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		<title>DadAWeb - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<title>Tresca, Carlo</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Max Eastman, ''Heroes I Have Known'', S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung ''L'Avvenire'', die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, ''Il Martello'', wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung ''Il Martello'' wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 124&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „Deus ex machina des Antifaschismus“&amp;lt;ref&amp;gt;Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 135&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas ''Martello'' vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 103-104&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 270; Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 295-296&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Arturo Giovannitti, zitiert in: Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80&amp;lt;/ref&amp;gt; Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.79, 80&amp;lt;/ref&amp;gt; Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, zitiert in: Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 76&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;He Died as a Fighter for Freedom&amp;quot;, in: Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'', S.5&amp;lt;/ref&amp;gt;, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Holley Cantine, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture'', Kindle-Ausgabe&amp;lt;/ref&amp;gt; „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“.&amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Erik Amfitheatrof, ''The Children of Columbus: An Informal History of the Italians in the New World''. Boston 1973.&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, ''Schwarzer Faden'', Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Voices: An Oral History of Anarchism in America''. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
*Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, ''Radical America'', Nr. 1 (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
*Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture: The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940''. New York 2011.&lt;br /&gt;
*Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, ''Retort'', Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
*John P. Diggins, ''Mussolini and Fascism: The View from America''. Princeton 1972.&lt;br /&gt;
*Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente: Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten''. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
*John Dos Passos, ''The Theme Is Freedom''. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
*John Dos Passos, „Carlo Tresca“, ''The Nation'', 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
*Max Eastman, ''Heroes I Have Known''. New York 1942. &lt;br /&gt;
*Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca''. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
*Joyce Kornbluh (Hg.),  ''Rebel Voices: An IWW Anthology''. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca: Portrait of a Rebel''. New York 2005.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: ''Encyclopedia of the American Left'', hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in ''Italian Americans: The Search for a Usable Past'', hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, ''Journal of American History'', Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: ''The Lost World of Italian-American Radicalism'', hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
*Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;,'' Modern Age'', VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
*Christine Stansell, ''American Moderns: Bohemian New York and the Creation of a New Century''. New York 2010.&lt;br /&gt;
*Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'' New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T21:05:48Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Max Eastman, ''Heroes I Have Known'', S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung ''L'Avvenire'', die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, ''Il Martello'', wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung ''Il Martello'' wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 124&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „Deus ex machina des Antifaschismus“&amp;lt;ref&amp;gt;Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 135&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas ''Martello'' vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 103-104&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 270; Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 295-296&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Arturo Giovannitti, zitiert in: Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80&amp;lt;/ref&amp;gt; Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.79, 80&amp;lt;/ref&amp;gt; Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, zitiert in: Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 76&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;He Died as a Fighter for Freedom&amp;quot;, in: Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'', S.5&amp;lt;/ref&amp;gt;, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Holley Cantine, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture'', Kindle-Ausgabe&amp;lt;/ref&amp;gt; „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“.&amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Erik Amfitheatrof, ''The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World''. Boston 1973.&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, ''Schwarzer Faden'', Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America''. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
*Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, ''Radical America'', Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
*Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940''. New York 2011.&lt;br /&gt;
*Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, ''Retort'', Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
*John P. Diggins, ''Mussolini and Fascism: The View from America''. Princeton 1972.&lt;br /&gt;
*Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten''. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
*John Dos Passos, ''The Theme Is Freedom''. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
*John Dos Passos, „Carlo Tresca“, ''The Nation'', 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
*Max Eastman, ''Heroes I Have Known''. New York 1942. &lt;br /&gt;
*Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca''. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
*Joyce Kornbluh (Hg.),  ''Rebel Voices: An IWW Anthology''. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca: Portrait of a Rebel''. New York 2005.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: ''Encyclopedia of the American Left'', hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in ''Italian Americans: The Search for a Usable Past'', hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, ''Journal of American History'', Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: ''The Lost World of Italian-American Radicalism'', hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
*Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;,'' Modern Age'', VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
*Christine Stansell, ''American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century''. New York 2010.&lt;br /&gt;
*Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'' New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Tresca,_Carlo&amp;diff=12273</id>
		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T14:59:55Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Max Eastman, ''Heroes I Have Known'', S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung ''L'Avvenire'', die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, ''Il Martello'', wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung ''Il Martello'' wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 124&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „Deus ex machina des Antifaschismus“&amp;lt;ref&amp;gt;Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 135&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas ''Martello'' vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 103-104&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 270; Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 295-296&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Arturo Giovannitti, zitiert in: Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80&amp;lt;/ref&amp;gt; Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.79, 80&amp;lt;/ref&amp;gt; Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, zitiert in: Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 76&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;He Died as a Fighter for Freedom&amp;quot;, in: Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'', S.5&amp;lt;/ref&amp;gt;, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Holley Cantine, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“.&amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Erik Amfitheatrof, ''The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World''. Boston 1973.&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, ''Schwarzer Faden'', Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America''. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
*Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, ''Radical America'', Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
*Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940''. New York 2011.&lt;br /&gt;
*Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, ''Retort'', Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
*John P. Diggins, ''Mussolini and Fascism: The View from America''. Princeton 1972.&lt;br /&gt;
*Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten''. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
*John Dos Passos, ''The Theme Is Freedom''. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
*John Dos Passos, „Carlo Tresca“, ''The Nation'', 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
*Max Eastman, ''Heroes I Have Known''. New York 1942. &lt;br /&gt;
*Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca''. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
*Joyce Kornbluh (Hg.),  ''Rebel Voices: An IWW Anthology''. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca: Portrait of a Rebel''. New York 2005.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: ''Encyclopedia of the American Left'', hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in ''Italian Americans: The Search for a Usable Past'', hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, ''Journal of American History'', Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: ''The Lost World of Italian-American Radicalism'', hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
*Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;,'' Modern Age'', VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
*Christine Stansell, ''American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century''. New York 2010.&lt;br /&gt;
*Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'' New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T14:59:15Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Max Eastman, ''Heroes I Have Known'', S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung ''L'Avvenire'', die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, ''Il Martello'', wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung ''Il Martello'' wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 124&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „Deus ex machina des Antifaschismus“&amp;lt;ref&amp;gt;Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 135&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas ''Martello'' vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 103-104&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 270; Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 295-296&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Arturo Giovannitti, zitiert in: Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80&amp;lt;/ref&amp;gt; Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.79, 80&amp;lt;/ref&amp;gt; Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, zitiert in: Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 76&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;He Died as a Fighter for Freedom&amp;quot;, in: Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'', S.5&amp;lt;/ref&amp;gt;, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Holley Cantine, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“.&amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Erik Amfitheatrof, ''The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World''. Boston 1973.&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, ''Schwarzer Faden'', Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America''. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
*Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, ''Radical America'', Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
*Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940''. New York 2011.&lt;br /&gt;
*Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, ''Retort'', Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
*John P. Diggins, ''Mussolini and Fascism: The View from America''. Princeton 1972.&lt;br /&gt;
*Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten''. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
*John Dos Passos, ''The Theme Is Freedom''. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
*John Dos Passos, „Carlo Tresca“, ''The Nation'', 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
*Max Eastman, ''Heroes I Have Known''. New York 1942. &lt;br /&gt;
*Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca''. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
*Joyce Kornbluh (Hg.),  ''Rebel Voices: An IWW Anthology''. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca: Portrait of a Rebel''. New York 2005.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: ''Encyclopedia of the American Left'', hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in ''Italian Americans: The Search for a Usable Past'', hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, ''Journal of American History'', Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: ''The Lost World of Italian-American Radicalism'', hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
*Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;,'' Modern Age'', VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
*Christine Stansell, ''American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century''. New York 2010.&lt;br /&gt;
*Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'' New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Tresca,_Carlo&amp;diff=12271</id>
		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T14:47:56Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Max Eastman, ''Heroes I Have Known'', S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung ''L'Avvenire'', die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, ''Il Martello'', wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung ''Il Martello'' wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 124&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „Deus ex machina des Antifaschismus“&amp;lt;ref&amp;gt;Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 135&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas ''Martello'' vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 103-104&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 270; Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 295-296&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Arturo Giovannitti, zitiert in: Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80&amp;lt;/ref&amp;gt; Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.79, 80&amp;lt;/ref&amp;gt; Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, zitiert in: Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 76&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;He Died as a Fighter for Freedom&amp;quot;, in: Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'', S.5&amp;lt;/ref&amp;gt;, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Holley Cantine, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“.&amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Erik Amfitheatrof, ''The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World''. Boston 1973.&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, ''Schwarzer Faden'', Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America''. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
*Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, ''Radical America'', Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
*Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940''. New York 2011.&lt;br /&gt;
*Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, ''Retort'', Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
*John P. Diggins, ''Mussolini and Fascism: The View from America''. Princeton 1972.&lt;br /&gt;
*Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten''. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
*John Dos Passos, ''The Theme Is Freedom''. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
*John Dos Passos, „Carlo Tresca“, ''The Nation'', 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
*Max Eastman, ''Heroes I Have Known''. New York 1942. &lt;br /&gt;
*Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca''. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
*Joyce Kornbluh (Hg.),  ''Rebel Voices: An IWW Anthology''. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca: Portrait of a Rebel''. New York 2005.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: ''Encyclopedia of the American Left'', hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in ''Italian Americans: The Search for a Usable Past'', hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, ''Journal of American History'', Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: ''The Lost World of Italian-American Radicalism'', hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
*Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;,'' Modern Age'', VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
*Christine Stansell, ''American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century''. New York 2010.&lt;br /&gt;
*Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'' New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T14:40:30Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Max Eastman, ''Heroes I Have Known'', S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung ''L'Avvenire'', die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, ''Il Martello'', wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung „Il Martello“ wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 124&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „Deus ex machina des Antifaschismus“&amp;lt;ref&amp;gt;Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 135&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas „Martello“ vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 103-104&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 270; Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 295-296&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Arturo Giovannitti, zitiert in: Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80&amp;lt;/ref&amp;gt; Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.79, 80&amp;lt;/ref&amp;gt; Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, zitiert in: Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 76&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;He Died as a Fighter for Freedom&amp;quot;, in: Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'', S.5&amp;lt;/ref&amp;gt;, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Holley Cantine, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“.&amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Erik Amfitheatrof, ''The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World''. Boston 1973.&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, ''Schwarzer Faden'', Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America''. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
*Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, ''Radical America'', Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
*Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940''. New York 2011.&lt;br /&gt;
*Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, ''Retort'', Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
*John P. Diggins, ''Mussolini and Fascism: The View from America''. Princeton 1972.&lt;br /&gt;
*Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten''. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
*John Dos Passos, ''The Theme Is Freedom''. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
*John Dos Passos, „Carlo Tresca“, ''The Nation'', 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
*Max Eastman, ''Heroes I Have Known''. New York 1942. &lt;br /&gt;
*Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca''. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
*Joyce Kornbluh (Hg.),  ''Rebel Voices: An IWW Anthology''. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca: Portrait of a Rebel''. New York 2005.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: ''Encyclopedia of the American Left'', hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in ''Italian Americans: The Search for a Usable Past'', hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, ''Journal of American History'', Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: ''The Lost World of Italian-American Radicalism'', hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
*Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;,'' Modern Age'', VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
*Christine Stansell, ''American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century''. New York 2010.&lt;br /&gt;
*Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'' New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Tresca,_Carlo&amp;diff=12269</id>
		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T14:39:10Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Max Eastman, ''Heroes I Have Known'', S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung ''L'Avvenire'', die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, ''Il Martello'', wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung „Il Martello“ wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 124&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „Deus ex machina des Antifaschismus“&amp;lt;ref&amp;gt;Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 135&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas „Martello“ vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 103-104&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 270; Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 295-296&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Arturo Giovannitti, zitiert in: Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80&amp;lt;/ref&amp;gt; Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.79, 80&amp;lt;/ref&amp;gt; Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, zitiert in: Gallagher, All the Right Enemies, S. 76&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;He Died as a Fighter for Freedom&amp;quot;, in: Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'', S.5&amp;lt;/ref&amp;gt;, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Holley Cantine, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“.&amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Erik Amfitheatrof, ''The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World''. Boston 1973.&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, ''Schwarzer Faden'', Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America''. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
*Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, ''Radical America'', Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
*Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940''. New York 2011.&lt;br /&gt;
*Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, ''Retort'', Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
*John P. Diggins, ''Mussolini and Fascism: The View from America''. Princeton 1972.&lt;br /&gt;
*Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten''. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
*John Dos Passos, ''The Theme Is Freedom''. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
*John Dos Passos, „Carlo Tresca“, ''The Nation'', 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
*Max Eastman, ''Heroes I Have Known''. New York 1942. &lt;br /&gt;
*Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca''. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
*Joyce Kornbluh (Hg.),  ''Rebel Voices: An IWW Anthology''. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca: Portrait of a Rebel''. New York 2005.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: ''Encyclopedia of the American Left'', hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in ''Italian Americans: The Search for a Usable Past'', hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, ''Journal of American History'', Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: ''The Lost World of Italian-American Radicalism'', hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
*Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;,'' Modern Age'', VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
*Christine Stansell, ''American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century''. New York 2010.&lt;br /&gt;
*Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'' New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T14:37:51Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Max Eastman, ''Heroes I Have Known'', S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung ''L'Avvenire'', die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, ''Il Martello'', wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung „Il Martello“ wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 124&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „Deus ex machina des Antifaschismus“&amp;lt;ref&amp;gt;Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 135&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas „Martello“ vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 103-104&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies'', S. 270; Pernicone, ''Carlo Tresca'', S. 295-296&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Arturo Giovannitti, zitiert in: Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80&amp;lt;/ref&amp;gt; Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.79, 80&amp;lt;/ref&amp;gt; Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, zitiert in: Gallagher, All the Right Enemies, S. 76&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“&amp;lt;ref&amp;gt;John Dos Passos, &amp;quot;He Died as a Fighter for Freedom&amp;quot;, in: Tresca Memeorial Committee, Who Killed Carlo Tresca?, S.5&amp;lt;/ref&amp;gt;, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Holley Cantine, &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture'', S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“.&amp;lt;ref&amp;gt;Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente, S. 41&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Erik Amfitheatrof, ''The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World''. Boston 1973.&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, ''Schwarzer Faden'', Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America''. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
*Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, ''Radical America'', Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
*Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940''. New York 2011.&lt;br /&gt;
*Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, ''Retort'', Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
*John P. Diggins, ''Mussolini and Fascism: The View from America''. Princeton 1972.&lt;br /&gt;
*Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten''. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
*John Dos Passos, ''The Theme Is Freedom''. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
*John Dos Passos, „Carlo Tresca“, ''The Nation'', 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
*Max Eastman, ''Heroes I Have Known''. New York 1942. &lt;br /&gt;
*Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca''. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
*Joyce Kornbluh (Hg.),  ''Rebel Voices: An IWW Anthology''. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca: Portrait of a Rebel''. New York 2005.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: ''Encyclopedia of the American Left'', hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in ''Italian Americans: The Search for a Usable Past'', hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, ''Journal of American History'', Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: ''The Lost World of Italian-American Radicalism'', hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
*Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;,'' Modern Age'', VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
*Christine Stansell, ''American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century''. New York 2010.&lt;br /&gt;
*Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'' New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Tresca,_Carlo&amp;diff=12267</id>
		<title>Tresca, Carlo</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;Max Eastman, Heroes I Have Known, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung L'Avvenire, die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, Il Martello, wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung „Il Martello“ wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“ (The Nation, 1943)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „deus ex machina des Antifaschismus“ (Pernicone, Carlo Tresca, S. 135) bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. (Gallagher, S. 103-104) Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas „Martello“ vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde. (Gallagher, S. 270, Pernicone, Carlo Tresca, S. 295-296) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“ (Arturo Giovanitti, Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80) Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten (Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S. 79, 80). Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ (Gallagher, S. 76) In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“ (Cantine, S. 4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt. ( Bencivenni, S. 41) „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“ (Dolgoff, S. 41). Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Erik Amfitheatrof, ''The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World''. Boston 1973.&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, ''Schwarzer Faden'', Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America''. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
*Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, ''Radical America'', Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
*Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940''. New York 2011.&lt;br /&gt;
*Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, ''Retort'', Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
*John P. Diggins, ''Mussolini and Fascism: The View from America''. Princeton 1972.&lt;br /&gt;
*Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten''. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
*John Dos Passos, ''The Theme Is Freedom''. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
*John Dos Passos, „Carlo Tresca“, ''The Nation'', 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
*Max Eastman, ''Heroes I Have Known''. New York 1942. &lt;br /&gt;
*Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca''. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
*Joyce Kornbluh (Hg.),  ''Rebel Voices: An IWW Anthology''. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca: Portrait of a Rebel''. New York 2005.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: ''Encyclopedia of the American Left'', hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in ''Italian Americans: The Search for a Usable Past'', hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, ''Journal of American History'', Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: ''The Lost World of Italian-American Radicalism'', hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
*Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;,'' Modern Age'', VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
*Christine Stansell, ''American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century''. New York 2010.&lt;br /&gt;
*Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'' New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Tresca,_Carlo&amp;diff=12266</id>
		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T14:19:17Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;Manfred Musterautor: ''Neue Uranus-Monde.'' In: ''Populäre Wissenschaft.'' Nr. 12, 2005, S. 12–13.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Max Eastman, Heroes I Have Known, S. 19). In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung L'Avvenire, die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, Il Martello, wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung „Il Martello“ wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“ (The Nation, 1943)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „deus ex machina des Antifaschismus“ (Pernicone, Carlo Tresca, S. 135) bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. (Gallagher, S. 103-104) Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas „Martello“ vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde. (Gallagher, S. 270, Pernicone, Carlo Tresca, S. 295-296) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“ (Arturo Giovanitti, Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80) Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten (Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S. 79, 80). Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ (Gallagher, S. 76) In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“ (Cantine, S. 4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt. ( Bencivenni, S. 41) „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“ (Dolgoff, S. 41). Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Erik Amfitheatrof, ''The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World''. Boston 1973.&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, ''Schwarzer Faden'', Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America''. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
*Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, ''Radical America'', Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
*Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940''. New York 2011.&lt;br /&gt;
*Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, ''Retort'', Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
*John P. Diggins, ''Mussolini and Fascism: The View from America''. Princeton 1972.&lt;br /&gt;
*Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten''. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
*John Dos Passos, ''The Theme Is Freedom''. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
*John Dos Passos, „Carlo Tresca“, ''The Nation'', 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
*Max Eastman, ''Heroes I Have Known''. New York 1942. &lt;br /&gt;
*Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca''. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
*Joyce Kornbluh (Hg.),  ''Rebel Voices: An IWW Anthology''. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca: Portrait of a Rebel''. New York 2005.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: ''Encyclopedia of the American Left'', hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in ''Italian Americans: The Search for a Usable Past'', hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, ''Journal of American History'', Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: ''The Lost World of Italian-American Radicalism'', hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
*Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;,'' Modern Age'', VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
*Christine Stansell, ''American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century''. New York 2010.&lt;br /&gt;
*Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'' New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T14:16:48Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Manfred Musterautor: ''Neue Uranus-Monde.'' In: ''Populäre Wissenschaft.'' Nr. 12, 2005, S. 12–13.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Max Eastman, Heroes I Have Known, S. 19). In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung L'Avvenire, die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, Il Martello, wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung „Il Martello“ wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“ (The Nation, 1943)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „deus ex machina des Antifaschismus“ (Pernicone, Carlo Tresca, S. 135) bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. (Gallagher, S. 103-104) Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas „Martello“ vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde. (Gallagher, S. 270, Pernicone, Carlo Tresca, S. 295-296) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“ (Arturo Giovanitti, Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80) Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten (Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S. 79, 80). Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ (Gallagher, S. 76) In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“ (Cantine, S. 4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt. ( Bencivenni, S. 41) „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“ (Dolgoff, S. 41). Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Erik Amfitheatrof, ''The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World''. Boston 1973.&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, ''Schwarzer Faden'', Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America''. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
*Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, ''Radical America'', Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
*Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940''. New York 2011.&lt;br /&gt;
*Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, ''Retort'', Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
*John P. Diggins, ''Mussolini and Fascism: The View from America''. Princeton 1972.&lt;br /&gt;
*Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten''. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
*John Dos Passos, ''The Theme Is Freedom''. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
*John Dos Passos, „Carlo Tresca“, ''The Nation'', 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
*Max Eastman, ''Heroes I Have Known''. New York 1942. &lt;br /&gt;
*Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca''. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
*Joyce Kornbluh (Hg.),  ''Rebel Voices: An IWW Anthology''. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca: Portrait of a Rebel''. New York 2005.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: ''Encyclopedia of the American Left'', hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in ''Italian Americans: The Search for a Usable Past'', hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, ''Journal of American History'', Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: ''The Lost World of Italian-American Radicalism'', hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
*Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;,'' Modern Age'', VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
*Christine Stansell, ''American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century''. New York 2010.&lt;br /&gt;
*Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'' New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Tresca,_Carlo&amp;diff=12264</id>
		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T14:13:48Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern&amp;quot; (Max Eastman, Heroes I Have Known, S. 19). In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung L'Avvenire, die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, Il Martello, wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung „Il Martello“ wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“ (The Nation, 1943)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „deus ex machina des Antifaschismus“ (Pernicone, Carlo Tresca, S. 135) bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. (Gallagher, S. 103-104) Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas „Martello“ vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde. (Gallagher, S. 270, Pernicone, Carlo Tresca, S. 295-296) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“ (Arturo Giovanitti, Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80) Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten (Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S. 79, 80). Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ (Gallagher, S. 76) In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“ (Cantine, S. 4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt. ( Bencivenni, S. 41) „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“ (Dolgoff, S. 41). Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Erik Amfitheatrof, ''The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World''. Boston 1973.&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, ''Schwarzer Faden'', Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America''. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
*Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, ''Radical America'', Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
*Marcella Bencivenni, ''Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940''. New York 2011.&lt;br /&gt;
*Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, ''Retort'', Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
*John P. Diggins, ''Mussolini and Fascism: The View from America''. Princeton 1972.&lt;br /&gt;
*Sam Dolgoff, ''Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten''. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
*John Dos Passos, ''The Theme Is Freedom''. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
*John Dos Passos, „Carlo Tresca“, ''The Nation'', 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
*Max Eastman, ''Heroes I Have Known''. New York 1942. &lt;br /&gt;
*Dorothy Gallagher, ''All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca''. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
*Joyce Kornbluh (Hg.),  ''Rebel Voices: An IWW Anthology''. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, ''Carlo Tresca: Portrait of a Rebel''. New York 2005.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: ''Encyclopedia of the American Left'', hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in ''Italian Americans: The Search for a Usable Past'', hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, ''Journal of American History'', Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
*Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: ''The Lost World of Italian-American Radicalism'', hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
*Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;,'' Modern Age'', VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
*Christine Stansell, ''American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century''. New York 2010.&lt;br /&gt;
*Tresca Memorial Committee, ''Who Killed Carlo Tresca?'' New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T14:09:56Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern&amp;quot; (Max Eastman, Heroes I Have Known, S. 19). In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung L'Avvenire, die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, Il Martello, wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung „Il Martello“ wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“ (The Nation, 1943)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „deus ex machina des Antifaschismus“ (Pernicone, Carlo Tresca, S. 135) bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. (Gallagher, S. 103-104) Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas „Martello“ vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde. (Gallagher, S. 270, Pernicone, Carlo Tresca, S. 295-296) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“ (Arturo Giovanitti, Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80) Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten (Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S. 79, 80). Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ (Gallagher, S. 76) In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“ (Cantine, S. 4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt. ( Bencivenni, S. 41) „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“ (Dolgoff, S. 41). Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
*Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erik Amfitheatrof, The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World. Boston 1973.&lt;br /&gt;
Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, Schwarzer Faden, Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
Paul Avrich, Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, Radical America, Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
Marcella Bencivenni, Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940. New York 2011.&lt;br /&gt;
Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, Retort, Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
John P. Diggins, Mussolini and Fascism: The View from America. Princeton1972.&lt;br /&gt;
Sam Dolgoff, Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
John Dos Passos, The Theme Is Freedom. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
John Dos Passos, „Carlo Tresca“, The Nation, 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
Max Eastman, Heroes I Have Known. New York 1942. &lt;br /&gt;
Dorothy Gallagher, All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
Joyce Kornbluh (Hg.),  Rebel Voices: An IWW Anthology. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, Carlo Tresca: Portrait of a Rebel. New York 2005.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: Encyclopedia of the American Left, hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in Italian Americans: The Search for a Usable Past, hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, Journal of American History, Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: The Lost World of Italian-American Radicalism, hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;, Modern Age, VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
Christine Stansell, American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century. New York 2010.&lt;br /&gt;
Tresca Memorial Committee, Who Killed Carlo Tresca? New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Tresca,_Carlo&amp;diff=12262</id>
		<title>Tresca, Carlo</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Tresca,_Carlo&amp;diff=12262"/>
				<updated>2013-08-10T14:06:24Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern&amp;quot; (Max Eastman, Heroes I Have Known, S. 19). In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung L'Avvenire, die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, Il Martello, wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung „Il Martello“ wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“ (The Nation, 1943)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „deus ex machina des Antifaschismus“ (Pernicone, Carlo Tresca, S. 135) bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. (Gallagher, S. 103-104) Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas „Martello“ vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde. (Gallagher, S. 270, Pernicone, Carlo Tresca, S. 295-296) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“ (Arturo Giovanitti, Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80) Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten (Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S. 79, 80). Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ (Gallagher, S. 76) In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“ (Cantine, S. 4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt. ( Bencivenni, S. 41) „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“ (Dolgoff, S. 41). Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erik Amfitheatrof, The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World. Boston 1973.&lt;br /&gt;
Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, Schwarzer Faden, Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
Paul Avrich, Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, Radical America, Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
Marcella Bencivenni, Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940. New York 2011.&lt;br /&gt;
Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, Retort, Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
John P. Diggins, Mussolini and Fascism: The View from America. Princeton1972.&lt;br /&gt;
Sam Dolgoff, Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
John Dos Passos, The Theme Is Freedom. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
John Dos Passos, „Carlo Tresca“, The Nation, 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
Max Eastman, Heroes I Have Known. New York 1942. &lt;br /&gt;
Dorothy Gallagher, All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
Joyce Kornbluh (Hg.),  Rebel Voices: An IWW Anthology. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, Carlo Tresca: Portrait of a Rebel. New York 2005.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: Encyclopedia of the American Left, hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in Italian Americans: The Search for a Usable Past, hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, Journal of American History, Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: The Lost World of Italian-American Radicalism, hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;, Modern Age, VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
Christine Stansell, American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century. New York 2010.&lt;br /&gt;
Tresca Memorial Committee, Who Killed Carlo Tresca? New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T14:04:57Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern&amp;quot; (Max Eastman, Heroes I Have Known, S. 19). In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung L'Avvenire, die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, Il Martello, wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung „Il Martello“ wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“ (The Nation, 1943)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „deus ex machina des Antifaschismus“ (Pernicone, Carlo Tresca, S. 135) bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. (Gallagher, S. 103-104) Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas „Martello“ vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde. (Gallagher, S. 270, Pernicone, Carlo Tresca, S. 295-296) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“ (Arturo Giovanitti, Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80) Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten (Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S. 79, 80). Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ (Gallagher, S. 76) In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“ (Cantine, S. 4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt. ( Bencivenni, S. 41) „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“ (Dolgoff, S. 41). Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erik Amfitheatrof, The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World. Boston 1973.&lt;br /&gt;
Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, Schwarzer Faden, Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
Paul Avrich, Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, Radical America, Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
Marcella Bencivenni, Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940. New York 2011.&lt;br /&gt;
Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, Retort, Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
John P. Diggins, Mussolini and Fascism: The View from America. Princeton1972.&lt;br /&gt;
Sam Dolgoff, Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
John Dos Passos, The Theme Is Freedom. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
John Dos Passos, „Carlo Tresca“, The Nation, 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
Max Eastman, Heroes I Have Known. New York 1942. &lt;br /&gt;
Dorothy Gallagher, All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
Joyce Kornbluh (Hg.),  Rebel Voices: An IWW Anthology. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, Carlo Tresca: Portrait of a Rebel. New York 2005.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: Encyclopedia of the American Left, hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in Italian Americans: The Search for a Usable Past, hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, Journal of American History, Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: The Lost World of Italian-American Radicalism, hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;, Modern Age, VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
Christine Stansell, American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century. New York 2010.&lt;br /&gt;
Tresca Memorial Committee, Who Killed Carlo Tresca? New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Tresca, Carlo</title>
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				<updated>2013-08-10T14:04:14Z</updated>
		
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern&amp;quot; (Max Eastman, Heroes I Have Known, S. 19). In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung L'Avvenire, die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, Il Martello, wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung „Il Martello“ wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“ (The Nation, 1943)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „deus ex machina des Antifaschismus“ (Pernicone, Carlo Tresca, S. 135) bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. (Gallagher, S. 103-104) Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas „Martello“ vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde. (Gallagher, S. 270, Pernicone, Carlo Tresca, S. 295-296) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“ (Arturo Giovanitti, Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80) Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten (Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S. 79, 80). Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ (Gallagher, S. 76) In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“ (Cantine, S. 4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt. ( Bencivenni, S. 41) „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“ (Dolgoff, S. 41). Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Carlo Tresca, ''The Autobiography of Carlo Tresca''. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
Carlo Tresca, ''L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella''. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
Carlo Tresca, ''Il Vendicatore, Dramma Antifascista''. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erik Amfitheatrof, The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World. Boston 1973.&lt;br /&gt;
Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, Schwarzer Faden, Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
Paul Avrich, Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, Radical America, Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
Marcella Bencivenni, Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940. New York 2011.&lt;br /&gt;
Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, Retort, Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
John P. Diggins, Mussolini and Fascism: The View from America. Princeton1972.&lt;br /&gt;
Sam Dolgoff, Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
John Dos Passos, The Theme Is Freedom. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
John Dos Passos, „Carlo Tresca“, The Nation, 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
Max Eastman, Heroes I Have Known. New York 1942. &lt;br /&gt;
Dorothy Gallagher, All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
Joyce Kornbluh (Hg.),  Rebel Voices: An IWW Anthology. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, Carlo Tresca: Portrait of a Rebel. New York 2005.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: Encyclopedia of the American Left, hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in Italian Americans: The Search for a Usable Past, hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, Journal of American History, Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: The Lost World of Italian-American Radicalism, hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;, Modern Age, VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
Christine Stansell, American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century. New York 2010.&lt;br /&gt;
Tresca Memorial Committee, Who Killed Carlo Tresca? New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Tresca,_Carlo&amp;diff=12259</id>
		<title>Tresca, Carlo</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Tresca,_Carlo&amp;diff=12259"/>
				<updated>2013-08-10T14:03:19Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: Die Seite wurde neu angelegt: „'''Lexikon der Anarchie: Personen'''  '''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der ital…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Carlo Tresca''' (geb. 9. März 1879 in Sulmona, Italien; gest. 11. Januar 1943 in New York). Der italoamerikanische Anarchist, Agitator und Journalist war in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein prominentes Sprachrohr der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung und gehörte in den 1930er Jahren zu den exponierten Gegnern des italienischen Faschismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1879 in der mittelitalienischen Stadt Sulmona geboren, wuchs Carlo Tresca als sechstes Kind in einer Grundbesitzerfamilie auf, deren Wohlstand sich im Schwinden befand. Gerade als er die Schule hinter sich gebracht hatte, erlebte Sulmona einen Zustrom militanter Sozialisten, die aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten in diesen Landstrich verbannt worden waren. Umgehend organisierten sie einen politischen Club, zu dem auch der junge Tresca stieß. Nach nicht allzu langer Zeit wurde er zum Club-Sekretär gewählt, und er gründete mit ''Il Germe'' seine erste Zeitung. Nachdem er einen Hauptmann der Carabinieri beleidigt hatte, verbrachte er zwei Monate im Gefängnis, und als er nach einer neuerlichen Verurteilung einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe entgegensah, fasste er den Entschluss, sich auf den Weg zu seinem Bruder zu machen, der sich in New York als Arzt niedergelassen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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===Amerikanische Klassenkämpfe===&lt;br /&gt;
Als er 1904 in New York ankam, erwartete ihn das Elend des Lebens im Exil, wo sich bereits in den Einwanderungsbaracken die Hoffnung der Immigranten auf ein besseres Leben auflöste. Tresca unternahm keine Anstrengungen, sich zu assimilieren; er blieb ein Italiener unter Italienern und ein Außenseiter unter Amerikanern. &amp;quot;Er spricht nicht Englisch mit einem italienischen Akzent&amp;quot;, schrieb der Publizist Max Eastman 1934, &amp;quot;er spricht Italienisch mit englischen Wörtern&amp;quot; (Max Eastman, Heroes I Have Known, S. 19). In Philadelphia gab er die Wochenzeitung ''Il Proletario'' der Italian Socialist Federation heraus und arbeitete als radikaler &amp;quot;Muckraker&amp;quot;, der die lebensfeindlichen Verhältnisse im amerikanischen Kapitalismus anprangerte. Ständig die brutalen Existenzbedingungen in den &amp;quot;italienischen Kolonien&amp;quot; in seiner Zeitung anklagend, arbeitete er in einem Bergwerk in Pennsylvania, bei Gleislegern in New Jersey, wo „rückkehrwillige Immigranten“ im Schlaf erdrosselt und ihrer Ersparnisse beraubt wurden, nahm Bordelle in Augenschein, in denen italienische Immigrantinnen zur Prostitution gezwungen wurden. Schon bald musste er auch in den USA eine Haftstrafe wegen Verleumdung antreten. Noch ehe er sich auf den Weg ins Gefängnis aufmachte, wandte er sich von der Italian Socialist Federation ab, deren Ideologie ihm zu rigide erschien. Von nun an betrachtete er sich als revolutionären Syndikalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Philadelphia zog er nach Pittsburgh, um dort von 1906 bis 1909 die Wochenzeitung ''La Plebe'' herauszugeben. Er schrieb gegen die bedrückenden Verhältnisse in den Bergwerken und Stahlfabriken an, agitierte und organisierte Streiks in Arbeitersiedlungen der Bergwerksregionen in Pennsylvania, Ohio und West Virginia. 1912 schloss er sich der Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) an und mobilisierte erfolgreich während des Textilarbeiterstreiks in Lawrence (Massachusetts) die italienischen Arbeiter, um die Freilassung der des Mordes beschuldigten Streikführer Joe Ettor und Arturo Giovannitti zu erkämpfen. Nach dem Erfolg in Lawrence war zwischen 1912 und 1913 an weiteren Streiks in Little Falls (New York), Paterson (New Jersey) und New York beteiligt, ehe er 1916 im Bergarbeiterstreik von Mesabi Range in Minnesota ebenfalls des Mordes beschuldigt wurde. Zwischen den staatlichen Behörden und der IWW-Organisatorin Elizabeth Gurley Flynn (mit der Tresca seit 1912 eine Liebesbeziehung verband) wurde eine Vereinbarung ausgehandelt, wonach sich einige Wobblies (wie die Mitglieder der IWW landläufig genannt wurden) im Sinne der Anklage schuldig bekannten, während die Vorwürfe gegen Tresca fallen gelassen wurden. Big Bill Haywood, der offizielle Vorsitzende der IWW, war ob der Absprache über das Verhalten der beteiligten Genossen empört, und das Verhältnis Trescas und Flynns zur IWW kühlte merklich ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 die gesamte Führung der IWW von der US-Regierung wegen Behinderung der militärischen Mobilmachung angeklagt wurde, trennten Tresca, Flynn und einige andere ihr Verfahren vom Massenprozess in Chicago ab, wodurch sie langen Haftstrafen und hohen Haftkautionen entkamen, welche jene Angeklagten erhielten, die Haywoods Prozessstrategie folgten. Obgleich die Anklagen gegen ihn fallen gelassen wurden, sah sich Tresca weiteren Verfolgungen staatlicherseits ausgesetzt: Seine Zeitung L'Avvenire, die er seit 1913 in New York herausgab, wurde verboten, und ihr Nachfolgeorgan, Il Martello, wurde wiederholt konfisziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb Tresca im Visier des Justizministeriums, das mittels einer permanente Personenüberwachung Beweise zu sammeln hoffte, mit denen eine Deportation zu rechtfertigen wären. Tresca vermied es zwar, die Staatsmacht zu provozieren, doch verweigerte er niemandem in Bedrängnis die Hilfe. Als 1920 die beiden Anarchisten Nicola Sacco und Bartholomeo Vanzetti wegen eines Raubmordes in South Braintree (Massachusetts) verhaftet wurden, gewann er den prominenten IWW-Anwalt Fred Moore für den Fall, der schon bald zu einem internationalen cause célèbre werden sollte, und half, Öffentlichkeit für den Prozess herzustellen und finanzielle Mittel zur Verteidigung zu organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Antifaschistische Aktivitäten===&lt;br /&gt;
Als die beiden Anarchisten 1927 schließlich hingerichtet wurden, war Tresca bereits mit dem Kampf gegen den Faschismus beschäftigt. Innerhalb der italoamerikanischen Öffentlichkeit gehörte er zu den maßgeblichen Aktivisten, die – den antifaschistischen Kampf der 1930er Jahren antizipierend – Mussolinis Pläne, die italienischen Immigranten in den USA unter seiner Flagge des Faschismus zu vereinen, zu durchkreuzen. Exemplare seiner Zeitung „Il Martello“ wurden nach Italien geschmuggelt, und in New York organisierte er den Widerstand gegen faschistische Organisationen wie „Fascio Mario Souzini“, die im Schutz der Kirche agierten und trotz gewalttätiger und krimineller Aktivitäten von der Polizei unbehelligt blieben. „Gegen die Bandenführer, die die Italiener Amerikas zur Zerstörung unserer Regierungsform und unserer Existenz als Nation zu organisieren versuchten, hielt Carlo Tresca einen geschickten und schonungslosen Kampf aufrecht“, schrieb John Dos Passos 1943 pathetisch, den militaristischen Zeitgeist des Zweiten Weltkrieges widerhallend. „Wie bei den meisten guten Generälen war seine Verteidigung Angriff.“ (The Nation, 1943)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Regime Mussolinis, der in den 1920er Jahren von großen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und Politik wohlwollend betrachtet wurde, wollte seinen politischen Opponenten, den die politische Polizei in Rom als „deus ex machina des Antifaschismus“ (Pernicone, Carlo Tresca, S. 135) bezeichnete, zum Schweigen bringen. Im Mai 1923 richtete die italienische Botschaft eine diplomatische Note an das US-Außenministerium, in der sie sich über „die berüchtigten italienischen Arbeiteragitatoren Carlo Tresca, Arturo Giovannitti […] und andere sozial-kommunistische Elemente in New York“ beschwerte, welche im Auftrag Moskaus die italienische Regierung verleumdeten. (Gallagher, S. 103-104) Botschafter Caetani legte den US-Behörden nahe, Trescas „Martello“ vom Postvertrieb auszuschließen und seinen Herausgeber vor Gericht zu stellen. Einige Wochen später wurde Tresca tatsächlich angeklagt. Eine zweizeilige Anzeige für ein Buch zum Thema Geburtenkontrolle wurde ihm zum Verhängnis, und man verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr Gefängnis, wo jedoch nur vier Monate nach öffentlichem Protest verblieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Folgezeit war Tresca immer wieder Ziel von Einschüchterungsversuchen, Mordanschlägen und Bombenattentaten, denen er aber stets entkam, sodass er seine antifaschistischen Aktivitäten fortsetzen konnte. Zwar führten diese nicht dazu, dass amerikanische Unternehmen ihre Unterstützung für das Mussolini-Regime einstellten oder dass der Einfluss der italienischen Faschisten in Teilen der amerikanischen Kulturindustrie zurückgedrängt wurde, doch verhinderten die antifaschistischen Aktivisten die von Mussolini geplante Faschisierung Italoamerikas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1930er Jahren ging Tresca auch auf Distanz zu den Kommunisten, mit denen er in der „Anti-Fascist Alliance of North America“ (AFANA) zusammengearbeitet hatte. Anfangs hatte er mit der bolschewistischen Revolution in Russland sympathisiert, doch die Repression in den 1920er Jahren ernüchterte ihn rasch, ohne dass er die Kommunisten im antifaschistischen Bündnis attackierte. Dies änderte sich jedoch Mitte der 1930er Jahre, als er in offene Opposition zum Stalinismus trat. 1934 nahm er an der John-Dewey-Kommission teil, die die angeblichen Verbrechen Leo Trotzkis, wie sie bei den Moskauer Prozessen aufgelistet worden waren, untersuchte und den „ausgestoßenen Propheten“ rehabilitierte. Vor allem die Ereignisse im Spanischen Bürgerkrieg ließen Tresca einen scharfen antikommunistischen Kurs einschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich die Niederlage des Mussolini-Regimes abzeichnete, drängten Kader der Kommunistischen Partei an die Spitze der italoamerikanischen antifaschistischen Organisationen, um auf diese Weise ihre Aussichten auf Machtpositionen in der künftigen Regierung Italiens zu verbessern. Tresca jedoch wollte ihren Einfluss so gering wie möglich halten und die Infiltration einflussreicher antifaschistischer Organisation wie des „Italian-American Victory Council“ oder der Mazzini-Gesellschaft durch die Kommunisten verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rätsel eines Mordes===&lt;br /&gt;
Am Abend des 11. Januars 1943 verließ Tresca mit einem Freund sein Büro in der Fifth Avenue. Als sie die dunkle Straße hinuntergingen und an einer Ampel warteten, tauchte plötzlich ein dunkler Wagen auf. Ein Mann sprang heraus und feuerte aus dichter Nähe drei Schüsse auf Tresca ab, die ihn in den Kopf und den Rücken trafen. Tresca fiel blutüberströmt in den Rinnstein und starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord wurde nie aufgeklärt. Viele Freunde Trescas mutmaßten, Tresca sei im Auftrag Generoso Popes, eines ehemaligen faschistischen Verlegers, ermordet worden, den Tresca in den 1930er und 1940er Jahren scharf attackiert hatte. Eine andere Theorie hatte den kommunistischen Agenten Vittori Vidali (der auch unter den Namen Enea Sormenti oder Carlos Contreras auftrat) im Verdacht, den Tresca der Ermordung des POUM-Mitbegründers Andres Nin im Spanischen Bürgerkrieg beschuldigt hatte. Am plausibelsten ist jedoch, dass Tresca auf Geheiß eines italienischen Gangsterchefs namens Frank Garofalo aus persönlichen Motiven ermordet wurde. (Gallagher, S. 270, Pernicone, Carlo Tresca, S. 295-296) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Trescas im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Popularität in italienischen Immigrantenkreisen war Carlo Tresca kein typischer Vertreter des italoamerikanischen Anarchismus, da er sich im Laufe der Jahre vom revolutionären Sozialisten (1898-1904) und revolutionären Syndikalisten (1904-1913) zum Anarchosyndikalisten (1913-1943) entwickelte und keiner dogmatischen Ideologie anhing. „Tresca war immer ein wenig außerhalb der Gunst all jener subversiven Theologien“, schrieb Arturo Giovannitti, „in der Gemeinschaft der Gläubigen immer suspekt, immer im Verruf der Ketzerei unter den Ordensbrüdern, die zwischen alten Schreinen und neuen Taufbecken kommen und gehen.“ (Arturo Giovanitti, Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S.80) Traditionell wurde der italoamerikanische Anarchismus von der Strömung der „anti-organizzatori“ dominiert, deren Hauptvertreter Luigi Galleani (1861-1931) war. Die Galleanisti hegten eine starke Aversion gegen alle Formen politischer Organisation, da sie darin die Erstickung individueller Freiheit sahen. Stattdessen propagierten sie Taten revolutionärer Individualisten, einschließlich der Expropriation und des Terrorismus. Tresca war – wie Nunzio Pernicone schrieb – das „bête noir der Galleanisti“, die nur „einen Stern am anarchistischen Firmament“ erkannten (Pernicone, „War Among the Italian Anarchists“, S. 79, 80). Galleani betrachtete Tresca als einen unbotmäßigen Rivalen, der seine Autorität als einzig rechtmäßiger Anführer des revolutionären Anarchismus infrage stellte. Auch als Galleani 1919 nach Italien deportiert worden war, setzten seine Statthalter in den USA die Kampagne gegen Tresca bis zu dessen Tod fort. „Sie hassten Carlo, weil er ihre Verbindung zur Realität war“, kommentierte Sam Dolgoff. „In der Realität waren ihre Ideen nicht effektiv. Carlo war effektiv.“ (Gallagher, S. 76) In ihrer organisatorischen Realität operierten die Galleanisti wie ein Racket, das das propagierte Ideal der Herrschaftslosigkeit durch kritiklose Autoritätshörigkeit konterkarierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ließ Tresca durch seine Offenheit und seine Kontakte zur New Yorker Boheme die Beschränktheit und Bigotterie der sektiererischen Immigrantenzirkel hinter sich und erfand sich immer wieder neu. „Als Guerillaführer an den Rändern der Revolte unter eingewanderten Arbeitern gegen die Ausbeutung lebend, die sie zusammen mit den Möglichkeiten hier vorgefunden hatten, wurde er allmählich zum Amerikaner“, schrieb John Dos Passos. Für die Galleanisti machte ihn dies zum Verräter und zum Spion. Im Gegensatz jedoch zu den „anti- organizzatori“ in der untergehenden Welt der italienischen Immigranten wirkte Trescas Geist fort. Kurz nach seinem Tod übernahm ein sozialphilosophischer Künstler namens Holley Cantine Trescas Druckmaschine, um in den 1940er Jahren die Zeitschrift Retort herzustellen. „Wir haben einen unserer geschätztesten Ratgeber und Lehrer verloren“, schrieb Cantine in einer Reminiszenz an Tresca, „aber wir können immer noch aus seinem Leben Nutzen ziehen. Unsere Ehrung an seine Erinnerung ist der Ansporn für die Ideale, die er für uns lebendig hielt.“ (Cantine, S. 4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei sollte allerdings auch nicht – wie Marcella Bencivenni erinnert – vergessen werden, dass Tresca – trotz aller Bekenntnisse zu Emanzipation und Gleichheit – ein typischer Vertreter seiner Generation war, der einen Macho-Stil in der radikalen Politik der „sovversivi“ vertrat. Bezeichnenderweise ist, dass der als Frauenheld bekannte Tresca in seiner Autobiografie weder seine Frau Helga Guerra, seine Tochter Beatrice oder seine Geliebte Elizabeth Gurley Flynn mit einem Wort erwähnt. ( Bencivenni, S. 41) „Carlo war ein geborener Rebell“, urteilte Sam Dolgoff, ohne zu vergessen, dass er „wie wir alle auch viele Fehler machte“ (Dolgoff, S. 41). Dies schmälert allerdings nicht seine legendäre Reputation in der Geschichte des amerikanischen Anarchismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Carlo Tresca, The Autobiography of Carlo Tresca. Hg. Nunzio Pernicone. New York 2003.&lt;br /&gt;
Carlo Tresca, L'Attentato a Mussolini ovvero il segreto di Pulcinella. New York 1925 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
Carlo Tresca. Il Vendicatore, Dramma Antifascista. New York 1934 (Theaterstück).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erik Amfitheatrof, The Children of Columbus. An Informal History of the Italians in the New World. Boston 1973.&lt;br /&gt;
Jörg Auberg, „Auf den Spuren eines unvergessenen Unversöhnlichen. Eine Portaitskizze von Carlo Tresca“, Schwarzer Faden, Nr. 30 (1989), S. 49-55.&lt;br /&gt;
Paul Avrich, Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America. Princeton 1995.&lt;br /&gt;
Rosalyn Fraad Baxandall, &amp;quot;Elizabeth Gurley Flynn: The Early Years&amp;quot;, Radical America, Nr.l (Jan.-Febr. 1975), S.97-115. &lt;br /&gt;
Marcella Bencivenni, Italian Immigrant Radical Culture. The Idealism of the Sovversivi in the United States, 1890-1940. New York 2011.&lt;br /&gt;
Holley Cantine jr., &amp;quot;Carlo Tresca&amp;quot;, Retort, Nr. 4 (Frühjahr 1943), S.2-4.&lt;br /&gt;
John P. Diggins, Mussolini and Fascism: The View from America. Princeton1972.&lt;br /&gt;
Sam Dolgoff, Anarchistische Fragmente. Memoiren eines amerikanischen Anarchosyndikalisten. Übers. Iris Leutert. Lich 2011.&lt;br /&gt;
John Dos Passos, The Theme Is Freedom. Freeport, NY 1956. &lt;br /&gt;
John Dos Passos, „Carlo Tresca“, The Nation, 156:4 (23.1. 1943), S. 123-124.&lt;br /&gt;
Max Eastman, Heroes I Have Known. New York 1942. &lt;br /&gt;
Dorothy Gallagher, All the Right Enemies: The Life and Murder of Carlo Tresca. New Brunswick 1988.&lt;br /&gt;
Joyce Kornbluh (Hg.),  Rebel Voices: An IWW Anthology. Ann Arbor 1968.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, Carlo Tresca: Portrait of a Rebel. New York 2005.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone,   &amp;quot;Carlo Tresca (1879-1943),&amp;quot; in: Encyclopedia of the American Left, hg. Mari Jo Buhle, Paul Buhle und Dan Georgakas, New York 1990, S. 780-782.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca: Life and Death of a Revolutionary,&amp;quot; in Italian Americans: The Search for a Usable Past, hg. Richard N. Juliani und Philip V. Cannistraro, New York 1989, S. 216-235&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, &amp;quot;Carlo Tresca and the Sacco-Vanzetti Case&amp;quot;, Journal of American History, Nr.3 (Dez. 1979), S.535-547.&lt;br /&gt;
Nunzio Pernicone, „War Among the Italian Anarchists: The Galleanisti's Campaign Against Carlo Tresca“, in: The Lost World of Italian-American Radicalism, hg. Philip V. Cannistraro und Gerald Meyer, Westport 2003, S. 77-97. &lt;br /&gt;
Francis Russell, &amp;quot;The Last of the Anarchists: The Strange Story of Carlo Tresca&amp;quot;, Modern Age, VIII (Winter 1963-64), S.61-76. &lt;br /&gt;
Christine Stansell, American Moderns. Bohemian New York and the Creation of a New Century. New York 2010.&lt;br /&gt;
Tresca Memorial Committee, Who Killed Carlo Tresca? New York 1945.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Diskussion:Lutz Schulenburg - Gedenkseite</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: /* Erinnerungen an Lutz Schulenburg */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wer seine Erinnerung an Lutz Schulenburg mit uns teilen möchte, kann dies gerne auf der für ihn eingerichteten Gedenkseite im DadAWeb-Memorial tun. Hierfür bitte Deinen Text hier auf der frei zugänglichen Diskussionsseite einstellen, wir übernehmen ihn dann auf die [[Lutz_Schulenburg_-_Gedenkseite|Hauptseite]]. Fotos bitte an die [mailto:redaktion@dadaweb.de Redaktion des DadAWeb] schicken. Wir stellen sie dann zu Eurem Beitrag auf der [[Lutz_Schulenburg_-_Gedenkseite|Lutz-Schulenburg-Gedenkseite]] ein.&lt;br /&gt;
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==Erinnerungen an Lutz Schulenburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachricht vom Tod Lutz Schulenburgs traf mich wie ein Schlag, und die Benommenheit wirkt noch nach. Ende der 1980er Jahre, als Student in (West-) Berlin, hatte ich einen Artikel über &amp;quot;intellektuelle Metamorphosen&amp;quot; an die Hamburger Zeitschrift ''Die Aktion'' geschickt. Deren Herausgeber, Lutz Schulenburg, ermunterte mich, einen Beitrag über die Wandlungen Hans Magnus Enzensbergers zu schreiben. Kurze Zeit später fiel die Grenze zwischen West und Ost. Die Euphorie über das Ende der DDR konnte ich nicht teilen, denn schon zu Beginn des Jahres 1990 machten sich in Berlin nationalistische und reaktionäre Tendenzen bemerkbar. Lutz war jedoch von einem radikalen Optimismus beseelt, als käme nun unter den Trümmern des &amp;quot;real existierenden Sozialismus&amp;quot; der &amp;quot;wahre Sozialismus&amp;quot; zum Vorschein. Im Januar 1990 brachte er in einer Ausgabe der ''Aktion'' unter dem Balken &amp;quot;Sozialismus, Räte, Volkssouveränität&amp;quot; Dokumente der &amp;quot;Vereinigten Linken&amp;quot; heraus, ehe schließlich nahezu alle zu den Agenturen der kapitalistischen Herrschaft überliefen. Im &amp;quot;Kleinen Briefkasten&amp;quot; (Editorial) hieß es: &amp;quot;[...] am Traum von der Roten Republik halten wir fest, Ehrensache; wie auch an der Feindschaft gegen Schwarz-Rot-Gold - den Farben des Betrugs&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach verloren wir uns aus den Augen. Später - zwanzig Jahre waren ins Land gezogen - veröffentlichte er wieder einen kurzen Artikel von mir in der ''Aktion'', und wir verabredeten, dass ich einen Artikel über John Dos Passos für seine Zeitschrift schreiben sollte, der jedoch über die ersten Seiten nicht hinauskam. Zum letzten Mal sah ich die auffällige Gestalt mit den langen weißen Haaren am Stand der Edition Nautilus auf der Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr, ohne zu wissen, dass es das letzte Mal sein würde. Es ist sehr traurig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Jörg Auberg''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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Die Nachricht vom Tod Lutz Schulenburgs traf mich wie ein Schlag, und die Benommenheit wirkt noch nach. Ende der 1980er Jahre, als Student in (West-) Berlin, hatte ich einen Artikel über &amp;quot;intellektuelle Metamorphosen&amp;quot; an die Hamburger Zeitschrift ''Die Aktion'' geschickt. Deren Herausgeber, Lutz Schulenburg, ermunterte mich, einen Beitrag über die Wandlungen Hans Magnus Enzensbergers zu schreiben. Kurze Zeit später fiel die Grenze zwischen West und Ost. Die Euphorie über das Ende der DDR konnte ich nicht teilen, denn schon zu Beginn des Jahres 1990 machten sich in Berlin nationalistische und reaktionäre Tendenzen bemerkbar. Lutz war jedoch von einem radikalen Optimismus beseelt, als käme nun unter den Trümmern des &amp;quot;real existierenden Sozialismus&amp;quot; der &amp;quot;wahre Sozialismus&amp;quot; zum Vorschein. Im Januar 1990 brachte er in einer Ausgabe der ''Aktion'' unter dem Balken &amp;quot;Sozialismus, Räte, Volkssouveränität&amp;quot; Dokumente der &amp;quot;Vereinigten Linken&amp;quot; heraus, ehe schließlich nahezu alle zu den Agenturen der kapitalistischen Herrschaft überliefen. Im &amp;quot;Kleinen Briefkasten&amp;quot; (Editorial) hieß es: &amp;quot;[...] am Traum von der Roten Republik halten wir fest, Ehrensache; wie auch an der Feindschaft gegen Schwarz-Rot-Gold - den Farben des Betrugs&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach verloren wir uns aus den Augen. Später - zwanzig Jahre waren ins Land gezogen - veröffentlichte er wieder einen kurzen Artikel von mir in der Aktion, und wir verabredeten, dass ich einen Artikel über John Dos Passos für seine Zeitschrift schreiben sollte, der jedoch über die ersten Seiten nicht hinauskam. Zum letzten Mal sah ich die auffällige Gestalt mit den langen weißen Haaren am Stand der Edition Nautilus auf der Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr, ohne zu wissen, dass es das letzte Mal sein würde. Es ist sehr traurig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Jörg Auberg''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Diskussion:Lutz Schulenburg - Gedenkseite</title>
