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		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem Gewerkschaftskartell waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regional- bzw. Berufsverbände beteiligt, aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen erreichte die FAU keine dauerhafte Kohärenz. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ungeachtet aller Gemeinsamkeiten der sozialen Basis ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch dessen Tarifhoheit übernehmen konnte. Nachdem der DSB am 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte, erfolgte Anfang 1920 der formelle Anschluß an die inzwischen umbenannte FAUD (S). Im September 1920 trat eine radikalisierte, jedoch mit dem Nationalkommunismus sympathisierende Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei, um mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;) zu bilden. Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht in der FAUD, sondern beharrten auf eigene Organisationsstrukturen und auf unabhängige Entscheidungsfindungsprozesse. Andererseits wurden jedoch Unterstützungsleistungen eingefordert, welche die FAUD als Dachorganisation ohne akkumuliertes Vermögen nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe in Hamburg gegen die syndikalistische Opposition innerhalb des DSB durchsetzte, wurde im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;) vollzogen. Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Verbandsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im &amp;quot;Rheinischen Separatismus&amp;quot;, der für eine Abspaltung der Rheinprovinz vom Deutschen Reich eintrat). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der →FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Tradition des organisierten Anarchosyndikalismus aus der Zeit der Weimarer Republik angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrrers]] in die Praxis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften [[Pjotr Alexejewitsch Kropotkins]] aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Rediscovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: ''Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;''&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; &lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem Gewerkschaftskartell waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regional- bzw. Berufsverbände beteiligt, aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen erreichte die FAU keine dauerhafte Kohärenz. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ungeachtet aller Gemeinsamkeiten der sozialen Basis ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB am 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte, erfolgte Anfang 1920 der formelle Anschluß an die inzwischen umbenannte FAUD (S). Im September 1920 trat eine radikalisierte, jedoch mit dem Nationalkommunismus sympathisierende Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei, um mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;)zu bilden. Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht in der FAUD, sondern insistierten auf eigene Organisationsstrukturen und auf unabhängige Entscheidungsfindungsprozesse. Andererseits wurden jedoch Unterstützungsleistungen eingefordert, welche die FAUD als Dachorganisation nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe in Hamburg gegen die syndikalistische Opposition innerhalb des DSB durchsetzte, wurde im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;) vollzogen. Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Verbandsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im &amp;quot;Rheinischen Separatismus&amp;quot;, der für eine Abspaltung der Rheinprovinz vom Deutschen Reich eintrat). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der →FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Tradition des organisierten Anarchosyndikalismus aus der Zeit der Weimarer Republik angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrrers]] in die Praxis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften [[Pjotr Alexejewitsch Kropotkins]] aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Rediscovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: ''Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;''&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; &lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeitsbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; (1920) enthalten, finden sich in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;. Dennoch sind die grundlegenden Kategorien des Marxismus, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
[[Bild:At 14 Cover FULL.jpg|thumb|right|240px|Die Wiederentdeckung von Rudolf Rocker und seinen Schriften durch den &amp;quot;[[Neoanarchismus|Neuen Anarchismus]]&amp;quot; in der Bundesrepublik Deutschland]]&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen introjizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); &lt;br /&gt;
* ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; &lt;br /&gt;
* ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg Erich Mühsams, ''Zürich 1935;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; &lt;br /&gt;
* ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979, Münster 1999);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Erich und Zenzl Mühsam. Gefangene bei Hitler und Stalin, ''Wetzlar 1976;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980;&lt;br /&gt;
* ''E. Koen/T. de Boer: ''Inventar des Nachlasses von Rudolf Rocker (1873-1958): 1894-1958 (-1959), Amsterdam 1998; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
*''Rocker Publications Committee: ''Testimonial to Rudolf Rocker : 1873 – 1943, Los Angeles (Calif.) 1944;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-11T17:16:38Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Wichtigste Schriften in deutscher Sprache */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; (1920) enthalten, finden sich in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;. Dennoch sind die grundlegenden Kategorien des Marxismus, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
[[Bild:At 14 Cover FULL.jpg|thumb|right|240px|Die Wiederentdeckung von Rudolf Rocker und seinen Schriften durch den &amp;quot;[[Neoanarchismus|Neuen Anarchismus]]&amp;quot; in der Bundesrepublik Deutschland]]&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen introjizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); &lt;br /&gt;
* ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; &lt;br /&gt;
* ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg Erich Mühsams, ''Zürich 1935;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; &lt;br /&gt;
* ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979, Münster 1999);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Erich und Zenzl Mühsam. Gefangene bei Hitler und Stalin, ''Wetzlar 1976;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980;&lt;br /&gt;
* ''E. Koen/T. de Boer: ''Inventar des Nachlasses von Rudolf Rocker (1873-1958): 1894-1958 (-1959), Amsterdam 1998; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
*''Rocker Publications Committee: ''Testimonial to Rudolf Rocker : 1873 – 1943, Los Angeles (Calif.) 1944;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<title>Rocker, Rudolf</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Wichtigste Schriften in deutscher Sprache */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; (1920) enthalten, finden sich in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;. Dennoch sind die grundlegenden Kategorien des Marxismus, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
[[Bild:At 14 Cover FULL.jpg|thumb|right|240px|Die Wiederentdeckung von Rudolf Rocker und seinen Schriften durch den &amp;quot;[[Neoanarchismus|Neuen Anarchismus]]&amp;quot; in der Bundesrepublik Deutschland]]&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen introjizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); &lt;br /&gt;
* ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; &lt;br /&gt;
* ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg Erich Mühsams, ''Zürich 1935;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; &lt;br /&gt;
* ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979,Münster 1999);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Erich und Zenzl Mühsam. Gefangene bei Hitler und Stalin, ''Wetzlar 1976;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980;&lt;br /&gt;
* ''E. Koen/T. de Boer: ''Inventar des Nachlasses von Rudolf Rocker (1873-1958): 1894-1958 (-1959), Amsterdam 1998; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
*''Rocker Publications Committee: ''Testimonial to Rudolf Rocker : 1873 – 1943, Los Angeles (Calif.) 1944;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<title>Rocker, Rudolf</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Eigene Theorieausbildung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; (1920) enthalten, finden sich in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot;. Dennoch sind die grundlegenden Kategorien des Marxismus, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen introjizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); &lt;br /&gt;
* ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; &lt;br /&gt;
* ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg Erich Mühsams, ''Zürich 1935;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; &lt;br /&gt;
* ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Erich und Zenzl Mühsam. Gefangene bei Hitler und Stalin, ''Wetzlar 1976;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980;&lt;br /&gt;
* ''E. Koen/T. de Boer: ''Inventar des Nachlasses von Rudolf Rocker (1873-1958): 1894-1958 (-1959), Amsterdam 1998; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
*''Rocker Publications Committee: ''Testimonial to Rudolf Rocker : 1873 – 1943, Los Angeles (Calif.) 1944;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4996</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen introjizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); &lt;br /&gt;
* ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; &lt;br /&gt;
* ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg Erich Mühsams, ''Zürich 1935;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; &lt;br /&gt;
* ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Erich und Zenzl Mühsam. Gefangene bei Hitler und Stalin, ''Wetzlar 1976;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980;&lt;br /&gt;
* ''E. Koen/T. de Boer: ''Inventar des Nachlasses von Rudolf Rocker (1873-1958): 1894-1958 (-1959), Amsterdam 1998; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
*''Rocker Publications Committee: ''Testimonial to Rudolf Rocker : 1873 – 1943, Los Angeles (Calif.) 1944;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4995</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T11:10:38Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Wichtigste Schriften in deutscher Sprache */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); &lt;br /&gt;
* ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; &lt;br /&gt;
* ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg Erich Mühsams, ''Zürich 1935;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; &lt;br /&gt;
* ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Erich und Zenzl Mühsam. Gefangene bei Hitler und Stalin, ''Wetzlar 1976;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980;&lt;br /&gt;
