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Thomas Swann: Die anarchistische Kybernetik der Gegenseitigen Hilfe: Unterschied zwischen den Versionen

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Vorabveröffentlichung aus [[espero - Libertäre Zeitschrift; Nr. 2 (Dezember 2020)]] | s.a. [[Call_for_Papers:_Die_Corona-Krise_und_die_Anarchie|Call for Papers: Die Corona-Krise und die Anarchie]]  
 
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Wenn Du einem Anarchisten gesagt hättest, dass es im Mai 2020 in ganz Großbritannien Tausende von Gruppen geben würde, die der Idee der Gegenseitigen Hilfe folgen, dann hätte er Dich vermutlich ausgelacht. Aber genau das ist jetzt geschehen. In der Coronavirus-Krise haben die Anarchist*innen Recht behalten, was die Tendenz in sozialen Gruppen zur Gegenseitigen Hilfe angeht, indem sich in den Gemeinden Netzwerke bilden, um diejenigen zu unterstützen, die am schlimmsten von sozialer Isolation und Lockdown betroffen sind. Obwohl also der Begriff der Gegenseitigen Hilfe im öffentlichen Diskurs angekommen ist, heißt das nicht, dass plötzlich Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Menschen über Nacht zu Anarchist*innen geworden sind. Zwar haben diese Selbsthilfegruppen die Idee der Gegenseitigen Hilfe aufgegriffen, aber die Bedingungen, von denen die Anarchisten meinen, dass sie für eine wirksame Gegenseitige Hilfe am förderlichsten sind – die Bedingungen der Selbstorganisation – diese sind hierbei vielleicht nicht sofort ersichtlich. Ich möchte hier verdeutlichen, dass die gegenwärtige Krise (so wie auch [https://anarchiststudies.noblogs.org/article-its-going-to-be-anarchy-fingers-crossed-anarchist-analyses-of-the-coronavirus-covid-19-pandemic-crisis/ Jim Donaghey in diesem Blog hervorhebt)] eine Chance für den Anarchismus bedeutet, und dass die Stärkung der Selbstorganisation in den Netzwerken der Gegenseitigen Hilfe eine Möglichkeit sein könnte, diese Chance für den Anarchismus zu nutzen.  
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Wenn Du einem Anarchisten gesagt hättest, dass es im Mai 2020 in ganz Großbritannien Tausende von Gruppen geben würde, die der Idee der Gegenseitigen Hilfe folgen, dann hätte er Dich vermutlich ausgelacht. Aber genau das ist jetzt geschehen. In der Coronavirus-Krise haben die Anarchist*innen Recht behalten, was die Tendenz in sozialen Gruppen zur Gegenseitigen Hilfe angeht, indem sich in den Gemeinden Netzwerke bilden, um diejenigen zu unterstützen, die am schlimmsten von sozialer Isolation und Lockdown betroffen sind. Obwohl also der Begriff der Gegenseitigen Hilfe im öffentlichen Diskurs angekommen ist, heißt das nicht, dass plötzlich Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Menschen über Nacht zu Anarchist*innen geworden sind. Zwar haben diese Selbsthilfegruppen die Idee der Gegenseitigen Hilfe aufgegriffen, aber die Bedingungen, von denen die Anarchisten meinen, dass sie für eine wirksame Gegenseitige Hilfe am förderlichsten sind – die Bedingungen der Selbstorganisation – diese sind hierbei vielleicht nicht sofort ersichtlich. Ich möchte hier verdeutlichen, dass die gegenwärtige Krise (so wie auch [https://anarchiststudies.noblogs.org/article-its-going-to-be-anarchy-fingers-crossed-anarchist-analyses-of-the-coronavirus-covid-19-pandemic-crisis/ Jim Donaghey in diesem Blog argumentiert)] eine Chance für den Anarchismus bedeutet, und dass die Stärkung der Selbstorganisation in den Netzwerken der Gegenseitigen Hilfe eine Möglichkeit sein könnte, diese Chance für den Anarchismus zu nutzen.  
  