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				<updated>2013-05-04T12:35:13Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: /* Überschrift Deines Beitrags */&lt;/p&gt;
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Die Nachricht vom Tod Lutz Schulenburgs traf mich wie ein Schlag, und die Benommenheit wirkt noch nach. Ende der 1980er Jahre, als Student in (West-) Berlin, hatte ich einen Artikel über &amp;quot;intellektuelle Metamorphosen&amp;quot; an die Hamburger Zeitschrift ''Die Aktion'' geschickt. Deren Herausgeber, Lutz Schulenburg, ermunterte mich, einen Beitrag über die Wandlungen Hans Magnus Enzensbergers zu schreiben. Kurze Zeit später fiel die Grenze zwischen West und Ost. Die Euphorie über das Ende der DDR konnte ich nicht teilen, denn schon zu Beginn des Jahres 1990 machten sich in Berlin nationalistische und reaktionäre Tendenzen bemerkbar. Lutz war jedoch von einem radikalen Optimismus beseelt, als käme nun unter den Trümmern des &amp;quot;real existierenden Sozialismus&amp;quot; der &amp;quot;wahre Sozialismus&amp;quot; zum Vorschein. Im Januar 1990 brachte er in einer Ausgabe der ''Aktion'' unter dem Balken &amp;quot;Sozialismus, Räte, Volkssouveränität&amp;quot; Dokumente der &amp;quot;Vereinigten Linken&amp;quot; heraus, ehe schließlich nahezu alle zu den Agenturen der kapitalistischen Herrschaft überliefen. Im &amp;quot;Kleinen Briefkasten&amp;quot; (Editorial) hieß es: &amp;quot;[...] am Traum von der Roten Republik halten wir fest, Ehrensache; wie auch an der Feindschaft gegen Schwarz-Rot-Gold - den Farben des Betrugs&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Danach verloren wir uns aus den Augen. Später - zwanzig Jahre waren ins Land gezogen - veröffentlichte er wieder einen kurzen Artikel von mir in der Aktion, und wir verabredeten, dass ich einen Artikel über John Dos Passos für seine Zeitschrift schreiben sollte, der jedoch über die ersten Seiten nicht hinauskam. Zum letzten Mal sah ich die auffällige Gestalt mit den langen weißen Haaren am Stand der Edition Nautilus auf der Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr, ohne zu wissen, dass es das letzte Mal sein würde. Es ist sehr traurig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Jörg Auberg''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Benutzer:Joerg_A&amp;diff=8270</id>
		<title>Benutzer:Joerg A</title>
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				<updated>2008-07-16T09:24:20Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: Die Seite wurde neu angelegt: '''Jörg Auberg''', geb. 1962, Studium der Gesellschaftswissenschaften, Amerikanistik, Literaturwissenschaft und Publizistik in Marburg und Berlin. Seit 1985 freie Auto...&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Jörg Auberg''', geb. 1962, Studium der Gesellschaftswissenschaften, Amerikanistik, Literaturwissenschaft und Publizistik in Marburg und Berlin. Seit 1985 freie Autorentätigkeit für Zeitschriften, Sammelbände und Online-Magazine. Lebt als Softwareentwickler und freier Autor am Niederrhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Thematische Interessensschwerpunkte==&lt;br /&gt;
* Nordamerikanische Literatur und Kultur&lt;br /&gt;
* Literaturkritik&lt;br /&gt;
* Kritische Theorie der Kulturindustrie und Massenkultur&lt;br /&gt;
* Geschiche der amerikanischen Linken&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Dwight_Macdonald&amp;diff=8049</id>
		<title>Dwight Macdonald</title>
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				<updated>2008-05-13T18:53:45Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Memoirs&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan ''New International'' 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der ''Partisan Review'' ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die ''Partisan Review'' zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die ''Partisan Review'', um seine eigene Zeitschrift ''Politics'' herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich ''Politics'' noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk ''Von Caligari zu Hitler'' die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war ''Politics'' von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl ''Politics'' später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge, MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele ''Politics''-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der ''Politics''-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den ''Politics''-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinwendung zum Anarchismus===&lt;br /&gt;
Obwohl ''Politics'' ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, ''Politics'' einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk ''Congress for Cultural Freedom'', das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie ''Politics'' (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von ''Politics'', der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass ''Politics'' ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ende von ''Politics'' bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim ''New Yorker'', den er in seinem ersten Beitrag für die ''Partisan Review'' 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die ''Politics''-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die späten Jahre===&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin ''Esquire'' und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen ''Politics''-Zeiten gehabt hätte. In seinen letzten Lebensjahren litt er unter einer Schreibblockade und unterrichtete vorwiegend an Colleges und Universitäten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner ''Politics''-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift ''Retort'', meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*''Against the American Grain'', New York 1962.&lt;br /&gt;
*''A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*''Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974'', New York 1974&lt;br /&gt;
*''Interviews with Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*''Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism'', New York 1957 (nachgedruckt als ''Politics Past'', New York 1970)&lt;br /&gt;
*''On Movies'', Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*''The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism'', London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: ''Mass Culture: The Popular Arts in America'', hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, ''Politics'', 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, ''The Miscellany'', Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, ''New International'', 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, ''Partisan Review'', 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und ''Partisan Review'', 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, ''Politics'', 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, ''Politics'', 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, ''Politics'', 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, ''Politics'', 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, ''Politics'', 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, ''Politics'', 3:4 (April 1946), S. 97-115, und ''Politics'', 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, ''Partisan Review'', 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und ''Partisan Review'', 5:3 (August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, ''Politics'', 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, ''Partisan Review'', 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, ''Politics'', 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, ''New International'', 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why ''Politics''?&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, ''Schwarzer Faden'', Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, ''Wespennest'', Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: ''Politics''&amp;quot;, ''Retort'', 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, ''The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945'', Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, ''Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America'', Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, ''A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography'', New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in an Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America'', Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''The New York Intellectuals Reader'', New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, ''Journal of American Culture'', 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around ''Partisan Review'' in the Thirties and the Forties&amp;quot;, ''American Jewish History'', 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;''Partisan Review'' and the Second World War&amp;quot;, ''Salmagundi'', Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 83:4 (Winter 1976), S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, ''Intellectual Memoirs: New York 1936-1938'', New York 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, ''The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941'', Westport 1977&lt;br /&gt;
*Andrew Ross, ''No Respect: Intellectuals and Popular Culture'', New York 1989&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, ''Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War'', London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, ''Dwight Macdonald and the ''Politics'' Circle'', Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, ''Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals'', New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, ''Œuvres'', Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, ''New International'', 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, ''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The ''Politics'' Circle and the Good War&amp;quot;, ''Radical History Review'', Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: ''America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual'', Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, ''A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald'', Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, ''The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution'', Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, ''Journal of American Studies'', 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, ''A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald'', New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Dwight Macdonald</title>
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				<updated>2008-05-12T09:01:16Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: /* Ausgewählte Sekundärliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Memoirs&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan ''New International'' 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der ''Partisan Review'' ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die ''Partisan Review'' zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die ''Partisan Review'', um seine eigene Zeitschrift ''Politics'' herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich ''Politics'' noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk ''Von Caligari zu Hitler'' die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war ''Politics'' von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl ''Politics'' später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge, MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele ''Politics''-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der ''Politics''-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den ''Politics''-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinwendung zum Anarchismus===&lt;br /&gt;
Obwohl ''Politics'' ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, ''Politics'' einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk ''Congress for Cultural Freedom'', das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie ''Politics'' (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von ''Politics'', der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass ''Politics'' ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ende von ''Politics'' bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim ''New Yorker'', den er in seinem ersten Beitrag für die ''Partisan Review'' 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die ''Politics''-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die späten Jahre===&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin ''Esquire'' und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen ''Politics''-Zeiten gehabt hätte. In seinen letzten Lebensjahren litt er unter einer Schreibblockade und unterrichtete vorwiegend an Colleges und Universitäten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner ''Politics''-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift ''Retort'', meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*''Against the American Grain'', New York 1962.&lt;br /&gt;
*''A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*''Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974'', New York 1974&lt;br /&gt;
*''Interviews with Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*''Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism'', New York 1957 (nachgedruckt als ''Politics Past'', New York 1970)&lt;br /&gt;
*''On Movies'', Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*''The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism'', London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: ''Mass Culture: The Popular Arts in America'', hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, ''Politics'', 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, ''The Miscellany'', Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, ''New International'', 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, ''Partisan Review'', 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und ''Partisan Review'', 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, ''Politics'', 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, ''Politics'', 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, ''Politics'', 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, ''Politics'', 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, ''Politics'', 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, ''Politics'', 3:4 (April 1946), S. 97-115, und ''Politics'', 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, ''Partisan Review'', 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und ''Partisan Review'', 5:3 (August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, ''Politics'', 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, ''Partisan Review'', 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, ''Politics'', 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, ''New International'', 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why ''Politics''?&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, ''Schwarzer Faden'', Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, ''Wespennest'', Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: ''Politics''&amp;quot;, ''Retort'', 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, ''The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945'', Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, ''Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America'', Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, ''A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography'', New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in an Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America'', Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''The New York Intellectuals Reader'', New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, ''Journal of American Culture'', 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around ''Partisan Review'' in the Thirties and the Forties&amp;quot;, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;''Partisan Review'' and the Second World War&amp;quot;, ''Salmagundi'', Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 83:4 (Winter 1976), S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, ''Intellectual Memoirs: New York 1936-1938'', New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, ''The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941'', Westport 1977&lt;br /&gt;
*Andrew Ross, ''No Respect: Intellectuals and Popular Culture'', New York 1989&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, ''Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War'', London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, ''Dwight Macdonald and the ''Politics'' Circle'', Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, ''Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals'', New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, ''Œuvres'', Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, ''New International'', 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, ''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The ''Politics'' Circle and the Good War&amp;quot;, ''Radical History Review'', Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: ''America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual'', Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, ''A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald'', Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, ''The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution'', Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, ''Journal of American Studies'', 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, ''A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald'', New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Dwight Macdonald</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: /* Ausgewählte Sekundärliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Memoirs&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan ''New International'' 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der ''Partisan Review'' ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die ''Partisan Review'' zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die ''Partisan Review'', um seine eigene Zeitschrift ''Politics'' herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich ''Politics'' noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk ''Von Caligari zu Hitler'' die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war ''Politics'' von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl ''Politics'' später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge, MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele ''Politics''-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der ''Politics''-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den ''Politics''-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinwendung zum Anarchismus===&lt;br /&gt;
Obwohl ''Politics'' ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, ''Politics'' einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk ''Congress for Cultural Freedom'', das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie ''Politics'' (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von ''Politics'', der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass ''Politics'' ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ende von ''Politics'' bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim ''New Yorker'', den er in seinem ersten Beitrag für die ''Partisan Review'' 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die ''Politics''-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die späten Jahre===&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin ''Esquire'' und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen ''Politics''-Zeiten gehabt hätte. In seinen letzten Lebensjahren litt er unter einer Schreibblockade und unterrichtete vorwiegend an Colleges und Universitäten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner ''Politics''-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift ''Retort'', meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*''Against the American Grain'', New York 1962.&lt;br /&gt;
*''A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*''Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974'', New York 1974&lt;br /&gt;
*''Interviews with Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*''Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism'', New York 1957 (nachgedruckt als ''Politics Past'', New York 1970)&lt;br /&gt;
*''On Movies'', Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*''The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism'', London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: ''Mass Culture: The Popular Arts in America'', hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, ''Politics'', 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, ''The Miscellany'', Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, ''New International'', 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, ''Partisan Review'', 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und ''Partisan Review'', 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, ''Politics'', 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, ''Politics'', 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, ''Politics'', 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, ''Politics'', 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, ''Politics'', 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, ''Politics'', 3:4 (April 1946), S. 97-115, und ''Politics'', 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, ''Partisan Review'', 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und ''Partisan Review'', 5:3 (August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, ''Politics'', 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, ''Partisan Review'', 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, ''Politics'', 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, ''New International'', 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why ''Politics''?&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, ''Schwarzer Faden'', Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, ''Wespennest'', Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: ''Politics''&amp;quot;, ''Retort'', 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, ''The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945'', Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, ''Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America'', Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, ''A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography'', New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in an Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''The New York Intellectuals Reader'', New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, ''Journal of American Culture'', 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around ''Partisan Review'' in the Thirties and the Forties&amp;quot;, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;''Partisan Review'' and the Second World War&amp;quot;, ''Salmagundi'', Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 83:4 (Winter 1976), S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, ''Intellectual Memoirs: New York 1936-1938'', New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, ''The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941'', Westport 1977&lt;br /&gt;
*Andrew Ross, ''No Respect: Intellectuals and Popular Culture'', New York 1989&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, ''Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War'', London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, ''Dwight Macdonald and the ''Politics'' Circle'', Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, ''Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals'', New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, ''Œuvres'', Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, ''New International'', 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, ''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The ''Politics'' Circle and the Good War&amp;quot;, ''Radical History Review'', Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: ''America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual'', Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, ''A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald'', Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, ''The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution'', Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, ''Journal of American Studies'', 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, ''A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald'', New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Dwight Macdonald</title>
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				<updated>2008-05-12T08:59:38Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: /* Ausgewählte Sekundärliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Memoirs&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan ''New International'' 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der ''Partisan Review'' ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die ''Partisan Review'' zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die ''Partisan Review'', um seine eigene Zeitschrift ''Politics'' herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich ''Politics'' noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk ''Von Caligari zu Hitler'' die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war ''Politics'' von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl ''Politics'' später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge, MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele ''Politics''-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der ''Politics''-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den ''Politics''-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinwendung zum Anarchismus===&lt;br /&gt;
Obwohl ''Politics'' ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, ''Politics'' einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk ''Congress for Cultural Freedom'', das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie ''Politics'' (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von ''Politics'', der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass ''Politics'' ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ende von ''Politics'' bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim ''New Yorker'', den er in seinem ersten Beitrag für die ''Partisan Review'' 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die ''Politics''-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die späten Jahre===&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin ''Esquire'' und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen ''Politics''-Zeiten gehabt hätte. In seinen letzten Lebensjahren litt er unter einer Schreibblockade und unterrichtete vorwiegend an Colleges und Universitäten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner ''Politics''-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift ''Retort'', meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*''Against the American Grain'', New York 1962.&lt;br /&gt;
*''A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*''Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974'', New York 1974&lt;br /&gt;
*''Interviews with Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*''Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism'', New York 1957 (nachgedruckt als ''Politics Past'', New York 1970)&lt;br /&gt;
*''On Movies'', Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*''The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism'', London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: ''Mass Culture: The Popular Arts in America'', hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, ''Politics'', 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, ''The Miscellany'', Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, ''New International'', 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, ''Partisan Review'', 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und ''Partisan Review'', 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, ''Politics'', 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, ''Politics'', 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, ''Politics'', 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, ''Politics'', 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, ''Politics'', 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, ''Politics'', 3:4 (April 1946), S. 97-115, und ''Politics'', 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, ''Partisan Review'', 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und ''Partisan Review'', 5:3 (August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, ''Politics'', 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, ''Partisan Review'', 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, ''Politics'', 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, ''New International'', 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why ''Politics''?&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, ''Schwarzer Faden'', Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, ''Wespennest'', Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: ''Politics''&amp;quot;, ''Retort'', 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, ''The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945'', Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, ''Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America'', Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, ''A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography'', New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia ''Politics'' and Culture in an Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''The New York Intellectuals Reader'', New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, ''Journal of American Culture'', 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around ''Partisan Review'' in the Thirties and the Forties&amp;quot;, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;''Partisan Review'' and the Second World War&amp;quot;, ''Salmagundi'', Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 83:4 (Winter 1976), S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, ''Intellectual Memoirs: New York 1936-1938'', New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, ''The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941'', Westport 1977&lt;br /&gt;
*Andrew Ross, ''No Respect: Intellectuals and Popular Culture'', New York 1989&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, ''Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War'', London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, ''Dwight Macdonald and the ''Politics'' Circle'', Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, ''Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals'', New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, ''Œuvres'', Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, ''New International'', 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, ''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The ''Politics'' Circle and the Good War&amp;quot;, ''Radical History Review'', Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: ''America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual'', Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, ''A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald'', Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, ''The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution'', Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, ''Journal of American Studies'', 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, ''A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald'', New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Dwight_Macdonald&amp;diff=8045</id>
		<title>Dwight Macdonald</title>
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				<updated>2008-05-12T08:58:28Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Memoirs&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan ''New International'' 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der ''Partisan Review'' ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die ''Partisan Review'' zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die ''Partisan Review'', um seine eigene Zeitschrift ''Politics'' herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich ''Politics'' noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk ''Von Caligari zu Hitler'' die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war ''Politics'' von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl ''Politics'' später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge, MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele ''Politics''-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der ''Politics''-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den ''Politics''-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinwendung zum Anarchismus===&lt;br /&gt;
Obwohl ''Politics'' ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, ''Politics'' einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk ''Congress for Cultural Freedom'', das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie ''Politics'' (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von ''Politics'', der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass ''Politics'' ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ende von ''Politics'' bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim ''New Yorker'', den er in seinem ersten Beitrag für die ''Partisan Review'' 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die ''Politics''-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die späten Jahre===&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin ''Esquire'' und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen ''Politics''-Zeiten gehabt hätte. In seinen letzten Lebensjahren litt er unter einer Schreibblockade und unterrichtete vorwiegend an Colleges und Universitäten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner ''Politics''-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift ''Retort'', meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*''Against the American Grain'', New York 1962.&lt;br /&gt;
*''A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*''Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974'', New York 1974&lt;br /&gt;
*''Interviews with Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*''Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism'', New York 1957 (nachgedruckt als ''Politics Past'', New York 1970)&lt;br /&gt;
*''On Movies'', Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*''The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism'', London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: ''Mass Culture: The Popular Arts in America'', hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, ''Politics'', 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, ''The Miscellany'', Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, ''New International'', 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, ''Partisan Review'', 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und ''Partisan Review'', 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, ''Politics'', 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, ''Politics'', 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, ''Politics'', 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, ''Politics'', 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, ''Politics'', 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, ''Politics'', 3:4 (April 1946), S. 97-115, und ''Politics'', 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, ''Partisan Review'', 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und ''Partisan Review'', 5:3 (August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, ''Politics'', 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, ''Partisan Review'', 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, ''Politics'', 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, ''New International'', 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why ''Politics''?&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, ''Schwarzer Faden'', Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, ''Wespennest'', Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: ''Politics''&amp;quot;, ''Retort'', 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, ''The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945'', Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, ''Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America'', Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, ''A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography'', New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia ''Politics'' and Culture in an Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''The New York Intellectuals Reader'', New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, ''Journal of American Culture'', 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around ''Partisan Review'' in the Thirties and the Forties&amp;quot;, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;''Partisan Review'' and the Second World War&amp;quot;, ''Salmagundi'', Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 83:4 (Winter 1976), S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, ''Intellectual Memoirs: New York 1936-1938'', New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, ''The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941'', Westport 1977&lt;br /&gt;
*Andrew Ross, ''No Respect: Intellectuals and Popular Culture'', New York 1989&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, ''Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War'', London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, ''Dwight Macdonald and the ''Politics'' Circle'', Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, ''Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals'', New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, ''Œuvres'', Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, ''New International'', 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, ''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The ''Politics'' Circle and the Good War&amp;quot;, Radical History Review, Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: ''America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual'', Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, ''A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald'', Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, ''The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution'', Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, ''Journal of American Studies'', 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, ''A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald'', New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Dwight Macdonald</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: /* Abschied von gestern */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Memoirs&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan ''New International'' 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der ''Partisan Review'' ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die ''Partisan Review'' zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die ''Partisan Review'', um seine eigene Zeitschrift ''Politics'' herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich ''Politics'' noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk ''Von Caligari zu Hitler'' die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war ''Politics'' von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl ''Politics'' später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge,MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele ''Politics''-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der ''Politics''-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den ''Politics''-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinwendung zum Anarchismus===&lt;br /&gt;
Obwohl ''Politics'' ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, ''Politics'' einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk ''Congress for Cultural Freedom'', das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie ''Politics'' (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von ''Politics'', der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass ''Politics'' ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ende von ''Politics'' bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim ''New Yorker'', den er in seinem ersten Beitrag für die ''Partisan Review'' 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die ''Politics''-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die späten Jahre===&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin ''Esquire'' und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen ''Politics''-Zeiten gehabt hätte. In seinen letzten Lebensjahren litt er unter einer Schreibblockade und unterrichtete vorwiegend an Colleges und Universitäten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner ''Politics''-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift ''Retort'', meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*''Against the American Grain'', New York 1962.&lt;br /&gt;
*''A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*''Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974'', New York 1974&lt;br /&gt;
*''Interviews with Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*''Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism'', New York 1957 (nachgedruckt als ''Politics Past'', New York 1970)&lt;br /&gt;
*''On Movies'', Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*''The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism'', London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: ''Mass Culture: The Popular Arts in America'', hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, ''Politics'', 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, ''The Miscellany'', Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, ''New International'', 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, ''Partisan Review'', 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und ''Partisan Review'', 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, ''Politics'', 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, ''Politics'', 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, ''Politics'', 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, ''Politics'', 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, ''Politics'', 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, ''Politics'', 3:4 (April 1946), S. 97-115, und ''Politics'', 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, ''Partisan Review'', 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und ''Partisan Review'', 5:3 (August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, ''Politics'', 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, ''Partisan Review'', 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, ''Politics'', 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, ''New International'', 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why ''Politics''?&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, ''Schwarzer Faden'', Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, ''Wespennest'', Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: ''Politics''&amp;quot;, ''Retort'', 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, ''The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945'', Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, ''Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America'', Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, ''A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography'', New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia ''Politics'' and Culture in an Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''The New York Intellectuals Reader'', New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, ''Journal of American Culture'', 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around ''Partisan Review'' in the Thirties and the Forties&amp;quot;, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;''Partisan Review'' and the Second World War&amp;quot;, ''Salmagundi'', Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 83:4 (Winter 1976), S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, ''Intellectual Memoirs: New York 1936-1938'', New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, ''The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941'', Westport 1977&lt;br /&gt;
*Andrew Ross, ''No Respect: Intellectuals and Popular Culture'', New York 1989&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, ''Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War'', London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, ''Dwight Macdonald and the ''Politics'' Circle'', Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, ''Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals'', New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, ''Œuvres'', Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, ''New International'', 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, ''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The ''Politics'' Circle and the Good War&amp;quot;, Radical History Review, Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: ''America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual'', Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, ''A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald'', Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, ''The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution'', Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, ''Journal of American Studies'', 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, ''A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald'', New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Dwight Macdonald</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Memoirs&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan ''New International'' 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der ''Partisan Review'' ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die ''Partisan Review'' zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die ''Partisan Review'', um seine eigene Zeitschrift ''Politics'' herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich ''Politics'' noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk ''Von Caligari zu Hitler'' die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war ''Politics'' von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl ''Politics'' später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge,MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele ''Politics''-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der ''Politics''-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den ''Politics''-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinwendung zum Anarchismus===&lt;br /&gt;
Obwohl ''Politics'' ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, ''Politics'' einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk ''Congress for Cultural Freedom'', das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie ''Politics'' (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von ''Politics'', der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass ''Politics'' ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
Das Ende von ''Politics'' bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim ''New Yorker'', den er in seinem ersten Beitrag für die ''Partisan Review'' 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die ''Politics''-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die späten Jahre===&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin ''Esquire'' und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen ''Politics''-Zeiten gehabt hätte. In seinen letzten Lebensjahren litt er unter einer Schreibblockade und unterrichtete vorwiegend an Colleges und Universitäten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner ''Politics''-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift ''Retort'', meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*''Against the American Grain'', New York 1962.&lt;br /&gt;
*''A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*''Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974'', New York 1974&lt;br /&gt;
*''Interviews with Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*''Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism'', New York 1957 (nachgedruckt als ''Politics Past'', New York 1970)&lt;br /&gt;
*''On Movies'', Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*''The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism'', London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: ''Mass Culture: The Popular Arts in America'', hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, ''Politics'', 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, ''The Miscellany'', Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, ''New International'', 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, ''Partisan Review'', 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und ''Partisan Review'', 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, ''Politics'', 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, ''Politics'', 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, ''Politics'', 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, ''Politics'', 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, ''Politics'', 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, ''Politics'', 3:4 (April 1946), S. 97-115, und ''Politics'', 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, ''Partisan Review'', 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und ''Partisan Review'', 5:3 (August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, ''Politics'', 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, ''Partisan Review'', 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, ''Politics'', 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, ''New International'', 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why ''Politics''?&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, ''Schwarzer Faden'', Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, ''Wespennest'', Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: ''Politics''&amp;quot;, ''Retort'', 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, ''The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945'', Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, ''Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America'', Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, ''A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography'', New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia ''Politics'' and Culture in an Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''The New York Intellectuals Reader'', New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, ''Journal of American Culture'', 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around ''Partisan Review'' in the Thirties and the Forties&amp;quot;, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;''Partisan Review'' and the Second World War&amp;quot;, ''Salmagundi'', Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 83:4 (Winter 1976), S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, ''Intellectual Memoirs: New York 1936-1938'', New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, ''The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941'', Westport 1977&lt;br /&gt;
*Andrew Ross, ''No Respect: Intellectuals and Popular Culture'', New York 1989&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, ''Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War'', London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, ''Dwight Macdonald and the ''Politics'' Circle'', Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, ''Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals'', New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, ''Œuvres'', Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, ''New International'', 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, ''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The ''Politics'' Circle and the Good War&amp;quot;, Radical History Review, Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: ''America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual'', Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, ''A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald'', Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, ''The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution'', Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, ''Journal of American Studies'', 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, ''A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald'', New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Dwight_Macdonald&amp;diff=8042</id>
		<title>Dwight Macdonald</title>
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				<updated>2008-05-12T08:53:22Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Memoirs&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan ''New International'' 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der ''Partisan Review'' ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die ''Partisan Review'' zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die ''Partisan Review'', um seine eigene Zeitschrift ''Politics'' herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich ''Politics'' noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk ''Von Caligari zu Hitler'' die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war ''Politics'' von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl ''Politics'' später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge,MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele ''Politics''-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der ''Politics''-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den ''Politics''-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
Hinwendung zum Anarchismus&lt;br /&gt;
Obwohl ''Politics'' ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, ''Politics'' einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk ''Congress for Cultural Freedom'', das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie ''Politics'' (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von ''Politics'', der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass ''Politics'' ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
Das Ende von ''Politics'' bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim ''New Yorker'', den er in seinem ersten Beitrag für die ''Partisan Review'' 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die ''Politics''-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin ''Esquire'' und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen ''Politics''-Zeiten gehabt hätte. In seinen letzten Lebensjahren litt er unter einer Schreibblockade und unterrichtete vorwiegend an Colleges und Universitäten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner ''Politics''-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift ''Retort'', meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*''Against the American Grain'', New York 1962.&lt;br /&gt;
*''A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*''Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974'', New York 1974&lt;br /&gt;
*''Interviews with Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*''Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism'', New York 1957 (nachgedruckt als ''Politics Past'', New York 1970)&lt;br /&gt;
*''On Movies'', Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*''The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism'', London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: ''Mass Culture: The Popular Arts in America'', hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, ''Politics'', 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, ''The Miscellany'', Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, ''New International'', 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, ''Partisan Review'', 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und ''Partisan Review'', 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, ''Politics'', 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, ''Politics'', 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, ''Politics'', 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, ''Politics'', 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, ''Politics'', 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, ''Politics'', 3:4 (April 1946), S. 97-115, und ''Politics'', 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, ''Partisan Review'', 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und ''Partisan Review'', 5:3 (August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, ''Politics'', 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, ''Partisan Review'', 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, ''Politics'', 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, ''New International'', 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why ''Politics''?&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, ''Schwarzer Faden'', Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, ''Wespennest'', Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: ''Politics''&amp;quot;, ''Retort'', 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, ''The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945'', Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, ''Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America'', Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, ''A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography'', New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia ''Politics'' and Culture in an Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''The New York Intellectuals Reader'', New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, ''Journal of American Culture'', 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around ''Partisan Review'' in the Thirties and the Forties&amp;quot;, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;''Partisan Review'' and the Second World War&amp;quot;, ''Salmagundi'', Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 83:4 (Winter 1976), S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, ''Intellectual Memoirs: New York 1936-1938'', New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, ''The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941'', Westport 1977&lt;br /&gt;
*Andrew Ross, ''No Respect: Intellectuals and Popular Culture'', New York 1989&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, ''Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War'', London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, ''Dwight Macdonald and the ''Politics'' Circle'', Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, ''Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals'', New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, ''Œuvres'', Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, ''New International'', 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, ''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The ''Politics'' Circle and the Good War&amp;quot;, Radical History Review, Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: ''America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual'', Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, ''A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald'', Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, ''The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution'', Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, ''Journal of American Studies'', 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, ''A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald'', New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Memoirs&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan ''New International'' 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der ''Partisan Review'' ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die ''Partisan Review'' zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die ''Partisan Review'', um seine eigene Zeitschrift ''Politics'' herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich ''Politics'' noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk ''Von Caligari zu Hitler'' die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war ''Politics'' von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl ''Politics'' später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge,MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele ''Politics''-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der ''Politics''-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den ''Politics''-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
Hinwendung zum Anarchismus&lt;br /&gt;
Obwohl ''Politics'' ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, ''Politics'' einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk ''Congress for Cultural Freedom'', das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie ''Politics'' (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von ''Politics'', der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass ''Politics'' ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
Das Ende von ''Politics'' bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim ''New Yorker'', den er in seinem ersten Beitrag für die ''Partisan Review'' 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die ''Politics''-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin ''Esquire'' und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen ''Politics''-Zeiten gehabt hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner ''Politics''-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift ''Retort'', meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*''Against the American Grain'', New York 1962.&lt;br /&gt;
*''A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*''Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974'', New York 1974&lt;br /&gt;
*''Interviews with Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*''Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism'', New York 1957 (nachgedruckt als ''Politics Past'', New York 1970)&lt;br /&gt;
*''On Movies'', Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*''The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism'', London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: ''Mass Culture: The Popular Arts in America'', hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, ''Politics'', 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, ''The Miscellany'', Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, ''New International'', 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, ''Partisan Review'', 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und ''Partisan Review'', 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, ''Politics'', 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, ''Politics'', 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, ''Politics'', 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, ''Politics'', 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, ''Politics'', 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, ''Politics'', 3:4 (April 1946), S. 97-115, und ''Politics'', 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, ''Partisan Review'', 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und ''Partisan Review'', 5:3 (August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, ''Politics'', 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, ''Partisan Review'', 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, ''Politics'', 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, ''New International'', 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why ''Politics''?&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, ''Schwarzer Faden'', Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, ''Wespennest'', Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: ''Politics''&amp;quot;, ''Retort'', 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, ''The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945'', Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, ''Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America'', Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, ''A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography'', New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia ''Politics'' and Culture in an Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''The New York Intellectuals Reader'', New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, ''Journal of American Culture'', 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around ''Partisan Review'' in the Thirties and the Forties&amp;quot;, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;''Partisan Review'' and the Second World War&amp;quot;, ''Salmagundi'', Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 83:4 (Winter 1976), S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, ''Intellectual Memoirs: New York 1936-1938'', New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, ''The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941'', Westport 1977&lt;br /&gt;
*Andrew Ross, ''No Respect: Intellectuals and Popular Culture'', New York 1989&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, ''Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War'', London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, ''Dwight Macdonald and the ''Politics'' Circle'', Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, ''Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals'', New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, ''Œuvres'', Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, ''New International'', 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, ''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The ''Politics'' Circle and the Good War&amp;quot;, Radical History Review, Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: ''America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual'', Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, ''A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald'', Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, ''The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution'', Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, ''Journal of American Studies'', 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, ''A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald'', New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Dwight Macdonald</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Memoirs&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan ''New International'' 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der ''Partisan Review'' ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die Partisan Review zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die ''Partisan Review'', um seine eigene Zeitschrift ''Politics'' herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich ''Politics'' noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk ''Von Caligari zu Hitler'' die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war ''Politics'' von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl ''Politics'' später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge,MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele ''Politics''-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der ''Politics''-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den ''Politics''-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
Hinwendung zum Anarchismus&lt;br /&gt;
Obwohl ''Politics'' ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, ''Politics'' einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk ''Congress for Cultural Freedom'', das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie ''Politics'' (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von ''Politics'', der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass ''Politics'' ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
Das Ende von ''Politics'' bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim ''New Yorker'', den er in seinem ersten Beitrag für die ''Partisan Review'' 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die ''Politics''-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin ''Esquire'' und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen ''Politics''-Zeiten gehabt hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner ''Politics''-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift ''Retort'', meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*''Against the American Grain'', New York 1962.&lt;br /&gt;
*''A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*''Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974'', New York 1974&lt;br /&gt;
*''Interviews with Dwight Macdonald'', hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*''Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism'', New York 1957 (nachgedruckt als ''Politics Past'', New York 1970)&lt;br /&gt;
*''On Movies'', Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*''The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism'', London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: ''Mass Culture: The Popular Arts in America'', hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, ''Politics'', 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, ''The Miscellany'', Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, ''New International'', 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, ''Partisan Review'', 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und Partisan Review, 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, Partisan Review, 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, ''Politics'', 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, ''Politics'', 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, ''Politics'', 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, ''Politics'', 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, ''Politics'', 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, ''Politics'', 3:4 (April 1946), S. 97-115, und ''Politics'', 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, ''Partisan Review'', 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und ''Partisan Review'', 5:3 (August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, ''Politics'', 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, ''Partisan Review'', 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, ''Partisan Review'', 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, ''Politics'', 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, ''Partisan Review'', 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, ''New International'', 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why ''Politics''?&amp;quot;, ''Politics'', 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, ''Partisan Review'', 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, ''Schwarzer Faden'', Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, ''Wespennest'', Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: ''Politics''&amp;quot;, ''Retort'', 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, ''The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945'', Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, ''Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America'', Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, ''A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography'', New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia ''Politics'' and Culture in an Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, ''The New York Intellectuals Reader'', New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, ''Journal of American Culture'', 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around ''Partisan Review'' in the Thirties and the Forties&amp;quot;, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;''Partisan Review'' and the Second World War&amp;quot;, ''Salmagundi'', Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, ''Queen's Quarterly'', 83:4 (Winter 1976), S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, ''New Politics'' (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, ''Intellectual Memoirs: New York 1936-1938'', New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, ''The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941'', Westport 1977&lt;br /&gt;
*Andrew Ross, ''No Respect: Intellectuals and Popular Culture'', New York 1989&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, ''Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War'', London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, ''Dwight Macdonald and the ''Politics'' Circle'', Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, ''Renewing the Left: ''Politics'', Imagination, and the New York Intellectuals'', New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, ''Œuvres'', Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, ''New International'', 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, ''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The ''Politics'' Circle and the Good War&amp;quot;, Radical History Review, Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: ''America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual'', Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, ''A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald'', Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, ''The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution'', Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, ''Journal of American Studies'', 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, ''A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald'', New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Memoirs&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan New International 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der Partisan Review ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die Partisan Review zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die Partisan Review, um seine eigene Zeitschrift Politics herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich Politics noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk Von Caligari zu Hitler die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war Politics von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl Politics später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge,MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele Politics-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der Politics-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den Politics-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
Hinwendung zum Anarchismus&lt;br /&gt;
Obwohl Politics ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, Politics einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk Congress for Cultural Freedom, das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie Politics (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von Politics, der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass Politics ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
Das Ende von Politics bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim New Yorker, den er in seinem ersten Beitrag für die Partisan Review 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die Politics-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin Esquire und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen Politics-Zeiten gehabt hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner Politics-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift Retort, meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*Against the American Grain, New York 1962.&lt;br /&gt;
*A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald, hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974, New York 1974&lt;br /&gt;
*Interviews with Dwight Macdonald, hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism, New York 1957 (nachgedruckt als Politics Past, New York 1970)&lt;br /&gt;
*On Movies, Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism, London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, Politics, 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: Mass Culture: The Popular Arts in America, hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, Politics, 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, The Miscellany, Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, New International, 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, Partisan Review, 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, Partisan Review, 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und Partisan Review, 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, Partisan Review, 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, Partisan Review, 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, Politics, 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, Politics, 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, Politics, 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, Partisan Review, 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, Politics, 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, Politics, 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, Politics, 3:4 (April 1946), S. 97-115, und Politics, 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, Partisan Review, 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und Partisan Review, 5:3 *(August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, Politics, 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, Partisan Review, 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, Partisan Review, 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, Politics, 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, Partisan Review, 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, New International, 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why Politics?&amp;quot;, Politics, 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, Partisan Review, 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, Schwarzer Faden, Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, Wespennest, Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: Politics&amp;quot;, Retort, 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945, Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, New Politics (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America., Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography, New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe, New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, The End of Utopia Politics and Culture in an Age of Apathy, New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, The New York Intellectuals Reader, New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, Journal of American Culture, 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, Queen's Quarterly, 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
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*S. A. Longstaff, &amp;quot;Partisan Review and the Second World War&amp;quot;, Salmagundi, Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, Queen's Quarterly, 83:4 (Winter 1976),   S. 556-573&lt;br /&gt;