* ''E. Koen/T. de Boer: ''Inventar des Nachlasses von Rudolf Rocker (1873-1958): 1894-1958 (-1959), Amsterdam 1998; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
*''Rocker Publications Committee: ''Testimonial to Rudolf Rocker : 1873 – 1943, Los Angeles (Calif.) 1944;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4994</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T11:07:34Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Wichtigste Schriften in deutscher Sprache */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); &lt;br /&gt;
* ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; &lt;br /&gt;
* ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg Erich Mühsams, ''Zürich 1935;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Erich und Zenzl Mühsam. Gefangene bei Hitler und Stalin, ''Wetzlar 1976;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980;&lt;br /&gt;
* ''E. Koen/T. de Boer: ''Inventar des Nachlasses von Rudolf Rocker (1873-1958): 1894-1958 (-1959), Amsterdam 1998; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
*''Rocker Publications Committee: ''Testimonial to Rudolf Rocker : 1873 – 1943, Los Angeles (Calif.) 1944;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T11:02:30Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Wichtigste Schriften in deutscher Sprache */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); &lt;br /&gt;
* ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; &lt;br /&gt;
* ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980;&lt;br /&gt;
* ''E. Koen/T. de Boer: ''Inventar des Nachlasses von Rudolf Rocker (1873-1958): 1894-1958 (-1959), Amsterdam 1998; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
*''Rocker Publications Committee: ''Testimonial to Rudolf Rocker : 1873 – 1943, Los Angeles (Calif.) 1944;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T10:53:21Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Wichtigste Schriften in deutscher Sprache */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; &lt;br /&gt;
* ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980;&lt;br /&gt;
* ''E. Koen/T. de Boer: ''Inventar des Nachlasses von Rudolf Rocker (1873-1958): 1894-1958 (-1959), Amsterdam 1998; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
*''Rocker Publications Committee: ''Testimonial to Rudolf Rocker : 1873 – 1943, Los Angeles (Calif.) 1944;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Rocker, Rudolf</title>
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[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980;&lt;br /&gt;
* ''E. Koen/T. de Boer: ''Inventar des Nachlasses von Rudolf Rocker (1873-1958): 1894-1958 (-1959), Amsterdam 1998; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
*''Rocker Publications Committee: ''Testimonial to Rudolf Rocker : 1873 – 1943, Los Angeles (Calif.) 1944;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4990</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T10:50:31Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980;&lt;br /&gt;
* ''E. Koen/T. de Boer: ''Inventar des Nachlasses von Rudolf Rocker (1873-1958): 1894-1958 (-1959) Amsterdam 1998; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
*''Rocker Publications Committee: ''Testimonial to Rudolf Rocker : 1873 – 1943, Los Angeles (Calif.) 1944;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4989</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T10:49:22Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980;&lt;br /&gt;
* ''E. Koen/T. de Boer: Inventar des Nachlasses von Rudolf Rocker (1873-1958): 1894-1958 (-1959) Amsterdam 1998; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
*''Rocker Publications Committee: Testimonial to Rudolf Rocker : 1873 – 1943, Los Angeles (Calif.) 1944;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4988</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T10:46:32Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Wichtigste Schriften in deutscher Sprache */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Die spanische Tragödie, ''Berlin 1976;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4987</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T10:28:55Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Wichtigste Schriften in deutscher Sprache */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); &lt;br /&gt;
* ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4986</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T10:28:31Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Wichtigste Schriften in deutscher Sprache */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); &lt;br /&gt;
* ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4985</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T10:27:40Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Wichtigste Schriften in deutscher Sprache */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; &lt;br /&gt;
* ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4984</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T10:25:06Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980; &lt;br /&gt;
* ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4983</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T10:24:14Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. Charakteristisch für R. ist nicht der klassenkämpferische Gestus, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die er auch praktizierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismusverständnisses, welches die uneingeschränkte Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien antizipiert sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Mechanismen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätzen, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten und zunehmend nicht mehr hinterfragten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980; ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4982</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
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				<updated>2007-02-09T10:15:56Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Eigene Theorieausbildung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen angelegt sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Klassenkämpferische Formulierungen, die seine Programmschrift &amp;quot;Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; enthalten, sind in ähnlicher Diktion in der Schrift Lenins &amp;quot;Staat und Revolution&amp;quot; zu finden. Trotz der vehementen Kritik sind die marxistischen Kategorien, auf die bereits Bakunin rekurrierte, bei Rocker stets unterschwellig präsent. Die politische Ökonomie verwarf er vor allem wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismus, der die uneingeschränkten Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien angelegt sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Formen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätze, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980; ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4981</id>
		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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				<updated>2007-02-08T13:23:04Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem Gewerkschaftskartell waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regional- bzw. Berufsverbände beteiligt, aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen erreichte die FAU keine dauerhafte Kohärenz. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ungeachtet aller Gemeinsamkeiten der sozialen Basis ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte, erfolgte Anfang 1920 der formelle Anschluß an die inzwischen umbenannte FAUD (S). Im September 1920 trat eine radikalisierte, jedoch zum Nationalkommunismus tendierende Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei, um mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;)zu bilden. Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht in der FAUD, sondern insistierten auf eigene Organisationsstrukturen und auf unabhängige Entscheidungsfindungsprozesse. Andererseits wurden jedoch Unterstützungsleistungen eingefordert, welche die FAUD als Dachorganisation nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe in Hamburg gegen die syndikalistische Opposition innerhalb des DSB durchsetzte, wurde im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;) vollzogen. Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Verbandsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im &amp;quot;Rheinischen Separatismus&amp;quot;, der für eine Abspaltung der Rheinprovinz vom Deutschen Reich eintrat). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der →FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Tradition des organisierten Anarchosyndikalismus aus der Zeit der Weimarer Republik angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrrers]] in die Praxis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften [[Pjotr Alexejewitsch Kropotkins]] aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Rediscovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: ''Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;''&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; &lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte, erfolgte Anfang 1920 der formelle Anschluß an die inzwischen umbenannte FAUD (S). Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse. Andererseits wurden Unterstützungsleistungen eingefordert, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe in Hamburg gegen die syndikalistische Opposition innerhalb des DSB durchsetzte, wurde im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;) vollzogen. Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Verbandsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im &amp;quot;Rheinischen Separatismus&amp;quot;, der für eine Abspaltung der Rheinprovinz vom Deutschen Reich eintrat). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der →FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Tradition des organisierten Anarchosyndikalismus aus der Zeit der Weimarer Republik angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrrers]] in die Praxis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften [[Pjotr Alexejewitsch Kropotkins]] aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Rediscovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: ''Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;''&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; &lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4967</id>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Programm und Politik */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrrers]] in die Praxis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften [[Pjotr Alexejewitsch Kropotkins]] aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Rediscovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: ''Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;''&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; &lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4966</id>
		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Programm und Politik */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrrers]] in die Praxis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften [[Pjotr Alexejewitsch Kropotkins]], aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Rediscovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: ''Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;''&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; &lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4965</id>
