.A L: /* Muster-Abstimmungsmodul */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Zur Abstimmung und Festlegung von Regeln könnten wir z.B. nach folgendem Modus verfahren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Wer meint, dass eine Regel nötig ist, stellt sie auf dieser Seite zur Diskussion.'''&lt;br /&gt;
* '''Wer mit der Regel einverstanden ist, beteiligt sich nicht an der Diskussion über die Regel.'''&lt;br /&gt;
* '''Wer mit dem Regelvorschlag nicht einverstanden ist, macht einen Gegenvorschlag zur Lösung des Problems, das durch die Regel gelöst werden sollte.'''&lt;br /&gt;
* '''Die Regel tritt nach einem Monat in Kraft, wenn die Mehrheit der AutorInnen keinen Widerspruch mehr gegen sie erhebt.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Man könnte als Mittel der Entscheidungsfindung ein '''Abstimmungsmodul''' in Form einer Tabelle integrieren, in dem jede/r der eingetragenen AutorInnen durch das Einfärben ihrer '''Stimmzelle''' und seinem Signatur- &amp;amp; Zeit-Stempel (--[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 22:14, 20. Jul 2006 (CEST)) seine/ihre Zustimmung oder Ablehnung der Regel gibt. Die Seite mit der Abstimmungsmodul wäre schreibgeschützt, so das '''nur''' die AutorInnen des Lexikons (auffgrund ihres Sysop-Status) abstimmen können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Muster-Abstimmungsmodul====&lt;br /&gt;
{| {{Prettytable}}&lt;br /&gt;
!Autor&lt;br /&gt;
!Signatur/Zeitstempel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Bernd A.L.&lt;br /&gt;
| {{BackRed}} |[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 21:36, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Jochen_K&lt;br /&gt;
| {{BackYellow}} |[[Benutzer:Jochen_k|Jochen K]] 22:02, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Jochen_S&lt;br /&gt;
| {{BackGreen}} |[[Benutzer:Jochen_S|Jochen S]] 22:20, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wolfram_B&lt;br /&gt;
| [Farbe &amp;amp; Signatur eingeben]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Legende der Symbolfarben:'''&lt;br /&gt;
* '''Grün''': Pro&lt;br /&gt;
* '''Gelb''': Unentschieden&lt;br /&gt;
* '''Rot''': Contra&lt;br /&gt;
* '''Nicht eingefärbt''': Wird als '''stille Zustimmung''' gewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regel tritt dann z.B. einen Monat nach Verkündung in Kraft, wenn entweder die Mehrheit der AutorInnen dafür ist oder (weil sie keine Lust hat abzustimmen und auch nichts gegen die Regel) die Mehrheit keinen Widerspruch erhebt. Das kann durchaus ein dynamisches Prinzip sein. So können Regeln durch neu hinzukommende AutorInnen auch wieder außer Kraft gesetzt werden, wenn nämlich die Mehrheit von ihnen Widerspruch gegen die Regel erhebt. Das Fälschen der Abstimmung durch Verändern der Abstimmungszellen anderer AutorInnen ist zwar möglich, aber die Fäschung &amp;quot;fliegt&amp;quot; sehr schnell auf, denn man kann ja in der Versionsgeschichte (s.o.) sehen, welcher User, welche Veränderung gemacht hat. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 18:03, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
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----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kommentar von Bernd''': Jochen_S hat den Vorschlag gemacht, eine ja/nein-Liste zur Verfügung zu stellen und dann nach Mehrheit auszuzählen. Da tauchte zum einen das Problem der mehrfachen Stimmabgabe auf, das aber vielleicht technisch zu beheben wäre. Zum anderen sähe ich ein grösseres Problem in der &amp;quot;unqualifizierten&amp;quot; Stimmabgabe. Deshalb fände ich es besser, wie in der Wiki zu verfahren: dass Stimmen bzw. argumentierende Meinungen zu der betreffenden Frage gesammelt werden und dann - im Ermessen eines Admins, aber öffentlich - auch eine qualifizierte Minderheitsmeinung bestimmend werden kann. --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 21:36, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
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:'''Kommentar von Jochen zum Kommentar von Bernd''': &lt;br /&gt;
:* Bernd, was genau meinst Du mit '''unqualifizierter Stimmabgabe'''? Gib mal ein Beispiel. &lt;br /&gt;