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*Mary McCarthy, Intellectual Memoirs: New York 1936-1938, New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941, Westport 1977&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War, London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, Dwight Macdonald and the Politics Circle, Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals, New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, Œuvres, Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, New International, 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s, Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The Politics Circle and the Good War&amp;quot;, Radical History Review, Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual, Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald, Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution, Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, Journal of American Studies, 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald, New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan New International 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der Partisan Review ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die Partisan Review zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die Partisan Review, um seine eigene Zeitschrift Politics herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich Politics noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk Von Caligari zu Hitler die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war Politics von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl Politics später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge,MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele Politics-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der Politics-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den Politics-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
Hinwendung zum Anarchismus&lt;br /&gt;
Obwohl Politics ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, Politics einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk Congress for Cultural Freedom, das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie Politics (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von Politics, der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass Politics ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
Das Ende von Politics bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim New Yorker, den er in seinem ersten Beitrag für die Partisan Review 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die Politics-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin Esquire und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen Politics-Zeiten gehabt hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner Politics-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift Retort, meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*Against the American Grain, New York 1962.&lt;br /&gt;
*A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald, hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974, New York 1974&lt;br /&gt;
*Interviews with Dwight Macdonald, hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism, New York 1957 (nachgedruckt als Politics Past, New York 1970)&lt;br /&gt;
*On Movies, Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism, London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, Politics, 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: Mass Culture: The Popular Arts in America, hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, Politics, 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, The Miscellany, Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, New International, 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, Partisan Review, 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, Partisan Review, 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und Partisan Review, 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, Partisan Review, 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, Partisan Review, 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, Politics, 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, Politics, 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, Politics, 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, Partisan Review, 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, Politics, 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, Politics, 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, Politics, 3:4 (April 1946), S. 97-115, und Politics, 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, Partisan Review, 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und Partisan Review, 5:3 *(August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, Politics, 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, Partisan Review, 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, Partisan Review, 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, Politics, 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, Partisan Review, 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, New International, 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why Politics?&amp;quot;, Politics, 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, Partisan Review, 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, Schwarzer Faden, Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, Wespennest, Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: Politics&amp;quot;, Retort, 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945, Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, New Politics (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America., Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography, New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe, New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, The End of Utopia Politics and Culture in an Age of Apathy, New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, The New York Intellectuals Reader, New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, Journal of American Culture, 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, Queen's Quarterly, 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around Partisan Review in the Thirties and the Forties&amp;quot;, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Partisan Review and the Second World War&amp;quot;, Salmagundi, Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, Queen's Quarterly, 83:4 (Winter 1976),   S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, New Politics (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, Intellectual Memoirs: New York 1936-1938, New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941, Westport 1977&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War, London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, Dwight Macdonald and the Politics Circle, Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals, New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, Œuvres, Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, New International, 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s, Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The Politics Circle and the Good War&amp;quot;, Radical History Review, Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual, Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald, Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution, Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, Journal of American Studies, 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald, New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan New International 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der Partisan Review ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die Partisan Review zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die Partisan Review, um seine eigene Zeitschrift Politics herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich Politics noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk Von Caligari zu Hitler die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war Politics von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl Politics später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge,MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele Politics-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der Politics-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den Politics-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
Hinwendung zum Anarchismus&lt;br /&gt;
Obwohl Politics ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, Politics einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk Congress for Cultural Freedom, das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie Politics (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von Politics, der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass Politics ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
Das Ende von Politics bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim New Yorker, den er in seinem ersten Beitrag für die Partisan Review 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die Politics-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin Esquire und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen Politics-Zeiten gehabt hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner Politics-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift Retort, meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*Against the American Grain, New York 1962.&lt;br /&gt;
*A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald, hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974, New York 1974&lt;br /&gt;
*Interviews with Dwight Macdonald, hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism, New York 1957 (nachgedruckt als Politics Past, New York 1970)&lt;br /&gt;
*On Movies, Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism, London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, Politics, 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: Mass Culture: The Popular Arts in America, hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, Politics, 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, The Miscellany, Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, New International, 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, Partisan Review, 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, Partisan Review, 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und Partisan Review, 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, Partisan Review, 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, Partisan Review, 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, Politics, 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, Politics, 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, Politics, 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, Partisan Review, 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, Politics, 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, Politics, 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, Politics, 3:4 (April 1946), S. 97-115, und Politics, 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, Partisan Review, 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und Partisan Review, 5:3 *(August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, Politics, 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, Partisan Review, 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, Partisan Review, 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, Politics, 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, Partisan Review, 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, New International, 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why Politics?&amp;quot;, Politics, 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, Partisan Review, 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, Schwarzer Faden, Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, Wespennest, Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: Politics&amp;quot;, Retort, 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945, Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, New Politics (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America., Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography, New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe, New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, The End of Utopia Politics and Culture in an Age of Apathy, New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, The New York Intellectuals Reader, New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, Journal of American Culture, 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, Queen's Quarterly, 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around Partisan Review in the Thirties and the Forties&amp;quot;, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Partisan Review and the Second World War&amp;quot;, Salmagundi, Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, Queen's Quarterly, 83:4 (Winter 1976),   S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, New Politics (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, Intellectual Memoirs: New York 1936-1938, New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941, Westport 1977&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War, London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, Dwight Macdonald and the Politics Circle, Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals, New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, Œuvres, Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, New International, 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s, Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The Politics Circle and the Good War&amp;quot;, Radical History Review, Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual, Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald, Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution, Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, Journal of American Studies, 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald, New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;Anmerkung&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Dwight_Macdonald&amp;diff=8033</id>
		<title>Dwight Macdonald</title>
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				<updated>2008-05-12T08:04:57Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin ''Fortune'' des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das ''Time''-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. &amp;quot;Es war eine faszinierende Lektüre&amp;quot;, schrieb er rückblickend, &amp;quot;und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift ''Partisan Review'' ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des &amp;quot;Trotzkismus&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm &amp;quot;ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;&amp;gt;Macdonald,&amp;quot;Trotsky is Dead&amp;quot;, S. 340&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan New International 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie &amp;quot;gewisse Schwächen&amp;quot; und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kronstadt&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry over Kronstadt&amp;quot;; Macdonald, Brief an die Redaktion, ''New International'', 4:7 (Juli 1938), S. 212-213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, &amp;quot;ein bisschen dumm&amp;quot;: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trotzki&amp;quot;&amp;gt;Trotzki, &amp;quot;Réponses à des questions concernant les Étas-Unis&amp;quot; (August 1940), in: ''Œuvres'', Bd. 24, S. 291&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen ''Socialist Workers Party'' beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen &amp;quot;James Joyce&amp;quot; gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die &amp;quot;dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leninismus&amp;quot;&amp;gt;Macdonald, ''Memoirs of a Revolutionist'', S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der Partisan Review ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die Partisan Review zu &amp;quot;repolitisieren&amp;quot; und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die Partisan Review, um seine eigene Zeitschrift Politics herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; und der &amp;quot;permanenten Kriegsökonomie&amp;quot; kritisch gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich Politics noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen &amp;quot;Teutonophobie&amp;quot; zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk Von Caligari zu Hitler die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen &amp;quot;Kollektivseele&amp;quot; vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten &amp;quot;Eroberer&amp;quot; wahrnahm. Zum anderen war Politics von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären &amp;quot;roten&amp;quot; Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl Politics später für die kritische Analyse der Prozesse, &amp;quot;in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bell&amp;quot;&amp;gt;Daniel Bell, ''The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties'' [1960], Cambridge,MA 1988, S. 307&amp;lt;/ref&amp;gt; (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer &amp;quot;Fabrikation&amp;quot; handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele Politics-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde.&lt;br /&gt;
Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese &amp;quot;verrückte und mörderische&amp;quot; Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen &amp;quot;Bestien von Majdanek&amp;quot;, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der Politics-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und &amp;quot;Verwertung&amp;quot; der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein &amp;quot;ihren Job machten&amp;quot;. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten.&lt;br /&gt;
Die Bombe stellte für Macdonald und den Politics-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
Hinwendung zum Anarchismus&lt;br /&gt;
Obwohl Politics ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel &amp;quot;New Roads in Politics&amp;quot; den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die &amp;quot;Verwissenschaftlichung&amp;quot; des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay &amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot; an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den &amp;quot;New Yorkern&amp;quot; und den &amp;quot;Parisern&amp;quot;, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Abschied von gestern===&lt;br /&gt;
Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, &amp;quot;eine Wüste ohne Hoffnung&amp;quot;. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion &amp;quot;die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt&amp;quot; und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von &amp;quot;Führern&amp;quot; und &amp;quot;Massen&amp;quot; dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise.&lt;br /&gt;
Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, Politics einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk Congress for Cultural Freedom, das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie Politics (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von Politics, der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass Politics ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich &amp;quot;sehr matt und müde&amp;quot; und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
Das Ende von Politics bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der &amp;quot;antistalinistischen&amp;quot; und später der &amp;quot;antikommunistischen&amp;quot; Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze &amp;quot;kritisch&amp;quot; den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur &amp;quot;kritischen&amp;quot; Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim New Yorker, den er in seinem ersten Beitrag für die Partisan Review 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die Politics-Leser ausgezeichnet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin Esquire und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen Politics-Zeiten gehabt hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen: avanciert in der Politik, konservativ in der Kultur. Schon in seiner &amp;quot;marxistischen&amp;quot; Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner Politics-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay &amp;quot;The Root is Man&amp;quot; (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den &amp;quot;revolutionären Parteien&amp;quot;, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre &amp;quot;subversiven&amp;quot; Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden &amp;quot;Massenkommunikation&amp;quot; und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale &amp;quot;Gegenöffentlichkeit&amp;quot; herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich &amp;quot;bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum&amp;quot; richten.&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift Retort, meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den &amp;quot;macdonaldistischen&amp;quot; Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schauprozesse&amp;quot;&amp;gt;Cantine, “Reviews: ''Politics''”, S. 45-46&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der &amp;quot;Frankfurter Schule&amp;quot; eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende &amp;quot;Unkultur&amp;quot; der Halbbildung auf die &amp;quot;Massen&amp;quot; ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien &amp;quot;the Good&amp;quot;, &amp;quot;the Bad&amp;quot; und &amp;quot;the Ugly&amp;quot; rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bücher===&lt;br /&gt;
*Against the American Grain, New York 1962.&lt;br /&gt;
*A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald, hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974, New York 1974&lt;br /&gt;
*Interviews with Dwight Macdonald, hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism, New York 1957 (nachgedruckt als Politics Past, New York 1970)&lt;br /&gt;
*On Movies, Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism, London 1957&lt;br /&gt;
===Artikel===&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of 'Popular Culture'&amp;quot;, Politics, 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Theory of Mass Culture&amp;quot;, in: Mass Culture: The Popular Arts in America, hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Atrocities of the Mind&amp;quot;, Politics, 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Eisenstein, Pudovkin and Others&amp;quot;, The Miscellany, Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Fascism - A New Social Order&amp;quot;, New International, 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Kulturbolschewismus Is Here&amp;quot;, Partisan Review, 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Masscult and Midcult&amp;quot;, Partisan Review, 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und Partisan Review, 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*&amp;quot;National Defense: The Case for Socialism&amp;quot;, Partisan Review, 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on a Strange War&amp;quot;, Partisan Review, 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Notes on the Psychology of Killing&amp;quot;, Politics, 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Pacifism and the USSR, A Discussion&amp;quot;, Politics, 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes&amp;quot;, Politics, 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Soviet Society and Its Cinema&amp;quot;, Partisan Review, 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The German Catastrophe&amp;quot;, Politics, 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Responsibility of Peoples&amp;quot;, Politics, 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Root is Man&amp;quot;, Politics, 3:4 (April 1946), S. 97-115, und Politics, 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Soviet Cinema: 1930-1938&amp;quot;, Partisan Review, 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und Partisan Review, 5:3 *(August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Two Horrors&amp;quot;, Politics, 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Through the Lens Darkly&amp;quot;, Partisan Review, 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation&amp;quot;, Partisan Review, 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*&amp;quot;USA v. USSR&amp;quot;, Politics, 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*&amp;quot;War and the Intellectuals: Act Two&amp;quot;, Partisan Review, 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*&amp;quot;What is the Fascist State?&amp;quot;, New International, 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Why Politics?&amp;quot;, Politics, 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  &amp;quot;10 Propositions on the War&amp;quot;, Partisan Review, 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens&amp;quot;, Schwarzer Faden, Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, &amp;quot;Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets&amp;quot;, Wespennest, Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, &amp;quot;Reviews: Politics&amp;quot;, Retort, 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945, Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, &amp;quot;Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s&amp;quot;, New Politics (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America., Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography, New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe, New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, The End of Utopia Politics and Culture in an Age of Apathy, New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, The New York Intellectuals Reader, New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism&amp;quot;, Journal of American Culture, 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, &amp;quot;The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect&amp;quot;, Queen's Quarterly, 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around Partisan Review in the Thirties and the Forties&amp;quot;, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;Partisan Review and the Second World War&amp;quot;, Salmagundi, Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Family&amp;quot;, Queen's Quarterly, 83:4 (Winter 1976),   S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, &amp;quot;The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950&amp;quot;, New Politics (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, Intellectual Memoirs: New York 1936-1938, New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941, Westport 1977&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War, London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, Dwight Macdonald and the Politics Circle, Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals, New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, Œuvres, Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;Hue and Cry Over Kronstadt&amp;quot;, New International, 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s, Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;Horrors – Theirs and Ours: The Politics Circle and the Good War&amp;quot;, Radical History Review, Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, &amp;quot;The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust&amp;quot;, in: America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual, Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald, Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution, Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, &amp;quot;An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s&amp;quot;, Journal of American Studies, 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald, New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
'''Dwight Macdonald''' (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin Fortune des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das Time-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. »Es war eine faszinierende Lektüre«, schrieb er rückblickend, »und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.«i 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift Partisan Review ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des „Trotzkismus“.&lt;br /&gt;
===Häretiker im Lande der Trotzkisten===&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm »ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte«ii. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan New International 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie »gewisse Schwächen« und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.iii&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, »ein bisschen dumm«: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.iv Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen Socialist Workers Party beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen „James Joyce“ gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die »dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus«v nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
===New Yorker Verwerfungen===&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der Partisan Review ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die Partisan Review zu „repolitisieren“ und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die Partisan Review, um seine eigene Zeitschrift Politics herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem „demokratischen Kapitalismus“ und der „permanenten Kriegsökonomie“ kritisch gegenüberstanden. &lt;br /&gt;
===Krieg und Entmenschlichung===&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich Politics noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen „Teutonophobie“ zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk Von Caligari zu Hitler die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen „Kollektivseele“ vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten „Eroberer” wahrnahm. Zum anderen war Politics von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären “roten” Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl Politics später für die kritische Analyse der Prozesse, „in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren“vi (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer “Fabrikation” handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
===Normal ist der Tod===&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay „The Responsibility of Peoples” fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele Politics-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde. &lt;br /&gt;
        Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese »verrückte und mörderische« Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen „Bestien von Majdanek“, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der Politics-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in „The Responsibility of Peoples“ analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und „Verwertung” der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein „ihren Job machten”. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten. &lt;br /&gt;
       Die Bombe stellte für Macdonald und den Politics-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
Hinwendung zum Anarchismus&lt;br /&gt;
         Obwohl Politics ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel „New Roads in Politics” den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die „Verwissenschaftlichung” des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay „The Responsibility of Peoples” an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den „New Yorkern” und den „Parisern”, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
Abschied von gestern&lt;br /&gt;
       Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, „eine Wüste ohne Hoffnung“. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion „die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt“ und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von „Führern” und „Massen” dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise. &lt;br /&gt;
        Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, Politics einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk Congress for Cultural Freedom, das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
       Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie Politics (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von Politics, der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass Politics ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich »sehr matt und müde« und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
        Das Ende von Politics bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der “antistalinistischen” und später der “antikommunistischen” Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze „kritisch“ den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur „kritischen” Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim New Yorker, den er in seinem ersten Beitrag für die Partisan Review 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die Politics-Leser ausgezeichnet hatten. &lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin Esquire und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen Politics-Zeiten gehabt hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum==&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen. Schon in seiner „marxistischen“ Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner Politics-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay „The Root is Man“ (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den „revolutionären Parteien”, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre „subversiven” Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden „Massenkommunikation” und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale „Gegenöffentlichkeit” herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich „bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum“ richten.&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift Retort, meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den „macdonaldistischen” Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.vii &lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der „Frankfurter Schule“ eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende „Unkultur“ der Halbbildung auf die „Massen“ ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien „the Good“, „the Bad“ und „the Ugly“ rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen. &lt;br /&gt;
        &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
Bücher&lt;br /&gt;
*Against the American Grain, New York 1962.&lt;br /&gt;
*A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald, hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974, New York 1974&lt;br /&gt;
*Interviews with Dwight Macdonald, hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism, New York 1957 (nachgedruckt als Politics Past, New York 1970)&lt;br /&gt;
*On Movies, Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism, London 1957&lt;br /&gt;
Artikel&lt;br /&gt;
*“A Theory of ‘Popular Culture’”, Politics, 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*“A Theory of Mass Culture”, in: Mass Culture: The Popular Arts in America, hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*“Atrocities of the Mind”, Politics, 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*“Eisenstein, Pudovkin and Others”, The Miscellany, Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*“Fascism - A New Social Order”, New International, 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*“Kulturbolschewismus Is Here”, Partisan Review, 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*“Masscult and Midcult”, Partisan Review, 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und Partisan Review, 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*“National Defense: The Case for Socialism”, Partisan Review, 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*“Notes on a Strange War”, Partisan Review, 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*“Notes on the Psychology of Killing”, Politics, 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*“Pacifism and the USSR, A Discussion”, Politics, 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes”, Politics, 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*Soviet Society and Its Cinema”, Partisan Review, 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*“The German Catastrophe”, Politics, 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*“The Responsibility of Peoples”, Politics, 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*“The Root is Man”, Politics, 3:4 (April 1946), S. 97-115, und Politics, 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*“The Soviet Cinema: 1930-1938”, Partisan Review, 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und Partisan Review, 5:3 *(August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*“The Two Horrors”, Politics, 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*“Through the Lens Darkly”, Partisan Review, 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*“Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation”, Partisan Review, 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*“USA v. USSR”, Politics, 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*“War and the Intellectuals: Act Two”, Partisan Review, 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*“What is the Fascist State?”, New International, 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*“Why Politics?”, Politics, 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  “10 Propositions on the War”, Partisan Review, 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgewählte Sekundärliteratur&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, “Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens”, Schwarzer Faden, Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, “Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets”, Wespennest, Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, “Reviews: Politics”, Retort, 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945, Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, “Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s”, New Politics (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America., Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography, New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe, New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, The End of Utopia Politics and Culture in an Age of Apathy, New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, The New York Intellectuals Reader, New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, “The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism”, Journal of American Culture, 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, “The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect”, Queen's Quarterly, 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, “Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around Partisan Review in the Thirties and the Forties”, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, “Partisan Review and the Second World War”, Salmagundi, Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, “The New York Family”, Queen's Quarterly, 83:4 (Winter 1976),   S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, “The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950”, New Politics (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, Intellectual Memoirs: New York 1936-1938, New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941, Westport 1977&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War, London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, Dwight Macdonald and the Politics Circle, Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals, New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, Œuvres, Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, “Hue and Cry Over Kronstadt”, New International, 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s, Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, “Horrors – Theirs and Ours: The Politics Circle and the Good War”, Radical History Review, Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, “The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust”, in: America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual, Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald, Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution, Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, “An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s”, Journal of American Studies, 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald, New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dwight Macdonald&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dwight Macdonald (geb. 24. März 1906 in New York; gest. 19. Dezember 1982 in New York). Der New Yorker Intellektuelle, Journalist und Herausgeber gehörte in den 1930er Jahren zu den prononcierten Repräsentanten der antistalinistischen Linken in den USA und vertrat während des zweiten Weltkrieges eine anarchistisch-pazifistische Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biografie und politische Entwicklung&lt;br /&gt;
Einer großbürgerlichen New Yorker Familie entstammend, arbeitete Dwight Macdonald nach seinem Studium an der Elite-Universität Yale von 1929 bis 1936 zunächst für das Wirtschaftsmagazin Fortune des Medienmagnaten Henry Luce (der auch das Time-Magazin herausgab), ehe er sich unter dem Einfluss seiner Frau Nancy der antistalinistischen Linken näherte.  Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Lektüre des vollständigen stenografischen Berichts des zweiten Moskauer Prozesses, der damals im kommunistischen Buchhandel für einen Spottpreis erhältlich war. »Es war eine faszinierende Lektüre«, schrieb er rückblickend, »und überzeugte mich, muss ich zugeben, für eine Weile, dass irgendeine Art von Verschwörung im Gange war; später begann ich Widersprüche, fehlende Motivation und die Abwesenheit stützender Beweise zu entdecken.«i 1937 trat er in die Redaktion der ehemaligen kommunistischen Kulturzeitschrift Partisan Review ein. Noch vor dem Relaunch der Zeitschrift unter dem Banner der politischen Unabhänggigkeit, entlarvte sie die Kommunistische Partei als Organ des „Trotzkismus“.&lt;br /&gt;
Häretiker im Lande der Trotzkisten&lt;br /&gt;
Obwohl in der Zeitschrift auch Beiträge Leo Trotzkis (in dessen Augen die Partisans freilich nicht über das notwendige kompromisslose Engagement verfügten) erschienen, war die Zeitschrift keineswegs ein Sprachrohr des Trotzkismus, sondern entzog sich erfolgreich den Umarmungsversuchen trotzkistischer Funktionäre, um die jüngst gewonnene Unabhängigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Auf Macdonald übte Trotzki jedoch eine besondere Faszination aus: Er sah in ihm »ein Zentrum des revolutionären marxistischen Bewussteins in der Welt, eine Stimme, die nicht eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden konnte«ii. Nichtsdestotrotz kritisierte er Trotzkis Rolle in der Niederwerfung des Aufstandes der Matrosen von Kronstadt im Jahre 1921 und dessen Rechtfertigung im trotzkistischen Theorieorgan New International 1938. Kritik interpretiere Trotzki lediglich, monierte Macdonald in einer Replik, als Versuch, die bolschewstische Machtposition zu schwächen und die Revolution zum Scheitern zu bringen. Doch stelle, gab er zu bedenken, ein monolithischer Parteiapparat, der nichts als Disziplin und Unterordnung fordere, eine größere Gefahr für die revolutionäre Entwicklung dar und leiste der Etablierung eines diktatorischen Regimes Vorschub, das den Bedürfnissen der Massen nicht Rechnung trage und lediglich am eigenen Fortbestand interessiert sei. Macdonald ortete in der bolschewistischen politischen Theorie »gewisse Schwächen« und betrachtete es als Aufgabe von Marxisten, diese unerbittlich bloßzulegen und die gesamte bolschewistische Linie mit wissenschaftlicher Distanz von Neuem zu betrachten.iii&lt;br /&gt;
Diese Kritik stempelte Macdonald nicht nur in trotzkistischen Kreisen als unsicheren und unverantwortlichen Kantonisten ab, sondern ließ auch die anfängliche Sympathie Trotzkis allmählich in Aversion und Verachtung umschlagen. Dwight Macdonald ließ er kurz vor seinem Tod einen revolutionären Genossen in Amerika wissen, »ein bisschen dumm«: Es fehle ihm an Originalität und intellektuellem Standvermögen.iv Auch als Macdonald 1939 der trotzkistischen Socialist Workers Party beitrat, um seiner Opposition gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen, blieb er im trotzkistischen Milieu suspekt: Was war von einem Neophyten zu halten, der sich selbst den Parteinamen „James Joyce“ gab und der parteiinternen Geistesdisziplin kaum den nötigen Respekt zollte? Bei der erstbesten Gelegenheit äußerte er Unbehagen gegenüber der proletarischen Organisation und verwickelte die Mitglieder in fruchtlose Debatten über das, was er die »dogmatischen und undemokratischen Elemente im Leninismus«v nannte. Immer wieder prangerte er die undemokratische Struktur, die rigide Tendenz zu Disziplin und Hierarchie, Kompromissen und Halbwahrheiten an, ehe er die Trotzkisten im Groll wieder verließ.&lt;br /&gt;
New Yorker Verwerfungen&lt;br /&gt;
Unterdessen schwelte in der Redaktion der Partisan Review ein Konflikt über die politische Linie der Zeitschrift. Während die Gründungsredakteure Philip Rahv und William Phillips sich eher als Lobbyisten einer vagen intellektuellen Avantgarde betrachteten und die Zeitschrift nicht durch politisches Engagement im sich verschärfenden Klima nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gefährden wollten, war Macdonald bestrebt, die Partisan Review zu „repolitisieren“ und als Organ der intellektuellen Opposition gegen den Krieg neu orientieren, obgleich realiter sich diese im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg auf wenige Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer beschränkte. Im Machtkampf gegen Rahv und Phillips unterlag er schließlich und verließ die Partisan Review, um seine eigene Zeitschrift Politics herauszugeben, deren Autoren sich zum einen aus europäischen Linksintellektuellen wie Nicola Chiaromonte, Lewis Coser, Victor Serge und Niccoló Tucci, die Zuflucht in den USA gefunden hatten und sich in New York durchschlugen, zum anderen aus amerikanischen Nachwuchsintellektuellen wie Daniel Bell, Paul Goodman und C. Wright Mills, die dem „demokratischen Kapitalismus“ und der „permanenten Kriegsökonomie“ kritisch gegenüberstanden. &lt;br /&gt;
Krieg und Entmenschlichung&lt;br /&gt;
Anfangs bewegte sich Politics noch im linkstraditionalistischen Fahrwasser, ehe sie mit ihrer radikalen Kritik des Krieges zunehmend libertäre und pazifistische Positionen einnahm, auch wenn sie in ihrem moralischen Rigorismus zuweilen über das Ziel hinaus schoss. In seiner Kritik der Militärmaschine und der fortschreitenden Entmenschlichung und Atomisierung der Individuen lief Macdonald Gefahr, die Verantwortlichkeit der Menschen, insbesondere der Deutschen, zu bagatellisieren, als wären sie lediglich ohnmächtige Opfer der Maschinerien und Organisationen, ohne in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen. In seiner Drang, der gängigen „Teutonophobie“ zu widersprechen, unterlag er oft der Verführung, die Deutschen – beispielsweise auch gegen deutsche Emigranten wie Siegfried Kracauer (der in seinem Werk Von Caligari zu Hitler die These von der faschistisch infizierten, kranken deutschen „Kollektivseele“ vertrat) – zu verteidigen und vom Vorwurf der Kollektivschuld freizusprechen. Die Entrüstung über den Krieg zog sein Vermögen, die Ereignisse differenziert zu beurteilen, in Mitleidenschaft. Bedenkenlos stellte er die industrielle Vernichtung der europäischen Juden in eine Reihe mit der Bombardierung deutscher Großstädte. Mit seinen Landsleuten ging er hart ins Gericht und warf ihnen Indifferenz und mitleidloses Profitstreben vor, während er bei den Deutschen seinen moralischen Yardstick tiefer anlegte und sie vornehmlich als Opfer der alliierten „Eroberer” wahrnahm. Zum anderen war Politics von einem antirussischen Ressentiment geprägt: Die Deutschen wollte Macdonald vor dem Verdikt der Kollektivschuld bewahrt wissen, doch die Russen wurden allesamt als unmenschliche, gesichtslose Kreaturen aus der Bestienproduktion der sowjetischen staatseigenen Horrorfabrik subsumiert. Die Furcht vor der totalitären “roten” Gefahr als Bedrohung der westlichen Zivilisation begann, die Basis der kritischen Fakultäten anzufressen. Obwohl Politics später für die kritische Analyse der Prozesse, „in denen Individuen ihre Menschlichkeit verloren“vi (wie Daniel Bell schrieb) gerühmt wurde, war sie in ihrer ideologischen Fixierung stark ihrer Zeit verhaftet und konnte Menschen – sofern es sich um Exemplare aus russischer “Fabrikation” handelte – nicht als Individuen, sondern lediglich als Abziehbilder der westlichen Propaganda, als Untermenschen ohne Gefühl und Bildung wahrnehmen.&lt;br /&gt;
Normal ist der Tod&lt;br /&gt;
Das Neue an diesem Zeitalter sei, stellte Macdonald in seinem Essay „The Responsibility of Peoples” fest, dass die ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger von einzelnen psychopathischen Mördern begangen würden, sondern von den Herrschern und Dienern eines großen modernen Staates. Selbst die scheinbar Mächtigsten waren lediglich Objekte, wie die beliebig verform- und einsetzbaren Soldaten an den jeweiligen Fronten Instrumente des Apparates. Alle waren bloßes Rohmaterial im Produktionsprozess des Todes. Der Versuch, die Barbarei mit kriegerischen Mitteln auszulöschen, gebar nur neue Barbarei. Für Macdonald und viele Politics-Autoren war eine der gravierendsten Konsequenzen dieses Krieges die Mutation des Individuums zur willenlosen, roboterähnlichen Killermaschine, die ebenso wertlos war wie das Gegenüber, das mit Hilfe der perfektionierten Waffentechnologie vom Erdboden getilgt werden sollte. Der Krieg schien zu einer Institution zu werden, die ebenso Akzeptanz fand wie das Blutbad, das täglich auf den Schlachthöfen in Chicago angerichtet wurde. &lt;br /&gt;
        Die Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde, sprengte diese »verrückte und mörderische« Gesellschaft an die Endstation der menschlichen Existenz und katapultierte die amerikanischen Verteidiger der Zivilisation auf ein moralisches Niveau mit den deutschen „Bestien von Majdanek“, schrieb Macdonald in einer ersten Schockreaktion auf dem Titelblatt der Politics-Ausgabe vom August 1945. Die Bombe war in seinen Augen die dramatischste und erschütterndste Illustration des Irrtums der kollektiven Verantwortung, die er in „The Responsibility of Peoples“ analysiert hatte. Die Atombomben seien, argumentierte er in einem längeren Essay einen Monat später, das natürliche Produkt der funktionalen, entmenschlichten Massengesellschaft: Der perfekte Automatismus und das Fehlen jeglichen menschlichen Bewusstseins hätten die reibungslose Herstellung und „Verwertung” der Bombe ermöglicht. J. Robert Oppenheimer und dessen Kollegen betrachtete er nicht als Schöpfer dieser fürchterlichen Waffe, sondern als bloßes Rohmaterial, das wie Uranerz gefördert und ausgebeutet worden sei. Die Piloten, die die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, seien nur gefügige Werkzeuge in den Händen der politischen und militärischen Führung gewesen. Ähnliches galt für die an der Produktion beteiligten Arbeiter (die Armee dankte den Gewerkschaftsorganisationen AFL und CIO herzlich für die gute Kooperation) und die Angestellten der Großkonzerne DuPont, Eastman, Union Carbon &amp;amp; Carbide und der Harvard University. Sie alle fungierten als Techniker und Spezialisten, die einzig und allein „ihren Job machten”. Zur persönlichen Verantwortung könnten sie nicht gezogen werden, denn sie waren bloße Rädchen im Getriebe einer immensen Maschinerie, wo keiner der am Produktionsprozess Beteiligten den Überblick besaß, welche Höllenwaffe sie herstellten. &lt;br /&gt;
       Die Bombe stellte für Macdonald und den Politics-Zirkel die Fortexistenz der menschlichen Gattung an sich in Frage. Zum ersten Mal in der Geschichte sei sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, durch eigene Aktivität sich selbst auszulöschen und die Erde für alle Zeiten unbewohnbar zu machen. Das Marx’sche Wort, wonach die Menschheit sich keine Probleme schaffe, zu deren Lösung sie nicht fähig sei, musste bezweifelt werden, und revolutionäre Gewalt lief nicht allein Gefahr, die Humanität in ihren Anwendern zu zerstören, sondern in einer selbstmörderischen Spirale den Planeten und die Menschen auszulöschen, die Zivilisation auf einige wenige Wolken im Sternennebel zu reduzieren. Die blinde Fortschrittsgläubigkeit habe sie auf der scheinbar endlos in die Höhe sich ziehenden Wendeltreppe in die rote Wolke des Atompilzes geführt, erklärte Macdonald und befürwortete einen ebenso raschen wie radikalen Bruch mit den Fortschrittsideologien der westlichen Kultur. Auch der Marxismus teile mit dem überkommenen Liberalismus das ungebrochene Vertrauen in Wissenschaft und Fortschritt und stelle eher ein Hindernis auf dem Weg in eine bessere Zukunft (sofern diese überhaupt noch realisierbar war) dar, als dass er zur Überwindung der deprimierenden Verhältnisse beitrüge.&lt;br /&gt;
Hinwendung zum Anarchismus&lt;br /&gt;
         Obwohl Politics ursprünglich als demokratisch-sozialistische Zeitschrift gegründet worden war, deren kritisches Analyseinstrument der Marxismus hatte sein sollen, orientierte sie sich zunehmend am Anarchismus und Pazifismus und unterzog in einer Essayserie unter dem Titel „New Roads in Politics” den Marxismus einer ähnlichen harschen Kritik, wie es bereits Simone Weil nach dem Triumph des Nazismus und dem Versagen der Linken in Deutschland getan hatte: Kritisiert wurde vor allem die angeblich schematische Konstruktion des historischen Prozesses, das Fehlen einer moralischen Ethik, die Eliminierung des subjektiven Faktors und die „Verwissenschaftlichung” des Sozialismus, dessen Bewegung schließlich abwärts in den Totalitarismus geführt habe. Treibende Kraft in diesem Prozess der kritischen Bestandsaufnahme und Neuorientierung war der italienische Anarchist Nicola Chiaromonte, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gekämpft hatte und nach der Kapitulation Frankreichs über Casablanca nach New York geflohen war. Vor allem auf Macdonald übte er entscheidenden Einfluss aus und regte ihn zu seinem Essay „The Responsibility of Peoples” an. In der Folgezeit bestärkte Chiaromonte seinen Freund in seinen Zweifeln an der Tauglichkeit des Marxismus, eine vernünftige Einrichtung der Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation bewerkstelligen zu können, und überzeugte ihn, dass ein moralisch und ethisch begründeter Anarchismus die bessere Alternative darstelle. Aus seiner Zeit in Nordafrika kannte er Albert Camus und vermittelte nun den Kontakt zwischen den „New Yorkern” und den „Parisern”, um Europa-Amerika-Gruppen zu gründen: Ihr Projekt war ein internationales Netzwerk linker Intellektueller, die jenseits der sich formierenden Blöcke eine neue radikale, basisorientierte Politik in kleinen libertären Kommunen entwickeln sollten. &lt;br /&gt;
Abschied von gestern&lt;br /&gt;
       Die politische Situation gab wenig Anlass zu Hoffnungen auf bessere Zeiten und größere Veränderungen. In dieser Welt war Politik, schrieb Macdonald in einem Kommentar zur Truman-Doktrin im Frühsommer 1947, „eine Wüste ohne Hoffnung“. Als der Kalte Krieg an Schärfe zunahm, schwand allmählich Macdonalds Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt durch einen anarchistischen Pazifismus oder an eine dritte Alternative zu den existierenden Gesellschaftssystemen überhaupt. In seinen Augen war die Sowjetunion „die chauvinistischste und militaristischste Regierung auf der Welt“ und stellte eine noch größere Bedrohung dessen dar, woran er glaube, als es der Nazismus gewesen sei. Die Berlin-Blockade und die Ermordung Gandhis bedeuteten für ihn, dass auch der Pazifismus kein geeignetes Mittel war, um mit den hässlichen Realitäten fertig zu werden. Die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Indien galten ihm als Indiz dafür, dass es Gandhi nicht gelungen sei, das Konzept der Gewaltlosigkeit in den Massen zu verwurzeln (womit Macdonald gleichfalls sein Verharren im autoritär-leninistischen Konzept von „Führern” und „Massen” dokumentierte). Zudem hingen die Erfolgschancen eines gewaltlosen Widerstandes auch vom Moralkodex des Gegners ab, betonte er. Die Briten hätten nicht den Schritt zur äußersten Brutalität vollzogen, doch traute er dies den Sowjets zu, die vor keiner Gewalttat und Verletzung der Menschenwürde zurückschreckten, sodass sich der Pazifismus in einem solchen Fall als unbrauchbar erweise. &lt;br /&gt;
        Obwohl die Situation für den politischen Radikalismus immer hoffnungsloser zu werden schien und Macdonald nach Anfällen von Depression daran dachte, Politics einzustellen, rafften sich die New Yorker Intellektuellen im Frühjahr 1948 doch noch einmal zu einer gemeinsamen politischen Aktion auf und gründeten die Europa-Amerika-Gruppen. War es nach ausgiebigen Diskussionen endlich gelungen, dem Projekt eine Organisationsform zu geben, konnten sich die konkurrierenden Fraktionen auf kein einheitliches Programm einigen. Schließlich bildeten diese Gruppen die Basis für das antikommunistische Netzwerk Congress for Cultural Freedom, das im kulturellen Kalten Krieg eine entscheidende Rolle spielte.&lt;br /&gt;
       Eine neue Zeit war angebrochen, in der für ein kritisches Magazin wie Politics (trotz seines Antikommunismus) kein Platz mehr war. 1949 ging die Zeitschrift ein – vor allem aus Mangel an Geld und Motivation. Die Grundlage von Politics, der herrschenden Ordnung eine radikale Alternative entgegenzusetzen, war verschwunden. Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen oder auf die Herausbildung einer libertär-sozialistischen Opposition hatte Macdonald am Ende der vierziger Jahre nicht mehr: Die Welt war unter die beiden Imperialismen USA und UdSSR aufgeteilt worden. Äußerer Anlass für die resignative Aufgabe der Zeitschrift war eine finanzielle Krise: Die Produktionskosten waren derart in die Höhe gestiegen, dass Politics ein jährliches Defizit von sechstausend Dollar erwirtschaftete. Auch die Rücklagen aus seiner Fortune-Zeit waren aufgebraucht. Hinzu kamen persönliche Probleme: Noch immer litt er unter psychischen Depressionen, und seine Ehe ging in die Brüche. Schließlich fühlte er sich »sehr matt und müde« und wollte die Herausgabe seiner Zeitschrift nur für einige Zeit aussetzen, doch sollte es ein Abschied für immer werden.&lt;br /&gt;
        Das Ende von Politics bedeutete für Macdonald auch den Abschied von der politischen Kritik und das Ende seines dreizehnjährigen Forschungsurlaubs, nachdem er 1936 bei Luce gekündigt hatte. Seine lange Odyssee durch die zerklüfteten Landschaften (oder Wüsteneien) der “antistalinistischen” und später der “antikommunistischen” Linken, die mit den revolutionären Hoffnungen des Spanischen Bürgerkriegs und dem moralischen Kollaps des sowjetischen Experiments in den Moskauer Prozessen begann und mit der Blockpolarisation im Kalten Krieg endete, führte ihn schließlich dazu, das – in seinen Augen – kleinere Übel zu wählen. Er unterstütze „kritisch“ den politischen, ökonomischen und militärischen Kampf des Westens (der USA und ihrer Verbündeten) gegen den Osten (die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China), erklärte er 1952 öffentlich. Das Bekenntnis zur „kritischen” Unterstützung des Westens ging einher mit einem symbolischen Widerruf seiner kritischen linken oder radikalen Vergangenheit: Ausgerechnet beim New Yorker, den er in seinem ersten Beitrag für die Partisan Review 1937 in beißendem Spott verhöhnt hatte, heuerte er nun als Auftragsschreiber an und musste sich dem Niveau des liberalen Stadtpublikums anpassen, das kaum über jene sophistication, Belesenheit und Aufmerksamkeit verfügte, welche die Politics-Leser ausgezeichnet hatten. &lt;br /&gt;
In den 1960er Jahren arbeitete er als Filmkritiker für das Magazin Esquire und kehrte während des Vietnamkrieges und der Studentenbewegung für einige Jahre auf die Bühne der radikalen Politik zurück, ohne dass dies einen solch nachhaltigen Niederschlag wie zu seinen Politics-Zeiten gehabt hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellenwert Macdonalds im libertären Spektrum&lt;br /&gt;
Macdonald pflegte sich als konservativen Anarchisten zu bezeichnen. Schon in seiner „marxistischen“ Periode prägten ihn individualanarchistische Züge, die ihn gegen die Apparate und Bürokratie der jeweiligen Organisationen, in denen er tätig war, aufbegehren ließen. Vor allem in seiner Politics-Zeit versuchte er ein libertär-sozialistisches Konzept zu entwickeln, dem allerdings die Konsistenz und Stimmigkeit fehlte, da in seinem Denken libertäre Ideen mit autoritären Vorstellungen sich vermischten. Vor allem in seinem manifestartigen Essay „The Root is Man“ (1946), in dem er – im Vorgriff auf die Neue Linke – postulierte, das Persönliche sei das Politische, wollte er eine konkrete Utopie einer freien Gesellschaft entwerfen, wobei jedoch vieles undurchdacht blieb. Alle Ideologien, die das Opfer der Gegenwart zugunsten einer glücklicheren Zukunft forderten, erschienen ihm höchst verdächtig: Die Menschen sollten hier und jetzt glücklich sein und ihre spontanen Bedürfnisse befriedigen können. Wenn sie nicht genießen könnten, was sie taten, sollten sie es nicht tun. Endgültig müsse man sich vom marxistischen Fetischismus der Massen verabschieden, forderte er, denn die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins könne nur von einer radikalen, intellektuellen Minderheit ausgehen, nicht von jederzeit manipulierbaren Massen. Exemplarische Akte des Ungehorsams, der Respektlosigkeit und des Spotts gegenüber den herrschenden Autoritäten könnten eher einen Flächenbrand des Widerstands entzünden, meinte Macdonald, als die zermürbende und fruchtlose Plackerei in den „revolutionären Parteien”, welche die hierarchischen Strukturen des Staates im Kleinen reproduzierten. Ihre „subversiven” Ideen sollten die radikalen Intellektuellen abseits der herrschenden „Massenkommunikation” und der liberalen Medien verbreiten und eine radikale „Gegenöffentlichkeit” herstellen, die sich an kleine Gruppen, nicht an eine amorphe Masse wenden sollte. Der Bruch mit dem marxistisch-leninistischen Autoritarismus beschränkte sich nicht allein auf die Organisationsform, sondern umfasste auch die Kommunikationsformen: Anstatt grandiose Leerformeln auf eine atomisierte Masse mehr oder minder indifferenter Meinungskonsumenten niederprasseln zu lassen, sollten sich „bescheidene bedeutungsvolle Wahrheiten an ein kleines Publikum“ richten.&lt;br /&gt;
Obwohl Macdonald versuchte, ein zeitgemäßes anarchistisches Kozept zu etwickeln, das zweifelsohne nicht frei von eskapistischen Tendenzen frei war, erfuhr von anarchistischer Seite heftige Kritik. Holley Cantine, Herausgeber der  anarchistischen Zeitschrift Retort, meinte abschätzig, Macdonald verfüge  ungefähr über so viel philosophische Konsistenz wie ein Kaninchen. Für den „macdonaldistischen” Anarchismus konnte er sich nicht erwärmen, schon gar nicht, wenn Macdonald das unmittelbare Vergnügen an der Aktion zum entscheidenden Kriterium machte: Hierbei bestehe die Gefahr, dass die Verantwortungslosigkeit zum revolutionären Prinzip erhoben werde, wandte Cantine ein. Das menschliche Überleben hänge aber auch von Aktivitäten ab, die unangenehm seien und nicht lediglich Spaß bereiteten. Vieles erschien ihm an Macdonalds neuer politischer Philosophie noch unverdaut: Sie bedürfe einer mühevollen Bearbeitung, um die Ambiguitäten und inneren Widersprüche zu beseitigen. Während andere Macdonald seine politische Hakenschlagerei vorwarfen, bemängelte Cantine, dass sein Bruch mit dem Autoritarismus des Marxismus nicht radikal genug sei. Seine journalistischen Aktivitäten verhinderten, dass er genügend Zeit und Energie philosophischen Fragen widmen könne, wie es eine fundamentale Reorientierung erfordere.vii &lt;br /&gt;
In den frühen 1940ern entwickelte er parallel zu den Emigranten der „Frankfurter Schule“ eine Kritik der Massengesellschaft mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie der Dehumanisierung im technologisch geführten Krieg und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit. Massenkultur war hier lediglich ein Aspekt innerhalb einer entmenschlichten, funktionalen Massengesellschaft. In den 1950er Jahren koppelte sich jedoch die Kulturkritik in Folge der bipolaren Konfrontation zwischen dem westlichen und dem sowjetischen System von der Sozialkritik ab und schob die Schuld für die herrschenden Verhältnisse und die umgreifende „Unkultur“ der Halbbildung auf die „Massen“ ab. Die Kritik der Massenkultur reduzierte sich schließlich auf eine Topologie des unübersichtlichen Terrains, die Phänomene unter die Kategorien „the Good“, „the Bad“ und „the Ugly“ rubrizierte. Die Erniedrigung der Kunst erregte Macdonald mehr als die Erniedrigung der Menschen. &lt;br /&gt;
        &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen und Literatur&lt;br /&gt;
Bücher&lt;br /&gt;
*Against the American Grain, New York 1962.&lt;br /&gt;
*A Moral Temper: The Letters of Dwight Macdonald, hg. Michael Wreszin, Chicago 2001&lt;br /&gt;
*Discriminations : Essays &amp;amp; Afterthoughts, 1938-1974, New York 1974&lt;br /&gt;
*Interviews with Dwight Macdonald, hg. Michael Wreszin, Jackson 2003&lt;br /&gt;
*Memoirs of a Revolutionist: Essays in Political Criticism, New York 1957 (nachgedruckt als Politics Past, New York 1970)&lt;br /&gt;
*On Movies, Englewood-Cliffs 1969&lt;br /&gt;
*The Responsibility of Peoples and Other Essays in Political Criticism, London 1957&lt;br /&gt;
Artikel&lt;br /&gt;
*“A Theory of ‘Popular Culture’”, Politics, 1:1 (Februar 1944), S. 20-23&lt;br /&gt;
*“A Theory of Mass Culture”, in: Mass Culture: The Popular Arts in America, hg. Bernard Rosenberg und David Manning White, Glencoe 1957, S. 59-73&lt;br /&gt;
*“Atrocities of the Mind”, Politics, 2:8 (August 1945), S. 225-227&lt;br /&gt;
*“Eisenstein, Pudovkin and Others”, The Miscellany, Nr. 6 (März 1931), S. 18-46&lt;br /&gt;
*“Fascism - A New Social Order”, New International, 7:4 (Mai 1941), S. 82-85&lt;br /&gt;
*“Kulturbolschewismus Is Here”, Partisan Review, 8:6 (November-Dezember 1941), S. 442-451&lt;br /&gt;
*“Masscult and Midcult”, Partisan Review, 27:2 (Frühjahr 1960), S. 203-233, und Partisan Review, 27:4 (Herbst 1960), S. 589-631&lt;br /&gt;
*“National Defense: The Case for Socialism”, Partisan Review, 7:4 (Juli-August 1940), S. 250-266&lt;br /&gt;
*“Notes on a Strange War”, Partisan Review, 7:3 (Mai-Juni 1940), S. 170-175&lt;br /&gt;
*“Notes on the Psychology of Killing”, Politics, 1:8 (September 1944), S. 239-243&lt;br /&gt;
*“Pacifism and the USSR, A Discussion”, Politics, 5:3 (Sommer 1948), S. 146-149&lt;br /&gt;
*&amp;quot;Popular Culture: Field Notes”, Politics, 2:4 (April 1945), S. 112-116&lt;br /&gt;
*Soviet Society and Its Cinema”, Partisan Review, 6:2 (Winter 1939), S. 80-95&lt;br /&gt;
*“The German Catastrophe”, Politics, 4:1 (Januar 1947), S. 2-6&lt;br /&gt;
*“The Responsibility of Peoples”, Politics, 2:3 (März 1945), S. 82-93&lt;br /&gt;
*“The Root is Man”, Politics, 3:4 (April 1946), S. 97-115, und Politics, 3:6 (Juli 1946), S. 194-214&lt;br /&gt;
*“The Soviet Cinema: 1930-1938”, Partisan Review, 5:2 (Juli 1938), S. 37-50; und Partisan Review, 5:3 *(August-September 1938), S. 35-62&lt;br /&gt;
*“The Two Horrors”, Politics, 2:5 (Mai 1945), S. 130-131&lt;br /&gt;
*“Through the Lens Darkly”, Partisan Review, 14:5 (September-Oktober 1947), S. 526-528&lt;br /&gt;
*“Trotsky Is Dead: An Attempt at an Appreciation”, Partisan Review, 7:5 (September-Oktober 1940), S.  339-353&lt;br /&gt;
*“USA v. USSR”, Politics, 5:2 (Frühjahr 1948), S. 75-77&lt;br /&gt;
*“War and the Intellectuals: Act Two”, Partisan Review, 6:3 (Frühjahr 1939), S. 3-20&lt;br /&gt;
*“What is the Fascist State?”, New International, 7:2 (Februar 1941), S. 22-27&lt;br /&gt;
*“Why Politics?”, Politics, 1:1 (Februar 1944), S. 6-7&lt;br /&gt;
*[Mit Clement Greenberg]  “10 Propositions on the War”, Partisan Review, 8:4 (Juli-August 1941), S. 271-278&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgewählte Sekundärliteratur&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, “Déjà vu in Permanenz: Dwight Macdonalds Reisen durch die Landschaften des Grauens”, Schwarzer Faden, Nr. 77 (2004), S. 26-32&lt;br /&gt;
*Jörg Auberg, “Untergrundlinge und Loftmenschen: Intellektuelle in der Welt der Rackets”, Wespennest, Nr. 139 (Juni 2005), S. 93-98&lt;br /&gt;
*Holley Cantine, “Reviews: Politics”, Retort, 3:4 (Frühjahr 1947), S. 40-46&lt;br /&gt;
*Terry A. Cooney, The Rise of the New York Intellectuals: Partisan Review and Its Circle, 1934-1945, Madison 1986.&lt;br /&gt;
*Robert Cummings, “Resistance and Victimization: Dwight Macdonald in the 1940s”, New Politics (N. F.), 1:1 (Sommer 1986), S. 213-232  &lt;br /&gt;
*Paul R. Gorman, Left Intellectuals and Popular Culture in Twentieth-Century America., Chapel Hill 1996&lt;br /&gt;
*Irving Howe, A Margin of Hope: An Intellectual Autobiography, New York 1982&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe, New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, The End of Utopia Politics and Culture in an Age of Apathy, New York 1999&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, Critical Crossings: The New York Intellectuals in Postwar America, Berkeley 1991&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, The New York Intellectuals Reader, New Yok 2007&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, “The New York Intellectuals and Mass Culture Criticism”, Journal of American Culture, 12:1 (Frühjahr 1989), S. 87-95&lt;br /&gt;
*Neil Jumonville, “The New York Intellectuals’ Defence of the Intellect”, Queen's Quarterly, 97:2 (Sommer 1990), S. 290-304&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, “Ivy League Gentiles and Inner-City Jews: Class and Ethnicity Around Partisan Review in the Thirties and the Forties”, American Jewish History, 80:3 (März 1991), S. 325-343&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, “Partisan Review and the Second World War”, Salmagundi, Nr. 43 (Winter 1979), S. 108-129&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, “The New York Family”, Queen's Quarterly, 83:4 (Winter 1976),   S. 556-573&lt;br /&gt;
*S. A. Longstaff, “The New York Intellectuals and the Cultural Cold War: 1945-1950”, New Politics (N. F.), 2:2 (Winter 1989), S. 156-170&lt;br /&gt;
*Mary McCarthy, Intellectual Memoirs: New York 1936-1938, New York, 1992&lt;br /&gt;
*Constance Ashton Myers, The Prophet's Army: Trotskyists in America, 1928-1941, Westport 1977&lt;br /&gt;
*Frances Stonor Saunders, Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War, London 2000&lt;br /&gt;
*Gregory D. Sumner, Dwight Macdonald and the Politics Circle, Ithaca 1996&lt;br /&gt;
*Harvey M. Teres, Renewing the Left: Politics, Imagination, and the New York Intellectuals, New York 1996&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, Œuvres, Bd. 24, hg. Pierre Broué, Paris 1987&lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, “Hue and Cry Over Kronstadt”, New International, 4:4 (April 1938), S. 103-106.&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald, The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s, Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, “Horrors – Theirs and Ours: The Politics Circle and the Good War”, Radical History Review, Nr. 36 (September 1986), S. 9-25.&lt;br /&gt;
*Robert Westbrook, “The Responsibility of Peoples: Dwight Macdonald and the Holocaust”, in: America and the Holocaust: Holocaust Studies Annual, Bd. 1, hg. Jack Fischel und Sanford Pinsker. Greenwood 1984, S. 35-68&lt;br /&gt;
*Stephen J. Whitfield, A Critical American: The Politics of Dwight Macdonald, Hamden 1984&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, The New York Intellectuals: From Vanguard to Institution, Manchester 1995&lt;br /&gt;
*Hugh Wilford, “An Oasis: The New York Intellectuals in the Late 1940s”, Journal of American Studies, 28:2 (August 1994), S. 209-223&lt;br /&gt;
*Michael Wreszin, A Rebel in Defense of Tradition: The Life and Politics of Dwight Macdonald, New York 1994&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Marxismus</title>
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				<updated>2007-04-02T20:27:28Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: /* Nach dem Untergang */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Sachthemen|Lexikon der Anarchie: Sachthemen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Marx-Denkmal Chemnitz.jpg|thumb|right|240px|Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz (ehemals Karl-Marx-Stadt)]]&lt;br /&gt;