		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Programm und Politik */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrrers]] in die Praxis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch]], Pjotr Alexejewitsch aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Rediscovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: ''Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;''&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; &lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4964</id>
		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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				<updated>2007-02-03T16:10:18Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Programm und Politik */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrrers]] in die Praxis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Rediscovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: ''Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;''&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; &lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<title>Rocker, Rudolf</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Leben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen prädestiniert sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften allenfalls hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Die politische Ökonomie verwarf er im übrigen wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismus, der die uneingeschränkten Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien angelegt sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Formen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätze, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980; ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4962</id>
		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Organisation */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrrers]] in die Praxis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Rediscovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: ''Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;''&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; &lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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				<updated>2007-02-03T14:23:38Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrers]] in die Prexis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Rediscovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: ''Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;''&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; &lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrers]] in die Prexis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Redicovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: ''Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;''&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; &lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4959</id>
		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrers]] in die Prexis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Redicovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: ''Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;''&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrers]] in die Prexis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Redicovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrers]] in die Prexis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Anarchosyndicalism in the German Labour Movement: A Redicovered Minority Tradition, in: M. v. d. Linden (Hrsg.): Revolutionary Syndicalism. An International Perspective, Aldershot 1990, S. 59 - 79;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4956</id>
		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrers]] in die Prexis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrers]] in die Prexis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
 *''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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				<updated>2007-02-03T14:05:03Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Programm und Politik */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrers]] in die Prexis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte [[R. Rocker]], der nicht nur die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, sondern auch die wichtigsten Grundlagen der humanistisch orientierten Philosophie integrierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989; ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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				<updated>2007-02-03T14:00:48Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Programm und Politik */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrers]] in die Prexis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Als eigentlicher spiritus rector und ideologischer Impulsgeber der FAUD fungierte indessen [[R. Rocker]], der die zeitgenössischen Tendenzen des Anarchismus und Anarchosyndikalismus zu einem einheitlichen Gedankengebäude verschmolz, das auch die wichtigsten Grundlagen der humanistischen Philosophie intrigierte.  Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden ihren Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert und nutzbar gemacht. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989; ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Organisation */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im unmittelbarem Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; SFB) wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 weibliche Mitglieder. Der SFB war nicht primär gewerkschaftlich orientiert, sondern erfüllte die weiblichen Assoziationsinteressen  als Hausfrauen und Mütter. Darüber hinaus wurden die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen, die u.a. die antiautoritären Erziehungsideale [[Franciso Ferrers]] in die Prexis umzusetzen versuchten. Als Reaktion auf die Bedrohung durch die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der Verlag &amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot; bzw. „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden von den Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989; ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Organisation */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 Hausfrauen und Mütter. Die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; wurden ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen. Als Reaktion auf die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit auch teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Doch alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten Sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden von den Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989; ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 Hausfrauen und Mütter. Die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; wurden ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen. Als Reaktion auf die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten Sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden von den Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989; ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4949</id>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 Hausfrauen und Mütter. Die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; wurden ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen. Als Reaktion auf die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten Sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden von den Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989; ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990.&lt;br /&gt;
* ''Ders.'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4948</id>
		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 Hausfrauen und Mütter. Die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; wurden ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen. Als Reaktion auf die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten Sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden von den Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989; ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf: Anarchismus in der Weimarer Republik. Tendenzen, Organisationen, Personen, Phil. Diss. Berlin 1990.&lt;br /&gt;
* ''A. Graf'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4947</id>
		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Charakterisierung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 Hausfrauen und Mütter. Die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; wurden ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen. Als Reaktion auf die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten Sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden von den Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems und die radikale Gewerkschaftsbewegung ins Abseits. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation eines debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989; ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4946</id>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|240px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 Hausfrauen und Mütter. Die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; wurden ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen. Als Reaktion auf die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten Sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden von den Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als Sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation des debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989; ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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		<title>Rocker, Rudolf</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Eigene Theorieausbildung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen prädestiniert sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften allenfalls hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform erkennbar. Die politische Ökonomie verwarf er im übrigen wegen des darin vermeintlich enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus. Seine antimarxistische Kritik richtete sich vor allem gegen die klassengebundene Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), wie sie explizit in dem von Lenin formulierten Anspruch einer proletarischen Anvantgardepartei zum Tragen kommt. Dieses Konzept stellte für R. den totalitären (&amp;quot;absolutistischen&amp;quot;) Kerngedanken des autoritären Kommunismus dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismus, der die uneingeschränkten Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien angelegt sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Formen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätze, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980; ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4944</id>
		<title>Rocker, Rudolf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Rocker,_Rudolf&amp;diff=4944"/>
				<updated>2007-02-02T09:05:22Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:Rudolf_Rocker_01.jpg|thumb|right|240px|Rudolf Rocker (1873-1958)]]&lt;br /&gt;