:* Und was verstehst Du unter '''Admin'''? Ich bin ja hier auf dem Portal der Admin, notgedrungen, weil sich noch niemand anderes gefunden hat, der sich darum kümmert. In dieser Funktion entwickle und warte ich das technische System und kümmere mich auch um den Aufbau der Contentstrukturen. Der Admin an den Du denkst, scheint mir so eine Art Ersatz-Herausgaber zu sein und die Funktion zu erfüllen, die seinerzeit Degen ausgeübt hat (mit der er sich nach eigenen Bekunden auch übernommen hat). Genau diese Funktion will und kann ich nicht ausüben und deshalb haben wir im Kerngründungsteam des Projektes (also Knobi, Rolf und ich) die Idee der Autorenedition &amp;quot;ausgebrütet&amp;quot;. Neben der technischen Entwicklung des Portals sehe ich meine Funktion im Projekt eher darin, das Projekt &amp;quot;anzuschieben&amp;quot; und in der Startphase moderierend tätig zu sein, auch Hilfestellung beim Einstieg in diese Art der Online-Publikation zu geben. Allein das ist unglaublich zeitaufwendig, wie wohl jeder nachvollziehen kann, der sich mal die Vielzahl der &amp;quot;Sysop&amp;quot;- und &amp;quot;Jochen_S&amp;quot;-Einträge in der History der &amp;quot;letzten Änderungen&amp;quot; anschaut. Hinzu kommt, dass ich gegen so eine Art von personalisierter Administration ziemlich allergisch geworden bin durch meine Erfahrungen auf der Anarchopedia, die von dem De-Facto-Admin &amp;quot;X&amp;quot; mit großer Willkür beherrscht wird. Da ist mir ein basisdemokratisches Modell mit Majoritätsentscheidungen dann schon lieber als die Alleinherrschaft eines Admins. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 22:04, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein junges Beispiel aus meiner Erfahrung mit der (englischen) Wiki war, dass jemand die Löschung eines noch rudimentären Artikels über den &amp;quot;postanarchistischen&amp;quot; Autor '''Saul Newman''' beantragt hat. Ein solcher Antrag wird innerhalb von 5-7 Tagen entschieden. Der Antragsteller hat nun einfach behauptet, Newman sei eine unwichtige Person. Er lieferte dann noch einige etwas fadenscheinige Argumente nach. Einige schlossen sich einfach seiner Meinung an, ohne zu begründen. Andere stimmten für den Verbleib des Artikels, zumal er gerade substantiell erweitert worden war. Das Ganze wurde dann nicht einfach durch Abzählen der Ja/Nein-Stimmen entschieden, sondern durch Abwägen der Argumente durch einen (nicht unbedingt fachlich kompetenten) Admin. Letztlich entschied der dann, dass der Artikel blieb, meiner Ansicht nach zu Recht. Alles geht freilich öffentlich vonstatten, und der Admin bleibt nicht anonym. Ich sehe natürlich die Probleme, wenn nur einer der Admin ist (analog zum Hg. des ALex). Man könnte solche Admin-Rechte ja an alle vergeben, die durch Autorentätigkeit Engagement und Sachkunde bewiesen haben. ''Wer'' dann in einem konkreten Fall tätig wird, könnte man auf Freiwilligenbasis regeln - oder nach Sachgebietszuteilungen. Wenn aber keiner tätig wird... Hm. Ich weiss nicht, wie das bei Wiki geregelt ist. Aber ''es ist'' sicher geregelt. -- Autorenedition mildert schon mal das Problem, aber eliminiert es nicht (wenn etwa immer mehr Autoren einen eigenen Artikel zu einem Thema einstellen wollen). --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 22:59, 20. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''Kommentar von Jochen zum Kommentar von Bernd''': Da scheint ihr (und mit &amp;quot;ihr&amp;quot; meine ich die Community derjenigen, die in dem Fall verwickelt waren) mit dem Admin ausgesprochen Glück gehabt zu haben. Genausogut hätte der sich aber auch auf die Seite der &amp;quot;Ablehner&amp;quot; des Artikels  schlagen können. Ich habe jedenfalls schon viele Klagen über &amp;quot;unfaire&amp;quot; Admins in der deutschen Wikipedia gelesen und bin generell etwas skeptisch, solche grundlegenden Entscheidungen wie das Regelwerk einer Autorenedition von einer einzelnen Person vornehmen zu lassen. Die meisten Admins möchten doch wohl eher &amp;quot;Ruhe in ihrem Laden&amp;quot; haben und würden sich deshalb vermutlich nicht selten den Erwartungen der Mehrheit beugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber das, was Du vorschlägst, ist