==Einleitung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Anarchismus und Marxismus ist seit je von Spannungen und Feindseligkeiten gekennzeichnet, beginnend mit dem heftigen Disput zwischen Michail Bakunin und Karl Marx in der Ersten Internationale. Vom &amp;quot;mitgeborenen Feind&amp;quot; bedroht, haben Marxisten jeglicher Provenienz den Anarchismus oft als kleinbürgerlich-utopische, pseudorevolutionäre Doktrin diffamiert, welche die Arbeiterklasse desorientiere und realiter der bürgerlichen Reaktion in die Hand arbeite. In den Augen Friedrich Engels stellte er eine &amp;quot;hanswurstische Karikatur&amp;quot; der proletarischen Bewegung dar, die nur den Regierungen in Europa und Amerika nütze (''MEW'', Bd. 35), und für Lenin, einen Zweifrontenkrieg gegen den linken Radikalismus und den sozialdemokratischen Opportunismus führend, war der Anarchismus &amp;quot;nicht selten eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung&amp;quot; (Der &amp;quot;linke Radikalismus&amp;quot;). Wo der Anarchismus die Hegemonie der Marxisten über die internationale Arbeiterbewegung gefährdete, wurde er wie ein gefährlicher Virus isoliert oder ausgemerzt, aber doch verweste er nicht auf der &amp;quot;Müllhalde der Geschichte&amp;quot;, sondern tauchte immer wieder in der  politischen Arena auf, um den &amp;quot;feindlichen Bruder&amp;quot; stets aufs neue herauszufordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Marx' Konzept der sozialen Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Beginn an scheint es zwischen Anarchisten und Marxisten der lediglich Differenzen bezüglich der Wahl der Mittel, nicht aber der Ziele gegeben zu haben. &amp;quot;Marx hat&amp;quot;, sagte Theodor W. Adorno, &amp;quot;während der Jahre seines Lebens, die er darauf verwandte, den Anarchismus zu kritisieren, nicht einen herrschaftsfreien Zustand hintertreiben wollen, sondern meinte, dass durch bestimmte kurzschlüssige Aktionen das, was ihm vorschwebte, hintertrieben werde&amp;quot; (''Soziologische Schriften I''). Die Unterschiede waren jedoch weitaus gravierender. Marx zufolge sollte das disziplinierte, zentral geführte Proletariat die Staatsgewalt ergreifen und die Produktionsmittel in Staatseigentum umwandeln. In diesem Transformationsprozess würden die Unterschiede und Gegensätze der Klassen und damit auch der Staatsapparat als repressives Instrument der Klassenherrschaft allmählich aufgehoben. Seien die Klassen abgeschafft, meinte Marx, &amp;quot;so verschwindet die Gewalt des Staates, welche dazu dient, die große produzierende Mehrheit unter dem Joche einer wenig zahlreichen ausbeutenden Minderheit zu halten, und die Regierungsfunktionen verwandeln sich in einfache Verwaltungsfunktionen&amp;quot; (''MEW'', Bd. 18). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchistische Staatskritik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anarchistische Kritik geht freilich über den bloßen Klassencharakter des Staates hinaus: In ihrer Essenz wendet sie sich gegen jegliche Form von Herrschaft und Hierarchie, die nicht allein durch die &amp;quot;Abschaffung&amp;quot; oder das &amp;quot;Absterben“ des Staates überwunden wäre. In Marx' Schema war der voll entwickelte Kapitalismus Vorbedingung für den Sozialismus und die Zentralisation unentbehrlich für den gesellschaftlichen Fortschritt, denn sie zeitige nur solange Herrschaft, da sie Teil der bürgerlichen Entwicklung sei. In einer revolutionären Gesellschaft dagegen würde sie weder zum Anwachsen der Bürokratie führen noch wäre diese zum Erreichen der Zivilisation notwendig. &amp;quot;Die Zertrümmerung der Staatsmaschinerie wird die Zentralisation nicht gefährden&amp;quot;, schrieb er 1852. &amp;quot;Die Bürokratie ist nur die niedrige und brutale Form einer Zentralisation, die noch mit ihrem Gegensatze, dem Feudalismus, behaftet ist&amp;quot; (''MEW'', Bd. 8). Die Möglichkeit, dass noch größere Zentralisation und technologische Entwicklung einen neuen Bürokratismus, der wenig oder nichts mit den feudalistischen Traditionen zu tun hätte, hervorbringen könnten, fand bei Marx keine ernsthafte Betrachtung. Die &amp;quot;provisorische&amp;quot; Übernahme des Staates und der kapitalistischen Produktionsformen, die nicht von ihren hierarchischen Strukturen befreit sind, produziert neue Herrschaft, lässt eine neue Klasse sich konstituieren, deren Macht im Anwuchs zentralisierter Planung und spezialisierter Technik sich gründet, die auf die Funktionen früherer Bürokratien zurückgreift und eine etatistische Ideologie zur Legitimierung der eigenen Existenz benutzt. Die Indienstnahme von Wissenschaft und Technik begünstigt eine politisch-bürokratische Struktur, in der eine überwiegende Mehrheit von einer privilegierten Minderheit beherrscht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bakunin und der Autoritarismus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bakunin sah die Gefahr, dass eine von &amp;quot;autoritären Kommunisten&amp;quot; (d. h. Marxisten) geführte Revolution &amp;quot;die durch Dekrete beherrschten Volksmassen von neuem zum Gehorsam, zur Unbeweglichkeit, zum Tod verurteilen würde, das heißt zur Sklaverei und Ausbeutung durch eine neue quasi-revolutionäre Aristokratie&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3). Die von  Marx als &amp;quot;vorübergehend&amp;quot; konzipierte Diktatur laufe, so Bakunin, nur auf deren Verewigung hinaus und zementiere das Prinzip der Herrschaft. Da Marx den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in einer strengen Abfolge historischer Etappen sah, betrachtete er das Proletariat weniger als selbstbewusstes revolutionäres Subjekt, von dessen autonomen Aktionen das Gelingen der sozialen Revolution abhänge, denn als Objekt der &amp;quot;Geschichte&amp;quot;. Bedingt durch seine materielle Situation verfüge das Proletariat nicht über ein ausreichendes Bewusstsein, und daher bedürfe es einer revolutionären Avantgarde, die &amp;quot;theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung&amp;quot; voraus habe (''MEW'', Bd. 4). Zwar gestand er den proletarischen Massen eine gewisse Dosis an &amp;quot;Selbsttätigkeit&amp;quot; zu, doch ist dieser Begriff weit eingegrenzter als jener der &amp;quot;Spontaneität“, der das &amp;quot;historische Recht&amp;quot;der Avantgarde auf die Führung des Proletariats aufs Spiel hätte setzen können. In den Augen Bakunins barg diese autoritäre Konzeption bereits den Keim einer neuen unfreien Gesellschaft in sich. Beharrlich insistierte er darauf, dass Freiheit &amp;quot;nur durch Freiheit&amp;quot; geschaffen werden könne, &amp;quot;durch die freie Organisation der Arbeitermassen von unten nach oben&amp;quot; (''Staatlichkeit und Anarchie''). Die &amp;quot;rote Bürokratie&amp;quot;, die er herannahen sah, realisierte sich  im Stalinismus. Doch auch seine Konzeption der sozialen Revolution war nicht frei von Fragwürdigkeiten. Zwar projektierte er die Avantgarde als &amp;quot;revolutionären Generalstab&amp;quot;, der sich damit begnügte, als &amp;quot;Vermittler zwischen der revolutionären Idee und den Volksinstinkten&amp;quot; zu dienen, doch redete er auch von einer &amp;quot;Diktatur ohne Schärpe, ohne Titel, ohne offizielles Recht, die desto mächtiger ist, weil sie keinen Anschein der Macht hat&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus das &amp;quot;falsche Bewusstsein einer kulturellen Bourgeoise, die radikalisiert worden ist&amp;quot; (Alvin W. Gouldner, ''The Future of Intellectuals''), so lief der &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; stets Gefahr, über die berechtigte Kritik an der &amp;quot;neuen Klasse&amp;quot; von Funktionären und Bürokraten in einen dumpfen Anti-Intellektualismus umzuschlagen, der im &amp;quot;kulturellen Kapital&amp;quot; der Intellektuellen einzig ein Mittel zur Unterdrückung der Massen sah. Wie im Nachhinein Marx die geistige Urheberschaft für den stalinistischen Gulag aufgebürdet wird, so ereilt Bakunin das Verdikt, mit seinem Insistieren auf einer Destruktion alles Bestehenden und einer Abschaffung jeglicher Privilegien den Boden für menschenverachtende Exzesse in der chinesischen Kulturrevolution bereitet zu haben. Der Maoismus war, in dieser Sichtweise, die Adaptierung des Marxismus hin zum &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; in seinem anderen historischen Terrain (Alvin W. Gouldner, ''Against Fragmentation''). Diese Interpretation unterschlägt aber, dass Bakunin nicht die Intellektuellen unter Kontrolle bringen und sie einem &amp;quot;radikalen Egalitarismus&amp;quot;, einem totalitären System repressiver Gleichheit unterwerfen wollte: Ihm ging es – wie Marx – um die Emanzipation des Subjekts von den herrschenden Verhältnissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lenins Ultrazentralismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus ursprünglich eine anti-etatistische Theorie (so vage sie sein mochte), geriet er in der leninistischen Version in eine unauflösbare Verbindung mit der Idee der Staatsaktivität. Lenin trieb die Sorge um, von plötzlich auftretenden, nicht kanalisierten Kräften der Arbeitermassen fortgeschwemmt zu werden, eben jener Massen, die lediglich ein trade-unionistisches Bewusstsein besäßen und nicht in der Lage seien, über die ökonomische Beziehungssphäre zwischen Arbeitern und Unternehmern hinauszudenken. Spontaneität war für ihn Ausdruck der bürgerlichen Ideologie, der sozialistisches Bewusstsein unterdrücke. Daher bestehe die unbedingte Notwendigkeit, Spontaneität in jeder Form zu bekämpfen. Eine revolutionäre Avantgardepartei mit Berufskadern und quasi-militärischen Befehlsstrukturen sollte von außen politisches Klassenbewusstsein in die Massen hineintragen, diese durch Organisation von oben erziehen und dirigieren. Lenin war ein &amp;quot;Techniker&amp;quot; der Revolution, dem die Methoden, Instrumente und Organisationsmittel allemal wichtiger waren als die Emanzipation von Herrschaft und Hierarchie. Mit der Übernahme des Staatsapparates sicherten sich die Bolschewiki das notwendige Herrschaftsinstrumentarium, und mittels des vom kapitalistischen Profitstreben gereinigten tayloristischen Systems sollten die Disziplin der Werktätigen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten gehoben und die Arbeitsintensität gesteigert werden. Da vor der menschlichen Emanzipation die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen werden mussten, wurde die aktive Beteiligung der Massen in eine mystische Zukunft hinausgeschoben. Im leninistischen Modell entbehrten die vagen demokratischen, libertären Ausführungen von ''Staat und Revolution'' (1917) einer jeglichen strukturellen Basis, so dass sie zu keiner Zeit ernsthaft in Lenins revolutionäre Strategie zu integrieren waren. Der bürokratische Zentralismus unterwarf die Arbeiterinnen einer neuen Herrschaftsschicht und eliminierte jegliche Form des autonomen Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Abweichung von der herrschenden Doktrin, äußerte sie sich in der direkten Aktion oder dem Streben nach Selbstverwaltung, wurde unterdrückt, klagte sie doch den simultanen Ablauf von wirtschaftlichem Aufbau und menschlicher Emanzipation ein und stellte die Avantgarde in Frage. Da der Anarchismus als &amp;quot;umgestülpter bürgerlicher Individualismus&amp;quot; die &amp;quot;vereinigende und organisierende Kraft der Staatsmacht&amp;quot; negiere (''Anarchismus und Sozialismus''), musste er - wenn er sich bedrohlich manifestierte - ausgelöscht werden. Im leninistischen Staatsbetrieb duldete das Management keine Auflehnung, sondern forderte Unterwerfung und Disziplin ein, um das Plansoll zu erreichen. Die ungeschmälerte Freiheit lag dabei außerhalb der Vorgaben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Lenin als &amp;quot;Disziplin&amp;quot; drapierte Beherrschung der Mehrheit durch eine privilegierte Minorität, die Auffassung, es reiche aus, wenn der Dirigentenstab der Bourgeoisie von einem revolutionär sich wähnenden Zentralkomitee entrissen werde, stieß schon früh auf die Kritik Rosa Luxemburgs, die als erste marxistische Theoretikerin den Begriff der Spontaneität ins Spiel brachte. Nicht sei es das Ziel, die Arbeiterinnen zum Kadavergehorsam zu erziehen, sondern vielmehr sollte  sich die Partei auf die Rolle eines Sprechers und Transformators der Massenenergie beschränken, lediglich als &amp;quot;Dolmetscher des Massenwillens&amp;quot; agieren. Die gescheiterte russische Revolution von 1905 kommentierend, entwarf sie das Konzept des &amp;quot;Massenstreiks&amp;quot;, der sich im Wesentlichen nicht vom anarchosyndikalistischen Generalstreik unterschied. Dass sie diese Taktik zur Aufnahme ins sozialdemokratische Arsenal empfahl, bedeutete ihrer Ansicht nach nicht eine &amp;quot;Ehrenrettung des Anarchismus&amp;quot;, sondern dessen &amp;quot;geschichtliche Liquidierung&amp;quot;. Die Revolution habe gezeigt, dass der Anarchismus &amp;quot;zum Aushängeschild für gemeine Diebe und Plünderer&amp;quot; geworden und nur &amp;quot;wie ein Rudel Haifische hinter dem Schlachtschiff der Revolution&amp;quot; hergeschwommen sei (''Schriften zur Theorie der Spontaneität''). Trotz dieser Denunziation war  Luxemburg mit ihrem Beharren auf der Aktivität der Massen nicht weit entfernt von anarchistischen Modellen, von einem Sozialismus, der von ArbeiterInnenräten von unten nach oben angetrieben würde. &amp;quot;Rosa Luxemburg ist&amp;quot;, meinte Daniel Guérin, &amp;quot;eines der verbindenden Elemente zwischen dem Anarchismus und dem authentischen Marxismus&amp;quot; (''L'anarchisme''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Augen Antonio Gramscis ignorierten &amp;quot;Spontaneisten&amp;quot; und Anarchisten vollkommen die Hegemonie der Bourgeoisie, wenn sie sich voller Optimismus auf direkte Aktionen der Massen  verließen, ohne aufkommende Oppositionsbewegungen so zu formen, dass sie eine tatsächliche Herausforderung des bestehenden Systems darstellten. Von der unbedingten Notwendigkeit von Staat, Partei und Autorität überzeugt, vertrat er die Auffassung, dass die anarchistischen Arbeiterinnen nicht Staat und Eigentum an sich bekämpften. sondern nur deren kapitalistischen Auswuchs. Der die Macht ergreifende &amp;quot;Arbeiterstaat&amp;quot; würde auch ihnen Freiheit und die Verwirklichung proletarischer Ideale eröffnen, als zentralisierte Macht sie vor Reaktion und Konterrevolution schützen. Im revolutionären Kampf agiere die Partei beispielgebend und wirke auf die Massen anspornend ein. Allein auf die Spontaneität sich zu verlassen und nicht systematisch am kreativen revolutionären Werk zu arbeiten, sei bloße Illusion von  Ideologen und unbewusste Konterrevolution im voraus. Gramsci strebte eine Synthese von organisierter Planung und spontanen Elementen an. Zur revolutionären Umgestaltung seien sowohl die aktiven Massen als auch intellektuelle &amp;quot;Führer“ notwendig, die eher ideologische oder pädagogische denn instrumentelle Funktionen ausüben sollten. In gewisser Weise ähnelt dies der bakunistischen Vorstellung von den &amp;quot;Geburtshelfern der Revolution&amp;quot;, deren latentes autoritäre Gedankengut bei  Gramsci sich noch verstärkte. Da die Arbeiterklasse aufgrund der fehlenden ökonomischen Basis keine eigenen organischen Intellektuellen hervorzubringen vermöge, sei einzig die Avantgardepartei des Proletariats dazu fähig, politische Intellektuelle heranzubilden, welche die &amp;quot;revolutionäre Sache&amp;quot; vorantreiben könnten. Wie alle marxistischen Theoretiker sah er in Anarchisten bloße romantische Tollköpfe, die das Proletariat in Verwirrung stürzten und ins Verderben trieben. &amp;quot;Wer Herr der Geschichte ist und ihr den Rhythmus des Fortschritts aufzwingt&amp;quot;, erklärt er 1919, &amp;quot;wer das sichere und unaufhaltsame Fortschreiten der kommunistischen Zivilisation bestimmt, das sind nicht die 'Halbstarken', das ist nicht das Lumpenproletariat, das sind nicht die Bohemiens, die Dilettanten, die langhaarigen und frenetischen Romantiker, sondern das sind die großen Massen der klassenbewussten Arbeiter, die stählernen Bataillone des bewussten und disziplinierten Proletariats.&amp;quot; Im militaristischen Jargon wurde der &amp;quot;Geist der Verantwortung&amp;quot; beschworen, der &amp;quot;so schneidend und unversöhnlich&amp;quot; wie das &amp;quot;Schwert eines Scharfrichters&amp;quot;sein müsse,und angedroht wurde die grausame Notwendigkeit, Unfolgsamen &amp;quot;Disziplin und Treue mit Waffengewalt&amp;quot; aufzuzwingen, &amp;quot;um das gesellschaftliche Ganze vor dem Zusammenbruch und dem Verderben zu retten&amp;quot; (''Der Staat und der Sozialismus'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leo Trotzki und die antistalinistische Opposition==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihre bürgerlichen Opponenten glaubten Marxisten an die Wissenschaft, Fortschritt und Erfolg und machten die wissenschaftliche und industrielle Rationalität zu ihrer eigenen. Stalin, der markanterweise 1906 mit einer dumpfen Tirade gegen den Anarchismus erstmals in Erscheinung getreten war, verdankte seine Popularität bei vielen westlichen Linken und liberalen fellow-travellers in den dreißiger Jahren dem Image des Erfolgsmenschen, der allen Widrigkeiten zum Trotz eine neue, bessere Welt schaffen wollte. In einer Zeit, da Depression, Faschismus und Krieg die menschliche Existenz bedrohten, erschien er als &amp;quot;flexibler&amp;quot; und &amp;quot;pragmatischer&amp;quot; Praktiker, der die &amp;quot;konkrete Utopie&amp;quot; vom &amp;quot;Sozialismus in einem Land&amp;quot; zu realisieren trachtete. Andere Alternativen wie Rätekommunismus oder Anarchismus galten den meisten Linken als realitätsferne Modelle, die den Anforderungen der Praxis nicht standhalten konnten. Sozialismus und Marxismus wurden mit dem &amp;quot;Fortschritt&amp;quot; in der Sowjetunion gleichgesetzt. Selbst Leo Trotzki, von den Stalinisten ins Exil getrieben, rückte davon nicht ab. Als einige seiner Anhänger die UdSSR als &amp;quot;bürokratischen Kollektivismus&amp;quot;, als bloßen Unterdrückungsapparat einer neuen Herrschaftsklasse geißelten, insistierte er, dass die sowjetische Bürokratie (die er den rückständigen Verhältnissen anlastete) lediglich ein &amp;quot;episodischer Rückfall&amp;quot; sei. Vom zweiten Weltkrieg erhoffte er sich eine neuerliche sozialistische Revolution, die mit der Bürokratie aufräumte und eine Resurrektion der &amp;quot;sowjetischen Demokratie&amp;quot; auf einer weitaus höheren ökonomischen und kulturellen Ebene als 1918 bewirkte. Sollte diese Revolution ausbleiben, befürchtete er den Untergang der Zivilisation. Der bürokratische Rückfall wäre dann der organischen Unfähigkeit des Proletariats zuzuschreiben, zur herrschenden Klasse zu werden. Das sowjetische System wäre somit der Prototyp eines neuen Ausbeuterregimes im internationalen Maßstab. Wenn das Weltproletariat als unfähig sich erweise, die Mission zu erfüllen, die ihm die Geschichte anvertraut habe, bleibe nur einzugestehen, dass das auf den inneren Widersprüchen beruhende sozialistische Programm als bloße Utopie sich entlarvt habe, und der Zusammenbruch aller Hoffnungen auf eine sozialistische Revolution wäre die Folge, denn noch günstigere Bedingungen als nun seien nicht zu erwarten (''L'U.R.S.S. dans la guerre''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich blieb die Revolution aus, und mit seiner Prophezeiung stieß L. Trotzki seine Anhänger in eine tiefe demoralisierende Krise. Wie viele Intellektuelle seit Marx hielt er Ausschau nach einem historischen Agenten, der die ersehnte Transformation herbeiführte. Aufgebürdet wurde diese Aufgabe einem mythologisierten Kollektiv namens &amp;quot;Proletariat&amp;quot;, dessen revolutionäre Kraft zunächst einmal Projektion von Intellektuellen war, die auf diese Weise die eigene Ohnmächtigkeit kompensierten, indem sie anderen vorschrieben, wann und wo welche Aktion zu unternehmen sei, um eine bessere Welt herbeizuführen. Auch wenn marxistische Oppositionsgruppen mit Vehemenz den Stalinismus attackierten, blieben sie doch im Autoritarismus verstrickt, beanspruchten die gleiche autoritäre Machtposition, die sie ihren Rivalen vorwarfen. &amp;quot;Die revolutionäre Bewegung spiegelt den Zustand, den sie angreift, negativ wider&amp;quot; (Max Horkheimer, ''Autoritärer Staat''). Dies traf nicht allein auf sektiererische Zirkel zu, die immer wieder die alten Dogmen bis zur Besinnungslosigkeit repetierten und gegen die realen Verhältnisse sich abschotteten, sondern auch auf jene Gruppen wie die Situationisten, die in den 1950er und 1960er Jahren die alten Verkrustungen von Marxismus und Anarchismus aufzubrechen hofften. Ihnen schwebte eine sofortige Realisierung des Reichs der Freiheit vor, in dem alle Formen von Verdinglichung und Entfremdung in ihrer Totalität abgeschafft und durch Formen unbeschränkter Subjektivität ersetzt wären. Trotz aller Kritik an Marx, Bakunin, Lenin, Trotzki und  Georg Lukács hielten sie an der &amp;quot;historischen Mission&amp;quot; des Proletariats fest, das als &amp;quot;Klasse des Bewusstseins&amp;quot; in ihren Schriften fungierte: Ihm wurde die Aufgabe überantwortet, die Trennung von Subjekt und Objekt, Praxis und Theorie, Politik und Verwaltung in der &amp;quot;spektakulären Warengesellschaft&amp;quot; zu überwinden. Das Proletariat sei, postulierte Guy Debord als theoretisches Mundstück der Situationisten, &amp;quot;das in dieser Gesellschaft wirkende Negative&amp;quot; (''Die Gesellschaft des Spektakels''). Zwar postulierten sie eine neue revolutionäre Praxis im &amp;quot;alltäglichen Leben&amp;quot; ohne Autorität, Parteikader oder bürokratische Apparate, doch ahmten sie in einer grotesken Parodie leninistische Praktiken nach: Die selbst ernannte revolutionäre Avantgarde, die vorgeblich im Namen des &amp;quot;Proletariats&amp;quot; agierte, schuf sich eine exklusive internationale Mikro-Organisation mit einem Zentralrat, einem Chefideologen und einem Zentralorgan und schwang sich zu Führern der angeblich bewusstlosen Massen auf. Wie Marx in seinen Kämpfen um die Machtposition in der revolutionären Bewegung Widersacher von Wilhelm Weitling bis  Bakunin dadurch auszustechen suchte, indem er ihre intellektuelle Fähigkeiten in Misskredit brachte und ihre vorgebliche Ignoranz öffentlich bloßzustellen trachtete, so warf Debord all sein intellektuelles Kapital in die Waagschale, um zu demonstrieren, dass er allein über die &amp;quot;richtige&amp;quot; und &amp;quot;wahre&amp;quot; Theorie verfügte, und per Exklusionspolitik entledigte er sich jener Konkurrenten, die seine Autorität und seien Führungsanspruch hätten unterminieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Marxismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma bestand darin, dass sich selbst diese &amp;quot;Outlaw-Marxisten&amp;quot; (Alvin W. Gouldner) als Führungskräfte verstanden, die Theorien erarbeiteten und Direktiven ausgaben, denen andere zu folgen hatten. Damit reproduzierten die &amp;quot;revolutionären Linksintellektuellen&amp;quot; aber lediglich die &amp;quot;Laster der bürgerlichen Gesellschaft&amp;quot;, wie Simone Weil 1934 kritisierte. &amp;quot;Unsere gesamte Zivilisation beruht auf der Spezialisierung, was die Knechtung der Ausführenden durch die Führenden bewirkt. Und auf einer solchen Basis kann man die Unterdrückung nur organisieren, aber nicht vermindem&amp;quot; (Unterdrückung und Freiheit). Pessimistisch, nach dem Triumph des Nazismus in Deutschland, erklärte sie, dass von den Menschen keine Hilfe zu erhoffen sei, und gerade das Proletariat erwies sich nicht als &amp;quot;Totengräber&amp;quot; des Kapitalismus. In dieser Gesellschaft setzten sich Rackets durch, exklusive, Macht ausübende und totale Unterwerfung einfordernde Cliquen, schrieb Max Horkheimer im amerikanischen Exil. Diese Herrschaftsform prägte auch die kommunistischen Parteien und die Gewerkschaften. &amp;quot;Das Racket-Muster, wie es für das Verhalten der Herrschenden gegenüber den Beherrschten typisch war, ist jetzt repräsentativ für alle menschlichen Beziehungen, selbst für die innerhalb der Arbeiterschaft. Der Unterschied zwischen dem Racket im Kapital und dem in der Arbeit liegt in der Tatsache, dass beim kapitalistischen Racket die gesamte Klasse profitiert, während das Racket der Arbeit als Monopol nur für ihre Führer und für die Arbeiteraristokratie fungiert. Die arbeitenden Massen sind die Objekte beider Formen; sie müssen das Ganze nur bezahlen&amp;quot; (''Zur Soziologie der Klassenverhältnisse''). Der Mythos von den &amp;quot;stählernen Bataillonen des bewussten und disziplinierten Proletariats&amp;quot; erwies sich aber gegenüber dieser Kritik als resistent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Neuen Linken triumphierte schließlich eine groteske &amp;quot;Proletophilie&amp;quot;, welche die Gründung zahlloser leninistischer Polit-Sekten beförderte. All der alte Mist komme wieder, kommentierte Murray Bookchin (''Post-Scarcity Anarchism'') diese Entwicklung der pseudo-historischen Retro-Inszenierungen in den späten 1960ern. Für ihn war die Fabrik nicht der einzig entscheidende Ort der Auseinandersetzung; vielmehr müssten alle menschlichen Lebensbereiche in den Kampf um revolutionäre Veränderungen eingeschlossen werden. Es sei ein Irrtum der marxistischen Theorie, lediglich die ökonomische Ausbeutung zu bekämpfen, während andere Herrschaftsformen weiterbeständen oder gar ausgedehnt würden. Bookchin hielt die Vorstellung von Marxisten und Anarchosyndikalisten, ein System der Herrschaft und Hierarchie könne durch Selbstverwaltung überwunden werden, für simplistisch, denn diese taste nicht alle übrigen Formen der Unterdrückung in der bürgerlichen Gesellschaft an. &amp;quot;Soziale Verzerrungen und Regressionen können nicht länger in erster Linie durch Eigentumsverhältnisse erklärt noch allein durch sozio-ökonomische Maßnahmen, wie etwa Verstaatlichung, Kollektivierung oder ,Arbeitsplatzdemokratie', berichtigt werden. Denn was all diese angebotenen Lösungen der vergifteten Natur der modernen Gesellschaft explodieren lässt, ist das angeschwollene Legat von Befehls- und Gehorsamsbeziehungen – mit einem Wort: Hierarchie als grundlegenderes Substrat aller Klassenbeziehungen&amp;quot; (''Were We Wrong?''). &lt;br /&gt;
In den Augen Bookchins boten weder Marxismus noch Anarchosyndikalismus Gewähr für eine radikale Umgestaltung des Bestehenden. Allein ein ökologisch und kommunitär orientierter Anarchismus könne die ungeschmälerte Freiheit realisieren und sei Garant dafür, dass ein revolutionäres Projekt nicht allmählich in Formen der Theorie und Praxis abgleite, die inhärent anfällig für opportunistische Kompromisse seien. Zielpunkt seiner oft harschen und polemischen Kritik sind vor allem neo-marxistische Akademiker, denen er vorwirft, sie hätten sich aus der Gesellschaft in universitäre Zirkel zurückgezogen und lieferten keinen Beitrag zur emanzipatorischen Praxis. Anstatt zu helfen, die Welt zu verändern, interpretierten sie sie lediglich, was sie in krassen Gegensatz zu Marx stelle (''Beyond Neo-Marxism''). In ihrer Jugend als &amp;quot;Neue Linke&amp;quot; aufgebrochen, um die Institutionen des Staates zu &amp;quot;demokratisieren&amp;quot; und zu &amp;quot;politisieren&amp;quot;, zu verändern und neu zu gestalten, wurden diese Veteranen des &amp;quot;langen Marsches&amp;quot; von diesen Institutionen ge- und verformt. Auf den akademischen Territorien der Herrschaft hat der Marxismus mit seinen verschiedenen Ausprägungen ein Refugium gefunden und ist selbst Teil des &amp;quot;akademischen Rackets&amp;quot; (Max Horkheimer) geworden, während seine Beiträge zu den (mittlerweile auch mit einer historischen Patina überzogenen) &amp;quot;neuen sozialen Bewegungen&amp;quot; in den 1970er und 1980er Jahren marginal blieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach dem Untergang==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Liquidation der realsozialistischen Staatsunternehmen und dem scheinbaren Triumph des kapitalistischen Sozialdarwinismus sahen sich auch akademische Marxisten vor die Sinn- und Existenzfrage gestellt, und allerorts bildeten sich linksintellektuelle Krisenstäbe, um nach der Implosion der marxistisch-leninistischen Altbauten die Chancen eines Neubeginns für das &amp;quot;sozialistische Projekt&amp;quot; auszuloten. Zweifelsohne habe es der Marxismus nötig, kritisiert und erneuert zu werden, konzediert der Pariser Sozialforscher Michael Löwy, vor allem deshalb, weil sein Bruch mit dem produktivistischen Muster des Industriekapitalismus und den Grundlagen der modernen bürgerlichen Zivilisation nicht radikal genug gewesen sei. Zwecks Revitalisierung des Marxismus wollte Löwy Ökologie, Pazifismus, Feminismus und Befreiungstheologie einverleiben, als wären diese ohne Schwierigkeiten im marxistischen Theoriegebäude unterzubringen. Auch dem Herausgeber der traditionellen ''New Left Review'', Robin Blackburn, schwebte nach dem Untergang eine &amp;quot;vollkommene Erneuerung und Reorientierung&amp;quot; des marxistischen &amp;quot;Projekts&amp;quot; vor, um eine &amp;quot;wahrhaft demokratische Kultur und politische Ordnung&amp;quot; zu schaffen, wobei die Integration ökologischer und kommunistischer Ansätze helfen sollten (Robin Blackburn, ''Fin de Siècle''). All dies aber führte nicht zu einer Rekonziliation von Marxismus und Anarchismus. Die Anerkennung dessen, was früher als Ausgeburt eines kleinbürgerlichen Romantizismus diffamiert wurde, läuft letztlich auf dreiste Briganterie hinaus: Um das eigene Überleben zu sichern, will man all dessen habhaft, was Hoffnung aufs Weiterleben verspricht, ohne der Mühe sich zu unterziehen, den Marxismus wirklich neu zu denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche und die Globalisierung des ökonomischen Systems seit den 1980er Jahren erzwangen schließlich auch ein Weiterdenken jenseits der gestanzten Muster der Vergangenheit, das zumindest Ansätze für eine Kritik der veränderten herrschenden Verhältnisse bot. So knüpft beispielsweise Nick Dyer-Witheford in seinem Buch ''Cyber-Marx'' mit seiner Vorstellung eines &amp;quot;autonomistischen Marxismus&amp;quot; an die italienischen Theoretiker Antonio Negri und Mario Tronti an. In seinen Augen hat die globale Restrukturierung des Kapitalismus keineswegs die alten Widersprüche zwischen Arbeit und Kapital aufgehoben, sondern vielmehr auf eine neue Ebene gebracht. Im Kreislauf von automatisierten Fabriken, interaktiven Medien, virtuellen Seminaren, gentechnologischen Laboratorien und globalen Netzwerken kaum durchschaubarer Konzernstrukturen hat sich zweierlei gebildet: gigantische Monopole, welche die Herrschaft über ganze Staatengebilde ausüben, als auch subversive Guerilla-Einheiten, die entweder isoliert oder postmodern über das World Wide Web virtuell organisiert gegen die Übermacht der technologischen Kontrolle mittels Sabotage oder Arbeitsverweigerung rebellieren.  Vieles in seiner Analyse der Verflechtungen des digitalen Kapitalismus erscheint schlüssig, doch mutet seine Abgrenzung zur &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; von Horkheimer und Adorno in der Betonung der &amp;quot;Sabotage&amp;quot; und des &amp;quot;Widerstandes&amp;quot; gegen die Macht der Herrschaft etwas antiquiert an. Zuweilen erinnert die Rede von der medialen Subversion an die Diskussionen der 1970er Jahre und das Rekurrieren auf das demokratische Potenzial des Internets – das es zweifelsohne besitzt –- an Hans Magnus Enzensbergers ''Baukasten zu einer Theorie der Medien'' (1970). Auch wenn sich &amp;quot;Hacktivisten&amp;quot; wie die &amp;quot;Electrohippies&amp;quot; oder das &amp;quot;Electronic Disturbance Theater&amp;quot; als Guerilla im Internet etablieren konnten, ist dies nicht der Beweis für den Beginn eines subversiven Kampfes an den Schnittstellen des digitalen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dialektik der Niederlage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Russell Jacoby treffend anmerkt, sind Erfolg und Niederlage dialektische Kategorien: Der zeitweilige Erfolg des sowjetischen Marxismus trug oft zur Niederlage anderer Marxismen oder linksoppositioneller Strömungen bei. Sowohl Erfolg als auch Niederlage sagen nichts über die Qualität oder Wahrheit des jeweiligen Ideenkonstrukts aus. Die Niederlagen des Anarchismus stellen kein Urteil über den Wert seiner Theorien und Werte dar. Ebenso wenig ist der Marxismus durch seine Verstrickung in die politische oder akademische Herrschaft desavouiert oder der Kapitalismus auf Grund seines momentanen Triumphes durch die Geschichte legitimiert. Es gehört zu den tragischen Ironien der Geschichte, dass der von Bakunin heftig attackierte „Staatssozialismus“ in der Phase seines herrschaftlichen Triumphes die linke Opposition zum Schweigen brachte, und nach seinem Ende seine linken Kritiker mit in den Abgrund riss.  Der westliche Marxismus lebt in den akademischen Reservaten letztlich nur als postmodernes Gespenst einer kulturell depravierten Bourgeoisie fort. Auf der anderen Seite hat es der Anarchismus versäumt, eine stimmige, radikale Kritik der  bestehenden Verhältnisse zu artikulieren. Selbst ein ehemals innovativer Kritiker wie Bookchin verrannte sich im Laufe der Zeit in einen dogmatischen Rigorismus, der nichts außer den eigenen Erkenntnissen gelten lassen konnte. Wenn Marxismus und Anarchismus entweder zur Apologetik der herrschenden Beliebigkeit oder zur militant gestylten Racket-Ideologie, die zur Heranbildung blinder Gefolgschaften statt kritischer Individuen beiträgt, mutieren, ist ihr einst radikales Ingenium abgestorben. Zu besinnen wäre sich, mit Marx gesprochen, auf die &amp;quot;rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten&amp;quot; (''MEW'', Bd. 1). So geht es weder um die Verteidigung des Marxismus noch um jene des Anarchismus, sondern um die Verwirklichung der Utopie einer besseren Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausgewählte Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Theodor W. Adorno, ''Soziologische Schriften I'' (''Gesammelte Schriften'', Bd. 8), Frankfurt/Main 1972 &lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Gesammelte Werke'', 3 Bände, Berlin 1975&lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften'', Berlin 1972 &lt;br /&gt;
*Robin Blackburn, &amp;quot;Fin de Siècle: Socialism After the Crash&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 185 (Januar-Februar 1991), S. 5-66 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''The Two Revolutions: Antonio Gramsci and the Dilemmas of Western Marxism'', Boston 1984 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''Social Movements and Political Power: Emerging Forms of Radicalism in the West'', Philadelphia 1986 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;Revolutionary Process, Political Strategy, and the Dilemma of Power&amp;quot;, ''Theory &amp;amp; Society,'' 4:3 (Herbst 1977), S. 359-393 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;The Intellectuals and Social Movements: Some Reflections on Academic Marxism&amp;quot;, ''Humanities in Society'', 6:2-3 (1983), S. 223-239 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''Post-Scarcity Anarchism'', Berkeley 1971 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''The Modern Crisis'', Montreal 1987&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Beyond Neo-Marxism&amp;quot;, ''Telos'', Nr. 36 (Sommer 1978).S. 5-28&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Were We Wrong?', ''Telos'', Nr. 65 (Herbst 1985), S. 59-74 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;New Social Movements: The Anarchic Dimension&amp;quot;, in: ''For Anarchism: History, Theory and Practice'', hg. David Goodway, London 1989, S. 259-274 &lt;br /&gt;
*John Clark, ''The Anarchist Moment: Reflections on Culture, Nature and Power'', Montreal 1984&lt;br /&gt;
*Nick Dyer-Witheford, ''Cyber-Marx: Cycles and Circuits of Struggles in High-Technology Capitalism'', Urbana 1999&lt;br /&gt;
*Guy Debord, ''Die Gesellschaft des Spektakels'', Berlin 1996 &lt;br /&gt;
*Michael Denning, ''Culture in the Age of Three Worlds'', London 2004&lt;br /&gt;
*Isaac Deutscher, ''Trotzki III: Der verstoßene Prophet, 1929-1940,'' Stuttgart 1972&lt;br /&gt;
*Wolfgang Dreßen, ''Antiautoritäres Lager und Anarchismus'', Berlin 1968 &lt;br /&gt;
*Vincent Geoghegan, ''Utopianism and Marxism'', London 1987 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''The Future of lntellectuals and the Rise of the New Class'', London 1979 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''Against Fragmentation: The Origins of Marxism and the Sociology of Intellectuals'', New York 1985 &lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, ''Marxismus und Kultur: Ideologie, Alltag, Kultur'', hg. Sabine Kebir, Hamburg 1983&lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, &amp;quot;Der Staat und der Sozialismus&amp;quot;, in: ''Zu Politik, Geschichte und Kultur: Ausgewählte Schriften'', hg. Guido Zamis, Leipzig 1980, S. 69-75 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''Pour un marxisme libertaire'', Paris 1969 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''L'anarchisme: De la doctrine à la pratique''. Paris 1981 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''A la recherche d'un communisme libertaire''. Paris 1984 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 5, Frankfurt/Main 1987. S. 293-319 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Zur Soziologie der Klassenverhilltnisse&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 12, Frankfurt/M. 1985, S. 75-104 &lt;br /&gt;
*Maurice. Issermann, ''If I Had a Hammer. . . The Death of the Old Left and the Birth of the New Left'', New York 1987 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Dialectic of Defeat: Contours of Western Marxism'', Cambridge 1981 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Picture Imperfect: Utopian Thought for an Anti-Utopian Age'', New York 2005&lt;br /&gt;
*Charles Jacquier (Hg.), ''Lebenserfahrung und Geistesarbeit: Simone Weil und der Anarchismus'', Nettersheim 2006&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Anarchismus und Sozialismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, Berlin 1955, S. 334-337&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 31, Berlin 1959, S. 1-106 &lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 25, Berlin 1970, S. 393-507&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Was tun?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, S. 355-551 &lt;br /&gt;
*Michael Löwy, &amp;quot;Twelve Theses on the Crisis of ,Really Existing Socialism&amp;quot;', ''Monthly Review'', 43:1 (Mai 1991) S. 33-40 &lt;br /&gt;
*Rosa Luxemburg, ''Schriften zur Theorie der Spontaneität'', hg. S. Hillmann, Reinbek 1970 &lt;br /&gt;
*Karl Marx und Friedrich Engels, ''Über Anarchismus'', kompiliert von W. I. Bauer, Berlin 1977 &lt;br /&gt;
*Georgi Plechanow, ''Anarchismus und Sozialismus'', 3. Aufl., Berlin 1911 &lt;br /&gt;
*Josef W. Stalin, &amp;quot;Anarchismus oder Sozialismus?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 1, Berlin 1950, S. 257-323 &lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;L'U.R.S.S. dans la guerre&amp;quot;, in: ''Oeuvres'', Bd. 22, hg. Pierre Broué, Paris 1985, S. 40-62 &lt;br /&gt;
*Siva Vaidhyanathan, ''The Anarchist in the Library: How the Clash between Freedom and Control is Hacking the Real World and Crashing the System'', New York 2004&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald,''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Simone Weil, ''Unterdrückung und Freiheit: Politische Schriften'', Frankfurt/Main, 1987 &lt;br /&gt;
*Peter Wollen, &amp;quot;The Situationist International&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 174 (März-April 1989). S. 67-95 &lt;br /&gt;
*George Woodcock, ''Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements'', Harmondsworth 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
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{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
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'''[[Portal Sachthemen|Lexikon der Anarchie: Sachthemen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Marxismus</title>
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				<updated>2007-04-02T20:27:02Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: /* Nach dem Untergang */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Sachthemen|Lexikon der Anarchie: Sachthemen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Marx-Denkmal Chemnitz.jpg|thumb|right|240px|Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz (ehemals Karl-Marx-Stadt)]]&lt;br /&gt;
==Einleitung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Anarchismus und Marxismus ist seit je von Spannungen und Feindseligkeiten gekennzeichnet, beginnend mit dem heftigen Disput zwischen Michail Bakunin und Karl Marx in der Ersten Internationale. Vom &amp;quot;mitgeborenen Feind&amp;quot; bedroht, haben Marxisten jeglicher Provenienz den Anarchismus oft als kleinbürgerlich-utopische, pseudorevolutionäre Doktrin diffamiert, welche die Arbeiterklasse desorientiere und realiter der bürgerlichen Reaktion in die Hand arbeite. In den Augen Friedrich Engels stellte er eine &amp;quot;hanswurstische Karikatur&amp;quot; der proletarischen Bewegung dar, die nur den Regierungen in Europa und Amerika nütze (''MEW'', Bd. 35), und für Lenin, einen Zweifrontenkrieg gegen den linken Radikalismus und den sozialdemokratischen Opportunismus führend, war der Anarchismus &amp;quot;nicht selten eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung&amp;quot; (Der &amp;quot;linke Radikalismus&amp;quot;). Wo der Anarchismus die Hegemonie der Marxisten über die internationale Arbeiterbewegung gefährdete, wurde er wie ein gefährlicher Virus isoliert oder ausgemerzt, aber doch verweste er nicht auf der &amp;quot;Müllhalde der Geschichte&amp;quot;, sondern tauchte immer wieder in der  politischen Arena auf, um den &amp;quot;feindlichen Bruder&amp;quot; stets aufs neue herauszufordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Marx' Konzept der sozialen Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Beginn an scheint es zwischen Anarchisten und Marxisten der lediglich Differenzen bezüglich der Wahl der Mittel, nicht aber der Ziele gegeben zu haben. &amp;quot;Marx hat&amp;quot;, sagte Theodor W. Adorno, &amp;quot;während der Jahre seines Lebens, die er darauf verwandte, den Anarchismus zu kritisieren, nicht einen herrschaftsfreien Zustand hintertreiben wollen, sondern meinte, dass durch bestimmte kurzschlüssige Aktionen das, was ihm vorschwebte, hintertrieben werde&amp;quot; (''Soziologische Schriften I''). Die Unterschiede waren jedoch weitaus gravierender. Marx zufolge sollte das disziplinierte, zentral geführte Proletariat die Staatsgewalt ergreifen und die Produktionsmittel in Staatseigentum umwandeln. In diesem Transformationsprozess würden die Unterschiede und Gegensätze der Klassen und damit auch der Staatsapparat als repressives Instrument der Klassenherrschaft allmählich aufgehoben. Seien die Klassen abgeschafft, meinte Marx, &amp;quot;so verschwindet die Gewalt des Staates, welche dazu dient, die große produzierende Mehrheit unter dem Joche einer wenig zahlreichen ausbeutenden Minderheit zu halten, und die Regierungsfunktionen verwandeln sich in einfache Verwaltungsfunktionen&amp;quot; (''MEW'', Bd. 18). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchistische Staatskritik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anarchistische Kritik geht freilich über den bloßen Klassencharakter des Staates hinaus: In ihrer Essenz wendet sie sich gegen jegliche Form von Herrschaft und Hierarchie, die nicht allein durch die &amp;quot;Abschaffung&amp;quot; oder das &amp;quot;Absterben“ des Staates überwunden wäre. In Marx' Schema war der voll entwickelte Kapitalismus Vorbedingung für den Sozialismus und die Zentralisation unentbehrlich für den gesellschaftlichen Fortschritt, denn sie zeitige nur solange Herrschaft, da sie Teil der bürgerlichen Entwicklung sei. In einer revolutionären Gesellschaft dagegen würde sie weder zum Anwachsen der Bürokratie führen noch wäre diese zum Erreichen der Zivilisation notwendig. &amp;quot;Die Zertrümmerung der Staatsmaschinerie wird die Zentralisation nicht gefährden&amp;quot;, schrieb er 1852. &amp;quot;Die Bürokratie ist nur die niedrige und brutale Form einer Zentralisation, die noch mit ihrem Gegensatze, dem Feudalismus, behaftet ist&amp;quot; (''MEW'', Bd. 8). Die Möglichkeit, dass noch größere Zentralisation und technologische Entwicklung einen neuen Bürokratismus, der wenig oder nichts mit den feudalistischen Traditionen zu tun hätte, hervorbringen könnten, fand bei Marx keine ernsthafte Betrachtung. Die &amp;quot;provisorische&amp;quot; Übernahme des Staates und der kapitalistischen Produktionsformen, die nicht von ihren hierarchischen Strukturen befreit sind, produziert neue Herrschaft, lässt eine neue Klasse sich konstituieren, deren Macht im Anwuchs zentralisierter Planung und spezialisierter Technik sich gründet, die auf die Funktionen früherer Bürokratien zurückgreift und eine etatistische Ideologie zur Legitimierung der eigenen Existenz benutzt. Die Indienstnahme von Wissenschaft und Technik begünstigt eine politisch-bürokratische Struktur, in der eine überwiegende Mehrheit von einer privilegierten Minderheit beherrscht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bakunin und der Autoritarismus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bakunin sah die Gefahr, dass eine von &amp;quot;autoritären Kommunisten&amp;quot; (d. h. Marxisten) geführte Revolution &amp;quot;die durch Dekrete beherrschten Volksmassen von neuem zum Gehorsam, zur Unbeweglichkeit, zum Tod verurteilen würde, das heißt zur Sklaverei und Ausbeutung durch eine neue quasi-revolutionäre Aristokratie&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3). Die von  Marx als &amp;quot;vorübergehend&amp;quot; konzipierte Diktatur laufe, so Bakunin, nur auf deren Verewigung hinaus und zementiere das Prinzip der Herrschaft. Da Marx den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in einer strengen Abfolge historischer Etappen sah, betrachtete er das Proletariat weniger als selbstbewusstes revolutionäres Subjekt, von dessen autonomen Aktionen das Gelingen der sozialen Revolution abhänge, denn als Objekt der &amp;quot;Geschichte&amp;quot;. Bedingt durch seine materielle Situation verfüge das Proletariat nicht über ein ausreichendes Bewusstsein, und daher bedürfe es einer revolutionären Avantgarde, die &amp;quot;theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung&amp;quot; voraus habe (''MEW'', Bd. 4). Zwar gestand er den proletarischen Massen eine gewisse Dosis an &amp;quot;Selbsttätigkeit&amp;quot; zu, doch ist dieser Begriff weit eingegrenzter als jener der &amp;quot;Spontaneität“, der das &amp;quot;historische Recht&amp;quot;der Avantgarde auf die Führung des Proletariats aufs Spiel hätte setzen können. In den Augen Bakunins barg diese autoritäre Konzeption bereits den Keim einer neuen unfreien Gesellschaft in sich. Beharrlich insistierte er darauf, dass Freiheit &amp;quot;nur durch Freiheit&amp;quot; geschaffen werden könne, &amp;quot;durch die freie Organisation der Arbeitermassen von unten nach oben&amp;quot; (''Staatlichkeit und Anarchie''). Die &amp;quot;rote Bürokratie&amp;quot;, die er herannahen sah, realisierte sich  im Stalinismus. Doch auch seine Konzeption der sozialen Revolution war nicht frei von Fragwürdigkeiten. Zwar projektierte er die Avantgarde als &amp;quot;revolutionären Generalstab&amp;quot;, der sich damit begnügte, als &amp;quot;Vermittler zwischen der revolutionären Idee und den Volksinstinkten&amp;quot; zu dienen, doch redete er auch von einer &amp;quot;Diktatur ohne Schärpe, ohne Titel, ohne offizielles Recht, die desto mächtiger ist, weil sie keinen Anschein der Macht hat&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus das &amp;quot;falsche Bewusstsein einer kulturellen Bourgeoise, die radikalisiert worden ist&amp;quot; (Alvin W. Gouldner, ''The Future of Intellectuals''), so lief der &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; stets Gefahr, über die berechtigte Kritik an der &amp;quot;neuen Klasse&amp;quot; von Funktionären und Bürokraten in einen dumpfen Anti-Intellektualismus umzuschlagen, der im &amp;quot;kulturellen Kapital&amp;quot; der Intellektuellen einzig ein Mittel zur Unterdrückung der Massen sah. Wie im Nachhinein Marx die geistige Urheberschaft für den stalinistischen Gulag aufgebürdet wird, so ereilt Bakunin das Verdikt, mit seinem Insistieren auf einer Destruktion alles Bestehenden und einer Abschaffung jeglicher Privilegien den Boden für menschenverachtende Exzesse in der chinesischen Kulturrevolution bereitet zu haben. Der Maoismus war, in dieser Sichtweise, die Adaptierung des Marxismus hin zum &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; in seinem anderen historischen Terrain (Alvin W. Gouldner, ''Against Fragmentation''). Diese Interpretation unterschlägt aber, dass Bakunin nicht die Intellektuellen unter Kontrolle bringen und sie einem &amp;quot;radikalen Egalitarismus&amp;quot;, einem totalitären System repressiver Gleichheit unterwerfen wollte: Ihm ging es – wie Marx – um die Emanzipation des Subjekts von den herrschenden Verhältnissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lenins Ultrazentralismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus ursprünglich eine anti-etatistische Theorie (so vage sie sein mochte), geriet er in der leninistischen Version in eine unauflösbare Verbindung mit der Idee der Staatsaktivität. Lenin trieb die Sorge um, von plötzlich auftretenden, nicht kanalisierten Kräften der Arbeitermassen fortgeschwemmt zu werden, eben jener Massen, die lediglich ein trade-unionistisches Bewusstsein besäßen und nicht in der Lage seien, über die ökonomische Beziehungssphäre zwischen Arbeitern und Unternehmern hinauszudenken. Spontaneität war für ihn Ausdruck der bürgerlichen Ideologie, der sozialistisches Bewusstsein unterdrücke. Daher bestehe die unbedingte Notwendigkeit, Spontaneität in jeder Form zu bekämpfen. Eine revolutionäre Avantgardepartei mit Berufskadern und quasi-militärischen Befehlsstrukturen sollte von außen politisches Klassenbewusstsein in die Massen hineintragen, diese durch Organisation von oben erziehen und dirigieren. Lenin war ein &amp;quot;Techniker&amp;quot; der Revolution, dem die Methoden, Instrumente und Organisationsmittel allemal wichtiger waren als die Emanzipation von Herrschaft und Hierarchie. Mit der Übernahme des Staatsapparates sicherten sich die Bolschewiki das notwendige Herrschaftsinstrumentarium, und mittels des vom kapitalistischen Profitstreben gereinigten tayloristischen Systems sollten die Disziplin der Werktätigen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten gehoben und die Arbeitsintensität gesteigert werden. Da vor der menschlichen Emanzipation die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen werden mussten, wurde die aktive Beteiligung der Massen in eine mystische Zukunft hinausgeschoben. Im leninistischen Modell entbehrten die vagen demokratischen, libertären Ausführungen von ''Staat und Revolution'' (1917) einer jeglichen strukturellen Basis, so dass sie zu keiner Zeit ernsthaft in Lenins revolutionäre Strategie zu integrieren waren. Der bürokratische Zentralismus unterwarf die Arbeiterinnen einer neuen Herrschaftsschicht und eliminierte jegliche Form des autonomen Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Abweichung von der herrschenden Doktrin, äußerte sie sich in der direkten Aktion oder dem Streben nach Selbstverwaltung, wurde unterdrückt, klagte sie doch den simultanen Ablauf von wirtschaftlichem Aufbau und menschlicher Emanzipation ein und stellte die Avantgarde in Frage. Da der Anarchismus als &amp;quot;umgestülpter bürgerlicher Individualismus&amp;quot; die &amp;quot;vereinigende und organisierende Kraft der Staatsmacht&amp;quot; negiere (''Anarchismus und Sozialismus''), musste er - wenn er sich bedrohlich manifestierte - ausgelöscht werden. Im leninistischen Staatsbetrieb duldete das Management keine Auflehnung, sondern forderte Unterwerfung und Disziplin ein, um das Plansoll zu erreichen. Die ungeschmälerte Freiheit lag dabei außerhalb der Vorgaben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Lenin als &amp;quot;Disziplin&amp;quot; drapierte Beherrschung der Mehrheit durch eine privilegierte Minorität, die Auffassung, es reiche aus, wenn der Dirigentenstab der Bourgeoisie von einem revolutionär sich wähnenden Zentralkomitee entrissen werde, stieß schon früh auf die Kritik Rosa Luxemburgs, die als erste marxistische Theoretikerin den Begriff der Spontaneität ins Spiel brachte. Nicht sei es das Ziel, die Arbeiterinnen zum Kadavergehorsam zu erziehen, sondern vielmehr sollte  sich die Partei auf die Rolle eines Sprechers und Transformators der Massenenergie beschränken, lediglich als &amp;quot;Dolmetscher des Massenwillens&amp;quot; agieren. Die gescheiterte russische Revolution von 1905 kommentierend, entwarf sie das Konzept des &amp;quot;Massenstreiks&amp;quot;, der sich im Wesentlichen nicht vom anarchosyndikalistischen Generalstreik unterschied. Dass sie diese Taktik zur Aufnahme ins sozialdemokratische Arsenal empfahl, bedeutete ihrer Ansicht nach nicht eine &amp;quot;Ehrenrettung des Anarchismus&amp;quot;, sondern dessen &amp;quot;geschichtliche Liquidierung&amp;quot;. Die Revolution habe gezeigt, dass der Anarchismus &amp;quot;zum Aushängeschild für gemeine Diebe und Plünderer&amp;quot; geworden und nur &amp;quot;wie ein Rudel Haifische hinter dem Schlachtschiff der Revolution&amp;quot; hergeschwommen sei (''Schriften zur Theorie der Spontaneität''). Trotz dieser Denunziation war  Luxemburg mit ihrem Beharren auf der Aktivität der Massen nicht weit entfernt von anarchistischen Modellen, von einem Sozialismus, der von ArbeiterInnenräten von unten nach oben angetrieben würde. &amp;quot;Rosa Luxemburg ist&amp;quot;, meinte Daniel Guérin, &amp;quot;eines der verbindenden Elemente zwischen dem Anarchismus und dem authentischen Marxismus&amp;quot; (''L'anarchisme''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Augen Antonio Gramscis ignorierten &amp;quot;Spontaneisten&amp;quot; und Anarchisten vollkommen die Hegemonie der Bourgeoisie, wenn sie sich voller Optimismus auf direkte Aktionen der Massen  verließen, ohne aufkommende Oppositionsbewegungen so zu formen, dass sie eine tatsächliche Herausforderung des bestehenden Systems darstellten. Von der unbedingten Notwendigkeit von Staat, Partei und Autorität überzeugt, vertrat er die Auffassung, dass die anarchistischen Arbeiterinnen nicht Staat und Eigentum an sich bekämpften. sondern nur deren kapitalistischen Auswuchs. Der die Macht ergreifende &amp;quot;Arbeiterstaat&amp;quot; würde auch ihnen Freiheit und die Verwirklichung proletarischer Ideale eröffnen, als zentralisierte Macht sie vor Reaktion und Konterrevolution schützen. Im revolutionären Kampf agiere die Partei beispielgebend und wirke auf die Massen anspornend ein. Allein auf die Spontaneität sich zu verlassen und nicht systematisch am kreativen revolutionären Werk zu arbeiten, sei bloße Illusion von  Ideologen und unbewusste Konterrevolution im voraus. Gramsci strebte eine Synthese von organisierter Planung und spontanen Elementen an. Zur revolutionären Umgestaltung seien sowohl die aktiven Massen als auch intellektuelle &amp;quot;Führer“ notwendig, die eher ideologische oder pädagogische denn instrumentelle Funktionen ausüben sollten. In gewisser Weise ähnelt dies der bakunistischen Vorstellung von den &amp;quot;Geburtshelfern der Revolution&amp;quot;, deren latentes autoritäre Gedankengut bei  Gramsci sich noch verstärkte. Da die Arbeiterklasse aufgrund der fehlenden ökonomischen Basis keine eigenen organischen Intellektuellen hervorzubringen vermöge, sei einzig die Avantgardepartei des Proletariats dazu fähig, politische Intellektuelle heranzubilden, welche die &amp;quot;revolutionäre Sache&amp;quot; vorantreiben könnten. Wie alle marxistischen Theoretiker sah er in Anarchisten bloße romantische Tollköpfe, die das Proletariat in Verwirrung stürzten und ins Verderben trieben. &amp;quot;Wer Herr der Geschichte ist und ihr den Rhythmus des Fortschritts aufzwingt&amp;quot;, erklärt er 1919, &amp;quot;wer das sichere und unaufhaltsame Fortschreiten der kommunistischen Zivilisation bestimmt, das sind nicht die 'Halbstarken', das ist nicht das Lumpenproletariat, das sind nicht die Bohemiens, die Dilettanten, die langhaarigen und frenetischen Romantiker, sondern das sind die großen Massen der klassenbewussten Arbeiter, die stählernen Bataillone des bewussten und disziplinierten Proletariats.&amp;quot; Im militaristischen Jargon wurde der &amp;quot;Geist der Verantwortung&amp;quot; beschworen, der &amp;quot;so schneidend und unversöhnlich&amp;quot; wie das &amp;quot;Schwert eines Scharfrichters&amp;quot;sein müsse,und angedroht wurde die grausame Notwendigkeit, Unfolgsamen &amp;quot;Disziplin und Treue mit Waffengewalt&amp;quot; aufzuzwingen, &amp;quot;um das gesellschaftliche Ganze vor dem Zusammenbruch und dem Verderben zu retten&amp;quot; (''Der Staat und der Sozialismus'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leo Trotzki und die antistalinistische Opposition==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihre bürgerlichen Opponenten glaubten Marxisten an die Wissenschaft, Fortschritt und Erfolg und machten die wissenschaftliche und industrielle Rationalität zu ihrer eigenen. Stalin, der markanterweise 1906 mit einer dumpfen Tirade gegen den Anarchismus erstmals in Erscheinung getreten war, verdankte seine Popularität bei vielen westlichen Linken und liberalen fellow-travellers in den dreißiger Jahren dem Image des Erfolgsmenschen, der allen Widrigkeiten zum Trotz eine neue, bessere Welt schaffen wollte. In einer Zeit, da Depression, Faschismus und Krieg die menschliche Existenz bedrohten, erschien er als &amp;quot;flexibler&amp;quot; und &amp;quot;pragmatischer&amp;quot; Praktiker, der die &amp;quot;konkrete Utopie&amp;quot; vom &amp;quot;Sozialismus in einem Land&amp;quot; zu realisieren trachtete. Andere Alternativen wie Rätekommunismus oder Anarchismus galten den meisten Linken als realitätsferne Modelle, die den Anforderungen der Praxis nicht standhalten konnten. Sozialismus und Marxismus wurden mit dem &amp;quot;Fortschritt&amp;quot; in der Sowjetunion gleichgesetzt. Selbst Leo Trotzki, von den Stalinisten ins Exil getrieben, rückte davon nicht ab. Als einige seiner Anhänger die UdSSR als &amp;quot;bürokratischen Kollektivismus&amp;quot;, als bloßen Unterdrückungsapparat einer neuen Herrschaftsklasse geißelten, insistierte er, dass die sowjetische Bürokratie (die er den rückständigen Verhältnissen anlastete) lediglich ein &amp;quot;episodischer Rückfall&amp;quot; sei. Vom zweiten Weltkrieg erhoffte er sich eine neuerliche sozialistische Revolution, die mit der Bürokratie aufräumte und eine Resurrektion der &amp;quot;sowjetischen Demokratie&amp;quot; auf einer weitaus höheren ökonomischen und kulturellen Ebene als 1918 bewirkte. Sollte diese Revolution ausbleiben, befürchtete er den Untergang der Zivilisation. Der bürokratische Rückfall wäre dann der organischen Unfähigkeit des Proletariats zuzuschreiben, zur herrschenden Klasse zu werden. Das sowjetische System wäre somit der Prototyp eines neuen Ausbeuterregimes im internationalen Maßstab. Wenn das Weltproletariat als unfähig sich erweise, die Mission zu erfüllen, die ihm die Geschichte anvertraut habe, bleibe nur einzugestehen, dass das auf den inneren Widersprüchen beruhende sozialistische Programm als bloße Utopie sich entlarvt habe, und der Zusammenbruch aller Hoffnungen auf eine sozialistische Revolution wäre die Folge, denn noch günstigere Bedingungen als nun seien nicht zu erwarten (''L'U.R.S.S. dans la guerre''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich blieb die Revolution aus, und mit seiner Prophezeiung stieß L. Trotzki seine Anhänger in eine tiefe demoralisierende Krise. Wie viele Intellektuelle seit Marx hielt er Ausschau nach einem historischen Agenten, der die ersehnte Transformation herbeiführte. Aufgebürdet wurde diese Aufgabe einem mythologisierten Kollektiv namens &amp;quot;Proletariat&amp;quot;, dessen revolutionäre Kraft zunächst einmal Projektion von Intellektuellen war, die auf diese Weise die eigene Ohnmächtigkeit kompensierten, indem sie anderen vorschrieben, wann und wo welche Aktion zu unternehmen sei, um eine bessere Welt herbeizuführen. Auch wenn marxistische Oppositionsgruppen mit Vehemenz den Stalinismus attackierten, blieben sie doch im Autoritarismus verstrickt, beanspruchten die gleiche autoritäre Machtposition, die sie ihren Rivalen vorwarfen. &amp;quot;Die revolutionäre Bewegung spiegelt den Zustand, den sie angreift, negativ wider&amp;quot; (Max Horkheimer, ''Autoritärer Staat''). Dies traf nicht allein auf sektiererische Zirkel zu, die immer wieder die alten Dogmen bis zur Besinnungslosigkeit repetierten und gegen die realen Verhältnisse sich abschotteten, sondern auch auf jene Gruppen wie die Situationisten, die in den 1950er und 1960er Jahren die alten Verkrustungen von Marxismus und Anarchismus aufzubrechen hofften. Ihnen schwebte eine sofortige Realisierung des Reichs der Freiheit vor, in dem alle Formen von Verdinglichung und Entfremdung in ihrer Totalität abgeschafft und durch Formen unbeschränkter Subjektivität ersetzt wären. Trotz aller Kritik an Marx, Bakunin, Lenin, Trotzki und  Georg Lukács hielten sie an der &amp;quot;historischen Mission&amp;quot; des Proletariats fest, das als &amp;quot;Klasse des Bewusstseins&amp;quot; in ihren Schriften fungierte: Ihm wurde die Aufgabe überantwortet, die Trennung von Subjekt und Objekt, Praxis und Theorie, Politik und Verwaltung in der &amp;quot;spektakulären Warengesellschaft&amp;quot; zu überwinden. Das Proletariat sei, postulierte Guy Debord als theoretisches Mundstück der Situationisten, &amp;quot;das in dieser Gesellschaft wirkende Negative&amp;quot; (''Die Gesellschaft des Spektakels''). Zwar postulierten sie eine neue revolutionäre Praxis im &amp;quot;alltäglichen Leben&amp;quot; ohne Autorität, Parteikader oder bürokratische Apparate, doch ahmten sie in einer grotesken Parodie leninistische Praktiken nach: Die selbst ernannte revolutionäre Avantgarde, die vorgeblich im Namen des &amp;quot;Proletariats&amp;quot; agierte, schuf sich eine exklusive internationale Mikro-Organisation mit einem Zentralrat, einem Chefideologen und einem Zentralorgan und schwang sich zu Führern der angeblich bewusstlosen Massen auf. Wie Marx in seinen Kämpfen um die Machtposition in der revolutionären Bewegung Widersacher von Wilhelm Weitling bis  Bakunin dadurch auszustechen suchte, indem er ihre intellektuelle Fähigkeiten in Misskredit brachte und ihre vorgebliche Ignoranz öffentlich bloßzustellen trachtete, so warf Debord all sein intellektuelles Kapital in die Waagschale, um zu demonstrieren, dass er allein über die &amp;quot;richtige&amp;quot; und &amp;quot;wahre&amp;quot; Theorie verfügte, und per Exklusionspolitik entledigte er sich jener Konkurrenten, die seine Autorität und seien Führungsanspruch hätten unterminieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Marxismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma bestand darin, dass sich selbst diese &amp;quot;Outlaw-Marxisten&amp;quot; (Alvin W. Gouldner) als Führungskräfte verstanden, die Theorien erarbeiteten und Direktiven ausgaben, denen andere zu folgen hatten. Damit reproduzierten die &amp;quot;revolutionären Linksintellektuellen&amp;quot; aber lediglich die &amp;quot;Laster der bürgerlichen Gesellschaft&amp;quot;, wie Simone Weil 1934 kritisierte. &amp;quot;Unsere gesamte Zivilisation beruht auf der Spezialisierung, was die Knechtung der Ausführenden durch die Führenden bewirkt. Und auf einer solchen Basis kann man die Unterdrückung nur organisieren, aber nicht vermindem&amp;quot; (Unterdrückung und Freiheit). Pessimistisch, nach dem Triumph des Nazismus in Deutschland, erklärte sie, dass von den Menschen keine Hilfe zu erhoffen sei, und gerade das Proletariat erwies sich nicht als &amp;quot;Totengräber&amp;quot; des Kapitalismus. In dieser Gesellschaft setzten sich Rackets durch, exklusive, Macht ausübende und totale Unterwerfung einfordernde Cliquen, schrieb Max Horkheimer im amerikanischen Exil. Diese Herrschaftsform prägte auch die kommunistischen Parteien und die Gewerkschaften. &amp;quot;Das Racket-Muster, wie es für das Verhalten der Herrschenden gegenüber den Beherrschten typisch war, ist jetzt repräsentativ für alle menschlichen Beziehungen, selbst für die innerhalb der Arbeiterschaft. Der Unterschied zwischen dem Racket im Kapital und dem in der Arbeit liegt in der Tatsache, dass beim kapitalistischen Racket die gesamte Klasse profitiert, während das Racket der Arbeit als Monopol nur für ihre Führer und für die Arbeiteraristokratie fungiert. Die arbeitenden Massen sind die Objekte beider Formen; sie müssen das Ganze nur bezahlen&amp;quot; (''Zur Soziologie der Klassenverhältnisse''). Der Mythos von den &amp;quot;stählernen Bataillonen des bewussten und disziplinierten Proletariats&amp;quot; erwies sich aber gegenüber dieser Kritik als resistent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Neuen Linken triumphierte schließlich eine groteske &amp;quot;Proletophilie&amp;quot;, welche die Gründung zahlloser leninistischer Polit-Sekten beförderte. All der alte Mist komme wieder, kommentierte Murray Bookchin (''Post-Scarcity Anarchism'') diese Entwicklung der pseudo-historischen Retro-Inszenierungen in den späten 1960ern. Für ihn war die Fabrik nicht der einzig entscheidende Ort der Auseinandersetzung; vielmehr müssten alle menschlichen Lebensbereiche in den Kampf um revolutionäre Veränderungen eingeschlossen werden. Es sei ein Irrtum der marxistischen Theorie, lediglich die ökonomische Ausbeutung zu bekämpfen, während andere Herrschaftsformen weiterbeständen oder gar ausgedehnt würden. Bookchin hielt die Vorstellung von Marxisten und Anarchosyndikalisten, ein System der Herrschaft und Hierarchie könne durch Selbstverwaltung überwunden werden, für simplistisch, denn diese taste nicht alle übrigen Formen der Unterdrückung in der bürgerlichen Gesellschaft an. &amp;quot;Soziale Verzerrungen und Regressionen können nicht länger in erster Linie durch Eigentumsverhältnisse erklärt noch allein durch sozio-ökonomische Maßnahmen, wie etwa Verstaatlichung, Kollektivierung oder ,Arbeitsplatzdemokratie', berichtigt werden. Denn was all diese angebotenen Lösungen der vergifteten Natur der modernen Gesellschaft explodieren lässt, ist das angeschwollene Legat von Befehls- und Gehorsamsbeziehungen – mit einem Wort: Hierarchie als grundlegenderes Substrat aller Klassenbeziehungen&amp;quot; (''Were We Wrong?''). &lt;br /&gt;
In den Augen Bookchins boten weder Marxismus noch Anarchosyndikalismus Gewähr für eine radikale Umgestaltung des Bestehenden. Allein ein ökologisch und kommunitär orientierter Anarchismus könne die ungeschmälerte Freiheit realisieren und sei Garant dafür, dass ein revolutionäres Projekt nicht allmählich in Formen der Theorie und Praxis abgleite, die inhärent anfällig für opportunistische Kompromisse seien. Zielpunkt seiner oft harschen und polemischen Kritik sind vor allem neo-marxistische Akademiker, denen er vorwirft, sie hätten sich aus der Gesellschaft in universitäre Zirkel zurückgezogen und lieferten keinen Beitrag zur emanzipatorischen Praxis. Anstatt zu helfen, die Welt zu verändern, interpretierten sie sie lediglich, was sie in krassen Gegensatz zu Marx stelle (''Beyond Neo-Marxism''). In ihrer Jugend als &amp;quot;Neue Linke&amp;quot; aufgebrochen, um die Institutionen des Staates zu &amp;quot;demokratisieren&amp;quot; und zu &amp;quot;politisieren&amp;quot;, zu verändern und neu zu gestalten, wurden diese Veteranen des &amp;quot;langen Marsches&amp;quot; von diesen Institutionen ge- und verformt. Auf den akademischen Territorien der Herrschaft hat der Marxismus mit seinen verschiedenen Ausprägungen ein Refugium gefunden und ist selbst Teil des &amp;quot;akademischen Rackets&amp;quot; (Max Horkheimer) geworden, während seine Beiträge zu den (mittlerweile auch mit einer historischen Patina überzogenen) &amp;quot;neuen sozialen Bewegungen&amp;quot; in den 1970er und 1980er Jahren marginal blieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach dem Untergang==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Liquidation der realsozialistischen Staatsunternehmen und dem scheinbaren Triumph des kapitalistischen Sozialdarwinismus sahen sich auch akademische Marxisten vor die Sinn-und Existenzfrage gestellt, und allerorts bildeten sich linksintellektuelle Krisenstäbe, um nach der Implosion der marxistisch-leninistischen Altbauten die Chancen eines Neubeginns für das &amp;quot;sozialistische Projekt&amp;quot; auszuloten. Zweifelsohne habe es der Marxismus nötig, kritisiert und erneuert zu werden, konzediert der Pariser Sozialforscher Michael Löwy, vor allem deshalb, weil sein Bruch mit dem produktivistischen Muster des Industriekapitalismus und den Grundlagen der modernen bürgerlichen Zivilisation nicht radikal genug gewesen sei. Zwecks Revitalisierung des Marxismus wollte Löwy Ökologie, Pazifismus, Feminismus und Befreiungstheologie einverleiben, als wären diese ohne Schwierigkeiten im marxistischen Theoriegebäude unterzubringen. Auch dem Herausgeber der traditionellen ''New Left Review'', Robin Blackburn, schwebte nach dem Untergang eine &amp;quot;vollkommene Erneuerung und Reorientierung&amp;quot; des marxistischen &amp;quot;Projekts&amp;quot; vor, um eine &amp;quot;wahrhaft demokratische Kultur und politische Ordnung&amp;quot; zu schaffen, wobei die Integration ökologischer und kommunistischer Ansätze helfen sollten (Robin Blackburn, ''Fin de Siècle''). All dies aber führte nicht zu einer Rekonziliation von Marxismus und Anarchismus. Die Anerkennung dessen, was früher als Ausgeburt eines kleinbürgerlichen Romantizismus diffamiert wurde, läuft letztlich auf dreiste Briganterie hinaus: Um das eigene Überleben zu sichern, will man all dessen habhaft, was Hoffnung aufs Weiterleben verspricht, ohne der Mühe sich zu unterziehen, den Marxismus wirklich neu zu denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche und die Globalisierung des ökonomischen Systems seit den 1980er Jahren erzwangen schließlich auch ein Weiterdenken jenseits der gestanzten Muster der Vergangenheit, das zumindest Ansätze für eine Kritik der veränderten herrschenden Verhältnisse bot. So knüpft beispielsweise Nick Dyer-Witheford in seinem Buch ''Cyber-Marx'' mit seiner Vorstellung eines &amp;quot;autonomistischen Marxismus&amp;quot; an die italienischen Theoretiker Antonio Negri und Mario Tronti an. In seinen Augen hat die globale Restrukturierung des Kapitalismus keineswegs die alten Widersprüche zwischen Arbeit und Kapital aufgehoben, sondern vielmehr auf eine neue Ebene gebracht. Im Kreislauf von automatisierten Fabriken, interaktiven Medien, virtuellen Seminaren, gentechnologischen Laboratorien und globalen Netzwerken kaum durchschaubarer Konzernstrukturen hat sich zweierlei gebildet: gigantische Monopole, welche die Herrschaft über ganze Staatengebilde ausüben, als auch subversive Guerilla-Einheiten, die entweder isoliert oder postmodern über das World Wide Web virtuell organisiert gegen die Übermacht der technologischen Kontrolle mittels Sabotage oder Arbeitsverweigerung rebellieren.  Vieles in seiner Analyse der Verflechtungen des digitalen Kapitalismus erscheint schlüssig, doch mutet seine Abgrenzung zur &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; von Horkheimer und Adorno in der Betonung der &amp;quot;Sabotage&amp;quot; und des &amp;quot;Widerstandes&amp;quot; gegen die Macht der Herrschaft etwas antiquiert an. Zuweilen erinnert die Rede von der medialen Subversion an die Diskussionen der 1970er Jahre und das Rekurrieren auf das demokratische Potenzial des Internets – das es zweifelsohne besitzt –- an Hans Magnus Enzensbergers ''Baukasten zu einer Theorie der Medien'' (1970). Auch wenn sich &amp;quot;Hacktivisten&amp;quot; wie die &amp;quot;Electrohippies&amp;quot; oder das &amp;quot;Electronic Disturbance Theater&amp;quot; als Guerilla im Internet etablieren konnten, ist dies nicht der Beweis für den Beginn eines subversiven Kampfes an den Schnittstellen des digitalen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dialektik der Niederlage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Russell Jacoby treffend anmerkt, sind Erfolg und Niederlage dialektische Kategorien: Der zeitweilige Erfolg des sowjetischen Marxismus trug oft zur Niederlage anderer Marxismen oder linksoppositioneller Strömungen bei. Sowohl Erfolg als auch Niederlage sagen nichts über die Qualität oder Wahrheit des jeweiligen Ideenkonstrukts aus. Die Niederlagen des Anarchismus stellen kein Urteil über den Wert seiner Theorien und Werte dar. Ebenso wenig ist der Marxismus durch seine Verstrickung in die politische oder akademische Herrschaft desavouiert oder der Kapitalismus auf Grund seines momentanen Triumphes durch die Geschichte legitimiert. Es gehört zu den tragischen Ironien der Geschichte, dass der von Bakunin heftig attackierte „Staatssozialismus“ in der Phase seines herrschaftlichen Triumphes die linke Opposition zum Schweigen brachte, und nach seinem Ende seine linken Kritiker mit in den Abgrund riss.  Der westliche Marxismus lebt in den akademischen Reservaten letztlich nur als postmodernes Gespenst einer kulturell depravierten Bourgeoisie fort. Auf der anderen Seite hat es der Anarchismus versäumt, eine stimmige, radikale Kritik der  bestehenden Verhältnisse zu artikulieren. Selbst ein ehemals innovativer Kritiker wie Bookchin verrannte sich im Laufe der Zeit in einen dogmatischen Rigorismus, der nichts außer den eigenen Erkenntnissen gelten lassen konnte. Wenn Marxismus und Anarchismus entweder zur Apologetik der herrschenden Beliebigkeit oder zur militant gestylten Racket-Ideologie, die zur Heranbildung blinder Gefolgschaften statt kritischer Individuen beiträgt, mutieren, ist ihr einst radikales Ingenium abgestorben. Zu besinnen wäre sich, mit Marx gesprochen, auf die &amp;quot;rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten&amp;quot; (''MEW'', Bd. 1). So geht es weder um die Verteidigung des Marxismus noch um jene des Anarchismus, sondern um die Verwirklichung der Utopie einer besseren Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausgewählte Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Theodor W. Adorno, ''Soziologische Schriften I'' (''Gesammelte Schriften'', Bd. 8), Frankfurt/Main 1972 &lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Gesammelte Werke'', 3 Bände, Berlin 1975&lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften'', Berlin 1972 &lt;br /&gt;
*Robin Blackburn, &amp;quot;Fin de Siècle: Socialism After the Crash&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 185 (Januar-Februar 1991), S. 5-66 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''The Two Revolutions: Antonio Gramsci and the Dilemmas of Western Marxism'', Boston 1984 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''Social Movements and Political Power: Emerging Forms of Radicalism in the West'', Philadelphia 1986 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;Revolutionary Process, Political Strategy, and the Dilemma of Power&amp;quot;, ''Theory &amp;amp; Society,'' 4:3 (Herbst 1977), S. 359-393 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;The Intellectuals and Social Movements: Some Reflections on Academic Marxism&amp;quot;, ''Humanities in Society'', 6:2-3 (1983), S. 223-239 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''Post-Scarcity Anarchism'', Berkeley 1971 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''The Modern Crisis'', Montreal 1987&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Beyond Neo-Marxism&amp;quot;, ''Telos'', Nr. 36 (Sommer 1978).S. 5-28&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Were We Wrong?', ''Telos'', Nr. 65 (Herbst 1985), S. 59-74 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;New Social Movements: The Anarchic Dimension&amp;quot;, in: ''For Anarchism: History, Theory and Practice'', hg. David Goodway, London 1989, S. 259-274 &lt;br /&gt;
*John Clark, ''The Anarchist Moment: Reflections on Culture, Nature and Power'', Montreal 1984&lt;br /&gt;
*Nick Dyer-Witheford, ''Cyber-Marx: Cycles and Circuits of Struggles in High-Technology Capitalism'', Urbana 1999&lt;br /&gt;
*Guy Debord, ''Die Gesellschaft des Spektakels'', Berlin 1996 &lt;br /&gt;
*Michael Denning, ''Culture in the Age of Three Worlds'', London 2004&lt;br /&gt;
*Isaac Deutscher, ''Trotzki III: Der verstoßene Prophet, 1929-1940,'' Stuttgart 1972&lt;br /&gt;
*Wolfgang Dreßen, ''Antiautoritäres Lager und Anarchismus'', Berlin 1968 &lt;br /&gt;
*Vincent Geoghegan, ''Utopianism and Marxism'', London 1987 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''The Future of lntellectuals and the Rise of the New Class'', London 1979 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''Against Fragmentation: The Origins of Marxism and the Sociology of Intellectuals'', New York 1985 &lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, ''Marxismus und Kultur: Ideologie, Alltag, Kultur'', hg. Sabine Kebir, Hamburg 1983&lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, &amp;quot;Der Staat und der Sozialismus&amp;quot;, in: ''Zu Politik, Geschichte und Kultur: Ausgewählte Schriften'', hg. Guido Zamis, Leipzig 1980, S. 69-75 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''Pour un marxisme libertaire'', Paris 1969 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''L'anarchisme: De la doctrine à la pratique''. Paris 1981 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''A la recherche d'un communisme libertaire''. Paris 1984 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 5, Frankfurt/Main 1987. S. 293-319 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Zur Soziologie der Klassenverhilltnisse&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 12, Frankfurt/M. 1985, S. 75-104 &lt;br /&gt;
*Maurice. Issermann, ''If I Had a Hammer. . . The Death of the Old Left and the Birth of the New Left'', New York 1987 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Dialectic of Defeat: Contours of Western Marxism'', Cambridge 1981 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Picture Imperfect: Utopian Thought for an Anti-Utopian Age'', New York 2005&lt;br /&gt;
*Charles Jacquier (Hg.), ''Lebenserfahrung und Geistesarbeit: Simone Weil und der Anarchismus'', Nettersheim 2006&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Anarchismus und Sozialismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, Berlin 1955, S. 334-337&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 31, Berlin 1959, S. 1-106 &lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 25, Berlin 1970, S. 393-507&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Was tun?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, S. 355-551 &lt;br /&gt;
*Michael Löwy, &amp;quot;Twelve Theses on the Crisis of ,Really Existing Socialism&amp;quot;', ''Monthly Review'', 43:1 (Mai 1991) S. 33-40 &lt;br /&gt;
*Rosa Luxemburg, ''Schriften zur Theorie der Spontaneität'', hg. S. Hillmann, Reinbek 1970 &lt;br /&gt;
*Karl Marx und Friedrich Engels, ''Über Anarchismus'', kompiliert von W. I. Bauer, Berlin 1977 &lt;br /&gt;
*Georgi Plechanow, ''Anarchismus und Sozialismus'', 3. Aufl., Berlin 1911 &lt;br /&gt;
*Josef W. Stalin, &amp;quot;Anarchismus oder Sozialismus?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 1, Berlin 1950, S. 257-323 &lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;L'U.R.S.S. dans la guerre&amp;quot;, in: ''Oeuvres'', Bd. 22, hg. Pierre Broué, Paris 1985, S. 40-62 &lt;br /&gt;
*Siva Vaidhyanathan, ''The Anarchist in the Library: How the Clash between Freedom and Control is Hacking the Real World and Crashing the System'', New York 2004&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald,''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Simone Weil, ''Unterdrückung und Freiheit: Politische Schriften'', Frankfurt/Main, 1987 &lt;br /&gt;
*Peter Wollen, &amp;quot;The Situationist International&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 174 (März-April 1989). S. 67-95 &lt;br /&gt;
*George Woodcock, ''Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements'', Harmondsworth 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Sachthemen|Lexikon der Anarchie: Sachthemen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Marxismus&amp;diff=5237</id>