'''Rudolf Rocker''', geb.: 25. März 1873 in Mainz; gest.: 19. September 1958 in Crompond/New York). Rocker gehört zu den einflußreichsten Theoretikern und Organisatoren des deutschen und internationalen Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rocker wurde am 25. März 1873 als Sohn einer Steindruckerfamilie in Mainz geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf, bis er im Alter von vierzehn Jahren vorübergehend als Schiffsjunge auf einem Rheindampfer anheuerte und später das Buchbinderhandwerk erlernte. Unter dem Einfluss eines Patenonkels entdeckte der Jugendliche die sozialistisch-freidenkerische Literatur und erfuhr den Beginn seiner politischen Sozialisation in der Sozialdemokratie unter den restriktiven Bedingungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890). Im Mai 1890 gründete er den sozialdemokratischen Lesezirkel „Freiheit&amp;quot; und schloss sich kurz darauf den so genannten →„Jungen&amp;quot; an, eine parteiinterne Strömung, die gegen den legalistisch-parlamentarischen Kurs der Parteiführung opponierte und für Sozialrevolutionäre Ziele im Sinne eines emanzipatorischen →Marxismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem offiziellen Ausschluss der „Jungen&amp;quot; auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 1891, schied Rocker nach einem Disput mit dem Mainzer Partei vorstand aus der SPD. Auf dem im selben Jahr in Brüssel abgehaltenen Internationalen Sozialistenkongress erlebte er mit, wie die anarchistische Minorität diskriminiert und schließlich ausgeschlossen wurde. Unter diesem Eindruck und insbesondere durch die Lektüre der Schriften [[Bakunin, Michail Aleksandrovič|Michail Bakunins]] wandte sich Rocker nun dem Anarchismus zu. Gegen Ende des Jahres 1891 initiierte er eine anarchistische Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Verbreitung aus London eingeschmuggelter Literatur beschäftigte. Als sich die ausgeschlossene Opposition der „Jungen&amp;quot; im November 1891 zum „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot; konstituierte, trat Rocker mit dem von ihm mitbegründeten „Leseclub Vorwärts&amp;quot; den Mainzer „Unabhängigen Sozialisten&amp;quot; bei. Von den anarchistischen Theoretikern, die der dortige Kreis rezipierte, wirkte besonders der →kommunistische Anarchismus [[Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch|Peter Kropotkins]], mit seinen anthropologisch-evolutionsphilosophischen Grundgedanken einer in der Natur angelegten „Gegenseitigen Hilfe&amp;quot;, für Rocker künftig richtungweisend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein rhetorisches Talent entdeckte und entwickelte der junge Rocker bereits im gewerkschaftlichen Buchbinderfachverein und im „Verein unabhängiger Sozialisten&amp;quot;. Dessen Ende, das im April 1894 nur wenige Monate nach der Rückkehr des marxistischen Flügels in die Mutterpartei folgte, erlebte Rocker nicht mehr in Deutschland, da er im Dezember 1892 einer drohenden Verhaftung wegen illegaler anarchistischer Propagandatätigkeit und dem bevorstehenden Militärdienst durch die Flucht ins Ausland zuvorgekommen war. Im Pariser Exil machte Rocker die im Hinblick auf seine künftige syndikalistische Orientierung prägende Erfahrung, dass anarchistische Konzepte in die Ideologie und Praxis der französischen Gewerkschaftsbewegung einzuwirken begannen. Betroffen von der Ausweisungswelle ausländischer Anarchisten, die die Behörden in Folge der von Individualanarchisten (→Anarchismus, individualistischer) verübten Bombenattentate verhängten, siedelte Rocker 1895 mit einigen Freunden von den „Unabhängigen&amp;quot; nach London über. Dort fand er im „Communistischen Arbeiter-Bildungsverein&amp;quot;, der ältesten sozialistischen deutschen Auslandsorganisation, in der die anarchistische Fraktion über eine starke Position verfügte, zunächst eine Beschäftigung als Bibliothekar. In London machte Rocker die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten des Anarchismus: →Alexander Shapiro, →Max Nettlau, →Louise Michel und auch [[Landauer, Gustav|Gustav Landauer]]. Mit →Errico Malatesta und P. Kropotkin, mit denen er mehrfach als Redner auf Massenkundgebungen der anarchistischen Bewegung auftrat, verband ihn, ebenso wie mit dem libertären Historiker M. Nettlau, eine lebenslange Freundschaft. Sein politisches Betätigungsfeld fand Rocker jedoch im ostjüdischen Arbeitermilieu des Londoner East-End, in dem er auch seine spätere Lebensgefährtin →Milly Witkop (1877 – 1955) kennen lernte. Als Nicht-Jude entwickelte sich der Emigrant bald zu einer der prominentesten Wortführer der aufkeimenden jüdischen Gewerkschaftsbewegung, aus der nicht zuletzt infolge seiner Aktivitäten, die größte libertäre Organisation Englands hervorging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Zsherminal_Germinal.jpg|thumb|left|240px|Die von Rudolf Rocker herausgegebene anarchistische Monatszeitschrift [http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)].]]&lt;br /&gt;
Von 1899 bis 1914 gab Rocker die anarchistische Zeitung „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001166.HTM Der Arbayter Fraynd (Der Arbeiterfreund)]&amp;quot; – und ab 1900 – mit Unterbrechungen – die Kulturzeitschrift „[http://projekte.free.de/dada/dada-p/P0001264.HTM Zsherminal (Germinal)]&amp;quot; in jiddischer Sprache heraus. Auf dem Amsterdamer Anarchistenkongress wurde er 1907 zusammen mit E. Malatesta und A. Shapiro zu einem der drei Sekretäre der anarchistischen Internationale nominiert. Ein Aufsehen erregendes Einreiseverbot, das die US-amerikanischen Einreisebehörden zeitweilig wegen seiner nichtehelichen Beziehung zu M. Witkop gegen beide verhängten, eine erneute Ausweisung aus Frankreich aufgrund einer Protestrede gegen die Ermordung des anarchistischen Reformpädagogen →Francisco Ferrer im Jahr 1909 und vor allem seine führende Rolle als Initiator des erfolgreichen „Großen Streiks&amp;quot; der jüdischen Textilarbeiter im Jahr 1912, machten den mittlerweile aus Deutschland ausgebürgerten Anarchisten über die Grenzen Englands hinaus derart populär, dass ihn die zuständigen Regierungsstellen zwischen Dezember 1914 und März 1918 als „Spezialfall&amp;quot; in ein Lager für „feindliche Ausländer&amp;quot; internierten. Von dort aus zunächst als Austauschgefangener in die Niederlande deportiert, erreichte Rocker im Januar 1919 das revolutionäre Berlin, wo er als charismatischer und überzeugender Diskussions- und Vortragsredner schnell Einfluss auf die anwachsende syndikalistische Arbeiterbewegung Deutschlands erlangte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 gelang die überstürzte Flucht aus Deutschland nur unter Zurücklassung seiner über 5.000 Bände umfassenden Bibliothek, die u. a. viele Handschriften und Briefe P. Kropotkins beinhaltete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rocker – schließlich nahezu erblindet und taub – in einer Siedlungsgemeinschaft bei New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politischer Werdegang===&lt;br /&gt;
Obgleich Rocker in der libertären Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – bis auf eine informelle Sprecherfunktion in der ersten Geschäftskommission der [[Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)|Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)]] – niemals ein offizielles Amt annahm, wirkte er als dessen spiritus rector, was sich nicht zuletzt die Abfassung zahlreicher Programmentwürfe und Grundsatzartikel zeigte. In den 1920iger Jahren formulierte Rocker die wesentlichen theoretischen Grundlagen des →Anarchosyndikalismus und des organisierten Anarchismus. Insofern bestimmte er die Hinwendung der 1920 über 120.000 Mitglieder zählenden FAUD zum kommunistischen Anarchismus, durch seine „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; – der bis dahin wohl fundiertesten Theorieplattform der libertären Gewerkschaftsbewegung -, in einem entscheidenden Ausmaß mit. Was die Absorption anarchistischer Theorieinhalte anbelangt, kann Rocker eine katalytische Funktion zugeschrieben werden, durch die die Positionierung der FAUD als eine organisatorische Trägerin des kommunistischen Anarchismus eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit, die in vielen Ländern hunderttausendfache Verbreitung fand, galt Rockers unentwegtes Engagement der Initiierung einer unabhängigen anarchosyndikalistischen Internationale, mit der sowohl dem revolutionären Alleinvertretungsanspruch der 3. Kommunistischen Internationale, als auch der in Gestalt der Roten Gewerkschafts-Internationale seit 1921 existierenden radikalgewerkschaftlichen Konkurrenz des supranationalen Syndikalismus, eine antiautoritäre Alternative entgegengesetzt werden sollte. Die →Internationale Arbeiter Assoziation (IAA), die nach jahrelangen Vorbereitungen um die Jahreswende 1922/23 Gestalt annahm, gilt nicht zuletzt als Rockers persönlicher Erfolg. Als einer ihrer drei Sekretäre verfasste Rocker die „Prinzipienerklärung der IAA&amp;quot;, die der zum damaligen Zeitpunkt über eineinhalb Millionen Mitglieder zählende Organisation eine ideologische Identität vermittelte und deren föderalistische Organisationsprinzipien festlegte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Jahr 1924 vollzogenen Bruch mit der →Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD), unterstützte Rocker in den späten zwanziger Jahren mittels einer regen Vortragstätigkeit und auch durch die Mitarbeit an deren Publikationsorganen die →Gemeinschaft proletarischer Freidenker und vorzugsweise die →Anarchistische Vereinigung seines Intimus →Erich Mühsam. Auf umfangreichen Agitationstouren war er auch nach seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland für die internationale libertäre Bewegung aktiv. Bis zu seinem Tod blieb er vorwiegend schriftstellerisch tätig und nahm aus den →USA publizistischen Anteil an der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS); der seit Pfingsten 1947 bestehenden – jedoch ungleich mitgliederschwächeren und nichtgewerkschaftlichen Nachfolgeorganisation der FAUD. Der konzeptionelle Revisionismus der FFS, den Rocker maßgeblich vorantrieb, passte sich hierbei nicht nur der antikommunistischen Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft an, er kontrastierte insbesondere durch seinen an der Realpolitik verhafteten Pragmatismus in drastischer Weise mit dem moralisch-ethischen Imperativen einiger anarchistischer Theoriezirkel, die in der deutschlandzentrierten Orientierung der FFS einige Gemeinsamkeiten mit den offiziellen Zielvorstellungen eines administrativ föderierten Europas erkannten. Aufgrund einer Stagnation ihrer Mitgliedsstärke und der Insuffizienz ihrer Organisationsstrukturen misslang die beabsichtigte Einflussnahme der FFS in Gewerkschaften, Gemeinden und Genossenschaften weitgehend. Weder die von ihm als Mentor beeinflussten theoretischen Protagonisten des freiheitlichen →Sozialismus: →Fritz Linow, →Helmut Rüdiger, →Augustin Souchy, noch Rocker selbst, konnten dauerhafte Impulse ihrer libertären Sozialismuskonzeption in den entstehenden →Neo-Anarchismus transformieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eigene Theorieausbildung===&lt;br /&gt;