 
Wenn die Gruppen der Gegenseitigen Hilfe ein Bestandteil dessen sein könnten, wie wir uns die Welt nach der Krise neu vorstellen, wie können wir dann sicherstellen, dass nicht nur neue ökonomische Strukturen zur Verteilung der Ressourcen geschaffen werden, sondern auch neue Verwaltungs- und Entscheidungsstrukturen die auf der partizipatorischen und demokratischen Selbstorganisation basieren? Um diese Frage zu beantworten, möchte ich mich in diesem Artikel mit der Kybernetik und ihrer Beziehung zum Anarchismus beschäftigen und untersuchen, wie wir Netzwerke der Gegenseitigen Hilfe als funktionierende selbstorganisierte Systeme verstehen können und welche herausragende Bedeutung die demokratische Selbstorganisation bei der Art und Weise hat, wie sie verwaltet werden
 
Wenn die Gruppen der Gegenseitigen Hilfe ein Bestandteil dessen sein könnten, wie wir uns die Welt nach der Krise neu vorstellen, wie können wir dann sicherstellen, dass nicht nur neue ökonomische Strukturen zur Verteilung der Ressourcen geschaffen werden, sondern auch neue Verwaltungs- und Entscheidungsstrukturen die auf der partizipatorischen und demokratischen Selbstorganisation basieren? Um diese Frage zu beantworten, möchte ich mich in diesem Artikel mit der Kybernetik und ihrer Beziehung zum Anarchismus beschäftigen und untersuchen, wie wir Netzwerke der Gegenseitigen Hilfe als funktionierende selbstorganisierte Systeme verstehen können und welche herausragende Bedeutung die demokratische Selbstorganisation bei der Art und Weise hat, wie sie verwaltet werden

Version vom 15. August 2020, 07:48 Uhr

Vorabveröffentlichung aus espero - Libertäre Zeitschrift; Nr. 2 (Dezember 2020) | s.a. Call for Papers: Die Corona-Krise und die Anarchie


Wenn Du einem Anarchisten gesagt hättest, dass es im Mai 2020 in ganz Großbritannien Tausende von Gruppen geben würde, die der Idee der Gegenseitigen Hilfe folgen, dann hätte er Dich vermutlich ausgelacht. Aber genau das ist jetzt geschehen. In der Coronavirus-Krise haben die Anarchist*innen Recht behalten, was die Tendenz in sozialen Gruppen zur Gegenseitigen Hilfe angeht, indem sich in den Gemeinden Netzwerke bilden, um diejenigen zu unterstützen, die am schlimmsten von sozialer Isolation und Lockdown betroffen sind. Obwohl also der Begriff der Gegenseitigen Hilfe im öffentlichen Diskurs angekommen ist, heißt das nicht, dass plötzlich Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Menschen über Nacht zu Anarchist*innen geworden sind. Zwar haben diese Selbsthilfegruppen die Idee der Gegenseitigen Hilfe aufgegriffen, aber die Bedingungen, von denen die Anarchisten meinen, dass sie für eine wirksame Gegenseitige Hilfe am förderlichsten sind – die Bedingungen der Selbstorganisation – diese sind hierbei vielleicht nicht sofort ersichtlich. Ich möchte hier verdeutlichen, dass die gegenwärtige Krise (so wie auch Jim Donaghey in diesem Blog argumentiert) eine Chance für den Anarchismus bedeutet, und dass die Stärkung der Selbstorganisation in den Netzwerken der Gegenseitigen Hilfe eine Möglichkeit sein könnte, diese Chance für den Anarchismus zu nutzen.

Wenn die Gruppen der Gegenseitigen Hilfe ein Bestandteil dessen sein könnten, wie wir uns die Welt nach der Krise neu vorstellen, wie können wir dann sicherstellen, dass nicht nur neue ökonomische Strukturen zur Verteilung der Ressourcen geschaffen werden, sondern auch neue Verwaltungs- und Entscheidungsstrukturen die auf der partizipatorischen und demokratischen Selbstorganisation basieren? Um diese Frage zu beantworten, möchte ich mich in diesem Artikel mit der Kybernetik und ihrer Beziehung zum Anarchismus beschäftigen und untersuchen, wie wir Netzwerke der Gegenseitigen Hilfe als funktionierende selbstorganisierte Systeme verstehen können und welche herausragende Bedeutung die demokratische Selbstorganisation bei der Art und Weise hat, wie sie verwaltet werden

FORTSETZUNG FOLGT . . .

Und für diejenigen, die nicht auf die deutsche Übersetzung des Beitrages warten wollen, sei hier auf den englischen Originalbeitrag auf der Website von Anarchist Studies verwiesen.

Das espero-Redaktionskollektiv
Berlin, Frankfurt am Main, Potsdam


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