		<title>Marxismus</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Einleitung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Anarchismus und Marxismus ist seit je von Spannungen und Feindseligkeiten gekennzeichnet, beginnend mit dem heftigen Disput zwischen Michail Bakunin und Karl Marx in der Ersten Internationale. Vom &amp;quot;mitgeborenen Feind&amp;quot; bedroht, haben Marxisten jeglicher Provenienz den Anarchismus oft als kleinbürgerlich-utopische, pseudorevolutionäre Doktrin diffamiert, welche die Arbeiterklasse desorientiere und realiter der bürgerlichen Reaktion in die Hand arbeite. In den Augen Friedrich Engels stellte er eine &amp;quot;hanswurstische Karikatur&amp;quot; der proletarischen Bewegung dar, die nur den Regierungen in Europa und Amerika nütze (''MEW'', Bd. 35), und für Lenin, einen Zweifrontenkrieg gegen den linken Radikalismus und den sozialdemokratischen Opportunismus führend, war der Anarchismus &amp;quot;nicht selten eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung&amp;quot; (Der &amp;quot;linke Radikalismus&amp;quot;). Wo der Anarchismus die Hegemonie der Marxisten über die internationale Arbeiterbewegung gefährdete, wurde er wie ein gefährlicher Virus isoliert oder ausgemerzt, aber doch verweste er nicht auf der &amp;quot;Müllhalde der Geschichte&amp;quot;, sondern tauchte immer wieder in der  politischen Arena auf, um den &amp;quot;feindlichen Bruder&amp;quot; stets aufs neue herauszufordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Marx' Konzept der sozialen Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Beginn an scheint es zwischen Anarchisten und Marxisten der lediglich Differenzen bezüglich der Wahl der Mittel, nicht aber der Ziele gegeben zu haben. &amp;quot;Marx hat&amp;quot;, sagte Theodor W. Adorno, &amp;quot;während der Jahre seines Lebens, die er darauf verwandte, den Anarchismus zu kritisieren, nicht einen herrschaftsfreien Zustand hintertreiben wollen, sondern meinte, dass durch bestimmte kurzschlüssige Aktionen das, was ihm vorschwebte, hintertrieben werde&amp;quot; (''Soziologische Schriften I''). Die Unterschiede waren jedoch weitaus gravierender. Marx zufolge sollte das disziplinierte, zentral geführte Proletariat die Staatsgewalt ergreifen und die Produktionsmittel in Staatseigentum umwandeln. In diesem Transformationsprozess würden die Unterschiede und Gegensätze der Klassen und damit auch der Staatsapparat als repressives Instrument der Klassenherrschaft allmählich aufgehoben. Seien die Klassen abgeschafft, meinte Marx, &amp;quot;so verschwindet die Gewalt des Staates, welche dazu dient, die große produzierende Mehrheit unter dem Joche einer wenig zahlreichen ausbeutenden Minderheit zu halten, und die Regierungsfunktionen verwandeln sich in einfache Verwaltungsfunktionen&amp;quot; (''MEW'', Bd. 18). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchistische Staatskritik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anarchistische Kritik geht freilich über den bloßen Klassencharakter des Staates hinaus: In ihrer Essenz wendet sie sich gegen jegliche Form von Herrschaft und Hierarchie, die nicht allein durch die &amp;quot;Abschaffung&amp;quot; oder das &amp;quot;Absterben“ des Staates überwunden wäre. In Marx' Schema war der voll entwickelte Kapitalismus Vorbedingung für den Sozialismus und die Zentralisation unentbehrlich für den gesellschaftlichen Fortschritt, denn sie zeitige nur solange Herrschaft, da sie Teil der bürgerlichen Entwicklung sei. In einer revolutionären Gesellschaft dagegen würde sie weder zum Anwachsen der Bürokratie führen noch wäre diese zum Erreichen der Zivilisation notwendig. &amp;quot;Die Zertrümmerung der Staatsmaschinerie wird die Zentralisation nicht gefährden&amp;quot;, schrieb er 1852. &amp;quot;Die Bürokratie ist nur die niedrige und brutale Form einer Zentralisation, die noch mit ihrem Gegensatze, dem Feudalismus, behaftet ist&amp;quot; (''MEW'', Bd. 8). Die Möglichkeit, dass noch größere Zentralisation und technologische Entwicklung einen neuen Bürokratismus, der wenig oder nichts mit den feudalistischen Traditionen zu tun hätte, hervorbringen könnten, fand bei Marx keine ernsthafte Betrachtung. Die &amp;quot;provisorische&amp;quot; Übernahme des Staates und der kapitalistischen Produktionsformen, die nicht von ihren hierarchischen Strukturen befreit sind, produziert neue Herrschaft, lässt eine neue Klasse sich konstituieren, deren Macht im Anwuchs zentralisierter Planung und spezialisierter Technik sich gründet, die auf die Funktionen früherer Bürokratien zurückgreift und eine etatistische Ideologie zur Legitimierung der eigenen Existenz benutzt. Die Indienstnahme von Wissenschaft und Technik begünstigt eine politisch-bürokratische Struktur, in der eine überwiegende Mehrheit von einer privilegierten Minderheit beherrscht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bakunin und der Autoritarismus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bakunin sah die Gefahr, dass eine von &amp;quot;autoritären Kommunisten&amp;quot; (d. h. Marxisten) geführte Revolution &amp;quot;die durch Dekrete beherrschten Volksmassen von neuem zum Gehorsam, zur Unbeweglichkeit, zum Tod verurteilen würde, das heißt zur Sklaverei und Ausbeutung durch eine neue quasi-revolutionäre Aristokratie&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3). Die von  Marx als &amp;quot;vorübergehend&amp;quot; konzipierte Diktatur laufe, so Bakunin, nur auf deren Verewigung hinaus und zementiere das Prinzip der Herrschaft. Da Marx den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in einer strengen Abfolge historischer Etappen sah, betrachtete er das Proletariat weniger als selbstbewusstes revolutionäres Subjekt, von dessen autonomen Aktionen das Gelingen der sozialen Revolution abhänge, denn als Objekt der &amp;quot;Geschichte&amp;quot;. Bedingt durch seine materielle Situation verfüge das Proletariat nicht über ein ausreichendes Bewusstsein, und daher bedürfe es einer revolutionären Avantgarde, die &amp;quot;theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung&amp;quot; voraus habe (''MEW'', Bd. 4). Zwar gestand er den proletarischen Massen eine gewisse Dosis an &amp;quot;Selbsttätigkeit&amp;quot; zu, doch ist dieser Begriff weit eingegrenzter als jener der &amp;quot;Spontaneität“, der das &amp;quot;historische Recht&amp;quot;der Avantgarde auf die Führung des Proletariats aufs Spiel hätte setzen können. In den Augen Bakunins barg diese autoritäre Konzeption bereits den Keim einer neuen unfreien Gesellschaft in sich. Beharrlich insistierte er darauf, dass Freiheit &amp;quot;nur durch Freiheit&amp;quot; geschaffen werden könne, &amp;quot;durch die freie Organisation der Arbeitermassen von unten nach oben&amp;quot; (''Staatlichkeit und Anarchie''). Die &amp;quot;rote Bürokratie&amp;quot;, die er herannahen sah, realisierte sich  im Stalinismus. Doch auch seine Konzeption der sozialen Revolution war nicht frei von Fragwürdigkeiten. Zwar projektierte er die Avantgarde als &amp;quot;revolutionären Generalstab&amp;quot;, der sich damit begnügte, als &amp;quot;Vermittler zwischen der revolutionären Idee und den Volksinstinkten&amp;quot; zu dienen, doch redete er auch von einer &amp;quot;Diktatur ohne Schärpe, ohne Titel, ohne offizielles Recht, die desto mächtiger ist, weil sie keinen Anschein der Macht hat&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus das &amp;quot;falsche Bewusstsein einer kulturellen Bourgeoise, die radikalisiert worden ist&amp;quot; (Alvin W. Gouldner, ''The Future of Intellectuals''), so lief der &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; stets Gefahr, über die berechtigte Kritik an der &amp;quot;neuen Klasse&amp;quot; von Funktionären und Bürokraten in einen dumpfen Anti-Intellektualismus umzuschlagen, der im &amp;quot;kulturellen Kapital&amp;quot; der Intellektuellen einzig ein Mittel zur Unterdrückung der Massen sah. Wie im Nachhinein Marx die geistige Urheberschaft für den stalinistischen Gulag aufgebürdet wird, so ereilt Bakunin das Verdikt, mit seinem Insistieren auf einer Destruktion alles Bestehenden und einer Abschaffung jeglicher Privilegien den Boden für menschenverachtende Exzesse in der chinesischen Kulturrevolution bereitet zu haben. Der Maoismus war, in dieser Sichtweise, die Adaptierung des Marxismus hin zum &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; in seinem anderen historischen Terrain (Alvin W. Gouldner, ''Against Fragmentation''). Diese Interpretation unterschlägt aber, dass Bakunin nicht die Intellektuellen unter Kontrolle bringen und sie einem &amp;quot;radikalen Egalitarismus&amp;quot;, einem totalitären System repressiver Gleichheit unterwerfen wollte: Ihm ging es – wie Marx – um die Emanzipation des Subjekts von den herrschenden Verhältnissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lenins Ultrazentralismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus ursprünglich eine anti-etatistische Theorie (so vage sie sein mochte), geriet er in der leninistischen Version in eine unauflösbare Verbindung mit der Idee der Staatsaktivität. Lenin trieb die Sorge um, von plötzlich auftretenden, nicht kanalisierten Kräften der Arbeitermassen fortgeschwemmt zu werden, eben jener Massen, die lediglich ein trade-unionistisches Bewusstsein besäßen und nicht in der Lage seien, über die ökonomische Beziehungssphäre zwischen Arbeitern und Unternehmern hinauszudenken. Spontaneität war für ihn Ausdruck der bürgerlichen Ideologie, der sozialistisches Bewusstsein unterdrücke. Daher bestehe die unbedingte Notwendigkeit, Spontaneität in jeder Form zu bekämpfen. Eine revolutionäre Avantgardepartei mit Berufskadern und quasi-militärischen Befehlsstrukturen sollte von außen politisches Klassenbewusstsein in die Massen hineintragen, diese durch Organisation von oben erziehen und dirigieren. Lenin war ein &amp;quot;Techniker&amp;quot; der Revolution, dem die Methoden, Instrumente und Organisationsmittel allemal wichtiger waren als die Emanzipation von Herrschaft und Hierarchie. Mit der Übernahme des Staatsapparates sicherten sich die Bolschewiki das notwendige Herrschaftsinstrumentarium, und mittels des vom kapitalistischen Profitstreben gereinigten tayloristischen Systems sollten die Disziplin der Werktätigen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten gehoben und die Arbeitsintensität gesteigert werden. Da vor der menschlichen Emanzipation die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen werden mussten, wurde die aktive Beteiligung der Massen in eine mystische Zukunft hinausgeschoben. Im leninistischen Modell entbehrten die vagen demokratischen, libertären Ausführungen von ''Staat und Revolution'' (1917) einer jeglichen strukturellen Basis, so dass sie zu keiner Zeit ernsthaft in Lenins revolutionäre Strategie zu integrieren waren. Der bürokratische Zentralismus unterwarf die Arbeiterinnen einer neuen Herrschaftsschicht und eliminierte jegliche Form des autonomen Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Abweichung von der herrschenden Doktrin, äußerte sie sich in der direkten Aktion oder dem Streben nach Selbstverwaltung, wurde unterdrückt, klagte sie doch den simultanen Ablauf von wirtschaftlichem Aufbau und menschlicher Emanzipation ein und stellte die Avantgarde in Frage. Da der Anarchismus als &amp;quot;umgestülpter bürgerlicher Individualismus&amp;quot; die &amp;quot;vereinigende und organisierende Kraft der Staatsmacht&amp;quot; negiere (''Anarchismus und Sozialismus''), musste er - wenn er sich bedrohlich manifestierte - ausgelöscht werden. Im leninistischen Staatsbetrieb duldete das Management keine Auflehnung, sondern forderte Unterwerfung und Disziplin ein, um das Plansoll zu erreichen. Die ungeschmälerte Freiheit lag dabei außerhalb der Vorgaben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Lenin als &amp;quot;Disziplin&amp;quot; drapierte Beherrschung der Mehrheit durch eine privilegierte Minorität, die Auffassung, es reiche aus, wenn der Dirigentenstab der Bourgeoisie von einem revolutionär sich wähnenden Zentralkomitee entrissen werde, stieß schon früh auf die Kritik Rosa Luxemburgs, die als erste marxistische Theoretikerin den Begriff der Spontaneität ins Spiel brachte. Nicht sei es das Ziel, die Arbeiterinnen zum Kadavergehorsam zu erziehen, sondern vielmehr sollte  sich die Partei auf die Rolle eines Sprechers und Transformators der Massenenergie beschränken, lediglich als &amp;quot;Dolmetscher des Massenwillens&amp;quot; agieren. Die gescheiterte russische Revolution von 1905 kommentierend, entwarf sie das Konzept des &amp;quot;Massenstreiks&amp;quot;, der sich im Wesentlichen nicht vom anarchosyndikalistischen Generalstreik unterschied. Dass sie diese Taktik zur Aufnahme ins sozialdemokratische Arsenal empfahl, bedeutete ihrer Ansicht nach nicht eine &amp;quot;Ehrenrettung des Anarchismus&amp;quot;, sondern dessen &amp;quot;geschichtliche Liquidierung&amp;quot;. Die Revolution habe gezeigt, dass der Anarchismus &amp;quot;zum Aushängeschild für gemeine Diebe und Plünderer&amp;quot; geworden und nur &amp;quot;wie ein Rudel Haifische hinter dem Schlachtschiff der Revolution&amp;quot; hergeschwommen sei (''Schriften zur Theorie der Spontaneität''). Trotz dieser Denunziation war  Luxemburg mit ihrem Beharren auf der Aktivität der Massen nicht weit entfernt von anarchistischen Modellen, von einem Sozialismus, der von ArbeiterInnenräten von unten nach oben angetrieben würde. &amp;quot;Rosa Luxemburg ist&amp;quot;, meinte Daniel Guérin, &amp;quot;eines der verbindenden Elemente zwischen dem Anarchismus und dem authentischen Marxismus&amp;quot; (''L'anarchisme''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Augen Antonio Gramscis ignorierten &amp;quot;Spontaneisten&amp;quot; und Anarchisten vollkommen die Hegemonie der Bourgeoisie, wenn sie sich voller Optimismus auf direkte Aktionen der Massen  verließen, ohne aufkommende Oppositionsbewegungen so zu formen, dass sie eine tatsächliche Herausforderung des bestehenden Systems darstellten. Von der unbedingten Notwendigkeit von Staat, Partei und Autorität überzeugt, vertrat er die Auffassung, dass die anarchistischen Arbeiterinnen nicht Staat und Eigentum an sich bekämpften. sondern nur deren kapitalistischen Auswuchs. Der die Macht ergreifende &amp;quot;Arbeiterstaat&amp;quot; würde auch ihnen Freiheit und die Verwirklichung proletarischer Ideale eröffnen, als zentralisierte Macht sie vor Reaktion und Konterrevolution schützen. Im revolutionären Kampf agiere die Partei beispielgebend und wirke auf die Massen anspornend ein. Allein auf die Spontaneität sich zu verlassen und nicht systematisch am kreativen revolutionären Werk zu arbeiten, sei bloße Illusion von  Ideologen und unbewusste Konterrevolution im voraus. Gramsci strebte eine Synthese von organisierter Planung und spontanen Elementen an. Zur revolutionären Umgestaltung seien sowohl die aktiven Massen als auch intellektuelle &amp;quot;Führer“ notwendig, die eher ideologische oder pädagogische denn instrumentelle Funktionen ausüben sollten. In gewisser Weise ähnelt dies der bakunistischen Vorstellung von den &amp;quot;Geburtshelfern der Revolution&amp;quot;, deren latentes autoritäre Gedankengut bei  Gramsci sich noch verstärkte. Da die Arbeiterklasse aufgrund der fehlenden ökonomischen Basis keine eigenen organischen Intellektuellen hervorzubringen vermöge, sei einzig die Avantgardepartei des Proletariats dazu fähig, politische Intellektuelle heranzubilden, welche die &amp;quot;revolutionäre Sache&amp;quot; vorantreiben könnten. Wie alle marxistischen Theoretiker sah er in Anarchisten bloße romantische Tollköpfe, die das Proletariat in Verwirrung stürzten und ins Verderben trieben. &amp;quot;Wer Herr der Geschichte ist und ihr den Rhythmus des Fortschritts aufzwingt&amp;quot;, erklärt er 1919, &amp;quot;wer das sichere und unaufhaltsame Fortschreiten der kommunistischen Zivilisation bestimmt, das sind nicht die 'Halbstarken', das ist nicht das Lumpenproletariat, das sind nicht die Bohemiens, die Dilettanten, die langhaarigen und frenetischen Romantiker, sondern das sind die großen Massen der klassenbewussten Arbeiter, die stählernen Bataillone des bewussten und disziplinierten Proletariats.&amp;quot; Im militaristischen Jargon wurde der &amp;quot;Geist der Verantwortung&amp;quot; beschworen, der &amp;quot;so schneidend und unversöhnlich&amp;quot; wie das &amp;quot;Schwert eines Scharfrichters&amp;quot;sein müsse,und angedroht wurde die grausame Notwendigkeit, Unfolgsamen &amp;quot;Disziplin und Treue mit Waffengewalt&amp;quot; aufzuzwingen, &amp;quot;um das gesellschaftliche Ganze vor dem Zusammenbruch und dem Verderben zu retten&amp;quot; (''Der Staat und der Sozialismus'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leo Trotzki und die antistalinistische Opposition==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihre bürgerlichen Opponenten glaubten Marxisten an die Wissenschaft, Fortschritt und Erfolg und machten die wissenschaftliche und industrielle Rationalität zu ihrer eigenen. Stalin, der markanterweise 1906 mit einer dumpfen Tirade gegen den Anarchismus erstmals in Erscheinung getreten war, verdankte seine Popularität bei vielen westlichen Linken und liberalen fellow-travellers in den dreißiger Jahren dem Image des Erfolgsmenschen, der allen Widrigkeiten zum Trotz eine neue, bessere Welt schaffen wollte. In einer Zeit, da Depression, Faschismus und Krieg die menschliche Existenz bedrohten, erschien er als &amp;quot;flexibler&amp;quot; und &amp;quot;pragmatischer&amp;quot; Praktiker, der die &amp;quot;konkrete Utopie&amp;quot; vom &amp;quot;Sozialismus in einem Land&amp;quot; zu realisieren trachtete. Andere Alternativen wie Rätekommunismus oder Anarchismus galten den meisten Linken als realitätsferne Modelle, die den Anforderungen der Praxis nicht standhalten konnten. Sozialismus und Marxismus wurden mit dem &amp;quot;Fortschritt&amp;quot; in der Sowjetunion gleichgesetzt. Selbst Leo Trotzki, von den Stalinisten ins Exil getrieben, rückte davon nicht ab. Als einige seiner Anhänger die UdSSR als &amp;quot;bürokratischen Kollektivismus&amp;quot;, als bloßen Unterdrückungsapparat einer neuen Herrschaftsklasse geißelten, insistierte er, dass die sowjetische Bürokratie (die er den rückständigen Verhältnissen anlastete) lediglich ein &amp;quot;episodischer Rückfall&amp;quot; sei. Vom zweiten Weltkrieg erhoffte er sich eine neuerliche sozialistische Revolution, die mit der Bürokratie aufräumte und eine Resurrektion der &amp;quot;sowjetischen Demokratie&amp;quot; auf einer weitaus höheren ökonomischen und kulturellen Ebene als 1918 bewirkte. Sollte diese Revolution ausbleiben, befürchtete er den Untergang der Zivilisation. Der bürokratische Rückfall wäre dann der organischen Unfähigkeit des Proletariats zuzuschreiben, zur herrschenden Klasse zu werden. Das sowjetische System wäre somit der Prototyp eines neuen Ausbeuterregimes im internationalen Maßstab. Wenn das Weltproletariat als unfähig sich erweise, die Mission zu erfüllen, die ihm die Geschichte anvertraut habe, bleibe nur einzugestehen, dass das auf den inneren Widersprüchen beruhende sozialistische Programm als bloße Utopie sich entlarvt habe, und der Zusammenbruch aller Hoffnungen auf eine sozialistische Revolution wäre die Folge, denn noch günstigere Bedingungen als nun seien nicht zu erwarten (''L'U.R.S.S. dans la guerre''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich blieb die Revolution aus, und mit seiner Prophezeiung stieß L. Trotzki seine Anhänger in eine tiefe demoralisierende Krise. Wie viele Intellektuelle seit Marx hielt er Ausschau nach einem historischen Agenten, der die ersehnte Transformation herbeiführte. Aufgebürdet wurde diese Aufgabe einem mythologisierten Kollektiv namens &amp;quot;Proletariat&amp;quot;, dessen revolutionäre Kraft zunächst einmal Projektion von Intellektuellen war, die auf diese Weise die eigene Ohnmächtigkeit kompensierten, indem sie anderen vorschrieben, wann und wo welche Aktion zu unternehmen sei, um eine bessere Welt herbeizuführen. Auch wenn marxistische Oppositionsgruppen mit Vehemenz den Stalinismus attackierten, blieben sie doch im Autoritarismus verstrickt, beanspruchten die gleiche autoritäre Machtposition, die sie ihren Rivalen vorwarfen. &amp;quot;Die revolutionäre Bewegung spiegelt den Zustand, den sie angreift, negativ wider&amp;quot; (Max Horkheimer, ''Autoritärer Staat''). Dies traf nicht allein auf sektiererische Zirkel zu, die immer wieder die alten Dogmen bis zur Besinnungslosigkeit repetierten und gegen die realen Verhältnisse sich abschotteten, sondern auch auf jene Gruppen wie die Situationisten, die in den 1950er und 1960er Jahren die alten Verkrustungen von Marxismus und Anarchismus aufzubrechen hofften. Ihnen schwebte eine sofortige Realisierung des Reichs der Freiheit vor, in dem alle Formen von Verdinglichung und Entfremdung in ihrer Totalität abgeschafft und durch Formen unbeschränkter Subjektivität ersetzt wären. Trotz aller Kritik an Marx, Bakunin, Lenin, Trotzki und  Georg Lukács hielten sie an der &amp;quot;historischen Mission&amp;quot; des Proletariats fest, das als &amp;quot;Klasse des Bewusstseins&amp;quot; in ihren Schriften fungierte: Ihm wurde die Aufgabe überantwortet, die Trennung von Subjekt und Objekt, Praxis und Theorie, Politik und Verwaltung in der &amp;quot;spektakulären Warengesellschaft&amp;quot; zu überwinden. Das Proletariat sei, postulierte Guy Debord als theoretisches Mundstück der Situationisten, &amp;quot;das in dieser Gesellschaft wirkende Negative&amp;quot; (''Die Gesellschaft des Spektakels''). Zwar postulierten sie eine neue revolutionäre Praxis im &amp;quot;alltäglichen Leben&amp;quot; ohne Autorität, Parteikader oder bürokratische Apparate, doch ahmten sie in einer grotesken Parodie leninistische Praktiken nach: Die selbst ernannte revolutionäre Avantgarde, die vorgeblich im Namen des &amp;quot;Proletariats&amp;quot; agierte, schuf sich eine exklusive internationale Mikro-Organisation mit einem Zentralrat, einem Chefideologen und einem Zentralorgan und schwang sich zu Führern der angeblich bewusstlosen Massen auf. Wie Marx in seinen Kämpfen um die Machtposition in der revolutionären Bewegung Widersacher von Wilhelm Weitling bis  Bakunin dadurch auszustechen suchte, indem er ihre intellektuelle Fähigkeiten in Misskredit brachte und ihre vorgebliche Ignoranz öffentlich bloßzustellen trachtete, so warf Debord all sein intellektuelles Kapital in die Waagschale, um zu demonstrieren, dass er allein über die &amp;quot;richtige&amp;quot; und &amp;quot;wahre&amp;quot; Theorie verfügte, und per Exklusionspolitik entledigte er sich jener Konkurrenten, die seine Autorität und seien Führungsanspruch hätten unterminieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Marxismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma bestand darin, dass sich selbst diese &amp;quot;Outlaw-Marxisten&amp;quot; (Alvin W. Gouldner) als Führungskräfte verstanden, die Theorien erarbeiteten und Direktiven ausgaben, denen andere zu folgen hatten. Damit reproduzierten die &amp;quot;revolutionären Linksintellektuellen&amp;quot; aber lediglich die &amp;quot;Laster der bürgerlichen Gesellschaft&amp;quot;, wie Simone Weil 1934 kritisierte. &amp;quot;Unsere gesamte Zivilisation beruht auf der Spezialisierung, was die Knechtung der Ausführenden durch die Führenden bewirkt. Und auf einer solchen Basis kann man die Unterdrückung nur organisieren, aber nicht vermindem&amp;quot; (Unterdrückung und Freiheit). Pessimistisch, nach dem Triumph des Nazismus in Deutschland, erklärte sie, dass von den Menschen keine Hilfe zu erhoffen sei, und gerade das Proletariat erwies sich nicht als &amp;quot;Totengräber&amp;quot; des Kapitalismus. In dieser Gesellschaft setzten sich Rackets durch, exklusive, Macht ausübende und totale Unterwerfung einfordernde Cliquen, schrieb Max Horkheimer im amerikanischen Exil. Diese Herrschaftsform prägte auch die kommunistischen Parteien und die Gewerkschaften. &amp;quot;Das Racket-Muster, wie es für das Verhalten der Herrschenden gegenüber den Beherrschten typisch war, ist jetzt repräsentativ für alle menschlichen Beziehungen, selbst für die innerhalb der Arbeiterschaft. Der Unterschied zwischen dem Racket im Kapital und dem in der Arbeit liegt in der Tatsache, dass beim kapitalistischen Racket die gesamte Klasse profitiert, während das Racket der Arbeit als Monopol nur für ihre Führer und für die Arbeiteraristokratie fungiert. Die arbeitenden Massen sind die Objekte beider Formen; sie müssen das Ganze nur bezahlen&amp;quot; (''Zur Soziologie der Klassenverhältnisse''). Der Mythos von den &amp;quot;stählernen Bataillonen des bewussten und disziplinierten Proletariats&amp;quot; erwies sich aber gegenüber dieser Kritik als resistent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Neuen Linken triumphierte schließlich eine groteske &amp;quot;Proletophilie&amp;quot;, welche die Gründung zahlloser leninistischer Polit-Sekten beförderte. All der alte Mist komme wieder, kommentierte Murray Bookchin (''Post-Scarcity Anarchism'') diese Entwicklung der pseudo-historischen Retro-Inszenierungen in den späten 1960ern. Für ihn war die Fabrik nicht der einzig entscheidende Ort der Auseinandersetzung; vielmehr müssten alle menschlichen Lebensbereiche in den Kampf um revolutionäre Veränderungen eingeschlossen werden. Es sei ein Irrtum der marxistischen Theorie, lediglich die ökonomische Ausbeutung zu bekämpfen, während andere Herrschaftsformen weiterbeständen oder gar ausgedehnt würden. Bookchin hielt die Vorstellung von Marxisten und Anarchosyndikalisten, ein System der Herrschaft und Hierarchie könne durch Selbstverwaltung überwunden werden, für simplistisch, denn diese taste nicht alle übrigen Formen der Unterdrückung in der bürgerlichen Gesellschaft an. &amp;quot;Soziale Verzerrungen und Regressionen können nicht länger in erster Linie durch Eigentumsverhältnisse erklärt noch allein durch sozio-ökonomische Maßnahmen, wie etwa Verstaatlichung, Kollektivierung oder ,Arbeitsplatzdemokratie', berichtigt werden. Denn was all diese angebotenen Lösungen der vergifteten Natur der modernen Gesellschaft explodieren lässt, ist das angeschwollene Legat von Befehls- und Gehorsamsbeziehungen – mit einem Wort: Hierarchie als grundlegenderes Substrat aller Klassenbeziehungen&amp;quot; (''Were We Wrong?''). &lt;br /&gt;
In den Augen Bookchins boten weder Marxismus noch Anarchosyndikalismus Gewähr für eine radikale Umgestaltung des Bestehenden. Allein ein ökologisch und kommunitär orientierter Anarchismus könne die ungeschmälerte Freiheit realisieren und sei Garant dafür, dass ein revolutionäres Projekt nicht allmählich in Formen der Theorie und Praxis abgleite, die inhärent anfällig für opportunistische Kompromisse seien. Zielpunkt seiner oft harschen und polemischen Kritik sind vor allem neo-marxistische Akademiker, denen er vorwirft, sie hätten sich aus der Gesellschaft in universitäre Zirkel zurückgezogen und lieferten keinen Beitrag zur emanzipatorischen Praxis. Anstatt zu helfen, die Welt zu verändern, interpretierten sie sie lediglich, was sie in krassen Gegensatz zu Marx stelle (''Beyond Neo-Marxism''). In ihrer Jugend als &amp;quot;Neue Linke&amp;quot; aufgebrochen, um die Institutionen des Staates zu &amp;quot;demokratisieren&amp;quot; und zu &amp;quot;politisieren&amp;quot;, zu verändern und neu zu gestalten, wurden diese Veteranen des &amp;quot;langen Marsches&amp;quot; von diesen Institutionen ge- und verformt. Auf den akademischen Territorien der Herrschaft hat der Marxismus mit seinen verschiedenen Ausprägungen ein Refugium gefunden und ist selbst Teil des &amp;quot;akademischen Rackets&amp;quot; (Max Horkheimer) geworden, während seine Beiträge zu den (mittlerweile auch mit einer historischen Patina überzogenen) &amp;quot;neuen sozialen Bewegungen&amp;quot; in den 1970er und 1980er Jahren marginal blieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach dem Untergang==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Liquidation der realsozialistischen Staatsunternehmen und dem scheinbaren Triumph des kapitalistischen Sozialdarwinismus sahen sich auch akademische Marxisten vor der Sinn-und Existenzfrage gestellt, und allerorts bildeten sich linksintellektuelle Krisenstäbe, um nach der Implosion der marxistisch-leninistischen Altbauten die Chancen eines Neubeginns für das &amp;quot;sozialistische Projekt&amp;quot; auszuloten. Zweifelsohne habe es der Marxismus nötig, kritisiert und erneuert zu werden, konzediert der Pariser Sozialforscher Michael Löwy, vor allem deshalb, weil sein Bruch mit dem produktivistischen Muster des Industriekapitalismus und den Grundlagen der modernen bürgerlichen Zivilisation nicht radikal genug gewesen sei. Zwecks Revitalisierung des Marxismus wollte Löwy Ökologie, Pazifismus, Feminismus und Befreiungstheologie einverleiben, als wären diese ohne Schwierigkeiten im marxistischen Theoriegebäude unterzubringen. Auch dem Herausgeber der traditionellen ''New Left Review'', Robin Blackburn, schwebte nach dem Untergang eine &amp;quot;vollkommene Erneuerung und Reorientierung&amp;quot; des marxistischen &amp;quot;Projekts&amp;quot; vor, um eine &amp;quot;wahrhaft demokratische Kultur und politische Ordnung&amp;quot; zu schaffen, wobei die Integration ökologischer und kommunistischer Ansätze helfen sollten (Robin Blackburn, ''Fin de Siècle''). All dies aber führte nicht zu einer Rekonziliation von Marxismus und Anarchismus. Die Anerkennung dessen, was früher als Ausgeburt eines kleinbürgerlichen Romantizismus diffamiert wurde, läuft letztlich auf dreiste Briganterie hinaus: Um das eigene Überleben zu sichern, will man all dessen habhaft, was Hoffnung aufs Weiterleben verspricht, ohne der Mühe sich zu unterziehen, den Marxismus wirklich neu zu denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche und die Globalisierung des ökonomischen Systems seit den 1980er Jahren erzwangen schließlich auch ein Weiterdenken jenseits der gestanzten Muster der Vergangenheit, das zumindest Ansätze für eine Kritik der veränderten herrschenden Verhältnisse bot. So knüpft beispielsweise Nick Dyer-Witheford in seinem Buch ''Cyber-Marx'' mit seiner Vorstellung eines &amp;quot;autonomistischen Marxismus&amp;quot; an die italienischen Theoretiker Antonio Negri und Mario Tronti an. In seinen Augen hat die globale Restrukturierung des Kapitalismus keineswegs die alten Widersprüche zwischen Arbeit und Kapital aufgehoben, sondern vielmehr auf eine neue Ebene gebracht. Im Kreislauf von automatisierten Fabriken, interaktiven Medien, virtuellen Seminaren, gentechnologischen Laboratorien und globalen Netzwerken kaum durchschaubarer Konzernstrukturen hat sich zweierlei gebildet: gigantische Monopole, welche die Herrschaft über ganze Staatengebilde ausüben, als auch subversive Guerilla-Einheiten, die entweder isoliert oder postmodern über das World Wide Web virtuell organisiert gegen die Übermacht der technologischen Kontrolle mittels Sabotage oder Arbeitsverweigerung rebellieren.  Vieles in seiner Analyse der Verflechtungen des digitalen Kapitalismus erscheint schlüssig, doch mutet seine Abgrenzung zur &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; von Horkheimer und Adorno in der Betonung der &amp;quot;Sabotage&amp;quot; und des &amp;quot;Widerstandes&amp;quot; gegen die Macht der Herrschaft etwas antiquiert an. Zuweilen erinnert die Rede von der medialen Subversion an die Diskussionen der 1970er Jahre und das Rekurrieren auf das demokratische Potenzial des Internets – das es zweifelsohne besitzt –- an Hans Magnus Enzensbergers ''Baukasten zu einer Theorie der Medien'' (1970). Auch wenn sich &amp;quot;Hacktivisten&amp;quot; wie die &amp;quot;Electrohippies&amp;quot; oder das &amp;quot;Electronic Disturbance Theater&amp;quot; als Guerilla im Internet etablieren konnten, ist dies nicht der Beweis für den Beginn eines subversiven Kampfes an den Schnittstellen des digitalen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dialektik der Niederlage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Russell Jacoby treffend anmerkt, sind Erfolg und Niederlage dialektische Kategorien: Der zeitweilige Erfolg des sowjetischen Marxismus trug oft zur Niederlage anderer Marxismen oder linksoppositioneller Strömungen bei. Sowohl Erfolg als auch Niederlage sagen nichts über die Qualität oder Wahrheit des jeweiligen Ideenkonstrukts aus. Die Niederlagen des Anarchismus stellen kein Urteil über den Wert seiner Theorien und Werte dar. Ebenso wenig ist der Marxismus durch seine Verstrickung in die politische oder akademische Herrschaft desavouiert oder der Kapitalismus auf Grund seines momentanen Triumphes durch die Geschichte legitimiert. Es gehört zu den tragischen Ironien der Geschichte, dass der von Bakunin heftig attackierte „Staatssozialismus“ in der Phase seines herrschaftlichen Triumphes die linke Opposition zum Schweigen brachte, und nach seinem Ende seine linken Kritiker mit in den Abgrund riss.  Der westliche Marxismus lebt in den akademischen Reservaten letztlich nur als postmodernes Gespenst einer kulturell depravierten Bourgeoisie fort. Auf der anderen Seite hat es der Anarchismus versäumt, eine stimmige, radikale Kritik der  bestehenden Verhältnisse zu artikulieren. Selbst ein ehemals innovativer Kritiker wie Bookchin verrannte sich im Laufe der Zeit in einen dogmatischen Rigorismus, der nichts außer den eigenen Erkenntnissen gelten lassen konnte. Wenn Marxismus und Anarchismus entweder zur Apologetik der herrschenden Beliebigkeit oder zur militant gestylten Racket-Ideologie, die zur Heranbildung blinder Gefolgschaften statt kritischer Individuen beiträgt, mutieren, ist ihr einst radikales Ingenium abgestorben. Zu besinnen wäre sich, mit Marx gesprochen, auf die &amp;quot;rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten&amp;quot; (''MEW'', Bd. 1). So geht es weder um die Verteidigung des Marxismus noch um jene des Anarchismus, sondern um die Verwirklichung der Utopie einer besseren Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausgewählte Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Theodor W. Adorno, ''Soziologische Schriften I'' (''Gesammelte Schriften'', Bd. 8), Frankfurt/Main 1972 &lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Gesammelte Werke'', 3 Bände, Berlin 1975&lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften'', Berlin 1972 &lt;br /&gt;
*Robin Blackburn, &amp;quot;Fin de Siècle: Socialism After the Crash&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 185 (Januar-Februar 1991), S. 5-66 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''The Two Revolutions: Antonio Gramsci and the Dilemmas of Western Marxism'', Boston 1984 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''Social Movements and Political Power: Emerging Forms of Radicalism in the West'', Philadelphia 1986 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;Revolutionary Process, Political Strategy, and the Dilemma of Power&amp;quot;, ''Theory &amp;amp; Society,'' 4:3 (Herbst 1977), S. 359-393 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;The Intellectuals and Social Movements: Some Reflections on Academic Marxism&amp;quot;, ''Humanities in Society'', 6:2-3 (1983), S. 223-239 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''Post-Scarcity Anarchism'', Berkeley 1971 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''The Modern Crisis'', Montreal 1987&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Beyond Neo-Marxism&amp;quot;, ''Telos'', Nr. 36 (Sommer 1978).S. 5-28&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Were We Wrong?', ''Telos'', Nr. 65 (Herbst 1985), S. 59-74 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;New Social Movements: The Anarchic Dimension&amp;quot;, in: ''For Anarchism: History, Theory and Practice'', hg. David Goodway, London 1989, S. 259-274 &lt;br /&gt;
*John Clark, ''The Anarchist Moment: Reflections on Culture, Nature and Power'', Montreal 1984&lt;br /&gt;
*Nick Dyer-Witheford, ''Cyber-Marx: Cycles and Circuits of Struggles in High-Technology Capitalism'', Urbana 1999&lt;br /&gt;
*Guy Debord, ''Die Gesellschaft des Spektakels'', Berlin 1996 &lt;br /&gt;
*Michael Denning, ''Culture in the Age of Three Worlds'', London 2004&lt;br /&gt;
*Isaac Deutscher, ''Trotzki III: Der verstoßene Prophet, 1929-1940,'' Stuttgart 1972&lt;br /&gt;
*Wolfgang Dreßen, ''Antiautoritäres Lager und Anarchismus'', Berlin 1968 &lt;br /&gt;
*Vincent Geoghegan, ''Utopianism and Marxism'', London 1987 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''The Future of lntellectuals and the Rise of the New Class'', London 1979 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''Against Fragmentation: The Origins of Marxism and the Sociology of Intellectuals'', New York 1985 &lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, ''Marxismus und Kultur: Ideologie, Alltag, Kultur'', hg. Sabine Kebir, Hamburg 1983&lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, &amp;quot;Der Staat und der Sozialismus&amp;quot;, in: ''Zu Politik, Geschichte und Kultur: Ausgewählte Schriften'', hg. Guido Zamis, Leipzig 1980, S. 69-75 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''Pour un marxisme libertaire'', Paris 1969 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''L'anarchisme: De la doctrine à la pratique''. Paris 1981 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''A la recherche d'un communisme libertaire''. Paris 1984 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 5, Frankfurt/Main 1987. S. 293-319 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Zur Soziologie der Klassenverhilltnisse&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 12, Frankfurt/M. 1985, S. 75-104 &lt;br /&gt;
*Maurice. Issermann, ''If I Had a Hammer. . . The Death of the Old Left and the Birth of the New Left'', New York 1987 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Dialectic of Defeat: Contours of Western Marxism'', Cambridge 1981 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Picture Imperfect: Utopian Thought for an Anti-Utopian Age'', New York 2005&lt;br /&gt;
*Charles Jacquier (Hg.), ''Lebenserfahrung und Geistesarbeit: Simone Weil und der Anarchismus'', Nettersheim 2006&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Anarchismus und Sozialismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, Berlin 1955, S. 334-337&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 31, Berlin 1959, S. 1-106 &lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 25, Berlin 1970, S. 393-507&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Was tun?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, S. 355-551 &lt;br /&gt;
*Michael Löwy, &amp;quot;Twelve Theses on the Crisis of ,Really Existing Socialism&amp;quot;', ''Monthly Review'', 43:1 (Mai 1991) S. 33-40 &lt;br /&gt;
*Rosa Luxemburg, ''Schriften zur Theorie der Spontaneität'', hg. S. Hillmann, Reinbek 1970 &lt;br /&gt;
*Karl Marx und Friedrich Engels, ''Über Anarchismus'', kompiliert von W. I. Bauer, Berlin 1977 &lt;br /&gt;
*Georgi Plechanow, ''Anarchismus und Sozialismus'', 3. Aufl., Berlin 1911 &lt;br /&gt;
*Josef W. Stalin, &amp;quot;Anarchismus oder Sozialismus?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 1, Berlin 1950, S. 257-323 &lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;L'U.R.S.S. dans la guerre&amp;quot;, in: ''Oeuvres'', Bd. 22, hg. Pierre Broué, Paris 1985, S. 40-62 &lt;br /&gt;
*Siva Vaidhyanathan, ''The Anarchist in the Library: How the Clash between Freedom and Control is Hacking the Real World and Crashing the System'', New York 2004&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald,''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Simone Weil, ''Unterdrückung und Freiheit: Politische Schriften'', Frankfurt/Main, 1987 &lt;br /&gt;
*Peter Wollen, &amp;quot;The Situationist International&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 174 (März-April 1989). S. 67-95 &lt;br /&gt;
*George Woodcock, ''Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements'', Harmondsworth 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Sachthemen|Lexikon der Anarchie: Sachthemen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Marxismus&amp;diff=5236</id>
		<title>Marxismus</title>
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				<updated>2007-03-17T17:59:27Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Einleitung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Anarchismus und Marxismus ist seit je von Spannungen und Feindseligkeiten gekennzeichnet, beginnend mit dem heftigen Disput zwischen Michail Bakunin und Karl Marx in der Ersten Internationale. Vom &amp;quot;mitgeborenen Feind&amp;quot; bedroht, haben Marxisten jeglicher Provenienz den Anarchismus oft als kleinbürgerlich-utopische, pseudorevolutionäre Doktrin diffamiert, welche die Arbeiterklasse desorientiere und realiter der bürgerlichen Reaktion in die Hand arbeite. In den Augen Friedrich Engels stellte er eine &amp;quot;hanswurstische Karikatur&amp;quot; der proletarischen Bewegung dar, die nur den Regierungen in Europa und Amerika nütze (''MEW'', Bd. 35), und für Lenin, einen Zweifrontenkrieg gegen den linken Radikalismus und den sozialdemokratischen Opportunismus führend, war der Anarchismus &amp;quot;nicht selten eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung&amp;quot; (Der &amp;quot;linke Radikalismus&amp;quot;). Wo der Anarchismus die Hegemonie der Marxisten über die internationale Arbeiterbewegung gefährdete, wurde er wie ein gefährlicher Virus isoliert oder ausgemerzt, aber doch verweste er nicht auf der &amp;quot;Müllhalde der Geschichte&amp;quot;, sondern tauchte immer wieder in der  politischen Arena auf, um den &amp;quot;feindlichen Bruder&amp;quot; stets aufs neue herauszufordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Marx' Konzept der sozialen Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Beginn an scheint es zwischen Anarchisten und Marxisten der lediglich Differenzen bezüglich der Wahl der Mittel, nicht aber der Ziele gegeben zu haben. &amp;quot;Marx hat&amp;quot;, sagte Theodor W. Adorno, &amp;quot;während der Jahre seines Lebens, die er darauf verwandte, den Anarchismus zu kritisieren, nicht einen herrschaftsfreien Zustand hintertreiben wollen, sondern meinte, dass durch bestimmte kurzschlüssige Aktionen das, was ihm vorschwebte, hintertrieben werde&amp;quot; (''Soziologische Schriften I''). Die Unterschiede waren jedoch weitaus gravierender. Marx zufolge sollte das disziplinierte, zentral geführte Proletariat die Staatsgewalt ergreifen und die Produktionsmittel in Staatseigentum umwandeln. In diesem Transformationsprozess würden die Unterschiede und Gegensätze der Klassen und damit auch der Staatsapparat als repressives Instrument der Klassenherrschaft allmählich aufgehoben. Seien die Klassen abgeschafft, meinte Marx, &amp;quot;so verschwindet die Gewalt des Staates, welche dazu dient, die große produzierende Mehrheit unter dem Joche einer wenig zahlreichen ausbeutenden Minderheit zu halten, und die Regierungsfunktionen verwandeln sich in einfache Verwaltungsfunktionen&amp;quot; (''MEW'', Bd. 18). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchistische Staatskritik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anarchistische Kritik geht freilich über den bloßen Klassencharakter des Staates hinaus: In ihrer Essenz wendet sie sich gegen jegliche Form von Herrschaft und Hierarchie, die nicht allein durch die &amp;quot;Abschaffung&amp;quot; oder das &amp;quot;Absterben“ des Staates überwunden wäre. In Marx' Schema war der voll entwickelte Kapitalismus Vorbedingung für den Sozialismus und die Zentralisation unentbehrlich für den gesellschaftlichen Fortschritt, denn sie zeitige nur solange Herrschaft, da sie Teil der bürgerlichen Entwicklung sei. In einer revolutionären Gesellschaft dagegen würde sie weder zum Anwachsen der Bürokratie führen noch wäre diese zum Erreichen der Zivilisation notwendig. &amp;quot;Die Zertrümmerung der Staatsmaschinerie wird die Zentralisation nicht gefährden&amp;quot;, schrieb er 1852. &amp;quot;Die Bürokratie ist nur die niedrige und brutale Form einer Zentralisation, die noch mit ihrem Gegensatze, dem Feudalismus, behaftet ist&amp;quot; (''MEW'', Bd. 8). Die Möglichkeit, dass noch größere Zentralisation und technologische Entwicklung einen neuen Bürokratismus, der wenig oder nichts mit den feudalistischen Traditionen zu tun hätte, hervorbringen könnten, fand bei Marx keine ernsthafte Betrachtung. Die &amp;quot;provisorische&amp;quot; Übernahme des Staates und der kapitalistischen Produktionsformen, die nicht von ihren hierarchischen Strukturen befreit sind, produziert neue Herrschaft, lässt eine neue Klasse sich konstituieren, deren Macht im Anwuchs zentralisierter Planung und spezialisierter Technik sich gründet, die auf die Funktionen früherer Bürokratien zurückgreift und eine etatistische Ideologie zur Legitimierung der eigenen Existenz benutzt. Die Indienstnahme von Wissenschaft und Technik begünstigt eine politisch-bürokratische Struktur, in der eine überwiegende Mehrheit von einer privilegierten Minderheit beherrscht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bakunin und der Autoritarismus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bakunin sah die Gefahr, dass eine von &amp;quot;autoritären Kommunisten&amp;quot; (d. h. Marxisten) geführte Revolution &amp;quot;die durch Dekrete beherrschten Volksmassen von neuem zum Gehorsam, zur Unbeweglichkeit, zum Tod verurteilen würde, das heißt zur Sklaverei und Ausbeutung durch eine neue quasi-revolutionäre Aristokratie&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3). Die von  Marx als &amp;quot;vorübergehend&amp;quot; konzipierte Diktatur laufe, so Bakunin, nur auf deren Verewigung hinaus und zementiere das Prinzip der Herrschaft. Da Marx den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in einer strengen Abfolge historischer Etappen sah, betrachtete er das Proletariat weniger als selbstbewusstes revolutionäres Subjekt, von dessen autonomen Aktionen das Gelingen der sozialen Revolution abhänge, denn als Objekt der &amp;quot;Geschichte&amp;quot;. Bedingt durch seine materielle Situation verfüge das Proletariat nicht über ein ausreichendes Bewusstsein, und daher bedürfe es einer revolutionären Avantgarde, die &amp;quot;theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung&amp;quot; voraus habe (''MEW'', Bd. 4). Zwar gestand er den proletarischen Massen eine gewisse Dosis an &amp;quot;Selbsttätigkeit&amp;quot; zu, doch ist dieser Begriff weit eingegrenzter als jener der &amp;quot;Spontaneität“, der das &amp;quot;historische - Recht“der Avantgarde auf die Führung des Proletariats aufs Spiel hätte setzen können. In den Augen Bakunins barg diese autoritäre Konzeption bereits den Keim einer neuen unfreien Gesellschaft in sich. Beharrlich insistierte er darauf, dass Freiheit &amp;quot;nur durch Freiheit&amp;quot; geschaffen werden könne, &amp;quot;durch die freie Organisation der Arbeitermassen von unten nach oben&amp;quot; (''Staatlichkeit und Anarchie''). Die &amp;quot;rote Bürokratie&amp;quot;, die er herannahen sah, realisierte sich  im Stalinismus. Doch auch seine Konzeption der sozialen Revolution war nicht frei von Fragwürdigkeiten. Zwar projektierte er die Avantgarde als &amp;quot;revolutionären Generalstab&amp;quot;, der sich damit begnügte, als &amp;quot;Vermittler zwischen der revolutionären Idee und den Volksinstinkten&amp;quot; zu dienen, doch redete er auch von einer &amp;quot;Diktatur ohne Schärpe, ohne Titel, ohne offizielles Recht, die desto mächtiger ist, weil sie keinen Anschein der Macht hat&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus das &amp;quot;falsche Bewusstsein einer kulturellen Bourgeoise, die radikalisiert worden ist&amp;quot; (Alvin W. Gouldner, ''The Future of Intellectuals''), so lief der &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; stets Gefahr, über die berechtigte Kritik an der &amp;quot;neuen Klasse&amp;quot; von Funktionären und Bürokraten in einen dumpfen Anti-Intellektualismus umzuschlagen, der im &amp;quot;kulturellen Kapital&amp;quot; der Intellektuellen einzig ein Mittel zur Unterdrückung der Massen sah. Wie im Nachhinein Marx die geistige Urheberschaft für den stalinistischen Gulag aufgebürdet wird, so ereilt Bakunin das Verdikt, mit seinem Insistieren auf einer Destruktion alles Bestehenden und einer Abschaffung jeglicher Privilegien den Boden für menschenverachtende Exzesse in der chinesischen Kulturrevolution bereitet zu haben. Der Maoismus war, in dieser Sichtweise, die Adaptierung des Marxismus hin zum &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; in seinem anderen historischen Terrain (Alvin W. Gouldner, ''Against Fragmentation''). Diese Interpretation unterschlägt aber, dass Bakunin nicht die Intellektuellen unter Kontrolle bringen und sie einem &amp;quot;radikalen Egalitarismus&amp;quot;, einem totalitären System repressiver Gleichheit unterwerfen wollte: Ihm ging es – wie Marx – um die Emanzipation des Subjekts von den herrschenden Verhältnissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lenins Ultrazentralismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus ursprünglich eine anti-etatistische Theorie (so vage sie sein mochte), geriet er in der leninistischen Version in eine unauflösbare Verbindung mit der Idee der Staatsaktivität. Lenin trieb die Sorge um, von plötzlich auftretenden, nicht kanalisierten Kräften der Arbeitermassen fortgeschwemmt zu werden, eben jener Massen, die lediglich ein trade-unionistisches Bewusstsein besäßen und nicht in der Lage seien, über die ökonomische Beziehungssphäre zwischen Arbeitern und Unternehmern hinauszudenken. Spontaneität war für ihn Ausdruck der bürgerlichen Ideologie, der sozialistisches Bewusstsein unterdrücke. Daher bestehe die unbedingte Notwendigkeit, Spontaneität in jeder Form zu bekämpfen. Eine revolutionäre Avantgardepartei mit Berufskadern und quasi-militärischen Befehlsstrukturen sollte von außen politisches Klassenbewusstsein in die Massen hineintragen, diese durch Organisation von oben erziehen und dirigieren. Lenin war ein &amp;quot;Techniker&amp;quot; der Revolution, dem die Methoden, Instrumente und Organisationsmittel allemal wichtiger waren als die Emanzipation von Herrschaft und Hierarchie. Mit der Übernahme des Staatsapparates sicherten sich die Bolschewiki das notwendige Herrschaftsinstrumentarium, und mittels des vom kapitalistischen Profitstreben gereinigten tayloristischen Systems sollten die Disziplin der Werktätigen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten gehoben und die Arbeitsintensität gesteigert werden. Da vor der menschlichen Emanzipation die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen werden mussten, wurde die aktive Beteiligung der Massen in eine mystische Zukunft hinausgeschoben. Im leninistischen Modell entbehrten die vagen demokratischen, libertären Ausführungen von ''Staat und Revolution'' (1917) einer jeglichen strukturellen Basis, so dass sie zu keiner Zeit ernsthaft in Lenins revolutionäre Strategie zu integrieren waren. Der bürokratische Zentralismus unterwarf die Arbeiterinnen einer neuen Herrschaftsschicht und eliminierte jegliche Form des autonomen Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Abweichung von der herrschenden Doktrin, äußerte sie sich in der direkten Aktion oder dem Streben nach Selbstverwaltung, wurde unterdrückt, klagte sie doch den simultanen Ablauf von wirtschaftlichem Aufbau und menschlicher Emanzipation ein und stellte die Avantgarde in Frage. Da der Anarchismus als &amp;quot;umgestülpter bürgerlicher Individualismus&amp;quot; die &amp;quot;vereinigende und organisierende Kraft der Staatsmacht&amp;quot; negiere (''Anarchismus und Sozialismus''), musste er - wenn er sich bedrohlich manifestierte - ausgelöscht werden. Im leninistischen Staatsbetrieb duldete das Management keine Auflehnung, sondern forderte Unterwerfung und Disziplin ein, um das Plansoll zu erreichen. Die ungeschmälerte Freiheit lag dabei außerhalb der Vorgaben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Lenin als &amp;quot;Disziplin&amp;quot; drapierte Beherrschung der Mehrheit durch eine privilegierte Minorität, die Auffassung, es reiche aus, wenn der Dirigentenstab der Bourgeoisie von einem revolutionär sich wähnenden Zentralkomitee entrissen werde, stieß schon früh auf die Kritik Rosa Luxemburgs, die als erste marxistische Theoretikerin den Begriff der Spontaneität ins Spiel brachte. Nicht sei es das Ziel, die Arbeiterinnen zum Kadavergehorsam zu erziehen, sondern vielmehr sollte  sich die Partei auf die Rolle eines Sprechers und Transformators der Massenenergie beschränken, lediglich als &amp;quot;Dolmetscher des Massenwillens&amp;quot; agieren. Die gescheiterte russische Revolution von 1905 kommentierend, entwarf sie das Konzept des &amp;quot;Massenstreiks&amp;quot;, der sich im Wesentlichen nicht vom anarchosyndikalistischen Generalstreik unterschied. Dass sie diese Taktik zur Aufnahme ins sozialdemokratische Arsenal empfahl, bedeutete ihrer Ansicht nach nicht eine &amp;quot;Ehrenrettung des Anarchismus&amp;quot;, sondern dessen &amp;quot;geschichtliche Liquidierung&amp;quot;. Die Revolution habe gezeigt, dass der Anarchismus &amp;quot;zum Aushängeschild für gemeine Diebe und Plünderer&amp;quot; geworden und nur &amp;quot;wie ein Rudel Haifische hinter dem Schlachtschiff der Revolution&amp;quot; hergeschwommen sei (''Schriften zur Theorie der Spontaneität''). Trotz dieser Denunziation war  Luxemburg mit ihrem Beharren auf der Aktivität der Massen nicht weit entfernt von anarchistischen Modellen, von einem Sozialismus, der von ArbeiterInnenräten von unten nach oben angetrieben würde. &amp;quot;Rosa Luxemburg ist&amp;quot;, meinte Daniel Guérin, &amp;quot;eines der verbindenden Elemente zwischen dem Anarchismus und dem authentischen Marxismus&amp;quot; (''L'anarchisme''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Augen Antonio Gramscis ignorierten &amp;quot;Spontaneisten&amp;quot; und Anarchisten vollkommen die Hegemonie der Bourgeoisie, wenn sie sich voller Optimismus auf direkte Aktionen der Massen  verließen, ohne aufkommende Oppositionsbewegungen so zu formen, dass sie eine tatsächliche Herausforderung des bestehenden Systems darstellten. Von der unbedingten Notwendigkeit von Staat, Partei und Autorität überzeugt, vertrat er die Auffassung, dass die anarchistischen Arbeiterinnen nicht Staat und Eigentum an sich bekämpften. sondern nur deren kapitalistischen Auswuchs. Der die Macht ergreifende &amp;quot;Arbeiterstaat&amp;quot; würde auch ihnen Freiheit und die Verwirklichung proletarischer Ideale eröffnen, als zentralisierte Macht sie vor Reaktion und Konterrevolution schützen. Im revolutionären Kampf agiere die Partei beispielgebend und wirke auf die Massen anspornend ein. Allein auf die Spontaneität sich zu verlassen und nicht systematisch am kreativen revolutionären Werk zu arbeiten, sei bloße Illusion von  Ideologen und unbewusste Konterrevolution im voraus. Gramsci strebte eine Synthese von organisierter Planung und spontanen Elementen an. Zur revolutionären Umgestaltung seien sowohl die aktiven Massen als auch intellektuelle &amp;quot;Führer“ notwendig, die eher ideologische oder pädagogische denn instrumentelle Funktionen ausüben sollten. In gewisser Weise ähnelt dies der bakunistischen Vorstellung von den &amp;quot;Geburtshelfern der Revolution&amp;quot;, deren latentes autoritäre Gedankengut bei  Gramsci sich noch verstärkte. Da die Arbeiterklasse aufgrund der fehlenden ökonomischen Basis keine eigenen organischen Intellektuellen hervorzubringen vermöge, sei einzig die Avantgardepartei des Proletariats dazu fähig, politische Intellektuelle heranzubilden, welche die &amp;quot;revolutionäre Sache&amp;quot; vorantreiben könnten. Wie alle marxistischen Theoretiker sah er in Anarchisten bloße romantische Tollköpfe, die das Proletariat in Verwirrung stürzten und ins Verderben trieben. &amp;quot;Wer Herr der Geschichte ist und ihr den Rhythmus des Fortschritts aufzwingt&amp;quot;, erklärt er 1919, &amp;quot;wer das sichere und unaufhaltsame Fortschreiten der kommunistischen Zivilisation bestimmt, das sind nicht die 'Halbstarken', das ist nicht das Lumpenproletariat, das sind nicht die Bohemiens, die Dilettanten, die langhaarigen und frenetischen Romantiker, sondern das sind die großen Massen der klassenbewussten Arbeiter, die stählernen Bataillone des bewussten und disziplinierten Proletariats.&amp;quot; Im militaristischen Jargon wurde der &amp;quot;Geist der Verantwortung&amp;quot; beschworen, der &amp;quot;so schneidend und unversöhnlich&amp;quot; wie das &amp;quot;Schwert eines Scharfrichters&amp;quot;sein müsse,und angedroht wurde die grausame Notwendigkeit, Unfolgsamen &amp;quot;Disziplin und Treue mit Waffengewalt&amp;quot; aufzuzwingen, &amp;quot;um das gesellschaftliche Ganze vor dem Zusammenbruch und dem Verderben zu retten&amp;quot; (''Der Staat und der Sozialismus'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leo Trotzki und die antistalinistische Opposition==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihre bürgerlichen Opponenten glaubten Marxisten an die Wissenschaft, Fortschritt und Erfolg und machten die wissenschaftliche und industrielle Rationalität zu ihrer eigenen. Stalin, der markanterweise 1906 mit einer dumpfen Tirade gegen den Anarchismus erstmals in Erscheinung getreten war, verdankte seine Popularität bei vielen westlichen Linken und liberalen fellow-travellers in den dreißiger Jahren dem Image des Erfolgsmenschen, der allen Widrigkeiten zum Trotz eine neue, bessere Welt schaffen wollte. In einer Zeit, da Depression, Faschismus und Krieg die menschliche Existenz bedrohten, erschien er als &amp;quot;flexibler&amp;quot; und &amp;quot;pragmatischer&amp;quot; Praktiker, der die &amp;quot;konkrete Utopie&amp;quot; vom &amp;quot;Sozialismus in einem Land&amp;quot; zu realisieren trachtete. Andere Alternativen wie Rätekommunismus oder Anarchismus galten den meisten Linken als realitätsferne Modelle, die den Anforderungen der Praxis nicht standhalten konnten. Sozialismus und Marxismus wurden mit dem &amp;quot;Fortschritt&amp;quot; in der Sowjetunion gleichgesetzt. Selbst Leo Trotzki, von den Stalinisten ins Exil getrieben, rückte davon nicht ab. Als einige seiner Anhänger die UdSSR als &amp;quot;bürokratischen Kollektivismus&amp;quot;, als bloßen Unterdrückungsapparat einer neuen Herrschaftsklasse geißelten, insistierte er, dass die sowjetische Bürokratie (die er den rückständigen Verhältnissen anlastete) lediglich ein &amp;quot;episodischer Rückfall&amp;quot; sei. Vom zweiten Weltkrieg erhoffte er sich eine neuerliche sozialistische Revolution, die mit der Bürokratie aufräumte und eine Resurrektion der &amp;quot;sowjetischen Demokratie&amp;quot; auf einer weitaus höheren ökonomischen und kulturellen Ebene als 1918 bewirkte. Sollte diese Revolution ausbleiben, befürchtete er den Untergang der Zivilisation. Der bürokratische Rückfall wäre dann der organischen Unfähigkeit des Proletariats zuzuschreiben, zur herrschenden Klasse zu werden. Das sowjetische System wäre somit der Prototyp eines neuen Ausbeuterregimes im internationalen Maßstab. Wenn das Weltproletariat als unfähig sich erweise, die Mission zu erfüllen, die ihm die Geschichte anvertraut habe, bleibe nur einzugestehen, dass das auf den inneren Widersprüchen beruhende sozialistische Programm als bloße Utopie sich entlarvt habe, und der Zusammenbruch aller Hoffnungen auf eine sozialistische Revolution wäre die Folge, denn noch günstigere Bedingungen als nun seien nicht zu erwarten (''L'U.R.S.S. dans la guerre''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich blieb die Revolution aus, und mit seiner Prophezeiung stieß L. Trotzki seine Anhänger in eine tiefe demoralisierende Krise. Wie viele Intellektuelle seit Marx hielt er Ausschau nach einem historischen Agenten, der die ersehnte Transformation herbeiführte. Aufgebürdet wurde diese Aufgabe einem mythologisierten Kollektiv namens &amp;quot;Proletariat&amp;quot;, dessen revolutionäre Kraft zunächst einmal Projektion von Intellektuellen war, die auf diese Weise die eigene Ohnmächtigkeit kompensierten, indem sie anderen vorschrieben, wann und wo welche Aktion zu unternehmen sei, um eine bessere Welt herbeizuführen. Auch wenn marxistische Oppositionsgruppen mit Vehemenz den Stalinismus attackierten, blieben sie doch im Autoritarismus verstrickt, beanspruchten die gleiche autoritäre Machtposition, die sie ihren Rivalen vorwarfen. &amp;quot;Die revolutionäre Bewegung spiegelt den Zustand, den sie angreift, negativ wider&amp;quot; (Max Horkheimer, ''Autoritärer Staat''). Dies traf nicht allein auf sektiererische Zirkel zu, die immer wieder die alten Dogmen bis zur Besinnungslosigkeit repetierten und gegen die realen Verhältnisse sich abschotteten, sondern auch auf jene Gruppen wie die Situationisten, die in den 1950er und 1960er Jahren die alten Verkrustungen von Marxismus und Anarchismus aufzubrechen hofften. Ihnen schwebte eine sofortige Realisierung des Reichs der Freiheit vor, in dem alle Formen von Verdinglichung und Entfremdung in ihrer Totalität abgeschafft und durch Formen unbeschränkter Subjektivität ersetzt wären. Trotz aller Kritik an Marx, Bakunin, Lenin, Trotzki und  Georg Lukács hielten sie an der &amp;quot;historischen Mission&amp;quot; des Proletariats fest, das als &amp;quot;Klasse des Bewusstseins&amp;quot; in ihren Schriften fungierte: Ihm wurde die Aufgabe überantwortet, die Trennung von Subjekt und Objekt, Praxis und Theorie, Politik und Verwaltung in der &amp;quot;spektakulären Warengesellschaft&amp;quot; zu überwinden. Das Proletariat sei, postulierte Guy Debord als theoretisches Mundstück der Situationisten, &amp;quot;das in dieser Gesellschaft wirkende Negative&amp;quot; (''Die Gesellschaft des Spektakels''). Zwar postulierten sie eine neue revolutionäre Praxis im &amp;quot;alltäglichen Leben&amp;quot; ohne Autorität, Parteikader oder bürokratische Apparate, doch ahmten sie in einer grotesken Parodie leninistische Praktiken nach: Die selbst ernannte revolutionäre Avantgarde, die vorgeblich im Namen des &amp;quot;Proletariats&amp;quot; agierte, schuf sich eine exklusive internationale Mikro-Organisation mit einem Zentralrat, einem Chefideologen und einem Zentralorgan und schwang sich zu Führern der angeblich bewusstlosen Massen auf. Wie Marx in seinen Kämpfen um die Machtposition in der revolutionären Bewegung Widersacher von Wilhelm Weitling bis  Bakunin dadurch auszustechen suchte, indem er ihre intellektuelle Fähigkeiten in Misskredit brachte und ihre vorgebliche Ignoranz öffentlich bloßzustellen trachtete, so warf Debord all sein intellektuelles Kapital in die Waagschale, um zu demonstrieren, dass er allein über die &amp;quot;richtige&amp;quot; und &amp;quot;wahre&amp;quot; Theorie verfügte, und per Exklusionspolitik entledigte er sich jener Konkurrenten, die seine Autorität und seien Führungsanspruch hätten unterminieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Marxismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma bestand darin, dass sich selbst diese &amp;quot;Outlaw-Marxisten&amp;quot; (Alvin W. Gouldner) als Führungskräfte verstanden, die Theorien erarbeiteten und Direktiven ausgaben, denen andere zu folgen hatten. Damit reproduzierten die &amp;quot;revolutionären Linksintellektuellen&amp;quot; aber lediglich die &amp;quot;Laster der bürgerlichen Gesellschaft&amp;quot;, wie Simone Weil 1934 kritisierte. &amp;quot;Unsere gesamte Zivilisation beruht auf der Spezialisierung, was die Knechtung der Ausführenden durch die Führenden bewirkt. Und auf einer solchen Basis kann man die Unterdrückung nur organisieren, aber nicht vermindem&amp;quot; (Unterdrückung und Freiheit). Pessimistisch, nach dem Triumph des Nazismus in Deutschland, erklärte sie, dass von den Menschen keine Hilfe zu erhoffen sei, und gerade das Proletariat erwies sich nicht als &amp;quot;Totengräber&amp;quot; des Kapitalismus. In dieser Gesellschaft setzten sich Rackets durch, exklusive, Macht ausübende und totale Unterwerfung einfordernde Cliquen, schrieb Max Horkheimer im amerikanischen Exil. Diese Herrschaftsform prägte auch die kommunistischen Parteien und die Gewerkschaften. &amp;quot;Das Racket-Muster, wie es für das Verhalten der Herrschenden gegenüber den Beherrschten typisch war, ist jetzt repräsentativ für alle menschlichen Beziehungen, selbst für die innerhalb der Arbeiterschaft. Der Unterschied zwischen dem Racket im Kapital und dem in der Arbeit liegt in der Tatsache, dass beim kapitalistischen Racket die gesamte Klasse profitiert, während das Racket der Arbeit als Monopol nur für ihre Führer und für die Arbeiteraristokratie fungiert. Die arbeitenden Massen sind die Objekte beider Formen; sie müssen das Ganze nur bezahlen&amp;quot; (''Zur Soziologie der Klassenverhältnisse''). Der Mythos von den &amp;quot;stählernen Bataillonen des bewussten und disziplinierten Proletariats&amp;quot; erwies sich aber gegenüber dieser Kritik als resistent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Neuen Linken triumphierte schließlich eine groteske &amp;quot;Proletophilie&amp;quot;, welche die Gründung zahlloser leninistischer Polit-Sekten beförderte. All der alte Mist komme wieder, kommentierte Murray Bookchin (''Post-Scarcity Anarchism'') diese Entwicklung der pseudo-historischen Retro-Inszenierungen in den späten 1960ern. Für ihn war die Fabrik nicht der einzig entscheidende Ort der Auseinandersetzung; vielmehr müssten alle menschlichen Lebensbereiche in den Kampf um revolutionäre Veränderungen eingeschlossen werden. Es sei ein Irrtum der marxistischen Theorie, lediglich die ökonomische Ausbeutung zu bekämpfen, während andere Herrschaftsformen weiterbeständen oder gar ausgedehnt würden. Bookchin hielt die Vorstellung von Marxisten und Anarchosyndikalisten, ein System der Herrschaft und Hierarchie könne durch Selbstverwaltung überwunden werden, für simplistisch, denn diese taste nicht alle übrigen Formen der Unterdrückung in der bürgerlichen Gesellschaft an. &amp;quot;Soziale Verzerrungen und Regressionen können nicht länger in erster Linie durch Eigentumsverhältnisse erklärt noch allein durch sozio-ökonomische Maßnahmen, wie etwa Verstaatlichung, Kollektivierung oder ,Arbeitsplatzdemokratie', berichtigt werden. Denn was all diese angebotenen Lösungen der vergifteten Natur der modernen Gesellschaft explodieren lässt, ist das angeschwollene Legat von Befehls- und Gehorsamsbeziehungen – mit einem Wort: Hierarchie als grundlegenderes Substrat aller Klassenbeziehungen&amp;quot; (''Were We Wrong?''). &lt;br /&gt;
In den Augen Bookchins boten weder Marxismus noch Anarchosyndikalismus Gewähr für eine radikale Umgestaltung des Bestehenden. Allein ein ökologisch und kommunitär orientierter Anarchismus könne die ungeschmälerte Freiheit realisieren und sei Garant dafür, dass ein revolutionäres Projekt nicht allmählich in Formen der Theorie und Praxis abgleite, die inhärent anfällig für opportunistische Kompromisse seien. Zielpunkt seiner oft harschen und polemischen Kritik sind vor allem neo-marxistische Akademiker, denen er vorwirft, sie hätten sich aus der Gesellschaft in universitäre Zirkel zurückgezogen und lieferten keinen Beitrag zur emanzipatorischen Praxis. Anstatt zu helfen, die Welt zu verändern, interpretierten sie sie lediglich, was sie in krassen Gegensatz zu Marx stelle (''Beyond Neo-Marxism''). In ihrer Jugend als &amp;quot;Neue Linke&amp;quot; aufgebrochen, um die Institutionen des Staates zu &amp;quot;demokratisieren&amp;quot; und zu &amp;quot;politisieren&amp;quot;, zu verändern und neu zu gestalten, wurden diese Veteranen des &amp;quot;langen Marsches&amp;quot; von diesen Institutionen ge- und verformt. Auf den akademischen Territorien der Herrschaft hat der Marxismus mit seinen verschiedenen Ausprägungen ein Refugium gefunden und ist selbst Teil des &amp;quot;akademischen Rackets&amp;quot; (Max Horkheimer) geworden, während seine Beiträge zu den (mittlerweile auch mit einer historischen Patina überzogenen) &amp;quot;neuen sozialen Bewegungen&amp;quot; in den 1970er und 1980er Jahren marginal blieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach dem Untergang==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Liquidation der realsozialistischen Staatsunternehmen und dem scheinbaren Triumph des kapitalistischen Sozialdarwinismus sahen sich auch akademische Marxisten vor der Sinn-und Existenzfrage gestellt, und allerorts bildeten sich linksintellektuelle Krisenstäbe, um nach der Implosion der marxistisch-leninistischen Altbauten die Chancen eines Neubeginns für das &amp;quot;sozialistische Projekt&amp;quot; auszuloten. Zweifelsohne habe es der Marxismus nötig, kritisiert und erneuert zu werden, konzediert der Pariser Sozialforscher Michael Löwy, vor allem deshalb, weil sein Bruch mit dem produktivistischen Muster des Industriekapitalismus und den Grundlagen der modernen bürgerlichen Zivilisation nicht radikal genug gewesen sei. Zwecks Revitalisierung des Marxismus wollte Löwy Ökologie, Pazifismus, Feminismus und Befreiungstheologie einverleiben, als wären diese ohne Schwierigkeiten im marxistischen Theoriegebäude unterzubringen. Auch dem Herausgeber der traditionellen ''New Left Review'', Robin Blackburn, schwebte nach dem Untergang eine &amp;quot;vollkommene Erneuerung und Reorientierung&amp;quot; des marxistischen &amp;quot;Projekts&amp;quot; vor, um eine &amp;quot;wahrhaft demokratische Kultur und politische Ordnung&amp;quot; zu schaffen, wobei die Integration ökologischer und kommunistischer Ansätze helfen sollten (Robin Blackburn, ''Fin de Siècle''). All dies aber führte nicht zu einer Rekonziliation von Marxismus und Anarchismus. Die Anerkennung dessen, was früher als Ausgeburt eines kleinbürgerlichen Romantizismus diffamiert wurde, läuft letztlich auf dreiste Briganterie hinaus: Um das eigene Überleben zu sichern, will man all dessen habhaft, was Hoffnung aufs Weiterleben verspricht, ohne der Mühe sich zu unterziehen, den Marxismus wirklich neu zu denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche und die Globalisierung des ökonomischen Systems seit den 1980er Jahren erzwangen schließlich auch ein Weiterdenken jenseits der gestanzten Muster der Vergangenheit, das zumindest Ansätze für eine Kritik der veränderten herrschenden Verhältnisse bot. So knüpft beispielsweise Nick Dyer-Witheford in seinem Buch ''Cyber-Marx'' mit seiner Vorstellung eines &amp;quot;autonomistischen Marxismus&amp;quot; an die italienischen Theoretiker Antonio Negri und Mario Tronti an. In seinen Augen hat die globale Restrukturierung des Kapitalismus keineswegs die alten Widersprüche zwischen Arbeit und Kapital aufgehoben, sondern vielmehr auf eine neue Ebene gebracht. Im Kreislauf von automatisierten Fabriken, interaktiven Medien, virtuellen Seminaren, gentechnologischen Laboratorien und globalen Netzwerken kaum durchschaubarer Konzernstrukturen hat sich zweierlei gebildet: gigantische Monopole, welche die Herrschaft über ganze Staatengebilde ausüben, als auch subversive Guerilla-Einheiten, die entweder isoliert oder postmodern über das World Wide Web virtuell organisiert gegen die Übermacht der technologischen Kontrolle mittels Sabotage oder Arbeitsverweigerung rebellieren.  Vieles in seiner Analyse der Verflechtungen des digitalen Kapitalismus erscheint schlüssig, doch mutet seine Abgrenzung zur &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; von Horkheimer und Adorno in der Betonung der &amp;quot;Sabotage&amp;quot; und des &amp;quot;Widerstandes&amp;quot; gegen die Macht der Herrschaft etwas antiquiert an. Zuweilen erinnert die Rede von der medialen Subversion an die Diskussionen der 1970er Jahre und das Rekurrieren auf das demokratische Potenzial des Internets – das es zweifelsohne besitzt –- an Hans Magnus Enzensbergers ''Baukasten zu einer Theorie der Medien'' (1970). Auch wenn sich &amp;quot;Hacktivisten&amp;quot; wie die &amp;quot;Electrohippies&amp;quot; oder das &amp;quot;Electronic Disturbance Theater&amp;quot; als Guerilla im Internet etablieren konnten, ist dies nicht der Beweis für den Beginn eines subversiven Kampfes an den Schnittstellen des digitalen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dialektik der Niederlage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Russell Jacoby treffend anmerkt, sind Erfolg und Niederlage dialektische Kategorien: Der zeitweilige Erfolg des sowjetischen Marxismus trug oft zur Niederlage anderer Marxismen oder linksoppositioneller Strömungen bei. Sowohl Erfolg als auch Niederlage sagen nichts über die Qualität oder Wahrheit des jeweiligen Ideenkonstrukts aus. Die Niederlagen des Anarchismus stellen kein Urteil über den Wert seiner Theorien und Werte dar. Ebenso wenig ist der Marxismus durch seine Verstrickung in die politische oder akademische Herrschaft desavouiert oder der Kapitalismus auf Grund seines momentanen Triumphes durch die Geschichte legitimiert. Es gehört zu den tragischen Ironien der Geschichte, dass der von Bakunin heftig attackierte „Staatssozialismus“ in der Phase seines herrschaftlichen Triumphes die linke Opposition zum Schweigen brachte, und nach seinem Ende seine linken Kritiker mit in den Abgrund riss.  Der westliche Marxismus lebt in den akademischen Reservaten letztlich nur als postmodernes Gespenst einer kulturell depravierten Bourgeoisie fort. Auf der anderen Seite hat es der Anarchismus versäumt, eine stimmige, radikale Kritik der  bestehenden Verhältnisse zu artikulieren. Selbst ein ehemals innovativer Kritiker wie Bookchin verrannte sich im Laufe der Zeit in einen dogmatischen Rigorismus, der nichts außer den eigenen Erkenntnissen gelten lassen konnte. Wenn Marxismus und Anarchismus entweder zur Apologetik der herrschenden Beliebigkeit oder zur militant gestylten Racket-Ideologie, die zur Heranbildung blinder Gefolgschaften statt kritischer Individuen beiträgt, mutieren, ist ihr einst radikales Ingenium abgestorben. Zu besinnen wäre sich, mit Marx gesprochen, auf die &amp;quot;rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten&amp;quot; (''MEW'', Bd. 1). So geht es weder um die Verteidigung des Marxismus noch um jene des Anarchismus, sondern um die Verwirklichung der Utopie einer besseren Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausgewählte Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Theodor W. Adorno, ''Soziologische Schriften I'' (''Gesammelte Schriften'', Bd. 8), Frankfurt/Main 1972 &lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Gesammelte Werke'', 3 Bände, Berlin 1975&lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften'', Berlin 1972 &lt;br /&gt;
*Robin Blackburn, &amp;quot;Fin de Siècle: Socialism After the Crash&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 185 (Januar-Februar 1991), S. 5-66 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''The Two Revolutions: Antonio Gramsci and the Dilemmas of Western Marxism'', Boston 1984 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''Social Movements and Political Power: Emerging Forms of Radicalism in the West'', Philadelphia 1986 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;Revolutionary Process, Political Strategy, and the Dilemma of Power&amp;quot;, ''Theory &amp;amp; Society,'' 4:3 (Herbst 1977), S. 359-393 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;The Intellectuals and Social Movements: Some Reflections on Academic Marxism&amp;quot;, ''Humanities in Society'', 6:2-3 (1983), S. 223-239 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''Post-Scarcity Anarchism'', Berkeley 1971 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''The Modern Crisis'', Montreal 1987&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Beyond Neo-Marxism&amp;quot;, ''Telos'', Nr. 36 (Sommer 1978).S. 5-28&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Were We Wrong?', ''Telos'', Nr. 65 (Herbst 1985), S. 59-74 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;New Social Movements: The Anarchic Dimension&amp;quot;, in: ''For Anarchism: History, Theory and Practice'', hg. David Goodway, London 1989, S. 259-274 &lt;br /&gt;
*John Clark, ''The Anarchist Moment: Reflections on Culture, Nature and Power'', Montreal 1984&lt;br /&gt;
*Nick Dyer-Witheford, ''Cyber-Marx: Cycles and Circuits of Struggles in High-Technology Capitalism'', Urbana 1999&lt;br /&gt;
*Guy Debord, ''Die Gesellschaft des Spektakels'', Berlin 1996 &lt;br /&gt;
*Michael Denning, ''Culture in the Age of Three Worlds'', London 2004&lt;br /&gt;
*Isaac Deutscher, ''Trotzki III: Der verstoßene Prophet, 1929-1940,'' Stuttgart 1972&lt;br /&gt;
*Wolfgang Dreßen, ''Antiautoritäres Lager und Anarchismus'', Berlin 1968 &lt;br /&gt;
*Vincent Geoghegan, ''Utopianism and Marxism'', London 1987 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''The Future of lntellectuals and the Rise of the New Class'', London 1979 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''Against Fragmentation: The Origins of Marxism and the Sociology of Intellectuals'', New York 1985 &lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, ''Marxismus und Kultur: Ideologie, Alltag, Kultur'', hg. Sabine Kebir, Hamburg 1983&lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, &amp;quot;Der Staat und der Sozialismus&amp;quot;, in: ''Zu Politik, Geschichte und Kultur: Ausgewählte Schriften'', hg. Guido Zamis, Leipzig 1980, S. 69-75 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''Pour un marxisme libertaire'', Paris 1969 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''L'anarchisme: De la doctrine à la pratique''. Paris 1981 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''A la recherche d'un communisme libertaire''. Paris 1984 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 5, Frankfurt/Main 1987. S. 293-319 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Zur Soziologie der Klassenverhilltnisse&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 12, Frankfurt/M. 1985, S. 75-104 &lt;br /&gt;
*Maurice. Issermann, ''If I Had a Hammer. . . The Death of the Old Left and the Birth of the New Left'', New York 1987 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Dialectic of Defeat: Contours of Western Marxism'', Cambridge 1981 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Picture Imperfect: Utopian Thought for an Anti-Utopian Age'', New York 2005&lt;br /&gt;
*Charles Jacquier (Hg.), ''Lebenserfahrung und Geistesarbeit: Simone Weil und der Anarchismus'', Nettersheim 2006&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Anarchismus und Sozialismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, Berlin 1955, S. 334-337&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 31, Berlin 1959, S. 1-106 &lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 25, Berlin 1970, S. 393-507&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Was tun?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, S. 355-551 &lt;br /&gt;
*Michael Löwy, &amp;quot;Twelve Theses on the Crisis of ,Really Existing Socialism&amp;quot;', ''Monthly Review'', 43:1 (Mai 1991) S. 33-40 &lt;br /&gt;
*Rosa Luxemburg, ''Schriften zur Theorie der Spontaneität'', hg. S. Hillmann, Reinbek 1970 &lt;br /&gt;
*Karl Marx und Friedrich Engels, ''Über Anarchismus'', kompiliert von W. I. Bauer, Berlin 1977 &lt;br /&gt;
*Georgi Plechanow, ''Anarchismus und Sozialismus'', 3. Aufl., Berlin 1911 &lt;br /&gt;
*Josef W. Stalin, &amp;quot;Anarchismus oder Sozialismus?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 1, Berlin 1950, S. 257-323 &lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;L'U.R.S.S. dans la guerre&amp;quot;, in: ''Oeuvres'', Bd. 22, hg. Pierre Broué, Paris 1985, S. 40-62 &lt;br /&gt;
*Siva Vaidhyanathan, ''The Anarchist in the Library: How the Clash between Freedom and Control is Hacking the Real World and Crashing the System'', New York 2004&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald,''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Simone Weil, ''Unterdrückung und Freiheit: Politische Schriften'', Frankfurt/Main, 1987 &lt;br /&gt;
*Peter Wollen, &amp;quot;The Situationist International&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 174 (März-April 1989). S. 67-95 &lt;br /&gt;
*George Woodcock, ''Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements'', Harmondsworth 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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'''[[Portal Sachthemen|Lexikon der Anarchie: Sachthemen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