Rockers wesentlichste Bedeutung lag weniger auf theoretischem Gebiet, zumal er seine exponierte Stellung innerhalb des internationalen Anarchismus bereits geraume Zeit vor der Abfassung seiner fundiertesten Schriften einnahm. Geltung erlangte Rocker vor allem als international akzeptierte Integrationsfigur der freiheitlich-sozialistischen Prinzipien verbundenen Arbeiterbewegung. Hinsichtlich der radikalgewerkschaftlichen Ideologiebildung präzisierte Rocker die bereits durch die französische →Confédération Générale du Travail (CGT) antizipierte Theorieadaption des Anarchosyndikalismus, die hierdurch einen inhaltlichen Bezugsrahmen erhielt, der darin konsequenter als das französische Vorbild, die anarchistischen Ideologiepostulate integrierte. Rocker entwickelte nicht nur die theoretisch-programmatische Ablehnung des →Parlamentarismus und →Antimilitarismus zugunsten des anarchosyndikalistische Primats eines ökonomisch ausgerichteten Kampfes mittels der →Direkten Aktion weiter, er entwarf mit dem angestrebten Endziel der Ablösung des kapitalistischen →Staates und die Übernahme der gesellschaftlichen Produktionsmittel und der administrativen Verwaltung durch die Industrieföderationen und Arbeiterbörsen, eine konkrete gegengesellschaftliche Utopiekonzeption, die er, mit Rekurs auf P. Kropotkin, in ihren wesentlichen Grundzügen bereits in den bestehenden Verhältnissen prädestiniert sah. Neben der Umsetzung des antietatistischen →Föderalismus →Pierre-Joseph Proudhons als das regulierende gesellschaftliche Konstitutionsprinzip auf der Grundlage autonomer Basiseinheiten, rezipierte Rocker besonders den kommunistischen Anarchismus P. Kropotkinscher Provenienz, den er seinerseits mit dem bewusstseinsbildenden Erziehungsidealen des von G. Landauer angestrebten Kultursozialismus verband. Rudimentäre Impulse des Marxismus sind in Rockers theoretischen Schriften allenfalls hinsichtlich der Kritik an dem Klassencharakter der bürgerlichen Staatsform nachvollziehbar. Die politische Ökonomie verwarf er im übrigen wegen des vermeintlich darin enthaltenen wirtschaftlich-materiellen Determinismus und der explizit klassengebundenen Vorrangstellung einer Arbeiterelite („Diktatur des Proletariats&amp;quot;), der für ihn den totalitären Kerngedanken des autoritären Kommunismus darstellte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Analyse auf empirischer Basis kam Rockers Broschüre „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse&amp;quot; (1927), in der er den kapitalistischen Kartellierungen und Trusts eine latente Affinität zum faschistischen Korporativismus attestierte, wohl am nächsten. In seinem Hauptwerk „Nationalism and Culture&amp;quot; (New York 1937), das erst 1949 unter dem Titel „Die Entscheidung des Abendlandes&amp;quot; in deutscher Sprache erschien, versuchte er in einer breit angelegten ideen- und kulturgeschichtlichen Abhandlung, die regressive Wirkung des Nationalismus im Hinblick auf die allgemeine Kulturentwicklung nachzuweisen. Mit dieser Grundsatzkritik an der Hegemonie von Hierarchie und →Zentralismus, die er mit einer antimarxistischen Sozialismuskonzeption kombinierte, stieß Rocker erstmals auf über anarchistische Kreise hinausreichende Beachtung. Dass der autodidaktisch gebildete Arbeiterintellektuelle besonders von den humanistischen Kulturidealen geprägt war, zeigen hingegen Rockers zahlreiche Abhandlungen über die literarischen Klassiker. Auf dem Gebiet der →Anarchismusforschung trat er außerdem durch die Abfassung einiger verdienstvoller Biographien, so z. B. über →Johann Most und M. Nettlau sowie durch einige autobiographische Schriften hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stellenwert Rockers innerhalb des libertären Spektrums===&lt;br /&gt;
Als konsequenter Anarchist definierte Rocker jedes staatliche System, ungeachtet seiner jeweiligen Ausprägung, als einen „Gewaltapparat&amp;quot;, dessen Hauptzweck in der „wirtschaftlichen Ausbeutung der breiten Massen durch privilegierte Minderheiten&amp;quot; besteht („Der Kampf ums tägliche Brot&amp;quot;, Berlin 1925). Im Unterschied zu vielen radikalen Gegnern des Parlamentarismus, verteidigte Rocker hingegen die seiner Meinung nach zwar beschränkten, gleichwohl jedoch formal existierenden politischen Rechte bürgerlicher Demokratien. Die durch die Gesetzgebung dokumentierten Freiheitsrechte betrachtete er als den festgeschriebenen Ausdruck eines internalisierten Emanzipationsbedürfnisses einer aufgeklärten Öffentlichkeit, an das die „kapitalistische Gesellschaft&amp;quot; letztendlich zu Konzessionen gezwungen sei. Für die progressiv fortschreitende Realisierung freiheitlicher Grundprinzipien galt es seiner Meinung nach die Position libertärer Minderheiten außerhalb der staatlichen Einflusssphäre auszubauen. Den für diesen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten anarchistischer oder anarchosyndikalistischer Minderheitenorganisationen maß Rocker bereits während der zwanziger Jahre weniger Bedeutung zu, wie seine Artikel in E. Mühsams Theoriezeitschrift „Fanal&amp;quot; zeigen. Die Neuorientierung seiner politischen Axiome, insbesondere seine Parteinahme zugunsten der Westalliierten während des 2. Weltkriegs, stieß in anarchistischen Kreisen auf entschiedene Kritik an der Abkehr von den traditionellen libertären Grundpositionen. In der Tat stand Rocker nun den liberalen Wurzeln des Sozialismus näher als den revolutionären Klassenkampfpostulaten des Marxismus, den er – hierin gemeinhin wenig differenzierend und quellenanalytisch argumentierend – in seinem gesamten Spektrum pauschal ablehnte. In seinen von G. Landauer geprägten Auffassungen eines Anarchismus als soziales Kulturideal, zielte er insofern auf die Synthese eines radikal interpretierten →Liberalismus mit einem antiautoritär-föderalistischen Sozialismus ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und dem Aufkommen der despotischen „realsozialistischen&amp;quot; Diktaturen, revidierte Rocker die im kommunistischen Anarchismus hypostasierte Idealvorstellung einer uneingeschränkten menschlichen Soziabilität und setzte seine Hoffnungen auf eine evolutionäre Umgestaltung mittels einer gesellschaftlich breit angelegten emanzipatorischen Bewusstseinsentwicklung. Seine dezidierte Kritik an dem institutionalisierten Staatsbürokratismus und nicht zuletzt seine anhaltende Skepsis hinsichtlich des positiven Charakters der hochrationalisierten Industriegesellschaften, weisen dabei viele Parallelen zu den basisdemokratischen Grundprinzipien auf, die später in den →„Neuen Sozialen Bewegungen&amp;quot; erneut aktualisiert wurden. Für Rockers Schriften kennzeichnend ist die Formulierung eines antiautoritären Sozialismus, der die uneingeschränkten Selbstbestimmungsrechte des Individuums gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen einfordert. Das zu verwirklichende Ideal band er jedoch niemals an eine abstrakte →Utopie, da er in der bestehenden Gesellschaft bereits das grundlegende Potential zur Realisierung föderalistischer und libertärer Ordnungsprinzipien angelegt sah. Die Offenheit für neue Lernprozesse und die Fähigkeit zum Überdenken eigener Positionen charakterisiert Rocker als einen undogmatischen Denker, der die gesellschaftliche Realität stets mit seinen libertären Grundprinzipien zu konfrontieren suchte.&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu seiner Popularität zu Lebzeiten besaßen Rockers Ideen nach seinem Tode indessen weder durch seine frühe anarchosyndikalistische Theorieausprägung, noch durch seine späteren reversierenden Beiträge eine Relevanz, die wahrnehmbar über libertäre Insiderkreise hinausgereicht hätte. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die wichtigsten Aufsätze und Broschüren Rockers neu editiert, so auch sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur&amp;quot;. Gleichwohl lässt sich jedoch ein bis in die Gegenwart zu beobachtendes Interesse an der Biographie Rockers konstatieren, wie die in zeitlichen Abständen erscheinenden Monographien bestätigen. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehende Integrationskraft der modernen Industrie- und Konsumgesellschaften mit ihren von den Individuen intojizierten Formen der sozialen Kontrolle und den subjektiv nicht mehr als solche wahrgenommenen Interessengegensätze, hat sich die vermeintliche Option einer grundlegenden inneren Wandlungsfähigkeit der industriellen Zivilisation bislang nur von eingeschränkter Tragweite erwiesen. Rocker gebührt der Verdienst, frühzeitig auf die psychologische Bedeutung und die soziale Tragweite dieser verinnerlichten Herrschaftsverhältnisse hingewiesen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wichtigste Schriften in deutscher Sprache====&lt;br /&gt;
* ''Keine Kriegswaffen mehr! Rede gehalten auf der Reichs-Konferenz der Rüstungsarbeiter Deutschlands abgehalten vom 18. bis 22. März 1919 in Erfurt, ''Erfurt o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Zur Geschichte der parlamentarischen Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung, ''Berlin o. J. (1919); ''Sozialdemokratie und Anarchismus, ''Berlin o. J. (1919);&lt;br /&gt;
* ''Prinzipienerklärung des Syndikalismus, ''Berlin o. J. (1920);&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Organisation, ''Berlin o. J. (1921);&lt;br /&gt;
* ''Der Bankerott des russischen Staatskommunismus, ''Berlin 1921;&lt;br /&gt;
* ''Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus. Vortrag, gehalten auf dem 14. Kongress der F.A.U.D., 19. – 22. November 1922 in Erfurt, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Grundlagen des revolutionären Syndikalismus. Prinzipienerklärung der Internationalen Arbeiter-Assoziation, ''Berlin 1923;&lt;br /&gt;
* ''Johann Most. Das Leben eines Rebellen, ''Berlin 1924; ''Nachtrag zu Johann Most, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Hinter Stacheldraht und Gitter. Erinnerungen aus der englischen Kriegsgefangenschaft, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Der Kampf ums tägliche Brot, ''Berlin 1925;&lt;br /&gt;
* ''Vom anderen Ufer, ''Berlin 1926;&lt;br /&gt;
* ''Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse, ''Berlin 1927;&lt;br /&gt;
* ''Die Sechs, ''Berlin 1928; ''Die Entscheidung des Abendlandes (Nationalismus und Kultur), ''2 Bde., Hamburg 1949 (Bremen 1977, Zürich 1979);&lt;br /&gt;
* ''Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeit einer freiheitlichen Bewegung, ''New York 1947;&lt;br /&gt;
* ''Der Leidensweg der Zenzl Mühsam, ''Frankfurt/M. o. J. (1949); ''Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus, ''Darmstadt o. J. (1952, Frankfurt/M. 1974);&lt;br /&gt;
* ''Heinrich Heine. Ein deutscher Dichter als Prophet, ''Darmstadt, o. J. (1953); ''Milly Witkop-Rocker, ''Berkeley Heights/New Jersey 1956;&lt;br /&gt;
* ''Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, ''(hg. v. P. Duerr u. M. Melnikow), Frankfurt/M. 1974;&lt;br /&gt;
* ''Max Nettlau. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, ''Berlin 1978;&lt;br /&gt;
* ''Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, ''Berlin 1979; ''Aufsatzsammlung, ''Bd. 1: 1919-1933, Bd. 2: 1949- 1953, Frankfurt/M. 1980;&lt;br /&gt;
* ''Fritz Kater. Ein Leben für den revolutionären Syndikalismus. Biographie von Fritz Kater, ''Hamburg 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quellen====&lt;br /&gt;
*''G. Bartsch: ''Anarchismus in Deutschland, Bd. I: 1945 – 1965, Hannover 1972;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''P. Buhle: ''Rocker, Rudolf (1873 – 1958), in: M. J. Buhle/P. Buhle/D. Georgakas (Hg.): Encyclopedia of the American Left, Urbana/ Chicago 1992, S. 657 f.;&lt;br /&gt;
* ''H. J. Degen'': Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002;&lt;br /&gt;
* ''M. Graur: ''An Anarchist „Rabbi&amp;quot;. The Life and Teachings of Rudolf Rocker, New York/Jerusalem 1997;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''„Der Geist der Abhängigkeit ist gewaltig gestärkt worden ...&amp;quot; Zum Werk und zur Person Rudolf Rocker, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 16. Jg. (1995) Nr. 4 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;55&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 52 – 61;&lt;br /&gt;
* ''M. Hedinger: ''Die Marxismuskritik von Rudolf Rocker, Lizentiatsarbeit, Zürich 1986;&lt;br /&gt;