ein interessanter Ansatz, denn damit stellst Du wirklich das Individuum ins Zentrum der Entscheidungsfindung. Das finde ich erst einmal sehr sympathisch, denn das ist mir selbst ein Anliegen, aber eher im Sinne der Verteidigung der Individualität des Autors/der Autorin und weniger im Bereich der allgemeinen Entscheidungsfindung. Meine Hoffnung ist, dass wir als Community der Lexikon-AutorInnen Einrichtungen entwickeln (sei es als Fachredaktion oder Schlichtungsstelle), die durchaus auf basisdemokratische Weise sachkompetente Entscheidungen fällen und diese bitte schön auch immer in dem Bewußtsein der hohen Bedeutung der Individualität für unser Projekt. Vielleicht sollte man auch zwischen der Einführung von Regeln, die alle betreffen, und dem Schlichten von Streitigkeiten unterscheiden. Das Entwickeln von Grundregeln, die für alle verbindlich sein sollen, sollte sinnvollerweise auch von allen getragen werden, während Streitigkeiten durchaus von einem Schlichter (oder besser: einer [[Schlichtungskommission]]) gelöst werden könnten. Letztlich - und auch da stimme ich Dir zu - kann hier nur die Praxis zeigen, welche Lösung die beste ist. Warum sollte man nicht auch unterschiedliche Methoden der Entscheidungsfindung nutzen können, ebenfalls ganz im Sinne der anarchistischen Pluralität. Sollen doch diejenigen, die eine Entscheidung über etwas erzielen wollen, selbst bestimmen, nach welcher Methode dies geschieht. Hilfreich wäre es natürlich, wenn es Mustermodelle der Entscheidungsfindung gibt, unter denen man sich das Modell aussucht, das einem (individuell sozusagen) am besten zusagt. --[[Benutzer:WikiSysop|Jochen S]] 10:25, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
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'''Bernd:''' Ich meine, wir müssen einfach eine Reihe von Fragen noch offen lassen, sonst diskutieren wir uns hier weitgehend abstrakt in immer weniger übersichtliche Verhältnisse. Das Dadaweb ist gerade erst im Entstehen, und soweit ich sehe, sind zZ nur &amp;quot;eine Handvoll&amp;quot; Leute aktiv (à propos: sollte es nicht auch eine Seite geben, wo die Beteiligten aufgelistet sind ?). Entscheidungen sind aber jetzt schon zu treffen. Eine wichtige war die zur &amp;quot;Autorenedition&amp;quot; (die sollte auch von einer evtl. späteren numerischen Mehrheit nicht mehr gekippt werden können). Da taucht schon '''das erste praktisch-konkrete Problem''' auf: Gottfried Heuer möchte für das ALex einen Artikel über Otto Gross schreiben, obwohl schon einer existiert. Die Entscheidung darüber, getroffen von noch wenigen Aktiven, wäre ein Präzedenzfall für Probleme, die gewiss erneut auftreten werden. Was tun ? Ein generelles Ja zu mehreren Artikeln zu einem Thema könnte zur Wehrlosigkeit gegenüber Textspam führen. Also müsste man (wer?) in jedem Einzelfall entscheiden. Wie ? Nach wiki-öffentlicher Diskussion. Ich bin aber nach wie vor skeptisch gegenüber rein numerischer Abstimmung. Ein Admin, der nicht nur Ja/Nein auszählt, sondern die Argumente gewichtet und seine Entscheidung öffentlich begründet, wäre mir lieber (Majorisierung durch mobilisierte &amp;quot;Massen&amp;quot; fürchte ich mehr). --  Mein Vorschlag: ziehen wir das doch am Beispiel des konkret vorliegenden Falles Heuer/Gross mal durch, aber wohl auf einer speziellen Seite, die der Admin einrichten müsste. Wie auch immer das Experiment ausgeht: es wird keine Katastrophe geben, und alle werden daraus lernen - für den nächsten Fall. Auf diese Weise, kann ich mir vorstellen, wird Stück um Stück ein praktizierbares Regelwerk entstehen (wobei wir aber natürlich, soweit es geht, von den Erfahrungen der Wikipedia profitieren sollten). --[[Benutzer:Bernd.A L|Bernd.A L]] 15:30, 21. Jul 2006 (CEST)&lt;br /&gt;
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'''Alternativ- oder Optimierungsvorschläge zur Reglung des Projektmanagements sind erwünscht!''' ([[Benutzer:Jochen_S|Jochen S]] 10:26, 16. Jul 2006)&lt;br /&gt;
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[[Lexikon_der_Anarchie_-_Konzept]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bernd.A L</name></author>	</entry>

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