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&lt;div&gt;==Einleitung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Anarchismus und Marxismus ist seit je von Spannungen und Feindseligkeiten gekennzeichnet, beginnend mit dem heftigen Disput zwischen Michail Bakunin und Karl Marx in der Ersten Internationale. Vom &amp;quot;mitgeborenen Feind&amp;quot; bedroht, haben Marxisten jeglicher Provenienz den Anarchismus oft als kleinbürgerlich-utopische, pseudorevolutionäre Doktrin diffamiert, welche die Arbeiterklasse desorientiere und realiter der bürgerlichen Reaktion in die Hand arbeite. In den Augen Friedrich Engels stellte er eine &amp;quot;hanswurstische Karikatur&amp;quot; der proletarischen Bewegung dar, die nur den Regierungen in Europa und Amerika nütze (''MEW'', Bd. 35), und für Lenin, einen Zweifrontenkrieg gegen den linken Radikalismus und den sozialdemokratischen Opportunismus führend, war der Anarchismus &amp;quot;nicht selten eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung&amp;quot; (Der &amp;quot;linke Radikalismus&amp;quot;). Wo der Anarchismus die Hegemonie der Marxisten über die internationale Arbeiterbewegung gefährdete, wurde er wie ein gefährlicher Virus isoliert oder ausgemerzt, aber doch verweste er nicht auf der &amp;quot;Müllhalde der Geschichte&amp;quot;, sondern tauchte immer wieder in der  politischen Arena auf, um den &amp;quot;feindlichen Bruder&amp;quot; stets aufs neue herauszufordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Marx' Konzept der sozialen Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Beginn an scheint es zwischen Anarchisten und Marxisten der lediglich Differenzen bezüglich der Wahl der Mittel, nicht aber der Ziele gegeben zu haben. &amp;quot;Marx hat&amp;quot;, sagte Theodor W. Adorno, &amp;quot;während der Jahre seines Lebens, die er darauf verwandte, den Anarchismus zu kritisieren, nicht einen herrschaftsfreien Zustand hintertreiben wollen, sondern meinte, dass durch bestimmte kurzschlüssige Aktionen das, was ihm vorschwebte, hintertrieben werde&amp;quot; (''Soziologische Schriften I''). Die Unterschiede waren jedoch weitaus gravierender. Marx zufolge sollte das disziplinierte, zentral geführte Proletariat die Staatsgewalt ergreifen und die Produktionsmittel in Staatseigentum umwandeln. In diesem Transformationsprozess würden die Unterschiede und Gegensätze der Klassen und damit auch der Staatsapparat als repressives Instrument der Klassenherrschaft allmählich aufgehoben. Seien die Klassen abgeschafft, meinte Marx, &amp;quot;so verschwindet die Gewalt des Staates, welche dazu dient, die große produzierende Mehrheit unter dem Joche einer wenig zahlreichen ausbeutenden Minderheit zu halten, und die Regierungsfunktionen verwandeln sich in einfache Verwaltungsfunktionen&amp;quot; (''MEW'', Bd. 18). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchistische Staatskritik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anarchistische Kritik geht freilich über den bloßen Klassencharakter des Staates hinaus: In ihrer Essenz wendet sie sich gegen jegliche Form von Herrschaft und Hierarchie, die nicht allein durch die &amp;quot;Abschaffung&amp;quot; oder das &amp;quot;Absterben“ des Staates überwunden wäre. In Marx' Schema war der voll entwickelte Kapitalismus Vorbedingung für den Sozialismus und die Zentralisation unentbehrlich für den gesellschaftlichen Fortschritt, denn sie zeitige nur solange Herrschaft, da sie Teil der bürgerlichen Entwicklung sei. In einer revolutionären Gesellschaft dagegen würde sie weder zum Anwachsen der Bürokratie führen noch wäre diese zum Erreichen der Zivilisation notwendig. &amp;quot;Die Zertrümmerung der Staatsmaschinerie wird die Zentralisation nicht gefährden&amp;quot;, schrieb er 1852. &amp;quot;Die Bürokratie ist nur die niedrige und brutale Form einer Zentralisation, die noch mit ihrem Gegensatze, dem Feudalismus, behaftet ist&amp;quot; (''MEW'', Bd. 8). Die Möglichkeit, dass noch größere Zentralisation und technologische Entwicklung einen neuen Bürokratismus, der wenig oder nichts mit den feudalistischen Traditionen zu tun hätte, hervorbringen könnten, fand bei Marx keine ernsthafte Betrachtung. Die &amp;quot;provisorische&amp;quot; Übernahme des Staates und der kapitalistischen Produktionsformen, die nicht von ihren hierarchischen Strukturen befreit sind, produziert neue Herrschaft, lässt eine neue Klasse sich konstituieren, deren Macht im Anwuchs zentralisierter Planung und spezialisierter Technik sich gründet, die auf die Funktionen früherer Bürokratien zurückgreift und eine etatistische Ideologie zur Legitimierung der eigenen Existenz benutzt. Die Indienstnahme von Wissenschaft und Technik begünstigt eine politisch-bürokratische Struktur, in der eine überwiegende Mehrheit von einer privilegierten Minderheit beherrscht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bakunin und der Autoritarismus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bakunin sah die Gefahr, dass eine von &amp;quot;autoritären Kommunisten&amp;quot; (d. h. Marxisten) geführte Revolution &amp;quot;die durch Dekrete beherrschten Volksmassen von neuem zum Gehorsam, zur Unbeweglichkeit, zum Tod verurteilen würde, das heißt zur Sklaverei und Ausbeutung durch eine neue quasi-revolutionäre Aristokratie&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3). Die von  Marx als &amp;quot;vorübergehend&amp;quot; konzipierte Diktatur laufe, so Bakunin, nur auf deren Verewigung hinaus und zementiere das Prinzip der Herrschaft. Da Marx den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in einer strengen Abfolge historischer Etappen sah, betrachtete er das Proletariat weniger als selbstbewusstes revolutionäres Subjekt, von dessen autonomen Aktionen das Gelingen der sozialen Revolution abhänge, denn als Objekt der &amp;quot;Geschichte&amp;quot;. Bedingt durch seine materielle Situation verfüge das Proletariat nicht über ein ausreichendes Bewusstsein, und daher bedürfe es einer revolutionären Avantgarde, die &amp;quot;theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung&amp;quot; voraus habe (''MEW'', Bd. 4). Zwar gestand er den proletarischen Massen eine gewisse Dosis an &amp;quot;Selbsttätigkeit&amp;quot; zu, doch ist dieser Begriff weit eingegrenzter als jener der &amp;quot;Spontaneität“, der das &amp;quot;historische - Recht“der Avantgarde auf die Führung des Proletariats aufs Spiel hätte setzen können. In den Augen Bakunins barg diese autoritäre Konzeption bereits den Keim einer neuen unfreien Gesellschaft in sich. Beharrlich insistierte er darauf, dass Freiheit &amp;quot;nur durch Freiheit&amp;quot; geschaffen werden könne, &amp;quot;durch die freie Organisation der Arbeitermassen von unten nach oben&amp;quot; (''Staatlichkeit und Anarchie''). Die &amp;quot;rote Bürokratie&amp;quot;, die er herannahen sah, realisierte sich  im Stalinismus. Doch auch seine Konzeption der sozialen Revolution war nicht frei von Fragwürdigkeiten. Zwar projektierte er die Avantgarde als &amp;quot;revolutionären Generalstab&amp;quot;, der sich damit begnügte, als &amp;quot;Vermittler zwischen der revolutionären Idee und den Volksinstinkten&amp;quot; zu dienen, doch redete er auch von einer &amp;quot;Diktatur ohne Schärpe, ohne Titel, ohne offizielles Recht, die desto mächtiger ist, weil sie keinen Anschein der Macht hat&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus das &amp;quot;falsche Bewusstsein einer kulturellen Bourgeoise, die radikalisiert worden ist&amp;quot; (Alvin W. Gouldner, ''The Future of Intellectuals''), so lief der &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; stets Gefahr, über die berechtigte Kritik an der &amp;quot;neuen Klasse&amp;quot; von Funktionären und Bürokraten in einen dumpfen Anti-Intellektualismus umzuschlagen, der im &amp;quot;kulturellen Kapital&amp;quot; der Intellektuellen einzig ein Mittel zur Unterdrückung der Massen sah. Wie im Nachhinein Marx die geistige Urheberschaft für den stalinistischen Gulag aufgebürdet wird, so ereilt Bakunin das Verdikt, mit seinem Insistieren auf einer Destruktion alles Bestehenden und einer Abschaffung jeglicher Privilegien den Boden für menschenverachtende Exzesse in der chinesischen Kulturrevolution bereitet zu haben. Der Maoismus war, in dieser Sichtweise, die Adaptierung des Marxismus hin zum &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; in seinem anderen historischen Terrain (Alvin W. Gouldner, ''Against Fragmentation''). Diese Interpretation unterschlägt aber, dass Bakunin nicht die Intellektuellen unter Kontrolle bringen und sie einem &amp;quot;radikalen Egalitarismus&amp;quot;, einem totalitären System repressiver Gleichheit unterwerfen wollte: Ihm ging es – wie Marx – um die Emanzipation des Subjekts von den herrschenden Verhältnissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lenins Ultrazentralismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus ursprünglich eine anti-etatistische Theorie (so vage sie sein mochte), geriet er in der leninistischen Version in eine unauflösbare Verbindung mit der Idee der Staatsaktivität. Lenin trieb die Sorge um, von plötzlich auftretenden, nicht kanalisierten Kräften der Arbeitermassen fortgeschwemmt zu werden, eben jener Massen, die lediglich ein trade-unionistisches Bewusstsein besäßen und nicht in der Lage seien, über die ökonomische Beziehungssphäre zwischen Arbeitern und Unternehmern hinauszudenken. Spontaneität war für ihn Ausdruck der bürgerlichen Ideologie, der sozialistisches Bewusstsein unterdrücke. Daher bestehe die unbedingte Notwendigkeit, Spontaneität in jeder Form zu bekämpfen. Eine revolutionäre Avantgardepartei mit Berufskadern und quasi-militärischen Befehlsstrukturen sollte von außen politisches Klassenbewusstsein in die Massen hineintragen, diese durch Organisation von oben erziehen und dirigieren. Lenin war ein &amp;quot;Techniker&amp;quot; der Revolution, dem die Methoden, Instrumente und Organisationsmittel allemal wichtiger waren als die Emanzipation von Herrschaft und Hierarchie. Mit der Übernahme des Staatsapparates sicherten sich die Bolschewiki das notwendige Herrschaftsinstrumentarium, und mittels des vom kapitalistischen Profitstreben gereinigten tayloristischen Systems sollten die Disziplin der Werktätigen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten gehoben und die Arbeitsintensität gesteigert werden. Da vor der menschlichen Emanzipation die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen werden mussten, wurde die aktive Beteiligung der Massen in eine mystische Zukunft hinausgeschoben. Im leninistischen Modell entbehrten die vagen demokratischen, libertären Ausführungen von ''Staat und Revolution'' (1917) einer jeglichen strukturellen Basis, so dass sie zu keiner Zeit ernsthaft in Lenins revolutionäre Strategie zu integrieren waren. Der bürokratische Zentralismus unterwarf die Arbeiterinnen einer neuen Herrschaftsschicht und eliminierte jegliche Form des autonomen Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Abweichung von der herrschenden Doktrin, äußerte sie sich in der direkten Aktion oder dem Streben nach Selbstverwaltung, wurde unterdrückt, klagte sie doch den simultanen Ablauf von wirtschaftlichem Aufbau und menschlicher Emanzipation ein und stellte die Avantgarde in Frage. Da der Anarchismus als &amp;quot;umgestülpter bürgerlicher Individualismus&amp;quot; die &amp;quot;vereinigende und organisierende Kraft der Staatsmacht&amp;quot; negiere (''Anarchismus und Sozialismus''), musste er - wenn er sich bedrohlich manifestierte - ausgelöscht werden. Im leninistischen Staatsbetrieb duldete das Management keine Auflehnung, sondern forderte Unterwerfung und Disziplin ein, um das Plansoll zu erreichen. Die ungeschmälerte Freiheit lag dabei außerhalb der Vorgaben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Lenin als &amp;quot;Disziplin&amp;quot; drapierte Beherrschung der Mehrheit durch eine privilegierte Minorität, die Auffassung, es reiche aus, wenn der Dirigentenstab der Bourgeoisie von einem revolutionär sich wähnenden Zentralkomitee entrissen werde, stieß schon früh auf die Kritik Rosa Luxemburgs, die als erste marxistische Theoretikerin den Begriff der Spontaneität ins Spiel brachte. Nicht sei es das Ziel, die Arbeiterinnen zum Kadavergehorsam zu erziehen, sondern vielmehr sollte  sich die Partei auf die Rolle eines Sprechers und Transformators der Massenenergie beschränken, lediglich als &amp;quot;Dolmetscher des Massenwillens&amp;quot; agieren. Die gescheiterte russische Revolution von 1905 kommentierend, entwarf sie das Konzept des &amp;quot;Massenstreiks&amp;quot;, der sich im Wesentlichen nicht vom anarchosyndikalistischen Generalstreik unterschied. Dass sie diese Taktik zur Aufnahme ins sozialdemokratische Arsenal empfahl, bedeutete ihrer Ansicht nach nicht eine &amp;quot;Ehrenrettung des Anarchismus&amp;quot;, sondern dessen &amp;quot;geschichtliche Liquidierung&amp;quot;. Die Revolution habe gezeigt, dass der Anarchismus &amp;quot;zum Aushängeschild für gemeine Diebe und Plünderer&amp;quot; geworden und nur &amp;quot;wie ein Rudel Haifische hinter dem Schlachtschiff der Revolution&amp;quot; hergeschwommen sei (''Schriften zur Theorie der Spontaneität''). Trotz dieser Denunziation war  Luxemburg mit ihrem Beharren auf der Aktivität der Massen nicht weit entfernt von anarchistischen Modellen, von einem Sozialismus, der von ArbeiterInnenräten von unten nach oben angetrieben würde. &amp;quot;Rosa Luxemburg ist&amp;quot;, meinte Daniel Guérin, &amp;quot;eines der verbindenden Elemente zwischen dem Anarchismus und dem authentischen Marxismus&amp;quot; (''L'anarchisme''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Augen Antonio Gramscis ignorierten &amp;quot;Spontaneisten&amp;quot; und Anarchisten vollkommen die Hegemonie der Bourgeoisie, wenn sie sich voller Optimismus auf direkte Aktionen der Massen  verließen, ohne aufkommende Oppositionsbewegungen so zu formen, dass sie eine tatsächliche Herausforderung des bestehenden Systems darstellten. Von der unbedingten Notwendigkeit von Staat, Partei und Autorität überzeugt, vertrat er die Auffassung, dass die anarchistischen Arbeiterinnen nicht Staat und Eigentum an sich bekämpften. sondern nur deren kapitalistischen Auswuchs. Der die Macht ergreifende &amp;quot;Arbeiterstaat&amp;quot; würde auch ihnen Freiheit und die Verwirklichung proletarischer Ideale eröffnen, als zentralisierte Macht sie vor Reaktion und Konterrevolution schützen. Im revolutionären Kampf agiere die Partei beispielgebend und wirke auf die Massen anspornend ein. Allein auf die Spontaneität sich zu verlassen und nicht systematisch am kreativen revolutionären Werk zu arbeiten, sei bloße Illusion von  Ideologen und unbewusste Konterrevolution im voraus. Gramsci strebte eine Synthese von organisierter Planung und spontanen Elementen an. Zur revolutionären Umgestaltung seien sowohl die aktiven Massen als auch intellektuelle &amp;quot;Führer“ notwendig, die eher ideologische oder pädagogische denn instrumentelle Funktionen ausüben sollten. In gewisser Weise ähnelt dies der bakunistischen Vorstellung von den &amp;quot;Geburtshelfern der Revolution&amp;quot;, deren latentes autoritäre Gedankengut bei  Gramsci sich noch verstärkte. Da die Arbeiterklasse aufgrund der fehlenden ökonomischen Basis keine eigenen organischen Intellektuellen hervorzubringen vermöge, sei einzig die Avantgardepartei des Proletariats dazu fähig, politische Intellektuelle heranzubilden, welche die &amp;quot;revolutionäre Sache&amp;quot; vorantreiben könnten. Wie alle marxistischen Theoretiker sah er in Anarchisten bloße romantische Tollköpfe, die das Proletariat in Verwirrung stürzten und ins Verderben trieben. &amp;quot;Wer Herr der Geschichte ist und ihr den Rhythmus des Fortschritts aufzwingt&amp;quot;, erklärt er 1919, &amp;quot;wer das sichere und unaufhaltsame Fortschreiten der kommunistischen Zivilisation bestimmt, das sind nicht die 'Halbstarken', das ist nicht das Lumpenproletariat, das sind nicht die Bohemiens, die Dilettanten, die langhaarigen und frenetischen Romantiker, sondern das sind die großen Massen der klassenbewussten Arbeiter, die stählernen Bataillone des bewussten und disziplinierten Proletariats.&amp;quot; Im militaristischen Jargon wurde der &amp;quot;Geist der Verantwortung&amp;quot; beschworen, der &amp;quot;so schneidend und unversöhnlich&amp;quot; wie das &amp;quot;Schwert eines Scharfrichters&amp;quot;sein müsse,und angedroht wurde die grausame Notwendigkeit, Unfolgsamen &amp;quot;Disziplin und Treue mit Waffengewalt&amp;quot; aufzuzwingen, &amp;quot;um das gesellschaftliche Ganze vor dem Zusammenbruch und dem Verderben zu retten&amp;quot; (''Der Staat und der Sozialismus'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leo Trotzki und die antistalinistische Opposition==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihre bürgerlichen Opponenten glaubten Marxisten an die Wissenschaft, Fortschritt und Erfolg und machten die wissenschaftliche und industrielle Rationalität zu ihrer eigenen. Stalin, der markanterweise 1906 mit einer dumpfen Tirade gegen den Anarchismus erstmals in Erscheinung getreten war, verdankte seine Popularität bei vielen westlichen Linken und liberalen fellow-travellers in den dreißiger Jahren dem Image des Erfolgsmenschen, der allen Widrigkeiten zum Trotz eine neue, bessere Welt schaffen wollte. In einer Zeit, da Depression, Faschismus und Krieg die menschliche Existenz bedrohten, erschien er als &amp;quot;flexibler&amp;quot; und &amp;quot;pragmatischer&amp;quot; Praktiker, der die &amp;quot;konkrete Utopie&amp;quot; vom &amp;quot;Sozialismus in einem Land&amp;quot; zu realisieren trachtete. Andere Alternativen wie Rätekommunismus oder Anarchismus galten den meisten Linken als realitätsferne Modelle, die den Anforderungen der Praxis nicht standhalten konnten. Sozialismus und Marxismus wurden mit dem &amp;quot;Fortschritt&amp;quot; in der Sowjetunion gleichgesetzt. Selbst Leo Trotzki, von den Stalinisten ins Exil getrieben, rückte davon nicht ab. Als einige seiner Anhänger die UdSSR als &amp;quot;bürokratischen Kollektivismus&amp;quot;, als bloßen Unterdrückungsapparat einer neuen Herrschaftsklasse geißelten, insistierte er, dass die sowjetische Bürokratie (die er den rückständigen Verhältnissen anlastete) lediglich ein &amp;quot;episodischer Rückfall&amp;quot; sei. Vom zweiten Weltkrieg erhoffte er sich eine neuerliche sozialistische Revolution, die mit der Bürokratie aufräumte und eine Resurrektion der &amp;quot;sowjetischen Demokratie&amp;quot; auf einer weitaus höheren ökonomischen und kulturellen Ebene als 1918 bewirkte. Sollte diese Revolution ausbleiben, befürchtete er den Untergang der Zivilisation. Der bürokratische Rückfall wäre dann der organischen Unfähigkeit des Proletariats zuzuschreiben, zur herrschenden Klasse zu werden. Das sowjetische System wäre somit der Prototyp eines neuen Ausbeuterregimes im internationalen Maßstab. Wenn das Weltproletariat als unfähig sich erweise, die Mission zu erfüllen, die ihm die Geschichte anvertraut habe, bleibe nur einzugestehen, dass das auf den inneren Widersprüchen beruhende sozialistische Programm als bloße Utopie sich entlarvt habe, und der Zusammenbruch aller Hoffnungen auf eine sozialistische Revolution wäre die Folge, denn noch günstigere Bedingungen als nun seien nicht zu erwarten (''L'U.R.S.S. dans la guerre''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich blieb die Revolution aus, und mit seiner Prophezeiung stieß L. Trotzki seine Anhänger in eine tiefe demoralisierende Krise. Wie viele Intellektuelle seit Marx hielt er Ausschau nach einem historischen Agenten, der die ersehnte Transformation herbeiführte. Aufgebürdet wurde diese Aufgabe einem mythologisierten Kollektiv namens &amp;quot;Proletariat&amp;quot;, dessen revolutionäre Kraft zunächst einmal Projektion von Intellektuellen war, die auf diese Weise die eigene Ohnmächtigkeit kompensierten, indem sie anderen vorschrieben, wann und wo welche Aktion zu unternehmen sei, um eine bessere Welt herbeizuführen. Auch wenn marxistische Oppositionsgruppen mit Vehemenz den Stalinismus attackierten, blieben sie doch im Autoritarismus verstrickt, beanspruchten die gleiche autoritäre Machtposition, die sie ihren Rivalen vorwarfen. &amp;quot;Die revolutionäre Bewegung spiegelt den Zustand, den sie angreift, negativ wider&amp;quot; (Max Horkheimer, ''Autoritärer Staat''). Dies traf nicht allein auf sektiererische Zirkel zu, die immer wieder die alten Dogmen bis zur Besinnungslosigkeit repetierten und gegen die realen Verhältnisse sich abschotteten, sondern auch auf jene Gruppen wie die Situationisten, die in den 1950er und 1960er Jahren die alten Verkrustungen von Marxismus und Anarchismus aufzubrechen hofften. Ihnen schwebte eine sofortige Realisierung des Reichs der Freiheit vor, in dem alle Formen von Verdinglichung und Entfremdung in ihrer Totalität abgeschafft und durch Formen unbeschränkter Subjektivität ersetzt wären. Trotz aller Kritik an Marx, Bakunin, Lenin, Trotzki und  Georg Lukács hielten sie an der &amp;quot;historischen Mission&amp;quot; des Proletariats fest, das als &amp;quot;Klasse des Bewusstseins&amp;quot; in ihren Schriften fungierte: Ihm wurde die Aufgabe überantwortet, die Trennung von Subjekt und Objekt, Praxis und Theorie, Politik und Verwaltung in der &amp;quot;spektakulären Warengesellschaft&amp;quot; zu überwinden. Das Proletariat sei, postulierte Guy Debord als theoretisches Mundstück der Situationisten, &amp;quot;das in dieser Gesellschaft wirkende Negative&amp;quot; (''Die Gesellschaft des Spektakels''). Zwar postulierten sie eine neue revolutionäre Praxis im &amp;quot;alltäglichen Leben&amp;quot; ohne Autorität, Parteikader oder bürokratische Apparate, doch ahmten sie in einer grotesken Parodie leninistische Praktiken nach: Die selbst ernannte revolutionäre Avantgarde, die vorgeblich im Namen des &amp;quot;Proletariats&amp;quot; agierte, schuf sich eine exklusive internationale Mikro-Organisation mit einem Zentralrat, einem Chefideologen und einem Zentralorgan und schwang sich zu Führern der angeblich bewusstlosen Massen auf. Wie Marx in seinen Kämpfen um die Machtposition in der revolutionären Bewegung Widersacher von Wilhelm Weitling bis  Bakunin dadurch auszustechen suchte, indem er ihre intellektuelle Fähigkeiten in Misskredit brachte und ihre vorgebliche Ignoranz öffentlich bloßzustellen trachtete, so warf Debord all sein intellektuelles Kapital in die Waagschale, um zu demonstrieren, dass er allein über die &amp;quot;richtige&amp;quot; und &amp;quot;wahre&amp;quot; Theorie verfügte, und per Exklusionspolitik entledigte er sich jener Konkurrenten, die seine Autorität und seien Führungsanspruch hätten unterminieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Marxismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma bestand darin, dass sich selbst diese &amp;quot;Outlaw-Marxisten&amp;quot; (Alvin W. Gouldner) als Führungskräfte verstanden, die Theorien erarbeiteten und Direktiven ausgaben, denen andere zu folgen hatten. Damit reproduzierten die &amp;quot;revolutionären Linksintellektuellen&amp;quot; aber lediglich die &amp;quot;Laster der bürgerlichen Gesellschaft&amp;quot;, wie Simone Weil 1934 kritisierte. &amp;quot;Unsere gesamte Zivilisation beruht auf der Spezialisierung, was die Knechtung der Ausführenden durch die Führenden bewirkt. Und auf einer solchen Basis kann man die Unterdrückung nur organisieren, aber nicht vermindem&amp;quot; (Unterdrückung und Freiheit). Pessimistisch, nach dem Triumph des Nazismus in Deutschland, erklärte sie, dass von den Menschen keine Hilfe zu erhoffen sei, und gerade das Proletariat erwies sich nicht als &amp;quot;Totengräber&amp;quot; des Kapitalismus. In dieser Gesellschaft setzten sich Rackets durch, exklusive, Macht ausübende und totale Unterwerfung einfordernde Cliquen, schrieb Max Horkheimer im amerikanischen Exil. Diese Herrschaftsform prägte auch die kommunistischen Parteien und die Gewerkschaften. &amp;quot;Das Racket-Muster, wie es für das Verhalten der Herrschenden gegenüber den Beherrschten typisch war, ist jetzt repräsentativ für alle menschlichen Beziehungen, selbst für die innerhalb der Arbeiterschaft. Der Unterschied zwischen dem Racket im Kapital und dem in der Arbeit liegt in der Tatsache, dass beim kapitalistischen Racket die gesamte Klasse profitiert, während das Racket der Arbeit als Monopol nur für ihre Führer und für die Arbeiteraristokratie fungiert. Die arbeitenden Massen sind die Objekte beider Formen; sie müssen das Ganze nur bezahlen&amp;quot; (''Zur Soziologie der Klassenverhältnisse''). Der Mythos von den &amp;quot;stählernen Bataillonen des bewussten und disziplinierten Proletariats&amp;quot; erwies sich aber gegenüber dieser Kritik als resistent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Neuen Linken triumphierte schließlich eine groteske &amp;quot;Proletophilie&amp;quot;, welche die Gründung zahlloser leninistischer Polit-Sekten beförderte. All der alte Mist komme wieder, kommentierte Murray Bookchin (''Post-Scarcity Anarchism'') diese Entwicklung der pseudo-historischen Retro-Inszenierungen in den späten 1960ern. Für ihn war die Fabrik nicht der einzig entscheidende Ort der Auseinandersetzung; vielmehr müssten alle menschlichen Lebensbereiche in den Kampf um revolutionäre Veränderungen eingeschlossen werden. Es sei ein Irrtum der marxistischen Theorie, lediglich die ökonomische Ausbeutung zu bekämpfen, während andere Herrschaftsformen weiterbeständen oder gar ausgedehnt würden. Bookchin hielt die Vorstellung von Marxisten und Anarchosyndikalisten, ein System der Herrschaft und Hierarchie könne durch Selbstverwaltung überwunden werden, für simplistisch, denn diese taste nicht alle übrigen Formen der Unterdrückung in der bürgerlichen Gesellschaft an. &amp;quot;Soziale Verzerrungen und Regressionen können nicht länger in erster Linie durch Eigentumsverhältnisse erklärt noch allein durch sozio-ökonomische Maßnahmen, wie etwa Verstaatlichung, Kollektivierung oder ,Arbeitsplatzdemokratie', berichtigt werden. Denn was all diese angebotenen Lösungen der vergifteten Natur der modernen Gesellschaft explodieren lässt, ist das angeschwollene Legat von Befehls- und Gehorsamsbeziehungen – mit einem Wort: Hierarchie als grundlegenderes Substrat aller Klassenbeziehungen&amp;quot; (''Were We Wrong?''). &lt;br /&gt;
In den Augen Bookchins boten weder Marxismus noch Anarchosyndikalismus Gewähr für eine radikale Umgestaltung des Bestehenden. Allein ein ökologisch und kommunitär orientierter Anarchismus könne die ungeschmälerte Freiheit realisieren und sei Garant dafür, dass ein revolutionäres Projekt nicht allmählich in Formen der Theorie und Praxis abgleite, die inhärent anfällig für opportunistische Kompromisse seien. Zielpunkt seiner oft harschen und polemischen Kritik sind vor allem neo-marxistische Akademiker, denen er vorwirft, sie hätten sich aus der Gesellschaft in universitäre Zirkel zurückgezogen und lieferten keinen Beitrag zur emanzipatorischen Praxis. Anstatt zu helfen, die Welt zu verändern, interpretierten sie sie lediglich, was sie in krassen Gegensatz zu Marx stelle (''Beyond Neo-Marxism''). In ihrer Jugend als &amp;quot;Neue Linke&amp;quot; aufgebrochen, um die Institutionen des Staates zu &amp;quot;demokratisieren&amp;quot; und zu &amp;quot;politisieren&amp;quot;, zu verändern und neu zu gestalten, wurden diese Veteranen des &amp;quot;langen Marsches&amp;quot; von diesen Institutionen ge- und verformt. Auf den akademischen Territorien der Herrschaft hat der Marxismus mit seinen verschiedenen Ausprägungen ein Refugium gefunden und ist selbst Teil des &amp;quot;akademischen Rackets&amp;quot; (Max Horkheimer) geworden, während seine Beiträge zu den (mittlerweile auch mit einer historischen Patina überzogenen) &amp;quot;neuen sozialen Bewegungen&amp;quot; in den 1970er und 1980er Jahren marginal blieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach dem Untergang==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Liquidation der realsozialistischen Staatsunternehmen und dem scheinbaren Triumph des kapitalistischen Sozialdarwinismus sahen sich auch akademische Marxisten vor der Sinn-und Existenzfrage gestellt, und allerorts bildeten sich linksintellektuelle Krisenstäbe, um nach der Implosion der marxistisch-leninistischen Altbauten die Chancen eines Neubeginns für das &amp;quot;sozialistische Projekt&amp;quot; auszuloten. Zweifelsohne habe es der Marxismus nötig, kritisiert und erneuert zu werden, konzediert der Pariser Sozialforscher Michael Löwy, vor allem deshalb, weil sein Bruch mit dem produktivistischen Muster des Industriekapitalismus und den Grundlagen der modernen bürgerlichen Zivilisation nicht radikal genug gewesen sei. Zwecks Revitalisierung des Marxismus wollte Löwy Ökologie, Pazifismus, Feminismus und Befreiungstheologie einverleiben, als wären diese ohne Schwierigkeiten im marxistischen Theoriegebäude unterzubringen. Auch dem Herausgeber der traditionellen ''New Left Review'', Robin Blackburn, schwebte nach dem Untergang eine &amp;quot;vollkommene Erneuerung und Reorientierung&amp;quot; des marxistischen &amp;quot;Projekts&amp;quot; vor, um eine &amp;quot;wahrhaft demokratische Kultur und politische Ordnung&amp;quot; zu schaffen, wobei die Integration ökologischer und kommunistischer Ansätze helfen sollten (Robin Blackburn, ''Fin de Siècle''). All dies aber führte nicht zu einer Rekonziliation von Marxismus und Anarchismus. Die Anerkennung dessen, was früher als Ausgeburt eines kleinbürgerlichen Romantizismus diffamiert wurde, läuft letztlich auf dreiste Briganterie hinaus: Um das eigene Überleben zu sichern, will man all dessen habhaft, was Hoffnung aufs Weiterleben verspricht, ohne der Mühe sich zu unterziehen, den Marxismus wirklich neu zu denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche und die Globalisierung des ökonomischen Systems seit den 1980er Jahren erzwangen schließlich auch ein Weiterdenken jenseits der gestanzten Muster der Vergangenheit, das zumindest Ansätze für eine Kritik der veränderten herrschenden Verhältnisse bot. So knüpft beispielsweise Nick Dyer-Witheford in seinem Buch ''Cyber-Marx'' mit seiner Vorstellung eines &amp;quot;autonomistischen Marxismus&amp;quot; an die italienischen Theoretiker Antonio Negri und Mario Tronti an. In seinen Augen hat die globale Restrukturierung des Kapitalismus keineswegs die alten Widersprüche zwischen Arbeit und Kapital aufgehoben, sondern vielmehr auf eine neue Ebene gebracht. Im Kreislauf von automatisierten Fabriken, interaktiven Medien, virtuellen Seminaren, gentechnologischen Laboratorien und globalen Netzwerken kaum durchschaubarer Konzernstrukturen hat sich zweierlei gebildet: gigantische Monopole, welche die Herrschaft über ganze Staatengebilde ausüben, als auch subversive Guerilla-Einheiten, die entweder isoliert oder postmodern über das World Wide Web virtuell organisiert gegen die Übermacht der technologischen Kontrolle mittels Sabotage oder Arbeitsverweigerung rebellieren.  Vieles in seiner Analyse der Verflechtungen des digitalen Kapitalismus erscheint schlüssig, doch mutet seine Abgrenzung zur &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; von Horkheimer und Adorno in der Betonung der &amp;quot;Sabotage&amp;quot; und des &amp;quot;Widerstandes&amp;quot; gegen die Macht der Herrschaft etwas antiquiert an. Zuweilen erinnert die Rede von der medialen Subversion an die Diskussionen der 1970er Jahre und das Rekurrieren auf das demokratische Potenzial des Internets – das es zweifelsohne besitzt –- an Hans Magnus Enzensbergers ''Baukasten zu einer Theorie der Medien'' (1970). Auch wenn sich &amp;quot;Hacktivisten&amp;quot; wie die &amp;quot;Electrohippies&amp;quot; oder das &amp;quot;Electronic Disturbance Theater&amp;quot; als Guerilla im Internet etablieren konnten, ist dies nicht der Beweis für den Beginn eines subversiven Kampfes an den Schnittstellen des digitalen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dialektik der Niederlage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Russell Jacoby treffend anmerkt, sind Erfolg und Niederlage dialektische Kategorien: Der zeitweilige Erfolg des sowjetischen Marxismus trug oft zur Niederlage anderer Marxismen oder linksoppositioneller Strömungen bei. Sowohl Erfolg als auch Niederlage sagen nichts über die Qualität oder Wahrheit des jeweiligen Ideenkonstrukts aus. Die Niederlagen des Anarchismus stellen kein Urteil über den Wert seiner Theorien und Werte dar. Ebenso wenig ist der Marxismus durch seine Verstrickung in die politische oder akademische Herrschaft desavouiert oder der Kapitalismus auf Grund seines momentanen Triumphes durch die Geschichte legitimiert. Es gehört zu den tragischen Ironien der Geschichte, dass der von Bakunin heftig attackierte „Staatssozialismus“ in der Phase seines herrschaftlichen Triumphes die linke Opposition zum Schweigen brachte, und nach seinem Ende seine linken Kritiker mit in den Abgrund riss.  Der westliche Marxismus lebt in den akademischen Reservaten letztlich nur als postmodernes Gespenst einer kulturell depravierten Bourgeoisie fort. Auf der anderen Seite hat es der Anarchismus versäumt, eine stimmige, radikale Kritik der  bestehenden Verhältnisse zu artikulieren. Selbst ein ehemals innovativer Kritiker wie Bookchin verrannte sich im Laufe der Zeit in einen dogmatischen Rigorismus, der nichts außer den eigenen Erkenntnissen gelten lassen konnte. Wenn Marxismus und Anarchismus entweder zur Apologetik der herrschenden Beliebigkeit oder zur militant gestylten Racket-Ideologie, die zur Heranbildung blinder Gefolgschaften statt kritischer Individuen beiträgt, mutieren, ist ihr einst radikales Ingenium abgestorben. Zu besinnen wäre sich, mit Marx gesprochen, auf die &amp;quot;rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten&amp;quot; (''MEW'', Bd. 1). So geht es weder um die Verteidigung des Marxismus noch um jene des Anarchismus, sondern um die Verwirklichung der Utopie einer besseren Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausgewählte Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Theodor W. Adorno, ''Soziologische Schriften I'' (''Gesammelte Schriften'', Bd. 8), Frankfurt/Main 1972 &lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Gesammelte Werke'', 3 Bände, Berlin 1975&lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften'', Berlin 1972 &lt;br /&gt;
*Robin Blackburn, &amp;quot;Fin de Siècle: Socialism After the Crash&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 185 (Januar-Februar 1991), S. 5-66 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''The Two Revolutions: Antonio Gramsci and the Dilemmas of Western Marxism'', Boston 1984 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''Social Movements and Political Power: Emerging Forms of Radicalism in the West'', Philadelphia 1986 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;Revolutionary Process, Political Strategy, and the Dilemma of Power&amp;quot;, ''Theory &amp;amp; Society,'' 4:3 (Herbst 1977), S. 359-393 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;The Intellectuals and Social Movements: Some Reflections on Academic Marxism&amp;quot;, ''Humanities in Society'', 6:2-3 (1983), S. 223-239 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''Post-Scarcity Anarchism'', Berkeley 1971 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''The Modern Crisis'', Montreal 1987&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Beyond Neo-Marxism&amp;quot;, ''Telos'', Nr. 36 (Sommer 1978).S. 5-28&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Were We Wrong?', ''Telos'', Nr. 65 (Herbst 1985), S. 59-74 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;New Social Movements: The Anarchic Dimension&amp;quot;, in: ''For Anarchism: History, Theory and Practice'', hg. David Goodway, London 1989, S. 259-274 &lt;br /&gt;
*John Clark, ''The Anarchist Moment: Reflections on Culture, Nature and Power'', Montreal 1984&lt;br /&gt;
*Nick Dyer-Witheford, ''Cyber-Marx: Cycles and Circuits of Struggles in High-Technology Capitalism'', Urbana 1999&lt;br /&gt;
*Guy Debord, ''Die Gesellschaft des Spektakels'', Berlin 1996 &lt;br /&gt;
*Michael Denning, ''Culture in the Age of Three Worlds'', London 2004&lt;br /&gt;
*Isaac Deutscher, ''Trotzki III: Der verstoßene Prophet, 1929-1940,'' Stuttgart 1972&lt;br /&gt;
*Wolfgang Dreßen, ''Antiautoritäres Lager und Anarchismus'', Berlin 1968 &lt;br /&gt;
*Vincent Geoghegan, ''Utopianism and Marxism'', London 1987 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''The Future of lntellectuals and the Rise of the New Class'', London 1979 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''Against Fragmentation: The Origins of Marxism and the Sociology of Intellectuals'', New York 1985 &lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, ''Marxismus und Kultur: Ideologie, Alltag, Kultur'', hg. Sabine Kebir, Hamburg 1983&lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, &amp;quot;Der Staat und der Sozialismus&amp;quot;, in: ''Zu Politik, Geschichte und Kultur: Ausgewählte Schriften'', hg. Guido Zamis, Leipzig 1980, S. 69-75 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''Pour un marxisme libertaire'', Paris 1969 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''L'anarchisme: De la doctrine à la pratique''. Paris 1981 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''A la recherche d'un communisme libertaire''. Paris 1984 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 5, Frankfurt/Main 1987. S. 293-319 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Zur Soziologie der Klassenverhilltnisse&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 12, Frankfurt/M. 1985, S. 75-104 &lt;br /&gt;
*Maurice. Issermann, ''If I Had a Hammer. . . The Death of the Old Left and the Birth of the New Left'', New York 1987 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Dialectic of Defeat: Contours of Western Marxism'', Cambridge 1981 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Picture Imperfect: Utopian Thought for an Anti-Utopian Age'', New York 2005&lt;br /&gt;
*Charles Jacquier (Hg.), ''Lebenserfahrung und Geistesarbeit: Simone Weil und der Anarchismus'', Nettersheim 2006&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Anarchismus und Sozialismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, Berlin 1955, S. 334-337&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 31, Berlin 1959, S. 1-106 &lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 25, Berlin 1970, S. 393-507&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Was tun?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, S. 355-551 &lt;br /&gt;
*Michael Löwy, &amp;quot;Twelve Theses on the Crisis of ,Really Existing Socialism&amp;quot;', ''Monthly Review'', 43:1 (Mai 1991) S. 33-40 &lt;br /&gt;
*Rosa Luxemburg, ''Schriften zur Theorie der Spontaneität'', hg. S. Hillmann, Reinbek 1970 &lt;br /&gt;
*Karl Marx und Friedrich Engels, ''Über Anarchismus'', kompiliert von W. I. Bauer, Berlin 1977 &lt;br /&gt;
*Georgi Plechanow, ''Anarchismus und Sozialismus'', 3. Aufl., Berlin 1911 &lt;br /&gt;
*Josef W. Stalin, &amp;quot;Anarchismus oder Sozialismus?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 1, Berlin 1950, S. 257-323 &lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;L'U.R.S.S. dans la guerre&amp;quot;, in: ''Oeuvres'', Bd. 22, hg. Pierre Broué, Paris 1985, S. 40-62 &lt;br /&gt;
*Siva Vaidhyanathan, ''The Anarchist in the Library: How the Clash between Freedom and Control is Hacking the Real World and Crashing the System'', New York 2004&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald,''The New York Intellectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Simone Weil, ''Unterdrückung und Freiheit: Politische Schriften'', Frankfurt/Main, 1987 &lt;br /&gt;
*Peter Wollen, &amp;quot;The Situationist International&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 174 (März-April 1989). S. 67-95 &lt;br /&gt;
*George Woodcock, ''Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements'', Harmondsworth 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Einleitung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Anarchismus und Marxismus ist seit je von Spannungen und Feindseligkeiten gekennzeichnet, beginnend mit dem heftigen Disput zwischen Michail Bakunin und Karl Marx in der Ersten Internationale. Vom &amp;quot;mitgeborenen Feind&amp;quot; bedroht, haben Marxisten jeglicher Provenienz den Anarchismus oft als kleinbürgerlich-utopische, pseudorevolutionäre Doktrin diffamiert, welche die Arbeiterklasse desorientiere und realiter der bürgerlichen Reaktion in die Hand arbeite. In den Augen Friedrich Engels stellte er eine &amp;quot;hanswurstische Karikatur&amp;quot; der proletarischen Bewegung dar, die nur den Regierungen in Europa und Amerika nütze (''MEW'', Bd. 35), und für Lenin, einen Zweifrontenkrieg gegen den linken Radikalismus und den sozialdemokratischen Opportunismus führend, war der Anarchismus &amp;quot;nicht selten eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung&amp;quot; (Der &amp;quot;linke Radikalismus&amp;quot;). Wo der Anarchismus die Hegemonie der Marxisten über die internationale Arbeiterbewegung gefährdete, wurde er wie ein gefährlicher Virus isoliert oder ausgemerzt, aber doch verweste er nicht auf der &amp;quot;Müllhalde der Geschichte&amp;quot;, sondern tauchte immer wieder in der  politischen Arena auf, um den &amp;quot;feindlichen Bruder&amp;quot; stets aufs neue herauszufordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Marx' Konzept der sozialen Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Beginn an scheint es zwischen Anarchisten und Marxisten der lediglich Differenzen bezüglich der Wahl der Mittel, nicht aber der Ziele gegeben zu haben. &amp;quot;Marx hat&amp;quot;, sagte Theodor W. Adorno, &amp;quot;während der Jahre seines Lebens, die er darauf verwandte, den Anarchismus zu kritisieren, nicht einen herrschaftsfreien Zustand hintertreiben wollen, sondern meinte, dass durch bestimmte kurzschlüssige Aktionen das, was ihm vorschwebte, hintertrieben werde&amp;quot; (''Soziologische Schriften I''). Die Unterschiede waren jedoch weitaus gravierender. Marx zufolge sollte das disziplinierte, zentral geführte Proletariat die Staatsgewalt ergreifen und die Produktionsmittel in Staatseigentum umwandeln. In diesem Transformationsprozess würden die Unterschiede und Gegensätze der Klassen und damit auch der Staatsapparat als repressives Instrument der Klassenherrschaft allmählich aufgehoben. Seien die Klassen abgeschafft, meinte Marx, &amp;quot;so verschwindet die Gewalt des Staates, welche dazu dient, die große produzierende Mehrheit unter dem Joche einer wenig zahlreichen ausbeutenden Minderheit zu halten, und die Regierungsfunktionen verwandeln sich in einfache Verwaltungsfunktionen&amp;quot; (''MEW'', Bd. 18). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchistische Staatskritik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anarchistische Kritik geht freilich über den bloßen Klassencharakter des Staates hinaus: In ihrer Essenz wendet sie sich gegen jegliche Form von Herrschaft und Hierarchie, die nicht allein durch die &amp;quot;Abschaffung&amp;quot; oder das &amp;quot;Absterben“ des Staates überwunden wäre. In Marx' Schema war der voll entwickelte Kapitalismus Vorbedingung für den Sozialismus und die Zentralisation unentbehrlich für den gesellschaftlichen Fortschritt, denn sie zeitige nur solange Herrschaft, da sie Teil der bürgerlichen Entwicklung sei. In einer revolutionären Gesellschaft dagegen würde sie weder zum Anwachsen der Bürokratie führen noch wäre diese zum Erreichen der Zivilisation notwendig. &amp;quot;Die Zertrümmerung der Staatsmaschinerie wird die Zentralisation nicht gefährden&amp;quot;, schrieb er 1852. &amp;quot;Die Bürokratie ist nur die niedrige und brutale Form einer Zentralisation, die noch mit ihrem Gegensatze, dem Feudalismus, behaftet ist&amp;quot; (''MEW'', Bd. 8). Die Möglichkeit, dass noch größere Zentralisation und technologische Entwicklung einen neuen Bürokratismus, der wenig oder nichts mit den feudalistischen Traditionen zu tun hätte, hervorbringen könnten, fand bei Marx keine ernsthafte Betrachtung. Die &amp;quot;provisorische&amp;quot; Übernahme des Staates und der kapitalistischen Produktionsformen, die nicht von ihren hierarchischen Strukturen befreit sind, produziert neue Herrschaft, lässt eine neue Klasse sich konstituieren, deren Macht im Anwuchs zentralisierter Planung und spezialisierter Technik sich gründet, die auf die Funktionen früherer Bürokratien zurückgreift und eine etatistische Ideologie zur Legitimierung der eigenen Existenz benutzt. Die Indienstnahme von Wissenschaft und Technik begünstigt eine politisch-bürokratische Struktur, in der eine überwiegende Mehrheit von einer privilegierten Minderheit beherrscht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bakunin und der Autoritarismus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bakunin sah die Gefahr, dass eine von &amp;quot;autoritären Kommunisten&amp;quot; (d. h. Marxisten) geführte Revolution &amp;quot;die durch Dekrete beherrschten Volksmassen von neuem zum Gehorsam, zur Unbeweglichkeit, zum Tod verurteilen würde, das heißt zur Sklaverei und Ausbeutung durch eine neue quasi-revolutionäre Aristokratie&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3). Die von  Marx als &amp;quot;vorübergehend&amp;quot; konzipierte Diktatur laufe, so Bakunin, nur auf deren Verewigung hinaus und zementiere das Prinzip der Herrschaft. Da Marx den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in einer strengen Abfolge historischer Etappen sah, betrachtete er das Proletariat weniger als selbstbewusstes revolutionäres Subjekt, von dessen autonomen Aktionen das Gelingen der sozialen Revolution abhänge, denn als Objekt der &amp;quot;Geschichte&amp;quot;. Bedingt durch seine materielle Situation verfüge das Proletariat nicht über ein ausreichendes Bewusstsein, und daher bedürfe es einer revolutionären Avantgarde, die &amp;quot;theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung&amp;quot; voraus habe (''MEW'', Bd. 4). Zwar gestand er den proletarischen Massen eine gewisse Dosis an &amp;quot;Selbsttätigkeit&amp;quot; zu, doch ist dieser Begriff weit eingegrenzter als jener der &amp;quot;Spontaneität“, der das &amp;quot;historische - Recht“der Avantgarde auf die Führung des Proletariats aufs Spiel hätte setzen können. In den Augen Bakunins barg diese autoritäre Konzeption bereits den Keim einer neuen unfreien Gesellschaft in sich. Beharrlich insistierte er darauf, dass Freiheit &amp;quot;nur durch Freiheit&amp;quot; geschaffen werden könne, &amp;quot;durch die freie Organisation der Arbeitermassen von unten nach oben&amp;quot; (''Staatlichkeit und Anarchie''). Die &amp;quot;rote Bürokratie&amp;quot;, die er herannahen sah, realisierte sich  im Stalinismus. Doch auch seine Konzeption der sozialen Revolution war nicht frei von Fragwürdigkeiten. Zwar projektierte er die Avantgarde als &amp;quot;revolutionären Generalstab&amp;quot;, der sich damit begnügte, als &amp;quot;Vermittler zwischen der revolutionären Idee und den Volksinstinkten&amp;quot; zu dienen, doch redete er auch von einer &amp;quot;Diktatur ohne Schärpe, ohne Titel, ohne offizielles Recht, die desto mächtiger ist, weil sie keinen Anschein der Macht hat&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus das &amp;quot;falsche Bewusstsein einer kulturellen Bourgeoise, die radikalisiert worden ist&amp;quot; (Alvin W. Gouldner, ''The Future of Intellectuals''), so lief der &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; stets Gefahr, über die berechtigte Kritik an der &amp;quot;neuen Klasse&amp;quot; von Funktionären und Bürokraten in einen dumpfen Anti-Intellektualismus umzuschlagen, der im &amp;quot;kulturellen Kapital&amp;quot; der Intellektuellen einzig ein Mittel zur Unterdrückung der Massen sah. Wie im Nachhinein Marx die geistige Urheberschaft für den stalinistischen Gulag aufgebürdet wird, so ereilt Bakunin das Verdikt, mit seinem Insistieren auf einer Destruktion alles Bestehenden und einer Abschaffung jeglicher Privilegien den Boden für menschenverachtende Exzesse in der chinesischen Kulturrevolution bereitet zu haben. Der Maoismus war, in dieser Sichtweise, die Adaptierung des Marxismus hin zum &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; in seinem anderen historischen Terrain (Alvin W. Gouldner, ''Against Fragmentation''). Diese Interpretation unterschlägt aber, dass Bakunin nicht die Intellektuellen unter Kontrolle bringen und sie einem &amp;quot;radikalen Egalitarismus&amp;quot;, einem totalitären System repressiver Gleichheit unterwerfen wollte: Ihm ging es – wie Marx – um die Emanzipation des Subjekts von den herrschenden Verhältnissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lenins Ultrazentralismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus ursprünglich eine anti-etatistische Theorie (so vage sie sein mochte), geriet er in der leninistischen Version in eine unauflösbare Verbindung mit der Idee der Staatsaktivität. Lenin trieb die Sorge um, von plötzlich auftretenden, nicht kanalisierten Kräften der Arbeitermassen fortgeschwemmt zu werden, eben jener Massen, die lediglich ein trade-unionistisches Bewusstsein besäßen und nicht in der Lage seien, über die ökonomische Beziehungssphäre zwischen Arbeitern und Unternehmern hinauszudenken. Spontaneität war für ihn Ausdruck der bürgerlichen Ideologie, der sozialistisches Bewusstsein unterdrücke. Daher bestehe die unbedingte Notwendigkeit, Spontaneität in jeder Form zu bekämpfen. Eine revolutionäre Avantgardepartei mit Berufskadern und quasi-militärischen Befehlsstrukturen sollte von außen politisches Klassenbewusstsein in die Massen hineintragen, diese durch Organisation von oben erziehen und dirigieren. Lenin war ein &amp;quot;Techniker&amp;quot; der Revolution, dem die Methoden, Instrumente und Organisationsmittel allemal wichtiger waren als die Emanzipation von Herrschaft und Hierarchie. Mit der Übernahme des Staatsapparates sicherten sich die Bolschewiki das notwendige Herrschaftsinstrumentarium, und mittels des vom kapitalistischen Profitstreben gereinigten tayloristischen Systems sollten die Disziplin der Werktätigen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten gehoben und die Arbeitsintensität gesteigert werden. Da vor der menschlichen Emanzipation die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen werden mussten, wurde die aktive Beteiligung der Massen in eine mystische Zukunft hinausgeschoben. Im leninistischen Modell entbehrten die vagen demokratischen, libertären Ausführungen von ''Staat und Revolution'' (1917) einer jeglichen strukturellen Basis, so dass sie zu keiner Zeit ernsthaft in Lenins revolutionäre Strategie zu integrieren waren. Der bürokratische Zentralismus unterwarf die Arbeiterinnen einer neuen Herrschaftsschicht und eliminierte jegliche Form des autonomen Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Abweichung von der herrschenden Doktrin, äußerte sie sich in der direkten Aktion oder dem Streben nach Selbstverwaltung, wurde unterdrückt, klagte sie doch den simultanen Ablauf von wirtschaftlichem Aufbau und menschlicher Emanzipation ein und stellte die Avantgarde in Frage. Da der Anarchismus als &amp;quot;umgestülpter bürgerlicher Individualismus&amp;quot; die &amp;quot;vereinigende und organisierende Kraft der Staatsmacht&amp;quot; negiere (''Anarchismus und Sozialismus''), musste er - wenn er sich bedrohlich manifestierte - ausgelöscht werden. Im leninistischen Staatsbetrieb duldete das Management keine Auflehnung, sondern forderte Unterwerfung und Disziplin ein, um das Plansoll zu erreichen. Die ungeschmälerte Freiheit lag dabei außerhalb der Vorgaben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Lenin als &amp;quot;Disziplin&amp;quot; drapierte Beherrschung der Mehrheit durch eine privilegierte Minorität, die Auffassung, es reiche aus, wenn der Dirigentenstab der Bourgeoisie von einem revolutionär sich wähnenden Zentralkomitee entrissen werde, stieß schon früh auf die Kritik Rosa Luxemburgs, die als erste marxistische Theoretikerin den Begriff der Spontaneität ins Spiel brachte. Nicht sei es das Ziel, die Arbeiterinnen zum Kadavergehorsam zu erziehen, sondern vielmehr sollte  sich die Partei auf die Rolle eines Sprechers und Transformators der Massenenergie beschränken, lediglich als &amp;quot;Dolmetscher des Massenwillens&amp;quot; agieren. Die gescheiterte russische Revolution von 1905 kommentierend, entwarf sie das Konzept des &amp;quot;Massenstreiks&amp;quot;, der sich im Wesentlichen nicht vom anarchosyndikalistischen Generalstreik unterschied. Dass sie diese Taktik zur Aufnahme ins sozialdemokratische Arsenal empfahl, bedeutete ihrer Ansicht nach nicht eine &amp;quot;Ehrenrettung des Anarchismus&amp;quot;, sondern dessen &amp;quot;geschichtliche Liquidierung&amp;quot;. Die Revolution habe gezeigt, dass der Anarchismus &amp;quot;zum Aushängeschild für gemeine Diebe und Plünderer&amp;quot; geworden und nur &amp;quot;wie ein Rudel Haifische hinter dem Schlachtschiff der Revolution&amp;quot; hergeschwommen sei (''Schriften zur Theorie der Spontaneität''). Trotz dieser Denunziation war  Luxemburg mit ihrem Beharren auf der Aktivität der Massen nicht weit entfernt von anarchistischen Modellen, von einem Sozialismus, der von ArbeiterInnenräten von unten nach oben angetrieben würde. &amp;quot;Rosa Luxemburg ist&amp;quot;, meinte Daniel Guérin, &amp;quot;eines der verbindenden Elemente zwischen dem Anarchismus und dem authentischen Marxismus&amp;quot; (''L'anarchisme''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Augen Antonio Gramscis ignorierten &amp;quot;Spontaneisten&amp;quot; und Anarchisten vollkommen die Hegemonie der Bourgeoisie, wenn sie sich voller Optimismus auf direkte Aktionen der Massen  verließen, ohne aufkommende Oppositionsbewegungen so zu formen, dass sie eine tatsächliche Herausforderung des bestehenden Systems darstellten. Von der unbedingten Notwendigkeit von Staat, Partei und Autorität überzeugt, vertrat er die Auffassung, dass die anarchistischen Arbeiterinnen nicht Staat und Eigentum an sich bekämpften. sondern nur deren kapitalistischen Auswuchs. Der die Macht ergreifende &amp;quot;Arbeiterstaat&amp;quot; würde auch ihnen Freiheit und die Verwirklichung proletarischer Ideale eröffnen, als zentralisierte Macht sie vor Reaktion und Konterrevolution schützen. Im revolutionären Kampf agiere die Partei beispielgebend und wirke auf die Massen anspornend ein. Allein auf die Spontaneität sich zu verlassen und nicht systematisch am kreativen revolutionären Werk zu arbeiten, sei bloße Illusion von  Ideologen und unbewusste Konterrevolution im voraus. Gramsci strebte eine Synthese von organisierter Planung und spontanen Elementen an. Zur revolutionären Umgestaltung seien sowohl die aktiven Massen als auch intellektuelle &amp;quot;Führer“ notwendig, die eher ideologische oder pädagogische denn instrumentelle Funktionen ausüben sollten. In gewisser Weise ähnelt dies der bakunistischen Vorstellung von den &amp;quot;Geburtshelfern der Revolution&amp;quot;, deren latentes autoritäre Gedankengut bei  Gramsci sich noch verstärkte. Da die Arbeiterklasse aufgrund der fehlenden ökonomischen Basis keine eigenen organischen Intellektuellen hervorzubringen vermöge, sei einzig die Avantgardepartei des Proletariats dazu fähig, politische Intellektuelle heranzubilden, welche die &amp;quot;revolutionäre Sache&amp;quot; vorantreiben könnten. Wie alle marxistischen Theoretiker sah er in Anarchisten bloße romantische Tollköpfe, die das Proletariat in Verwirrung stürzten und ins Verderben trieben. &amp;quot;Wer Herr der Geschichte ist und ihr den Rhythmus des Fortschritts aufzwingt&amp;quot;, erklärt er 1919, &amp;quot;wer das sichere und unaufhaltsame Fortschreiten der kommunistischen Zivilisation bestimmt, das sind nicht die 'Halbstarken', das ist nicht das Lumpenproletariat, das sind nicht die Bohemiens, die Dilettanten, die langhaarigen und frenetischen Romantiker, sondern das sind die großen Massen der klassenbewussten Arbeiter, die stählernen Bataillone des bewussten und disziplinierten Proletariats.&amp;quot; Im militaristischen Jargon wurde der &amp;quot;Geist der Verantwortung&amp;quot; beschworen, der &amp;quot;so schneidend und unversöhnlich&amp;quot; wie das &amp;quot;Schwert eines Scharfrichters&amp;quot;sein müsse,und angedroht wurde die grausame Notwendigkeit, Unfolgsamen &amp;quot;Disziplin und Treue mit Waffengewalt&amp;quot; aufzuzwingen, &amp;quot;um das gesellschaftliche Ganze vor dem Zusammenbruch und dem Verderben zu retten&amp;quot; (''Der Staat und der Sozialismus'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leo Trotzki und die antistalinistische Opposition==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihre bürgerlichen Opponenten glaubten Marxisten an die Wissenschaft, Fortschritt und Erfolg und machten die wissenschaftliche und industrielle Rationalität zu ihrer eigenen. Stalin, der markanterweise 1906 mit einer dumpfen Tirade gegen den Anarchismus erstmals in Erscheinung getreten war, verdankte seine Popularität bei vielen westlichen Linken und liberalen fellow-travellers in den dreißiger Jahren dem Image des Erfolgsmenschen, der allen Widrigkeiten zum Trotz eine neue, bessere Welt schaffen wollte. In einer Zeit, da Depression, Faschismus und Krieg die menschliche Existenz bedrohten, erschien er als &amp;quot;flexibler&amp;quot; und &amp;quot;pragmatischer&amp;quot; Praktiker, der die &amp;quot;konkrete Utopie&amp;quot; vom &amp;quot;Sozialismus in einem Land&amp;quot; zu realisieren trachtete. Andere Alternativen wie Rätekommunismus oder Anarchismus galten den meisten Linken als realitätsferne Modelle, die den Anforderungen der Praxis nicht standhalten konnten. Sozialismus und Marxismus wurden mit dem &amp;quot;Fortschritt&amp;quot; in der Sowjetunion gleichgesetzt. Selbst Leo Trotzki, von den Stalinisten ins Exil getrieben, rückte davon nicht ab. Als einige seiner Anhänger die UdSSR als &amp;quot;bürokratischen Kollektivismus&amp;quot;, als bloßen Unterdrückungsapparat einer neuen Herrschaftsklasse geißelten, insistierte er, dass die sowjetische Bürokratie (die er den rückständigen Verhältnissen anlastete) lediglich ein &amp;quot;episodischer Rückfall&amp;quot; sei. Vom zweiten Weltkrieg erhoffte er sich eine neuerliche sozialistische Revolution, die mit der Bürokratie aufräumte und eine Resurrektion der &amp;quot;sowjetischen Demokratie&amp;quot; auf einer weitaus höheren ökonomischen und kulturellen Ebene als 1918 bewirkte. Sollte diese Revolution ausbleiben, befürchtete er den Untergang der Zivilisation. Der bürokratische Rückfall wäre dann der organischen Unfähigkeit des Proletariats zuzuschreiben, zur herrschenden Klasse zu werden. Das sowjetische System wäre somit der Prototyp eines neuen Ausbeuterregimes im internationalen Maßstab. Wenn das Weltproletariat als unfähig sich erweise, die Mission zu erfüllen, die ihm die Geschichte anvertraut habe, bleibe nur einzugestehen, dass das auf den inneren Widersprüchen beruhende sozialistische Programm als bloße Utopie sich entlarvt habe, und der Zusammenbruch aller Hoffnungen auf eine sozialistische Revolution wäre die Folge, denn noch günstigere Bedingungen als nun seien nicht zu erwarten (''L'U.R.S.S. dans la guerre''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich blieb die Revolution aus, und mit seiner Prophezeiung stieß L. Trotzki seine Anhänger in eine tiefe demoralisierende Krise. Wie viele Intellektuelle seit Marx hielt er Ausschau nach einem historischen Agenten, der die ersehnte Transformation herbeiführte. Aufgebürdet wurde diese Aufgabe einem mythologisierten Kollektiv namens &amp;quot;Proletariat&amp;quot;, dessen revolutionäre Kraft zunächst einmal Projektion von Intellektuellen war, die auf diese Weise die eigene Ohnmächtigkeit kompensierten, indem sie anderen vorschrieben, wann und wo welche Aktion zu unternehmen sei, um eine bessere Welt herbeizuführen. Auch wenn marxistische Oppositionsgruppen mit Vehemenz den Stalinismus attackierten, blieben sie doch im Autoritarismus verstrickt, beanspruchten die gleiche autoritäre Machtposition, die sie ihren Rivalen vorwarfen. &amp;quot;Die revolutionäre Bewegung spiegelt den Zustand, den sie angreift, negativ wider&amp;quot; (Max Horkheimer, ''Autoritärer Staat''). Dies traf nicht allein auf sektiererische Zirkel zu, die immer wieder die alten Dogmen bis zur Besinnungslosigkeit repetierten und gegen die realen Verhältnisse sich abschotteten, sondern auch auf jene Gruppen wie die Situationisten, die in den 1950er und 1960er Jahren die alten Verkrustungen von Marxismus und Anarchismus aufzubrechen hofften. Ihnen schwebte eine sofortige Realisierung des Reichs der Freiheit vor, in dem alle Formen von Verdinglichung und Entfremdung in ihrer Totalität abgeschafft und durch Formen unbeschränkter Subjektivität ersetzt wären. Trotz aller Kritik an Marx, Bakunin, Lenin, Trotzki und  Georg Lukács hielten sie an der &amp;quot;historischen Mission&amp;quot; des Proletariats fest, das als &amp;quot;Klasse des Bewusstseins&amp;quot; in ihren Schriften fungierte: Ihm wurde die Aufgabe überantwortet, die Trennung von Subjekt und Objekt, Praxis und Theorie, Politik und Verwaltung in der &amp;quot;spektakulären Warengesellschaft&amp;quot; zu überwinden. Das Proletariat sei, postulierte Guy Debord als theoretisches Mundstück der Situationisten, &amp;quot;das in dieser Gesellschaft wirkende Negative&amp;quot; (''Die Gesellschaft des Spektakels''). Zwar postulierten sie eine neue revolutionäre Praxis im &amp;quot;alltäglichen Leben&amp;quot; ohne Autorität, Parteikader oder bürokratische Apparate, doch ahmten sie in einer grotesken Parodie leninistische Praktiken nach: Die selbst ernannte revolutionäre Avantgarde, die vorgeblich im Namen des &amp;quot;Proletariats&amp;quot; agierte, schuf sich eine exklusive internationale Mikro-Organisation mit einem Zentralrat, einem Chefideologen und einem Zentralorgan und schwang sich zu Führern der angeblich bewusstlosen Massen auf. Wie Marx in seinen Kämpfen um die Machtposition in der revolutionären Bewegung Widersacher von Wilhelm Weitling bis  Bakunin dadurch auszustechen suchte, indem er ihre intellektuelle Fähigkeiten in Misskredit brachte und ihre vorgebliche Ignoranz öffentlich bloßzustellen trachtete, so warf Debord all sein intellektuelles Kapital in die Waagschale, um zu demonstrieren, dass er allein über die &amp;quot;richtige&amp;quot; und &amp;quot;wahre&amp;quot; Theorie verfügte, und per Exklusionspolitik entledigte er sich jener Konkurrenten, die seine Autorität und seien Führungsanspruch hätten unterminieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Marxismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma bestand darin, dass sich selbst diese &amp;quot;Outlaw-Marxisten&amp;quot; (Alvin W. Gouldner) als Führungskräfte verstanden, die Theorien erarbeiteten und Direktiven ausgaben, denen andere zu folgen hatten. Damit reproduzierten die &amp;quot;revolutionären Linksintellektuellen&amp;quot; aber lediglich die &amp;quot;Laster der bürgerlichen Gesellschaft&amp;quot;, wie Simone Weil 1934 kritisierte. &amp;quot;Unsere gesamte Zivilisation beruht auf der Spezialisierung, was die Knechtung der Ausführenden durch die Führenden bewirkt. Und auf einer solchen Basis kann man die Unterdrückung nur organisieren, aber nicht vermindem&amp;quot; (Unterdrückung und Freiheit). Pessimistisch, nach dem Triumph des Nazismus in Deutschland, erklärte sie, dass von den Menschen keine Hilfe zu erhoffen sei, und gerade das Proletariat erwies sich nicht als &amp;quot;Totengräber&amp;quot; des Kapitalismus. In dieser Gesellschaft setzten sich Rackets durch, exklusive, Macht ausübende und totale Unterwerfung einfordernde Cliquen, schrieb Max Horkheimer im amerikanischen Exil. Diese Herrschaftsform prägte auch die kommunistischen Parteien und die Gewerkschaften. &amp;quot;Das Racket-Muster, wie es für das Verhalten der Herrschenden gegenüber den Beherrschten typisch war, ist jetzt repräsentativ für alle menschlichen Beziehungen, selbst für die innerhalb der Arbeiterschaft. Der Unterschied zwischen dem Racket im Kapital und dem in der Arbeit liegt in der Tatsache, dass beim kapitalistischen Racket die gesamte Klasse profitiert, während das Racket der Arbeit als Monopol nur für ihre Führer und für die Arbeiteraristokratie fungiert. Die arbeitenden Massen sind die Objekte beider Formen; sie müssen das Ganze nur bezahlen&amp;quot; (''Zur Soziologie der Klassenverhältnisse''). Der Mythos von den &amp;quot;stählernen Bataillonen des bewussten und disziplinierten Proletariats&amp;quot; erwies sich aber gegenüber dieser Kritik als resistent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Neuen Linken triumphierte schließlich eine groteske &amp;quot;Proletophilie&amp;quot;, welche die Gründung zahlloser leninistischer Polit-Sekten beförderte. All der alte Mist komme wieder, kommentierte Murray Bookchin (''Post-Scarcity Anarchism'') diese Entwicklung der pseudo-historischen Retro-Inszenierungen in den späten 1960ern. Für ihn war die Fabrik nicht der einzig entscheidende Ort der Auseinandersetzung; vielmehr müssten alle menschlichen Lebensbereiche in den Kampf um revolutionäre Veränderungen eingeschlossen werden. Es sei ein Irrtum der marxistischen Theorie, lediglich die ökonomische Ausbeutung zu bekämpfen, während andere Herrschaftsformen weiterbeständen oder gar ausgedehnt würden. Bookchin hielt die Vorstellung von Marxisten und Anarchosyndikalisten, ein System der Herrschaft und Hierarchie könne durch Selbstverwaltung überwunden werden, für simplistisch, denn diese taste nicht alle übrigen Formen der Unterdrückung in der bürgerlichen Gesellschaft an. &amp;quot;Soziale Verzerrungen und Regressionen können nicht länger in erster Linie durch Eigentumsverhältnisse erklärt noch allein durch sozio-ökonomische Maßnahmen, wie etwa Verstaatlichung, Kollektivierung oder ,Arbeitsplatzdemokratie', berichtigt werden. Denn was all diese angebotenen Lösungen der vergifteten Natur der modernen Gesellschaft explodieren lässt, ist das angeschwollene Legat von Befehls- und Gehorsamsbeziehungen – mit einem Wort: Hierarchie als grundlegenderes Substrat aller Klassenbeziehungen&amp;quot; (''Were We Wrong?''). &lt;br /&gt;
In den Augen Bookchins boten weder Marxismus noch Anarchosyndikalismus Gewähr für eine radikale Umgestaltung des Bestehenden. Allein ein ökologisch und kommunitär orientierter Anarchismus könne die ungeschmälerte Freiheit realisieren und sei Garant dafür, dass ein revolutionäres Projekt nicht allmählich in Formen der Theorie und Praxis abgleite, die inhärent anfällig für opportunistische Kompromisse seien. Zielpunkt seiner oft harschen und polemischen Kritik sind vor allem neo-marxistische Akademiker, denen er vorwirft, sie hätten sich aus der Gesellschaft in universitäre Zirkel zurückgezogen und lieferten keinen Beitrag zur emanzipatorischen Praxis. Anstatt zu helfen, die Welt zu verändern, interpretierten sie sie lediglich, was sie in krassen Gegensatz zu Marx stelle (''Beyond Neo-Marxism''). In ihrer Jugend als &amp;quot;Neue Linke&amp;quot; aufgebrochen, um die Institutionen des Staates zu &amp;quot;demokratisieren&amp;quot; und zu &amp;quot;politisieren&amp;quot;, zu verändern und neu zu gestalten, wurden diese Veteranen des &amp;quot;langen Marsches&amp;quot; von diesen Institutionen ge- und verformt. Auf den akademischen Territorien der Herrschaft hat der Marxismus mit seinen verschiedenen Ausprägungen ein Refugium gefunden und ist selbst Teil des &amp;quot;akademischen Rackets&amp;quot; (Max Horkheimer) geworden, während seine Beiträge zu den (mittlerweile auch mit einer historischen Patina überzogenen) &amp;quot;neuen sozialen Bewegungen&amp;quot; in den 1970er und 1980er Jahren marginal blieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach dem Untergang==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Liquidation der realsozialistischen Staatsunternehmen und dem scheinbaren Triumph des kapitalistischen Sozialdarwinismus sahen sich auch akademische Marxisten vor der Sinn-und Existenzfrage gestellt, und allerorts bildeten sich linksintellektuelle Krisenstäbe, um nach der Implosion der marxistisch-leninistischen Altbauten die Chancen eines Neubeginns für das &amp;quot;sozialistische Projekt&amp;quot; auszuloten. Zweifelsohne habe es der Marxismus nötig, kritisiert und erneuert zu werden, konzediert der Pariser Sozialforscher Michael Löwy, vor allem deshalb, weil sein Bruch mit dem produktivistischen Muster des Industriekapitalismus und den Grundlagen der modernen bürgerlichen Zivilisation nicht radikal genug gewesen sei. Zwecks Revitalisierung des Marxismus wollte Löwy Ökologie, Pazifismus, Feminismus und Befreiungstheologie einverleiben, als wären diese ohne Schwierigkeiten im marxistischen Theoriegebäude unterzubringen. Auch dem Herausgeber der traditionellen ''New Left Review'', Robin Blackburn, schwebte nach dem Untergang eine &amp;quot;vollkommene Erneuerung und Reorientierung&amp;quot; des marxistischen &amp;quot;Projekts&amp;quot; vor, um eine &amp;quot;wahrhaft demokratische Kultur und politische Ordnung&amp;quot; zu schaffen, wobei die Integration ökologischer und kommunistischer Ansätze helfen sollten (Robin Blackburn, ''Fin de Siècle''). All dies aber führte nicht zu einer Rekonziliation von Marxismus und Anarchismus. Die Anerkennung dessen, was früher als Ausgeburt eines kleinbürgerlichen Romantizismus diffamiert wurde, läuft letztlich auf dreiste Briganterie hinaus: Um das eigene Überleben zu sichern, will man all dessen habhaft, was Hoffnung aufs Weiterleben verspricht, ohne der Mühe sich zu unterziehen, den Marxismus wirklich neu zu denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche und die Globalisierung des ökonomischen Systems seit den 1980er Jahren erzwangen schließlich auch ein Weiterdenken jenseits der gestanzten Muster der Vergangenheit, das zumindest Ansätze für eine Kritik der veränderten herrschenden Verhältnisse bot. So knüpft beispielsweise Nick Dyer-Witheford in seinem Buch ''Cyber-Marx'' mit seiner Vorstellung eines &amp;quot;autonomistischen Marxismus&amp;quot; an die italienischen Theoretiker Antonio Negri und Mario Tronti an. In seinen Augen hat die globale Restrukturierung des Kapitalismus keineswegs die alten Widersprüche zwischen Arbeit und Kapital aufgehoben, sondern vielmehr auf eine neue Ebene gebracht. Im Kreislauf von automatisierten Fabriken, interaktiven Medien, virtuellen Seminaren, gentechnologischen Laboratorien und globalen Netzwerken kaum durchschaubarer Konzernstrukturen hat sich zweierlei gebildet: gigantische Monopole, welche die Herrschaft über ganze Staatengebilde ausüben, als auch subversive Guerilla-Einheiten, die entweder isoliert oder postmodern über das World Wide Web virtuell organisiert gegen die Übermacht der technologischen Kontrolle mittels Sabotage oder Arbeitsverweigerung rebellieren.  Vieles in seiner Analyse der Verflechtungen des digitalen Kapitalismus erscheint schlüssig, doch mutet seine Abgrenzung zur &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; von Horkheimer und Adorno in der Betonung der &amp;quot;Sabotage&amp;quot; und des &amp;quot;Widerstandes&amp;quot; gegen die Macht der Herrschaft etwas antiquiert an. Zuweilen erinnert die Rede von der medialen Subversion an die Diskussionen der 1970er Jahre und das Rekurrieren auf das demokratische Potenzial des Internets – das es zweifelsohne besitzt –- an Hans Magnus Enzensbergers ''Baukasten zu einer Theorie der Medien'' (1970). Auch wenn sich &amp;quot;Hacktivisten&amp;quot; wie die &amp;quot;Electrohippies&amp;quot; oder das &amp;quot;Electronic Disturbance Theater&amp;quot; als Guerilla im Internet etablieren konnten, ist dies nicht der Beweis für den Beginn eines subversiven Kampfes an den Schnittstellen des digitalen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dialektik der Niederlage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Russell Jacoby treffend anmerkt, sind Erfolg und Niederlage dialektische Kategorien: Der zeitweilige Erfolg des sowjetischen Marxismus trug oft zur Niederlage anderer Marxismen oder linksoppositioneller Strömungen bei. Sowohl Erfolg als auch Niederlage sagen nichts über die Qualität oder Wahrheit des jeweiligen Ideenkonstrukts aus. Die Niederlagen des Anarchismus stellen kein Urteil über den Wert seiner Theorien und Werte dar. Ebenso wenig ist der Marxismus durch seine Verstrickung in die politische oder akademische Herrschaft desavouiert oder der Kapitalismus auf Grund seines momentanen Triumphes durch die Geschichte legitimiert. Es gehört zu den tragischen Ironien der Geschichte, dass der von Bakunin heftig attackierte „Staatssozialismus“ in der Phase seines herrschaftlichen Triumphes die linke Opposition zum Schweigen brachte, und nach seinem Ende seine linken Kritiker mit in den Abgrund riss.  Der westliche Marxismus lebt in den akademischen Reservaten letztlich nur als postmodernes Gespenst einer kulturell depravierten Bourgeoisie fort. Auf der anderen Seite hat es der Anarchismus versäumt, eine stimmige, radikale Kritik der  bestehenden Verhältnisse zu artikulieren. Selbst ein ehemals innovativer Kritiker wie Bookchin verrannte sich im Laufe der Zeit in einen dogmatischen Rigorismus, der nichts außer den eigenen Erkenntnissen gelten lassen konnte. Wenn Marxismus und Anarchismus entweder zur Apologetik der herrschenden Beliebigkeit oder zur militant gestylten Racket-Ideologie, die zur Heranbildung blinder Gefolgschaften statt kritischer Individuen beiträgt, mutieren, ist ihr einst radikales Ingenium abgestorben. Zu besinnen wäre sich, mit Marx gesprochen, auf die &amp;quot;rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten&amp;quot; (''MEW'', Bd. 1). So geht es weder um die Verteidigung des Marxismus noch um jene des Anarchismus, sondern um die Verwirklichung der Utopie einer besseren Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausgewählte Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Theodor W. Adorno, ''Soziologische Schriften I'' (''Gesammelte Schriften'', Bd. 8), Frankfurt/Main 1972 &lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Gesammelte Werke'', 3 Bände, Berlin 1975&lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften'', Berlin 1972 &lt;br /&gt;
*Robin Blackburn, &amp;quot;Fin de Siècle: Socialism After the Crash&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 185 (Januar-Februar 1991), S. 5-66 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''The Two Revolutions: Antonio Gramsci and the Dilemmas of Western Marxism'', Boston 1984 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''Social Movements and Political Power: Emerging Forms of Radicalism in the West'', Philadelphia 1986 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;Revolutionary Process, Political Strategy, and the Dilemma of Power&amp;quot;, ''Theory &amp;amp; Society,'' 4:3 (Herbst 1977), S. 359-393 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;The Intellectuals and Social Movements: Some Reflections on Academic Marxism&amp;quot;, ''Humanities in Society'', 6:2-3 (1983), S. 223-239 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''Post-Scarcity Anarchism'', Berkeley 1971 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''The Modern Crisis'', Montreal 1987&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Beyond Neo-Marxism&amp;quot;, ''Telos'', Nr. 36 (Sommer 1978).S. 5-28&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Were We Wrong?', ''Telos'', Nr. 65 (Herbst 1985), S. 59-74 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;New Social Movements: The Anarchic Dimension&amp;quot;, in: ''For Anarchism: History, Theory and Practice'', hg. David Goodway, London 1989, S. 259-274 &lt;br /&gt;
*John Clark, ''The Anarchist Moment: Reflections on Culture, Nature and Power'', Montreal 1984&lt;br /&gt;
*Nick Dyer-Witheford, ''Cyber-Marx: Cycles and Circuits of Struggles in High-Technology Capitalism'', Urbana 1999&lt;br /&gt;
*Guy Debord, ''Die Gesellschaft des Spektakels'', Berlin 1996 &lt;br /&gt;
*Michael Denning, ''Culture in the Age of Three Worlds'', London 2004&lt;br /&gt;
*Isaac Deutscher, ''Trotzki III: Der verstoßene Prophet, 1929-1940,'' Stuttgart 1972&lt;br /&gt;
*Wolfgang Dreßen, ''Antiautoritäres Lager und Anarchismus'', Berlin 1968 &lt;br /&gt;
*Vincent Geoghegan, ''Utopianism and Marxism'', London 1987 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''The Future of lntellectuals and the Rise of the New Class'', London 1979 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''Against Fragmentation: The Origins of Marxism and the Sociology of Intellectuals'', New York 1985 &lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, ''Marxismus und Kultur: Ideologie, Alltag, Kultur'', hg. Sabine Kebir, Hamburg 1983&lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, &amp;quot;Der Staat und der Sozialismus&amp;quot;, in: ''Zu Politik, Geschichte und Kultur: Ausgewählte Schriften'', hg. Guido Zamis, Leipzig 1980, S. 69-75 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''Pour un marxisme libertaire'', Paris 1969 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''L'anarchisme: De la doctrine à la pratique''. Paris 1981 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''A la recherche d'un communisme libertaire''. Paris 1984 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 5, Frankfurt/Main 1987. S. 293-319 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Zur Soziologie der Klassenverhilltnisse&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 12, Frankfurt/M. 1985, S. 75-104 &lt;br /&gt;
*Maurice. Issermann, ''If I Had a Hammer. . . The Death of the Old Left and the Birth of the New Left'', New York 1987 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Dialectic of Defeat: Contours of Western Marxism'', Cambridge 1981 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Picture Imperfect: Utopian Thought for an Anti-Utopian Age'', New York 2005&lt;br /&gt;
*Charles Jacquier (Hg.), ''Lebenserfahrung und Geistesarbeit: Simone Weil und der Anarchismus'', Nettersheim 2006&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Anarchismus und Sozialismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, Berlin 1955, S. 334-337&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 31, Berlin 1959, S. 1-106 &lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 25, Berlin 1970, S. 393-507&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Was tun?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, S. 355-551 &lt;br /&gt;
*Michael Löwy, &amp;quot;Twelve Theses on the Crisis of ,Really Existing Socialism&amp;quot;', ''Monthly Review'', 43:1 (Mai 1991) S. 33-40 &lt;br /&gt;
*Rosa Luxemburg, ''Schriften zur Theorie der Spontaneität'', hg. S. Hillmann, Reinbek 1970 &lt;br /&gt;
*Karl Marx und Friedrich Engels, ''Über Anarchismus'', kompiliert von W. I. Bauer, Berlin 1977 &lt;br /&gt;
*Georgi Plechanow, ''Anarchismus und Sozialismus'', 3. Aufl., Berlin 1911 &lt;br /&gt;
*Josef W. Stalin, &amp;quot;Anarchismus oder Sozialismus?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 1, Berlin 1950, S. 257-323 &lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;L'U.R.S.S. dans la guerre&amp;quot;, in: ''Oeuvres'', Bd. 22, hg. Pierre Broué, Paris 1985, S. 40-62 &lt;br /&gt;
*Siva Vaidhyanathan, ''The Anarchist in the Library: How the Clash between Freedom and Control is Hacking the Real World and Crashing the System'', New York 2004&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald,''The New York Intelllectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Simone Weil, ''Unterdrückung und Freiheit: Politische Schriften'', Frankfurt/Main, 1987 &lt;br /&gt;
*Peter Wollen, &amp;quot;The Situationist International&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 174 (März-April 1989). S. 67-95 &lt;br /&gt;
*George Woodcock, ''Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements'', Harmondsworth 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Marxismus</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
==Einleitung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Anarchismus und Marxismus ist seit je von Spannungen und Feindseligkeiten gekennzeichnet, beginnend mit dem heftigen Disput zwischen Michail Bakunin und Karl Marx in der Ersten Internationale. Vom &amp;quot;mitgeborenen Feind&amp;quot; bedroht, haben Marxisten jeglicher Provenienz den Anarchismus oft als kleinbürgerlich-utopische, pseudorevolutionäre Doktrin diffamiert, welche die Arbeiterklasse desorientiere und realiter der bürgerlichen Reaktion in die Hand arbeite. In den Augen Friedrich Engels stellte er eine &amp;quot;hanswurstische Karikatur&amp;quot; der proletarischen Bewegung dar, die nur den Regierungen in Europa und Amerika nütze (''MEW'', Bd. 35), und für Lenin, einen Zweifrontenkrieg gegen den linken Radikalismus und den sozialdemokratischen Opportunismus führend, war der Anarchismus &amp;quot;nicht selten eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung&amp;quot; (Der &amp;quot;linke Radikalismus&amp;quot;). Wo der Anarchismus die Hegemonie der Marxisten über die internationale Arbeiterbewegung gefährdete, wurde er wie ein gefährlicher Virus isoliert oder ausgemerzt, aber doch verweste er nicht auf der &amp;quot;Müllhalde der Geschichte&amp;quot;, sondern tauchte immer wieder in der  politischen Arena auf, um den &amp;quot;feindlichen Bruder&amp;quot; stets aufs neue herauszufordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Marx' Konzept der sozialen Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Beginn an scheint es zwischen Anarchisten und Marxisten der lediglich Differenzen bezüglich der Wahl der Mittel, nicht aber der Ziele gegeben zu haben. &amp;quot;Marx hat&amp;quot;, sagte Theodor W. Adorno, &amp;quot;während der Jahre seines Lebens, die er darauf verwandte, den Anarchismus zu kritisieren, nicht einen herrschaftsfreien Zustand hintertreiben wollen, sondern meinte, dass durch bestimmte kurzschlüssige Aktionen das, was ihm vorschwebte, hintertrieben werde&amp;quot; (''Soziologische Schriften I''). Die Unterschiede waren jedoch weitaus gravierender. Marx zufolge sollte das disziplinierte, zentral geführte Proletariat die Staatsgewalt ergreifen und die Produktionsmittel in Staatseigentum umwandeln. In diesem Transformationsprozess würden die Unterschiede und Gegensätze der Klassen und damit auch der Staatsapparat als repressives Instrument der Klassenherrschaft allmählich aufgehoben. Seien die Klassen abgeschafft, meinte Marx, &amp;quot;so verschwindet die Gewalt des Staates, welche dazu dient, die große produzierende Mehrheit unter dem Joche einer wenig zahlreichen ausbeutenden Minderheit zu halten, und die Regierungsfunktionen verwandeln sich in einfache Verwaltungsfunktionen&amp;quot; (''MEW'', Bd. 18). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchistische Staatskritik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anarchistische Kritik geht freilich über den bloßen Klassencharakter des Staates hinaus: In ihrer Essenz wendet sie sich gegen jegliche Form von Herrschaft und Hierarchie, die nicht allein durch die &amp;quot;Abschaffung&amp;quot; oder das &amp;quot;Absterben“ des Staates überwunden wäre. In Marx' Schema war der voll entwickelte Kapitalismus Vorbedingung für den Sozialismus und die Zentralisation unentbehrlich für den gesellschaftlichen Fortschritt, denn sie zeitige nur solange Herrschaft, da sie Teil der bürgerlichen Entwicklung sei. In einer revolutionären Gesellschaft dagegen würde sie weder zum Anwachsen der Bürokratie führen noch wäre diese zum Erreichen der Zivilisation notwendig. &amp;quot;Die Zertrümmerung der Staatsmaschinerie wird die Zentralisation nicht gefährden&amp;quot;, schrieb er 1852. &amp;quot;Die Bürokratie ist nur die niedrige und brutale Form einer Zentralisation, die noch mit ihrem Gegensatze, dem Feudalismus, behaftet ist&amp;quot; (''MEW'', Bd. 8). Die Möglichkeit, dass noch größere Zentralisation und technologische Entwicklung einen neuen Bürokratismus, der wenig oder nichts mit den feudalistischen Traditionen zu tun hätte, hervorbringen könnten, fand bei Marx keine ernsthafte Betrachtung. Die &amp;quot;provisorische&amp;quot; Übernahme des Staates und der kapitalistischen Produktionsformen, die nicht von ihren hierarchischen Strukturen befreit sind, produziert neue Herrschaft, lässt eine neue Klasse sich konstituieren, deren Macht im Anwuchs zentralisierter Planung und spezialisierter Technik sich gründet, die auf die Funktionen früherer Bürokratien zurückgreift und eine etatistische Ideologie zur Legitimierung der eigenen Existenz benutzt. Die Indienstnahme von Wissenschaft und Technik begünstigt eine politisch-bürokratische Struktur, in der eine überwiegende Mehrheit von einer privilegierten Minderheit beherrscht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bakunin und der Autoritarismus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bakunin sah die Gefahr, dass eine von &amp;quot;autoritären Kommunisten&amp;quot; (d. h. Marxisten) geführte Revolution &amp;quot;die durch Dekrete beherrschten Volksmassen von neuem zum Gehorsam, zur Unbeweglichkeit, zum Tod verurteilen würde, das heißt zur Sklaverei und Ausbeutung durch eine neue quasi-revolutionäre Aristokratie&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3). Die von  Marx als &amp;quot;vorübergehend&amp;quot; konzipierte Diktatur laufe, so Bakunin, nur auf deren Verewigung hinaus und zementiere das Prinzip der Herrschaft. Da Marx den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in einer strengen Abfolge historischer Etappen sah, betrachtete er das Proletariat weniger als selbstbewusstes revolutionäres Subjekt, von dessen autonomen Aktionen das Gelingen der sozialen Revolution abhänge, denn als Objekt der &amp;quot;Geschichte&amp;quot;. Bedingt durch seine materielle Situation verfüge das Proletariat nicht über ein ausreichendes Bewusstsein, und daher bedürfe es einer revolutionären Avantgarde, die &amp;quot;theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung&amp;quot; voraus habe (''MEW'', Bd. 4). Zwar gestand er den proletarischen Massen eine gewisse Dosis an &amp;quot;Selbsttätigkeit&amp;quot; zu, doch ist dieser Begriff weit eingegrenzter als jener der &amp;quot;Spontaneität“, der das &amp;quot;historische - Recht“der Avantgarde auf die Führung des Proletariats aufs Spiel hätte setzen können. In den Augen Bakunins barg diese autoritäre Konzeption bereits den Keim einer neuen unfreien Gesellschaft in sich. Beharrlich insistierte er darauf, dass Freiheit &amp;quot;nur durch Freiheit&amp;quot; geschaffen werden könne, &amp;quot;durch die freie Organisation der Arbeitermassen von unten nach oben&amp;quot; (''Staatlichkeit und Anarchie''). Die &amp;quot;rote Bürokratie&amp;quot;, die er herannahen sah, realisierte sich  im Stalinismus. Doch auch seine Konzeption der sozialen Revolution war nicht frei von Fragwürdigkeiten. Zwar projektierte er die Avantgarde als &amp;quot;revolutionären Generalstab&amp;quot;, der sich damit begnügte, als &amp;quot;Vermittler zwischen der revolutionären Idee und den Volksinstinkten&amp;quot; zu dienen, doch redete er auch von einer &amp;quot;Diktatur ohne Schärpe, ohne Titel, ohne offizielles Recht, die desto mächtiger ist, weil sie keinen Anschein der Macht hat&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus das &amp;quot;falsche Bewusstsein einer kulturellen Bourgeoise, die radikalisiert worden ist&amp;quot; (Alvin W. Gouldner: ''The Future of Intellectuals''), so lief der &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; stets Gefahr, über die berechtigte Kritik an der &amp;quot;neuen Klasse&amp;quot; von Funktionären und Bürokraten in einen dumpfen Anti-Intellektualismus umzuschlagen, der im &amp;quot;kulturellen Kapital&amp;quot; der Intellektuellen einzig ein Mittel zur Unterdrückung der Massen sah. Wie im Nachhinein Marx die geistige Urheberschaft für den stalinistischen Gulag aufgebürdet wird, so ereilt Bakunin das Verdikt, mit seinem Insistieren auf einer Destruktion alles Bestehenden und einer Abschaffung jeglicher Privilegien den Boden für menschenverachtende Exzesse in der chinesischen Kulturrevolution bereitet zu haben. Der Maoismus war, in dieser Sichtweise, die Adaptierung des Marxismus hin zum &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; in seinem anderen historischen Terrain (Alvin W. Gouldner: ''Against Fragmentation''). Diese Interpretation unterschlägt aber, dass Bakunin nicht die Intellektuellen unter Kontrolle bringen und sie einem &amp;quot;radikalen Egalitarismus&amp;quot;, einem totalitären System repressiver Gleichheit unterwerfen wollte: Ihm ging es – wie Marx – um die Emanzipation des Subjekts von den herrschenden Verhältnissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lenins Ultrazentralismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus ursprünglich eine anti-etatistische Theorie (so vage sie sein mochte), geriet er in der leninistischen Version in eine unauflösbare Verbindung mit der Idee der Staatsaktivität. Lenin trieb die Sorge um, von plötzlich auftretenden, nicht kanalisierten Kräften der Arbeitermassen fortgeschwemmt zu werden, eben jener Massen, die lediglich ein trade-unionistisches Bewusstsein besäßen und nicht in der Lage seien, über die ökonomische Beziehungssphäre zwischen Arbeitern und Unternehmern hinauszudenken. Spontaneität war für ihn Ausdruck der bürgerlichen Ideologie, der sozialistisches Bewusstsein unterdrücke. Daher bestehe die unbedingte Notwendigkeit, Spontaneität in jeder Form zu bekämpfen. Eine revolutionäre Avantgardepartei mit Berufskadern und quasi-militärischen Befehlsstrukturen sollte von außen politisches Klassenbewusstsein in die Massen hineintragen, diese durch Organisation von oben erziehen und dirigieren. Lenin war ein &amp;quot;Techniker&amp;quot; der Revolution, dem die Methoden, Instrumente und Organisationsmittel allemal wichtiger waren als die Emanzipation von Herrschaft und Hierarchie. Mit der Übernahme des Staatsapparates sicherten sich die Bolschewiki das notwendige Herrschaftsinstrumentarium, und mittels des vom kapitalistischen Profitstreben gereinigten tayloristischen Systems sollten die Disziplin der Werktätigen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten gehoben und die Arbeitsintensität gesteigert werden. Da vor der menschlichen Emanzipation die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen werden mussten, wurde die aktive Beteiligung der Massen in eine mystische Zukunft hinausgeschoben. Im leninistischen Modell entbehrten die vagen demokratischen, libertären Ausführungen von ''Staat und Revolution'' (1917) einer jeglichen strukturellen Basis, so dass sie zu keiner Zeit ernsthaft in Lenins revolutionäre Strategie zu integrieren waren. Der bürokratische Zentralismus unterwarf die Arbeiterinnen einer neuen Herrschaftsschicht und eliminierte jegliche Form des autonomen Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Abweichung von der herrschenden Doktrin, äußerte sie sich in der direkten Aktion oder dem Streben nach Selbstverwaltung, wurde unterdrückt, klagte sie doch den simultanen Ablauf von wirtschaftlichem Aufbau und menschlicher Emanzipation ein und stellte die Avantgarde in Frage. Da der Anarchismus als &amp;quot;umgestülpter bürgerlicher Individualismus&amp;quot; die &amp;quot;vereinigende und organisierende Kraft der Staatsmacht&amp;quot; negiere (''Anarchismus und Sozialismus''), musste er - wenn er sich bedrohlich manifestierte - ausgelöscht werden. Im leninistischen Staatsbetrieb duldete das Management keine Auflehnung, sondern forderte Unterwerfung und Disziplin ein, um das Plansoll zu erreichen. Die ungeschmälerte Freiheit lag dabei außerhalb der Vorgaben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Lenin als &amp;quot;Disziplin&amp;quot; drapierte Beherrschung der Mehrheit durch eine privilegierte Minorität, die Auffassung, es reiche aus, wenn der Dirigentenstab der Bourgeoisie von einem revolutionär sich wähnenden Zentralkomitee entrissen werde, stieß schon früh auf die Kritik Rosa Luxemburgs, die als erste marxistische Theoretikerin den Begriff der Spontaneität ins Spiel brachte. Nicht sei es das Ziel, die Arbeiterinnen zum Kadavergehorsam zu erziehen, sondern vielmehr sollte  sich die Partei auf die Rolle eines Sprechers und Transformators der Massenenergie beschränken, lediglich als &amp;quot;Dolmetscher des Massenwillens&amp;quot; agieren. Die gescheiterte russische Revolution von 1905 kommentierend, entwarf sie das Konzept des &amp;quot;Massenstreiks&amp;quot;, der sich im Wesentlichen nicht vom anarchosyndikalistischen Generalstreik unterschied. Dass sie diese Taktik zur Aufnahme ins sozialdemokratische Arsenal empfahl, bedeutete ihrer Ansicht nach nicht eine &amp;quot;Ehrenrettung des Anarchismus&amp;quot;, sondern dessen &amp;quot;geschichtliche Liquidierung&amp;quot;. Die Revolution habe gezeigt, dass der Anarchismus &amp;quot;zum Aushängeschild für gemeine Diebe und Plünderer&amp;quot; geworden und nur &amp;quot;wie ein Rudel Haifische hinter dem Schlachtschiff der Revolution&amp;quot; hergeschwommen sei (''Schriften zur Theorie der Spontaneität''). Trotz dieser Denunziation war  Luxemburg mit ihrem Beharren auf der Aktivität der Massen nicht weit entfernt von anarchistischen Modellen, von einem Sozialismus, der von ArbeiterInnenräten von unten nach oben angetrieben würde. &amp;quot;Rosa Luxemburg ist&amp;quot;, meinte Daniel Guérin, &amp;quot;eines der verbindenden Elemente zwischen dem Anarchismus und dem authentischen Marxismus&amp;quot; (''L'anarchisme''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Augen Antonio Gramscis ignorierten &amp;quot;Spontaneisten&amp;quot; und Anarchisten vollkommen die Hegemonie der Bourgeoisie, wenn sie sich voller Optimismus auf direkte Aktionen der Massen  verließen, ohne aufkommende Oppositionsbewegungen so zu formen, dass sie eine tatsächliche Herausforderung des bestehenden Systems darstellten. Von der unbedingten Notwendigkeit von Staat, Partei und Autorität überzeugt, vertrat er die Auffassung, dass die anarchistischen Arbeiterinnen nicht Staat und Eigentum an sich bekämpften. sondern nur deren kapitalistischen Auswuchs. Der die Macht ergreifende &amp;quot;Arbeiterstaat&amp;quot; würde auch ihnen Freiheit und die Verwirklichung proletarischer Ideale eröffnen, als zentralisierte Macht sie vor Reaktion und Konterrevolution schützen. Im revolutionären Kampf agiere die Partei beispielgebend und wirke auf die Massen anspornend ein. Allein auf die Spontaneität sich zu verlassen und nicht systematisch am kreativen revolutionären Werk zu arbeiten, sei bloße Illusion von  Ideologen und unbewusste Konterrevolution im voraus. Gramsci strebte eine Synthese von organisierter Planung und spontanen Elementen an. Zur revolutionären Umgestaltung seien sowohl die aktiven Massen als auch intellektuelle &amp;quot;Führer“ notwendig, die eher ideologische oder pädagogische denn instrumentelle Funktionen ausüben sollten. In gewisser Weise ähnelt dies der bakunistischen Vorstellung von den &amp;quot;Geburtshelfern der Revolution&amp;quot;, deren latentes autoritäre Gedankengut bei  Gramsci sich noch verstärkte. Da die Arbeiterklasse aufgrund der fehlenden ökonomischen Basis keine eigenen organischen Intellektuellen hervorzubringen vermöge, sei einzig die Avantgardepartei des Proletariats dazu fähig, politische Intellektuelle heranzubilden, welche die &amp;quot;revolutionäre Sache&amp;quot; vorantreiben könnten. Wie alle marxistischen Theoretiker sah er in Anarchisten bloße romantische Tollköpfe, die das Proletariat in Verwirrung stürzten und ins Verderben trieben. &amp;quot;Wer Herr der Geschichte ist und ihr den Rhythmus des Fortschritts aufzwingt&amp;quot;, erklärt er 1919, &amp;quot;wer das sichere und unaufhaltsame Fortschreiten der kommunistischen Zivilisation bestimmt, das sind nicht die 'Halbstarken', das ist nicht das Lumpenproletariat, das sind nicht die Bohemiens, die Dilettanten, die langhaarigen und frenetischen Romantiker, sondern das sind die großen Massen der klassenbewussten Arbeiter, die stählernen Bataillone des bewussten und disziplinierten Proletariats.&amp;quot; Im militaristischen Jargon wurde der &amp;quot;Geist der Verantwortung&amp;quot; beschworen, der &amp;quot;so schneidend und unversöhnlich&amp;quot; wie das &amp;quot;Schwert eines Scharfrichters&amp;quot;sein müsse,und angedroht wurde die grausame Notwendigkeit, Unfolgsamen &amp;quot;Disziplin und Treue mit Waffengewalt&amp;quot; aufzuzwingen, &amp;quot;um das gesellschaftliche Ganze vor dem Zusammenbruch und dem Verderben zu retten&amp;quot; (''Der Staat und der Sozialismus'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leo Trotzki und die antistalinistische Opposition==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihre bürgerlichen Opponenten glaubten Marxisten an die Wissenschaft, Fortschritt und Erfolg und machten die wissenschaftliche und industrielle Rationalität zu ihrer eigenen. Stalin, der markanterweise 1906 mit einer dumpfen Tirade gegen den Anarchismus erstmals in Erscheinung getreten war, verdankte seine Popularität bei vielen westlichen Linken und liberalen fellow-travellers in den dreißiger Jahren dem Image des Erfolgsmenschen, der allen Widrigkeiten zum Trotz eine neue, bessere Welt schaffen wollte. In einer Zeit, da Depression, Faschismus und Krieg die menschliche Existenz bedrohten, erschien er als &amp;quot;flexibler&amp;quot; und &amp;quot;pragmatischer&amp;quot; Praktiker, der die &amp;quot;konkrete Utopie&amp;quot; vom &amp;quot;Sozialismus in einem Land&amp;quot; zu realisieren trachtete. Andere Alternativen wie Rätekommunismus oder Anarchismus galten den meisten Linken als realitätsferne Modelle, die den Anforderungen der Praxis nicht standhalten konnten. Sozialismus und Marxismus wurden mit dem &amp;quot;Fortschritt&amp;quot; in der Sowjetunion gleichgesetzt. Selbst Leo Trotzki, von den Stalinisten ins Exil getrieben, rückte davon nicht ab. Als einige seiner Anhänger die UdSSR als &amp;quot;bürokratischen Kollektivismus&amp;quot;, als bloßen Unterdrückungsapparat einer neuen Herrschaftsklasse geißelten, insistierte er, dass die sowjetische Bürokratie (die er den rückständigen Verhältnissen anlastete) lediglich ein &amp;quot;episodischer Rückfall&amp;quot; sei. Vom zweiten Weltkrieg erhoffte er sich eine neuerliche sozialistische Revolution, die mit der Bürokratie aufräumte und eine Resurrektion der &amp;quot;sowjetischen Demokratie&amp;quot; auf einer weitaus höheren ökonomischen und kulturellen Ebene als 1918 bewirkte. Sollte diese Revolution ausbleiben, befürchtete er den Untergang der Zivilisation. Der bürokratische Rückfall wäre dann der organischen Unfähigkeit des Proletariats zuzuschreiben, zur herrschenden Klasse zu werden. Das sowjetische System wäre somit der Prototyp eines neuen Ausbeuterregimes im internationalen Maßstab. Wenn das Weltproletariat als unfähig sich erweise, die Mission zu erfüllen, die ihm die Geschichte anvertraut habe, bleibe nur einzugestehen, dass das auf den inneren Widersprüchen beruhende sozialistische Programm als bloße Utopie sich entlarvt habe, und der Zusammenbruch aller Hoffnungen auf eine sozialistische Revolution wäre die Folge, denn noch günstigere Bedingungen als nun seien nicht zu erwarten (''L'U.R.S.S. dans la guerre''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich blieb die Revolution aus, und mit seiner Prophezeiung stieß L. Trotzki seine Anhänger in eine tiefe demoralisierende Krise. Wie viele Intellektuelle seit Marx hielt er Ausschau nach einem historischen Agenten, der die ersehnte Transformation herbeiführte. Aufgebürdet wurde diese Aufgabe einem mythologisierten Kollektiv namens &amp;quot;Proletariat&amp;quot;, dessen revolutionäre Kraft zunächst einmal Projektion von Intellektuellen war, die auf diese Weise die eigene Ohnmächtigkeit kompensierten, indem sie anderen vorschrieben, wann und wo welche Aktion zu unternehmen sei, um eine bessere Welt herbeizuführen. Auch wenn marxistische Oppositionsgruppen mit Vehemenz den Stalinismus attackierten, blieben sie doch im Autoritarismus verstrickt, beanspruchten die gleiche autoritäre Machtposition, die sie ihren Rivalen vorwarfen. &amp;quot;Die revolutionäre Bewegung spiegelt den Zustand, den sie angreift, negativ wider&amp;quot; (Max Horkheimer, ''Autoritärer Staat''). Dies traf nicht allein auf sektiererische Zirkel zu, die immer wieder die alten Dogmen bis zur Besinnungslosigkeit repetierten und gegen die realen Verhältnisse sich abschotteten, sondern auch auf jene Gruppen wie die Situationisten, die in den 1950er und 1960er Jahren die alten Verkrustungen von Marxismus und Anarchismus aufzubrechen hofften. Ihnen schwebte eine sofortige Realisierung des Reichs der Freiheit vor, in dem alle Formen von Verdinglichung und Entfremdung in ihrer Totalität abgeschafft und durch Formen unbeschränkter Subjektivität ersetzt wären. Trotz aller Kritik an Marx, Bakunin, Lenin, Trotzki und  Georg Lukács hielten sie an der &amp;quot;historischen Mission&amp;quot; des Proletariats fest, das als &amp;quot;Klasse des Bewusstseins&amp;quot; in ihren Schriften fungierte: Ihm wurde die Aufgabe überantwortet, die Trennung von Subjekt und Objekt, Praxis und Theorie, Politik und Verwaltung in der &amp;quot;spektakulären Warengesellschaft&amp;quot; zu überwinden. Das Proletariat sei, postulierte Guy Debord als theoretisches Mundstück der Situationisten, &amp;quot;das in dieser Gesellschaft wirkende Negative&amp;quot; (''Die Gesellschaft des Spektakels''). Zwar postulierten sie eine neue revolutionäre Praxis im &amp;quot;alltäglichen Leben&amp;quot; ohne Autorität, Parteikader oder bürokratische Apparate, doch ahmten sie in einer grotesken Parodie leninistische Praktiken nach: Die selbst ernannte revolutionäre Avantgarde, die vorgeblich im Namen des &amp;quot;Proletariats&amp;quot; agierte, schuf sich eine exklusive internationale Mikro-Organisation mit einem Zentralrat, einem Chefideologen und einem Zentralorgan und schwang sich zu Führern der angeblich bewusstlosen Massen auf. Wie Marx in seinen Kämpfen um die Machtposition in der revolutionären Bewegung Widersacher von Wilhelm Weitling bis  Bakunin dadurch auszustechen suchte, indem er ihre intellektuelle Fähigkeiten in Misskredit brachte und ihre vorgebliche Ignoranz öffentlich bloßzustellen trachtete, so warf Debord all sein intellektuelles Kapital in die Waagschale, um zu demonstrieren, dass er allein über die &amp;quot;richtige&amp;quot; und &amp;quot;wahre&amp;quot; Theorie verfügte, und per Exklusionspolitik entledigte er sich jener Konkurrenten, die seine Autorität und seien Führungsanspruch hätten unterminieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Marxismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma bestand darin, dass sich selbst diese &amp;quot;Outlaw-Marxisten&amp;quot; (Alvin W. Gouldner) als Führungskräfte verstanden, die Theorien erarbeiteten und Direktiven ausgaben, denen andere zu folgen hatten. Damit reproduzierten die &amp;quot;revolutionären Linksintellektuellen&amp;quot; aber lediglich die &amp;quot;Laster der bürgerlichen Gesellschaft&amp;quot;, wie Simone Weil 1934 kritisierte. &amp;quot;Unsere gesamte Zivilisation beruht auf der Spezialisierung, was die Knechtung der Ausführenden durch die Führenden bewirkt. Und auf einer solchen Basis kann man die Unterdrückung nur organisieren, aber nicht vermindem&amp;quot; (Unterdrückung und Freiheit). Pessimistisch, nach dem Triumph des Nazismus in Deutschland, erklärte sie, dass von den Menschen keine Hilfe zu erhoffen sei, und gerade das Proletariat erwies sich nicht als &amp;quot;Totengräber&amp;quot; des Kapitalismus. In dieser Gesellschaft setzten sich Rackets durch, exklusive, Macht ausübende und totale Unterwerfung einfordernde Cliquen, schrieb Max Horkheimer im amerikanischen Exil. Diese Herrschaftsform prägte auch die kommunistischen Parteien und die Gewerkschaften. &amp;quot;Das Racket-Muster, wie es für das Verhalten der Herrschenden gegenüber den Beherrschten typisch war, ist jetzt repräsentativ für alle menschlichen Beziehungen, selbst für die innerhalb der Arbeiterschaft. Der Unterschied zwischen dem Racket im Kapital und dem in der Arbeit liegt in der Tatsache, dass beim kapitalistischen Racket die gesamte Klasse profitiert, während das Racket der Arbeit als Monopol nur für ihre Führer und für die Arbeiteraristokratie fungiert. Die arbeitenden Massen sind die Objekte beider Formen; sie müssen das Ganze nur bezahlen&amp;quot; (''Zur Soziologie der Klassenverhältnisse''). Der Mythos von den &amp;quot;stählernen Bataillonen des bewussten und disziplinierten Proletariats&amp;quot; erwies sich aber gegenüber dieser Kritik als resistent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Neuen Linken triumphierte schließlich eine groteske &amp;quot;Proletophilie&amp;quot;, welche die Gründung zahlloser leninistischer Polit-Sekten beförderte. All der alte Mist komme wieder, kommentierte Murray Bookchin (''Post-Scarcity Anarchism'') diese Entwicklung der pseudo-historischen Retro-Inszenierungen in den späten 1960ern. Für ihn war die Fabrik nicht der einzig entscheidende Ort der Auseinandersetzung; vielmehr müssten alle menschlichen Lebensbereiche in den Kampf um revolutionäre Veränderungen eingeschlossen werden. Es sei ein Irrtum der marxistischen Theorie, lediglich die ökonomische Ausbeutung zu bekämpfen, während andere Herrschaftsformen weiterbeständen oder gar ausgedehnt würden. Bookchin hielt die Vorstellung von Marxisten und Anarchosyndikalisten, ein System der Herrschaft und Hierarchie könne durch Selbstverwaltung überwunden werden, für simplistisch, denn diese taste nicht alle übrigen Formen der Unterdrückung in der bürgerlichen Gesellschaft an. &amp;quot;Soziale Verzerrungen und Regressionen können nicht länger in erster Linie durch Eigentumsverhältnisse erklärt noch allein durch sozio-ökonomische Maßnahmen, wie etwa Verstaatlichung, Kollektivierung oder ,Arbeitsplatzdemokratie', berichtigt werden. Denn was all diese angebotenen Lösungen der vergifteten Natur der modernen Gesellschaft explodieren lässt, ist das angeschwollene Legat von Befehls- und Gehorsamsbeziehungen – mit einem Wort: Hierarchie als grundlegenderes Substrat aller Klassenbeziehungen&amp;quot; (''Were We Wrong?''). &lt;br /&gt;