* ''B. Hoffmann: ''Rudolf Rocker. Ein Mainzer Emigrant in Paris (1892 – 1894), Magisterarbeit, Univ. Mainz 1980; ''»Mittwochsgruppe Frankfurt/M«: ''Rockers Beitrag zur Kritik des Nationalismus, in: „... und nie davon träumt, Zahn oder Messer zu sein&amp;quot;. Texte zu Anarchismus und gewaltlose Revolution heute &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;GWR 21. Jg. (1992) Nr. 171 – 173&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 71 – 75;&lt;br /&gt;
* ''F. Mohrhof: ''Rudolf Rocker und die soziale Befreiung. Zur Aktualität des Anarchosyndikalismus am Beispiel seines deutschen Vertreters, in: W. Beyer (Hg.): Anarchisten. Zur Aktualität anarchistischer Klassiker, Berlin 1993, S. 101 – 114;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles/H. v. d. Berg'': Nationalismus oder Kultur. Über die kulturpolitischen Vorstellungen in der anarchosyndikalistischen Exilpublizistik in den Niederlanden (1933-1940), in: Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940. Hrsg. v. H. Würzner/K. Kröhnke, Amsterdam 1994, S. 119-136;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/Köln 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Rudolf Rocker, in: M. Asendorf, R. v. Bockel, J. P. Reemtsma (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus vier Jahrhunderten, Stuttgart 1996;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': »Eine unvollkommene Demokratie ist besser als eine vollkommene Despotie«. Rudolf Rockers Wandlung vom kommunistischen Anarchisten zum libertären Revisionisten, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15/1998, S. 205 – 226;&lt;br /&gt;
* ''M. Wallance: ''Rudolf Rocker, a biographical sketch, in: Journal of Contemporary History, Vol. 1973, S. 75 – 95;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''N. Walter: ''Rudolf Rocker&amp;lt;nowiki&amp;gt;'&amp;lt;/nowiki&amp;gt;s Anarcho-Syndicalism, in: The Raven Vol. 1 (1988), Nr. 4, S. 351 – 360;&lt;br /&gt;
* ''P. Wienand: ''Der »geborene Rebell«. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Freie_Arbeiter_Union_Deutschlands_(Anarcho-Syndikalisten)&amp;diff=4933</id>
		<title>Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hartmut R: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[Bild:FAUD-Solidemo.jpg|thumb|right|360px|Solidaritätsdemo der FAUD (A-S), Arbeitsbörse Groß-Berlin, vor dem Berliner Stadtschloss gegen die in den USA drohende Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti (Juli 1927)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Freie Arbeiter Union Deutschland''' (FAUD) ging im Dezember 1919 durch Umbenennung aus der [[FVDG|Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften]] (FVDG) hervor. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen [[Anarchosyndikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Zentralisierungsprozess in der Gewerkschaftsbewegung einsetzte, waren die bis dahin bestehenden Arbeitervereinigungen als lokale Berufsvereine ohne bürokratische Führungsinstanzen zusammengefasst. Die örtlichen Berufsvereine wiesen mit ihren basisdemokratischen Entscheidungsfindungsprozessen, ihren diskontinuierlichen Organisationsformen und ihren genossenschaftlichen Produktionszielen bereits charakteristische syndikalistische Definitionskriterien auf. Während der Periode des restriktiven Sozialistengesetzes entwickelten die Gewerkschaften zwischen 1878 und 1890 ein lokal organisiertes Vertrauensmännersystem, um somit den koalitionsrechtlichen Einschränkungen der Bismarckschen Ausnahmeverfügung zu entgehen. In der Zeit der eingeschränkten Legalität blieben dadurch die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit der Koordination von Arbeitskämpfen gewährleistet. Die Auseinandersetzung um die Beibehaltung dieser basisbezogenen Organisationsform führte im März 1892 auf dem Halberstadter Gewerkschaftskongress zur Abspaltung einer lokalorganisierten Minderheit, die sich weigerte, die von der Generalkommission angestrebte Zentralisation der örtlichen Berufsvereinigungen zu akzeptieren. In ihrem Selbstverständnis als radikalgewerkschaftliche Sozialdemokraten bestanden die sog. „Lokalisten&amp;quot; auf ihre örtliche Aktions- und Organisationsautonomie, dessen überregionale Koordinierung nur durch die Delegation von gewählten Vertrauensmännern erfolgen sollte. Im Verlauf der Kontroversen um den Reformismus bzw. den Bürokratisierungstendenzen in den Zentralgewerkschaften, konsolidierte sich die anfänglich lockere Organisationsstruktur der radikalgewerkschaftlichen Minorität, deren quantitativer Höchststand um die Jahrhundertwende bei ca. 20.000 Mitgliedern lag. Die endgültige Trennung von den Zentralgewerkschaften dokumentierte die lokalistische Gewerkschaftsopposition durch die Änderung der Organisationsbezeichnung in FVdG (Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften) auf ihrem 5. Kongress im September 1901. Die interne Gewerkschaftskritik bekam ab 1904 insofern eine zusätzliche politische Dimension, als die FVdG unter dem Einfluss des Berliner Arztes und Anarchisten →Dr. Raphael Friedeberg, mit der Annäherung an die antiparlamentarische Strategie des revolutionären →Generalstreiks, eine programmatische Neuorientierung an die Prinzipien des revolutionären →Syndikalismus einleitete. Der nachfolgende formale Bruch mit der Sozialdemokratie im Jahr 1908, der – aufgrund einer von der Parteiführung verhängten Verbots – faktisch die Trennung der sozialdemokratischen Mitglieder von der Organisation bedeutete, verstärkte diese ideologischen Grundpositionen in der FVdG. Als Geschäftsführer bestimmte seit 1904 der Berliner Maurer →Fritz Kater maßgeblich den zunehmend sozialrevolutionärer ausgerichteten Kurs der FVdG mit. Wesentliche Impulse gingen hierbei von den Klassenkampfmethoden der französischen →CGT (Confédération Générale du Travail) aus, die in der Theorie erstmals seit der Jahrhundertwende in den Kreisen des Arbeiteranarchismus der →AFD (Anarchistische Föderation Deutschlands) rezipiert worden waren. Die kontinuierliche Entwicklung zum Syndikalismus fand erst auf dem 10. Kongress der FVdG im Jahre 1912 eine programmatische Bestimmung. Die Rezeption der anarchistischen Theoretiker führte zwar zu einem deutlichen ideologisch-programmatischen Neuorientierung in der FVdG, die Kontakte zwischen der AFD und der FVdG blieben jedoch bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf regionale Kooperationen in Rheinland-Westfalen und Hamburg beschränkt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die FVdG als antimilitaristische Organisation verboten und konnte infolgedessen bis 1918 ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten nur vermindert wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die informellen Verbindungen ihrer regionalen Protagonisten während des Krieges aufrechterhalten werden konnten, führte die Koordinierung der Organisationsreste bereits im Dezember 1918 zur Rekonstituierung der FVdG. In den revolutionären Streikbewegungen der ersten Hälfte des Jahres 1919 verzeichnete die FVdG einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs unter den radikalisierten Berg- und Metallarbeitern der industriellen Zentren des Rheinlandes und des Ruhrgebiets. Mit ihrer Kritik an der sozialpartnerschaftlichen Verflechtung der überbürokratisierten Zentralgewerkschaften und der Propagierung der unmittelbaren Aktionsformen der →Direkten Aktion, gewann die FVdG, als eine radikalgewerkschaftliche Alternative, bis August 1919 etwa 60.000 zusätzliche Mitglieder. Die organisationsübergreifende Integration einer Massenbasis gelang mit der Gründung der rheinisch-westfälischen →Freien Arbeiter Union (FAU) im September 1919. An dem regionalen Gewerkschaftskartell der FAU waren verschiedene unionistische und syndikalistische Regionalverbände beteiligt, das jedoch aufgrund ihrer parteipolitischen und organisationsprinzipiellen Divergenzen keine dauerhafte Kohärenz erreichte. Die Verbindung blieb insofern labil, da sich in der FAU der marxistisch motivierte Unionismus der Linkskommunisten und der von anarchistischen Vorstellungen inspirierte Syndikalismus ideologisch gegenüberstanden. Als der vom 27. bis 30. Dezember 1919 in Berlin tagende 12. Reichskongress der FVdG das Kartell bestätigte, artikulierten sich die anscheinend unvereinbaren Differenzen in der Koalition bereits unmissverständlich. Die anwesenden 109 Delegierten, die nach eigenen Angaben 111.675 Mitglieder vertraten, verabschiedeten hier mit der von [[Rocker, Rudolf|Rudolf Rocker]] formulierten Prinzipienerklärung des Syndikalismus eine neue programmatische Grundlage, die durch die Umbenennung in FAUD (Syndikalisten &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;S&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) nochmals hervorgehoben wurde. Nachdem die FVdG noch im Dezember 1918 zur Mitarbeit in den politischen Parteien aufgerufen hatte, kam es erst 1921 auf dem 13. Kongress der FAUD (S) in Düsseldorf zu einer endgültigen Distanzierung von den Linksparteien. Der Unvereinbarkeitsbeschluss, der die parteipolitische Abstinenz künftig programmatisch festschrieb, führte somit zum Ausscheiden der parteifixierten Mitglieder in der FAUD (S). Auf Drängen der Linksparteien (USPD, VKPD) hatte sich bereits im November 1920 ein Teil der westfälischen Bergarbeiter von der FAUD (S) abgespalten, um sich fortan als Freie Arbeiter Union Gelsenkirchener Richtung erfolgreich an den Betriebsrätewahlen zu beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von relativ kurzer Dauer war auch die Inkorporation des seit Ende 1918 bestehenden „Internationalen Seemannsbunds&amp;quot; (ab Frühjahr 1919: „Deutscher Seemannsbund&amp;quot;), der einzigen syndikalistischen Berufsorganisation in Deutschland, deren numerischen Stärke (18 bis 20.000 Mitglieder im Jahr 1919) nicht nur einen freigewerkschaftlichen Konkurrenzverband überstieg, sondern zeitweilig auch und dessen Tarifhoheit an sich ziehen konnte. Nachdem der DSB nam 12. Kongress der FVdG teilgenommen hatte schloss er sich Anfang 1920 der inzwischen umbenannten FAUD an. Im September 1920 trat eine radikalisierte Minderheit des Berufsverbands der Kapitäne und Schiffsoffiziere dem DSB bei und bildete mit diesem eine seemännische Einheitsorganisation („Deutscher Schiffahrtsbund&amp;quot;). Sowohl der Seemanns- als auch der Schiffahrtsbund assimilierten sich nicht innerhalb der FAUD, sondern bestanden auf autonome Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungsprozesse und forderten andererseits Unterstützungsleistungen, welche die FAUD nicht aufzubringen vermochte. Als sich die dominante, zur KPD tendierende Leitung der mitgliederstärksten Ortsgruppe des DSB in Hamburg durchsetzte, erfolgte im Mai 1922 die Trennung von der FAUD und der Beitritt in die RGI („Rote Gewerkschaftsinternationale&amp;quot;). Etwa 1.000 Seeleute und Hafenarbeiter in Stettin hatten zuvor gegen die KPD-Politik im DSB opponiert und eine „Internationalen Seemannsunion&amp;quot; ins Leben gerufen, die Ende 1923, mit einigen weiteren lokalen Gruppen an der Nord- und Ostseeküste, eine deutsche Sektion der →IWW bildeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die längerfristige Einbindung eines syndikalistischen Berufsverbands gelang mit dem seit November 1918 bestehenden „Verband der Binnenschiffer&amp;quot; (VdB), der, anfänglich in politischer Nähe zur USPD und KPD(S) stehend, im Rahmen der revolutionären Rätebewegung die Kollektivierung der Binnenschifffahrt anstrebte. Ende 1919 reklamierte der VdB fast 7.400 Mitglieder gegenüber den rund 3.100 Binnenschiffern des freigewerkschaftlichen deutschen Transportarbeiterverbands (DTAV). Nach der im April 1920 vollzogenen Rückkehr der gemäßigten Schiffer in den DTAV, führten die ca. 500 verbleibenden Mitglieder bestehenden VdB im Rahmen der Föderation der Kommunal- und Verkehrsarbeiter innerhalb der FAUD weiter. Der noch etwa 60 Mitglieder zählende VdB löste sich unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsorgane am 30. Juni 1933 selbst auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen den gewerkschaftlichen Charakter der FAUD (S) richtete sich im Verlauf des Jahres 1921 eine interne individualanarchistische Strömung, die im Zuge ihrer grundsätzlichen Organisationskritik alle bindenden Organisationsstrukturen ablehnte. In den rheinisch-westfälischen Ortsgruppen leiteten die Auseinandersetzungen mit dem →Individualanarchismus und eine zusätzliche Ausschlusswelle von indifferenten Mitgliedern, den Verlust der dortigen Massenbasis ein. Als der 14. Kongress der FAUD (S) im November 1922 das ideologische Selbstverständnis des →Anarchosyndikalismus als die „praktische Organisationsform des Anarchismus&amp;quot; durch eine Ergänzung der Organisationsbezeichnung um den Zusatz „Anarcho-Syndikalisten&amp;quot; (AS) zum Ausdruck brachte, waren die Auflösungserscheinungen weitgehend beseitigt. Gegen den von R. Rocker und der Berliner Geschäftskommission (GK) vertretenen ideologischen Kurs, der die FAUD als aufklärerisch wirkende Ideengemeinschaft festlegte, bildete sich im Rheinland und im Ruhrgebiet eine starke oppositionelle Strömung, die sich um das seit 1921 in Düsseldorf erscheinende Publikationsorgan „Die Schöpfung&amp;quot; gruppierte. Die Ausgangspunkte für die Kritik an der Politik der GK boten dabei u. a. deren vermeintlich dogmatische Auslegung der anarchistischen Programmatik, die unflexible Haltung gegenüber dem unionistischen →Rätekommunismus, wie auch deren pazifistische Tendenzen. Die GK hatte sich zuvor im Verlauf des insurektionellen Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch, entschieden gegen eine Beteiligung an der sog. Roten-Ruhr-Armee gewandt. Aus zeitgenössischen Darstellen geht hervor, dass sich dessen ungeachtet die Aufstandsarmee zu etwa 50% aus Mitgliedern der FAUD (AS) zusammensetzte. Die aktivistische Grundeinstellung der Düsseldorfer Opposition kam im Rheinland besonders in der Förderung von Siedlungsexperimenten und Schulprojekten zum Ausdruck. Während der Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte nach 1923 ein starker Erosionsprozess der Mitgliederbasis ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser negative Trend verstärkte das Engagement einiger Ortsgruppen in separatistischen Bewegungen (z. B. im rheinischen Separatismus). Auch in Oberschlesien und im Saarland wirkte die nationale Frage gewissermaßen als Sprengsatz für die dortigen Anarchosyndikalisten. Um den Niedergang der Organisation aufzuhalten, unternahm die FAUD (AS) auf dem 15. Kongress 1925 eine taktische Kurskorrektur in Richtung einer betont gewerkschaftlicheren Linie. In Verbindung mit einer intensivierten Durchstrukturierung des Organisationsaufbaus, gelang damit eine relative Stabilisierung der FAUD (AS) bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Nachdem das Reichsarbeitsgericht der FAUD (AS) die Anerkennung als tariffähigen Berufsverband verweigert hatte, verlor sie als gewerkschaftliche Alternative an Attraktivität in den Betrieben. Die Mitgliederzahlen gingen dementsprechend kontinuierlich von 25.000 im Jahre 1925 auf etwa 4.000-5.000 im Jahr 1932 zurück. An der Radikalisierung der Arbeiterschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte die FAUD mit ihrem geringen – und auf wenige Städte begrenzten Einfluss – keinen Anteil.&lt;br /&gt;
Auf dem 19. Kongress der FAUD (AS) war im März 1932 vereinbart worden, die Organisation im Falle einer nationalsozialistischen Diktatur selbst aufzulösen. Offiziell geschah dies nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933. Im März 1933 begannen die Behörden mit der Verfolgung der noch existenten Reststrukturen der FAUD (AS). Trotz zahlreicher Verhaftungen konnte bis 1937 ein funktionsfähiges Widerstandsnetz aufgebaut werden, an dem sich 1934 bis zu 600 Personen in Deutschland beteiligten. Exilierte Mitglieder der FAUD (AS), die sich 1933/34 in Amsterdam zur Gruppe →Deutsche Anarcho-Syndikalisten (DAS) zusammengeschlossen hatten, unterstützten diese Aktivitäten von außen. Die Koordination der deutschen Exilgruppen, von denen weitere in Barcelona, Paris und Stockholm entstanden, erfolgte dabei durch die →IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation). Als im Juli 1936 der →Spanische Bürgerkrieg ausbrach, gelangte ein Teil der anarcho-syndikalistischen Auslandsorganisation nach Spanien, um an der Seite der →CNT (Confederación Nacional del Trabajo) am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Durch die revolutionären Ereignisse in Spanien alarmiert, begannen die Nationalsozialisten im Reichsgebiet mit der intensivierten Aushebung der illegalen Gruppen. Bis 1937 konnten die Nationalsozialisten den anarchosyndikalistischen Widerstand in Deutschland weitgehend zerschlagen. In mehreren Prozessen wurden die Widerständler der FAUD (AS) abgeurteilt und in Zuchthäuser bzw. in Konzentrationslager eingeliefert, aus denen eine große Zahl von ihnen nicht zurückkehrten.&lt;br /&gt;
Der Versuch von Überlebenden und aus dem Exil zurückgekehrten Anarchosyndikalisten, die Vorkriegszusammenhänge des antiautoritären Lagers wiederzubeleben, führte 1947 zur Gründung der →Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS). Die FFS brachte von 1949 bis 1953 die Zeitschrift „Die freie Gesellschaft&amp;quot; heraus, in der u. a. R. Rocker, →Helmut Rüdiger, →Fritz Linow sowie →Augustin Souchy die anarchosyndikalistische Theorie einer Revision unterzogen. Mit der Konzeption des →Freiheitlichen Sozialismus ließ sich jedoch keine nennenswerte Basis außerhalb der in sich gespaltenen antiautoritären Vorkriegszusammenhänge mobilisieren, so dass die Veteranen des deutschen Anarchosyndikalismus schließlich in der Mitte der fünfziger Jahre aufgaben.&lt;br /&gt;
Aus dem Umfeld des →Neo-Anarchismus und der 68er Bewegung wurde 1977 mit der Gründung der FAU (Freie Arbeiter/Innen Union) wieder an die Vorkriegstradition des organisierten Anarchosyndikalismus angeknüpft. Als deutsche Sektion der IAA konnte sich die FAU bis heute in einem bescheidenen Ausmaß stabilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Organisation===&lt;br /&gt;
[[Bild:Der_Syndikalist.jpg|thumb|left|250px|&amp;quot;Der Syndikalist&amp;quot;. Das Verbandsorgan der FAUD (A-S).]]&lt;br /&gt;
Vor dem ersten Weltkrieg befand sich der regionale Schwerpunkt der FVdG in Berlin. Die soziale Basis der „Lokalisten&amp;quot; stellten die dortigen qualifizierten Handwerksberufe des Baugewerbes; insbesondere die der Maurer und der Zimmerer. Nach 1918 bildete sich – neben der Mitgliederbasis in der Handwerkerschaft – ein neues Rekrutierungspotential in organisationserfahrenen und qualifizierten Facharbeiterkreisen heraus, die aus ihrer Opposition zur arbeitsgemeinschaftlichen Politik der Gewerkschaftsverbände den Weg zum Anarchosyndikalismus fanden. Ihre Massenbasis rekrutierte die FAUD vor allem unter den ungelernten Massenarbeitern in der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie in Rheinland-Westfalen, im Kohlebergbaurevieren des Ruhrgebiets und Oberschlesiens sowie in einzelnen lokalen Hochburgen in Thüringen und in Norddeutschland. Um das Jahr 1920/21 verzeichnete die FAUD mit ca. 150.000 Mitgliedern in 450 Ortsgruppen ihren quantitativen Höchststand.&lt;br /&gt;
Die Organisationsstruktur der FAUD glich dem föderalistischen Schema der französischen CGT und war vertikal in den regionalen „Arbeitsbörsen&amp;quot; – und horizontal nach berufsspezifischen Branchenverbänden – und (oder) nach den sog. Industrieföderationen aufgebaut. Die Mitgliederbasis war ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit entsprechend, in Berufs- oder Industrieverbänden zusammengefasst, von denen insgesamt zwölf geplant waren. Die Arbeitsbörsen und Industrieföderationen erstreckten sich ihrerseits von unten nach oben auf die Orts-, Kreis-, Provinz- und Landesebene. Das Organisationskonzept der FAUD sah auf der betrieblichen Ebene das Rätesystem (Räte) als Delegationsform im Produktionsbereich vor. Waren die regionalen Branchen in den Ortsgruppen nicht ausreichend vertreten, dann erfolgte der Zusammenschluss der Beschäftigten zu einer „Vereinigung aller Berufe&amp;quot;. Waren mehr als 25 Mitglieder eines Industriezweigs in einer Ortsgruppe vorhanden, dann formierten sich die Ortsverbände für den betreffenden Berufszweig zu Föderationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zusammenfassung nach Industrieföderationen begann sich nach der Konstituierung der FAUD (S) das Industrieverbands- gegenüber dem lokalistischen Berufsverbandsschema durchzusetzen; beide Organisationsprinzipien blieben jedoch in der Praxis nebeneinander bestehen. Als kleinste Organisationseinheiten blieben die Ortsverbände in ihren Entscheidungen weitgehend autonom und besaßen das Recht, eigene Satzungen auszuarbeiten, die jedoch nicht im Gegensatz zur allgemeingültigen Prinzipienerklärung stehen durften. Falls in einem engeren regionalen Rahmen mehrere Ortsgruppen existierten, dann bildeten sie eine „Arbeitsbörse&amp;quot;. Aufgrund ihrer sozialintegrativen und koordinierenden Funktionen stellten die Arbeitsbörsen das eigentliche organisatorische Rückgrat der FAUD dar. Dem anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsverständnis zufolge, sollten Arbeitsbörsen die primär erzieherischen Aufgaben des Anarchosyndikalismus erfüllen und somit das Instrument zur kulturellen Durchdringung der Gesellschaft verkörpern. Bis 1922 konnten insgesamt 35 Arbeitsbörsen geschaffen werden. Den Industrieföderationen oblagen die gewerkschaftlichen Aufgaben der Koordinierung und Ausführung der Arbeitskämpfe. Zeitweilig existierten sechs Föderationen der Bergarbeiter, der Bauarbeiter, der Metall- und Industriearbeiter, der Kommunal- und Verkehrsarbeiter, der Holzarbeiter sowie der Textil- und Bekleidungsarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als oberstes Exekutivorgan der FAUD fungierte die aus sieben Mitgliedern bestehende Geschäftskommission mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgaben der GK bestanden hauptsächlich in der Verbreitung der theoretischen Grundlagen z. B. durch die Herausgabe des Verbandsorgans „Der Syndikalist&amp;quot;. In Streikfällen oblag es der GK, die Koordinierung der Regionalorganisationen und deren Unterstützungsleistungen sicherzustellen, da keine zentrale Unterstützungskasse existierte. Die GK berief auch den im Zweijahresabstand stattfindenden Kongress der FAUD ein, zu dem alle Ortsgruppen ihre Delegierten entsandten. Als höchstes beschlussfassendes Organ der FAUD (AS) wurde dort über die grundsätzlichen theoretischen und organisatorischen Fragen entschieden. Zur Klärung von innerorganisatorischen Differenzen wurde nach einem Beschluss des 18. Kongresses der FAUD (AS), im Jahr 1930, ein „Reichsrat&amp;quot; eingeführt, der sich aus jeweils einem Vertreter aller bestehenden Industrieföderationen, Provinzialarbeitsbörsen und den Mitgliedern der GK zusammensetzte. Die organisatorische Durchstrukturierung der FAUD war bis zum Jahr 1927 abgeschlossen. Als jedoch die Mitgliederzahlen drastisch zurückgingen und darüber hinaus die Arbeitslosenquote in der Organisation ca. 60% bis 80% erreichte, verloren die Industrieföderationen merklich an Bedeutung. Die Einbindung der im Jahre 1932 noch 157 existenten Ortsgruppen konzentrierte sich nun auf die Arbeitsbörsen, von denen zum gleichen Zeitpunkt noch zwölf auf der Provinzialebene bestanden. Während die anarchosyndikalistische Präsenz in den Großbelegschaften der Metallindustrie und des Bergbaus bis zur Bedeutungslosigkeit schwand, behielt die FAUD (AS) in einzelnen Handwerksberufen, in denen die zünftlerischen Traditionen der Arbeiterbewegung noch stark nachwirkten, einen nachweisbaren Einfluss. Dies betraf vor allem die Berufsgruppen der Töpfer, Fliesenleger, Kistenmacher und Musikinstrumentenbauern in Berlin, die Fliesenleger im Rheinland, sowie die Bandwirker und Riemendreher in Krefeld. Eigenständige, nur formal im Rahmen der FAUD operierende syndikalistische Berufsverbände, wie z. B. der DSB, konnten indessen nicht dauerhaft integriert werden und gerieten in das Fahrwasser der Gewerkschaftspolitik der KPD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Syndikalistischer_Frauenbund.jpg|thumb|right|360px|Ausflug des &amp;quot;Syndikalistischen Frauenbundes Groß-Berlin&amp;quot;]]&lt;br /&gt;