In den Augen Bookchins boten weder Marxismus noch Anarchosyndikalismus Gewähr für eine radikale Umgestaltung des Bestehenden. Allein ein ökologisch und kommunitär orientierter Anarchismus könne die ungeschmälerte Freiheit realisieren und sei Garant dafür, dass ein revolutionäres Projekt nicht allmählich in Formen der Theorie und Praxis abgleite, die inhärent anfällig für opportunistische Kompromisse seien. Zielpunkt seiner oft harschen und polemischen Kritik sind vor allem neo-marxistische Akademiker, denen er vorwirft, sie hätten sich aus der Gesellschaft in universitäre Zirkel zurückgezogen und lieferten keinen Beitrag zur emanzipatorischen Praxis. Anstatt zu helfen, die Welt zu verändern, interpretierten sie sie lediglich, was sie in krassen Gegensatz zu Marx stelle (''Beyond Neo-Marxism''). In ihrer Jugend als &amp;quot;Neue Linke&amp;quot; aufgebrochen, um die Institutionen des Staates zu &amp;quot;demokratisieren&amp;quot; und zu &amp;quot;politisieren&amp;quot;, zu verändern und neu zu gestalten, wurden diese Veteranen des &amp;quot;langen Marsches&amp;quot; von diesen Institutionen ge- und verformt. Auf den akademischen Territorien der Herrschaft hat der Marxismus mit seinen verschiedenen Ausprägungen ein Refugium gefunden und ist selbst Teil des &amp;quot;akademischen Rackets&amp;quot; (Max Horkheimer) geworden, während seine Beiträge zu den (mittlerweile auch mit einer historischen Patina überzogenen) &amp;quot;neuen sozialen Bewegungen&amp;quot; in den 1970er und 1980er Jahren marginal blieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach dem Untergang==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Liquidation der realsozialistischen Staatsunternehmen und dem scheinbaren Triumph des kapitalistischen Sozialdarwinismus sahen sich auch akademische Marxisten vor der Sinn-und Existenzfrage gestellt, und allerorts bildeten sich linksintellektuelle Krisenstäbe, um nach der Implosion der marxistisch-leninistischen Altbauten die Chancen eines Neubeginns für das &amp;quot;sozialistische Projekt&amp;quot; auszuloten. Zweifelsohne habe es der Marxismus nötig, kritisiert und erneuert zu werden, konzediert der Pariser Sozialforscher Michael Löwy, vor allem deshalb, weil sein Bruch mit dem produktivistischen Muster des Industriekapitalismus und den Grundlagen der modernen bürgerlichen Zivilisation nicht radikal genug gewesen sei. Zwecks Revitalisierung des Marxismus wollte Löwy Ökologie, Pazifismus, Feminismus und Befreiungstheologie einverleiben, als wären diese ohne Schwierigkeiten im marxistischen Theoriegebäude unterzubringen. Auch dem Herausgeber der traditionellen ''New Left Review'', Robin Blackburn, schwebte nach dem Untergang eine &amp;quot;vollkommene Erneuerung und Reorientierung&amp;quot; des marxistischen &amp;quot;Projekts&amp;quot; vor, um eine &amp;quot;wahrhaft demokratische Kultur und politische Ordnung&amp;quot; zu schaffen, wobei die Integration ökologischer und kommunistischer Ansätze helfen sollten (Robin Blackburn, ''Fin de Siècle''). All dies aber führte nicht zu einer Rekonziliation von Marxismus und Anarchismus. Die Anerkennung dessen, was früher als Ausgeburt eines kleinbürgerlichen Romantizismus diffamiert wurde, läuft letztlich auf dreiste Briganterie hinaus: Um das eigene Überleben zu sichern, will man all dessen habhaft, was Hoffnung aufs Weiterleben verspricht, ohne der Mühe sich zu unterziehen, den Marxismus wirklich neu zu denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche und die Globalisierung des ökonomischen Systems seit den 1980er Jahren erzwangen schließlich auch ein Weiterdenken jenseits der gestanzten Muster der Vergangenheit, das zumindest Ansätze für eine Kritik der veränderten herrschenden Verhältnisse bot. So knüpft beispielsweise Nick Dyer-Witheford in seinem Buch ''Cyber-Marx'' mit seiner Vorstellung eines &amp;quot;autonomistischen Marxismus&amp;quot; an die italienischen Theoretiker Antonio Negri und Mario Tronti an. In seinen Augen hat die globale Restrukturierung des Kapitalismus keineswegs die alten Widersprüche zwischen Arbeit und Kapital aufgehoben, sondern vielmehr auf eine neue Ebene gebracht. Im Kreislauf von automatisierten Fabriken, interaktiven Medien, virtuellen Seminaren, gentechnologischen Laboratorien und globalen Netzwerken kaum durchschaubarer Konzernstrukturen hat sich zweierlei gebildet: gigantische Monopole, welche die Herrschaft über ganze Staatengebilde ausüben, als auch subversive Guerilla-Einheiten, die entweder isoliert oder postmodern über das World Wide Web virtuell organisiert gegen die Übermacht der technologischen Kontrolle mittels Sabotage oder Arbeitsverweigerung rebellieren.  Vieles in seiner Analyse der Verflechtungen des digitalen Kapitalismus erscheint schlüssig, doch mutet seine Abgrenzung zur &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; von Horkheimer und Adorno in der Betonung der &amp;quot;Sabotage&amp;quot; und des &amp;quot;Widerstandes&amp;quot; gegen die Macht der Herrschaft etwas antiquiert an. Zuweilen erinnert die Rede von der medialen Subversion an die Diskussionen der 1970er Jahre und das Rekurrieren auf das demokratische Potenzial des Internets – das es zweifelsohne besitzt –- an Hans Magnus Enzensbergers ''Baukasten zu einer Theorie der Medien'' (1970). Auch wenn sich &amp;quot;Hacktivisten&amp;quot; wie die &amp;quot;Electrohippies&amp;quot; oder das &amp;quot;Electronic Disturbance Theater&amp;quot; als Guerilla im Internet etablieren konnten, ist dies nicht der Beweis für den Beginn eines subversiven Kampfes an den Schnittstellen des digitalen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dialektik der Niederlage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Russell Jacoby treffend anmerkt, sind Erfolg und Niederlage dialektische Kategorien: Der zeitweilige Erfolg des sowjetischen Marxismus trug oft zur Niederlage anderer Marxismen oder linksoppositioneller Strömungen bei. Sowohl Erfolg als auch Niederlage sagen nichts über die Qualität oder Wahrheit des jeweiligen Ideenkonstrukts aus. Die Niederlagen des Anarchismus stellen kein Urteil über den Wert seiner Theorien und Werte dar. Ebenso wenig ist der Marxismus durch seine Verstrickung in die politische oder akademische Herrschaft desavouiert oder der Kapitalismus auf Grund seines momentanen Triumphes durch die Geschichte legitimiert. Es gehört zu den tragischen Ironien der Geschichte, dass der von Bakunin heftig attackierte „Staatssozialismus“ in der Phase seines herrschaftlichen Triumphes die linke Opposition zum Schweigen brachte, und nach seinem Ende seine linken Kritiker mit in den Abgrund riss.  Der westliche Marxismus lebt in den akademischen Reservaten letztlich nur als postmodernes Gespenst einer kulturell depravierten Bourgeoisie fort. Auf der anderen Seite hat es der Anarchismus versäumt, eine stimmige, radikale Kritik der  bestehenden Verhältnisse zu artikulieren. Selbst ein ehemals innovativer Kritiker wie Bookchin verrannte sich im Laufe der Zeit in einen dogmatischen Rigorismus, der nichts außer den eigenen Erkenntnissen gelten lassen konnte. Wenn Marxismus und Anarchismus entweder zur Apologetik der herrschenden Beliebigkeit oder zur militant gestylten Racket-Ideologie, die zur Heranbildung blinder Gefolgschaften statt kritischer Individuen beiträgt, mutieren, ist ihr einst radikales Ingenium abgestorben. Zu besinnen wäre sich, mit Marx gesprochen, auf die &amp;quot;rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten&amp;quot; (''MEW'', Bd. 1). So geht es weder um die Verteidigung des Marxismus noch um jene des Anarchismus, sondern um die Verwirklichung der Utopie einer besseren Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausgewählte Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Theodor W. Adorno, ''Soziologische Schriften I'' (''Gesammelte Schriften'', Bd. 8), Frankfurt/Main 1972 &lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Gesammelte Werke'', 3 Bände, Berlin 1975&lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften'', Berlin 1972 &lt;br /&gt;
*Robin Blackburn, &amp;quot;Fin de Siècle: Socialism After the Crash&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 185 (Januar-Februar 1991), S. 5-66 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''The Two Revolutions: Antonio Gramsci and the Dilemmas of Western Marxism'', Boston 1984 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''Social Movements and Political Power: Emerging Forms of Radicalism in the West'', Philadelphia 1986 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;Revolutionary Process, Political Strategy, and the Dilemma of Power&amp;quot;, Theory &amp;amp; Society, 4:3 (Herbst 1977), S. 359-393 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;The Intellectuals and Social Movements: Some Reflections on Academic Marxism&amp;quot;, ''Humanities in Society'', 6:2-3 (1983), S. 223-239 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''Post-Scarcity Anarchism'', Berkeley 1971 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''The Modern Crisis'', Montreal 1987&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Beyond Neo-Marxism&amp;quot;, ''Telos'', Nr. 36 (Sommer 1978).S. 5-28&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Were We Wrong?', ''Telos'', Nr. 65 (Herbst 1985), S. 59-74 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;New Social Movements: The Anarchic Dimension&amp;quot;, in: ''For Anarchism: History, Theory and Practice'', hg. David Goodway, London 1989, S. 259-274 &lt;br /&gt;
*John Clark, ''The Anarchist Moment: Reflections on Culture, Nature and Power'', Montreal 1984&lt;br /&gt;
*Nick Dyer-Witheford, ''Cyber-Marx: Cycles and Circuits of Struggles in High-Technology Capitalism'', Urbana 1999&lt;br /&gt;
*Guy Debord, ''Die Gesellschaft des Spektakels'', Berlin 1996 &lt;br /&gt;
*Michael Denning, ''Culture in the Age of Three Worlds'', London 2004&lt;br /&gt;
*Isaac Deutscher, ''Trotzki III: Der verstoßene Prophet, 1929-1940,'' Stuttgart 1972&lt;br /&gt;
*Wolfgang Dreßen, ''Antiautoritäres Lager und Anarchismus'', Berlin 1968 &lt;br /&gt;
*Vincent Geoghegan, ''Utopianism and Marxism'', London 1987 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''The Future of lntellectuals and the Rise of the New Class'', London 1979 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''Against Fragmentation: The Origins of Marxism and the Sociology of Intellectuals'', New York 1985 &lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, ''Marxismus und Kultur: Ideologie, Alltag, Kultur'', hg. Sabine Kebir, Hamburg 1983&lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, &amp;quot;Der Staat und der Sozialismus&amp;quot;, in: ''Zu Politik, Geschichte und Kultur: Ausgewählte Schriften'', hg. Guido Zamis, Leipzig 1980, S. 69-75 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''Pour un marxisme libertaire'', Paris 1969 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''L'anarchisme: De la doctrine à la pratique''. Paris 1981 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''A la recherche d'un communisme libertaire''. Paris 1984 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 5, Frankfurt/Main 1987. S. 293-319 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Zur Soziologie der Klassenverhilltnisse&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 12, Frankfurt/M. 1985, S. 75-104 &lt;br /&gt;
*Maurice. Issermann, ''If I Had a Hammer. . . The Death of the Old Left and the Birth of the New Left'', New York 1987 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Dialectic of Defeat: Contours of Western Marxism'', Cambridge 1981 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Picture Imperfect: Utopian Thought for an Anti-Utopian Age'', New York 2005&lt;br /&gt;
*Charles Jacquier (Hg.), ''Lebenserfahrung und Geistesarbeit: Simone Weil und der Anarchismus'', Nettersheim 2006&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Anarchismus und Sozialismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, Berlin 1955, S. 334-337&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 31, Berlin 1959, S. 1-106 &lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 25, Berlin 1970, S. 393-507&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Was tun?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, S. 355-551 &lt;br /&gt;
*Michael Löwy, &amp;quot;Twelve Theses on the Crisis of ,Really Existing Socialism&amp;quot;', ''Monthly Review'', 43:1 (Mai 1991) S. 33-40 &lt;br /&gt;
*Rosa Luxemburg, ''Schriften zur Theorie der Spontaneität'', hg. S. Hillmann, Reinbek 1970 &lt;br /&gt;
*Karl Marx und Friedrich Engels, ''Über Anarchismus'', kompiliert von W. I. Bauer, Berlin 1977 &lt;br /&gt;
*Georgi Plechanow, ''Anarchismus und Sozialismus'', 3. Aufl., Berlin 1911 &lt;br /&gt;
*Josef W. Stalin, &amp;quot;Anarchismus oder Sozialismus?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 1, Berlin 1950, S. 257-323 &lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;L'U.R.S.S. dans la guerre&amp;quot;, in: ''Oeuvres'', Bd. 22, hg. Pierre Broué, Paris 1985, S. 40-62 &lt;br /&gt;
*Siva Vaidhyanathan, ''The Anarchist in the Library: How the Clash between Freedom and Control is Hacking the Real World and Crashing the System'', New York 2004&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald,''The New York Intelllectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Simone Weil, ''Unterdrückung und Freiheit: Politische Schriften'', Frankfurt/Main, 1987 &lt;br /&gt;
*Peter Wollen, &amp;quot;The Situationist International&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 174 (März-April 1989). S. 67-95 &lt;br /&gt;
*George Woodcock, ''Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements'', Harmondsworth 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Marxismus</title>
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				<updated>2007-03-16T23:23:57Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Einleitung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Anarchismus und Marxismus ist seit je von Spannungen und Feindseligkeiten gekennzeichnet, beginnend mit dem heftigen Disput zwischen Michail Bakunin und Karl Marx in der Ersten Internationale. Vom &amp;quot;mitgeborenen Feind&amp;quot; bedroht, haben Marxisten jeglicher Provenienz den Anarchismus oft als kleinbürgerlich-utopische, pseudorevolutionäre Doktrin diffamiert, welche die Arbeiterklasse desorientiere und realiter der bürgerlichen Reaktion in die Hand arbeite. In den Augen Friedrich Engels stellte er eine &amp;quot;hanswurstische Karikatur&amp;quot; der proletarischen Bewegung dar, die nur den Regierungen in Europa und Amerika nütze (''MEW'', Bd. 35), und für Lenin, einen Zweifrontenkrieg gegen den linken Radikalismus und den sozialdemokratischen Opportunismus führend, war der Anarchismus &amp;quot;nicht selten eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung&amp;quot; (Der &amp;quot;linke Radikalismus&amp;quot;). Wo der Anarchismus die Hegemonie der Marxisten über die internationale Arbeiterbewegung gefährdete, wurde er wie ein gefährlicher Virus isoliert oder ausgemerzt, aber doch verweste er nicht auf der &amp;quot;Müllhalde der Geschichte&amp;quot;, sondern tauchte immer wieder in der  politischen Arena auf, um den &amp;quot;feindlichen Bruder&amp;quot; stets aufs neue herauszufordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Marx' Konzept der sozialen Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Beginn an scheint es zwischen Anarchisten und Marxisten der lediglich Differenzen bezüglich der Wahl der Mittel, nicht aber der Ziele gegeben zu haben. &amp;quot;Marx hat&amp;quot;, sagte Theodor W. Adorno, &amp;quot;während der Jahre seines Lebens, die er darauf verwandte, den Anarchismus zu kritisieren, nicht einen herrschaftsfreien Zustand hintertreiben wollen, sondern meinte, dass durch bestimmte kurzschlüssige Aktionen das, was ihm vorschwebte, hintertrieben werde&amp;quot; (''Soziologische Schriften I''). Die Unterschiede waren jedoch weitaus gravierender. Marx zufolge sollte das disziplinierte, zentral geführte Proletariat die Staatsgewalt ergreifen und die Produktionsmittel in Staatseigentum umwandeln. In diesem Transformationsprozess würden die Unterschiede und Gegensätze der Klassen und damit auch der Staatsapparat als repressives Instrument der Klassenherrschaft allmählich aufgehoben. Seien die Klassen abgeschafft, meinte Marx, &amp;quot;so verschwindet die Gewalt des Staates, welche dazu dient, die große produzierende Mehrheit unter dem Joche einer wenig zahlreichen ausbeutenden Minderheit zu halten, und die Regierungsfunktionen verwandeln sich in einfache Verwaltungsfunktionen&amp;quot; (''MEW'', Bd. 18). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anarchistische Kritik geht freilich über den bloßen Klassencharakter des Staates hinaus: In ihrer Essenz wendet sie sich gegen jegliche Form von Herrschaft und Hierarchie, die nicht allein durch die &amp;quot;Abschaffung&amp;quot; oder das &amp;quot;Absterben“ des Staates überwunden wäre. In Marx' Schema war der voll entwickelte Kapitalismus Vorbedingung für den Sozialismus und die Zentralisation unentbehrlich für den gesellschaftlichen Fortschritt, denn sie zeitige nur solange Herrschaft, da sie Teil der bürgerlichen Entwicklung sei. In einer revolutionären Gesellschaft dagegen würde sie weder zum Anwachsen der Bürokratie führen noch wäre diese zum Erreichen der Zivilisation notwendig. &amp;quot;Die Zertrümmerung der Staatsmaschinerie wird die Zentralisation nicht gefährden&amp;quot;, schrieb er 1852. &amp;quot;Die Bürokratie ist nur die niedrige und brutale Form einer Zentralisation, die noch mit ihrem Gegensatze, dem Feudalismus, behaftet ist&amp;quot; (''MEW'', Bd. 8). Die Möglichkeit, dass noch größere Zentralisation und technologische Entwicklung einen neuen Bürokratismus, der wenig oder nichts mit den feudalistischen Traditionen zu tun hätte, hervorbringen könnten, fand bei Marx keine ernsthafte Betrachtung. Die &amp;quot;provisorische&amp;quot; Übernahme des Staates und der kapitalistischen Produktionsformen, die nicht von ihren hierarchischen Strukturen befreit sind, produziert neue Herrschaft, lässt eine neue Klasse sich konstituieren, deren Macht im Anwuchs zentralisierter Planung und spezialisierter Technik sich gründet, die auf die Funktionen früherer Bürokratien zurückgreift und eine etatistische Ideologie zur Legitimierung der eigenen Existenz benutzt. Die Indienstnahme von Wissenschaft und Technik begünstigt eine politisch-bürokratische Struktur, in der eine überwiegende Mehrheit von einer privilegierten Minderheit beherrscht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bakunin sah die Gefahr, dass eine von &amp;quot;autoritären Kommunisten&amp;quot; (d. h. Marxisten) geführte Revolution &amp;quot;die durch Dekrete beherrschten Volksmassen von neuem zum Gehorsam, zur Unbeweglichkeit, zum Tod verurteilen würde, das heißt zur Sklaverei und Ausbeutung durch eine neue quasi-revolutionäre Aristokratie&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3). Die von  Marx als &amp;quot;vorübergehend&amp;quot; konzipierte Diktatur laufe, so Bakunin, nur auf deren Verewigung hinaus und zementiere das Prinzip der Herrschaft. Da Marx den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in einer strengen Abfolge historischer Etappen sah, betrachtete er das Proletariat weniger als selbstbewusstes revolutionäres Subjekt, von dessen autonomen Aktionen das Gelingen der sozialen Revolution abhänge, denn als Objekt der &amp;quot;Geschichte&amp;quot;. Bedingt durch seine materielle Situation verfüge das Proletariat nicht über ein ausreichendes Bewusstsein, und daher bedürfe es einer revolutionären Avantgarde, die &amp;quot;theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung&amp;quot; voraus habe (''MEW'', Bd. 4). Zwar gestand er den proletarischen Massen eine gewisse Dosis an &amp;quot;Selbsttätigkeit&amp;quot; zu, doch ist dieser Begriff weit eingegrenzter als jener der &amp;quot;Spontaneität“, der das &amp;quot;historische - Recht“der Avantgarde auf die Führung des Proletariats aufs Spiel hätte setzen können. In den Augen Bakunins barg diese autoritäre Konzeption bereits den Keim einer neuen unfreien Gesellschaft in sich. Beharrlich insistierte er darauf, dass Freiheit &amp;quot;nur durch Freiheit&amp;quot; geschaffen werden könne, &amp;quot;durch die freie Organisation der Arbeitermassen von unten nach oben&amp;quot; (''Staatlichkeit und Anarchie''). Die &amp;quot;rote Bürokratie&amp;quot;, die er herannahen sah, realisierte sich  im Stalinismus. Doch auch seine Konzeption der sozialen Revolution war nicht frei von Fragwürdigkeiten. Zwar projektierte er die Avantgarde als &amp;quot;revolutionären Generalstab&amp;quot;, der sich damit begnügte, als &amp;quot;Vermittler zwischen der revolutionären Idee und den Volksinstinkten&amp;quot; zu dienen, doch redete er auch von einer &amp;quot;Diktatur ohne Schärpe, ohne Titel, ohne offizielles Recht, die desto mächtiger ist, weil sie keinen Anschein der Macht hat&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus das &amp;quot;falsche Bewusstsein einer kulturellen Bourgeoise, die radikalisiert worden ist&amp;quot; (Alvin W. Gouldner: ''The Future of Intellectuals''), so lief der &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; stets Gefahr, über die berechtigte Kritik an der &amp;quot;neuen Klasse&amp;quot; von Funktionären und Bürokraten in einen dumpfen Anti-Intellektualismus umzuschlagen, der im &amp;quot;kulturellen Kapital&amp;quot; der Intellektuellen einzig ein Mittel zur Unterdrückung der Massen sah. Wie im Nachhinein Marx die geistige Urheberschaft für den stalinistischen Gulag aufgebürdet wird, so ereilt Bakunin das Verdikt, mit seinem Insistieren auf einer Destruktion alles Bestehenden und einer Abschaffung jeglicher Privilegien den Boden für menschenverachtende Exzesse in der chinesischen Kulturrevolution bereitet zu haben. Der Maoismus war, in dieser Sichtweise, die Adaptierung des Marxismus hin zum &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; in seinem anderen historischen Terrain (Alvin W. Gouldner: ''Against Fragmentation''). Diese Interpretation unterschlägt aber, dass Bakunin nicht die Intellektuellen unter Kontrolle bringen und sie einem &amp;quot;radikalen Egalitarismus&amp;quot;, einem totalitären System repressiver Gleichheit unterwerfen wollte: Ihm ging es – wie Marx – um die Emanzipation des Subjekts von den herrschenden Verhältnissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lenins Ultrazentralismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus ursprünglich eine anti-etatistische Theorie (so vage sie sein mochte), geriet er in der leninistischen Version in eine unauflösbare Verbindung mit der Idee der Staatsaktivität. Lenin trieb die Sorge um, von plötzlich auftretenden, nicht kanalisierten Kräften der Arbeitermassen fortgeschwemmt zu werden, eben jener Massen, die lediglich ein trade-unionistisches Bewusstsein besäßen und nicht in der Lage seien, über die ökonomische Beziehungssphäre zwischen Arbeitern und Unternehmern hinauszudenken. Spontaneität war für ihn Ausdruck der bürgerlichen Ideologie, der sozialistisches Bewusstsein unterdrücke. Daher bestehe die unbedingte Notwendigkeit, Spontaneität in jeder Form zu bekämpfen. Eine revolutionäre Avantgardepartei mit Berufskadern und quasi-militärischen Befehlsstrukturen sollte von außen politisches Klassenbewusstsein in die Massen hineintragen, diese durch Organisation von oben erziehen und dirigieren. Lenin war ein &amp;quot;Techniker&amp;quot; der Revolution, dem die Methoden, Instrumente und Organisationsmittel allemal wichtiger waren als die Emanzipation von Herrschaft und Hierarchie. Mit der Übernahme des Staatsapparates sicherten sich die Bolschewiki das notwendige Herrschaftsinstrumentarium, und mittels des vom kapitalistischen Profitstreben gereinigten tayloristischen Systems sollten die Disziplin der Werktätigen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten gehoben und die Arbeitsintensität gesteigert werden. Da vor der menschlichen Emanzipation die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen werden mussten, wurde die aktive Beteiligung der Massen in eine mystische Zukunft hinausgeschoben. Im leninistischen Modell entbehrten die vagen demokratischen, libertären Ausführungen von ''Staat und Revolution'' (1917) einer jeglichen strukturellen Basis, so dass sie zu keiner Zeit ernsthaft in Lenins revolutionäre Strategie zu integrieren waren. Der bürokratische Zentralismus unterwarf die Arbeiterinnen einer neuen Herrschaftsschicht und eliminierte jegliche Form des autonomen Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Abweichung von der herrschenden Doktrin, äußerte sie sich in der direkten Aktion oder dem Streben nach Selbstverwaltung, wurde unterdrückt, klagte sie doch den simultanen Ablauf von wirtschaftlichem Aufbau und menschlicher Emanzipation ein und stellte die Avantgarde in Frage. Da der Anarchismus als &amp;quot;umgestülpter bürgerlicher Individualismus&amp;quot; die &amp;quot;vereinigende und organisierende Kraft der Staatsmacht&amp;quot; negiere (''Anarchismus und Sozialismus''), musste er - wenn er sich bedrohlich manifestierte - ausgelöscht werden. Im leninistischen Staatsbetrieb duldete das Management keine Auflehnung, sondern forderte Unterwerfung und Disziplin ein, um das Plansoll zu erreichen. Die ungeschmälerte Freiheit lag dabei außerhalb der Vorgaben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Lenin als &amp;quot;Disziplin&amp;quot; drapierte Beherrschung der Mehrheit durch eine privilegierte Minorität, die Auffassung, es reiche aus, wenn der Dirigentenstab der Bourgeoisie von einem revolutionär sich wähnenden Zentralkomitee entrissen werde, stieß schon früh auf die Kritik Rosa Luxemburgs, die als erste marxistische Theoretikerin den Begriff der Spontaneität ins Spiel brachte. Nicht sei es das Ziel, die Arbeiterinnen zum Kadavergehorsam zu erziehen, sondern vielmehr sollte  sich die Partei auf die Rolle eines Sprechers und Transformators der Massenenergie beschränken, lediglich als &amp;quot;Dolmetscher des Massenwillens&amp;quot; agieren. Die gescheiterte russische Revolution von 1905 kommentierend, entwarf sie das Konzept des &amp;quot;Massenstreiks&amp;quot;, der sich im Wesentlichen nicht vom anarchosyndikalistischen Generalstreik unterschied. Dass sie diese Taktik zur Aufnahme ins sozialdemokratische Arsenal empfahl, bedeutete ihrer Ansicht nach nicht eine &amp;quot;Ehrenrettung des Anarchismus&amp;quot;, sondern dessen &amp;quot;geschichtliche Liquidierung&amp;quot;. Die Revolution habe gezeigt, dass der Anarchismus &amp;quot;zum Aushängeschild für gemeine Diebe und Plünderer&amp;quot; geworden und nur &amp;quot;wie ein Rudel Haifische hinter dem Schlachtschiff der Revolution&amp;quot; hergeschwommen sei (''Schriften zur Theorie der Spontaneität''). Trotz dieser Denunziation war  Luxemburg mit ihrem Beharren auf der Aktivität der Massen nicht weit entfernt von anarchistischen Modellen, von einem Sozialismus, der von ArbeiterInnenräten von unten nach oben angetrieben würde. &amp;quot;Rosa Luxemburg ist&amp;quot;, meinte Daniel Guérin, &amp;quot;eines der verbindenden Elemente zwischen dem Anarchismus und dem authentischen Marxismus&amp;quot; (''L'anarchisme''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Augen Antonio Gramscis ignorierten &amp;quot;Spontaneisten&amp;quot; und Anarchisten vollkommen die Hegemonie der Bourgeoisie, wenn sie sich voller Optimismus auf direkte Aktionen der Massen  verließen, ohne aufkommende Oppositionsbewegungen so zu formen, dass sie eine tatsächliche Herausforderung des bestehenden Systems darstellten. Von der unbedingten Notwendigkeit von Staat, Partei und Autorität überzeugt, vertrat er die Auffassung, dass die anarchistischen Arbeiterinnen nicht Staat und Eigentum an sich bekämpften. sondern nur deren kapitalistischen Auswuchs. Der die Macht ergreifende &amp;quot;Arbeiterstaat&amp;quot; würde auch ihnen Freiheit und die Verwirklichung proletarischer Ideale eröffnen, als zentralisierte Macht sie vor Reaktion und Konterrevolution schützen. Im revolutionären Kampf agiere die Partei beispielgebend und wirke auf die Massen anspornend ein. Allein auf die Spontaneität sich zu verlassen und nicht systematisch am kreativen revolutionären Werk zu arbeiten, sei bloße Illusion von  Ideologen und unbewusste Konterrevolution im voraus. Gramsci strebte eine Synthese von organisierter Planung und spontanen Elementen an. Zur revolutionären Umgestaltung seien sowohl die aktiven Massen als auch intellektuelle &amp;quot;Führer“ notwendig, die eher ideologische oder pädagogische denn instrumentelle Funktionen ausüben sollten. In gewisser Weise ähnelt dies der bakunistischen Vorstellung von den &amp;quot;Geburtshelfern der Revolution&amp;quot;, deren latentes autoritäre Gedankengut bei  Gramsci sich noch verstärkte. Da die Arbeiterklasse aufgrund der fehlenden ökonomischen Basis keine eigenen organischen Intellektuellen hervorzubringen vermöge, sei einzig die Avantgardepartei des Proletariats dazu fähig, politische Intellektuelle heranzubilden, welche die &amp;quot;revolutionäre Sache&amp;quot; vorantreiben könnten. Wie alle marxistischen Theoretiker sah er in Anarchisten bloße romantische Tollköpfe, die das Proletariat in Verwirrung stürzten und ins Verderben trieben. &amp;quot;Wer Herr der Geschichte ist und ihr den Rhythmus des Fortschritts aufzwingt&amp;quot;, erklärt er 1919, &amp;quot;wer das sichere und unaufhaltsame Fortschreiten der kommunistischen Zivilisation bestimmt, das sind nicht die 'Halbstarken', das ist nicht das Lumpenproletariat, das sind nicht die Bohemiens, die Dilettanten, die langhaarigen und frenetischen Romantiker, sondern das sind die großen Massen der klassenbewussten Arbeiter, die stählernen Bataillone des bewussten und disziplinierten Proletariats.&amp;quot; Im militaristischen Jargon wurde der &amp;quot;Geist der Verantwortung&amp;quot; beschworen, der &amp;quot;so schneidend und unversöhnlich&amp;quot; wie das &amp;quot;Schwert eines Scharfrichters&amp;quot;sein müsse,und angedroht wurde die grausame Notwendigkeit, Unfolgsamen &amp;quot;Disziplin und Treue mit Waffengewalt&amp;quot; aufzuzwingen, &amp;quot;um das gesellschaftliche Ganze vor dem Zusammenbruch und dem Verderben zu retten&amp;quot; (''Der Staat und der Sozialismus'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leo Trotzki und die antistalinistische Opposition==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihre bürgerlichen Opponenten glaubten Marxisten an die Wissenschaft, Fortschritt und Erfolg und machten die wissenschaftliche und industrielle Rationalität zu ihrer eigenen. Stalin, der markanterweise 1906 mit einer dumpfen Tirade gegen den Anarchismus erstmals in Erscheinung getreten war, verdankte seine Popularität bei vielen westlichen Linken und liberalen fellow-travellers in den dreißiger Jahren dem Image des Erfolgsmenschen, der allen Widrigkeiten zum Trotz eine neue, bessere Welt schaffen wollte. In einer Zeit, da Depression, Faschismus und Krieg die menschliche Existenz bedrohten, erschien er als &amp;quot;flexibler&amp;quot; und &amp;quot;pragmatischer&amp;quot; Praktiker, der die &amp;quot;konkrete Utopie&amp;quot; vom &amp;quot;Sozialismus in einem Land&amp;quot; zu realisieren trachtete. Andere Alternativen wie Rätekommunismus oder Anarchismus galten den meisten Linken als realitätsferne Modelle, die den Anforderungen der Praxis nicht standhalten konnten. Sozialismus und Marxismus wurden mit dem &amp;quot;Fortschritt&amp;quot; in der Sowjetunion gleichgesetzt. Selbst Leo Trotzki, von den Stalinisten ins Exil getrieben, rückte davon nicht ab. Als einige seiner Anhänger die UdSSR als &amp;quot;bürokratischen Kollektivismus&amp;quot;, als bloßen Unterdrückungsapparat einer neuen Herrschaftsklasse geißelten, insistierte er, dass die sowjetische Bürokratie (die er den rückständigen Verhältnissen anlastete) lediglich ein &amp;quot;episodischer Rückfall&amp;quot; sei. Vom zweiten Weltkrieg erhoffte er sich eine neuerliche sozialistische Revolution, die mit der Bürokratie aufräumte und eine Resurrektion der &amp;quot;sowjetischen Demokratie&amp;quot; auf einer weitaus höheren ökonomischen und kulturellen Ebene als 1918 bewirkte. Sollte diese Revolution ausbleiben, befürchtete er den Untergang der Zivilisation. Der bürokratische Rückfall wäre dann der organischen Unfähigkeit des Proletariats zuzuschreiben, zur herrschenden Klasse zu werden. Das sowjetische System wäre somit der Prototyp eines neuen Ausbeuterregimes im internationalen Maßstab. Wenn das Weltproletariat als unfähig sich erweise, die Mission zu erfüllen, die ihm die Geschichte anvertraut habe, bleibe nur einzugestehen, dass das auf den inneren Widersprüchen beruhende sozialistische Programm als bloße Utopie sich entlarvt habe, und der Zusammenbruch aller Hoffnungen auf eine sozialistische Revolution wäre die Folge, denn noch günstigere Bedingungen als nun seien nicht zu erwarten (''L'U.R.S.S. dans la guerre''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich blieb die Revolution aus, und mit seiner Prophezeiung stieß L. Trotzki seine Anhänger in eine tiefe demoralisierende Krise. Wie viele Intellektuelle seit Marx hielt er Ausschau nach einem historischen Agenten, der die ersehnte Transformation herbeiführte. Aufgebürdet wurde diese Aufgabe einem mythologisierten Kollektiv namens &amp;quot;Proletariat&amp;quot;, dessen revolutionäre Kraft zunächst einmal Projektion von Intellektuellen war, die auf diese Weise die eigene Ohnmächtigkeit kompensierten, indem sie anderen vorschrieben, wann und wo welche Aktion zu unternehmen sei, um eine bessere Welt herbeizuführen. Auch wenn marxistische Oppositionsgruppen mit Vehemenz den Stalinismus attackierten, blieben sie doch im Autoritarismus verstrickt, beanspruchten die gleiche autoritäre Machtposition, die sie ihren Rivalen vorwarfen. &amp;quot;Die revolutionäre Bewegung spiegelt den Zustand, den sie angreift, negativ wider&amp;quot; (Max Horkheimer, ''Autoritärer Staat''). Dies traf nicht allein auf sektiererische Zirkel zu, die immer wieder die alten Dogmen bis zur Besinnungslosigkeit repetierten und gegen die realen Verhältnisse sich abschotteten, sondern auch auf jene Gruppen wie die Situationisten, die in den 1950er und 1960er Jahren die alten Verkrustungen von Marxismus und Anarchismus aufzubrechen hofften. Ihnen schwebte eine sofortige Realisierung des Reichs der Freiheit vor, in dem alle Formen von Verdinglichung und Entfremdung in ihrer Totalität abgeschafft und durch Formen unbeschränkter Subjektivität ersetzt wären. Trotz aller Kritik an Marx, Bakunin, Lenin, Trotzki und  Georg Lukács hielten sie an der &amp;quot;historischen Mission&amp;quot; des Proletariats fest, das als &amp;quot;Klasse des Bewusstseins&amp;quot; in ihren Schriften fungierte: Ihm wurde die Aufgabe überantwortet, die Trennung von Subjekt und Objekt, Praxis und Theorie, Politik und Verwaltung in der &amp;quot;spektakulären Warengesellschaft&amp;quot; zu überwinden. Das Proletariat sei, postulierte Guy Debord als theoretisches Mundstück der Situationisten, &amp;quot;das in dieser Gesellschaft wirkende Negative&amp;quot; (''Die Gesellschaft des Spektakels''). Zwar postulierten sie eine neue revolutionäre Praxis im &amp;quot;alltäglichen Leben&amp;quot; ohne Autorität, Parteikader oder bürokratische Apparate, doch ahmten sie in einer grotesken Parodie leninistische Praktiken nach: Die selbst ernannte revolutionäre Avantgarde, die vorgeblich im Namen des &amp;quot;Proletariats&amp;quot; agierte, schuf sich eine exklusive internationale Mikro-Organisation mit einem Zentralrat, einem Chefideologen und einem Zentralorgan und schwang sich zu Führern der angeblich bewusstlosen Massen auf. Wie Marx in seinen Kämpfen um die Machtposition in der revolutionären Bewegung Widersacher von Wilhelm Weitling bis  Bakunin dadurch auszustechen suchte, indem er ihre intellektuelle Fähigkeiten in Misskredit brachte und ihre vorgebliche Ignoranz öffentlich bloßzustellen trachtete, so warf Debord all sein intellektuelles Kapital in die Waagschale, um zu demonstrieren, dass er allein über die &amp;quot;richtige&amp;quot; und &amp;quot;wahre&amp;quot; Theorie verfügte, und per Exklusionspolitik entledigte er sich jener Konkurrenten, die seine Autorität und seien Führungsanspruch hätten unterminieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Marxismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma bestand darin, dass sich selbst diese &amp;quot;Outlaw-Marxisten&amp;quot; (Alvin W. Gouldner) als Führungskräfte verstanden, die Theorien erarbeiteten und Direktiven ausgaben, denen andere zu folgen hatten. Damit reproduzierten die &amp;quot;revolutionären Linksintellektuellen&amp;quot; aber lediglich die &amp;quot;Laster der bürgerlichen Gesellschaft&amp;quot;, wie Simone Weil 1934 kritisierte. &amp;quot;Unsere gesamte Zivilisation beruht auf der Spezialisierung, was die Knechtung der Ausführenden durch die Führenden bewirkt. Und auf einer solchen Basis kann man die Unterdrückung nur organisieren, aber nicht vermindem&amp;quot; (Unterdrückung und Freiheit). Pessimistisch, nach dem Triumph des Nazismus in Deutschland, erklärte sie, dass von den Menschen keine Hilfe zu erhoffen sei, und gerade das Proletariat erwies sich nicht als &amp;quot;Totengräber&amp;quot; des Kapitalismus. In dieser Gesellschaft setzten sich Rackets durch, exklusive, Macht ausübende und totale Unterwerfung einfordernde Cliquen, schrieb Max Horkheimer im amerikanischen Exil. Diese Herrschaftsform prägte auch die kommunistischen Parteien und die Gewerkschaften. &amp;quot;Das Racket-Muster, wie es für das Verhalten der Herrschenden gegenüber den Beherrschten typisch war, ist jetzt repräsentativ für alle menschlichen Beziehungen, selbst für die innerhalb der Arbeiterschaft. Der Unterschied zwischen dem Racket im Kapital und dem in der Arbeit liegt in der Tatsache, dass beim kapitalistischen Racket die gesamte Klasse profitiert, während das Racket der Arbeit als Monopol nur für ihre Führer und für die Arbeiteraristokratie fungiert. Die arbeitenden Massen sind die Objekte beider Formen; sie müssen das Ganze nur bezahlen&amp;quot; (''Zur Soziologie der Klassenverhältnisse''). Der Mythos von den &amp;quot;stählernen Bataillonen des bewussten und disziplinierten Proletariats&amp;quot; erwies sich aber gegenüber dieser Kritik als resistent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Neuen Linken triumphierte schließlich eine groteske &amp;quot;Proletophilie&amp;quot;, welche die Gründung zahlloser leninistischer Polit-Sekten beförderte. All der alte Mist komme wieder, kommentierte Murray Bookchin (''Post-Scarcity Anarchism'') diese Entwicklung der pseudo-historischen Retro-Inszenierungen in den späten 1960ern. Für ihn war die Fabrik nicht der einzig entscheidende Ort der Auseinandersetzung; vielmehr müssten alle menschlichen Lebensbereiche in den Kampf um revolutionäre Veränderungen eingeschlossen werden. Es sei ein Irrtum der marxistischen Theorie, lediglich die ökonomische Ausbeutung zu bekämpfen, während andere Herrschaftsformen weiterbeständen oder gar ausgedehnt würden. Bookchin hielt die Vorstellung von Marxisten und Anarchosyndikalisten, ein System der Herrschaft und Hierarchie könne durch Selbstverwaltung überwunden werden, für simplistisch, denn diese taste nicht alle übrigen Formen der Unterdrückung in der bürgerlichen Gesellschaft an. &amp;quot;Soziale Verzerrungen und Regressionen können nicht länger in erster Linie durch Eigentumsverhältnisse erklärt noch allein durch sozio-ökonomische Maßnahmen, wie etwa Verstaatlichung, Kollektivierung oder ,Arbeitsplatzdemokratie', berichtigt werden. Denn was all diese angebotenen Lösungen der vergifteten Natur der modernen Gesellschaft explodieren lässt, ist das angeschwollene Legat von Befehls- und Gehorsamsbeziehungen – mit einem Wort: Hierarchie als grundlegenderes Substrat aller Klassenbeziehungen&amp;quot; (''Were We Wrong?''). &lt;br /&gt;
In den Augen Bookchins boten weder Marxismus noch Anarchosyndikalismus Gewähr für eine radikale Umgestaltung des Bestehenden. Allein ein ökologisch und kommunitär orientierter Anarchismus könne die ungeschmälerte Freiheit realisieren und sei Garant dafür, dass ein revolutionäres Projekt nicht allmählich in Formen der Theorie und Praxis abgleite, die inhärent anfällig für opportunistische Kompromisse seien. Zielpunkt seiner oft harschen und polemischen Kritik sind vor allem neo-marxistische Akademiker, denen er vorwirft, sie hätten sich aus der Gesellschaft in universitäre Zirkel zurückgezogen und lieferten keinen Beitrag zur emanzipatorischen Praxis. Anstatt zu helfen, die Welt zu verändern, interpretierten sie sie lediglich, was sie in krassen Gegensatz zu Marx stelle (''Beyond Neo-Marxism''). In ihrer Jugend als &amp;quot;Neue Linke&amp;quot; aufgebrochen, um die Institutionen des Staates zu &amp;quot;demokratisieren&amp;quot; und zu &amp;quot;politisieren&amp;quot;, zu verändern und neu zu gestalten, wurden diese Veteranen des &amp;quot;langen Marsches&amp;quot; von diesen Institutionen ge- und verformt. Auf den akademischen Territorien der Herrschaft hat der Marxismus mit seinen verschiedenen Ausprägungen ein Refugium gefunden und ist selbst Teil des &amp;quot;akademischen Rackets&amp;quot; (Max Horkheimer) geworden, während seine Beiträge zu den (mittlerweile auch mit einer historischen Patina überzogenen) &amp;quot;neuen sozialen Bewegungen&amp;quot; in den 1970er und 1980er Jahren marginal blieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach dem Untergang==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Liquidation der realsozialistischen Staatsunternehmen und dem scheinbaren Triumph des kapitalistischen Sozialdarwinismus sahen sich auch akademische Marxisten vor der Sinn-und Existenzfrage gestellt, und allerorts bildeten sich linksintellektuelle Krisenstäbe, um nach der Implosion der marxistisch-leninistischen Altbauten die Chancen eines Neubeginns für das &amp;quot;sozialistische Projekt&amp;quot; auszuloten. Zweifelsohne habe es der Marxismus nötig, kritisiert und erneuert zu werden, konzediert der Pariser Sozialforscher Michael Löwy, vor allem deshalb, weil sein Bruch mit dem produktivistischen Muster des Industriekapitalismus und den Grundlagen der modernen bürgerlichen Zivilisation nicht radikal genug gewesen sei. Zwecks Revitalisierung des Marxismus wollte Löwy Ökologie, Pazifismus, Feminismus und Befreiungstheologie einverleiben, als wären diese ohne Schwierigkeiten im marxistischen Theoriegebäude unterzubringen. Auch dem Herausgeber der traditionellen ''New Left Review'', Robin Blackburn, schwebte nach dem Untergang eine &amp;quot;vollkommene Erneuerung und Reorientierung&amp;quot; des marxistischen &amp;quot;Projekts&amp;quot; vor, um eine &amp;quot;wahrhaft demokratische Kultur und politische Ordnung&amp;quot; zu schaffen, wobei die Integration ökologischer und kommunistischer Ansätze helfen sollten (Robin Blackburn, ''Fin de Siècle''). All dies aber führte nicht zu einer Rekonziliation von Marxismus und Anarchismus. Die Anerkennung dessen, was früher als Ausgeburt eines kleinbürgerlichen Romantizismus diffamiert wurde, läuft letztlich auf dreiste Briganterie hinaus: Um das eigene Überleben zu sichern, will man all dessen habhaft, was Hoffnung aufs Weiterleben verspricht, ohne der Mühe sich zu unterziehen, den Marxismus wirklich neu zu denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche und die Globalisierung des ökonomischen Systems seit den 1980er Jahren erzwangen schließlich auch ein Weiterdenken jenseits der gestanzten Muster der Vergangenheit, das zumindest Ansätze für eine Kritik der veränderten herrschenden Verhältnisse bot. So knüpft beispielsweise Nick Dyer-Witheford in seinem Buch ''Cyber-Marx'' mit seiner Vorstellung eines &amp;quot;autonomistischen Marxismus&amp;quot; an die italienischen Theoretiker Antonio Negri und Mario Tronti an. In seinen Augen hat die globale Restrukturierung des Kapitalismus keineswegs die alten Widersprüche zwischen Arbeit und Kapital aufgehoben, sondern vielmehr auf eine neue Ebene gebracht. Im Kreislauf von automatisierten Fabriken, interaktiven Medien, virtuellen Seminaren, gentechnologischen Laboratorien und globalen Netzwerken kaum durchschaubarer Konzernstrukturen hat sich zweierlei gebildet: gigantische Monopole, welche die Herrschaft über ganze Staatengebilde ausüben, als auch subversive Guerilla-Einheiten, die entweder isoliert oder postmodern über das World Wide Web virtuell organisiert gegen die Übermacht der technologischen Kontrolle mittels Sabotage oder Arbeitsverweigerung rebellieren.  Vieles in seiner Analyse der Verflechtungen des digitalen Kapitalismus erscheint schlüssig, doch mutet seine Abgrenzung zur &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; von Horkheimer und Adorno in der Betonung der &amp;quot;Sabotage&amp;quot; und des &amp;quot;Widerstandes&amp;quot; gegen die Macht der Herrschaft etwas antiquiert an. Zuweilen erinnert die Rede von der medialen Subversion an die Diskussionen der 1970er Jahre und das Rekurrieren auf das demokratische Potenzial des Internets – das es zweifelsohne besitzt –- an Hans Magnus Enzensbergers ''Baukasten zu einer Theorie der Medien'' (1970). Auch wenn sich &amp;quot;Hacktivisten&amp;quot; wie die &amp;quot;Electrohippies&amp;quot; oder das &amp;quot;Electronic Disturbance Theater&amp;quot; als Guerilla im Internet etablieren konnten, ist dies nicht der Beweis für den Beginn eines subversiven Kampfes an den Schnittstellen des digitalen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dialektik der Niederlage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Russell Jacoby treffend anmerkt, sind Erfolg und Niederlage dialektische Kategorien: Der zeitweilige Erfolg des sowjetischen Marxismus trug oft zur Niederlage anderer Marxismen oder linksoppositioneller Strömungen bei. Sowohl Erfolg als auch Niederlage sagen nichts über die Qualität oder Wahrheit des jeweiligen Ideenkonstrukts aus. Die Niederlagen des Anarchismus stellen kein Urteil über den Wert seiner Theorien und Werte dar. Ebenso wenig ist der Marxismus durch seine Verstrickung in die politische oder akademische Herrschaft desavouiert oder der Kapitalismus auf Grund seines momentanen Triumphes durch die Geschichte legitimiert. Es gehört zu den tragischen Ironien der Geschichte, dass der von Bakunin heftig attackierte „Staatssozialismus“ in der Phase seines herrschaftlichen Triumphes die linke Opposition zum Schweigen brachte, und nach seinem Ende seine linken Kritiker mit in den Abgrund riss.  Der westliche Marxismus lebt in den akademischen Reservaten letztlich nur als postmodernes Gespenst einer kulturell depravierten Bourgeoisie fort. Auf der anderen Seite hat es der Anarchismus versäumt, eine stimmige, radikale Kritik der  bestehenden Verhältnisse zu artikulieren. Selbst ein ehemals innovativer Kritiker wie Bookchin verrannte sich im Laufe der Zeit in einen dogmatischen Rigorismus, der nichts außer den eigenen Erkenntnissen gelten lassen konnte. Wenn Marxismus und Anarchismus entweder zur Apologetik der herrschenden Beliebigkeit oder zur militant gestylten Racket-Ideologie, die zur Heranbildung blinder Gefolgschaften statt kritischer Individuen beiträgt, mutieren, ist ihr einst radikales Ingenium abgestorben. Zu besinnen wäre sich, mit Marx gesprochen, auf die &amp;quot;rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten&amp;quot; (''MEW'', Bd. 1). So geht es weder um die Verteidigung des Marxismus noch um jene des Anarchismus, sondern um die Verwirklichung der Utopie einer besseren Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausgewählte Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Theodor W. Adorno, ''Soziologische Schriften I'' (''Gesammelte Schriften'', Bd. 8), Frankfurt/Main 1972 &lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Gesammelte Werke'', 3 Bände, Berlin 1975&lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften'', Berlin 1972 &lt;br /&gt;
*Robin Blackburn, &amp;quot;Fin de Siècle: Socialism After the Crash&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 185 (Januar-Februar 1991), S. 5-66 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''The Two Revolutions: Antonio Gramsci and the Dilemmas of Western Marxism'', Boston 1984 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''Social Movements and Political Power: Emerging Forms of Radicalism in the West'', Philadelphia 1986 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;Revolutionary Process, Political Strategy, and the Dilemma of Power&amp;quot;, Theory &amp;amp; Society, 4:3 (Herbst 1977), S. 359-393 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;The Intellectuals and Social Movements: Some Reflections on Academic Marxism&amp;quot;, ''Humanities in Society'', 6:2-3 (1983), S. 223-239 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''Post-Scarcity Anarchism'', Berkeley 1971 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''The Modern Crisis'', Montreal 1987&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Beyond Neo-Marxism&amp;quot;, ''Telos'', Nr. 36 (Sommer 1978).S. 5-28&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Were We Wrong?', ''Telos'', Nr. 65 (Herbst 1985), S. 59-74 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;New Social Movements: The Anarchic Dimension&amp;quot;, in: ''For Anarchism: History, Theory and Practice'', hg. David Goodway, London 1989, S. 259-274 &lt;br /&gt;
*John Clark, ''The Anarchist Moment: Reflections on Culture, Nature and Power'', Montreal 1984&lt;br /&gt;
*Nick Dyer-Witheford, ''Cyber-Marx: Cycles and Circuits of Struggles in High-Technology Capitalism'', Urbana 1999&lt;br /&gt;
*Guy Debord, ''Die Gesellschaft des Spektakels'', Berlin 1996 &lt;br /&gt;
*Michael Denning, ''Culture in the Age of Three Worlds'', London 2004&lt;br /&gt;
*Isaac Deutscher, ''Trotzki III: Der verstoßene Prophet, 1929-1940,'' Stuttgart 1972&lt;br /&gt;
*Wolfgang Dreßen, ''Antiautoritäres Lager und Anarchismus'', Berlin 1968 &lt;br /&gt;
*Vincent Geoghegan, ''Utopianism and Marxism'', London 1987 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''The Future of lntellectuals and the Rise of the New Class'', London 1979 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''Against Fragmentation: The Origins of Marxism and the Sociology of Intellectuals'', New York 1985 &lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, ''Marxismus und Kultur: Ideologie, Alltag, Kultur'', hg. Sabine Kebir, Hamburg 1983&lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, &amp;quot;Der Staat und der Sozialismus&amp;quot;, in: ''Zu Politik, Geschichte und Kultur: Ausgewählte Schriften'', hg. Guido Zamis, Leipzig 1980, S. 69-75 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''Pour un marxisme libertaire'', Paris 1969 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''L'anarchisme: De la doctrine à la pratique''. Paris 1981 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''A la recherche d'un communisme libertaire''. Paris 1984 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 5, Frankfurt/Main 1987. S. 293-319 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Zur Soziologie der Klassenverhilltnisse&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 12, Frankfurt/M. 1985, S. 75-104 &lt;br /&gt;
*Maurice. Issermann, ''If I Had a Hammer. . . The Death of the Old Left and the Birth of the New Left'', New York 1987 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Dialectic of Defeat: Contours of Western Marxism'', Cambridge 1981 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Picture Imperfect: Utopian Thought for an Anti-Utopian Age'', New York 2005&lt;br /&gt;
*Charles Jacquier (Hg.), ''Lebenserfahrung und Geistesarbeit: Simone Weil und der Anarchismus'', Nettersheim 2006&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Anarchismus und Sozialismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, Berlin 1955, S. 334-337&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 31, Berlin 1959, S. 1-106 &lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 25, Berlin 1970, S. 393-507&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Was tun?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, S. 355-551 &lt;br /&gt;
*Michael Löwy, &amp;quot;Twelve Theses on the Crisis of ,Really Existing Socialism&amp;quot;', ''Monthly Review'', 43:1 (Mai 1991) S. 33-40 &lt;br /&gt;
*Rosa Luxemburg, ''Schriften zur Theorie der Spontaneität'', hg. S. Hillmann, Reinbek 1970 &lt;br /&gt;
*Karl Marx und Friedrich Engels, ''Über Anarchismus'', kompiliert von W. I. Bauer, Berlin 1977 &lt;br /&gt;
*Georgi Plechanow, ''Anarchismus und Sozialismus'', 3. Aufl., Berlin 1911 &lt;br /&gt;
*Josef W. Stalin, &amp;quot;Anarchismus oder Sozialismus?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 1, Berlin 1950, S. 257-323 &lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;L'U.R.S.S. dans la guerre&amp;quot;, in: ''Oeuvres'', Bd. 22, hg. Pierre Broué, Paris 1985, S. 40-62 &lt;br /&gt;
*Siva Vaidhyanathan, ''The Anarchist in the Library: How the Clash between Freedom and Control is Hacking the Real World and Crashing the System'', New York 2004&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald,''The New York Intelllectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Simone Weil, ''Unterdrückung und Freiheit: Politische Schriften'', Frankfurt/Main, 1987 &lt;br /&gt;
*Peter Wollen, &amp;quot;The Situationist International&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 174 (März-April 1989). S. 67-95 &lt;br /&gt;
*George Woodcock, ''Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements'', Harmondsworth 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

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		<title>Marxismus</title>
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				<updated>2007-03-16T23:21:39Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Einleitung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Anarchismus und Marxismus ist seit je von Spannungen und Feindseligkeiten gekennzeichnet, beginnend mit dem heftigen Disput zwischen Michail Bakunin und Karl Marx in der Ersten Internationale. Vom &amp;quot;mitgeborenen Feind&amp;quot; bedroht, haben Marxisten jeglicher Provenienz den Anarchismus oft als kleinbürgerlich-utopische, pseudorevolutionäre Doktrin diffamiert, welche die Arbeiterklasse desorientiere und realiter der bürgerlichen Reaktion in die Hand arbeite. In den Augen Friedrich Engels stellte er eine &amp;quot;hanswurstische Karikatur&amp;quot; der proletarischen Bewegung dar, die nur den Regierungen in Europa und Amerika nütze (''MEW'', Bd. 35), und für Lenin, einen Zweifrontenkrieg gegen den linken Radikalismus und den sozialdemokratischen Opportunismus führend, war der Anarchismus &amp;quot;nicht selten eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung&amp;quot; (Der &amp;quot;linke Radikalismus&amp;quot;). Wo der Anarchismus die Hegemonie der Marxisten über die internationale Arbeiterbewegung gefährdete, wurde er wie ein gefährlicher Virus isoliert oder ausgemerzt, aber doch verweste er nicht auf der &amp;quot;Müllhalde der Geschichte&amp;quot;, sondern tauchte immer wieder in der  politischen Arena auf, um den &amp;quot;feindlichen Bruder&amp;quot; stets aufs neue herauszufordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Marx' Konzept der sozialen Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Beginn an scheint es zwischen Anarchisten und Marxisten der lediglich Differenzen bezüglich der Wahl der Mittel, nicht aber der Ziele gegeben zu haben. &amp;quot;Marx hat&amp;quot;, sagte Theodor W. Adorno, &amp;quot;während der Jahre seines Lebens, die er darauf verwandte, den Anarchismus zu kritisieren, nicht einen herrschaftsfreien Zustand hintertreiben wollen, sondern meinte, dass durch bestimmte kurzschlüssige Aktionen das, was ihm vorschwebte, hintertrieben werde&amp;quot; (''Soziologische Schriften I''). Die Unterschiede waren jedoch weitaus gravierender. Marx zufolge sollte das disziplinierte, zentral geführte Proletariat die Staatsgewalt ergreifen und die Produktionsmittel in Staatseigentum umwandeln. In diesem Transformationsprozess würden die Unterschiede und Gegensätze der Klassen und damit auch der Staatsapparat als repressives Instrument der Klassenherrschaft allmählich aufgehoben. Seien die Klassen abgeschafft, meinte Marx, &amp;quot;so verschwindet die Gewalt des Staates, welche dazu dient, die große produzierende Mehrheit unter dem Joche einer wenig zahlreichen ausbeutenden Minderheit zu halten, und die Regierungsfunktionen verwandeln sich in einfache Verwaltungsfunktionen&amp;quot; (''MEW'', Bd. 18). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anarchistische Kritik geht freilich über den bloßen Klassencharakter des Staates hinaus: In ihrer Essenz wendet sie sich gegen jegliche Form von Herrschaft und Hierarchie, die nicht allein durch die &amp;quot;Abschaffung&amp;quot; oder das &amp;quot;Absterben“ des Staates überwunden wäre. In Marx' Schema war der voll entwickelte Kapitalismus Vorbedingung für den Sozialismus und die Zentralisation unentbehrlich für den gesellschaftlichen Fortschritt, denn sie zeitige nur solange Herrschaft, da sie Teil der bürgerlichen Entwicklung sei. In einer revolutionären Gesellschaft dagegen würde sie weder zum Anwachsen der Bürokratie führen noch wäre diese zum Erreichen der Zivilisation notwendig. &amp;quot;Die Zertrümmerung der Staatsmaschinerie wird die Zentralisation nicht gefährden&amp;quot;, schrieb er 1852. &amp;quot;Die Bürokratie ist nur die niedrige und brutale Form einer Zentralisation, die noch mit ihrem Gegensatze, dem Feudalismus, behaftet ist&amp;quot; (''MEW'', Bd. 8). Die Möglichkeit, dass noch größere Zentralisation und technologische Entwicklung einen neuen Bürokratismus, der wenig oder nichts mit den feudalistischen Traditionen zu tun hätte, hervorbringen könnten, fand bei Marx keine ernsthafte Betrachtung. Die &amp;quot;provisorische&amp;quot; Übernahme des Staates und der kapitalistischen Produktionsformen, die nicht von ihren hierarchischen Strukturen befreit sind, produziert neue Herrschaft, lässt eine neue Klasse sich konstituieren, deren Macht im Anwuchs zentralisierter Planung und spezialisierter Technik sich gründet, die auf die Funktionen früherer Bürokratien zurückgreift und eine etatistische Ideologie zur Legitimierung der eigenen Existenz benutzt. Die Indienstnahme von Wissenschaft und Technik begünstigt eine politisch-bürokratische Struktur, in der eine überwiegende Mehrheit von einer privilegierten Minderheit beherrscht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bakunin sah die Gefahr, dass eine von &amp;quot;autoritären Kommunisten&amp;quot; (d. h. Marxisten) geführte Revolution &amp;quot;die durch Dekrete beherrschten Volksmassen von neuem zum Gehorsam, zur Unbeweglichkeit, zum Tod verurteilen würde, das heißt zur Sklaverei und Ausbeutung durch eine neue quasi-revolutionäre Aristokratie&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3). Die von  Marx als &amp;quot;vorübergehend&amp;quot; konzipierte Diktatur laufe, so Bakunin, nur auf deren Verewigung hinaus und zementiere das Prinzip der Herrschaft. Da Marx den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in einer strengen Abfolge historischer Etappen sah, betrachtete er das Proletariat weniger als selbstbewusstes revolutionäres Subjekt, von dessen autonomen Aktionen das Gelingen der sozialen Revolution abhänge, denn als Objekt der &amp;quot;Geschichte&amp;quot;. Bedingt durch seine materielle Situation verfüge das Proletariat nicht über ein ausreichendes Bewusstsein, und daher bedürfe es einer revolutionären Avantgarde, die &amp;quot;theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung&amp;quot; voraus habe (''MEW'', Bd. 4). Zwar gestand er den proletarischen Massen eine gewisse Dosis an &amp;quot;Selbsttätigkeit&amp;quot; zu, doch ist dieser Begriff weit eingegrenzter als jener der &amp;quot;Spontaneität“, der das &amp;quot;historische - Recht“der Avantgarde auf die Führung des Proletariats aufs Spiel hätte setzen können. In den Augen Bakunins barg diese autoritäre Konzeption bereits den Keim einer neuen unfreien Gesellschaft in sich. Beharrlich insistierte er darauf, dass Freiheit &amp;quot;nur durch Freiheit&amp;quot; geschaffen werden könne, &amp;quot;durch die freie Organisation der Arbeitermassen von unten nach oben&amp;quot; (''Staatlichkeit und Anarchie''). Die &amp;quot;rote Bürokratie&amp;quot;, die er herannahen sah, realisierte sich  im Stalinismus. Doch auch seine Konzeption der sozialen Revolution war nicht frei von Fragwürdigkeiten. Zwar projektierte er die Avantgarde als &amp;quot;revolutionären Generalstab&amp;quot;, der sich damit begnügte, als &amp;quot;Vermittler zwischen der revolutionären Idee und den Volksinstinkten&amp;quot; zu dienen, doch redete er auch von einer &amp;quot;Diktatur ohne Schärpe, ohne Titel, ohne offizielles Recht, die desto mächtiger ist, weil sie keinen Anschein der Macht hat&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3).&lt;br /&gt;
War der Marxismus das &amp;quot;falsche Bewusstsein einer kulturellen Bourgeoise, die radikalisiert worden ist&amp;quot; (Alvin W. Gouldner: ''The Future of Intellectuals''), so lief der &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; stets Gefahr, über die berechtigte Kritik an der &amp;quot;neuen Klasse&amp;quot; von Funktionären und Bürokraten in einen dumpfen Anti-Intellektualismus umzuschlagen, der im &amp;quot;kulturellen Kapital&amp;quot; der Intellektuellen einzig ein Mittel zur Unterdrückung der Massen sah. Wie im Nachhinein Marx die geistige Urheberschaft für den stalinistischen Gulag aufgebürdet wird, so ereilt Bakunin das Verdikt, mit seinem Insistieren auf einer Destruktion alles Bestehenden und einer Abschaffung jeglicher Privilegien den Boden für menschenverachtende Exzesse in der chinesischen Kulturrevolution bereitet zu haben. Der Maoismus war, in dieser Sichtweise, die Adaptierung des Marxismus hin zum &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; in seinem anderen historischen Terrain (Alvin W. Gouldner: ''Against Fragmentation''). Diese Interpretation unterschlägt aber, dass Bakunin nicht die Intellektuellen unter Kontrolle bringen und sie einem &amp;quot;radikalen Egalitarismus&amp;quot;, einem totalitären System repressiver Gleichheit unterwerfen wollte: Ihm ging es – wie Marx – um die Emanzipation des Subjekts von den herrschenden Verhältnissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lenins Ultrazentralismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus ursprünglich eine anti-etatistische Theorie (so vage sie sein mochte), geriet er in der leninistischen Version in eine unauflösbare Verbindung mit der Idee der Staatsaktivität. Lenin trieb die Sorge um, von plötzlich auftretenden, nicht kanalisierten Kräften der Arbeitermassen fortgeschwemmt zu werden, eben jener Massen, die lediglich ein trade-unionistisches Bewusstsein besäßen und nicht in der Lage seien, über die ökonomische Beziehungssphäre zwischen Arbeitern und Unternehmern hinauszudenken. Spontaneität war für ihn Ausdruck der bürgerlichen Ideologie, der sozialistisches Bewusstsein unterdrücke. Daher bestehe die unbedingte Notwendigkeit, Spontaneität in jeder Form zu bekämpfen. Eine revolutionäre Avantgardepartei mit Berufskadern und quasi-militärischen Befehlsstrukturen sollte von außen politisches Klassenbewusstsein in die Massen hineintragen, diese durch Organisation von oben erziehen und dirigieren. Lenin war ein &amp;quot;Techniker&amp;quot; der Revolution, dem die Methoden, Instrumente und Organisationsmittel allemal wichtiger waren als die Emanzipation von Herrschaft und Hierarchie. Mit der Übernahme des Staatsapparates sicherten sich die Bolschewiki das notwendige Herrschaftsinstrumentarium, und mittels des vom kapitalistischen Profitstreben gereinigten tayloristischen Systems sollten die Disziplin der Werktätigen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten gehoben und die Arbeitsintensität gesteigert werden. Da vor der menschlichen Emanzipation die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen werden mussten, wurde die aktive Beteiligung der Massen in eine mystische Zukunft hinausgeschoben. Im leninistischen Modell entbehrten die vagen demokratischen, libertären Ausführungen von ''Staat und Revolution'' (1917) einer jeglichen strukturellen Basis, so dass sie zu keiner Zeit ernsthaft in Lenins revolutionäre Strategie zu integrieren waren. Der bürokratische Zentralismus unterwarf die Arbeiterinnen einer neuen Herrschaftsschicht und eliminierte jegliche Form des autonomen Handelns.&lt;br /&gt;
Jede Abweichung von der herrschenden Doktrin, äußerte sie sich in der direkten Aktion oder dem Streben nach Selbstverwaltung, wurde unterdrückt, klagte sie doch den simultanen Ablauf von wirtschaftlichem Aufbau und menschlicher Emanzipation ein und stellte die Avantgarde in Frage. Da der Anarchismus als &amp;quot;umgestülpter bürgerlicher Individualismus&amp;quot; die &amp;quot;vereinigende und organisierende Kraft der Staatsmacht&amp;quot; negiere (''Anarchismus und Sozialismus''), musste er - wenn er sich bedrohlich manifestierte - ausgelöscht werden. Im leninistischen Staatsbetrieb duldete das Management keine Auflehnung, sondern forderte Unterwerfung und Disziplin ein, um das Plansoll zu erreichen. Die ungeschmälerte Freiheit lag dabei außerhalb der Vorgaben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Lenin als &amp;quot;Disziplin&amp;quot; drapierte Beherrschung der Mehrheit durch eine privilegierte Minorität, die Auffassung, es reiche aus, wenn der Dirigentenstab der Bourgeoisie von einem revolutionär sich wähnenden Zentralkomitee entrissen werde, stieß schon früh auf die Kritik Rosa Luxemburgs, die als erste marxistische Theoretikerin den Begriff der Spontaneität ins Spiel brachte. Nicht sei es das Ziel, die Arbeiterinnen zum Kadavergehorsam zu erziehen, sondern vielmehr sollte  sich die Partei auf die Rolle eines Sprechers und Transformators der Massenenergie beschränken, lediglich als &amp;quot;Dolmetscher des Massenwillens&amp;quot; agieren. Die gescheiterte russische Revolution von 1905 kommentierend, entwarf sie das Konzept des &amp;quot;Massenstreiks&amp;quot;, der sich im Wesentlichen nicht vom anarchosyndikalistischen Generalstreik unterschied. Dass sie diese Taktik zur Aufnahme ins sozialdemokratische Arsenal empfahl, bedeutete ihrer Ansicht nach nicht eine &amp;quot;Ehrenrettung des Anarchismus&amp;quot;, sondern dessen &amp;quot;geschichtliche Liquidierung&amp;quot;. Die Revolution habe gezeigt, dass der Anarchismus &amp;quot;zum Aushängeschild für gemeine Diebe und Plünderer&amp;quot; geworden und nur &amp;quot;wie ein Rudel Haifische hinter dem Schlachtschiff der Revolution&amp;quot; hergeschwommen sei (''Schriften zur Theorie der Spontaneität''). Trotz dieser Denunziation war  Luxemburg mit ihrem Beharren auf der Aktivität der Massen nicht weit entfernt von anarchistischen Modellen, von einem Sozialismus, der von ArbeiterInnenräten von unten nach oben angetrieben würde. &amp;quot;Rosa Luxemburg ist&amp;quot;, meinte Daniel Guérin, &amp;quot;eines der verbindenden Elemente zwischen dem Anarchismus und dem authentischen Marxismus&amp;quot; (''L'anarchisme''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Augen Antonio Gramscis ignorierten &amp;quot;Spontaneisten&amp;quot; und Anarchisten vollkommen die Hegemonie der Bourgeoisie, wenn sie sich voller Optimismus auf direkte Aktionen der Massen  verließen, ohne aufkommende Oppositionsbewegungen so zu formen, dass sie eine tatsächliche Herausforderung des bestehenden Systems darstellten. Von der unbedingten Notwendigkeit von Staat, Partei und Autorität überzeugt, vertrat er die Auffassung, dass die anarchistischen Arbeiterinnen nicht Staat und Eigentum an sich bekämpften. sondern nur deren kapitalistischen Auswuchs. Der die Macht ergreifende &amp;quot;Arbeiterstaat&amp;quot; würde auch ihnen Freiheit und die Verwirklichung proletarischer Ideale eröffnen, als zentralisierte Macht sie vor Reaktion und Konterrevolution schützen. Im revolutionären Kampf agiere die Partei beispielgebend und wirke auf die Massen anspornend ein. Allein auf die Spontaneität sich zu verlassen und nicht systematisch am kreativen revolutionären Werk zu arbeiten, sei bloße Illusion von  Ideologen und unbewusste Konterrevolution im voraus. Gramsci strebte eine Synthese von organisierter Planung und spontanen Elementen an. Zur revolutionären Umgestaltung seien sowohl die aktiven Massen als auch intellektuelle &amp;quot;Führer“ notwendig, die eher ideologische oder pädagogische denn instrumentelle Funktionen ausüben sollten. In gewisser Weise ähnelt dies der bakunistischen Vorstellung von den &amp;quot;Geburtshelfern der Revolution&amp;quot;, deren latentes autoritäre Gedankengut bei  Gramsci sich noch verstärkte. Da die Arbeiterklasse aufgrund der fehlenden ökonomischen Basis keine eigenen organischen Intellektuellen hervorzubringen vermöge, sei einzig die Avantgardepartei des Proletariats dazu fähig, politische Intellektuelle heranzubilden, welche die &amp;quot;revolutionäre Sache&amp;quot; vorantreiben könnten. Wie alle marxistischen Theoretiker sah er in Anarchisten bloße romantische Tollköpfe, die das Proletariat in Verwirrung stürzten und ins Verderben trieben. &amp;quot;Wer Herr der Geschichte ist und ihr den Rhythmus des Fortschritts aufzwingt&amp;quot;, erklärt er 1919, &amp;quot;wer das sichere und unaufhaltsame Fortschreiten der kommunistischen Zivilisation bestimmt, das sind nicht die 'Halbstarken', das ist nicht das Lumpenproletariat, das sind nicht die Bohemiens, die Dilettanten, die langhaarigen und frenetischen Romantiker, sondern das sind die großen Massen der klassenbewussten Arbeiter, die stählernen Bataillone des bewussten und disziplinierten Proletariats.&amp;quot; Im militaristischen Jargon wurde der &amp;quot;Geist der Verantwortung&amp;quot; beschworen, der &amp;quot;so schneidend und unversöhnlich&amp;quot; wie das &amp;quot;Schwert eines Scharfrichters&amp;quot;sein müsse,und angedroht wurde die grausame Notwendigkeit, Unfolgsamen &amp;quot;Disziplin und Treue mit Waffengewalt&amp;quot; aufzuzwingen, &amp;quot;um das gesellschaftliche Ganze vor dem Zusammenbruch und dem Verderben zu retten&amp;quot; (''Der Staat und der Sozialismus'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leo Trotzki und die antistalinistische Opposition==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihre bürgerlichen Opponenten glaubten Marxisten an die Wissenschaft, Fortschritt und Erfolg und machten die wissenschaftliche und industrielle Rationalität zu ihrer eigenen. Stalin, der markanterweise 1906 mit einer dumpfen Tirade gegen den Anarchismus erstmals in Erscheinung getreten war, verdankte seine Popularität bei vielen westlichen Linken und liberalen fellow-travellers in den dreißiger Jahren dem Image des Erfolgsmenschen, der allen Widrigkeiten zum Trotz eine neue, bessere Welt schaffen wollte. In einer Zeit, da Depression, Faschismus und Krieg die menschliche Existenz bedrohten, erschien er als &amp;quot;flexibler&amp;quot; und &amp;quot;pragmatischer&amp;quot; Praktiker, der die &amp;quot;konkrete Utopie&amp;quot; vom &amp;quot;Sozialismus in einem Land&amp;quot; zu realisieren trachtete. Andere Alternativen wie Rätekommunismus oder Anarchismus galten den meisten Linken als realitätsferne Modelle, die den Anforderungen der Praxis nicht standhalten konnten. Sozialismus und Marxismus wurden mit dem &amp;quot;Fortschritt&amp;quot; in der Sowjetunion gleichgesetzt. Selbst Leo Trotzki, von den Stalinisten ins Exil getrieben, rückte davon nicht ab. Als einige seiner Anhänger die UdSSR als &amp;quot;bürokratischen Kollektivismus&amp;quot;, als bloßen Unterdrückungsapparat einer neuen Herrschaftsklasse geißelten, insistierte er, dass die sowjetische Bürokratie (die er den rückständigen Verhältnissen anlastete) lediglich ein &amp;quot;episodischer Rückfall&amp;quot; sei. Vom zweiten Weltkrieg erhoffte er sich eine neuerliche sozialistische Revolution, die mit der Bürokratie aufräumte und eine Resurrektion der &amp;quot;sowjetischen Demokratie&amp;quot; auf einer weitaus höheren ökonomischen und kulturellen Ebene als 1918 bewirkte. Sollte diese Revolution ausbleiben, befürchtete er den Untergang der Zivilisation. Der bürokratische Rückfall wäre dann der organischen Unfähigkeit des Proletariats zuzuschreiben, zur herrschenden Klasse zu werden. Das sowjetische System wäre somit der Prototyp eines neuen Ausbeuterregimes im internationalen Maßstab. Wenn das Weltproletariat als unfähig sich erweise, die Mission zu erfüllen, die ihm die Geschichte anvertraut habe, bleibe nur einzugestehen, dass das auf den inneren Widersprüchen beruhende sozialistische Programm als bloße Utopie sich entlarvt habe, und der Zusammenbruch aller Hoffnungen auf eine sozialistische Revolution wäre die Folge, denn noch günstigere Bedingungen als nun seien nicht zu erwarten (''L'U.R.S.S. dans la guerre''). &lt;br /&gt;
Tatsächlich blieb die Revolution aus, und mit seiner Prophezeiung stieß L. Trotzki seine Anhänger in eine tiefe demoralisierende Krise. Wie viele Intellektuelle seit Marx hielt er Ausschau nach einem historischen Agenten, der die ersehnte Transformation herbeiführte. Aufgebürdet wurde diese Aufgabe einem mythologisierten Kollektiv namens &amp;quot;Proletariat&amp;quot;, dessen revolutionäre Kraft zunächst einmal Projektion von Intellektuellen war, die auf diese Weise die eigene Ohnmächtigkeit kompensierten, indem sie anderen vorschrieben, wann und wo welche Aktion zu unternehmen sei, um eine bessere Welt herbeizuführen. Auch wenn marxistische Oppositionsgruppen mit Vehemenz den Stalinismus attackierten, blieben sie doch im Autoritarismus verstrickt, beanspruchten die gleiche autoritäre Machtposition, die sie ihren Rivalen vorwarfen. &amp;quot;Die revolutionäre Bewegung spiegelt den Zustand, den sie angreift, negativ wider&amp;quot; (Max Horkheimer, ''Autoritärer Staat''). Dies traf nicht allein auf sektiererische Zirkel zu, die immer wieder die alten Dogmen bis zur Besinnungslosigkeit repetierten und gegen die realen Verhältnisse sich abschotteten, sondern auch auf jene Gruppen wie die Situationisten, die in den 1950er und 1960er Jahren die alten Verkrustungen von Marxismus und Anarchismus aufzubrechen hofften. Ihnen schwebte eine sofortige Realisierung des Reichs der Freiheit vor, in dem alle Formen von Verdinglichung und Entfremdung in ihrer Totalität abgeschafft und durch Formen unbeschränkter Subjektivität ersetzt wären. Trotz aller Kritik an Marx, Bakunin, Lenin, Trotzki und  Georg Lukács hielten sie an der &amp;quot;historischen Mission&amp;quot; des Proletariats fest, das als &amp;quot;Klasse des Bewusstseins&amp;quot; in ihren Schriften fungierte: Ihm wurde die Aufgabe überantwortet, die Trennung von Subjekt und Objekt, Praxis und Theorie, Politik und Verwaltung in der &amp;quot;spektakulären Warengesellschaft&amp;quot; zu überwinden. Das Proletariat sei, postulierte Guy Debord als theoretisches Mundstück der Situationisten, &amp;quot;das in dieser Gesellschaft wirkende Negative&amp;quot; (''Die Gesellschaft des Spektakels''). Zwar postulierten sie eine neue revolutionäre Praxis im &amp;quot;alltäglichen Leben&amp;quot; ohne Autorität, Parteikader oder bürokratische Apparate, doch ahmten sie in einer grotesken Parodie leninistische Praktiken nach: Die selbst ernannte revolutionäre Avantgarde, die vorgeblich im Namen des &amp;quot;Proletariats&amp;quot; agierte, schuf sich eine exklusive internationale Mikro-Organisation mit einem Zentralrat, einem Chefideologen und einem Zentralorgan und schwang sich zu Führern der angeblich bewusstlosen Massen auf. Wie Marx in seinen Kämpfen um die Machtposition in der revolutionären Bewegung Widersacher von Wilhelm Weitling bis  Bakunin dadurch auszustechen suchte, indem er ihre intellektuelle Fähigkeiten in Misskredit brachte und ihre vorgebliche Ignoranz öffentlich bloßzustellen trachtete, so warf Debord all sein intellektuelles Kapital in die Waagschale, um zu demonstrieren, dass er allein über die &amp;quot;richtige&amp;quot; und &amp;quot;wahre&amp;quot; Theorie verfügte, und per Exklusionspolitik entledigte er sich jener Konkurrenten, die seine Autorität und seien Führungsanspruch hätten unterminieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Marxismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma bestand darin, dass sich selbst diese &amp;quot;Outlaw-Marxisten&amp;quot; (Alvin W. Gouldner) als Führungskräfte verstanden, die Theorien erarbeiteten und Direktiven ausgaben, denen andere zu folgen hatten. Damit reproduzierten die &amp;quot;revolutionären Linksintellektuellen&amp;quot; aber lediglich die &amp;quot;Laster der bürgerlichen Gesellschaft&amp;quot;, wie Simone Weil 1934 kritisierte. &amp;quot;Unsere gesamte Zivilisation beruht auf der Spezialisierung, was die Knechtung der Ausführenden durch die Führenden bewirkt. Und auf einer solchen Basis kann man die Unterdrückung nur organisieren, aber nicht vermindem&amp;quot; (Unterdrückung und Freiheit). Pessimistisch, nach dem Triumph des Nazismus in Deutschland, erklärte sie, dass von den Menschen keine Hilfe zu erhoffen sei, und gerade das Proletariat erwies sich nicht als &amp;quot;Totengräber&amp;quot; des Kapitalismus. In dieser Gesellschaft setzten sich Rackets durch, exklusive, Macht ausübende und totale Unterwerfung einfordernde Cliquen, schrieb Max Horkheimer im amerikanischen Exil. Diese Herrschaftsform prägte auch die kommunistischen Parteien und die Gewerkschaften. &amp;quot;Das Racket-Muster, wie es für das Verhalten der Herrschenden gegenüber den Beherrschten typisch war, ist jetzt repräsentativ für alle menschlichen Beziehungen, selbst für die innerhalb der Arbeiterschaft. Der Unterschied zwischen dem Racket im Kapital und dem in der Arbeit liegt in der Tatsache, dass beim kapitalistischen Racket die gesamte Klasse profitiert, während das Racket der Arbeit als Monopol nur für ihre Führer und für die Arbeiteraristokratie fungiert. Die arbeitenden Massen sind die Objekte beider Formen; sie müssen das Ganze nur bezahlen&amp;quot; (''Zur Soziologie der Klassenverhältnisse''). Der Mythos von den &amp;quot;stählernen Bataillonen des bewussten und disziplinierten Proletariats&amp;quot; erwies sich aber gegenüber dieser Kritik als resistent. &lt;br /&gt;
Auch in der Neuen Linken triumphierte schließlich eine groteske &amp;quot;Proletophilie&amp;quot;, welche die Gründung zahlloser leninistischer Polit-Sekten beförderte. All der alte Mist komme wieder, kommentierte Murray Bookchin (''Post-Scarcity Anarchism'') diese Entwicklung der pseudo-historischen Retro-Inszenierungen in den späten 1960ern. Für ihn war die Fabrik nicht der einzig entscheidende Ort der Auseinandersetzung; vielmehr müssten alle menschlichen Lebensbereiche in den Kampf um revolutionäre Veränderungen eingeschlossen werden. Es sei ein Irrtum der marxistischen Theorie, lediglich die ökonomische Ausbeutung zu bekämpfen, während andere Herrschaftsformen weiterbeständen oder gar ausgedehnt würden. Bookchin hielt die Vorstellung von Marxisten und Anarchosyndikalisten, ein System der Herrschaft und Hierarchie könne durch Selbstverwaltung überwunden werden, für simplistisch, denn diese taste nicht alle übrigen Formen der Unterdrückung in der bürgerlichen Gesellschaft an. &amp;quot;Soziale Verzerrungen und Regressionen können nicht länger in erster Linie durch Eigentumsverhältnisse erklärt noch allein durch sozio-ökonomische Maßnahmen, wie etwa Verstaatlichung, Kollektivierung oder ,Arbeitsplatzdemokratie', berichtigt werden. Denn was all diese angebotenen Lösungen der vergifteten Natur der modernen Gesellschaft explodieren lässt, ist das angeschwollene Legat von Befehls- und Gehorsamsbeziehungen – mit einem Wort: Hierarchie als grundlegenderes Substrat aller Klassenbeziehungen&amp;quot; (''Were We Wrong?''). &lt;br /&gt;
In den Augen Bookchins boten weder Marxismus noch Anarchosyndikalismus Gewähr für eine radikale Umgestaltung des Bestehenden. Allein ein ökologisch und kommunitär orientierter Anarchismus könne die ungeschmälerte Freiheit realisieren und sei Garant dafür, dass ein revolutionäres Projekt nicht allmählich in Formen der Theorie und Praxis abgleite, die inhärent anfällig für opportunistische Kompromisse seien. Zielpunkt seiner oft harschen und polemischen Kritik sind vor allem neo-marxistische Akademiker, denen er vorwirft, sie hätten sich aus der Gesellschaft in universitäre Zirkel zurückgezogen und lieferten keinen Beitrag zur emanzipatorischen Praxis. Anstatt zu helfen, die Welt zu verändern, interpretierten sie sie lediglich, was sie in krassen Gegensatz zu Marx stelle (''Beyond Neo-Marxism''). In ihrer Jugend als &amp;quot;Neue Linke&amp;quot; aufgebrochen, um die Institutionen des Staates zu &amp;quot;demokratisieren&amp;quot; und zu &amp;quot;politisieren&amp;quot;, zu verändern und neu zu gestalten, wurden diese Veteranen des &amp;quot;langen Marsches&amp;quot; von diesen Institutionen ge- und verformt. Auf den akademischen Territorien der Herrschaft hat der Marxismus mit seinen verschiedenen Ausprägungen ein Refugium gefunden und ist selbst Teil des &amp;quot;akademischen Rackets&amp;quot; (Max Horkheimer) geworden, während seine Beiträge zu den (mittlerweile auch mit einer historischen Patina überzogenen) &amp;quot;neuen sozialen Bewegungen&amp;quot; in den 1970er und 1980er Jahren marginal blieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach dem Untergang==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Liquidation der realsozialistischen Staatsunternehmen und dem scheinbaren Triumph des kapitalistischen Sozialdarwinismus sahen sich auch akademische Marxisten vor der Sinn-und Existenzfrage gestellt, und allerorts bildeten sich linksintellektuelle Krisenstäbe, um nach der Implosion der marxistisch-leninistischen Altbauten die Chancen eines Neubeginns für das &amp;quot;sozialistische Projekt&amp;quot; auszuloten. Zweifelsohne habe es der Marxismus nötig, kritisiert und erneuert zu werden, konzediert der Pariser Sozialforscher Michael Löwy, vor allem deshalb, weil sein Bruch mit dem produktivistischen Muster des Industriekapitalismus und den Grundlagen der modernen bürgerlichen Zivilisation nicht radikal genug gewesen sei. Zwecks Revitalisierung des Marxismus wollte Löwy Ökologie, Pazifismus, Feminismus und Befreiungstheologie einverleiben, als wären diese ohne Schwierigkeiten im marxistischen Theoriegebäude unterzubringen. Auch dem Herausgeber der traditionellen ''New Left Review'', Robin Blackburn, schwebte nach dem Untergang eine &amp;quot;vollkommene Erneuerung und Reorientierung&amp;quot; des marxistischen &amp;quot;Projekts&amp;quot; vor, um eine &amp;quot;wahrhaft demokratische Kultur und politische Ordnung&amp;quot; zu schaffen, wobei die Integration ökologischer und kommunistischer Ansätze helfen sollten (Robin Blackburn, ''Fin de Siècle''). All dies aber führte nicht zu einer Rekonziliation von Marxismus und Anarchismus. Die Anerkennung dessen, was früher als Ausgeburt eines kleinbürgerlichen Romantizismus diffamiert wurde, läuft letztlich auf dreiste Briganterie hinaus: Um das eigene Überleben zu sichern, will man all dessen habhaft, was Hoffnung aufs Weiterleben verspricht, ohne der Mühe sich zu unterziehen, den Marxismus wirklich neu zu denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche und die Globalisierung des ökonomischen Systems seit den 1980er Jahren erzwangen schließlich auch ein Weiterdenken jenseits der gestanzten Muster der Vergangenheit, das zumindest Ansätze für eine Kritik der veränderten herrschenden Verhältnisse bot. So knüpft beispielsweise Nick Dyer-Witheford in seinem Buch ''Cyber-Marx'' mit seiner Vorstellung eines &amp;quot;autonomistischen Marxismus&amp;quot; an die italienischen Theoretiker Antonio Negri und Mario Tronti an. In seinen Augen hat die globale Restrukturierung des Kapitalismus keineswegs die alten Widersprüche zwischen Arbeit und Kapital aufgehoben, sondern vielmehr auf eine neue Ebene gebracht. Im Kreislauf von automatisierten Fabriken, interaktiven Medien, virtuellen Seminaren, gentechnologischen Laboratorien und globalen Netzwerken kaum durchschaubarer Konzernstrukturen hat sich zweierlei gebildet: gigantische Monopole, welche die Herrschaft über ganze Staatengebilde ausüben, als auch subversive Guerilla-Einheiten, die entweder isoliert oder postmodern über das World Wide Web virtuell organisiert gegen die Übermacht der technologischen Kontrolle mittels Sabotage oder Arbeitsverweigerung rebellieren.  Vieles in seiner Analyse der Verflechtungen des digitalen Kapitalismus erscheint schlüssig, doch mutet seine Abgrenzung zur &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; von Horkheimer und Adorno in der Betonung der &amp;quot;Sabotage&amp;quot; und des &amp;quot;Widerstandes&amp;quot; gegen die Macht der Herrschaft etwas antiquiert an. Zuweilen erinnert die Rede von der medialen Subversion an die Diskussionen der 1970er Jahre und das Rekurrieren auf das demokratische Potenzial des Internets – das es zweifelsohne besitzt –- an Hans Magnus Enzensbergers ''Baukasten zu einer Theorie der Medien'' (1970). Auch wenn sich &amp;quot;Hacktivisten&amp;quot; wie die &amp;quot;Electrohippies&amp;quot; oder das &amp;quot;Electronic Disturbance Theater&amp;quot; als Guerilla im Internet etablieren konnten, ist dies nicht der Beweis für den Beginn eines subversiven Kampfes an den Schnittstellen des digitalen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dialektik der Niederlage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Russell Jacoby treffend anmerkt, sind Erfolg und Niederlage dialektische Kategorien: Der zeitweilige Erfolg des sowjetischen Marxismus trug oft zur Niederlage anderer Marxismen oder linksoppositioneller Strömungen bei. Sowohl Erfolg als auch Niederlage sagen nichts über die Qualität oder Wahrheit des jeweiligen Ideenkonstrukts aus. Die Niederlagen des Anarchismus stellen kein Urteil über den Wert seiner Theorien und Werte dar. Ebenso wenig ist der Marxismus durch seine Verstrickung in die politische oder akademische Herrschaft desavouiert oder der Kapitalismus auf Grund seines momentanen Triumphes durch die Geschichte legitimiert. Es gehört zu den tragischen Ironien der Geschichte, dass der von Bakunin heftig attackierte „Staatssozialismus“ in der Phase seines herrschaftlichen Triumphes die linke Opposition zum Schweigen brachte, und nach seinem Ende seine linken Kritiker mit in den Abgrund riss.  Der westliche Marxismus lebt in den akademischen Reservaten letztlich nur als postmodernes Gespenst einer kulturell depravierten Bourgeoisie fort. Auf der anderen Seite hat es der Anarchismus versäumt, eine stimmige, radikale Kritik der  bestehenden Verhältnisse zu artikulieren. Selbst ein ehemals innovativer Kritiker wie Bookchin verrannte sich im Laufe der Zeit in einen dogmatischen Rigorismus, der nichts außer den eigenen Erkenntnissen gelten lassen konnte. Wenn Marxismus und Anarchismus entweder zur Apologetik der herrschenden Beliebigkeit oder zur militant gestylten Racket-Ideologie, die zur Heranbildung blinder Gefolgschaften statt kritischer Individuen beiträgt, mutieren, ist ihr einst radikales Ingenium abgestorben. Zu besinnen wäre sich, mit Marx gesprochen, auf die &amp;quot;rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten&amp;quot; (''MEW'', Bd. 1). So geht es weder um die Verteidigung des Marxismus noch um jene des Anarchismus, sondern um die Verwirklichung der Utopie einer besseren Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausgewählte Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Theodor W. Adorno, ''Soziologische Schriften I'' (''Gesammelte Schriften'', Bd. 8), Frankfurt/Main 1972 &lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Gesammelte Werke'', 3 Bände, Berlin 1975&lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften'', Berlin 1972 &lt;br /&gt;
*Robin Blackburn, &amp;quot;Fin de Siècle: Socialism After the Crash&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 185 (Januar-Februar 1991), S. 5-66 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''The Two Revolutions: Antonio Gramsci and the Dilemmas of Western Marxism'', Boston 1984 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''Social Movements and Political Power: Emerging Forms of Radicalism in the West'', Philadelphia 1986 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;Revolutionary Process, Political Strategy, and the Dilemma of Power&amp;quot;, Theory &amp;amp; Society, 4:3 (Herbst 1977), S. 359-393 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;The Intellectuals and Social Movements: Some Reflections on Academic Marxism&amp;quot;, ''Humanities in Society'', 6:2-3 (1983), S. 223-239 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''Post-Scarcity Anarchism'', Berkeley 1971 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''The Modern Crisis'', Montreal 1987&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Beyond Neo-Marxism&amp;quot;, ''Telos'', Nr. 36 (Sommer 1978).S. 5-28&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Were We Wrong?', ''Telos'', Nr. 65 (Herbst 1985), S. 59-74 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;New Social Movements: The Anarchic Dimension&amp;quot;, in: ''For Anarchism: History, Theory and Practice'', hg. David Goodway, London 1989, S. 259-274 &lt;br /&gt;
*John Clark, ''The Anarchist Moment: Reflections on Culture, Nature and Power'', Montreal 1984&lt;br /&gt;
*Nick Dyer-Witheford, ''Cyber-Marx: Cycles and Circuits of Struggles in High-Technology Capitalism'', Urbana 1999&lt;br /&gt;
*Guy Debord, ''Die Gesellschaft des Spektakels'', Berlin 1996 &lt;br /&gt;
*Michael Denning, ''Culture in the Age of Three Worlds'', London 2004&lt;br /&gt;
*Isaac Deutscher, ''Trotzki III: Der verstoßene Prophet, 1929-1940,'' Stuttgart 1972&lt;br /&gt;
*Wolfgang Dreßen, ''Antiautoritäres Lager und Anarchismus'', Berlin 1968 &lt;br /&gt;
*Vincent Geoghegan, ''Utopianism and Marxism'', London 1987 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''The Future of lntellectuals and the Rise of the New Class'', London 1979 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''Against Fragmentation: The Origins of Marxism and the Sociology of Intellectuals'', New York 1985 &lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, ''Marxismus und Kultur: Ideologie, Alltag, Kultur'', hg. Sabine Kebir, Hamburg 1983&lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, &amp;quot;Der Staat und der Sozialismus&amp;quot;, in: ''Zu Politik, Geschichte und Kultur: Ausgewählte Schriften'', hg. Guido Zamis, Leipzig 1980, S. 69-75 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''Pour un marxisme libertaire'', Paris 1969 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''L'anarchisme: De la doctrine à la pratique''. Paris 1981 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''A la recherche d'un communisme libertaire''. Paris 1984 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 5, Frankfurt/Main 1987. S. 293-319 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Zur Soziologie der Klassenverhilltnisse&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 12, Frankfurt/M. 1985, S. 75-104 &lt;br /&gt;
*Maurice. Issermann, ''If I Had a Hammer. . . The Death of the Old Left and the Birth of the New Left'', New York 1987 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Dialectic of Defeat: Contours of Western Marxism'', Cambridge 1981 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Picture Imperfect: Utopian Thought for an Anti-Utopian Age'', New York 2005&lt;br /&gt;
*Charles Jacquier (Hg.), ''Lebenserfahrung und Geistesarbeit: Simone Weil und der Anarchismus'', Nettersheim 2006&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Anarchismus und Sozialismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, Berlin 1955, S. 334-337&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 31, Berlin 1959, S. 1-106 &lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 25, Berlin 1970, S. 393-507&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Was tun?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, S. 355-551 &lt;br /&gt;
*Michael Löwy, &amp;quot;Twelve Theses on the Crisis of ,Really Existing Socialism&amp;quot;', ''Monthly Review'', 43:1 (Mai 1991) S. 33-40 &lt;br /&gt;
*Rosa Luxemburg, ''Schriften zur Theorie der Spontaneität'', hg. S. Hillmann, Reinbek 1970 &lt;br /&gt;
*Karl Marx und Friedrich Engels, ''Über Anarchismus'', kompiliert von W. I. Bauer, Berlin 1977 &lt;br /&gt;
*Georgi Plechanow, ''Anarchismus und Sozialismus'', 3. Aufl., Berlin 1911 &lt;br /&gt;
*Josef W. Stalin, &amp;quot;Anarchismus oder Sozialismus?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 1, Berlin 1950, S. 257-323 &lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;L'U.R.S.S. dans la guerre&amp;quot;, in: ''Oeuvres'', Bd. 22, hg. Pierre Broué, Paris 1985, S. 40-62 &lt;br /&gt;
*Siva Vaidhyanathan, ''The Anarchist in the Library: How the Clash between Freedom and Control is Hacking the Real World and Crashing the System'', New York 2004&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald,''The New York Intelllectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Simone Weil, ''Unterdrückung und Freiheit: Politische Schriften'', Frankfurt/Main, 1987 &lt;br /&gt;
*Peter Wollen, &amp;quot;The Situationist International&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 174 (März-April 1989). S. 67-95 &lt;br /&gt;
*George Woodcock, ''Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements'', Harmondsworth 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Alexander Berkman</title>
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				<updated>2007-03-16T23:18:42Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: Formatierung aktualisiert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Alexander_Berkman.jpg|thumb|right|240px|Alexander Berkman (1870-1936)]]&lt;br /&gt;
'''Alexander Berkman''' (geb. 21. November 1870 in Wilna, Litauen; gest. 28. Juni 1936 in Nizza, Frankreich). Der anarchistische Aktivist und Autor gehörte zu den prominenten Stimmen des US-amerikanischen Anarchismus in den ersten beiden Dekaden des 20. Jahrhunderts und zu den frühen linken Kritikern des Bolschewismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie und politische Entwicklung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als jüngstes von vier Kindern in einer gut situierten jüdischen Kaufmannsfamilie aufgewachsen, genoss Berkman eine privilegierte Erziehung. Schon früh aber rebellierte er gegen die autoritäre Gesellschaft: Als Dreizehnjähriger leugnete er in einem Schulaufsatz die Existenz Gottes, und einige Zeit später wurde er wegen seiner Aufsässigkeit zur Strafe in eine untere Schulklasse zurückversetzt. Schließlich verwaist, sah er für sich in der geschlossenen Welt des alten, autokratischen, von Antisemitismus und Reaktion gezeichneten Europas keine Zukunft, und er entschloss sich zur Emigration in die USA. &amp;quot;Dort, jenseits des Ozeans, war das Land edler Errungenschaft&amp;quot;, beschrieb er in der Retrospektive seine Imagination der &amp;quot;neuen Welt&amp;quot;, &amp;quot;ein wunderbar freies Land, wo die Menschen in der ganzen Statur ihres Menschseins aufrecht gingen - die reine Verwirklichung meiner Jugendträume&amp;quot; (''Prison Memoirs of an Anarchist''). Im Februar 1888 kam er in New York an, ohne ein Wort Englisch zu verstehen, ohne jemals zuvor selbst für seinen Lebensunterhalt gesorgt zu haben und ohne einen Menschen dort zu kennen, allein, mit dreißig Rubeln und einer gehörigen Portion Selbstvertrauen ausgestattet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Klassenverhältnisse in Amerika=== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst schlug er sich als Arbeiter in einer Hemdfabrik und Zigarrendreher durch, ehe er als Schriftsetzer und Drucker sein Auskommen fand. Rasch verflüchtigte sich sein Enthusiasmus für dieses &amp;quot;Land edler Errungenschaft&amp;quot; und schlug in einen leidenschaftlichen Hass auf jene Verhältnisse um, die er dort antraf. Unwillig, den amerikanischen Gegebenheiten sich anzupassen, schloss er sich bald schon dem von  John Most angeführten militanten anarchistischen Immigrantenzirkel um die Zeitung ''Freiheit'' an, die mit flammender Rhetorik gegen das kapitalistische Amerika agitierte und die Sehnsucht junger Militanter wie Berkman nach einer gerechteren Welt wortgewaltig artikulierte. &amp;quot;Seit meiner frühen Jugend war die Revolution - die soziale Revolution - die große Hoffnung und das große Ziel meines Lebens&amp;quot;, schrieb Berkman später. &amp;quot;Sie bedeutete für mich den Messias, der die Welt von Brutalität, Ungerechtigkeit und dem Bösen erlösen sollte und den Weg für eine regenerierte Menschheit der Brüderlichkeit ebnete, die in Frieden, Freiheit und Schönheit lebte&amp;quot; (''The &amp;quot;Anti-Climax&amp;quot;''). So wollte er sich nicht damit begnügen, lediglich Mosts Artikel zu setzen. Ihn drängte es zur wirklich &amp;quot;revolutionären Tat&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Als während des Streiks in Homestead (Pennsylvania) im Sommer 1892 die Privatarmeen der Carnegie Steel Company ein Massaker unter den Arbeitern anrichteten, fühlte sich Berkman moralisch dazu verpflichtet, den Verantwortlichen, den Kapitalisten Henry Clay Frick, persönlich zur Rechenschaft zu ziehen und zu töten. Dieser Akt der  &amp;quot;Propaganda der Tat&amp;quot; sollte die noch inerten Massen zur Rebellion gegen das herrschende Unrecht anstacheln, doch scheiterte Berkmans Plan in jeder Hinsicht: Weder gelang ihm die Liquidierung Fricks noch rüttelte sein Attentat die Arbeiter auf. Stattdessen musste er (nach einem ebenfalls misslungenen Selbstmordversuch) vierzehn Jahre im Zuchthaus verbringen. Trotz aller Brutalitäten, die er dort erfahren musste, begann sein Charakter zu reifen. Als junger Heißsporn, der in seinen Überzeugungen oft naiv, selbstgerecht und intolerant gewesen war, kam er im Gefängnis mit realen Individuen der Arbeiterklasse zusammen, die zuvor in seinem Kopf nur als heroische, edle Wesen umher gespukt hatten. Seine romantische Verklärung des Proletariats wich einem komplexeren, realistischen Verständnis der Klassengegensätze, und nicht mehr ein abstrakter Hass leitete ihn, sondern die &amp;quot;lebendige Wahrheit der Anarchie&amp;quot; als die &amp;quot;tragende elementare Kraft&amp;quot; seiner alltäglichen Existenz (''Prison Memoirs of an Anarchist'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuanfang und Exil===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:The_Blast.gif|thumb|left|240px|Die von Alexander Berkmann herausgegebene anarchistische Zweimonatszeitschrift &amp;quot;The Blast&amp;quot;, San Francisco u. New York, 1916 - 1917.]]&lt;br /&gt;
Als er 1906 aus der Haft entlassen wurde, hatte er zunächst Schwierigkeiten, in der veränderten Welt sich zurechtzufinden. Alpträume, Depressionen, Entfremdung von alten Freunden und Selbstmordgedanken ließen ihn in Lethargie versinken. Allmählich aber, vor allem durch das Schreiben seiner  Gefängniserinnerungen befreite er sich vom Alp des Vergangenen. Im Frühjahr 1907 übernahm der die redaktionelle Leitung von [[Goldman, Emma|Emma Goldmans]] Monatszeitschrift ''Mother Earth'' und fand durch diese Arbeit neues Selbstvertrauen und Engagement für die &amp;quot;revolutionäre Sache&amp;quot;. Schon immer ein talentierter Autor, eignete er sich einen einfachen, klaren, klischeefreien Stil an, sodass der Zeitschrift und ihren Leserinnen die schwülstige Rhetorik und der pseudo-wissenschaftliche Jargon, die andere radikale Zeitschriften an den Rand der Unlesbarkeit brachten, erspart blieben. Dennoch hatte er der revolutionären Gewalt nicht abgeschworen. Als im April 1914 Polizeiagenten eine Zeltkolonie von streikenden Bergarbeitern im Auftrag der Colorado Fuel and Iron Company in Ludlow anzündeten, brach in Berkman die alte Wut von 1892 erneut durch. Zusammen mit jungen Genossen plante er ein Attentat auf John D. Rockefeller, den Hauptaktionär des verantwortlichen Unternehmens, doch explodierte die Bombe frühzeitig in einem Mietshaus in New York und riss drei Anarchisten sowie eine unbeteiligte Mieterin in den Tod. &lt;br /&gt;
1916 verließ er die Redaktion von ''Mother Earth'', um in San Francisco die militante Arbeiterzeitung ''The Blast'' in eigener Regie herauszugeben. Nach dem Kriegseintritt der USA 1917 wurde er jedoch wegen seiner antimilitaristischen Aktivitäten zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, und im Dezember 1919 gehörte er zusammen mit Emma Goldman 249  &amp;quot;unerwünschten Ausländern&amp;quot;, die im Zuge der &amp;quot;Red Scare&amp;quot; in den USA in das sowjetische Russland deportiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Desillusion und Depression===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überglücklich erreichte er im Januar 1920 sein neues &amp;quot;Land der Verheißung&amp;quot;. Trotz aller Divergenzen mit den Theorien der Bolschewiki wollte er sich am Aufbau einer neuen Gesellschaft beteiligen. Zunächst betrachtete er Lenin und seine Genossen als eine aufrichtige und unerschrockene Avantgarde im Kampf  zur sozialen Emanzipation des Menschen, und es verstand sich von selbst, ihre Kampagne gegen die Feinde der Revolution zu unterstützen und zum Gelingen des &amp;quot;sowjetischen Experiments&amp;quot; beizutragen. Zwar erkannte er im bolschewistischen Programm &amp;quot;falsche Prinzipien&amp;quot; und &amp;quot;fehlerhafte Taktiken&amp;quot;, bemängelte die bürokratischen Auswüchse der Regierung und die autokratischen Tendenzen der Partei, die &amp;quot;monströse Inkompetenz&amp;quot; und die &amp;quot;unglaubliche Korruption&amp;quot;, doch schrieb er dies den misslichen äußeren Umständen zu. Als jedoch im März 1921 die Rote Armee die Revolte der Matrosen in Kronstadt blutig niederschlug, war für Berkman, der vergeblich zwischen beiden Seiten zu vermitteln gesucht und auf eine Versöhnung gehofft hatte, die Grenze des Zumutbaren überschritten. Sein Herz sei von Verzweiflung betäubt, vertraute er seinem Tagebuch an; etwas in ihm sei gestorben. &amp;quot;Grau sind die vorübergehenden Tage. Ein Hoffnungsfunke nach dem anderen ist verglimmt. Terror und Despotismus haben das im Oktober geborene Leben vernichtet. Den Slogans der Revolution abgeschworen, ihre Ideale im Blut des Volkes erstickt. Der Atem von gestern verdammt Millionen zum Tode, der Schatten von heute hängt wie ein schwarzes Leichentuch über dem Land. Die Diktatur tritt die Massen mit Füßen. Die Revolution ist tot; ihr Geist schreit in der Wildnis&amp;quot; (''The Bolshevik Myth'').&lt;br /&gt;
Fortan war Berkman ein Paria. Als Staatenloser, nur mit einem Nansen-Pass des Völkerbundes ausgestattet, irrte er durch die europäische Nachkriegslandschaft. Nachdem er in den späten 1920er Jahren  Zuflucht in Frankreich gefunden hatte, musste er sich als kläglich bezahlter Ghostwriter und Übersetzer durchschlagen. Fortwährend den Schikanen der Ausländerbehörde ausgeliefert, hing er von der Gnade der Prefecture ab, war auf finanzielle Zuwendungen von Freunden angewiesen, lebte von der Hand in den Mund und lief oft Gefahr, sein Obdach zu verlieren oder gar des Landes verwiesen zu werden. In den letzten Jahren litt er an Prostatakrebs, und am 27. Juni 1936 schoss er sich, allem überdrüssig, in die Brust. Der Verletzung erlag er einen Tag später. Hämisch kommentierte das amerikanische Nachrichtenmagazin ''Time'' (13. Juli 1936) seinen Tod mit dem Hinweis, dass Berkman lediglich schäbige 80  Dollar auf seinem Konto gehabt habe, und hob hervor, dass aus dem einst notorischen Attentäter und Revolutionär letzten Endes ein überall &amp;quot;unwillkommener Weltenwanderer&amp;quot; und &amp;quot;harmloser Übersetzer&amp;quot; geworden sei, eine erbärmlich gescheiterte Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Bedeutung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ambivalenz der Gewalt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend geprägt wurde Berkman durch die russische Populisten, deren Mut, Idealismus und kompromisslose Hingabe er bewunderte. Daher rührte auch seine Ambivalenz zu Mitteln der Gewalt und des individuellen Terrors. Im Konflikt zwischen Arbeiterklasse und Kapital erschien ihm Gewalt unvermeidlich, sei aber durch das System aufgezwungen. Gewalt sei, insistierte er, bei weitem nicht ein Monopol bombenwerfender und schießwütiger Anarchisten, sondern eine typische Erscheinungsform in Klassengesellschaften. Wenn die herrschende Klasse ihren Vorteil skrupellos ausnutze und mit jeder Macht die arbeitende Klasse unterjoche und ausbeute, sei es nicht verwunderlich, wenn die Gewalt sich gegen die Unterdrücker wende. Die herrschende Gewalt artikulierte sich nicht allein in spektakulären Ereignissen wie dem Massaker von Homestead. Tag für Tag zerstörte sie die Menschen und die Landschaften, in denen sie lebten, pervertierte die &amp;quot;Bedürfnisse der Menschheit in ein Inferno brutalisierender Plackerei&amp;quot;, verwandelte &amp;quot;Fleisch und Blut in Eisen und Stahl&amp;quot;, &amp;quot;menschliche Leben in Gold, Gold, zahlloses Gold&amp;quot; (''Prison Memoirs of an Anarchist''). An diesen Verhältnissen änderten individuelle Terrorakte nichts, erkannte Berkman nach seinem Attentat auf Frick. Dennoch aber schwor er der Gewalt nicht per se ab. Wenn man, ohne die konkrete Situation zu analysieren, gänzlich auf sie verzichte, arbeite man einzig dem Kapital in die Hände. Stehe das Ideal einer libertären, egalitären Gesellschaft schutzlos in der Wildnis des Kapitalismus, ohne dass Anarchisten mit ganzem Willen und aller Bestimmtheit dafür kämpften, könne es nicht realisiert werden (&amp;quot;A Gauge of Change&amp;quot;). In diesem Sinne verteidigte er stets individuelle Terrorakte von Anarchisten. Eine Bombe sei, schrieb er 1908, das Grollen des unterdrückten Erdbebens, der Blitz der Humanität aus einer Atmosphäre der Entwürdigung und des Elends, der Geist jener Verbrechen, die von der herrschenden Klasse in der Vergangenheit begangen worden waren (&amp;quot;Violence and Anarchism&amp;quot;). Auch als der Nazismus in Europa zu triumphieren begann, schlug er Attentate und Geiselnahmen als die &amp;quot;effektivsten und ethischsten Methoden&amp;quot; vor. Den Vorwurf, auch &amp;quot;Unschuldige&amp;quot; mit solchen Terrorakten zu treffen, konterte er mit dem Hinweis, dass alle für die Hölle verantwortlich seien, in der alle lebten (''Nowhere at Home'').&lt;br /&gt;
Im Grunde aber war ihm Gewalt zuwider. &amp;quot;Gewalt ist die Methode der Dummheit, die Waffe der Schwachen&amp;quot;, diagnostizierte er 1929. &amp;quot;Die Starken des Herzens und des Verstandes brauchen keine Gewalt, denn sie sind unwiderstehlich in ihrem Bewusstsein, im Recht zu sein. Je weiter wir uns vom primitiven Menschen und Zeitalter des Kriegsbeils entfernen, desto weniger werden wir Zuflucht in Macht und Gewalt nehmen. Je aufgeklärter der Mensch werden wird, desto weniger wird er Zwang und Nötigung anwenden. Der wirklich zivilisierte Mensch wird sich aller Furcht und Autorität entledigen. Er wird aus dem Staub sich erheben und aufrecht stehen: er wird sich vor keinem Zar, ob im Himmel oder auf Erden, verbeugen. Er wird zum vollkommenen Menschen werden, wenn er es verschmähen wird, zu herrschen, und es ablehnen wird, beherrscht zu werden. Er wird nur dann wahrhaft frei sein, wenn es keine Herzen mehr geben wird (''What is Communist Anarchism?'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fortschritt und Vergangenheit===&lt;br /&gt;
In einer Zeit, da reaktionäre Massenbewegungen und autoritäre Systeme Konjunktur hatten, klammerte sich Berkman an seine ungebrochene Fortschrittsgläubigkeit: Mit dem Progress in Wissenschaft und Technik auf der einen Seite und der wachsenden Unerträglichkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse auf der anderen werde die Entwicklung &amp;quot;notwendigerweise&amp;quot; im Anarchismus oder in einem vergleichbaren Gesellschaftssystem kulminieren, war er sich gewiss. Historische Erfahrung und zunehmende Desillusionierung mit allen Formen des Parlamentarismus, des Autoritarismus und der Diktatur würden allmählich, schrieb er 1934. den Menschen verständlich machen, dass Emanzipation von politischer Unterdrückung, ökonomischer Sklaverei und kultureller Dekadenz einzig in einer anarchistischen Gesellschaft möglich sei, und die Propagierung libertärer Ideen trüge zur Befähigung der Individuen bei, dass sie in klarerem und intelligenterem Bewusstsein den Weg aus dieser pervertierten, dummen und verbrecherischen Pseudo-Zivilisation hinaus ins Freie fänden (&amp;quot;The Anarchist Movement Today&amp;quot;). Damit rekurrierte Berkman aber lediglich auf das traditionelle Programm des Anarcho-Kommunismus, ohne neue Aspekte aufzuzeigen oder neue Einsichten vermitteln zu können.&lt;br /&gt;
In einer Welt der Massenproduktion, des unaufhaltsamen industriellen und technologischen Fortschritts, der Effizienz und des Wachstums schien der Anarchismus an die Vergangenheit gekettet zu sein und unwiderruflich einer toten Zeit anzugehören, während für die meisten &amp;quot;fortschrittlichen&amp;quot; Linken einzig das &amp;quot;sowjetische Experiment&amp;quot; eine realistische, praktikable Alternative zum &amp;quot;demokratischen Kapitalismus&amp;quot; darstellte. So verhallte Berkmans Stimme ungehört im Dunkel. Erst im Zuge der Renaissance des Anarchismus in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren besann man sich wieder auf ihn und legte einige seiner Bücher neu auf. Eine kritische Auseinandersetzung mit seinen Ideen blieb jedoch aus. In der libertären Historiographie ist ihm lediglich die Rolle eines Nebendarstellers zugewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausgewählte Bibliografie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*''Prison Memoirs of an Anarchist'', New York 1912 &lt;br /&gt;
*''Die Kronstadt-Rebellion'', Berlin 1923 &lt;br /&gt;
*''Die russische Tragödie: Ein Rückblick und ein Ausblick'', Berlin 1923 &lt;br /&gt;
*''The Bolshevik Myth (Diary 1920 - 1922)'', New York 1925 &lt;br /&gt;
*''The &amp;quot;Anti-Climax&amp;quot;: The Concluding Chapter of My Russian Diary &amp;quot;The Bolshevik Myth&amp;quot;'', Berlin 1925 &lt;br /&gt;
*''What is Communist Anarchism?'', New York 1929&lt;br /&gt;
*''Life of an Anarchist: The Alexander Berkman Reader'', hg. Gene Fellner und Howard Zinn, New York 2005.&lt;br /&gt;
*''Nowhere at Home: Letters from Exile of Emma Goldman und Alexander Berkman'', hg. Richard und Anna Maria Drinnon, New York 1975 &lt;br /&gt;
*&amp;quot;Violence und Anarchism&amp;quot;, ''Mother Earth'', 3:2 (April 1908), S. 67-70 &lt;br /&gt;
*&amp;quot;A Gauge of Change&amp;quot;, Mother Earth, 9:5 (Juli 1914), S. 167-168 &lt;br /&gt;
*&amp;quot;The Anarchist Movement Today&amp;quot;, ''Freedom'' (New York), 2:2 (Februar 1934), S. 2–5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur (Auswahl)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''The Modern School Movement: Anarchism and Education in the United States'', Princeton 1980 &lt;br /&gt;
*Paul Avrich, ''Anarchist Portraits'', Princeton 1988&lt;br /&gt;
*Richard Drinnon, ''Rebel in Paradise: A Biography of Emma Goldman'', Chicago 1961 &lt;br /&gt;
*Richard Drinnon, &amp;quot;The Blast: An Introduction and Appraisal&amp;quot;, ''Labor History'', 11:1 (Winter 1970), S. 82-88&lt;br /&gt;
*Richard Drinnon, &amp;quot;Mother Earth Bulletin&amp;quot;, in: ''The American Radical Press, 1880-1960'', hg. J. Conlin, Westport 1974, S. 392-399 &lt;br /&gt;
*Emma Goldmann, ''Living My Life'', New York 1931 &lt;br /&gt;
*Steven C. Levi,  &amp;quot;Alexander Berkman in San Francisco 1916 - 1917: Anarchist and Reluctant Terrorist&amp;quot;, ''Pacific Historian'', 28:4 (Winter 1984), S. 17-29 &lt;br /&gt;
*Ernst Pawel, &amp;quot;Alexander Berkman: The Assassin as Saint&amp;quot;, ''Midstream'', 17:5 (Mai 1971), S. 67-72&lt;br /&gt;
*William O. Reichert, ''Partisans of Freedom: A Study in American Anarchism'', Bowling Green 1976, S. 407-426 &lt;br /&gt;
*John William Ward, &amp;quot;Violence, Anarchism and Alexander Berkman&amp;quot;, ''New York Review of Books'', 5:8 (5. November 1970), S. 25-30 &lt;br /&gt;
*Alice Wexler, ''Emma Goldman: An Intimate Life'', New York 1984&lt;br /&gt;
*Alice Wexler, ''Emma Goldman in Exile: From the Russian Revolution to the Spanish Civil War'', Boston 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Joerg A</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Marxismus&amp;diff=5229</id>
		<title>Marxismus</title>
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				<updated>2007-03-16T23:13:08Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Joerg A: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Einleitung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Anarchismus und Marxismus ist seit je von Spannungen und Feindseligkeiten gekennzeichnet, beginnend mit dem heftigen Disput zwischen Michail Bakunin und Karl Marx in der Ersten Internationale. Vom &amp;quot;mitgeborenen Feind&amp;quot; bedroht, haben Marxisten jeglicher Provenienz den Anarchismus oft als kleinbürgerlich-utopische, pseudorevolutionäre Doktrin diffamiert, welche die Arbeiterklasse desorientiere und realiter der bürgerlichen Reaktion in die Hand arbeite. In den Augen Friedrich Engels stellte er eine &amp;quot;hanswurstische Karikatur&amp;quot; der proletarischen Bewegung dar, die nur den Regierungen in Europa und Amerika nütze (''MEW'', Bd. 35), und für Lenin, einen Zweifrontenkrieg gegen den linken Radikalismus und den sozialdemokratischen Opportunismus führend, war der Anarchismus &amp;quot;nicht selten eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung&amp;quot; (Der &amp;quot;linke Radikalismus&amp;quot;). Wo der Anarchismus die Hegemonie der Marxisten über die internationale Arbeiterbewegung gefährdete, wurde er wie ein gefährlicher Virus isoliert oder ausgemerzt, aber doch verweste er nicht auf der &amp;quot;Müllhalde der Geschichte&amp;quot;, sondern tauchte immer wieder in der  politischen Arena auf, um den &amp;quot;feindlichen Bruder&amp;quot; stets aufs neue herauszufordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Marx' Konzept der sozialen Revolution==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Beginn an scheint es zwischen Anarchisten und Marxisten der lediglich Differenzen bezüglich der Wahl der Mittel, nicht aber der Ziele gegeben zu haben. &amp;quot;Marx hat&amp;quot;, sagte Theodor W. Adorno, &amp;quot;während der Jahre seines Lebens, die er darauf verwandte, den Anarchismus zu kritisieren, nicht einen herrschaftsfreien Zustand hintertreiben wollen, sondern meinte, dass durch bestimmte kurzschlüssige Aktionen das, was ihm vorschwebte, hintertrieben werde&amp;quot; (''Soziologische Schriften I''). Die Unterschiede waren jedoch weitaus gravierender. Marx zufolge sollte das disziplinierte, zentral geführte Proletariat die Staatsgewalt ergreifen und die Produktionsmittel in Staatseigentum umwandeln. In diesem Transformationsprozess würden die Unterschiede und Gegensätze der Klassen und damit auch der Staatsapparat als repressives Instrument der Klassenherrschaft allmählich aufgehoben. Seien die Klassen abgeschafft, meinte Marx, &amp;quot;so verschwindet die Gewalt des Staates, welche dazu dient, die große produzierende Mehrheit unter dem Joche einer wenig zahlreichen ausbeutenden Minderheit zu halten, und die Regierungsfunktionen verwandeln sich in einfache Verwaltungsfunktionen&amp;quot; (''MEW'', Bd. 18). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anarchistische Kritik geht freilich über den bloßen Klassencharakter des Staates hinaus: In ihrer Essenz wendet sie sich gegen jegliche Form von Herrschaft und Hierarchie, die nicht allein durch die &amp;quot;Abschaffung&amp;quot; oder das &amp;quot;Absterben“ des Staates überwunden wäre. In Marx' Schema war der voll entwickelte Kapitalismus Vorbedingung für den Sozialismus und die Zentralisation unentbehrlich für den gesellschaftlichen Fortschritt, denn sie zeitige nur solange Herrschaft, da sie Teil der bürgerlichen Entwicklung sei. In einer revolutionären Gesellschaft dagegen würde sie weder zum Anwachsen der Bürokratie führen noch wäre diese zum Erreichen der Zivilisation notwendig. &amp;quot;Die Zertrümmerung der Staatsmaschinerie wird die Zentralisation nicht gefährden&amp;quot;, schrieb er 1852. &amp;quot;Die Bürokratie ist nur die niedrige und brutale Form einer Zentralisation, die noch mit ihrem Gegensatze, dem Feudalismus, behaftet ist&amp;quot; (''MEW'', Bd. 8). Die Möglichkeit, dass noch größere Zentralisation und technologische Entwicklung einen neuen Bürokratismus, der wenig oder nichts mit den feudalistischen Traditionen zu tun hätte, hervorbringen könnten, fand bei Marx keine ernsthafte Betrachtung. Die &amp;quot;provisorische&amp;quot; Übernahme des Staates und der kapitalistischen Produktionsformen, die nicht von ihren hierarchischen Strukturen befreit sind, produziert neue Herrschaft, lässt eine neue Klasse sich konstituieren, deren Macht im Anwuchs zentralisierter Planung und spezialisierter Technik sich gründet, die auf die Funktionen früherer Bürokratien zurückgreift und eine etatistische Ideologie zur Legitimierung der eigenen Existenz benutzt. Die Indienstnahme von Wissenschaft und Technik begünstigt eine politisch-bürokratische Struktur, in der eine überwiegende Mehrheit von einer privilegierten Minderheit beherrscht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bakunin sah die Gefahr, dass eine von &amp;quot;autoritären Kommunisten&amp;quot; (d. h. Marxisten) geführte Revolution &amp;quot;die durch Dekrete beherrschten Volksmassen von neuem zum Gehorsam, zur Unbeweglichkeit, zum Tod verurteilen würde, das heißt zur Sklaverei und Ausbeutung durch eine neue quasi-revolutionäre Aristokratie&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3). Die von  Marx als &amp;quot;vorübergehend&amp;quot; konzipierte Diktatur laufe, so Bakunin, nur auf deren Verewigung hinaus und zementiere das Prinzip der Herrschaft. Da Marx den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in einer strengen Abfolge historischer Etappen sah, betrachtete er das Proletariat weniger als selbstbewusstes revolutionäres Subjekt, von dessen autonomen Aktionen das Gelingen der sozialen Revolution abhänge, denn als Objekt der &amp;quot;Geschichte&amp;quot;. Bedingt durch seine materielle Situation verfüge das Proletariat nicht über ein ausreichendes Bewusstsein, und daher bedürfe es einer revolutionären Avantgarde, die &amp;quot;theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung&amp;quot; voraus habe (''MEW'', Bd. 4). Zwar gestand er den proletarischen Massen eine gewisse Dosis an &amp;quot;Selbsttätigkeit&amp;quot; zu, doch ist dieser Begriff weit eingegrenzter als jener der &amp;quot;Spontaneität“, der das &amp;quot;historische - Recht“der Avantgarde auf die Führung des Proletariats aufs Spiel hätte setzen können. In den Augen Bakunins barg diese autoritäre Konzeption bereits den Keim einer neuen unfreien Gesellschaft in sich. Beharrlich insistierte er darauf, dass Freiheit &amp;quot;nur durch Freiheit&amp;quot; geschaffen werden könne, &amp;quot;durch die freie Organisation der Arbeitermassen von unten nach oben&amp;quot; (''Staatlichkeit und Anarchie''). Die &amp;quot;rote Bürokratie&amp;quot;, die er herannahen sah, realisierte sich  im Stalinismus. Doch auch seine Konzeption der sozialen Revolution war nicht frei von Fragwürdigkeiten. Zwar projektierte er die Avantgarde als &amp;quot;revolutionären Generalstab&amp;quot;, der sich damit begnügte, als &amp;quot;Vermittler zwischen der revolutionären Idee und den Volksinstinkten&amp;quot; zu dienen, doch redete er auch von einer &amp;quot;Diktatur ohne Schärpe, ohne Titel, ohne offizielles Recht, die desto mächtiger ist, weil sie keinen Anschein der Macht hat&amp;quot; (''Gesammelte Werke'', Bd. 3).&lt;br /&gt;
War der Marxismus das &amp;quot;falsche Bewusstsein einer kulturellen Bourgeoise, die radikalisiert worden ist&amp;quot; (Alvin W. Gouldner: ''The Future of Intellectuals''), so lief der &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; stets Gefahr, über die berechtigte Kritik an der &amp;quot;neuen Klasse&amp;quot; von Funktionären und Bürokraten in einen dumpfen Anti-Intellektualismus umzuschlagen, der im &amp;quot;kulturellen Kapital&amp;quot; der Intellektuellen einzig ein Mittel zur Unterdrückung der Massen sah. Wie im Nachhinein Marx die geistige Urheberschaft für den stalinistischen Gulag aufgebürdet wird, so ereilt Bakunin das Verdikt, mit seinem Insistieren auf einer Destruktion alles Bestehenden und einer Abschaffung jeglicher Privilegien den Boden für menschenverachtende Exzesse in der chinesischen Kulturrevolution bereitet zu haben. Der Maoismus war, in dieser Sichtweise, die Adaptierung des Marxismus hin zum &amp;quot;Bakunismus&amp;quot; in seinem anderen historischen Terrain (Alvin W. Gouldner: ''Against Fragmentation''). Diese Interpretation unterschlägt aber, dass Bakunin nicht die Intellektuellen unter Kontrolle bringen und sie einem &amp;quot;radikalen Egalitarismus&amp;quot;, einem totalitären System repressiver Gleichheit unterwerfen wollte: Ihm ging es – wie Marx – um die Emanzipation des Subjekts von den herrschenden Verhältnissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lenins Ultrazentralismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der Marxismus ursprünglich eine anti-etatistische Theorie (so vage sie sein mochte), geriet er in der leninistischen Version in eine unauflösbare Verbindung mit der Idee der Staatsaktivität. Lenin trieb die Sorge um, von plötzlich auftretenden, nicht kanalisierten Kräften der Arbeitermassen fortgeschwemmt zu werden, eben jener Massen, die lediglich ein trade-unionistisches Bewusstsein besäßen und nicht in der Lage seien, über die ökonomische Beziehungssphäre zwischen Arbeitern und Unternehmern hinauszudenken. Spontaneität war für ihn Ausdruck der bürgerlichen Ideologie, der sozialistisches Bewusstsein unterdrücke. Daher bestehe die unbedingte Notwendigkeit, Spontaneität in jeder Form zu bekämpfen. Eine revolutionäre Avantgardepartei mit Berufskadern und quasi-militärischen Befehlsstrukturen sollte von außen politisches Klassenbewusstsein in die Massen hineintragen, diese durch Organisation von oben erziehen und dirigieren. Lenin war ein &amp;quot;Techniker&amp;quot; der Revolution, dem die Methoden, Instrumente und Organisationsmittel allemal wichtiger waren als die Emanzipation von Herrschaft und Hierarchie. Mit der Übernahme des Staatsapparates sicherten sich die Bolschewiki das notwendige Herrschaftsinstrumentarium, und mittels des vom kapitalistischen Profitstreben gereinigten tayloristischen Systems sollten die Disziplin der Werktätigen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten gehoben und die Arbeitsintensität gesteigert werden. Da vor der menschlichen Emanzipation die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen werden mussten, wurde die aktive Beteiligung der Massen in eine mystische Zukunft hinausgeschoben. Im leninistischen Modell entbehrten die vagen demokratischen, libertären Ausführungen von ''Staat und Revolution'' (1917) einer jeglichen strukturellen Basis, so dass sie zu keiner Zeit ernsthaft in Lenins revolutionäre Strategie zu integrieren waren. Der bürokratische Zentralismus unterwarf die Arbeiterinnen einer neuen Herrschaftsschicht und eliminierte jegliche Form des autonomen Handelns.&lt;br /&gt;
Jede Abweichung von der herrschenden Doktrin, äußerte sie sich in der direkten Aktion oder dem Streben nach Selbstverwaltung, wurde unterdrückt, klagte sie doch den simultanen Ablauf von wirtschaftlichem Aufbau und menschlicher Emanzipation ein und stellte die Avantgarde in Frage. Da der Anarchismus als &amp;quot;umgestülpter bürgerlicher Individualismus&amp;quot; die &amp;quot;vereinigende und organisierende Kraft der Staatsmacht&amp;quot; negiere (''Anarchismus und Sozialismus''), musste er - wenn er sich bedrohlich manifestierte - ausgelöscht werden. Im leninistischen Staatsbetrieb duldete das Management keine Auflehnung, sondern forderte Unterwerfung und Disziplin ein, um das Plansoll zu erreichen. Die ungeschmälerte Freiheit lag dabei außerhalb der Vorgaben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Lenin als &amp;quot;Disziplin&amp;quot; drapierte Beherrschung der Mehrheit durch eine privilegierte Minorität, die Auffassung, es reiche aus, wenn der Dirigentenstab der Bourgeoisie von einem revolutionär sich wähnenden Zentralkomitee entrissen werde, stieß schon früh auf die Kritik Rosa Luxemburgs, die als erste marxistische Theoretikerin den Begriff der Spontaneität ins Spiel brachte. Nicht sei es das Ziel, die Arbeiterinnen zum Kadavergehorsam zu erziehen, sondern vielmehr sollte  sich die Partei auf die Rolle eines Sprechers und Transformators der Massenenergie beschränken, lediglich als &amp;quot;Dolmetscher des Massenwillens&amp;quot; agieren. Die gescheiterte russische Revolution von 1905 kommentierend, entwarf sie das Konzept des &amp;quot;Massenstreiks&amp;quot;, der sich im Wesentlichen nicht vom anarchosyndikalistischen Generalstreik unterschied. Dass sie diese Taktik zur Aufnahme ins sozialdemokratische Arsenal empfahl, bedeutete ihrer Ansicht nach nicht eine &amp;quot;Ehrenrettung des Anarchismus&amp;quot;, sondern dessen &amp;quot;geschichtliche Liquidierung&amp;quot;. Die Revolution habe gezeigt, dass der Anarchismus &amp;quot;zum Aushängeschild für gemeine Diebe und Plünderer&amp;quot; geworden und nur &amp;quot;wie ein Rudel Haifische hinter dem Schlachtschiff der Revolution&amp;quot; hergeschwommen sei (''Schriften zur Theorie der Spontaneität''). Trotz dieser Denunziation war  Luxemburg mit ihrem Beharren auf der Aktivität der Massen nicht weit entfernt von anarchistischen Modellen, von einem Sozialismus, der von ArbeiterInnenräten von unten nach oben angetrieben würde. &amp;quot;Rosa Luxemburg ist&amp;quot;, meinte Daniel Guérin, &amp;quot;eines der verbindenden Elemente zwischen dem Anarchismus und dem authentischen Marxismus&amp;quot; (''L'anarchisme''). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Augen Antonio Gramscis ignorierten &amp;quot;Spontaneisten&amp;quot; und Anarchisten vollkommen die Hegemonie der Bourgeoisie, wenn sie sich voller Optimismus auf direkte Aktionen der Massen  verließen, ohne aufkommende Oppositionsbewegungen so zu formen, dass sie eine tatsächliche Herausforderung des bestehenden Systems darstellten. Von der unbedingten Notwendigkeit von Staat, Partei und Autorität überzeugt, vertrat er die Auffassung, dass die anarchistischen Arbeiterinnen nicht Staat und Eigentum an sich bekämpften. sondern nur deren kapitalistischen Auswuchs. Der die Macht ergreifende &amp;quot;Arbeiterstaat&amp;quot; würde auch ihnen Freiheit und die Verwirklichung proletarischer Ideale eröffnen, als zentralisierte Macht sie vor Reaktion und Konterrevolution schützen. Im revolutionären Kampf agiere die Partei beispielgebend und wirke auf die Massen anspornend ein. Allein auf die Spontaneität sich zu verlassen und nicht systematisch am kreativen revolutionären Werk zu arbeiten, sei bloße Illusion von  Ideologen und unbewusste Konterrevolution im voraus. Gramsci strebte eine Synthese von organisierter Planung und spontanen Elementen an. Zur revolutionären Umgestaltung seien sowohl die aktiven Massen als auch intellektuelle &amp;quot;Führer“ notwendig, die eher ideologische oder pädagogische denn instrumentelle Funktionen ausüben sollten. In gewisser Weise ähnelt dies der bakunistischen Vorstellung von den &amp;quot;Geburtshelfern der Revolution&amp;quot;, deren latentes autoritäre Gedankengut bei  Gramsci sich noch verstärkte. Da die Arbeiterklasse aufgrund der fehlenden ökonomischen Basis keine eigenen organischen Intellektuellen hervorzubringen vermöge, sei einzig die Avantgardepartei des Proletariats dazu fähig, politische Intellektuelle heranzubilden, welche die &amp;quot;revolutionäre Sache&amp;quot; vorantreiben könnten. Wie alle marxistischen Theoretiker sah er in Anarchisten bloße romantische Tollköpfe, die das Proletariat in Verwirrung stürzten und ins Verderben trieben. &amp;quot;Wer Herr der Geschichte ist und ihr den Rhythmus des Fortschritts aufzwingt&amp;quot;, erklärt er 1919, &amp;quot;wer das sichere und unaufhaltsame Fortschreiten der kommunistischen Zivilisation bestimmt, das sind nicht die 'Halbstarken', das ist nicht das Lumpenproletariat, das sind nicht die Bohemiens, die Dilettanten, die langhaarigen und frenetischen Romantiker, sondern das sind die großen Massen der klassenbewussten Arbeiter, die stählernen Bataillone des bewussten und disziplinierten Proletariats.&amp;quot; Im militaristischen Jargon wurde der &amp;quot;Geist der Verantwortung&amp;quot; beschworen, der &amp;quot;so schneidend und unversöhnlich&amp;quot; wie das &amp;quot;Schwert eines Scharfrichters&amp;quot;sein müsse,und angedroht wurde die grausame Notwendigkeit, Unfolgsamen &amp;quot;Disziplin und Treue mit Waffengewalt&amp;quot; aufzuzwingen, &amp;quot;um das gesellschaftliche Ganze vor dem Zusammenbruch und dem Verderben zu retten&amp;quot; (''Der Staat und der Sozialismus'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leo Trotzki und die antistalinistische Opposition==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihre bürgerlichen Opponenten glaubten Marxisten an die Wissenschaft, Fortschritt und Erfolg und machten die wissenschaftliche und industrielle Rationalität zu ihrer eigenen. Stalin, der markanterweise 1906 mit einer dumpfen Tirade gegen den Anarchismus erstmals in Erscheinung getreten war, verdankte seine Popularität bei vielen westlichen Linken und liberalen fellow-travellers in den dreißiger Jahren dem Image des Erfolgsmenschen, der allen Widrigkeiten zum Trotz eine neue, bessere Welt schaffen wollte. In einer Zeit, da Depression, Faschismus und Krieg die menschliche Existenz bedrohten, erschien er als &amp;quot;flexibler&amp;quot; und &amp;quot;pragmatischer&amp;quot; Praktiker, der die &amp;quot;konkrete Utopie&amp;quot; vom &amp;quot;Sozialismus in einem Land&amp;quot; zu realisieren trachtete. Andere Alternativen wie Rätekommunismus oder Anarchismus galten den meisten Linken als realitätsferne Modelle, die den Anforderungen der Praxis nicht standhalten konnten. Sozialismus und Marxismus wurden mit dem &amp;quot;Fortschritt&amp;quot; in der Sowjetunion gleichgesetzt. Selbst Leo Trotzki, von den Stalinisten ins Exil getrieben, rückte davon nicht ab. Als einige seiner Anhänger die UdSSR als &amp;quot;bürokratischen Kollektivismus&amp;quot;, als bloßen Unterdrückungsapparat einer neuen Herrschaftsklasse geißelten, insistierte er, dass die sowjetische Bürokratie (die er den rückständigen Verhältnissen anlastete) lediglich ein &amp;quot;episodischer Rückfall&amp;quot; sei. Vom zweiten Weltkrieg erhoffte er sich eine neuerliche sozialistische Revolution, die mit der Bürokratie aufräumte und eine Resurrektion der &amp;quot;sowjetischen Demokratie&amp;quot; auf einer weitaus höheren ökonomischen und kulturellen Ebene als 1918 bewirkte. Sollte diese Revolution ausbleiben, befürchtete er den Untergang der Zivilisation. Der bürokratische Rückfall wäre dann der organischen Unfähigkeit des Proletariats zuzuschreiben, zur herrschenden Klasse zu werden. Das sowjetische System wäre somit der Prototyp eines neuen Ausbeuterregimes im internationalen Maßstab. Wenn das Weltproletariat als unfähig sich erweise, die Mission zu erfüllen, die ihm die Geschichte anvertraut habe, bleibe nur einzugestehen, dass das auf den inneren Widersprüchen beruhende sozialistische Programm als bloße Utopie sich entlarvt habe, und der Zusammenbruch aller Hoffnungen auf eine sozialistische Revolution wäre die Folge, denn noch günstigere Bedingungen als nun seien nicht zu erwarten (''L'U.R.S.S. dans la guerre''). &lt;br /&gt;
Tatsächlich blieb die Revolution aus, und mit seiner Prophezeiung stieß L. Trotzki seine Anhänger in eine tiefe demoralisierende Krise. Wie viele Intellektuelle seit Marx hielt er Ausschau nach einem historischen Agenten, der die ersehnte Transformation herbeiführte. Aufgebürdet wurde diese Aufgabe einem mythologisierten Kollektiv namens &amp;quot;Proletariat&amp;quot;, dessen revolutionäre Kraft zunächst einmal Projektion von Intellektuellen war, die auf diese Weise die eigene Ohnmächtigkeit kompensierten, indem sie anderen vorschrieben, wann und wo welche Aktion zu unternehmen sei, um eine bessere Welt herbeizuführen. Auch wenn marxistische Oppositionsgruppen mit Vehemenz den Stalinismus attackierten, blieben sie doch im Autoritarismus verstrickt, beanspruchten die gleiche autoritäre Machtposition, die sie ihren Rivalen vorwarfen. &amp;quot;Die revolutionäre Bewegung spiegelt den Zustand, den sie angreift, negativ wider&amp;quot; (Max Horkheimer, ''Autoritärer Staat''). Dies traf nicht allein auf sektiererische Zirkel zu, die immer wieder die alten Dogmen bis zur Besinnungslosigkeit repetierten und gegen die realen Verhältnisse sich abschotteten, sondern auch auf jene Gruppen wie die Situationisten, die in den 1950er und 1960er Jahren die alten Verkrustungen von Marxismus und Anarchismus aufzubrechen hofften. Ihnen schwebte eine sofortige Realisierung des Reichs der Freiheit vor, in dem alle Formen von Verdinglichung und Entfremdung in ihrer Totalität abgeschafft und durch Formen unbeschränkter Subjektivität ersetzt wären. Trotz aller Kritik an Marx, Bakunin, Lenin, Trotzki und  Georg Lukács hielten sie an der &amp;quot;historischen Mission&amp;quot; des Proletariats fest, das als &amp;quot;Klasse des Bewusstseins&amp;quot; in ihren Schriften fungierte: Ihm wurde die Aufgabe überantwortet, die Trennung von Subjekt und Objekt, Praxis und Theorie, Politik und Verwaltung in der &amp;quot;spektakulären Warengesellschaft&amp;quot; zu überwinden. Das Proletariat sei, postulierte Guy Debord als theoretisches Mundstück der Situationisten, &amp;quot;das in dieser Gesellschaft wirkende Negative&amp;quot; (''Die Gesellschaft des Spektakels''). Zwar postulierten sie eine neue revolutionäre Praxis im &amp;quot;alltäglichen Leben&amp;quot; ohne Autorität, Parteikader oder bürokratische Apparate, doch ahmten sie in einer grotesken Parodie leninistische Praktiken nach: Die selbst ernannte revolutionäre Avantgarde, die vorgeblich im Namen des &amp;quot;Proletariats&amp;quot; agierte, schuf sich eine exklusive internationale Mikro-Organisation mit einem Zentralrat, einem Chefideologen und einem Zentralorgan und schwang sich zu Führern der angeblich bewusstlosen Massen auf. Wie Marx in seinen Kämpfen um die Machtposition in der revolutionären Bewegung Widersacher von Wilhelm Weitling bis  Bakunin dadurch auszustechen suchte, indem er ihre intellektuelle Fähigkeiten in Misskredit brachte und ihre vorgebliche Ignoranz öffentlich bloßzustellen trachtete, so warf Debord all sein intellektuelles Kapital in die Waagschale, um zu demonstrieren, dass er allein über die &amp;quot;richtige&amp;quot; und &amp;quot;wahre&amp;quot; Theorie verfügte, und per Exklusionspolitik entledigte er sich jener Konkurrenten, die seine Autorität und seien Führungsanspruch hätten unterminieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Marxismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma bestand darin, dass sich selbst diese &amp;quot;Outlaw-Marxisten&amp;quot; (Alvin W. Gouldner) als Führungskräfte verstanden, die Theorien erarbeiteten und Direktiven ausgaben, denen andere zu folgen hatten. Damit reproduzierten die &amp;quot;revolutionären Linksintellektuellen&amp;quot; aber lediglich die &amp;quot;Laster der bürgerlichen Gesellschaft&amp;quot;, wie Simone Weil 1934 kritisierte. &amp;quot;Unsere gesamte Zivilisation beruht auf der Spezialisierung, was die Knechtung der Ausführenden durch die Führenden bewirkt. Und auf einer solchen Basis kann man die Unterdrückung nur organisieren, aber nicht vermindem&amp;quot; (Unterdrückung und Freiheit). Pessimistisch, nach dem Triumph des Nazismus in Deutschland, erklärte sie, dass von den Menschen keine Hilfe zu erhoffen sei, und gerade das Proletariat erwies sich nicht als &amp;quot;Totengräber&amp;quot; des Kapitalismus. In dieser Gesellschaft setzten sich Rackets durch, exklusive, Macht ausübende und totale Unterwerfung einfordernde Cliquen, schrieb Max Horkheimer im amerikanischen Exil. Diese Herrschaftsform prägte auch die kommunistischen Parteien und die Gewerkschaften. &amp;quot;Das Racket-Muster, wie es für das Verhalten der Herrschenden gegenüber den Beherrschten typisch war, ist jetzt repräsentativ für alle menschlichen Beziehungen, selbst für die innerhalb der Arbeiterschaft. Der Unterschied zwischen dem Racket im Kapital und dem in der Arbeit liegt in der Tatsache, dass beim kapitalistischen Racket die gesamte Klasse profitiert, während das Racket der Arbeit als Monopol nur für ihre Führer und für die Arbeiteraristokratie fungiert. Die arbeitenden Massen sind die Objekte beider Formen; sie müssen das Ganze nur bezahlen&amp;quot; (''Zur Soziologie der Klassenverhältnisse''). Der Mythos von den &amp;quot;stählernen Bataillonen des bewussten und disziplinierten Proletariats&amp;quot; erwies sich aber gegenüber dieser Kritik als resistent. &lt;br /&gt;
Auch in der Neuen Linken triumphierte schließlich eine groteske &amp;quot;Proletophilie&amp;quot;, welche die Gründung zahlloser leninistischer Polit-Sekten beförderte. All der alte Mist komme wieder, kommentierte Murray Bookchin (''Post-Scarcity Anarchism'') diese Entwicklung der pseudo-historischen Retro-Inszenierungen in den späten 1960ern. Für ihn war die Fabrik nicht der einzig entscheidende Ort der Auseinandersetzung; vielmehr müssten alle menschlichen Lebensbereiche in den Kampf um revolutionäre Veränderungen eingeschlossen werden. Es sei ein Irrtum der marxistischen Theorie, lediglich die ökonomische Ausbeutung zu bekämpfen, während andere Herrschaftsformen weiterbeständen oder gar ausgedehnt würden. Bookchin hielt die Vorstellung von Marxisten und Anarchosyndikalisten, ein System der Herrschaft und Hierarchie könne durch Selbstverwaltung überwunden werden, für simplistisch, denn diese taste nicht alle übrigen Formen der Unterdrückung in der bürgerlichen Gesellschaft an. &amp;quot;Soziale Verzerrungen und Regressionen können nicht länger in erster Linie durch Eigentumsverhältnisse erklärt noch allein durch sozio-ökonomische Maßnahmen, wie etwa Verstaatlichung, Kollektivierung oder ,Arbeitsplatzdemokratie', berichtigt werden. Denn was all diese angebotenen Lösungen der vergifteten Natur der modernen Gesellschaft explodieren lässt, ist das angeschwollene Legat von Befehls- und Gehorsamsbeziehungen – mit einem Wort: Hierarchie als grundlegenderes Substrat aller Klassenbeziehungen&amp;quot; (''Were We Wrong?''). &lt;br /&gt;
In den Augen Bookchins boten weder Marxismus noch Anarchosyndikalismus Gewähr für eine radikale Umgestaltung des Bestehenden. Allein ein ökologisch und kommunitär orientierter Anarchismus könne die ungeschmälerte Freiheit realisieren und sei Garant dafür, dass ein revolutionäres Projekt nicht allmählich in Formen der Theorie und Praxis abgleite, die inhärent anfällig für opportunistische Kompromisse seien. Zielpunkt seiner oft harschen und polemischen Kritik sind vor allem neo-marxistische Akademiker, denen er vorwirft, sie hätten sich aus der Gesellschaft in universitäre Zirkel zurückgezogen und lieferten keinen Beitrag zur emanzipatorischen Praxis. Anstatt zu helfen, die Welt zu verändern, interpretierten sie sie lediglich, was sie in krassen Gegensatz zu Marx stelle (''Beyond Neo-Marxism''). In ihrer Jugend als &amp;quot;Neue Linke&amp;quot; aufgebrochen, um die Institutionen des Staates zu &amp;quot;demokratisieren&amp;quot; und zu &amp;quot;politisieren&amp;quot;, zu verändern und neu zu gestalten, wurden diese Veteranen des &amp;quot;langen Marsches&amp;quot; von diesen Institutionen ge- und verformt. Auf den akademischen Territorien der Herrschaft hat der Marxismus mit seinen verschiedenen Ausprägungen ein Refugium gefunden und ist selbst Teil des &amp;quot;akademischen Rackets&amp;quot; (Max Horkheimer) geworden, während seine Beiträge zu den (mittlerweile auch mit einer historischen Patina überzogenen) &amp;quot;neuen sozialen Bewegungen&amp;quot; in den 1970er und 1980er Jahren marginal blieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach dem Untergang==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Liquidation der realsozialistischen Staatsunternehmen und dem scheinbaren Triumph des kapitalistischen Sozialdarwinismus sahen sich auch akademische Marxisten vor der Sinn-und Existenzfrage gestellt, und allerorts bildeten sich linksintellektuelle Krisenstäbe, um nach der Implosion der marxistisch-leninistischen Altbauten die Chancen eines Neubeginns für das &amp;quot;sozialistische Projekt&amp;quot; auszuloten. Zweifelsohne habe es der Marxismus nötig, kritisiert und erneuert zu werden, konzediert der Pariser Sozialforscher Michael Löwy, vor allem deshalb, weil sein Bruch mit dem produktivistischen Muster des Industriekapitalismus und den Grundlagen der modernen bürgerlichen Zivilisation nicht radikal genug gewesen sei. Zwecks Revitalisierung des Marxismus wollte Löwy Ökologie, Pazifismus, Feminismus und Befreiungstheologie einverleiben, als wären diese ohne Schwierigkeiten im marxistischen Theoriegebäude unterzubringen. Auch dem Herausgeber der traditionellen ''New Left Review'', Robin Blackburn, schwebte nach dem Untergang eine &amp;quot;vollkommene Erneuerung und Reorientierung&amp;quot; des marxistischen &amp;quot;Projekts&amp;quot; vor, um eine &amp;quot;wahrhaft demokratische Kultur und politische Ordnung&amp;quot; zu schaffen, wobei die Integration ökologischer und kommunistischer Ansätze helfen sollten (Robin Blackburn, ''Fin de Siècle''). All dies aber führte nicht zu einer Rekonziliation von Marxismus und Anarchismus. Die Anerkennung dessen, was früher als Ausgeburt eines kleinbürgerlichen Romantizismus diffamiert wurde, läuft letztlich auf dreiste Briganterie hinaus: Um das eigene Überleben zu sichern, will man all dessen habhaft, was Hoffnung aufs Weiterleben verspricht, ohne der Mühe sich zu unterziehen, den Marxismus wirklich neu zu denken. &lt;br /&gt;
Die Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche und die Globalisierung des ökonomischen Systems seit den 1980er Jahren erzwangen schließlich auch ein Weiterdenken jenseits der gestanzten Muster der Vergangenheit, das zumindest Ansätze für eine Kritik der veränderten herrschenden Verhältnisse bot. So knüpft beispielsweise Nick Dyer-Witheford in seinem Buch ''Cyber-Marx'' mit seiner Vorstellung eines &amp;quot;autonomistischen Marxismus&amp;quot; an die italienischen Theoretiker Antonio Negri und Mario Tronti an. In seinen Augen hat die globale Restrukturierung des Kapitalismus keineswegs die alten Widersprüche zwischen Arbeit und Kapital aufgehoben, sondern vielmehr auf eine neue Ebene gebracht. Im Kreislauf von automatisierten Fabriken, interaktiven Medien, virtuellen Seminaren, gentechnologischen Laboratorien und globalen Netzwerken kaum durchschaubarer Konzernstrukturen hat sich zweierlei gebildet: gigantische Monopole, welche die Herrschaft über ganze Staatengebilde ausüben, als auch subversive Guerilla-Einheiten, die entweder isoliert oder postmodern über das World Wide Web virtuell organisiert gegen die Übermacht der technologischen Kontrolle mittels Sabotage oder Arbeitsverweigerung rebellieren.  Vieles in seiner Analyse der Verflechtungen des digitalen Kapitalismus erscheint schlüssig, doch mutet seine Abgrenzung zur &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; von Horkheimer und Adorno in der Betonung der &amp;quot;Sabotage&amp;quot; und des &amp;quot;Widerstandes&amp;quot; gegen die Macht der Herrschaft etwas antiquiert an. Zuweilen erinnert die Rede von der medialen Subversion an die Diskussionen der 1970er Jahre und das Rekurrieren auf das demokratische Potenzial des Internets – das es zweifelsohne besitzt –- an Hans Magnus Enzensbergers ''Baukasten zu einer Theorie der Medien'' (1970). Auch wenn sich &amp;quot;Hacktivisten&amp;quot; wie die &amp;quot;Electrohippies&amp;quot; oder das &amp;quot;Electronic Disturbance Theater&amp;quot; als Guerilla im Internet etablieren konnten, ist dies nicht der Beweis für den Beginn eines subversiven Kampfes an den Schnittstellen des digitalen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dialektik der Niederlage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Russell Jacoby treffend anmerkt, sind Erfolg und Niederlage dialektische Kategorien: Der zeitweilige Erfolg des sowjetischen Marxismus trug oft zur Niederlage anderer Marxismen oder linksoppositioneller Strömungen bei. Sowohl Erfolg als auch Niederlage sagen nichts über die Qualität oder Wahrheit des jeweiligen Ideenkonstrukts aus. Die Niederlagen des Anarchismus stellen kein Urteil über den Wert seiner Theorien und Werte dar. Ebenso wenig ist der Marxismus durch seine Verstrickung in die politische oder akademische Herrschaft desavouiert oder der Kapitalismus auf Grund seines momentanen Triumphes durch die Geschichte legitimiert. Es gehört zu den tragischen Ironien der Geschichte, dass der von Bakunin heftig attackierte „Staatssozialismus“ in der Phase seines herrschaftlichen Triumphes die linke Opposition zum Schweigen brachte, und nach seinem Ende seine linken Kritiker mit in den Abgrund riss.  Der westliche Marxismus lebt in den akademischen Reservaten letztlich nur als postmodernes Gespenst einer kulturell depravierten Bourgeoisie fort. Auf der anderen Seite hat es der Anarchismus versäumt, eine stimmige, radikale Kritik der  bestehenden Verhältnisse zu artikulieren. Selbst ein ehemals innovativer Kritiker wie Bookchin verrannte sich im Laufe der Zeit in einen dogmatischen Rigorismus, der nichts außer den eigenen Erkenntnissen gelten lassen konnte. Wenn Marxismus und Anarchismus entweder zur Apologetik der herrschenden Beliebigkeit oder zur militant gestylten Racket-Ideologie, die zur Heranbildung blinder Gefolgschaften statt kritischer Individuen beiträgt, mutieren, ist ihr einst radikales Ingenium abgestorben. Zu besinnen wäre sich, mit Marx gesprochen, auf die &amp;quot;rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten&amp;quot; (''MEW'', Bd. 1). So geht es weder um die Verteidigung des Marxismus noch um jene des Anarchismus, sondern um die Verwirklichung der Utopie einer besseren Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausgewählte Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Theodor W. Adorno, ''Soziologische Schriften I'' (''Gesammelte Schriften'', Bd. 8), Frankfurt/Main 1972 &lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Gesammelte Werke'', 3 Bände, Berlin 1975&lt;br /&gt;
*Michail Bakunin, ''Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften'', Berlin 1972 &lt;br /&gt;
*Robin Blackburn, &amp;quot;Fin de Siècle: Socialism After the Crash&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 185 (Januar-Februar 1991), S. 5-66 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''The Two Revolutions: Antonio Gramsci and the Dilemmas of Western Marxism'', Boston 1984 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, ''Social Movements and Political Power: Emerging Forms of Radicalism in the West'', Philadelphia 1986 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;Revolutionary Process, Political Strategy, and the Dilemma of Power&amp;quot;, Theory &amp;amp; Society, 4:3 (Herbst 1977), S. 359-393 &lt;br /&gt;
*Carl Boggs, &amp;quot;The Intellectuals and Social Movements: Some Reflections on Academic Marxism&amp;quot;, ''Humanities in Society'', 6:2-3 (1983), S. 223-239 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''Post-Scarcity Anarchism'', Berkeley 1971 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, ''The Modern Crisis'', Montreal 1987&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Beyond Neo-Marxism&amp;quot;, ''Telos'', Nr. 36 (Sommer 1978).S. 5-28&lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;Were We Wrong?', ''Telos'', Nr. 65 (Herbst 1985), S. 59-74 &lt;br /&gt;
*Murray Bookchin, &amp;quot;New Social Movements: The Anarchic Dimension&amp;quot;, in: ''For Anarchism: History, Theory and Practice'', hg. David Goodway, London 1989, S. 259-274 &lt;br /&gt;
*John Clark, ''The Anarchist Moment: Reflections on Culture, Nature and Power'', Montreal 1984&lt;br /&gt;
*Nick Dyer-Witheford, ''Cyber-Marx: Cycles and Circuits of Struggles in High-Technology Capitalism'', Urbana 1999&lt;br /&gt;
*Guy Debord, ''Die Gesellschaft des Spektakels'', Berlin 1996 &lt;br /&gt;
*Michael Denning, ''Culture in the Age of Three Worlds'', London 2004&lt;br /&gt;
*Isaac Deutscher, ''Trotzki III: Der verstoßene Prophet, 1929-1940,'' Stuttgart 1972&lt;br /&gt;
*Wolfgang Dreßen, ''Antiautoritäres Lager und Anarchismus'', Berlin 1968 &lt;br /&gt;
*Vincent Geoghegan, ''Utopianism and Marxism'', London 1987 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''The Future of lntellectuals and the Rise of the New Class'', London 1979 &lt;br /&gt;
*Alvin. W. Gouldner, ''Against Fragmentation: The Origins of Marxism and the Sociology of Intellectuals'', New York 1985 &lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, ''Marxismus und Kultur: Ideologie, Alltag, Kultur'', hg. Sabine Kebir, Hamburg 1983&lt;br /&gt;
*Antonio Gramsci, &amp;quot;Der Staat und der Sozialismus&amp;quot;, in: ''Zu Politik, Geschichte und Kultur: Ausgewählte Schriften'', hg. Guido Zamis, Leipzig 1980, S. 69-75 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''Pour un marxisme libertaire'', Paris 1969 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''L'anarchisme: De la doctrine à la pratique''. Paris 1981 &lt;br /&gt;
*Daniel Guérin, ''A la recherche d'un communisme libertaire''. Paris 1984 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 5, Frankfurt/Main 1987. S. 293-319 &lt;br /&gt;
*Max Horkheimer, &amp;quot;Zur Soziologie der Klassenverhilltnisse&amp;quot;, in: ''Gesammelte Schriften'', Bd. 12, Frankfurt/M. 1985, S. 75-104 &lt;br /&gt;
*Maurice. Issermann, ''If I Had a Hammer. . . The Death of the Old Left and the Birth of the New Left'', New York 1987 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Dialectic of Defeat: Contours of Western Marxism'', Cambridge 1981 &lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The Last Intellectuals: American Culture in the Age of Academe'', New York 1987&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''The End of Utopia: Politics and Culture in Age of Apathy'', New York 1999&lt;br /&gt;
*Russell Jacoby, ''Picture Imperfect: Utopian Thought for an Anti-Utopian Age'', New York 2005&lt;br /&gt;
*Charles Jacquier (Hg.), ''Lebenserfahrung und Geistesarbeit: Simone Weil und der Anarchismus'', Nettersheim 2006&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Anarchismus und Sozialismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, Berlin 1955, S. 334-337&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 31, Berlin 1959, S. 1-106 &lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 25, Berlin 1970, S. 393-507&lt;br /&gt;
*W. I. Lenin, &amp;quot;Was tun?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 5, S. 355-551 &lt;br /&gt;
*Michael Löwy, &amp;quot;Twelve Theses on the Crisis of ,Really Existing Socialism&amp;quot;', ''Monthly Review'', 43:1 (Mai 1991) S. 33-40 &lt;br /&gt;
*Rosa Luxemburg, ''Schriften zur Theorie der Spontaneität'', hg. S. Hillmann, Reinbek 1970 &lt;br /&gt;
*Karl Marx und Friedrich Engels, ''Über Anarchismus'', kompiliert von W. I. Bauer, Berlin 1977 &lt;br /&gt;
*Georgi Plechanow, ''Anarchismus und Sozialismus'', 3. Aufl., Berlin 1911 &lt;br /&gt;
*Josef W. Stalin, &amp;quot;Anarchismus oder Sozialismus?&amp;quot;, in: ''Werke'', Bd. 1, Berlin 1950, S. 257-323 &lt;br /&gt;
*Leo Trotzki, &amp;quot;L'U.R.S.S. dans la guerre&amp;quot;, in: ''Oeuvres'', Bd. 22, hg. Pierre Broué, Paris 1985, S. 40-62 &lt;br /&gt;
*Siva Vaidhyanathan, ''The Anarchist in the Library: How the Clash between Freedom and Control is Hacking the Real World and Crashing the System'', New York 2004&lt;br /&gt;
*Alan M. Wald,''The New York Intelllectuals: The Rise and Decline of the Anti-Stalinist Left from the 1930s to the 1980s'', Chapel Hill 1987&lt;br /&gt;
*Simone Weil, ''Unterdrückung und Freiheit: Politische Schriften'', Frankfurt/Main, 1987 &lt;br /&gt;
*Peter Wollen, &amp;quot;The Situationist International&amp;quot;, ''New Left Review'', Nr. 174 (März-April 1989). S. 67-95 &lt;br /&gt;
*George Woodcock, ''Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements'', Harmondsworth 1986&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Joerg_A|Jörg Auberg]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
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