In der Zeit ihres Bestehens entwickelten sich aus dem mehr oder weniger direkten Umfeld der FAUD (AS) einige kulturelle Neben- bzw. Vorfeldorganisationen heraus. Die in der →„Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands&amp;quot; seit 1921/22 zusammengeschlossenen Jugendlichen bildeten im Einflussbereich der FAUD bis 1933 einen eigenständigen Verband, deren Höchststand ca. 3.000 Mitglieder betrug. Der →„Syndikalistische Frauenbund&amp;quot; wurde 1920 gegründet und erfasste 1921 in ca. 20 Ortsgruppen etwa 1.000 Hausfrauen und Mütter. Die „freiheitlichen Kindergruppen&amp;quot; wurden ab 1928 gemeinsam von der →„Gemeinschaft proletarischer Freidenker&amp;quot; und der FAUD (AS) getragen. Als Reaktion auf die erstarkende nationalsozialistische Bewegung entstanden daneben seit 1929 die →„Schwarzen Scharen&amp;quot;. Diesem kleinen milizartigen Verband gehörten bis 1933 nicht mehr als 400 – 500 militante Mitglieder der FAUD (AS) an. Zur Förderung der kulturellen Aktivitäten und zur Außenwirkung wurde von der FAUD der zunächst der organisationseigene „Kater&amp;quot;-Verlag, dann der „ASY-Verlag&amp;quot; und darüber hinaus (seit 1929) eine Buchgemeinschaft getragen. Die →„Gilde freiheitlicher Bücherfreunde&amp;quot; besaß 1931 ca. 1.250 Mitglieder, die zu etwa 50% nicht der FAUD entstammten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Massenzuwachs, den die FAUD in den ersten Jahren ihres Bestehens verzeichnete, organisatorisch längerfristig einzubinden, misslang weitgehend. Die notwendige Interaktion mit den überregionalen Instanzen in der Organisation, insbesondere zwischen der GK und den Ortsgruppen, prägte sich besonders in der Anfangsphase der FAUD nur unzureichend aus. Dass die Vorkriegsstrukturen der FVdG mit dieser schwierigen Aufgabe überstrapaziert wurden, zeigte sich besonders darin, dass die Arbeitsbörsen in der Realität ihrem hochgesetzten Aufgaben: der Sozialisation der Mitgliederbasis, nicht erfüllten. Dieses Dilemma wurde zwar erkannt und konnte in der Folgezeit teilweise durch ein verstärktes Engagement in anderen Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung kompensiert werden. Alle derartigen Bestrebungen erfolgten unkoordiniert und blieben der individuellen Initiative von Einzelmitgliedern überlassen. Als taktisches Kalkül entsprach ein planmäßiger Entrismus überdies nicht dem propagierten Sozialrevolutionären Charakter des Anarchosyndikalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Programm und Politik===&lt;br /&gt;
Als theoretische Grundlagen für die Ideologiebildung des Anarchosyndikalismus in Deutschland sind, neben den Ideen →Pierre Joseph Proudhons und →Michael Bakunins, vor allem die Schriften →Peter Kropotkins aufzuzeigen. Dem Anarcho-Sozialismus →Gustav Landauers kommt mit seinen kulturinhärenten Vorstellungen ebenfalls eine partielle Bedeutung zu, die im Umfeld der FAUD in den Genossenschafts- und Siedlungsexperimenten verwirklicht wurden. Die ideologischen Grundlagen der „Prinzipienerklärung des Syndikalismus&amp;quot; basieren weitgehend auf den Theorien des →kommunistischen Anarchismus, wie er von P. Kropotkin entwickelt worden war. Dessen soziokulturelle Vorstellungen treten in dem von R. Rocker formulierten Selbstverständnis des Anarchosyndikalismus deutlich hervor und gehen unverkennbar auf P. Kropotkins Schrift „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschen weit&amp;quot; zurück, dessen Verbindung von sozialer Ethik und anthropologischen Erkenntnissen charakteristisch ist. Mit der Betonung des gewerkschaftlichen Charakters der FAUD (AS) wurden von den Funktionären gegen Ende der zwanziger Jahre auch intensiver die Theorien der politischen Ökonomie des →Marxismus rezipiert. Das Primat des Aktionismus der direkten Aktion blieb dennoch weiterhin der strategische Ansatzpunkt in dem voluntaristischen Selbstverständnis der FAUD (AS). Das freie Bezugsrecht des kommunistischen Anarchismus trat nun zugunsten freiheitlich-sozialistischer Theoriepostulate in den Hintergrund, wie sie z. B. von H. Rüdiger in der Propagierung des Genossenschaftssozialismus und den Rätevorstellungen →Gerhard Wartenbergs zum Ausdruck kamen. Der veränderten Konzeption der FAUD (AS) als einer „revolutionären Gewerkschaftsorganisation mit freiheitlicher (anarchistischer oder anarchosyndikalistischer) Einstellung&amp;quot; →Augustin Souchy), wurde seit dem Ende der zwanziger Jahre, gegenüber dem Kulturanarchismus der Anfangsphase, eine vorrangige Bedeutung beigemessen. Die kulturellen Aktivitäten der Mitgliederschaft verlagerten sich jetzt stärker in Außenorganisationen oder wurden in Verbänden ausgeübt, in denen Anarchosyndikalisten aktiv waren, wie z.B. in den proletarischen Freidenkerorganisationen, dem Freien Sänger-Bund und in der Sexualreformbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Charakterisierung===&lt;br /&gt;
Die FAUD setzte in direkter Nachfolge die syndikalistische Vorkriegstradition in der deutschen Arbeiterbewegung fort. Wenngleich der Anarchosyndikalismus in Deutschland niemals die Relevanz besaß, die er in den romanischen Ländern erlangte, so erreichte er dennoch in der Aufschwungphase bis 1922/23 eine regionale Bedeutung. In den anarchosyndikalistischen Hochburgen Berlin, Mühlheim/Ruhr, Düsseldorf und Sömmerda/Thüringen, konnten die Arbeitsbörsen im Ansatz die ihnen zugedachten Aufgaben über einen kurzen Zeitraum erfüllen. Die FAUD blieb jedoch nicht zuletzt ein Produkt der Revolutionszeit von 1918 bis 1920. Eine Massenorganisation wurde sie vor allem dadurch, dass ihre Prinzipien einem „naturwüchsigen Syndikalismus&amp;quot; (E. Lucas) in den radikalisierten Teilen der Massenarbeiterschaft entgegenkamen. In der Praxis gelang es der FAUD nicht, ihr anspruchsvolles Kulturkonzept einzulösen. Die Etablierung einer geregelten Arbeitslosenunterstützung im Jahr 1927 markierte den Zeitpunkt der fortschreitenden Integration der Arbeiterbewegung in den Sozialstaat. Aufgrund der Verrechtlichung aller Arbeitsbeziehungen zu einem sozialpartnerschaftlichen Institutionengeflecht, gerieten die Gewerkschaften zu einem systemimmanenten Teil des Wirtschaftssystems. Wenn die FAUD mit ihrer Zielsetzung, als Sozialrevolutionäre Klassenorganisation eine dauerhafte Massenmobilisierung zu initiieren, insgesamt scheiterte, so entging der organisierte Anarchosyndikalismus in Deutschland dennoch der Isolation des debattierenden Sektierertums. Die FAUD überdauerte die Weimarer Republik zwar nur als marginalisierte Kleinorganisation des ultralinken Randspektrums; mit ihrer Einbindung in der proletarischen Gegenkultur konnte sie jedoch in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aktiv eingreifen. Dies wird nicht nur in ihrer umfangreichen Verlagsproduktion und in der Zahl ihrer Periodika deutlich, sondern zeigte sich auch in der Widerstandstätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus, zu dem der Anarchosyndikalismus einen bedeutenden Teil beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur und Quellen===&lt;br /&gt;
* ''R. Berner'': Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland. Hrsg., annotiert und ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten von ''A. Graf'' und ''D. Nelles'', Berlin/Köln 1997;&lt;br /&gt;
* ''H. M. Bock: ''Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989; ''Ders.: ''Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 – 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik, Darmstadt 1993;&lt;br /&gt;
* ''Ders.: ''Geschichte des »linken Radikalismus« in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''H. Bötcher: ''Zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Amerika, Deutschland und England. Eine vergleichende Betrachtung, Jena 1922;&lt;br /&gt;
* ''H. Döhring'': Syndikalismus im „Ländle&amp;quot;. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) in Württemberg 1918 bis 1933, Frankfurt/M. 2006;&lt;br /&gt;
* ''A. Graf'' ''(Hrsg.)'': Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001;&lt;br /&gt;
* ''W. Haug: ''»Eine Flamme erlischt«. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, 25. Jhg. Nr. 3, Berlin 1989;&lt;br /&gt;
* ''U. Klan u. D. Nelles: ''»Es lebt noch eine Flamme«. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Döffingen 1989;&lt;br /&gt;
* ''M. ''v. ''d. Linden/W. Thorpe (Hrsg.): ''Revolutionary Syndicalism. An International Perspektive, Aldershot 1990;&lt;br /&gt;
* ''E. Lucas: ''Zwei Formen von Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung, Frankfurt/M. 1976;&lt;br /&gt;
* ''K.-M. Mallmann'': Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der &amp;quot;Freien Arbeiter-Union Deutschlands&amp;quot; (FAUD) 1919-1935, in: W. Haubrichs/W. Laufer/R. Schneider (Hrsg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann, Saarbrücken 1995, S. 381 – 388;&lt;br /&gt;
* ''D. H. Müller: ''Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung, Berlin 1985;&lt;br /&gt;
* ''J. Mümken'': Anarchosyndikalismus an der Fulda. Die FAUD in Kassel und im Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus. Mit einer Einleitung von Helge Döhring, Frankfurt/M. 2004;&lt;br /&gt;
* ''D. Nelles'': Deutsche Anarchosyndikalisten und Freiwillige in anarchistischen Milizen im Spanischen Bürgerkrieg, in: IWK, 33. Jhg. Nr. 4, Berlin 1997;&lt;br /&gt;
* ''Ders.:'' Anarchosyndicalism and the Sexual Reform Movement in the Weimar Republic, in: Free Love and the Labour Movement, in: IISH Research Papers 40, Amsterdam 2001; ''Ders.:'' Internationalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden&amp;quot;, 22. Jhg. (2002), Nr. 2 &amp;lt;nowiki&amp;gt;[&amp;lt;/nowiki&amp;gt;74&amp;lt;nowiki&amp;gt;]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, S. 61-66;&lt;br /&gt;
* ''H. Rübner: ''Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin 1994;&lt;br /&gt;
* ''Ders.'': Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Der Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 14/1996, S. 66 – 108; ''R.''&lt;br /&gt;
* ''Theissen/P. Walter/J. Wilhelms: ''Johanna: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen/Ems 1980;&lt;br /&gt;
* ''A. Vogel: ''Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977;&lt;br /&gt;
* ''K. Weberskirch'': Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Hartmut_R|Hartmut Rübner]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ALex-Quelle}}{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Organisationen|Lexikon der Anarchie: Organisationen/Bewegungen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hartmut R</name></author>	</entry>

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